Im Volksmund wird Amerika immer als das Land „der unbegrenzten Möglichkeiten“ beschrieben. Das Land, in dem jedes Mitglied der Gesellschaft, das hart arbeitet, seinen Lebensstandard und Wohlstand erhöhen kann und den „American Dream“, den sprichwörtlichen Traum „vom Tellerwäscher zum Millionär“ erreichen kann.
Ein anderer, mindestens ebenso häufig verwendeter Wert, der als typisch „amerikanisch“ verstanden wird und von Politik und Gesellschaft quasi gebetsmühlenartig angepriesen wird, ist der Wert der „Freiheit“.
Freiheit in den USA bedeutet vor allem symbolische Stärke und meint damit einerseits Rechte, die vor Zwang schützen, andererseits Rechte auf positives Handeln. Konkrete Anwendungsformen finden sich bei der Presse- oder Religionsfreiheit, aber auch beim Recht auf Selbstverteidigung. Um die eigene Sicherheit zu schützen, gehört insbesondere das freie Recht auf Waffenbesitz als Teil der persönlichen Freiheit dazu.
In dieser Arbeit geht es darum, zu verstehen, welchen Ansporn bestimmte Gruppen der Gesellschaft haben könnten, um das Waffenrecht der USA nicht nur zu hinterfragen, sondern den freien Waffenbesitz und dessen Folgen als soziales Problem zu verstehen. Hierzu ist es erforderlich zu definieren, was man unter einem sozialen Problem versteht, welche Phasen die Entwicklung eines solchen Prozesses durchläuft und welche Mitglieder der Gesellschaft sich diesem Prozess entweder anschließen oder aber diesem kritisch begegnen. Ebenfalls von Bedeutung ist die Art und Weise, wie Akteure auf ein soziales Problem aufmerksam machen und welche Ressourcen eine Rolle spielen.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
2.1 Definition „Soziales Problem“
3. Waffenrecht der USA
3.1 Gesetzeslage des Waffenrechts der USA
3.2 Zahlen und Daten rund um den Besitz und Umgang mit Waffen
4. Waffenrecht als soziales Problem
4.1 Entstehung und Entwicklung des sozialen Problems
4.2 Gegenspieler des sozialen Problems „Waffenrecht“
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, unter welchen Voraussetzungen und durch welche Akteure das amerikanische Waffenrecht als soziales Problem konstruiert wird und wie sich der Diskurs zwischen Befürwortern und Kritikern gestaltet.
- Soziologische Definition und Analyse sozialer Probleme
- Gesetzliche Grundlagen des Waffenrechts in den USA
- Statistische Auswertung von Waffenbesitz und Gewaltkriminalität
- Rolle der Massenmedien bei der Problemkonstruktion
- Einfluss von Interessengruppen wie der NRA auf die Gesetzgebung
Auszug aus dem Buch
4.1 Entstehung und Entwicklung des sozialen Problems
In meiner Einleitung erwähnte ich bereits, dass sich schon bei dem Prozess des „Claimmakings“ Unterschiede ergeben können. Claimmaking bedeutet, dass eine bestimmte Gruppe einer Gesellschaft einen Zustand als „problematisch“ wahrnimmt und dazu aufruft etwas dagegen zu unternehmen. Die erste Thematisierung der primären Akteure verschafft diesen eine besondere Definitionsmacht. Das heißt, mit der Deutung eines sozialen Problems legt diese fest, welche Ursachen für das Problem angenommen werden, welche Präventionsmöglichkeiten bestehen und welcher Personenkreis für die Bekämpfung am ehesten geeignet ist. Nach der ersten Thematisierung durch den primären Akteur kann das Problem Karriere machen, jedoch auch in der einen oder anderen späteren Phase scheitern. Es geht hier vor allem um Dinge wie Aufmerksamkeit, Anerkennung in der Gesellschaft und eben auch Problemdeutung. Bei der Problemdeutung könnte es nämlich sein, dass nicht der Besitz von Waffen als Grundlage eines Problemmusters gesehen wird, sondern bloß der Umgang damit.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Wertes „Freiheit“ in den USA ein und umreißt die Fragestellung, wie Waffenbesitz als soziales Problem wahrgenommen wird.
3. Waffenrecht der USA: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die gesetzliche Lage und statistische Daten zu Waffenbesitz und Kriminalität in den USA.
4. Waffenrecht als soziales Problem: Hier wird analysiert, wie soziale Bewegungen und Akteure Waffenrecht als Problem definieren und welche Gegenspieler diesen Deutungen entgegenstehen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ambivalenz der Thematik zusammen und betont den starken Einfluss von Interessengruppen und kulturellen Werten auf die politische Unveränderbarkeit des Waffenrechts.
Schlüsselwörter
Waffenrecht, USA, Soziales Problem, Claimmaking, Waffenbesitz, Gewaltkriminalität, NRA, Waffenindustrie, Medien, Framing, Freiheit, Selbstverteidigung, Sozialwissenschaften, Lobbyismus, Politische Gesetzgebung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, ob und unter welchen soziologischen Gesichtspunkten das Waffenrecht in den USA als soziales Problem konstruiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die gesetzlichen Grundlagen, die soziologische Theorie sozialer Probleme, die mediale Berichterstattung sowie den Einfluss mächtiger Interessengruppen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu verstehen, wie verschiedene gesellschaftliche Gruppen das Waffenrecht interpretieren und warum bestimmte Forderungen nach Verschärfungen oft an kulturellen und politischen Hürden scheitern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es werden soziologische Theorien zu sozialen Problemen, insbesondere das Konzept des „Claimmakings“, sowie Sekundärdaten und Statistiken zur Kriminalität verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Gesetzeslage, Daten zum Waffenbesitz sowie die Entstehung und Entwicklung des sozialen Problems unter Berücksichtigung von Akteuren und Gegenspielern erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Waffenrecht, Soziales Problem, Claimmaking, Waffenbesitz, NRA und politischer Lobbyismus.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Medien bei diesem Thema?
Der Autor argumentiert, dass Medien durch eine gewaltgeprägte Berichterstattung Ängste schüren können, was wiederum den Wunsch nach Selbstverteidigung durch Waffen befeuert.
Warum bleibt das amerikanische Waffenrecht trotz Kritik so stabil?
Die Stabilität wird durch den zweiten Verfassungszusatz, die kulturelle Bedeutung der Freiheit und den massiven Einfluss einflussreicher Lobbygruppen wie der NRA erklärt.
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- Lewis Leenhard (Author), 2015, Ist das amerikanische Waffenrecht ein soziales Problem? Kritikpunkte und Argumente für das Recht auf Selbstverteidigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305424