Künstlerisch-kulturelle Praxis mit dementiell erkrankten Menschen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Demenz
2.1 Formen und Ursachen

3. Symptome
3.1 Kognitive Störungen
3.2 Psychische Symptome, Verhaltenssymptome, Störungen alltagsbezogener Fähigkeiten
3.3 Funktionelle- Motorische Störungen
3.4 Krankheitsverlauf

4. Bedürfnisse demenziell erkrankter Menschen

5. Die künstlerisch-kulturelle Praxis

6. Die Arbeit in der künstlerisch-kulturellen Praxis mit Demenzkranken

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit soll zunächst ein genereller Überblick über den aktuellen medizinischen Forschungsstand zur Behandlung von Demenzen, sowie für diese Erkrankungen chrackteristischen Informationen gegeben werden. Die medizinische Seite wird hierbei zuerst betrachtet, da sie sich in der Hauptsache auf die naturwissenschaftlichen Fakten konzentriert. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit, steht dem medizinischen Bereich, die künstlerisch-kulturelle Praxis entgegen, die ihr Hauptaugenmerk speziell auf den dementiell erkrankten Menschen, mit seinen noch vorhandenen und gegebenenfalls neu erworbenen Fähigkeiten legt. Ein wichtiger Baustein dieser Arbeit ist hierbei der personzentrierte Ansatz nach dem britischen Sozialpsychologen und Psychogerontologen Tom Kitwood, da er sich mit der Entwicklung dieser Theorie auf die Person als solche und nicht primär auf die Demenzerkrankung konzentriert. Der Betroffene steht als individuelle Persönlichkeit mit ihren psychosozialen Bedürfnissen, ihrer Einzigartigkeit und ihrem Erleben im Fokus. Auf dieser Grundlage soll den Fragen nachgegangen werden, ob die psychosozialen Bedürfnisse von Demenzkranken durch Aktivitäten der künstlerisch-kulturellen Praxis, sowie der Teilhabe an kulturellen Ereignissen befriedigt werden können und somit das Wohlbefinden, sowie die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Betreuungsperson erhalten beziehungsweise verbessert wird. Ebenfalls soll untersucht werden, ob eine personzentrierte Betreuung durch den Ehe- oder Lebenspartner im eigenen Haus mit Angeboten an künstlerisch-kulturellen Aktivitäten, sowie die Möglichkeit der Teilhabe der Betroffenen an kulturellen Ereignissen, dem Krankheitsverlauf positiv entgegenwirken.

2. Demenz

Nach aktuellen Schätzungen leben derzeit etwa 1,4 Millionen an Demenz erkrankte Menschen in Deutschland. Da es nach heutigem Stand weder vorbeugende Maßnahmen, noch geeignete Therapieverfahren gibt, um eine Demenzerkrankung zu verhindern, beziehungsweise zu heilen, wird sich die Zahl voraussichtlich bis zum Jahr 2050 auf c.a. 5 Millionen Betroffene belaufen. (vgl.http://www.deutschealzheimer.- de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/Fact-Sheet01_2012_01.pdf). Je älter ein Mensch wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit an einer Demenz zu erkranken. Aktuellen Zahlen zufolge, liegt die Anzahl der an Demenz erkrankten der 65 bis 80-jährigen bei über 1%. Bei Menschen im Alter zwischen 80 und 90 Jahren, liegt der prozentuale Anteil bereits bei 13%. Ab dem 90. Lebensjahr erkranken beinahe 35% dieser Altersgruppe an Demenz. Da Frauen generell eine höhere Lebenserwartung haben als Männer, sind sie demzufolge öfter von einer dementiellen Erkrankung betroffen (vgl. Neubauer, de Groote 2012: 62 ). Der Begriff Demenz findet seinen Ursprung im Lateinischen und bedeutet „ohne Geist“ oder „ohne Verstand“. Dieser Begriff beschreibt nicht die Krankheit als solche, sondern ein Krankheitssyndrom als Folge einer Erkrankung des Gehirns. Diese Hirnerkrankung führt zu Störungen der kognitiven Fähigkeiten, wie beispielsweise dem Gedächtnis, der Orientierung und der sprachlichen Kommunikation (vgl. Kramer 2007: 377). Den Störungen der kognitiven Fähigkeiten schließen sich meist der Verlust der emotionalen Kontrolle, der Motivation und eine Veränderung im Sozialverhalten des Betroffenen an (vgl. Neubauer, de Groote 2012: 61). Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Demenz um ein Krankheitssyndrom, dem mögliche Symptome zugrunde liegen. Die Ursachen dieser Symptome können unterschiedlicher Art sein (vgl. Kramer 2007: 377). Demnach dient die Bezeichnung „Demenz“ lediglich als Überbegriff für insgesamt mehr als 50 verschiedene Demenzformen. Um welche Form der Demenz es sich im Einzelfall handelt, lässt sich im Allgemeinen nicht exakt bestimmen, da nicht jede Demenzform alle Symptome, die bei einer Demenzerkrankung auftreten können, aufweist. Eine Demenzerkrankung zeigt sich bei jedem Betroffenen in ganz unterschiedlicher Form und ist somit nicht zu verallgemeinern (vgl. Neubauer, de Groote 2012: 61ff). Seitens der Medizin jedoch, ist eine allgemeine Krankheitsbeschreibung als Grundlage für eine Behandlung wichtig. Demenz wird gemäß der Internationalen Klassifizierung der Krankheiten (ICD-10), wie folgt definiert:

„Demenz (ICD-10-Code F00-F03) ist ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns mit Störung vieler höherer kortikaler Funktionen, einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Das Bewusstsein ist nicht getrübt. Die kognitiven Beeinträchtigungen werden gewöhnlich von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation begleitet, gelegentlich treten diese auch eher auf. Dieses Syndrom kommt bei Alzheimer-Krankheit, bei zerebrovaskulären Störungen und bei anderen Zustandsbildern vor, die primär oder sekundär das Gehirn betreffen“

(http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd10gm/kodesuche/onlinefassungen/htmlgm2013/block-f00-f09.htm).

2.1 Formen und Ursachen von Demenz

Generell können die dementiellen Syndrome in primäre und sekundäre Demenzformen eingeteilt werden. Bei den primären Demenzformen liegen die Ursachen im Gehirn. Zu den primären Demenzen zählen die sogenannten neurodegenerativen Formen, also jene, bei denen die Ursache auf den Verfall des Nervenzentrums zurückzuführen ist. Zu diesen neurodegenerativen Demenzen, gehört auch die am häufigsten vorkommende Form von Demenz, der Alzheimer-Typ. Alzheimer wird im Volksmund oft fälschlicher Weise als Synonym für Demenz verwendet (vgl. Neubauer, de Groote 2012: 62). Laut der deuschen Alzheimergesellschaft handelt es sich bei ca. 60% der an einer Demenz erkrankten älteren Menschen um die Alzheimer Demenz (vgl. http://www.deutsche- alzheimer.de/die-krankheit/anderedemenzformen.html). Seinen Namen erhielt der Alzheimer-Typ von dem deutschen Arzt, Psychiater und Neuropathologen, Alois Alzheimer. Er hat im Jahre 1906 während einer Hirnuntersuchung an einer verstorbenen 56- jährigen Patientin, eine deutliche Hirnschrumpfung, sowie Eiweiß-Proteine (Amyloid- Plaques) und neurofibrilläre Bündel (intrazelluläre Ablagerungen) im gesamten Raum des Gehirns festgestellt (vgl. http://www.deutsche-alzheimer.de/die-krankheit/die- alzheimer-krankheit/alois alzheimer.html). Durch diese Ablagerungen wird das Zusammenwirken der Nervenzellen gestört. Dieser langfristig andauernde Störungsprozess hat zur Folge, dass die Nervenzellen absterben. Dieser Prozess ist laut einiger Forscher dem normalen Alterungsprozess zuzuschreiben. Eher selten lässt er sich auf ein Gendefekt zurückzuführen. Ein bis heute anhaltendes Phänomen ist allerdings, dass einige Menschen bis zu ihrem Tode geistig gesund bleiben, obwohl sich in ihrem Gehirn, die für den Alzheimer-Typ typischen Ablagerungen wiederfinden lassen. Auch die vaskulären (gefäßbedingten) Demenzformen, bei denen kennzeichnend unspezifische Hirnschädigungen auftreten, gehören zu den primären Demenzen. Hierfür verantwortlich ist eine gestörte Blutversorgung. An einer vaskulären Demenzform leiden nach Angaben der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft ca. 20% der Betroffenen. Zu den sekundären Demenzen zählen jene, die zum Beispiel durch Stoffwechselstörungen, Infektionen oder Vergiftungen hervorgerufen werden. Die Ursache der Krankheiten liegt demnach -anders als bei den primären Demenzen- nicht im Gehirn. Durch eine frühzeitige Behandlung der ursprünglichen Erkrankung, beispielsweise einer traumatischen Hirnschädigung nach einem Unfall, gibt es eine Aussicht auf Besserung. Sogar eine Heilung ist möglich (vgl. Neubauer, de Groote 2012: 63).

3. Symptome

Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei einer Demenz um ein Krankheitssyndrom handelt, gibt es eine Vielzahl von möglichen Krankheitszeichen (Symptome), die auf eine demenzielle Erkrankung hinweisen können (vgl. Neubauer, de Groote 2012: 61). Diese Symptome unterliegen drei unterschiedlichen Bereichen, welche im weiteren Verlauf dieser Arbeit, näher erläutert werden.

3.1 Kognitive Störungen

Einer dieser Symptombereiche umfasst die kognitiven Störungen. Dazu gehören Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung, dem Denken und der Wahrnehmung, sowie Sprachstörungen des Betroffenen. Die Störung im Gedächtnis ist einer der auffälligsten Indikatoren und gilt zudem als eines der ersten Symptome vieler Demenzerkrankungen. In vielen Fällen geht die Gedächtnisstörung mit Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, dem sogenannten „Arbeitsspeicher“ einher. Im Laufe einer demenziellen Erkrankung sind später auch andere Bereiche des Gedächtnisses, wie das Langzeitgedächtnis betroffen. charakteristisch für Störungen im Kurzzeitgedächtnis ist zum Beispiel, dass der Betroffene sich Gesprächsinhalte oder Inhalte gerade gelesener Lektüre nicht mehr behält. Unter Umständen vergisst er wo er bestimmte Gegenstände abgelegt hat. Ist im späteren Verlauf der demenziellen Erkrankung das Langzeitgedächtnis betroffen, erkennt der Betroffene auch nahestehende Angehörige nicht wieder und vermag sich nicht daran zu erinnern, welchen Beruf er einst ausgeführt hat (vgl. Neubauer, de Groote 2012: 64ff). Die Orientierungsstörungen, betreffen die räumliche und zeitliche Orientierung des demenziell erkrankten Menschen. Es fällt ihm immer schwerer sich in fremder Umgebung Dinge einzuprägen, die er zur Orientierung benötigt um Handlungen auszuführen wie zum Beispiel eigenständig den Einkauf zu erledigen. Mit Fortschreiten der Demenz betrifft das dann auch die räumliche Orientierung in gewohnter Umgebung. Im Verlauf der Demenz kommt es zu Störungen im semantischen Gedächtnis, was bedeutet, dass der Betroffene nicht mehr auf sein früheres Wissen zurückgreifen kann. Ebenso wird das episodische Gedächtnis in Mitleidenschaft gezogen. Störungen in diesem Teil des Gedächtnisses sind dafür verantwortlich, dass sich der Betroffene nicht mehr an das, was er erlebt hat erinnern kann. Sowohl die Störungen im semantischen, sowie dem episodischen Gedächtnis haben zur Folge, dass sich der Demenzkranke in alltäglichen Situationen nicht mehr zurecht findet (vgl. Neubauer, de Groote 2012: 64).

Die Autoren Flavia Neubauer und Kim de Groote beschreiben den Zustand der Orientierungslosigkeit eines an Demenz erkrankten Menschen wie folgt:

„Für Demenzkranke sieht die Welt merkwürdig und unverständlich aus, weil sie Gegenstände, Situationen und Personen nicht in einen größeren Kontext einordnen können“ (Neubauer, de Groote 2012: 64).

Die Störungen im Denken betreffen vor allem das Verlorengehen der Fähigkeit zu vernünftigen Urteilen, Entscheidungen und Problemlösungen. Zudem kommen Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen hinzu. Eine weitere Folge dieser Störungen ist die sogenannte Apraxie, eine neurologische Bewegungsstörung, welche es dem Betroffenen unmöglich macht gezielte Bewegungen wie zum Beispiel das aufschließen einer Tür auszuführen (vgl. http://flexikon.doccheck.com/de/Apraxie). Mit Störungen der Wahrnehmung ist vor allem die Fähigkeit zur Verarbeitung von Reizen gemeint. Im Fortschreiten der demenziellen Erkrankung ist der Betroffene nicht mehr in der Lage Gegenstände zu identifizieren. Es fällt ihm zunehmend schwerer sich Informationen seiner Umgebung zu erschließen. Eher selten können Sinnestäuschungen auftreten. Auch wahnhafte Störungen sind möglich. Bereits zu Beginn einer Demenz können Störungen in der Sprache auftreten. Oft fällt es den Betroffenen dann schwer die richtigen Worte zu finden. Im weiteren Voranschreiten der Demenz können dann zum Beispiel bekannte Gegenstände nicht mehr richtig bezeichnet werden. Auch das Bilden vollständiger Sätze ist nicht mehr ohne weiteres möglich. Ist die Ausprägung der Demenz schwer, so sind der Gebrauch der Sprache, sowie das Sprachverständnis erheblich gestört. Ist dies der Fall, so kann sich der Betroffene mit nur noch wenigen Wörtern artikulieren. Manchmal entfällt die Fähigkeit sprachlich zu kommunizieren gänzlich (vgl. Neubauer, de Groote 2012: 65).

3.2 Psychische Symptome, Verhaltenssymptome, Störungen alltagsbezogener Fähigkeiten

Mit der S3-Leitlinie „Demenzen“ wurden zum ersten Mal ausführlich interdisziplinäre Behandlungsstandards der Demenzen niedergeschrieben. Dies erfolgte auf der Grundlage empirisch zusammengetragener Erkenntnisse. Entwickelt wurde die Leitlinie unter der Leitung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), sowie der Deutschen Alzheimergesellschaft, anhand der Vorgaben der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Fachgesellschaften (AWMF)

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Künstlerisch-kulturelle Praxis mit dementiell erkrankten Menschen
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Veranstaltung
Kunst und Soziale Arbeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V305526
ISBN (eBook)
9783668281219
ISBN (Buch)
9783668281226
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
künstlerisch-kulturelle, praxis, menschen
Arbeit zitieren
Yvonne Schönfelder (Autor), 2013, Künstlerisch-kulturelle Praxis mit dementiell erkrankten Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305526

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