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Der Exodus aus Französisch-Algerien in der zeitgenössischen Lyrik von Pieds-Noirs

Title: Der Exodus aus Französisch-Algerien in der zeitgenössischen Lyrik von Pieds-Noirs

Term Paper , 2013 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Natascha Zeck (Author)

French Studies - Culture
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Die Frage nach der eigenen Identität ist eine der Grundfragen, die sowohl für das Selbstverständnis von Einzelnen als auch für das von bestimmten Gruppen immer wieder von Bedeutung ist. „Wer sind wir?“, „Wo kommen wir her?“ oder „Warum sind wir so, wie wir sind?“ sind dabei nur einige relevante Unterpunkte zu diesem Thema.
Dass diese Frage nicht immer einfach zu beantworten ist, ist offensichtlich. Wie viel schwieriger eine Antwort auf diese Frage jedoch zu finden ist, wenn die fragliche Person oder Gruppe verschiedenen kulturellen Einflüssen ausgesetzt ist, und zu einem bestimmten Punkt der eigenen Geschichte die Heimat, beziehungsweise die Möglichkeit, in ihr zu leben, verliert, liegt auf der Hand.
Wie sehr diese zwei verschiedenen Kulturen und das Ereignis des Verlustes die Wahrnehmung der eigenen Geschichte, der Heimat und somit auch das Bild der eigenen Identität beeinflussen können, ist eine interessante Frage, von der ich versuchen werde, sie in dieser Arbeit zu beantworten. Auch die Frage, inwiefern der Verlust der Heimat die Erinnerungen – sowohl die des Einzelnen als auch die der Gruppe- an die Zeit davor verstärkt oder in eine bestimmte Richtung lenkt, ist von Bedeutung, da hier offensichtlich wird, inwiefern die Erinnerungen von verschiedenen Emotionen beeinflusst werden.
Der Begriff „Erinnerungsort“ umfasst in seiner Ganzheit die oben genannten Punkte. Er sagt aus, dass das kollektive Gedächtnis einer Gruppe sich an einem bestimmten Ort kristallisiert, der allerdings auch als Ereignis verstanden werden kann. Für die betroffene Gruppe hat dieser Erinnerungsort eine identitätsstiftende Funktion.
Aus diesem Grund werde ich den Exodus der Algerien-Franzosen aus Algerien nach dessen Unabhängigkeit sowie auch deren gesamte Geschichte als Gruppe als Erinnerungsort betrachten. Dieses Ereignis hat die Menschen, die teilweise seit mehreren Generationen Algerien als ihre Heimat betrachteten, aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und sie mit einer Kultur und einer Nation konfrontiert, die bisher nur auf dem Papier die eigene waren. Was für Auswirkungen diese Geschehnisse, Jahre danach betrachtet, auf die Betroffenen hatten, wie sie in das kollektive Gedächtnis der Gruppe aufgenommen wurden und inwiefern die Erinnerungen an die Zeit davor durch den Umstand des Verlustes der Heimat und der damit verbunden Emotionen verändert wurden, wird thematisiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Erinnerungsort

3. Die Geschichte der Pieds-Noirs: Warum ist sie ein Erinnerungsort?

4. Verarbeitung der Ereignisse bei Betroffenen: wahrgenommene Emotionen

4.1. Sehnsucht

4.2. Heimatlosigkeit und Entwurzelung

4.3. Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des „Mythos“ Pieds-Noirs

5. Ein Erinnerungsort – zwei Perspektiven

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Exodus der Algerien-Franzosen (Pieds-Noirs) nach der Unabhängigkeit Algeriens als kollektiven Erinnerungsort. Dabei wird analysiert, wie dieser traumatische Verlust der Heimat in der zeitgenössischen Lyrik der Betroffenen verarbeitet wurde, welche Rolle Emotionen bei der Bildung einer neuen Identität spielen und inwieweit diese Erinnerungen im Exil idealisiert wurden.

  • Die Konstituierung von Geschichte und kollektivem Gedächtnis
  • Historischer Hintergrund und Migration der Pieds-Noirs
  • Psychologische Verarbeitung von Sehnsucht und Entwurzelung
  • Die Konstruktion des „Mythos“ Pieds-Noirs durch literarische Zeugnisse
  • Kontrastierende Perspektiven des Erinnerungsortes (Exil vs. Verbleib)

Auszug aus dem Buch

4.1. Sehnsucht

Das Gefühl, das sich wohl in den meisten der veröffentlichten Gedichte wiederfinden lässt, ist das der Sehnsucht. Die verschiedenen Autoren beschreiben, inwiefern bestimmte sinnliche Eindrücke, wie beispielsweise Musik, ein Geruch, ein Bild oder ein einfacher Gedanke als Auslöser fungieren und Erinnerungen herbeirufen, die sie dann nicht wieder vergessen können. In vielen Fällen wird diese Sehnsucht tief im Herzen bewahrt, und nur die Erinnerungen rufen sie wieder in das Bewusstsein zurück: „Je garde dans mon cœur, planté comme une écharde, le mal de ce pays lointain où je suis né…“

In den Fällen, wo Sehnsucht die treibende Emotion darstellt, werden die Erinnerungen noch stärker gefärbt und negative Erinnerungen werden gänzlich ausgeblendet, da sie nicht in das Bild des idyllischen Heimatlandes passen, das die meisten im Exil lebenden Pieds-Noirs vor Augen haben. In dem folgenden Gedicht werden die Emotionen beschrieben, die Erinnerungen an Algerien in der Autorin wachrufen:

“Mon Algérie, mon Pays / tendrement, fortement / je t’aime tout le temps. Il suffit d’une image, d’une parole, d’un nom ou d’une musique Pour faire vibrer mon cœur / Toi mon Algérie, même loin de toi ma pensée te chérit. Je sens ta présence comme une douce amie. Ton soleil est en moi... Et rechauffe mon cœur. Toi, mon Algérie.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Identitätsfindung durch Erinnerung und die Definition des Exodus der Algerien-Franzosen als zentralen Erinnerungsort.

2. Definition Erinnerungsort: Theoretische Grundlegung des Begriffs „Erinnerungsort“ (lieu de mémoire) nach Pierre Nora sowie die Abgrenzung von offizieller Geschichte zu kollektivem Gedächtnis.

3. Die Geschichte der Pieds-Noirs: Warum ist sie ein Erinnerungsort?: Darstellung des historischen Kontextes der Migration von Pieds-Noirs nach 1962 und die Gründe für die Entstehung dieses spezifischen Erinnerungskonstrukts.

4. Verarbeitung der Ereignisse bei Betroffenen: wahrgenommene Emotionen: Analyse, wie traumatische Ereignisse durch Selektion und Idealisierung in der persönlichen Lyrik der Betroffenen verarbeitet wurden.

4.1. Sehnsucht: Untersuchung des zentralen Motivs der Sehnsucht und der sinnlichen Verklärung der verlorenen Heimat in der Lyrik.

4.2. Heimatlosigkeit und Entwurzelung: Analyse der Gefühle von Exil, Identitätsverlust und der empfundenen Entfremdung nach der Ankunft in Frankreich.

4.3. Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des „Mythos“ Pieds-Noirs: Erörterung, warum die Konservierung eines idealisierten Gruppenbildes für die Identität der Pieds-Noirs essenziell wurde.

5. Ein Erinnerungsort – zwei Perspektiven: Gegenüberstellung der Erinnerungen exilierter Pieds-Noirs mit den Berichten derjenigen, die in Algerien verblieben sind.

6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Reflexion darüber, wie die Verknüpfung von Schmerz, Stolz und Sehnsucht zur Identitätsbildung der Gruppe beiträgt.

7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Internetressourcen.

Schlüsselwörter

Pieds-Noirs, Erinnerungsort, kollektives Gedächtnis, Algerien-Krieg, Identitätsbildung, Exil, Entwurzelung, Sehnsucht, Migration, Lieu de mémoire, Identität, Geschichtsbewusstsein, Lyrik, Frankreich, Algerien.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie die Pieds-Noirs (Algerien-Franzosen) den Verlust ihrer Heimat und ihren Exodus infolge des algerischen Unabhängigkeitskrieges als kollektives Gedächtnis verarbeitet haben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten zählen die psychologische Verarbeitung von Migration, die Rolle von Emotionen bei der Identitätsbildung, die literarische Darstellung des Verlusts und die Konstruktion eines nostalgischen Heimatmythos.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie das Ereignis des Exodus in der Lyrik der Betroffenen zu einem Erinnerungsort transformiert wurde, um eine durch den Heimatverlust zerrissene Identität zu bewahren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine kultur- und literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Konzepte (Erinnerungsort nach Nora) auf eine Auswahl persönlicher literarischer Zeugnisse und Blogs von Zeitzeugen anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Pieds-Noirs, eine Untersuchung emotionaler Kategorien wie Sehnsucht und Entwurzelung sowie einen Vergleich zwischen den Erinnerungsperspektiven der im Exil lebenden und der im Land verbliebenen Personen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Pieds-Noirs, Erinnerungsort, Exil, Entwurzelung, kollektives Gedächtnis und Identitätskonstruktion.

Warum erscheint die Geschichte der Pieds-Noirs nicht in den sieben Bänden von Pierre Nora?

Die Autorin diskutiert dies als eine Form des kollektiven Schweigens bzw. der Ausgrenzung, da die Erinnerungskultur der Pieds-Noirs stark innerhalb der eigenen Gruppe zirkulierte und von der französischen Nationalgeschichte lange Zeit nicht adaptiert wurde.

Welche Rolle spielt die „Simplizität“ in den analysierten Gedichten?

Die einfache, oft unsachliche Sprache der Gedichte wird als Beweis für die Authentizität der emotionalen Erfahrung gewertet, die direkter und unverfälschter ist als wissenschaftliche Abhandlungen.

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Details

Title
Der Exodus aus Französisch-Algerien in der zeitgenössischen Lyrik von Pieds-Noirs
College
Martin Luther University  (Romanistik)
Course
Erinnerungsorte gestern und heute
Grade
1,0
Author
Natascha Zeck (Author)
Publication Year
2013
Pages
20
Catalog Number
V305769
ISBN (eBook)
9783668037472
ISBN (Book)
9783668037489
Language
German
Tags
Pieds-noirs Algerienfranzosen Erinnerungsorte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Natascha Zeck (Author), 2013, Der Exodus aus Französisch-Algerien in der zeitgenössischen Lyrik von Pieds-Noirs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305769
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