"Die Treffpunktkids". Ein Gruppenangebot für Kinder psychisch kranker Eltern


Bachelor Thesis, 2014
59 Pages, Grade: 2+

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorüberlegungen und Definitionen zur Erstellung eines Konzeptes
2.1 Was ist ein Konzept?
2.2 Die Methode

3. Der Kreisverband der Treffpunkte e.V. Waldeck-Frankenberg
3.1 Charakterisierung des Kreisverbandes der Treffpunkte e.V
3.2 Das Leitbild des Kreisverbandes der Treffpunkte e.V
3.3 Rechtliche Grundlagen und Finanzierung der Unterstützungsangebote des Kreisverbandes der Treffpunkte e.V

4. Das Umfeld der „Treffpunktkids“
4.1 Die Kreisstadt Korbach
4.2 Infrastruktur der Kreisstadt Korbach
4.3 Das Einzugsgebiet für die „Treffpunktkids“
4.4 Soziale Institutionen die von Relevanz für die „Treffpunktkids“ sein können

5. Die Zielgruppe der „Treffpunktkids“
5.1 Kinder psychisch kranker Eltern
5.2 Belastungen für Kinder psychisch kranker Eltern
5.3 Belastungen für die erkrankten Eltern
5.4 Welche Bedürfnisse haben Kinder psychisch kranker Eltern?
5.6 Entwicklungspsychologische Grundlagen für Kinder im Altern von 7-11Jahren

6. Theoretische Grundlagen für das Gruppenangebot der Treffpunktkids
6.1 Das Resilienzkonzept und seine Schutzfaktoren
6.2 Die Theorie der Lebensweltorientierung
6.3 Empowerment
6.4 Richtzielformulierung für das Gruppenangebot der Treffpunktkids

7. Das Gruppenangebot
7.1 Rahmenbedingungen
7.2. Lern- und Feinzielformulierung
7.2.1 Kennenlernphase
7.2.2 Psychoedukation
7.3 Pädagogische Umsetzung
7.4 Weitere Didaktische Überlegungen zur Umsetzung des Angebotes
7.5 Elternarbeit
7.6 Evaluation

8. Vorhandene Ressourcen für die „Treffpunktkids“
8.1 Räumlichkeiten für das Gruppenangebot
8.2 Finanzierung der „Treffpunktkids“
8.3 Kooperation und Vernetzung

9. Personelle Ausstattung
9.1 Qualifikation und Aufgabenverteilung
9.2 Besprechungskultur

10. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

ÄStudien zeigen übereinstimmend, dass Kinder mit psychisch erkrankten Eltern nicht nur häufig mit besonderen Belastungen und Beeinträchtigungen konfrontiert sind, sondern darüber hinaus ein deutlich erhöhtes Risiko haben, selbst eine psychische Störung zu entwickeln.“ (Lenz,2010,S.3)

Mit diesem Statement von Albert Lenz wird sehr nachdrücklich dargelegt, was jahrelang von Psychiatrie und Jugendhilfe weitestgehend ignoriert wurde. Kinder psychisch kranker Eltern zeigen aufgrund der zum Teil massiven Beeinträchtigungen der Eltern große Defizite in der Versorgung und Betreuung. Sie sind in vielen Bereichen überfordert und in ihrer Entwicklung gefährdet. Diese Kinder fühlen sich oft emotional allein gelassen, tragen früh Verantwortung, haben Angst vor einer Verschlimmerung der Erkrankung oder einen möglichen Suizid des erkrankten Elternteils. Aus Angst vor Stigmatisierung und Isolation durch das soziale Umfeld, wird oft nur sehr wenig über die Erkrankung der Eltern in den Familien gesprochen. Vielfach wird den Kindern auch ein Redeverbot erteilt. Dabei wünschen sich die meisten Kinder Informationen über die psychische Erkrankung des Vaters oder der Mutter. Sie möchten in die Behandlung einbezogen werden und offene Antworten auf ihre Fragen erhalten (vgl., Mattejat,Liesofsky,2008,S.94).

In den letzten Jahren ist man zwar offener für die Bedürfnisse und Belange von Kindern psychisch kranker Eltern geworden, dass heißt aber leider nicht, dass für diese Kinder kommunalpolitisch entsprechende Angebote geschaffen wurden. Die Angebote die bislang bestehen, finanzieren sich zumeist durch Spenden und haben keine oder wenig Aussicht auf eine Regelfinanzierung.

Durch meine Arbeit als pädagogische Mitarbeiterin im Betreuten Wohnen beim Kreisverband der Treffpunkte e.V. Waldeck- Frankenberg am Standort Korbach, werde ich im tagtäglichen Umgang mit meinen Klienten, die zum Teil auch Eltern sind, mit den Problemen, die sich für die Kinder aus der psychischen Erkrankung der Eltern ergeben, hautnah konfrontiert. Meiner Meinung nach sind präventive Angebote, die den Familienerhalt fördern notwendig. Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen im Leben eines Kindes. Deshalb kann es nur sinnvoll sein, entsprechende präventive Angebote für Kinder psychisch kranker Eltern und deren

Familien zu schaffen. Aus diesem Gedanken heraus und der zeitgleichen Anfrage einer Schulpsychologin der Korbacher Schulen, ob wir auch Angebote für Kinder psychisch kranker Eltern anböten, entstand der Gedanke und die Idee sich näher mit dem Thema zu beschäftigen und ein Gruppenangebot zu erstellen. Für uns hatte von Anfang an die Förderung und Stärkung der Kinder im familiären Umfeld, durch ein entsprechendes Gruppenangebot, höchste Priorität. Ein erstes Konzept wurde erstellt, dass die Förderung von Ressourcen der Kinder und der Aufklärung über psychische Erkrankung der Eltern zum Ziel hatte. So starteten wir im September 2013 mit unserer Kindergruppe „Die Treffpunktkids“. Mittlerweile sind wir an einen Punkt angelangt, in dem dringend eine Überarbeitung unseres Konzeptes notwendig geworden ist. Wir haben das erste Konzept zu allgemein gehalten und sind wenig auf entwicklungsspezifische Kriterien eingegangen. Uns war zunächst einmal wichtig, einen „Fahrplan“ zur Verfügung zu haben, den wir auch anderen sozialen Institutionen in Korbach vorlegen konnten, um unser Projekt vorzustellen. Die Kinder, die bislang unsere Gruppe besucht haben und besuchen, zeigen teilweise große Auffälligkeiten im emotionalen Bereich. Hier muss mehr auf die Bedürfnisse der Kinder geachtet werden. Deshalb muss es flexibel angepasst sein an die jeweilige Gruppenkonstellation und die individuellen Bedürfnisse und Interessen der einzelnen Kinder.

Aus diesem Grund möchte ich die notwendige Erweiterung unseres Gruppenkonzepts im Rahmen dieser Bachelorarbeit aufgreifen und erarbeiten. Dazu werde ich mich auf die Gliederung einer Konzeption beziehen, die im Rahmen des B13 Seminars „Reflexive Fallarbeit“ von Frau Dr. Margarete Suschek vorgestellt wurde, das ich im Sommersemester 2012 besucht habe. Diese Konzeptgliederung sieht sieben Punkte vor, die hier auf unsere Kindergruppe bezogen, dargestellt werden. Zunächst wird aber auf die Definitionen Konzept und Methode näher eingegangen. Im zweiten Kapitel wird die Institution des „ Kreisverbandes der Treffpunkte e.V.“ und sein Angebot für psychisch kranke Menschen näher vorgestellt. Danach folgt eine genauere Beschreibung der Kreisstadt Korbach und ihrer Infrastuktur. Hier wird auch auf soziale Einrichtungen eingegangen, die für eine Kooperation und Bildung eines Netzwerkes für unsere Kindergruppe wichtig sein könnten,da wir auch kommunalpolitisch auf die Bedürfnisse und Belastungen von Kindern psychisch kranker Eltern aufmerksam machen möchten. Im dritten Kapitel wird unter Einbezug wissenschaftsbezogener Literatur die besondere Lage von Kindern psychisch kranker Eltern dargestellt. Ebenfalls erscheint es mir in diesem Zusammenhang wichtig, entwicklungspsychologische Grundlagen für Kinder im Alter von 7-11 Jahren darzulegen. Diese Grundlagen erscheinen insofern wichtig, da wir in unserer Arbeit mit den Kindern den jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes im Auge behalten müssen, um möglichen Über- oder Unterforderungen entgegenzuwirken und altersspezifische Bedürfnisse zu berücksichtigen. Das anschließende Kapitel wird sich mit pädagogischen Theorien auseinandersetzen um daraus die Richtziele für unsere Kindergruppe formulieren zu können. Dabei wird auf das Konzept der Lebensweltorientierung (Thiersch,2014), dem Empowermentkonzept (Herriger, 2010) und dem Resilienzkonzept (Bengel,et.al., 2009) eingegangen. Diese Konzepte bieten, meiner Meinung nach, die adäquaten Voraussetzungen, um Richtziele für eine Kindergruppe psychisch kranker Eltern formulieren zu können. Danach folgt der Hauptteil, indem das Gruppenangebot geschildert wird. Dabei wird die Struktur und der didaktische Aufbau mit unterschiedlichsten methodischen Zugängen in das Themenfeld der „Treffpunktkids“ ausführlich dargelegt. Die Zielformulierungshilfen von Johannes Schilling (2013) dienen hier als Orientierung. Die personalen, räumlichen und qualitativen Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, werden im letzen Kapitel erläutert. Somit sollte es im Fazit möglich sein die Frage dieser Arbeit, inwiefern ein Gruppenangebot die Bedürfnisse und Ressourcen von Kindern psychisch kranker Eltern gezielt aufgreifen und fördern kann, zu analysieren und zu beantworten.

2. Vorüberlegungen und Definitionen zur Erstellung eines Konzeptes

In diesem Kapitel wird sich näher mit der Terminologie des Konzeptes und der Methode auseinander gesetzt. Dies scheint insofern wichtig, da die Erstellung eines Konzeptes ein wesentliches Arbeitsmittel im sozialpädagogischen Feld darstellt, das sich ausführlich auf bestimmte Methoden und pädagogische Arbeitsweisen bezieht.

2.1 Was ist ein Konzept?

Die Erstellung von Konzepten stellt den Sozialpädagogen1immer wieder vor eine Situation besonderer Herausforderung. Jedes sozialpädagogische Arbeiten sollte Theorien und Konzepte zur Grundlage haben. Dabei kann man grundsätzlich zwischen zwei Arten von Konzepten unterscheiden. Zum einen sind das Handlungskonzepte, die sich mit sozialpädagogischen Theorien, wie z.B. das Empowermentkonzept auseinandersetzt. Zum anderen unterscheidet man spezifische auf Zielgruppen,-Situationen oder Organisationen bezogene Konzepte (vgl.,Schilling,2013,S.239). Mit Hilfe eines Konzeptes kann der sozialpädagogische Alltag systematisiert und konkretisiert werden. Geißler und Hege (2001) formulieren dazu eine sehr klare und nachvollziehbare Definition: ÄUnter Konzept verstehen wir ein Handlungsmodell, in welchem die Ziele, die Inhalte, die Methoden und die Verfahren in einem sinnhaften Zusammenhang gebracht wird. Dieser Sinn stellt sich im Ausweis der Begründung und der Rechtfertigung dar.“ (Geißler,Hege,2001,S.23) Die Definitionslage hierzu erscheint teilweise diffus, da an sich Konzeptionen oder Konzepte, wie sie in der pädagogischen Arbeit entwickelt werden, etwas anderes darstellen als ein Handlungskonzept, das eine spezielle Theorie näher beschreibt. Oftmals vermischt sich der Begriff des Konzepts mit dem der Methode. In Bezug auf diese Arbeit, soll hier sich die Definition von Geißler und Hege darauf beziehen, was speziell als Konzept verstanden werden kann, nämlich ein Entwurf für die pädagogische Arbeit, in dem Ziele, Inhalte, Methoden und Verfahren in Zusammenhang gebracht werden und theoretisch begründet sind. Desweiteren bietet eine Konzeption die Möglichkeit Ä[…] im eigenen Arbeitsfeld Qualität zu konzipieren, zu begründen und zu evaluieren.“ (Breede, Spiegel, Sturzenhecker,2009,S.34) Damit ist gemeint, wenn man das Beispiel der „Treffpunktkids“ wählt, dass mit Hilfe eines Konzeptes genaue Zielvorstellungen formuliert werden, die man zuvor unter theoretischen Bezügen analysiert und festlegt. Außerdem bietet ein Konzept immer die Möglichkeit darzulegen, wie die pädagogische Arbeit im einzelnen aussieht, was wiederum bei der Verhandlung mit möglichen weiteren Institutionen oder Trägern hilfreich sein kann. Somit dient ein Konzept nicht nur als Arbeitsgrundlage innerhalb einer Institution, sondern bietet auch ein Aushängeschild, eine Verhandlungsbasis in der Öffentlichkeit und bei relevanten Kostenträgern.

2.2 Die Methode

Mit den Methoden verhält es sich ähnlich wie mit dem Terminus Konzept. Mit Methode kann zweierlei definiert werden. Zum einen ist, ähnlich wie beim Konzept, die Planbarkeit und Zielgerichtetheit gemeint, die in Wechselwirkung miteinander stehen, der auch als systematischer Komplex von Vorgehensweisen bezeichnet werden kann (vgl.,Geißler,Hege,2001,S.29). Vielfach wird aber auch von Methoden als Überbegriff in der Sozialen Arbeit gesprochen. Sie können im Grunde mit Konzepten der Sozialen Arbeit gleich gesetzt werden. Klassischerweise sind hier Methoden wie die Einzelfallhilfe oder die Gemeinwesenarbeit gemeint. Schilling (2013) kritisiert den Terminus Methode ausdrücklich, in dem er feststellt: ÄWenn die klassischen Methoden den Begriff Methode okkupiert haben, muss man sich fragen, wie man z.B. Rollenspiel, Planspiel, Podiumsgespräch, Interview, Bildkollage etc. bezeichnet […] ich bin der Meinung, der Begriff ‚Methoden der Sozialarbeit‘ ist falsch gewählt.“ (Schilling,2013,S.115). Schilling schlägt vielmehr vor in Arbeitsform, Verfahren und Methode zu kategorisieren. Dabei bezieht er sich bei der Arbeitsform auf die Makro-Ebene, womit die klassischen Methoden (Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit etc.) gemeint sind. Verfahren beziehen sich auf die Meso-Ebene (z.B. Gruppenpädagogik, Gruppendynamik, Gesprächstherapie) und zuletzt die Methode, die sich auf die Mikro-Ebene bezieht. Damit sind unter anderem Rollenspiel, Planspiel oder Bildkollage etc. gemeint. Hiermit ist das konkrete Handeln gemeint, das die Umsetzung von Zielen verfolgt (vgl.,ebd.). Wenn es um die Vermittlung von gezielten Inhalten geht, ergibt der Begriff der Didaktik/Methodik Sinn. Didaktik wird als Wissenschaft vom Lehren und Lernen bezeichnet und die Methodik als Wissenschaft vom zielgerichteten Handeln. Beide stehen in einem interdependentem Verhältnis. Somit ist die Didaktik für die Methodik der Rahmen möglicher Handlungsfolgen und Verfahren (vgl.,ebd.). Schilling fasst beide sehr eindrücklich zusammen: ÄTrotz der logischen Reihenfolge stehen Ziele und Methoden in einer Interdependenz bzw. Implikation, d.h. bestimmte Ziele können nur durch bestimmte Methoden erreicht werden und nur bestimmte Methoden eignen sich zum Erreichen bestimmter Ziele. In der Auswahl der Ziele ist auch gleichzeitig der methodische Rahmen abgesteckt. Ziele sollen in Handlung umgesetzt werden, d.h. also, Ziele müssen so konkret formuliert werden, dass ihre Umsetzung im Handeln bereits erkennbar ist.“

(Schilling,2013,S.110)

Zusammenfassend kann an dieser Stelle festgehalten werden, das mit Konzept ein zielgerichtetes Handeln das zuvor genau geplant wird, verstanden wird. Dafür ist wichtig, dass man das Wissen über pädagogische Theorien zur Verfügung hat, um dieses zielgerichtete Handeln umsetzen zu können. Von daher gilt ein Konzept als Grundlage für pädagogische Arbeit. Konzepte wie zum Beispiel das des Empowerment würde ich eher als Theorie deklarieren. Mit dem Terminus Methode verhält es sich gleich. Da ich von meiner Erstausbildung her staatlich anerkannte Erzieherin bin, ist für mich die Didaktik/Methodik immer noch sehr präsent. Beide bedingen sich gegenseitig. Ohne Didaktik werde ich keine Methode erfolgreich anwenden können. Beide benötige ich, um zielgerichtet zu handeln oder etwas zu vermitteln. Wenn man diese Begriffe auf die Konzeption dieser Arbeit übertragen möchte, heißt das, ohne didaktische Überlegungen zur Vorgehensweise werde ich nicht methodisch vorgehen können. Ich muss mir sehr genau im klaren darüber sein, warum ich bestimmte Methoden einsetze, und welche Ziele ich dabei verfolge. Ein Konzept bedeutet, ein Hilfsmittel zur Verfügung zu haben, dass mir und anderen eine gewisse Struktur ermöglicht, die Sicherheit vermittelt. Die Reflektion und die Überarbeitung meiner Methoden und Konzepte ist dabei sehr wichtig, obwohl das im pädagogischen Alltag eine Herausforderung darstellt, da man nicht immer die zeitlichen Ressourcen dafür zur Verfügung hat. Aber je sicherer ich mich mit einem Konzept fühle, umso kreativer werde ich, das soll heißen, dass ich mich eher traue, neue Wege oder Methoden auszuprobieren. Dabei überprüfe ich immer wieder meine Zielsetzung und reflektiere, in wie fern sie noch angemessen ist oder angepasst werden muss.

3. Der Kreisverband der Treffpunkte e.V. Waldeck-Frankenberg

Dieses Kapitel behandelt die Institution, denen die Treffpunktkids angehören, nämlich dem Kreisverband der Treffpunkte e.V. . Zur Charakterisierung der Einrichtung und einem kurzen geschichtlichen Abriss wird das Leitbild des Kreisverbandes dargestellt.

3.1 Charakterisierung des Kreisverbandes der Treffpunkte e.V.

Der Kreisverband der Treffpunkte e.V. kann auf eine fast 40-jährige Geschichte zurückblicken. Ende der 1970er Jahre wurde auf ehrenamtliche Initiative hin, durch die psychiatrische Klinik der Philipps-Universität Marburg (heute Universitätskliniken Gießen und Marburg der Rhön Kliniken Standort Marburg) in Korbach eine Gesprächsgruppe für ehemalige Patienten der Klinik in Marburg gegründet. 1980 kam es durch engagierte Bürger/innen der Stadt Korbach und der psychiatrischen Klinik in Marburg zur Gründung des „Treffpunkt e.V.“. 1981 wurde eine Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle eingerichtet. Ab 1986 wurde die gemeindepsychiatrische Versorgung übernommen. Eine Tagesstätte wurde für Menschen mit psychischen Erkrankungen aufgebaut, sowie das Betreute Wohnen und ein Betreuungsverein.

In Bad Arolsen, Bad Wildungen und Frankenberg entstanden in den 1980er Jahren ebenfalls Ortsvereine, die von ehrenamtlichen Vorständen geführt wurden. 1987 wurden die vier Ortsvereine unter den Kreisverband der Treffpunkte e.V. zusammengefasst. Seit 2004 werden sämtliche Arbeitsbereiche, bis auf die Betreuungsvereine, von zwei hauptamtlichen Vorstandsmitgliedern geführt. Die Ortsvereine werden weiterhin in ehrenamtlicher Regie geleitet. Im Laufe der Jahre wurden in den einzelnen Standorten zu den eben genannten Bereichen Wohnheime, betreute Wohngemeinschaften, ein Integrationsfachdienst und eine Praxis für Ergotherapie aufgebaut. Der Kreisverband der Treffpunkte e.V. versteht sich als soziales Dienstleistungsunternehmen, das die gemeindenahe psychosoziale Versorgung für Menschen in seelischen Notlagen, Menschen mit psychischen Erkrankungen und Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, im Landkreis Waldeck-Frankenberg sicher stellt und verbessern möchte. Zur Zeit werden ca. 110 Mitarbeiter in Voll und Teilzeit beschäftigt. Der Kreisverband ist Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. (DGSP) und im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband Landesverband Hessen (vgl. ,Koch & Vöhl-Homberger, 2012).

3.2 Das Leitbild des Kreisverbandes der Treffpunkte e.V.

ÄDas Leitbild des Kreisverbandes der Treffpunkte und der angeschlossenen Ortsvereine faßt die Grundauffassungen zu Arbeitsinhalten, Arbeitsweisen und Arbeitsschwerpunkten zusammen. Es stellt die Vereinsphilosophie dar, der sich die MitarbeiterInnen und Vorstände verpflichtet fühlen.

Jeder erwachsene Bürger im Landkreis Waldeck - Frankenberg der sich in psychosozialen Schwierigkeiten befindet oder psychisch krank ist bzw. als Mensch mit Schwerbehinderung Unterstützung im Bereich Arbeit und Beschäftigung benötigt kann unabhängig seiner Weltanschauung, Herkunft und sozialen Stellung unsere Dienste in Anspruch nehmen.

- Unser Angebot ist umfassend und reicht von der Bereithaltung von Kontaktmöglichkeiten und Selbsthilfeangeboten über psychosozialer Beratung und Betreuung bis hin zu tagesstrukturierenden Hilfen und unterstützenden Maßnahmen in den Bereichen Wohnen und Arbeiten.
- Wir orientieren uns an den Bedürfnissen des Einzelnen. Unser Handeln ist vom Gedanken der Hilfe zur Selbsthilfe geprägt.
- Partnerschaftliche und gleichberechtigte Zusammenarbeit gekennzeichnet von Achtung und Wertschätzung für jeden Menschen ist für uns Grundlage der Interaktion aller Beteiligten.
- Wir halten durch unsere dezentralen Strukturen ein flächendeckendes Hilfsangebot für den Landkreis Waldeck - Frankenberg bereit.
- Wir verpflichten uns alle unsere Dienstleistungen stetig zu überprüfen und zu verbessern und erarbeiten dazu ein eigenes Qualitätsmanagementsystem
- Unter Voraussetzung der Wahrung dieser genannten Grundsätze handeln wir nach den Gesichtspunkten von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit.³ (Koch, Vöhl- Homberger,2012)

3.3 Rechtliche Grundlagen und Finanzierung der Unterstützungsangebote des Kreisverbandes der Treffpunkte

Die Rechtlichen Grundlagen sowie die Finanzierung der Angebote des Betreuten Wohnens, der Tagesstätten und der Wohnheime unterstehen dem Kostenträger des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen. Er gilt als überörtlicher Sozialhilfeträger und finanziert Leistungen, die die gesellschaftliche Eingliederung seelisch behinderter Menschen und chronisch psychisch kranker Menschen fördern. ÄIm hessischen Ausführungsgesetzt (HAG) zum SGB XII ist u.a. geregelt, das der Landeswohlfahrtsverband Hessen als überörtlicher Sozialhilfeträger für die Leistungen nach Kapitel 6 bis 8 des SGB XII die Kosten trägt. Dies gilt, wenn die Menschen mit Behinderung in einer stationären, einer teilstationären Einrichtung oder in einer eigenen Wohnung betreut werden.“ (Bockhorst,2011,S.18)

Die betroffenen Menschen nehmen über psychiatrische Kliniken, Tageskliniken oder dem Sozialpsychiatrischen Dienst des Fachdienstes für Gesundheit Kontakt zum Kreisverband auf. Für diese Menschen wird ein Hilfplan erstellt, dem sogenannten IBRP (Integrierter Behandlungs- und Rehabilitationsplan). Dieser wird in der Hilfeplankonferenz des Landkreises erörtert. Dabei wird auch der Betreuungsumfang festgelegt. In jährlich zu erstellenden Hilfeplänen werden gemeinsame Ziele festgelegt, die zuvor mit dem Klienten ausgehandelt werden. Aber auch die zuvor festgelegten Ziele werden dahin gehend überprüft, ob sie erreicht werden konnten und wenn nicht, was zur Erreichung gefehlt hat.

4. Das Umfeld der „Treffpunktkids“

In diesem Kapitel wird die Kreisstadt Korbach näher beschrieben, die das Einzugsgebiet für unsere „Treffpunktkids“ darstellt. Neben der allgemeinen Beschreibung über Ort und Lage der Stadt Korbach werden auch soziale Institutionen dargestellt, die zwecks Kooperation und Vernetzung für unser Gruppenangebot wichtig erscheinen.

4.1 Die Kreisstadt Korbach

Erstmals urkundlich erwähnt wird die Kreisstadt Korbach im Jahr 980 n.Chr. unter dem Namen „Curbecki“. Es gab im Mittelalter einen fränkischen Königshof in Korbach, um den sich die heutige Stadt herum bildete. Im Jahr 1188 erhielt Korbach Stadtrecht und gilt als einzige hessische Stadt mit Hansestatus. Seit 1942 erhebt Korbach den Status als Kreisstadt des Landkreises Waldeck-Frankenberg.

Korbach liegt zwischen Eder,- Diemel,- und Twistestausee im nordhessischen Bergland. Die nächstgrößeren Städte sind nordöstlich Kassel (ca. 50 km entfernt) und weiter südlich Marburg (ca. 70 km entfernt). Von der Autobahn Kassel- Dortmund ist Korbach über die Anschlüsse Diemelstadt und Zierenberg zu erreichen.

Derzeit zählt Korbach ca. 24.000 Einwohner, von denen ca. 18.000 in der Kernstadt leben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Männer (gesamt): 11.121 / Frauen (gesamt): 12.202 Deutsche: 21.812 / Nichtdeutsche: 1.511

(Einwohner Kreisstadt Korbach (Stand: 30.06.2013) ( Quelle:

http://www.korbach.de/index.phtml?mNavID=1.100&sNavID=1491.77&La=1)

4.2 Infrastruktur der Kreisstadt Korbach

Die Infrastruktur kann als sehr vielfältig bezeichnet werden. So kann man auf den Internetseiten der Stadt Korbach lesen: Ä Die Kreisstadt des Landkreises Waldeck- Frankenberg in Hessen ist wirtschaftlicher, kultureller und administrativer Mittelpunkt für ein weites Land. Im Regionalen Raumordnungsplan Nordhessen ist Korbach als Mittelzentrum und im Landesentwicklungsplan als gewerblicher Entwicklungsschwerpunkt ausgewiesen. Durch interessante Geschäftsstrassen und eine ausgedehnte Fußgängerzone hat Korbach auch über die Kreisgrenzen hinaus als Einkaufsstadt große Bedeutung.“ ( http://www.korbach.de)

Korbach bietet für seine Einwohner vielfältige Angebote für sämtliche Altersklassen. Neben den üblichen Behörden wie die Stadtverwaltung, der Agentur für Arbeit oder dem Finanzamt bietet die Stadt auch einige kulturelle Institutionen. Hierzu zählen unter anderem ein Museum, eine Stadtbücherei und die Musikschule. Aber auch naturräumliche Besonderheiten laden Besucher und Einwohner der Stadt Korbach zu näherer Betrachtung oder Besichtigung ein. Das wären zum Einen die Fossilienfundstätte „Korbacher Spalte“ und der Eisenberg, der die größte historische Goldlagerstätte in Deutschland vorweisen kann. Diese kann in einem Besucherbergwerk besichtigt werden.

Die Wirtschaftsstruktur dieser Stadt besteht unter anderem aus Firmen der Kautschukindustrie, der Firma Continental, die den größten Arbeitgeber in der Region darstellt. Desweiteren findet man hier Firmen aus der Metallindustrie, der Elektoindustrie oder dem Baugewerbe. Zahlreiche weitere Anbieter sichern Arbeitsplätze für Arbeitnehmer in und um Korbach.

Um das soziale Miteinander für jung und alt zu fördern stehen eine Stadthalle, ein Bürgerhaus, 8 Dorfgemeinschaftshäuser und 6 Mehrzweckhallen in den Ortsteilen zur Verfügung. Jüngere Einwohner Korbachs können auf insgesamt 58 Kinderspielplätzen und 8 Bolzplätzen spielen und Freunde treffen. Insgesamt bietet Korbach mit vielen Grünflächen einem Stadtpark, verschiedenen Teichanlagen, Grillhütten, Langlaufloipen, Reitanlagen, Sportplätzen- und hallen, Schwimmbäder zahlreiche Gelegenheiten um sich zu entspannen und die Freizeit aktiv zu gestalten. Von jüngster Kindheit an bis hin zur beruflichen Ausbildung werden Kindern und Jugendlichen zahlreiche Möglichkeiten der Betreuung und Bildung angeboten (vgl., www.korbach.de ).

4.3 Das Einzugsgebiet für die „Treffpunktkids“

Für unsere Kindergruppe erstreckt sich der Einzug über das gesamte Stadtgebiet der Stadt Korbach einschließlich der Ortsteile. Da wir den Kindern zu den Gruppentreffen einen Holund Bringservice anbieten, wird im Einzelfall entschieden, ob wir auch Fahrten in weiter gelegene Ortschaften anbieten. Das Problem ergibt sich daraus, dass wir im Moment nur drei Stunden pro Woche für das Angebot bewilligt bekommen haben und der Hol-und Bringservice einen erheblichen Zeitfaktor darstellt, der dann für Vor- und Nachbereitung der Kindergruppe nicht mehr zur Verfügung steht.

4.4 Soziale Institutionen die von Relevanz für die „Treffpunktkids“ sein können

Kooperation und Vernetzung ist aus drei Gründen besonders wichtig für unser Gruppenangebot: Öffentlichkeitsarbeit um das Umfeld für die Lage Kinder psychisch kranker Eltern zu sensibilisieren, um Ansprechpartner für weiterführende Hilfen zu finden und letztendlich um die Finanzierung der Gruppe zu sichern, die aus Spenden refinanziert wird. Aus diesem Grund werden hier Institutionen oder Organisationen aufgeführt, die für eine Kooperation in Frage kommen.

Die Kinder-und Jugendpsychiatrie in Kassel betreibt in Korbach eine Institutsambulanz die unserer Meinung nach wichtiger Ansprechpartner sein wird zwecks einer Kooperation. Ebenfalls bietet im Erwachsenenbereich die Vitosklinik in Haina/Kloster eine Institutsambulanz sowie eine Tagesklinik in Korbach an. Weiterer Ansprechpartner wird für uns das hiesige Gesundheitsamt sein, die einen sozialpsychiatrischen Dienst anbieten. Genauso von Bedeutung für uns sind die Grundschulen und weiterführenden Schulen, aber auch die beiden Sonderschulen der Stadt. Das Jugendamt der Stadt Korbach wäre ein weiterer wichtiger Ansprechpartner. Gerade um eine Regelfinanzierung zu erreichen, wäre eine Kooperation wünschenswert. Die Erziehungsberatungsstellen sind ebenfalls für uns wichtige Ansprechpartner (vgl.,Lessing,2012).

Einen weiteren möglichen wichtigen Kooperationspartner stellt das Frauenbüro des Landkreises Waldeck-Frankenberg dar, dass seinen Sitz in Korbach hat. Durch die Initiative des Frauenbüros hat sich der „Runde Tisch gegen häusliche Gewalt“ gebildet. ÄSeit 2000 arbeitet im Landkreis Waldeck-Frankenberg der ‚Runde Tisch gegen häusliche Gewalt‘ unter der Federführung des Frauenbüros des Landkreises Waldeck-Frankenberg. In ihm haben sich bisher 16 Institutionen zusammengeschlossen, die für Opfer häuslicher Gewalt Ansprechpartner sind und Hilfestellung anbieten können.“ (Frauenbüro des Landkreises Waldeck-Frankenberg,2006,S.3) Übergeordnetes Ziel dieses Kooperationsmodelles ist die Verbesserung von Intervention und Prävention im Landkreis. Wir durften im Rahmen des runden Tisches kürzlich unser Angebot dort vorstellen. Die Resonanz war sehr gut. Unser Angebot ist auf viel Interesse gestoßen. Damit können wir berechtigt hoffen, dass die verschiedenen Institutionen unser Angebot im Blick behalten und uns weiter empfehlen.

5. Die Zielgruppe der „Treffpunktkids“

In diesem Kapitel wird das Themenfeld Kinder psychisch kranker Eltern und deren Belastungen und Bedürfnisse dargestellt. Ein Blick auf die Belastungen der Eltern ist ebenfalls notwendig, um die Familiären Belastungen dezidiert darzustellen und zu verstehen. Da sich unser Gruppenangebot auf Kinder im Alter von 7-11 Jahren bezieht, ist es notwendig entwicklungspsychologische Grundlagen darzustellen, damit wir ein altersgerechtes Angebot erstellen können.

5.1 Kinder psychisch kranker Eltern

Laut aktuellen Schätzungen wachsen in Deutschland ca. 3-4 Millionen Kinder mit psychisch kranken Eltern auf. Die psychische Erkrankung eines Elternteils wirkt sich massiv auf das gesamte Familiensystem aus. Die High-Risk Studien konnten nachweisen, dass Kinder psychisch kranker Eltern selbst psychisch erkranken können. Dabei wird nicht die psychische Erkrankung als solches als Hauptrisikofaktor für die Kinder gesehen, sondern die psychosozialen Belastungen, die mit der psychischen Erkrankung der Eltern einher gehen (vgl., Wiegand-Grefe, Plass, 2012, S.20). Mattejat (2008) verweist darauf, dass das allgemeine Erkrankungsrisiko von Kindern psychisch kranker Eltern bei ungefähr 60 % liegt, selbst irgendwann eine psychische Auffälligkeit zu entwickeln. An der selben psychischen Störung zu erkranken ist bei Kindern ebenfalls deutlich erhöht. Nachfolgende Tabelle verdeutlicht das Vererbungsrisiko, bzw. zu wieviel Prozent eine psychische Erkrankung genetisch bedingt ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

( Mattejat,Lisofsky,2008,S.80)

Durch diese Tabelle wird ersichtlich, dass der Erbfaktor mit ca. 50 % bei den meisten Erkrankungen als hoch eingestuft werden kann. Der Erbfaktor sagt aber nur etwas darüber aus, wie hoch die Empfänglichkeit oder die Vulnerabilität ist, an einer psychischen Störung zu erkranken. Zu der Vulnerabilität wirken zu dem weitere Umweltfaktoren, die eine psychische Erkrankung begünstigen (vgl.,ebd.).

Nach Resultaten einer Studie von Mattejat und Remschmidt (2008), die von 1998-2002 in der Kinder-und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Marburg durchgeführt wurde, konnte nachgewiesen werden, dass die Hälfte der Kinder, die stationär aufgenommen wurden, mit psychisch kranken Eltern aufgewachsen sind. 20% der Eltern wiesen eine substanzbezogene Störung auf. Aber vor allem Kinder mit einer Störung des Sozialverhaltens wiesen auf hohe Morbiditätsraten für psychische Erkrankungen der Eltern hin (vgl.,ebd.). Damit wird unter anderem belegt, dass Kinder psychisch kranker Eltern ein hohes Risiko aufweisen, selbst an einer psychischen Störung zu erkranken. Aber auch wie sehr sich die Erziehungsfähigkeit der Eltern auf die Entwicklung der Kinder auswirkt, wird mit dieser Studie belegt.

ÄFür Kinder psychisch kranker schließlich entstehen gravierende Belastungen und Entwicklungsrisiken, die durch elterliche Defizite der Beziehungsgestaltung und der Erziehungskompetenz verursacht sind.“ (Jungbauer, Lenz, 2008, S.7) Damit wird nochmals verdeutlicht, wie sehr sich die psychische Erkrankung der Eltern auf das Leben und die Entwicklung der Kinder auswirken kann. Desweiteren kann immer wieder beobachtet werden, dass eine Parentifizierung im Familienkontext vorherrscht. Damit ist gemeint, dass die Eltern-Kind-Rollen umgekehrt werden. Kinder müssen Haushaltspflichten übernehmen oder sich um jüngere Geschwister kümmern. Ihre eigenen Belange und Bedürfnisse geraten immer mehr in den Hintergrund. Die Kinder leiden oft unter Angst-und Schuldgefühlen, sind Verwahrlosung sowie psychischen und körperlichen Misshandlungen ausgesetzt (vgl.,Jungbauer,Lenz, 2008,S.7).

Erst in den letzten 10 Jahren ungefähr, wird in diesem Bereich intensiver geforscht. Lange Zeit wurden Kinder psychisch Kranker überhaupt nicht wahrgenommen. Vielfach werden sie als die vergessenen Kinder oder auch als Schattenkinder bezeichnet. Mittlerweile gilt es als gesichert, dass Kinder durch eine psychische Erkrankung der Eltern in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestört oder beeinträchtigt werden können. Dabei stellt die psychische Erkrankung der Eltern eine besonders schmerzhafte Verlusterfahrung für die Kinder dar, die mit gravierenden Änderungen im Familienalltag einhergeht. Kinder psychisch kranker Eltern erhalten oftmals keine oder wenig Informationen über die Erkrankung. Im familiären Rahmen wird die Erkrankung, oft aus Scham der Eltern, vor den Kindern verheimlicht, bzw. aus Angst vor den Reaktionen des sozialen Umfeldes, wird den Kindern eine Redeverbot verhängt. Die Kinder haben somit überhaupt keine Möglichkeiten sich hilfesuchend an andere mögliche Vertrauenspersonen zu wenden. Tabuisierung und Isolation sind die Folge (vgl., Wiegand-Grefe, Plass,2012,S 26). Wiegand-Grefe und Plass (2012) stellen sehr anschaulich, die Auswirkungen dazu dar: ÄOffensichtlich besteht eine Wechselwirkung zwischen den oben beschriebenen Kommunikationsverbot über die Erkrankung und der Möglichkeit, soziale Unterstützung zu mobilisieren: Besteht eine Tabuisierungstendenz innerhalb der Familie, fällt es Kindern besonders schwer und gelingt es kaum, familienexterne Personen um Unterstützung zu bitten. Gleichzeitig wird es für familienexterne Personen deutlich erschwert, Unterstützung zu leisten […]“ (Wiegand-Grefe, Plass,2012,S.27

[...]


1In dieser Arbeit wird zur besseren Lesbarkeit vorwiegend die männliche Schreibweise verwandt (Anmerkung der Verfasserin)

Excerpt out of 59 pages

Details

Title
"Die Treffpunktkids". Ein Gruppenangebot für Kinder psychisch kranker Eltern
College
University of Marburg  (Fachbereich Erziehungswissenschaften)
Grade
2+
Author
Year
2014
Pages
59
Catalog Number
V305497
ISBN (eBook)
9783668033863
ISBN (Book)
9783668033870
File size
1234 KB
Language
German
Tags
Gruppenangebot, Kinder psychisch kranker Eltern, Konzeption, Familie, Sozialpsychiatrie, Gemeindepsychiatrie, Ambulante Betreuung, Psychosoziale Unterstützung, Kinder, Didaktische Planung
Quote paper
Daniela Kesting (Author), 2014, "Die Treffpunktkids". Ein Gruppenangebot für Kinder psychisch kranker Eltern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305497

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