Soziologische Systemtheorie - Eine handlungstheoretische Grundlage und der Aspekt des Case Management


Zwischenprüfungsarbeit, 2003

52 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Kapitel 1 – Die soziologische Systemtheorie Luhmanns
1. Niklas Luhmann – Biographie und Talcott Parsons
2. Die Soziologische Systemtheorie – Grundlagen
2.1. Systeme und Umwelt
2.2. Autopoiesis und Selbstreferenz
2.3. Soziale Systeme
3. Berechtigung der Soziologischen Systemtheorie als handlungstheoretische Grundlage für die Soziale Arbeit am Beispiel des Systems Familie

Kapitel 2 – Geschichtliche Entwicklung der Systemischen Familienarbeit

Kapitel 3 – Methoden der Systemischen Familienarbeit
1. Menschenbild und Ziele
2. Anforderungen an die SozialarbeiterInnen
3. Methoden der Systemischen Familienarbeit
3.1. Familienskulptur
3.2. Fragen
3.3. Genogramm

Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss der Systemtheorie auf die Soziale Arbeit – speziell auf die Familienarbeit – und den daraus resultierenden Ergebnissen sowie mit dem Aspekt des Case Managements in der systemischen Familienarbeit. Bezug wird dabei insbesondere auf die systemtheoretischen Ausarbeitungen Niklas Luhmanns genommen. Die Arbeit wird darlegen, weshalb die Systemtheorie eine Berechtigung in der Sozialen (Familien-)Arbeit als handlungstheoretische Grundlage findet und welches die Methoden sind, mit der die Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann. Zuvor ist es jedoch notwendig, einige Begriffe im Vorab zu klären.

Da die Theorie Luhmanns einen Universalitätsanspruch erhebt, drängt sich der Verdacht auf, sie müsse auf alle erdenklichen Situationen in der Sozialen Arbeit sowie in anderen Disziplinen anwendbar sein. Dieser Frage soll hier lediglich im Rahmen der Familienarbeit nachgegangen werden. Da sie ein enorm hohes Abstraktionsvermögen voraussetzt, ist eine empirische Überprüfbarkeit ihrer Verwertbarkeit kaum möglich.

Eine weitere Schwierigkeit stellt die Terminologie dar: In der Fachsprache wurde zu Beginn der Entwicklungen dieses Handlungsmodells von „systemischer Familientherapie“ gesprochen. Mittlerweile hat sich jedoch die Bezeichnung „systemischer Therapie“ überwiegend durchgesetzt. Der Grund dafür liegt in

„der latenten Pathologisierung der gesamten Familie. War ehedem `nur´ der Patient krank, so wurde es nun die ganze `Familie´, die das Symptom gemeinsam hervorbrachte.“ (Huschke-Rhein 1988, S.84)

Dieser Definition zufolge scheint nun die gesamte Familie hilfebedürftig zu sein und damit geht die Ressourcenorientierung als wichtigstes Element des systemischen Ansatz verloren. (vgl. ebd.) Analog verhält es sich mit den Begriffen „Systemische Familienarbeit“ und „Systemische (Familien-)Therapie“. Die Auswirkungen letzterer Terminologie wurden bereits erläutert. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass der intervenierende „Therapeut“ durch die systemischen Methoden auf eine Art und Weise in die Familie eingreift, dass ihm ein gewisser Therapiestatus nicht abgesprochen werden kann. Dies ist zu beobachten, je stärker der systemische Ansatz umgesetzt wird. Demzufolge kann von einer „Therapeutisierung der Familienberatung“ (Sickendieck 1999, S.170) gesprochen werden, womit der Begriff der „Systemischen Therapie“ (unter Berücksichtigung des erstgenannten Einwandes) wieder gerechtfertigt wäre. Somit sind die Begriffsdefinitionen abhängig von dem Theorieverständnis und dessen Bezug auf die Praxis. Ich werde mich im Verlauf der Arbeit auf den Begriff der „Systemischen Familienarbeit“ beziehen, erkenne damit aber nicht den therapeutischen Aspekt ab, weshalb ich die professionellen Mitarbeiter auch als Therapeuten bezeichnen werde.

Kapitel 1 – Die soziologische Systemtheorie Luhmanns

1. Niklas Luhmann – Biographie und Talcott Parsons

Niklas Luhmann wurde am 8. Dezember 1927 in Lüneburg geboren. Er studierte an der Universität Freiburg (1946-1949) Rechtswissenschaften und war mehrere Jahre in der öffentlichen Verwaltung tätig. Während dieser Tätigkeit sammelte er Organisationserfahrungen und machte unter anderem die Erfahrung, dass Verwaltung auf Beziehungen beruht. 1960 begann Luhmann an der Harvard University bei Talcott Parsons das Studium der Verwaltungswissenschaften und erste Publikationen folgten (1964: „Funktionen und Folgen formaler Organisation“). Nach einem einjährigen Aufenthalt in den USA ging er an das Forschungsinstitut der Verwaltungshochschule in Speyer, wo er bis 1965 tätig war. Mit der Unterstützung von Helmut Schelsky promovierte und habilitierte er in Soziologie an der Universität Münster; es folgten die Tätigkeit als Abteilungsleiter an der Sozialforschungsstelle in Dortmund sowie 1968 die Tätigkeit als erster Ordinarius an der neugegründeten Universität Bielefeld. Luhmann emeritierte 1993 und verstarb am 6. November 1998 in Oerlinghausen. (vgl. Stichweh in: Kaesler 2000, S. 206) Das 1971 erschienene gemeinsame, kontroverse Werk von Niklas Luhmann und Jürgen Habermas „Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie – Was leistet die Systemforschung“ hat beide zu den über jahrzehntelangen einflussreichsten Soziologen Deutschlands gemacht. 1984 veröffentliche Luhmann sein Buch „Soziale Systeme“ und 1997 erschien – nach 30jähriger Schaffenszeit und Forschung – sein Hauptwerk „Die Gesellschaft der Gesellschaft“.

Als gedanklicher Vater Luhmanns kann Talcott Parsons genannt werden, der als Begründer der allgemeinen Systemtheorie gilt. Er ging von der Annahme aus, dass alle Systeme bestimmte Strukturen aufweisen und entwickelte daraufhin seine forschungsleitende Frage:

„Welche funktionalen Leistungen müssen von einem System erbracht werden, um die gegebenen Strukturen zu erhalten?“ (Miller 2001, S. 31)

Mit der Entwicklung der „strukturell-funktionalen Theorie“ setzte er sich das Ziel, „eine einheitliche Theorie menschlichen Handelns zu schaffen.“ (Morel u.a. 2001, S. 148). Soziale Systeme stellt er als Gebilde dar, die sich selbständig erhalten können und in Subsysteme differenziert sind, die jeweils grundlegende verschiedene Funktionsweisen haben. Um Systemstabilität zu erreichen, muss ein soziales System vier Kriterien erfüllen:

(1) Adaption,
(2) Goal-Attainment,
(3) Integration,
(4) Latent Pattern Maintenance.

Zusammengefasst sind diese vier Kriterien als AGIL-Schema bekannt.[1] (vgl. Morel 2001, S. 157) Damit wiederum diese Kriterien erfüllt werden können, benötigt ein System Subsysteme, welche ebenfalls dem AGIL-Schema unterliegen.

Talcott Parsons theoretische Arbeiten sind heute sehr umstritten und es lässt sich kaum noch ein reiner Vertreter seiner Theorie finden. Dennoch oder gerade weil seine Ausführungen durch eine bis dahin eher ungewohnte Radikalität zeugten, entwickelten sich eine Reihe neuer Ansätze, in denen seine Ideen teilweise übernommen oder erweitert worden sind. Dennoch lassen sich Gemeinsamkeiten ausmachen, die als Merkmale des systemtheoretischen Denkens gelten:

(1) Systeme bestehen aus einer Vielzahl von Elementen, die in ihrer Ganzheit die Eigenschaften eines Systems kennzeichnen und infolgedessen die Größe des Systems je nach Aktion/Reaktion verändern können.
(2) Es wird in Prozessen, nicht in Zuständen gedacht.
(3) Einen entscheidenden Einfluss hat die Kybernetik 2. Ordnung: Regelkreise, Produktkreise, Wirkungskreise und Prozesskreisläufe produzieren wiederkehrend bestimmte Eigenschaften eines Systems.
(4) Systeme, insbesondere soziale Systeme, kennzeichnen sich durch die Eigenheit, eigene Bedürfnisse und Ziele zu haben, die in ihren Gesetzmäßigkeiten beachtet werden müssen.
(5) Die systemeigenen Gesetzmäßigkeiten machen eine Vorhersagbarkeit des Verhaltens eines Systems nur bedingt möglich.
(6) Systeme bestehen aus Subsystemen, welche zu einem hohen Grad ihrem übergeordneten System und ihrer Umwelt dienen. Sie gehören meist mehreren Systemen an, wobei sie jeweils unterschiedliche Funktionen übernehmen können.

Im folgenden Abschnitt wird die „Soziologische Systemtheorie“ Luhmanns als eine der speziellen Systemtheorien erläutert, die sich – unter Einfluss der Kybernetik und Biologie – als Erweiterung der Theorie Parsons verstehen lässt.

2. Die Soziologische Systemtheorie Luhmanns – Grundlagen

Niklas Luhmann entwickelte seine „Soziologische Systemtheorie“ als eine kritische Antwort auf die „strukturell-funktionale Theorie“ Parsons. Er kritisierte an der Theorie unter anderem, dass es ihr scheinbar nur um den Strukturerhalt eines Systems geht statt um die Strukturveränderung dessen sowie die Tatsache, dass die Theorie – aufgrund der mangelnden Auseinandersetzung mit den Interaktionsprozessen zwischen System und Umwelt – die soziale Ungleichheit zu legitimieren scheint. Luhmanns Theorie

„signalisierte den Willen, nicht von Beständen her zu denken und dann nach den Bedingungen der Erhaltung dieser Bestände zu fragen, sondern statt dessen vorgefundene soziale Wirklichkeiten als Lösung eines Problems zu verstehen.“ (Kaesler 2000, S. 208)

Anfänglich bezeichnete Luhmann sein Theoriekonstrukt – als Abgrenzung zu Parsons – als „funktional-strukturelle Theorie“. Durch den Einfluss, den die Kybernetik auf Luhmann hatte, ist in früheren Werken auch von der „kybernetischen Systemtheorie“ die Rede. Im folgenden Abschnitt werden die wesentlichsten Begriffe mit Bezug auf die Familienarbeit dargestellt.

2.1. System und Umwelt

Luhmanns Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung der allgemeinen Systemtheorie ist die Unterscheidung zwischen System und Umwelt. Diese Unterscheidung bezeichnet er als Differenz, ohne die ein System sich als solches nicht erkennen und nicht existieren kann. Systeme

„konstituieren und sie erhalten sich durch Erzeugung und Erhaltung einer Differenz zur Umwelt, und sie benutzen ihre Grenzen zur Regulierung dieser Differenz.“ (Luhmann 1991, S. 35)

Damit ersetzt Luhmann die bis dahin verbreitete Auffassung, Systeme setzen sich aus Teilen zu einem Ganzen zusammen.

„Danach besteht ein differenziertes System nicht mehr einfach aus einer gewissen Anzahl von Teilen und Beziehungen zwischen Teilen; es besteht vielmehr aus einer mehr oder weniger großen Zahl von operativ verwendbaren System/Umwelt-Differenzen, die jeweils an verschiedenen Schnittstellen das Gesamtsystem als eine Einheit von Teilsystemen und Umwelt rekonstruieren.“ (Luhmann 1991, S.22)

Ein System ist also ein Zusammenhang mehrere Teil- oder Subsysteme, dass sich in spezifischer Weise von seiner Umgebung abgrenzt und diese damit zu seiner Umwelt macht.

Die Elemente eines Systems sind demnach Handlungen. Nach Luhmann sind Handlungen eine Verkettung von Ereignissen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die auf ihren Kommunikationswert hin analysiert werden müssen; sie können als Bestandteile von Kommunikation[2] verstanden werden. (vgl. Saldern 1991, S. 211) Dieser Definition zufolge sind Personen nicht als Elemente des Systems zu verstehen, sondern als Bestandteile der Umwelt. „Sie sind strukturell an ihrer Umwelt orientiert und können ohne Umwelt nicht bestehen.“ (Luhmann 1991, S. 35)

2.2. Autopoiesis und Selbstreferenz

Da sich ein System nur als solches erkennt aufgrund der System-Umwelt-Differenz, ist die wichtigste Voraussetzung gegeben, ein System als autopoietisch zu beschreiben. Den Begriff der Autopoiesis übernimmt Luhmann in einer Anpassung an seine Theorie sozialer Systeme von dem Biologen Humberto Maturana. Dieser hatte den aus dem griechischen stammenden Begriff („autos“ = Selbst, „poiesis“ = Produktion) als Definition für die Selbsterzeugung biologischer Systeme eingeführt. Luhmann machte ihn für die Soziologie brauchbar durch den Hinweis, dass er Systeme als verschiedene Realisierungen desselben Konzepts ansieht. Gemeint ist damit, dass Systeme nicht direkt nach der Analogie eines Organismus gedacht werden, sondern als organische, soziale und psychische Systeme.

Ein autopoietisches System zeichnet sich zudem dadurch aus, dass seine Systemelemente nicht zeitbeständig sind und dass es ein offenes System ist; d.h. es kann mit seiner Umwelt kommunizieren. Andererseits kann es aber auch als geschlossenes System betrachtet werden, da es sich ansonsten auf sich selbst bezieht (Selbstreferenz).

Der Austausch des Systems mit der Umwelt und umgekehrt wird dabei nicht durch die Umwelt bestimmt, sondern durch die Organisationsweise des Systems. Durch die damit verbundene Aufnahme der Informationen über die eigene Systemlogik ist eine synchrone Informationsverarbeitung unmöglich. (vgl. Miller 2001, S. 60ff)

Luhmann selber sagte 1996 in einem Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk über die Autopoiesis-Thematik folgendes:

„Ein System produziert sich selber. Es produziert die Elemente, aus denen es besteht, mit Hilfe einer Kombination der Elemente, aus denen es besteht. Das ist eine Idee, die man – wie mir scheint – auch auf soziale Verhältnisse, auf die Gesellschaft anwenden kann. Der kontroverse Punkt ist natürlich, ob es nur in der Biologie funktioniert oder – mit versetztem Realitätszusammenhang – auch in der Gesellschaft.“ (Luhmann 1996)

Selbstreferenz benennt die Fähigkeit eines Systems, Bezug auf sich selber zu nehmen. Daraus folgt, dass ein System in der Lage ist, sich selbst zu beobachten, sich auf sich selbst zu beziehen und sich selbst zum Thema machen kann. Notwendig ist dafür die bereits dargestellte Differenzierung zwischen System und Umwelt. Nur wenn ein System diese Differenz zwischen sich und seiner Umwelt von außen und von innen wahrnimmt, kann es als ein selbstreferentielles System bezeichnet werden. Selbstreferenz kennzeichnet eine bestimmte Operationsweise eines Systems: es kann nur zu Umweltkontakten kommen, wenn die Reproduktion der Einheit des Systems gewährleistet ist. Das System entscheidet also selbst, ob eine Operation als geeignet angesehen wird oder nicht. Die Begrenzungen und Möglichkeiten ergeben sich dabei aber aus der Umwelt.

Zusammenfassend kann festgehalten werden: Die Umwelt bietet die Möglichkeiten an – das System entscheidet, welcher dieser Möglichkeiten es annimmt. Dies bezeichnet die innere Geschlossenheit eines selbstreferentiellen Systems, seine Autonomie: Kein Einfluss von außen kann so stark sein, dass das System der Intention des Beeinflussenden nachkommen muss. Luhmann bezeichnet dies als Kontingenz.

Kontingenz bezeichnet nach Luhmannschem Verständnis eine Nichtnotwendigkeit; das System hat mehrere Möglichkeiten der Reaktion zur Auswahl. Kontingenz bedeutet für das eine System Freiheit, für das andere in der Interaktion stehende System Unsicherheit in Bezug auf die Erwartung, die es an das andere System stellen kann. Haben nun mehrer Systeme Erwartungen an die jeweils anderen Systeme, ergibt sich das Problem der doppelten Kontingenz:

„Zwei black boxes bekommen es [...] miteinander zu tun. Jedes bestimmt ihr eigenes Verhalten durch komplexe selbstreferentielle Operationen innerhalb ihrer Grenzen.“ (Luhmann 1984, S. 156 zit. in: Morel u.a. 2001, S. 222)

Luhmann löst dieses Problem durch den selbstreferentiellen Zirkel: „Ich tue, was Du willst, wenn Du tust, was ich will.“ Oder mit den Worten Luhmanns ausgedrückt: „Ich lasse mich von Dir nicht bestimmen, wenn Du Dich nicht von mit bestimmen läßt.“ (Luhmann 1984, S. 166ff. zit. In: Morel u.a. 2001, S. 222) Durch diese Verbindung entsteht eine neue Einheit, die nicht auf eines der beteiligten Systeme reduzierbar ist. Keines der beiden Systeme muss also notwendig in einer bestimmten Weise reagieren. Die beidseitige Einschränkung, die Luhmann in dieser Weise konstruiert, ermöglicht dennoch eine gewisse Erwartbarkeit, die für beide Systeme Einschränkung und neue Möglichkeiten gleichzeitig bedeuten.

„Jedenfalls verfügen alle Handlungssysteme psychischer und sozialer Integration über Selbstreferenz, und zwar in einem so fundamentalen Sinne, daß ihre einzelnen Elemente (Handlungen) überhaupt nur im Selbstkontakt, das heißt in selektiver Bezugnahme auf andere Handlungen desselben Systems, konstituiert werden können.“ (Luhmann 1993, S. 140)

2.3. Systemtypen

Luhmann differenziert zwischen folgenden Systemarten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Systemunterscheidung nach Luhmann

Psychische Systeme sind Bewusstseinssysteme, die an Kommunikation gebunden sind:

„Ein Bewusstsein ist an Kommunikation gekoppelt: ohne Kommunikation kein Bewusstsein. Aber wenn in die Kommunikation immer alles, was man im Moment denkt, einschließlich des Bewusstsein – daß man gerade lügt oder etwas verdecken muß; daß man nicht weiß, was man sagt – eindringen würde, würde das System explodieren. Deshalb gibt es – operativ – eine Grenze: Kommunikation ist Kommunikation, und Bewusstsein ist Bewusstsein. Oder: Chemie ist Chemie, und Leben ist leben.“ (Luhmann 1996)

Psychische Systeme bilden sich aus Bewusstseinsereignissen, die die operationale Geschlossenheit bedingt[3] und zeichnen sich durch die Fähigkeit zur Selbstreferenz aus. Allerdings sind psychische Systeme abhängig vom Menschen (als ein soziales System): beide bedingen einander und können ohne das jeweils andere System nicht existieren.

[...]


[1] Eine ausführliche Darstellung des AGIL-Schemas, als sie an dieser Stelle vorgenommen werden kann, findet sich in: Morel, Julius (u.a.): Sozilogische Theorie: Abriß der Ansätze ihrer Hauptvertreter. 7., bearb. und erw. Aufl.. München; Wien; Oldenbourg 2001, S. 157ff.

[2] Eine ausführlichere Darstellung des Kommunikationsverständnisses von Luhmann lässt sich im Abschnitt 2.4. dieser Arbeit nachlesen.

[3] Hier lässt die Theorie folgende Frage zu: Wie kann ein autopoietisches System, dass operativ geschlossen ist und eigentlich nur mit sich selber in Kontakt treten kann, mit seiner Umwelt Kontakt aufnehmen? Luhmann antwortet darauf folgendes: „Vielleicht ist der Begriff "Kontakt" in diesem Zusammenhang zu weich - obwohl ich ihn selber immer wieder verwende. In der technischen Sprache spricht man von operationaler Schließung. Das heißt: Die Operation der Kommunikation findet nur innerhalb des Systems statt, und man hat keine Möglichkeit, die Umwelt mit dieser Operation zu kontaktieren. [...] Diese operationale Schließung ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt etwas entsteht, was kausal mit der Umwelt verflochten sein kann oder strukturell an sie gekoppelt ist“ (Luhmann 1996)

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Soziologische Systemtheorie - Eine handlungstheoretische Grundlage und der Aspekt des Case Management
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Sozialpädagogik/Sozialarbeit)
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
52
Katalognummer
V30564
ISBN (eBook)
9783638317993
ISBN (Buch)
9783638702423
Dateigröße
1123 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologische, Systemtheorie, Eine, Grundlage, Aspekt, Case, Management
Arbeit zitieren
Sandra Starke (Autor), 2003, Soziologische Systemtheorie - Eine handlungstheoretische Grundlage und der Aspekt des Case Management, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30564

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