Die Bedeutung von Kommunikationsmodellen im Coachingprozess


Hausarbeit, 2012
27 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Zusammenfassung / Summary

1 Einleitung

2 Kommunikationsmodelle in der Anwendung
2.1 Kontext des Coachingbeispiels
2.2 Kommunikation aus dem Kindheits-Ich
2.3 Die Beziehungsebene bestimmt die Sachebene
2.4 Die Selbstoffenbarung präsentiert die Persönlichkeit
2.5 Überkreuzte und Komplementäre Transaktionen

3 Kommunikation im Coachinggespräch
3.1 Verschiedene Persönlichkeiten im Dialog
3.2 Die Beziehungsebene bestimmt die Coachingsituation
3.3 Kongruenz der vier Seiten einer Nachricht im Gespräch
3.4 Kommunikation auf Augenhöhe

4 Schlussbetrachtung

Literatur

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 2.1 Die Persönlichkeit (in Anlehnung an Harris, 2011, Pos.452)
Abb. 2.2 Inhalts- und Beziehungsaspekt einer Kommunikation (in Anlehnung an Birkenbihl, 1995, S.82)
Abb. 2.3 Nachrichtenquadrat (in Anlehnung an Schulz von Thun, 2011, S.15)
Abb. 2.4 Überkreuz-Transaktion (in Anlehnung an Harris, 2011, Pos.1638)
Abb. 2.5 Komplementäre Transaktion (in Anlehnung an Harris, 2011, Pos.1465)

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit zeigt unter Verwendung eines Entwicklungscoachings als Beispiel, die Bedeutung von Kommunikationsmodellen im Coachingprozess auf. Dabei wird insbesondere auf das zweite Axiom von Paul Watzlawick eingegangen, die Transaktionsanalyse von Thomas A. Harris, sowie im Nachrichtenquadrat nach Friedemann Schulz von Thun auf den Selbstoffenbarungsaspekt. Dieselben Kommunikationsmodelle werden weiterhin bzgl. ihrer Relevanz im Coachinggespräch kurz analysiert. Abschließend werden die Kommunikationsmodelle bzgl. ihrer Unterstützung bei der Selbstentwicklung eines Coachees basierend auf Reflexion und Erkenntnisgewinn eingeordnet.

Summary

This article points out the relevance of communication models in a coaching process by using a coaching setting for professional development as an example. Special attention is on the second axiom of Paul Watzlawick, the transaction analysis of Thomas A. Harris, and on one of the four sides of a message, the self-revelation of Friedemann Schulz von Thun. Moreover, these communication models are examined briefly according to their relevance in the coaching dialogue. A final look at how communication models can support self-development of a coachee based on reflection and meaning-creation concludes this paper.

1 Einleitung

Einen Hinweis auf die Relevanz von Kommunikation im Coaching erhält man bereits durch eine einfache Webrecherche nach „Coaching & Kommunikation“ – am 16. April 2012 erhielt ich auf diese Anfrage mittels der Suchmaschine Google über 14 Millionen Treffer. Coaching ist ohne Kommunikation und damit auch ohne theoretische Überlegungen zur Kommunikation nicht denkbar. Der Anlass für einen Coachingprozess bezieht sich häufig direkt oder auch indirekt auf Kommunikationspro­bleme mit den Vorgesetzten, Mit­arbeitern oder Kollegen. Insofern stehen Elemente, die eine Kommunikation ausmachen oft im Mittelpunkt des Coachinggeschehens.

Anhand eines Entwicklungscoachings möchte ich aufzeigen wie die Kenntnis von unterschiedlichen Kommunikationsmodellen dazu bei­tragen kann, das Coachinganliegen zu verstehen und dieses zusammen mit dem Coachee aufzulösen. Da meines Erachtens die Kommunikationsmodelle nicht nur in der gemeinsamen Bearbeitung des Anliegens mit dem Coachee eine Rolle spielen, sondern auch im Coachinggespräch selbst, gehe ich im Anschluss noch auf die Bedeutung der Kommunikationsmodelle in der Coaching­situation ein. Das heißt, hier geht es darum die Kommunikation während eines Coachinggesprächs durch Kommunikationsmodelle besser zu verstehen und herauszuarbeiten, inwiefern diese theoretischen Modelle in der Gesprächsführung selbst relevant sind.

Da im Coaching Erkenntnisgewinn auf Basis von Reflexion zur Selbstentwicklung im Mittelpunkt steht, gehe ich in der Schlussbetrachtung darauf ein, wie Kommunikationsmodelle diesbezüglich einzuordnen sind.

2 Kommunikationsmodelle in der Anwendung

Basierend auf einem Beispiel erläutere ich nachfolgend die Anwendbarkeit und damit die Relevanz von theoretischen Kommunikationsmodellen in der Coachingpraxis. Ein Entwicklungscoaching, das ich mit einer Klientin durchgeführt habe, dient dabei als roter Faden. Unter Verwendung dieses Beispiels, erkläre ich jeweils kurz und knapp das entsprechende Kommunikationsmodell, das zum besseren Verständnis des Vorgangs beige­tragen hat. Schwerpunkt soll jedoch nicht das theoretische Modell selbst sein, sondern die Anwendung und damit die Bedeutung desselben in der konkreten Coachingsituation. In diesem speziellen Entwicklungscoaching kamen dabei vorrangig die folgenden theoretischen Kommunikationsmodelle –hier im Überblick– zum Tragen:

- Persönlichkeiten, verschiedene Ich-Zustände (Harris, 2011)
- Beeinflussung der Inhaltsebene durch die Beziehungsebene (Watzlawick, 2011)
- Selbstoffenbarungsseite des Nachrichtenquadrats (Schulz von Thun, 2011)
- Überkreuzte und komplementäre Transaktionen (Harris, 2011)

Bevor ich jedoch auf die Relevanz der Modelle in diesem Coaching eingehe, möchte ich zunächst den Kontext des Entwicklungscoachings darstellen.

2.1 Kontext des Coachingbeispiels

Meine Klientin hatte über Bekannte von einer frei werdenden Stelle in einem Unternehmen gehört, die genau ihren Wunschvorstellungen entsprach v.a. auch bzgl. ihres nächsten Karriereschrittes. Folgerichtig bewarb sie sich auf die Stelle und wurde auch direkt zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Aus diesem Vorstellungsgespräch kommend, bewertete sie das Gespräch mit „ging so“ – ihrer Ansicht nach hätte sie vermutlich nicht so richtig überzeugt. Dreißig Minuten später rief jedoch der potenzielle Arbeitgeber an und sagte, dass er sie unbedingt einstellen wollte. Er würde alles in die Wege leiten, damit ihr der Vertrag so schnell wie möglich zugesandt wird. Aufgrund des anstehenden Quartalendes und entsprechenden Kündigungsfristen, sollte im Interesse aller der Vorgang beschleunigt werden. Dazu gehörten Punkte wie die Klärung mit dem Betriebsrat oder auch, dass ein weiteres Gespräch und v.a. ein Test in Form eines Personal-Assessment-Centers (Personal-AC) nicht mehr für notwendig erachtet wurden. Meine Coachee konnte ihr Glück nicht fassen. Drei Tage später jedoch, rief die Assistentin ihres zukünftigen Vorgesetzten an und wollte mit ihr einen Termin für das Personal-AC vereinbaren, da dieses nun doch unumgänglich war.

2.2 Kommunikation aus dem Kindheits-Ich

Basierend auf Eric Bernes Arbeit, hat Thomas A. Harris die Persönlichkeiten, die in jedem Menschen stecken im Allgemeinen und im Besonderen deren Rolle in einer Kommunikation detailliert analysiert. Ausgangsbasis ist für Harris:

„Der jeweilige Ich-Zustand wird herbeigeführt durch die Wiedergabe von gespeicherten Informationen, die ein vergangenes Ereignis ‚zu Protokoll‘ gegeben hat und an dem wirkliche Menschen, wirkliche Zeiten, wirkliche Orte, wirkliche Entscheidungen und wirkliche Empfindungen beteiligt sind.“ (Harris, 2011, Pos.459).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1 Die Persönlichkeit (in Anlehnung an Harris, 2011, Pos.452)

So „speichert“ das Eltern-Ich Ermahnungen, Regeln, Ver- und Gebote, die die Person als Kind von seinen Eltern erfahren bzw. vorgelebt bekommen hat. Das Kindheits-Ich hingegen merkt sich alles, was zu dieser Zeit intern in ihm vorging, d.h. wie es (innerlich) die Geschehnisse mit allen Sinnen (auditiv, visuell, kinästhetisch aber auch kognitiv) verarbeitet hat. Da die Erziehung aus Kindperspektive ein schwieriger Prozess mit vielen Rückschlägen ist, weil das Kind den Ansprüchen (noch) nicht genügt, folgert Harris, dass das Kind früh zu der Selbsteinschätzung kommt: „ Ich bin nicht o.k. “ (Harris, 2011, Pos.586). Die dritte Persönlichkeit bzw. der dritte Ich-Zustand ist das Erwachsenen-Ich, das sich bereits in früher Kindheit ausbildet. Nämlich ab dem Zeitpunkt, ab dem der Säugling aus seinem eigenen Bewusstsein heraus agiert. Dabei unterscheidet das Kind (unbewusst) erstmals zwischen der von den Eltern übernommenen und der von ihm selbst gefühlten Wirklichkeit und konstruiert sich dabei eine dritte Wirklichkeit, nämlich die selbst gedachte (ebd., Pos.659). Das Erwachsenen-Ich hinterfragt dabei das Kindheits- und Eltern-Ich und balanciert diese aus:

„Zu den Hauptfunktionen des Erwachsenen-Ichs gehört es, die Angaben im Eltern-Ich zu überprüfen, festzustellen, ob sie stimmen und heute noch anwendbar sind, und sie dann zu übernehmen oder zu verwerfen. Außerdem muss das Erwachsenen-Ich das Kindheits-Ich untersuchen, ob dessen Gefühle noch den Forderungen der Gegenwart angemessen sind oder aber veraltet und eine bloße Reaktion auf inzwischen längst ungültige Eltern-Ich-Daten.“ (Harris, 2011, Pos.682).

Laut Harris trägt jeder Mensch alle diese drei Persönlichkeiten in sich und wechselt oft mehrfach am Tag bei der alltäglichen Kommunikation zwischen diesen. Anzeichen für den momentanen Ich-Zustand kann der Coach auch in der Wortwahl des Coachees entdecken:

„[…] a predominance of negative terms, a shift towards formality or childish language all have hidden meaning that can help the coach to understand and therefore facilitate effectively.” (Whitmore, 1996, S.45).

Wobei nach Whitmore, nicht nur die Wortwahl den momentanen Ich-Zustand ausdrückt, sondern auch die Körpersprache. Er zieht den Schluss, dass im Falle eines Widerspruchs des Gesagten mit der Körpersprache ziemlich sicher die Körpersprache näher an der Wahrheit ist (ebd.).

Bei meiner Coachee kam der Wechsel zwischen den verschiedenen Ich-Zuständen ganz massiv zum Vorschein. Nachdem sie die Nachricht erhalten hatte, dass sie doch im Personal-AC getestet werden sollte, rief sie mich verzweifelt an und wir vereinbarten bis zu diesem Personal-AC mehrere Coachingsitzungen. Bereits am Telefon und dementsprechend auch in der ersten Sitzung wurde das Problem deutlich: meine Coachee war absolut davon überzeugt, dass sie solch einen Test niemals bestehen würde, da sie „so etwas nicht könne und auch noch nie konnte“. Das heißt, sie war völlig eingenommen von ‚Nicht-O.K.‘-Gefühlen.

Nahezu analog zu dem Beispiel von Harris hatte meine Coachee Angst (Harris, 2011, Pos.1613). Sie war sowohl für das Personal-AC als auch für die neue Aufgabe zu hundert Prozent qualifiziert (diese Überzeugung war für sie ja auch der ursprüngliche Auslöser der Bewerbung) und dennoch glaubte sie fest daran, dies nicht zu schaffen. Sie hoffte darauf, dass ich als ihr Coach ihr reale (und auch für sie glaubhafte) Gründe aufzeige, durch welche sie den Zustand des Kindheits-Ichs verlassen konnte. Das heißt, ein Coach kann in solch einer Situation sein starkes Erwachsenen-Ich „verleihen“, da das Erwachsenen-Ich der Coachee geschwächt ist (ebd.).

Es ging folglich zunächst einmal darum, sie vorrangig in ihren Fähigkeiten zu bestärken, so dass sie sich selbst wieder auf ihre Qualitäten besinnen konnte.

2.3 Die Beziehungsebene bestimmt die Sachebene

Watzlawick erläutert die Inhalts- und Beziehungsaspekte in der Kommunikation folgendermaßen:

„Wenn man untersucht, was jede Mitteilung enthält, so erweist sich ihr Inhalt vor allem als Information. […] Gleichzeitig aber enthält jede Mitteilung einen weiteren Aspekt, der viel weniger augenfällig, doch ebenso wichtig ist – nämlich einen Hinweis darauf, wie ihr Sender sie vom Empfänger verstanden haben möchte. Sie definiert also, wie der Sender die Beziehung zwischen sich und dem Empfänger sieht, und ist in diesem Sinn seine persönliche Stellungnahme zum anderen.“ (Watzlawick, 2011, Pos.490-491).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.2 Inhalts- und Beziehungsaspekt einer Kommunikation (in Anlehnung an Birkenbihl, 1995, S.82)

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Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Kommunikationsmodellen im Coachingprozess
Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg  (Business Coaching und Change Management)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
27
Katalognummer
V305719
ISBN (eBook)
9783668036673
ISBN (Buch)
9783668036680
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachrichtenquadrat, Transaktionsanalyse, zweites Axiom, Coaching, Reflexion, Selbstentwicklung, Inhaltsaspekt, Beziehungsaspekt
Arbeit zitieren
Jutta Eckstein (Autor), 2012, Die Bedeutung von Kommunikationsmodellen im Coachingprozess, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305719

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