"Das doppelte Lottchen". Der Kinderroman im Vergleich mit der deutschen Verfilmung von 1994


Hausarbeit, 2015
17 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das doppelte Lottchen
2.1 Der Erfolg und die vermuteten Gründe
2.2 Utopie
2.3 Literarische und stilistische Mittel

3. Vergleich mit dem Film: Charlie und Louise - Das doppelte Lottchen
3.1 Inhaltliche Veränderungen
3.2 Die Hauptfiguren
3.3 Einige Nebenrollen
3.4 Die Orte der Handlung

4. Schlussbetrachtung
4.1 Charlie und Louise - eine positive oder negative Umsetzung in die Moderne?

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der am 23. Februar 1899 in Dresden geborene Emil Erich Kästner war ein Schriftsteller und Drehbuchautor, der in erster Linie durch seine humorvollen und prägnanten Kinderbücher erfolgreich war und auch immer noch ist.

Er beschäftigte sich mit populären Volksbüchern, den Märchen der Gebrüder Grimm und darüber hinaus auch mit Weltklassikern. Diese überarbeitete Kästner gemäß seinen Vorstellungen und gab ihnen eine neue Gestalt, um damit die Kinder seiner Zeit zu fesseln und mitzureißen. An den Zeilen „Es ist immer einmal wieder an der Zeit, solche unzerreißbaren Geschichten nachzuerzählen. Sonst schmecken sie den Kindern altbacken, obwohl sie alterslos sind“[1] ist ersichtlich, dass Kästner die Nacherzählung als relevant und unverwehrt identifizierte. Diese Zeilen schrieb seine Biographin und Lebensgefährtin Luiselotte Enderle als Äußerung über die von Kästner verfassten Nacherzählungen Till Eulenspiegel, Der gestiefelter Kater, Die Schildbürger, Gullivers Reisen, Münchhausen und Don Quichotte. Viele Werke, die vom Autor eigenständig verfasst wurden, begründeten sich als „unzerreißbar[…]“[2], ebenso wie die Originalfassungen seiner Nacherzählungen. Die zentralste Rolle galt dabei nicht den literarischen Nacherzählungen, sondern deren Übertragung in das Massenmedium Film. Durch die Verfilmungen traten Kästners Werke bei Millionen von Menschen weltweit in Erscheinung. Der Autor selbst wirkte bei zahlreichen Drehbüchern mit, die wiederum für viele Verfilmungen als Vorlage dienten.

Aufgrund der Vielzahl von Verfilmungen möchte ich mit dieser Hausarbeit einen Vergleich zwischen dem Roman „Das doppelte Lottchen“ (1949) von Erich Kästner und der deutschen Verfilmung „Charlie und Louise - Das doppelte Lottchen“ (1994) vom Regisseur Joseph Vilsmaier herstellen.

Zu Beginn werde ich auf das Werk Kästners von 1949 eingehen, indem ich die vermuteten Gründe für den Erfolg herausstelle. In diesem Zusammenhang werde ich auch die Terminologie „Utopie“ betrachten und Bezug auf die im Werk verwendeten literarischen und stilistischen Mittel nehmen. Hieran anknüpfend stelle ich den Vergleich zur Verfilmung von 1994 dar mit dem Augenmerk auf den Inhalt, die Haupt- und Nebenrollen sowie die Orte der Handlung. In der Schlussbetrachtung liegt die Aufmerksamkeit bei der Umsetzung des Werkes in die Verfilmung von 1994. Dabei liegt das Hauptaugenmerk darauf, ob die Umsetzung der 2. deutschen Verfilmung von Joseph Vilsmaier positiv oder negativ erfolgt ist.

2. Das doppelte Lottchen

Wie bereits in der Einleitung angedeutet werde ich nachfolgend die vermuteten Gründe für den Erfolg von Kästners Werk „Das doppelte Lottchen“ herauskristallisieren. Für diesen Aspekt beschäftige ich mich mit den Verfilmungen sowie den zahlreichen Übersetzungen in viele differente Sprachen. In diesem Zusammenhang werde ich auch den Blick auf den Terminus „Utopie“ richten, der für den Erfolg eine wichtige Rolle spielt. Abschließend analysiere ich in dem Kapitel 2. die angewandten stilistischen und literarischen Mittel.

2.1 Der Erfolg und die vermuteten Gründe

Der Erfolg des Werkes „Das doppelte Lottchen“ von Erich Kästner lässt sich zum Einem durch seine hohe Auflagenzahl belegen. Zum Anderen stellt die Übersetzung dieses Kinderromans in über 100 Sprachen ein weiteres Indiz für seinen Erfolg dar. Darüber hinaus belegen besonders die Auszeichnungen der 1. Verfilmung den Erfolg dieses Romans. So erhielt die 1. Verfilmung von „Das doppelte Lottchen“ 1951 „alle drei Spielfilmprämien des erstmals vergebenen Deutschen Filmpreises: für Produktion, Regie und Drehbuch“[3].

Nicht nur der Roman von Erich Kästner wurde in viele Sprachen übersetzt, sondern auch in vielen Ländern nach der Vorlage des Autors verfilmt. So erschien im Jahr 1952 die japanische Version „Hibari no komori-uta“[4] sowie 1953 die britische Ausführung „Twice Upon a Time“[5]. Außerdem wurden 1960 die amerikanischen Fassungen „The Parent Trap“[6] und 1986 „The Parent Trap II“[7] publiziert. Für die amerikanische Fassung von 1960 „griffen Disney Productions den Stoff des DOPPELTEN LOTTCHEN auf […]“[8] und übernahmen die Grundelemente der Handlung, wobei das Milieu mit den amerikanischen Verhältnissen in Einklang gebracht wurde[9]. Eine weitere deutsche Verfilmung wurde erst im Jahr 1994 mit dem Titel „Charlie und Louise - Das doppelte Lottchen“[10] veröffentlicht.

Die erfolgreichste Verfilmung ist allerdings die 1. Verfilmung „Das doppelte Lottchen“ im 1950 von Joseph von Baky. Aufstrebender und populärer als die 1. Verfilmung wird keine mehr.

Zurückzuführen ist der Erfolg vermutlich auf die Besonderheit bei der Entstehung des Romans „Das doppelte Lottchen“. „Er [der Roman] existierte zunächst als Film-Treatment“[11], also als Kurzform eines Drehbuchs. Dieses Treatment legte er dem Regisseur Josef von Baky 1942 vor, der an einer Zusammenarbeit mit ihm interessiert war[12]. Da Kästner ein Schreibverbot auferlegt wurde, mussten von Baky und Kästner ihre Arbeit an der Verfilmung einstellen[13].

Erst 1945 arbeitete Kästner das Filmtreatment zu einem Roman aus, der 1949 auch veröffentlicht wurde und als Grundlage für das Drehbuch diente[14]. 1950 erschien die 1. Verfilmung des Romans „Das doppelte Lottchen“ von Regisseur Josef von Baky[15].

Die Besonderheit, „Daß sich das Buch bis auf ein paar dramaturgische Retouschen so wortwörtlich verfilmen ließ, liegt sicher an seiner Abstammung aus einem Filmtreatment. […]. Was sich nicht unmittelbar umsetzen ließ, Reflexionen und Kommentare, wurde geschickt durch Kästner […] als Sprecher eingebracht“[16].

Der Erfolg des Filmwerks beruht vermutlich auf genau diesem Phänomen, dass die ursprüngliche Grundlage der Verfilmung ein Filmtreatment war. Selbst bei harten Kritikern fand das Filmwerk Zuspruch. So gestand Hans Hellmut Krist nach der Premiere: „Ich habe in diesem Film selbst harte Kritiker vor Rührung weinen sehen. Und das ist gar nicht einmal boshaft gemeint: ich schäme mich ihrer Tränen nicht. Dieses ´Doppelte Lottchen´ ist der herzanrührendste Film seit vielen Jahren“[17].

Kästners Filmwerk fand internationalen Zuspruch. Dieses liegt unter anderem auch an Kästners Humor, der weltweit zu verstehen ist[18]. Auch die von Kästner aufgezeigten realitätsnahen Probleme in der 1. Verfilmung betreffen die Menschen global. Diese Kriterien können als zwei der vermuteten Gründe für seinen Erfolg aufgefasst werden.

2.2 Utopie

Humor und realitätsbezogene Probleme sind, wie bereits in 2.1 erwähnt, zwei Kriterien die als Gründe für seinen Erfolg gesehen werden können. Dieser vom Autor dargestellte Realismus weist allerdings utopische Attribute auf, sodass der veranschaulichte Realismus eher einer „idealisierten Realität“ gleicht.

Diese Utopie stellt vermutlich eines der Basisargumente für den langlebig erstreckten Erfolg dar[19]. Der Kern der Utopie ist verankert in dem verbissenen Wunsch der Zwillinge, sich nie wieder zu trennen, wodurch auch die Ehe der Eltern erneut ins Leben gerufen wird. Dieser sehnlichste Wunsch der Zwillinge lässt die Leser des Romans auf ein Happy-End freuen. Neben dieser Kernutopie erscheinen auch weitere Wünsche der Zwillinge in Erfüllung zu gehen, wie zum Beispiel die Lösung des Wohnungsproblems und die gewünschte Distanzierung der Freundin des Vaters.

Nicht nur in Kästners Werk „Das doppelte Lottchen“ werden die Protagonisten idealisiert, sondern auch in vielen weiteren Werken gibt es keine oder nur begrenzt negativ bewertbare Charaktere oder Inhalte. Die Kinder in Kästners Werken treten meist mit viel Liebe erfüllt und gefühlsbetont in Erscheinung, wobei die Wirkung erzeugt wird, dass die Kinder ihre Eltern dominieren. „Kästner nivelliert in seiner idealistischhumanistischen Vorstellung von Erziehung den Unterscheid zwischen Kindheits- und Erwachsenenstatus“[20] schreibt Isa Schikorsky hierzu, wodurch Kästner den Kindern ein bestimmtes Prestige zuordnet.

Für Kästner findet sich das Gute in den Kindern wieder, „denn Kinder, das glaube und wisse er, seien dem Guten noch nahe wie Stubennachbarn“[21]. Dieses „Schöne-Welt-Bild“ zeigt einen utopischen Effekt auf, der in vielen Kinderbüchern von Erich Kästner erkennbar ist. Dieses bezeichnet seine Lebensgefährtin und Biographin, Luiselotte Enderle, als „optimistischen Realismus“[22]. „Dass wir wieder werden wie die Kinder, ist eine unerfüllbare und bleibt eine ideale Forderung. Aber wir könnten zu verhüten suchen, dass die Kinder werden wie wir“[23] schrieb Kästner. Wie dies geschehen soll, äußert Erich Kästner jedoch nicht.

2.3 Literarische und stilistische Mittel

Wie ich bereits in Kapitel 2.1 ausführte, übernimmt Kästner in seinem Roman „Das doppelte Lottchen“ selbst die Rolle des Erzählers. Ersichtlich ist dies daran, dass er sich bei der Materie als Sprecher einbringt, die nicht unmittelbar umgesetzt werden konnte[24]. Durch diese von ihm eingenommene Rolle nimmt Kästner die Machtposition ein, den Leser zu lenken. Demzufolge kann er die Leser direkt ansprechen, indem er die Dialoge unterbricht und der Leser so den Werdegang des Romans miterleben kann. Besonders die jüngeren Leser des Kinderromans werden so über den Gang der Handlungen und die Protagonisten informiert und nehmen sogar die Position als Ansprechpartner ein. Dadurch werden sie in die Lage versetzt eine Beurteilung der Romanfiguren und Geschehnisse vornehmen zu können.

„Aber Lotte weiß von Luise, dass Resi eine falsche Blunzen und ihr Getue Theater ist. Vater merkt natürlich nichts. Männer merken nie etwas!“[25]. An diesem Zitat ist die eben von mir erwähnte urteilende Lenkung erkennbar, die Kästner auch oftmals angekreidet wird. Auch G. Waldmann äußert sich dazu wie folgt:„Weder braucht er [der Leser] sich auf die Komplexität einer als gegenwärtig dargestellten Welt auseinanderzusetzen noch mit den (offen als solche ausgegebenen) Wertvorstellungen eines Erzählers“[26].

Darüber hinaus verwendet Kästner eine sehr transparente, leicht verständliche und explizite Sprache in seinem Kinderroman „Das doppelte Lottchen“, um so ein humorvolles, dynamisches und realistisches Ambiente zu schaffen. Ein Beispiel hierfür ist:„Die Hühner gackern. Der Jagdhund döst. Ein kleines Mädchen, das keinen Vater, und ein kleines Mädchen, das keine Mutter mehr hat, trinken Limonade“[27]. Die Vorstellung und auch das Verständnis für die Ereignisse werden ebenfalls durch die klaren und präzisen Sätze sowie die Nutzung von handlungskräftigen Verben hervorgerufen. Augenscheinlich wird dies an den Zeilen: „[…] da kommt der Kellner Franz schon wieder mit einem neuen Eierkuchen angewedelt!“[28]. Die Dramatik und Spannung wird dabei durch das hohe Kontingent an wörtlicher Rede hervorgebracht. So wird ein entsprechender Wortschatz jeder Person zugeordnet.

[...]


[1] Enderle: Kästner, S. 122 f.

[2] Ebd.

[3] Vgl. Tornow: Kästner und der Film, S. 45.

[4] Vgl. dies., S. 50.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. dies., S. 51.

[7] Vgl. ebd.

[8] Tornow: Kästner und der Film, S. 45.

[9] Vgl. dies ebd.

[10] Vgl. Hübener: Kästner in der Schule, S. 116.

[11] Tornow: Kästner und der Film, S. 43.

[12] Vgl. ebd.

[13] Vgl. ebd.

[14] Vgl. ebd.

[15] Vgl. ebd.

[16] Ebd., S. 45.

[17] Görtz: Kästner Biographie, S. 304.

[18] Vgl. Enderle: Kästner, S. 97.

[19] Vgl. Schikorsky: Klassiker Kinder- und Jugendliteratur, S. 217.

[20] Schikorsky: Klassiker Kinder- und Jugendliteratur, S. 224.

[21] Görtz. Kästner Biographie, S. 277 f.

[22] Enderle: Kästner, S. 97.

[23] Görtz: Kästner Biographie, S. 278.

[24] Vgl. Tornow: Kästner und der Film, S. 45.

[25] Kästner: Doppelte Lottchen, S. 61.

[26] Waldmann: Literatur für Kinder, S. 164.

[27] Kästner: Doppelte Lottchen, S. 32.

[28] Ebd., S. 58.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
"Das doppelte Lottchen". Der Kinderroman im Vergleich mit der deutschen Verfilmung von 1994
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,7
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V305832
ISBN (eBook)
9783668038691
ISBN (Buch)
9783668038707
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lottchen, kinderroman, vergleich, verfilmung
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, "Das doppelte Lottchen". Der Kinderroman im Vergleich mit der deutschen Verfilmung von 1994, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305832

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