Die vorliegende Facharbeit beäugt kritisch würdigend wesentliche Veränderungen der deutschen Sprache seit 1945. Ausgehend von einer Darstellung der gravierendsten allgemeinen Entwicklungsphänomene und ihrer Triebfedern liegt einer der Schwerpunkte auf der Untersuchung des Einflusses der Englischen Sprache auf das Deutsche. Zudem wird der Frage nachgegangen, ob die Teilung Deutschlands nach 1945 auch zu einer Sprachspaltung führte. Über all dem schwebt die Diskussion, ob die deutsche Sprache nur eine gesunde Entwicklung nimmt oder ob sie unwiederbringlich verfällt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Veränderungen der deutschen Sprache von 1945 bis heute
2.1 allgemeiner Wandel der deutschen Sprache
2.1.1 Das Vordringen nominaler Wendungen
2.1.2 Übertragungen und Wortverschleiß
2.1.3 Wandlungen im deutschen Satzbau
2.1.4 Die Ausklammerung im Deutschen
2.1.5 Veränderungen im Wortschatz - aktuelle Wortbildungen
2.1.5.1 Adjektive
2.1.5.2 Substantive
2.1.5.3 Verben
2.1.6 Die Verwissenschaftlichung der gesprochenen und geschriebenen Sprache
2.2 Die Sprachreform im Zeichen der politischen Korrektheit- feministische
2.3 Triebkräfte im Sprachgeschehen der Gegenwart
2.3.1 Differenzierung
2.3.2 Verdeutlichung
2.3.3 Systematisierung
2.3.4 Ökonomie
2.3.5 Abstraktion
2.4 Die Teilung Deutschlands nach 1945- auch eine Sprachspaltung?
2.4.1 Deutsch in der DDR
2.4.2 Sprach- und Kommunikationsprobleme zwischen der BRD und der DDR
2.5 Der Einfluss der englischen Sprache auf das Deutsche
2.5.1 Der Unterschied zwischen Denglisch und Anglizismus
2.5.2 Adaptionen aus dem Englischen
2.5.2.1 Der Vormarsch der Entlehnungen und Fremdwörter
2.5.2.2 Scheinentlehnungen
2.5.2.3 Idiomatik und Syntax
2.5.2.4 Die zehn wichtigsten, neuen Übernahmen aus dem Englischen
2.5.3 Motive, Argumente und Gründe für englische Entlehnungen und Fremdwörter
2.5.4 Beispiele für Haupteinfallstore der englischen Sprache
2.5.4.1 Die moderne Unterhaltungsmusik
2.5.4.2 Die Elektronik
2.5.4.3 Die Medien und die Werbung
2.5.5 Die Entwicklung zur Pidginsprache Denglisch und der Verlust der
3 Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die tiefgreifenden Veränderungen der deutschen Sprache seit 1945. Sie analysiert, wie gesellschaftlicher Wandel, technischer Fortschritt, politische Korrektheit und der massive Einfluss des Englischen das Deutsche beeinflusst haben und ob diese Entwicklungen als Sprachverfall oder als natürliche Sprachentwicklung zu werten sind.
- Allgemeiner Sprachwandel (Nominalisierung, Wortverschleiß, Satzbau)
- Einfluss der politischen Korrektheit und feministischer Sprachpolitik
- Die Auswirkungen der deutschen Teilung auf die Sprache
- Der Einfluss des Englischen (Anglizismen, Denglisch, Medieneinfluss)
- Diskussion über das Fortbestehen der deutschen Sprachstruktur
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Das Vordringen nominaler Wendungen
Eine Tendenz, die schon seit Ewigkeiten zu erkennen ist, im überall und überaus schnelllebigen 20. Jahrhundert jedoch extrem beschleunigt wurde, ist der Hang der Deutschen nominale Umschreibungen zu verwenden, die den Inhalt eines Vollverbs oder sogar eines ganzen Satzes mit einem Substantiv und einem Allerweltsverb wiedergeben. So findet sich kaum noch das Verb ‚beabsichtigen’. Heute heißt es „die Absicht haben“.
Sogar ‚berichten’ wird heutzutage durch „Bericht erstatten“ ersetzt. Begründen kann man diese Vorliebe für nominale Wendungen damit, dass sie exakter wiedergeben, was ausgesagt werden soll. Zwischen ‚entscheiden’ und „zur Entscheidung stellen“ gibt es zwar nur einen kleinen Unterschied, dieser wird aber mit der Nominalwendung deutlich hervorgehoben.
Klarer zu erkennen, wie das Vollverb die Aussage verzerren würde und durch den Nominalstil ein leicht anderer, unverwechselbarer Aspekt hinzugefügt wird, ist es bei „in Gang kommen/setzen/sein“ statt des einfachen ‚gehen’. Anwendung finden nominale Umschreibungen vor allem in der Bürokratie. Dort sind sie wegen ihrer Exaktheit sogar fast unverzichtbar. So wird kein Politiker mehr etwas ‚erklären’; stattdessen gibt er über einen Sachverhalt eine einmalige und verbindliche Erklärung ab.
Seit einigen Jahren werden sogar Verben substantiviert um sie nominal umschreiben zu können. Dies führt dann zu Nomen wie „Außerachtlassung [oder] Instandsetzung“, was das Verständnis solcher Konstruktionen stark erschwert. Vor allem, wenn es auch noch zu einer Häufung von Genitiven wie im Passierscheinabkommen von 1964 kommt: „auf Weisung des Stellvertreters des Vorsitzenden des Ministerrates der DDR“. Ohne mehrmaliges Lesen sind Sätze solch extremen Nominalstils praktisch kaum zu verstehen. Daher heißt auch kaum ein Linguist diese Erscheinung gut. Trotzdem wird sie zunehmend verwendet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung etabliert die Sprache als dynamisches System, das an gesellschaftliche und kulturelle Bedingungen gebunden ist, und führt in die Thematik der Sprachveränderungen seit 1945 ein.
2 Veränderungen der deutschen Sprache von 1945 bis heute: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert den allgemeinen Sprachwandel, die Auswirkungen politischer Reformen, die Rolle von Triebkräften wie Ökonomie und Abstraktion, die (Nicht-)Sprachspaltung durch die Teilung Deutschlands sowie den starken Einfluss der englischen Sprache.
3 Schluss: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass das Deutsche zwar starken Wandelprozessen unterliegt, der Kern der Sprache jedoch stabil bleibt und Verfallsvorwürfe wissenschaftlich schwer zu belegen sind.
Schlüsselwörter
Sprachwandel, Anglizismen, Denglisch, Nominalstil, politische Korrektheit, Sprachpolitik, Sprachökonomie, Sprachverfall, Medieneinfluss, Satzbau, Wortschatzerweiterung, Sprachentwicklung, DDR-Sprache, Fremdwörter, Sprachassimilierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die vielfältigen Wandlungsprozesse der deutschen Sprache seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den allgemeinen grammatikalischen und lexikalischen Wandel, den Einfluss politischer und gesellschaftlicher Strömungen sowie insbesondere den zunehmenden Einfluss des Englischen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Ursachen und Erscheinungsformen des Sprachwandels zu untersuchen und die Frage zu klären, ob dieser Wandel als gefährlicher Sprachverfall oder als natürliche, lebendige Anpassung an moderne Bedingungen zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und analytischen Untersuchung unter Heranziehung zahlreicher Fachliteratur, um sprachliche Phänomene und deren gesellschaftliche Hintergründe zu erläutern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Nominalisierung, Satzbauwandel, die Auswirkungen politischer Korrektheit, die sprachliche Situation während der deutschen Teilung sowie die umfangreiche Untersuchung von Anglizismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachwandel, Anglizismen, Sprachökonomie, Nominalstil und Sprachpolitik geprägt.
Inwiefern hat die Teilung Deutschlands die Sprache beeinflusst?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es keine echte Sprachspaltung gab, da Rechtschreibung und Grammatik identisch blieben; Unterschiede beschränkten sich auf den Wortschatz in politisch-ideologischen Bereichen.
Wie bewertet der Autor den Einfluss des Englischen?
Der Autor konstatiert eine enorme Zunahme von Anglizismen, warnt vor der Entstehung einer Pidginsprache (Denglisch), betont aber gleichzeitig die Stabilität des deutschen "Tiefencodes".
Was besagt die These zum "Tiefencode"?
Die These lautet, dass eine Sprache erst dann ernsthaft gefährdet ist, wenn ihr komplexes, einzigartiges Regelwerk (der Tiefencode) kollabiert – wofür es aktuell noch keine Belege gibt.
- Arbeit zitieren
- Martin Neumann (Autor:in), 2007, Veränderungen der deutschen Sprache seit 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305346