Shareholder Value – ein Begriff, der in börsennotierten Großunternehmen eine zentrale Rolle einnimmt und dessen Maximierung dabei primär im Fokus des unternehmerischen Handelns steht. Schließlich geht es darum, in einer Welt, in der Kapital ein knappes Gut ist, in den Augen der Aktionäre attraktiv im Hinblick auf die Verzinsung ihres investierten Kapitals zu sein. Dieser Aspekt rückt angesichts einer fortschreitenden Globalisierung von Faktor- und Gütermärkten sowie der zunehmenden Bedeutung renditeorientierter institutioneller Investoren, was sich in einem zunehmenden Wettbewerbsdruck niederschlägt, umso mehr in den Vordergrund.
Daher haben sich in Großunternehmen wertorientierte Steuerungskonzepte, welche auf die Steigerung des Unternehmenswertes ausgerichtet sind, weitestgehend etabliert. Dagegen finden solche Konzepte in der mittelständischen Unternehmensführung vergleichsweise selten Anwendung. Zurückzuführen ist dies auf die von Großunternehmen divergierenden mittelstandsspezifischen Charakteristika, welche die Frage aufwerfen, ob eine wertorientierte Unternehmensführung und -steuerung überhaupt ein sinnvolles Konzept für den Mittelstand darstellt. Diese Frage wird im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit thematisiert. Die hohe Bedeutung dieser Thematik erscheint insbesondere vor dem Hintergrund der zentralen Stellung des Mittelstands in der deutschen Volkswirtschaft gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Einführung in das Thema
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen wertorientierter Unternehmensführung
2.1. Begriffspräzisierung und Einführung
2.2. Wertorientierte Steuerungskonzepte
2.2.1. Discounted Cashflow
2.2.2. Economic Value Added
2.2.3. Cashflow Return on Investment
2.2.4. Cash Value Added
3. Grundlagen mittelständischer Unternehmen
3.1. Definition des Mittelstandes
3.2. Abgrenzung mittelständischer Unternehmen
3.2.1. Quantitative Merkmale
3.2.2. Qualitative Merkmale
3.3. Mittelstandsspezifische Besonderheiten
4. Wertorientierte Unternehmensführung im Mittelstand
4.1. Ergebnisse bereits durchgeführter empirischer Untersuchungen zum Thema wertorientierte Unternehmensführung
4.1.1. Übersicht über durchgeführte empirische Studien
4.1.2. Empirische Studien über den Anwendungsstand
4.1.3. Empirische Studien über konkrete inhaltliche Aspekte
4.2. Kritik an der wertorientierten Unternehmensführung im Mittelstand
4.2.1. Implementierungsbarriere Zielsystem
4.2.2. Implementierungsbarriere Anreizsystem
4.2.3. Implementierungsbarriere Diskontierungsbasierte Kennzahlen
4.2.4. Implementierungsbarriere Ressourcenausstattung
4.3. Notwendigkeit wertorientierter Unternehmensführung in mittelständischen Unternehmen
4.3.1. Überblick
4.3.2. Externe Anreize
4.3.3. Interne Anreize
4.3.4. Schwächen traditioneller buchhalterischer Kennzahlen
4.4. Konkrete Anwendbarkeit einer wertorientierten Unternehmensführung
4.4.1. Überblick
4.4.2. Adaption eines modifizierten diskontierbasierten Verfahrens
4.4.3. Adaption eines Steuerungssystems zur Adressierung der Zielmehrdimensionalität innerhalb KMU
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, ob wertorientierte Unternehmensführung ein sinnvoller Steuerungsansatz für mittelständische Unternehmen darstellt. Angesichts der zentralen Stellung des Mittelstands in der deutschen Wirtschaft analysiert die Studie sowohl die theoretischen Grundlagen als auch spezifische Implementierungsbarrieren und leitet daraus Adaptionsmöglichkeiten für KMU ab.
- Grundlagen wertorientierter Steuerungskonzepte (DCF, EVA, CFROI, CVA)
- Abgrenzung und Besonderheiten mittelständischer Unternehmen
- Empirische Analyse des Anwendungsstandes wertorientierter Konzepte im Mittelstand
- Identifikation von Implementierungsbarrieren (Zielsysteme, Anreize, Ressourcenausstattung)
- Entwicklung von Adaptionsstrategien für mittelstandsgerechte Steuerungssysteme
Auszug aus dem Buch
2.1. Begriffspräzisierung und Einführung
Wertorientierte Unternehmensführung definiert Tappe als Handlungsempfehlungen an das Management, alle Prozesse auf eine nachhaltig wirtschaftliche Wertsteigerung des Unternehmens auszurichten. Die Grundlage hierzu schaffte Rappaport mit dem 1986 veröffentlichten Buch „Creating Shareholder Value“. Sein Konzept beschreibt einen Führungsansatz, bei dem die Steigerung des Unternehmenswertes im Vordergrund steht. Strategische Entscheidungen soll die Geschäftsführung danach beurteilen, ob sie geeignet sind, den Marktwert des Unternehmens zu steigern. Geschäftsfelder, deren Rendite unterhalb der durchschnittlichen Kapitalkosten liegen, seien zu veräußern. Stehen nur unrentable Investitionen zur Verfügung, sind die Erlöse an die Shareholder „auszuschütten, da es andernfalls zur Wertvernichtung kommt.“
Im angloamerikanischen Raum stehen die Renditeansprüche der Kapitalgeber seit jeher im Vordergrund. Manager sind angehalten, den Shareholder Value Ansatz zu befolgen und über die Maximierung des Unternehmenswertes den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Diese Philosophie deckt sich mit der Auffassung von Copeland. Seiner Meinung nach sollten sich Manager der Maximierung des Shareholder Value widmen, da diese Strategie leistungsfähigere Unternehmen schaffe. Nur solange der Eigenkapitalgeber eine Verzinsung auf seine Einlagen erhält, die seine Erwartungen erfüllt, wird er weiter in das Unternehmen investieren. Je wertschaffender das Unternehmen ist, desto stärker sollten letztlich auch alle Stakeholder profitieren können.
Ausgehend von europäischen Ländern weichen die Unternehmensziele, nicht zuletzt durch gesetzliche Bestimmungen getrieben, zunehmend zugunsten anderer Interessensgruppen ab. Die Unternehmensführung hat den Auftrag, bei der langfristigen Unternehmenswertsteigerung nicht nur die Interessen der Shareholder zu vertreten, sondern Rücksicht auf die Bedürfnisse aller Stakeholder zu nehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema ein, erläutert die Relevanz der wertorientierten Unternehmensführung und beschreibt den Aufbau der Arbeit.
2. Grundlagen wertorientierter Unternehmensführung: Hier werden die theoretischen Grundlagen des wertorientierten Managements sowie wichtige Steuerungskonzepte wie DCF, EVA, CFROI und CVA vorgestellt.
3. Grundlagen mittelständischer Unternehmen: Dieses Kapitel definiert und grenzt mittelständische Unternehmen anhand quantitativer und qualitativer Kriterien ab und beleuchtet ihre spezifischen Besonderheiten.
4. Wertorientierte Unternehmensführung im Mittelstand: Dieser Hauptteil analysiert empirische Studien, kritisiert bestehende Implementierungsbarrieren, erörtert die Notwendigkeit des Ansatzes und zeigt Adaptionsmöglichkeiten für die Praxis auf.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Sinnhaftigkeit bzw. Notwendigkeit einer mittelstandsgerechten wertorientierten Unternehmensführung.
6. Literaturverzeichnis: Umfasst die verwendeten Quellen und wissenschaftliche Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Wertorientierte Unternehmensführung, Mittelstand, KMU, Shareholder Value, Unternehmensbewertung, Discounted Cashflow, Economic Value Added, Cashflow Return on Investment, Cash Value Added, Unternehmensnachfolge, Strategisches Controlling, Finanzmanagement, Stakeholderorientierung, Kapitalkosten, Zielsysteme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit und Sinnhaftigkeit wertorientierter Managementkonzepte, die ursprünglich für Großkonzerne entwickelt wurden, auf die spezifischen Strukturen mittelständischer Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Kernthemen sind die theoretischen Grundlagen wertorientierter Steuerung, die Charakteristika des Mittelstands, die empirische Analyse des IST-Zustands sowie die praktische Adaption von Steuerungsinstrumenten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob eine wertorientierte Steuerung für den Mittelstand sinnvoll ist und wie entsprechende Instrumente an die Besonderheiten von KMU angepasst werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung bereits durchgeführter empirischer Studien zum Anwendungsstand und zu inhaltlichen Aspekten der wertorientierten Unternehmensführung in KMU.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden empirische Ergebnisse präsentiert, Implementierungsbarrieren in den Bereichen Zielsysteme, Anreize, Kennzahlen und Ressourcen analysiert sowie konkrete Ansätze für ein modifiziertes, mittelstandsgerechtes Steuerungsinstrumentarium entwickelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Wertorientierte Unternehmensführung, Mittelstand, KMU, Shareholder Value, Unternehmensbewertung und strategisches Controlling charakterisiert.
Warum ist die Implementierung einer wertorientierten Steuerung im Mittelstand oft schwierig?
Häufige Barrieren sind die personelle Verflechtung von Eigentum und Leitung, fehlende Controlling-Ressourcen, ein mangelndes betriebswirtschaftliches Fachwissen sowie die traditionelle Orientierung an buchhalterischen Kennzahlen anstatt an zukunftsorientierten Cashflows.
Welche Rolle spielen Stakeholder bei der wertorientierten Unternehmensführung in KMU?
Aufgrund der mittelstandstypischen engen Beziehungsgeflechte (z.B. langjährige Verbindungen zu Kunden, Mitarbeitern und Hausbanken) ist eine reine Shareholder-Fokussierung oft unangemessen; stattdessen steht eine mehrdimensionale Stakeholder-Orientierung im Vordergrund.
Wie kann der "Restwert" in der DCF-Bewertung für den Mittelstand modifiziert werden?
Der Restwert hängt stark von der Zukunftsplanung des Eigentümers ab (Fortführung, Börsengang oder Liquidation). Je nach Szenario werden unterschiedliche Ansätze wie Inflationsraten, Multiples oder Liquidationswerte angewandt.
- Arbeit zitieren
- Martin Roser (Autor:in), Christopher Böhme (Autor:in), Andreas Trick (Autor:in), Alexander Eck (Autor:in), Kevin Haas (Autor:in), 2015, Wertorientierte Unternehmensführung – Ein sinnvoller Steuerungsansatz für mittelständische Unternehmen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305734