In unserer heutigen, digitalisierten und automatisierten Zeit, in der Automaten und Maschinen nicht mehr nur dazu dienen, Dinge zu bewegen, zu erstellen, zu entsorgen etc., sondern in der Lage sind, Wörter, Texte, letztlich ganze Romane zu schreiben, mag es beinahe altmodisch erscheinen, sich im Kontext einer Hausarbeit zur Digitalen Poesie mit einem Buch auseinanderzusetzen.
Doch darf man bei all der Blicke in die Zukunft, welche durch die öffentlichen Medien entworfen werden, nicht vergessen, den Blick nach hinten, an den (möglichen) Anfang dieser Digitalen Poesie zu werfen. Wie begann das Erschaffen von Texten mittels mathematischer Techniken wie Aleatorik oder Kombinatorik? Gab es so etwas wie Maschinen im Buchformat, also wortwörtliche TEXT-maschinen?
Diese Fragen kann man deutlich bejahen, mehr noch, man muss bei genaue(re)r Beantwortung historisch sogar weiter zurückblicken, als es in der vorliegenden Arbeit getan werden soll.
Raymond Queneaus Hunderttausend Milliarden Gedichte (im Folgenden HMG) sollen in der folgenden Arbeit als Beispiel dafür dienen, dass es bereits vor Entwicklung der Digitalen Poesie maschinenartige Erzeugnisse gab, welche mittels verschiedener Techniken Texte generiereren konnten, im Falle der HMG Sonette . Nach einer oberflächlichen Betrachtung von Queneaus Textsammlung (oder Textbaukasten oder Sonettbausatz?) soll eine gegenüberstellende Betrachtung zwischen Queneaus HMG und Hans Magnus Enzensbergers Poesieautomaten hinsichtlich ihres inneren und äußeren Aufbaus (bzw. der "Hartware" und der "Weichware“) stattfinden. Hierbei soll es darum gehen, Unterschiede, vor allem aber Gemeinsamkeiten beider Textgeneratoren aufzuzeigen und zu bewerten. Letztlich sollen eigene Überlegungen bezüglich einer theoretischen Zusammenkunft resp. Vereinigung beider Beispiele von textgenerierenden Automaten sowie ihrer Konzeption und Realisierungsmöglichkeiten angestellt, also der Blick letztlich wieder in Richtung Zukunft gerichtet werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Queneaus Hunderttausend Milliarden Gedichte – eine oberflächliche Betrachtung
- Enzensbergers Poesieautomat und Queneaus Sonettmaschine
- Von Papierstreifen und Zufallsgeneratoren – eine äußerliche Gegenüberstellung
- Von Sonetten und Zufallsgedichten – eine innerliche Gegenüberstellung
- Der Sonettautomat - Versuch einer möglichen Symbiose
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit widmet sich der Erforschung von Textgeneratoren, insbesondere im Kontext der Digitalen Poesie. Sie beleuchtet die Verbindung zwischen mathematischen Techniken und literarischer Produktion anhand des Beispiels von Raymond Queneaus „Hunderttausend Milliarden Gedichte“ (HMG) und vergleicht dieses Werk mit Hans Magnus Enzensbergers Poesieautomaten.
- Analyse von Queneaus HMG als Beispiel für eine maschinenartige Textgenerierung
- Gegenüberstellung von Queneaus HMG und Enzensbergers Poesieautomaten in Bezug auf Aufbau und Funktionsweise
- Exploration der Möglichkeiten einer Vereinigung beider Beispiele von textgenerierenden Automaten
- Diskussion der Rolle des Lesers als Konstrukteur und Co-Produzent in textgenerierenden Werken
- Die Bedeutung von Kombinatorik und Aleatorik in der Entstehung Digitaler Poesie
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung führt in die Thematik der Digitalen Poesie ein und stellt die Relevanz von Queneaus HMG im Kontext dieser Entwicklung dar.
- Kapitel 2 bietet eine oberflächliche Betrachtung von Queneaus HMG und stellt dessen Grundprinzipien vor.
- Kapitel 3 vertieft die Analyse von Queneaus HMG und vergleicht es mit Enzensbergers Poesieautomaten hinsichtlich ihres inneren und äußeren Aufbaus.
- Kapitel 4 beleuchtet die Konzeption und Realisierungsmöglichkeiten einer Vereinigung beider Beispiele von textgenerierenden Automaten.
Schlüsselwörter
Digitale Poesie, Textgeneratoren, Kombinatorik, Aleatorik, Raymond Queneau, „Hunderttausend Milliarden Gedichte“, Hans Magnus Enzensberger, Poesieautomat, Oulipo, Sonett, Leser als Konstrukteur, Co-Produzent, Textbaukasten
Häufig gestellte Fragen
Was sind Raymond Queneaus "100.000 Milliarden Gedichte"?
Es ist ein Buchprojekt, das durch zerschnittene Papierstreifen die Kombination von Sonetten ermöglicht und so theoretisch eine gigantische Anzahl an Gedichten generiert.
Wie funktioniert Enzensbergers Poesieautomat?
Enzensbergers Automat ist eine Maschine, die Texte nach dem Zufallsprinzip generiert und dabei Ähnlichkeiten zu Queneaus kombinatorischem Ansatz aufweist.
Was ist das Ziel des Vergleichs beider Werke?
Die Arbeit untersucht Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der "Hartware" (Aufbau) und "Weichware" (Inhalt) beider Textgeneratoren.
Welche Rolle spielt der Leser bei dieser Art von Poesie?
Der Leser fungiert als Konstrukteur und Co-Produzent, da er durch seine Interaktion bestimmt, welcher Text letztlich entsteht.
Was bedeutet "Oulipo" in diesem Zusammenhang?
Oulipo ist eine literarische Gruppe, der Queneau angehörte und die sich auf das Schreiben unter mathematischen oder formalen Beschränkungen spezialisiert hat.
- Citation du texte
- Florian Leiffheidt (Auteur), 2015, Raymond Queneaus "100.000 Milliarden Gedichte". Enzensbergers Poesieautomat und Queneaus Sonettmaschine, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305661