Führen abweichende sexuelle Identitäten zu diskriminierenden Verhaltensweisen?


Hausarbeit, 2015

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Anderssein als Ausdruck der Geschlechterwirklichkeit

2 Ausprägungen neben der Kern-Geschlechtsidentität
2.1 Homosexualität
2.2 Trans
2.2.1 Transsexualität
2.2.2 Transgenderismus
2.2.3 Transvestismus
2.3 Intersexualität

3 Diskriminierung und Vorurteile
3.1 Formen der Diskriminierung
3.2 Ursachen der Diskriminierung

4 Anderssein – kein Grund für Diskriminierung

Quellenverzeichnis

Literaturquellen

Internetquellen

1 Anderssein als Ausdruck der Geschlechterwirklichkeit

Die Gesellschaft nimmt hauptsächlich stereotype Geschlechterrollen, die einer Frau und einem Mann zugewiesen werden, als Normalität an. Sicherlich mag ein Ursprung für diese traditionelle Betrachtungsweise in der Evolution begründet sein, nach der einerseits durch Paarung der beiden Kern-Geschlechter die Nachkommenschaft gesichert wird und andererseits das Überleben und die Ausbreitung der Spezies Mensch gewährleistet wird. Es gibt jedoch deutliche Abweichungen neben der von der Gesellschaft konstruierten Kern-Geschlechtsidentität. Das Verhalten, das in der modernen Gesellschaft als Abweichung empfunden wird, hat beispielsweise in Ausprägung der Homosexualität in der römisch-griechischen Antike geradezu normative Züge. Auch Intersexualität galt in den Kulturen der nordamerikanischen Indianer und auch bei unseren Vorfahren, den Germanen, als verehrungswürdig, die intersexuellen Menschen nahmen in diesen Gesellschaften einen Sonderstatus ein. (vgl. Buhrow, 2015, o.S.) Die Geschlechterwirklichkeit fordert den Abschied von der stereotypen Denkart, dass die Natur lediglich zwei Ausprägungen von Menschen mit klaren Unterscheidungsmerkmalen, nämlich Mann und Frau, gebildet hat. Diese Geschlechterwirklichkeit unterscheidet sich in der Geschlechtsidentität und in der sexuellen Orientierung, die in der weiteren Bearbeitung in die Bereiche Homosexualität, Transsexualität und Intersexualität unterteilt werden, die ebenso wie die Heterosexualität zu den natürlichen Varianten des menschlichen Lebens, und nicht zu medizinischen Symptomen, zählen. Die Geschlechtsidentität ist ein vielschichtiger Begriff, der einerseits zu der Selbstfindung des Menschen als Individuum gehört und andererseits in der sozialen Umwelt die Rolle prägt, die dieser Mensch übernimmt und an die sich Erwartungen der Gesellschaft an den Menschen knüpfen. Die Wahrnehmung von Unterschieden durch eine abweichende sexuelle Orientierung jenseits der traditionellen Stereotypen führt zu dem Kapitel der Diskriminierung und der Vorurteile, die zu einem Ausschluss bestimmter Personengruppen an gesellschaftlichen Prozessen und in die Isolation führen können. Letztendlich münden die hier behandelten Themen in die Fragestellung, ob abweichende sexuelle Identitäten zu diskriminierenden Verhaltensweisen führen? Mit dem Terminus „abweichende sexuelle Identitäten“ sind andere Varianten der geschlechtlichen Identität neben den gesellschaftlich konventionellen Rollenvorstellungen von Frau und Mann angesprochen.

2 Ausprägungen neben der Kern-Geschlechtsidentität

An dieser Stelle wird von der Heterosexualität als einer Kern-Geschlechtsidentität ausgegangen, weil diese Erscheinungsform in der Gesellschaft eine vordergründige Majorität bildet. Die Kerngeschlechtsidentität nach der Theorie von Stoller entwickelt sich durch die Wechselwirkung von körperlichen, psychosozialen und psychosexuellen Einflussfaktoren. (vgl. Nieder et al., 2013, S. 378) Die zahlenmäßige Überlegenheit der heterosexuellen Paarbeziehungen entspricht in nahezu allen heutigen Gesellschaften den gängigen Vorstellungen, die bestimmte Rollenerwartungen an das biologische Geschlecht zugrunde legen. Die Kern-Geschlechtsidentität wird dem Kind in frühen Lebensjahren durch spezifische Weise erzieherisch vermittelt und liefert eine stabile Gewissheit über die Zugehörigkeit zu einem weiblichen oder männlichen Geschlecht. (vgl. Rauchfleisch, 2001, S. 57) Homosexuelle, Trans…- und Inter-Menschen werden als Minderheiten wahrgenommen, die von dem Standard des normierten sozialen Verhaltens abweichen und sich dadurch unterscheiden. Nach dieser Perspektive wird in die Ausprägung der Homosexualität, der Trans… und der Intersexualität als Formen neben der Kern-Geschlechtsidentität differenziert.

2.1 Homosexualität

Die Übergänge zwischen der Heterosexualität und der Homosexualität sind fließend und beziehen sich nicht ausschließlich nur auf den Bereich der sexuellen Orientierung. Homosexualität wird heute durchaus als gesellschaftsfähig dargestellt und kommt beispielsweise im Fußball (Weltfußballerin und Nationalspielerin Nadine Angerer, Bundesligaspieler Thomas Hitzlsperger), in Politik (Umweltministerin Barbara Hendricks, FDP-Politiker Guido Westerwelle) oder auch in Showbusiness (Hella von Sinnen, Harpe Kerkeling) vor. Eine Definition, die sich auf einen wissenschaftlichen Ursprung beruft, stellt sich folgendermaßen dar: „»Homosexuell« ist auch heute der in der Wissenschaft üblicherweise verwendete Begriff, um die auf das eigene Geschlecht ausgerichtete Sexualpräferenz eines Menschen zu bezeichnen.“ (Wiesendanger, 2001, S. 17) Der Hinweis auf die Sexualpräferenz reduziert die Homosexualität auf die gleichgeschlechtliche sexuelle Orientierung und lässt keinen Rückschluss auf die Lebensform der homosexuellen Menschen zu. Eine weitere Klärung bietet ein Ansatz, der Zuneigung, Liebe, Zärtlichkeit und Gefühle einfließen lässt:

„Homosexualität bedeutet:

- als Mann einen Mann und als Frau eine Frau zu lieben
- gegenüber Angehörigen des eigenen Geschlechts zärtliche Gefühle zu haben
- sich sexuell stärker oder ausschließlich durch gleichgeschlechtliche Partner angezogen fühlen
- als Mann Freude am Anblick von Männern zu haben und als Frau die Ausstrahlung einer Frau zu mögen“ (Grossmann, 1995, S.21)

Die Frage nach der Entstehung der Homosexualität ist damit noch nicht beantwortet. Psychologische Untersuchungen haben keine psychopathologischen Unterschiede zwischen homosexuellen und heterosexuellen Menschen nachgewiesen. (vgl. Isay, 1989, S. 20) Auch genetische Untersuchungen zeigen keine abweichenden Ergebnisse. Die Suche nach einer Ursache zeigt auch das mangelnde Verständnis der Gesellschaft, die Homosexualität als eine Verhaltensweise anzusehen, die den Menschen naturgegeben zugeordnet ist. Die deutsche Gesellschaft für Sexualforschung sieht in der Homosexualität einen menschlichen Sachverhalt der Art, dass dieses Erleben und Verhalten zur natürlichen Ausstattung der Spezies Mensch gehört und damit nicht ein Merkmal für Homosexuelle, sondern für die gesamte Menschheit ist. (vgl. Sigusch, 2011, S. 60) Um der Diskussion über die Homosexualität eine Basis zu geben, lässt sich feststellen, dass eine lesbische Frau eine Frau ist und ein schwuler Mann ein Mann ist. Damit erscheint auch inkludiert, dass eine Frau sowohl eine Frau als auch biologisch einen Mann lieben kann und im Umkehrschluss ein Mann sowohl einen Mann als auch biologisch eine Frau begehren kann. Als Schluss aus dieser Annahme lässt sich auch die bisexuelle Orientierung mit homosexuellen und heterosexuellen Phantasien in einer Person ableiten. (vgl. Rauchfleisch, 2001, S. 57) Die Konformität des mehrheitlich gesellschaftlichen Denkens bestimmt eine geschlechtsabhängige Identität. Die Identität führt zu der Ausprägung eines eigenen Lebensstils. Andere Eigenschaften scheinen in der Wahrnehmung der Gesellschaft außerhalb der Erwartungen und außerhalb der „Normalität“ zu liegen. Diese Aussage gilt nicht nur für homosexuell und bisexuell veranlagte Personen, sondern lässt sich auch auf Trans…- und Inter-Menschen anwenden.

[...]

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Details

Titel
Führen abweichende sexuelle Identitäten zu diskriminierenden Verhaltensweisen?
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V305883
ISBN (eBook)
9783668119017
ISBN (Buch)
9783668119024
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
führen, identitäten, verhaltensweisen
Arbeit zitieren
Ina Hofmeister (Autor), 2015, Führen abweichende sexuelle Identitäten zu diskriminierenden Verhaltensweisen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305883

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