Thatcher zur Deutschen Frage. Bedenkenträgerin gegen die Einheit


Hausarbeit, 2015
25 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einführung

1.0 Gründe und Motive für Thatches Bedenken und Agieren
1.1 Einführende Bemerkungen
1.2 Biografische Blickwinkel auf Deutschland
1.3 Geopolitische Motive

2.0 Verhältniss zu den Alliierten Bündnispartnern
2.1 Furch um die Special Relationship
2.2 Die veritable Beziehung zwischen Thatcher und Gorbatschow
2.3 Das Scheitern einer britisch-französischen Phalanx

3.0 Differenzen mit Kabinett und Diplomaten

4.0 Das diffizile Verhältnis Thatcher und Kohl

5.0 Schlussbetrachtungen

Literaturverzeichnis

Monographien und Sammelbände

Zeitschriftenaufsätze

Abkürzungsverzeichnis und Fachregister

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einführung

Die neuen Impulse im Bereich der zeitgeschichtlichen Forschung sind aus Fragestellungen zu erwarten, welche die Wahl von Gorbatschow zum Generalsekretär der KPDSU am 11. März 1985 oder die legendäre Rede von Bundespräsident Weizäcker zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985 im Deutschen Bundestag, tangieren. Diese Daten haben eine Konstante, sie rekurrieren auf die 30. Jahresfrist, welche klassifizierte staatliche Dokumente für die Forschung der Zeitgeschichte zugänglich machen. Es gehört zum feinen Ton in der europäischen Geschichtswissenschaft, diejenigen Themen mit den Werkzeugen des Historikers zu bearbeiten, die mindestens 30. Jahre in der Vergangenheit zu verorten sind, um womöglich durch Sezierung der richtigen, nicht editierten Quelle, den Forschungsstand mit einem Quantensprung zu befeuern. Die Fragestellung dieser Arbeit weicht von diesem Konventionen, in voller Freiheit des Bewusstseins, ab. In dem sie sich mit den Bedenken der ersten weiblichen Regierungschefin des Westens - jenseits von Golda Meir - zur deutschen Frage und der sich um den Jahreswechsel 1989/90 abzeichnende deutsche Einheit auseinandersetzt und insofern ein Thema aus der Neuesten Geschichte wählt, welches in der der 30. Jahres Frist zu verorten ist.

Berliner Mauer, die Teilung Deutschlands und der Eiserne Vorhang waren Allegorien für das bipolare Zeitalter. Die Überwindung von Mauer und Stacheldraht standen folgerichtig als Pars Pro Toto nicht nur für die deutsche Teilung, sondern die bipolare Zeitepoche. Dieses Pars Pro Toto wiederum fungierte als Leitmotiv im Narrativ der Kulturen des Westens, um sich von der östlichen Seite des Eisernen Vorhanges moralisch zu unterscheiden. Dies zeigte sich exemplarisch bei Staatsoberhäuptern und Regierungschefs des Westens, die Bonn ihre Aufwartung in Form eines Staats- oder Arbeitsbesuches machten und anschließend als Solidaritätsgeste nach West-Berlin flogen. Stellvertretend hierfür stehen die Berlin besuche von Kennedy und Reagan, die mit den Worten „Ich bin ein Berliner“ und „Mr Gorbartschow tear down this wall“ stellvertretend für die ideologische DNA des Westens sprachen.

Bei den führenden politischen Entscheidungsträgern des Westens antizipierten die wenigstens den Fall der Mauer oder gar die deutsche Einheit in der Zeitspanne ihres aktiven politischen Wirkens. Aus Perestroika, Glasnost, Tauwetter in Polen und Ungarn und strukturellen ökonomische Defiziten, kristallisierte sich der Nährboden, für die friedliche Revolution in der DDR, welche in den Mauerfall kumulieren sollte. Mit diesem sich abzeichnenden Ereignis, gab es hinter den Kulissen bei den Westalliierten, konservativ formuliert, nicht nur Euphorie zu konstatieren. Kurzum als die Forderungen zahlreicher Gipfel Kommuniqués des Westens, um Haaresbreite, vor der realpolitischen Verwirklichung standen, offenbarten sich erhebliche Wiederstände in einigen westlichen Hauptstädten. Vor allem in Paris und insbesondere in einer geradezu genuinen Weise auf der anderen Seite des Ärmel Kanals, in Downing Street No. 10.

Die Literaturlage zu Perestroika, Mauerfall und Wiedervereinigung ist ausgedehnt und wird mit jedem sich ereignenden Jahrestag substanziell erweitert. Indessen zum Nukleolus der Fragestellung selber, der Positionierung Margaret Thatchers zur Wiedervereinigung, ist die Literatur als tendenziell außerordentlich dünn zu bewerten. Insgesamt ist die sowjetische, amerikanische und französische Position und Verhandlungstaktik zur Wiedervereinigung tiefer erforscht als die britische, was sich in der Literaturlage reflektiert. Auch insgesamt ist zur Literatur über die bilateralen Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und dem deutschen Kulturraum ähnliches festzustellen: „Die Literatur zu den deutsch-britischen Beziehungen spiegelt ihre nachrangige Bedeutung im Vergleich zu den deutsch-französischen Beziehungen. Die axialen Beziehungen Deutschlands zu den USA und Frankreich werden gestützt durch spezialisierte akademische Forschungsstätten, die sich systematisch und Fortwährend mit ihrem Untersuchungsgegenstand befassen. Im Vergleich dazu ist die Literatur zu den deutsch-britischen Beziehungen nicht nur in quantitativer Hinsicht spärlich, sondern auch inhaltlich nicht selten verkrampft.“1

Im Bereich der Quellenlage ist zu konstatieren, dass die Memoiren von geradezu allen relevanten Beteiligten publiziert, sowie von der Wissenschaft in Interdependenz zu Forschungsmonografien, Sitzungsprotokollen, Memoranden und Interviews der Akteure der Zeitgeschichte gesetzt worden ist. Ziel der Fragestellung ist es, herauszuarbeiten in welchem Spannungsfeld Margaret Thatcher in der deutschen Frage 89/90 agierte. Dazu wird die Beziehung zu den anderen Akteuren der Zwei-Plus-Vier Gespräche herangezogen. Obwohl diese Gespräche auf Außenministerebene stattfanden, wird hier die Beziehung Thatcher zu Kohl,

Gorbatschow, Mitterand und nicht zuletzt Präsident Bush untersucht. Ferner wird die Biographie Thatchers, im Kontext, auf ihre Weltsicht auf Deutschland seziert. Ebenso werden weitere geopolitische Aspekte für Thatchers agieren zur Untersuchung herangezogen, wie auch Dissonanzen mit anderen Persönlichkeiten in der Thatcher Regierung eruiert.

1.0 Gründe und Motive für Thatchers Bedenken und Agieren

1.1 Einführende Bemerkungen

Die Position Thatchers zur deutschen Frage oder gar deutschen Einheit war keine Konstante von ihrer Amtsübernahme im Mai 1979 bis zum November 1990. Sie war auch keine Konstante von der Tauwetterperiode bis zum 03.10.1990. Zunächst beabsichtigte die Premierministerin in der Zeit vor dem Mauerfall, die Eigendynamik der Ereignisse in der DDR zu verlangsamen und der UdSSR ihre Opposition - sowie vermeintlich auch die, der anderen westlichen Alliierten - in dieser Frage der Deutschen Einheit zu übermitteln [Thatcher Gorbatschow Konversation].

Klaus Rainer Jakisch ordnet die Deutschlandpolitik Thatchers im Zeitraum 89/90 in ein Phasen Model ein: „Vom Zeitpunkt des Mauerfalls bis etwas Ende Januar 1990 wollte die britische Premierministerin die Einheit verhindern. In diesem Zeitraum versuchte sie vor allem die Regierungen in Washington, Paris und Moskau auf ihre Seite zu ziehen. Nachdem der sowjetische Präsident grünes Licht für die Wiedervereinigung gegeben hatte und damit der wichtigste Stolperstein aus dem Weg geräumt worden war, war diese Position nicht mehr zu halten. Von jetzt an versuchte Thatcher, den Prozess zumindest zu verzögern. Allerdings ließ sich auch diese Politik nicht lange durchhalten. Etwa ab Frühling 1990 nahm Thatcher eine wesentlich konstruktivere Haltung ein.“2

Mit diesem Phasen im Modell von Klaus Rainer Jakisch, kann im Rahmen dieser Untersuchung, weitestgehend d'acor gegangen werden. Der Schwerpunkt der Untersuchung soll, indes, vor der letzten Phase im Frühjahr 1990 gesetzt werden.

1.2 Biografischer Blickwinkel auf Deutschland

Margaret Thatcher war die am längsten amtierende Premierministerin des Vereinigten Königreiches im 20. Jahrhunderts und besaß von den Staats- und Regierungschefs, die auf die Zwei-Plus-Vier Verhandlungen einwirkten, die größte Amtserfahrung. Dennoch war sie die vehementeste Gegnerin der Wiedervereinigung. Dieser Konstellation wird zunächst anhand der

Heranziehung ihrer Biographie betrachtet. Grundsätzlich ist Thatcher ähnlich durch den Zweiten Weltkrieg und den Kampf gegen Hitler Deutschland geprägt wie ihre gesamte Generation. Indem für die Fragestellung relevanten Zeitraum stand Thatcher an der Schwelle zum 65. Lebensjahr. In ihrem Kabinett gab es zu der Zeit deutlich jüngere Kollegen wie stellvertretend John Major, Geburtsjahr 1943, welcher eher der klassischen Nachkriegsgeneration zuzuordnen ist. Diese hatten häufig schon aus Gründen wie der Generationszugehörigkeit ein vollkommen anderes Deutschlandbild.

Dennoch Thatchers Bild von Deutschland war deutlich negativer ausgeformt als bei den meisten Kollegen aus ihrer eigenen Kriegsgeneration. Thatchers Kindheitserfahrungen während des Zweiten Weltkrieges waren im Besonderen traumatisch. Zufällig konzentrierten sich um Thatchers Heimatstadt Munitionsfabriken und mehrere vitale Luftwaffenstützpunkte der Royal Air Force, welches dieses Gebiet zu den am häufigsten von deutschen Bomberflotten aufgesuchten Orten in England machte. Dies führte dazu, dass sich die Familie Roberts in der dreißig tausend Seelenstadt Grantham, in den Midlands, regelmäßig unter dem Küchentisch vor der deutschen Luftwaffe versteckten musste, während Margaret trotz Sirenen- und Bombenlärms mit mustergültigen Fleiß Ihre Hausaufgaben erledigte.3

Thatcher, deren Mädchenname Roberts lautete, war 14. Jahre alt als der Zweite Weltkrieg ausbrach und erlebte das Kriegsende als 20. Jährige mitten in ihrem Studium im Sommerville College in Oxford. Die Forschungslaboratorien in der kleinen Studentenstadt gehörten ebenso zu den bevorzugten Luftkriegszielen der Deutschen. Schon das im Sinne des Wortes erste Campus Erlebnis ist folgenschwer durch den Krieg gezeichnet. Die junge Chemie Studentin Margaret Hilda Roberts, wurde während ihrer Einführungswoche zu aller erst durch den Luftschutzbunker geführt.

Der Zweite Weltkrieg fällt also in eine Phase, wo sich die Persönlichkeit Thatchers ausformte und Ihre politische Weltsicht konstituierte. Wäre Thatcher nicht im selben Jahr wie die Elizabeth II. 1925, sondern im Jahr 1935 geboren, hätte sie als Vierzehnjährige die Gründung der Bundesrepublik erlebt und wäre zu einem Kind des Kalten Krieges geworden. Indessen so ist die Pubertät und Jugend vom Krieg gegen Hitler Deutschland geprägt und gezeichnet. Das

Vereinigte Königreich war nach Kriegsende, und somit zu Beginn des Erwachsenenalters von Margaret Roberts, nicht irgendein Land in Europa. London war Gravitationsfeld des Commonwealth, vitaler Akteur der von Churchill proklamierten Special Relationship zu den Vereinigten Staaten und nicht zuletzt Teil der Fleisch werdenden europäischen Einigungsidee.

Auch die besondere Beziehung der Methodistentochter zum Judentum spielte hier eine entscheidende Rolle. Die ältere Schwester Muriel Roberts, besaß eine jüdische Brieffreundin aus Österreich, welche nach England flüchtete und zeitweilig bei der Familie in Grantham lebte. Als Thatcher zum Kandidatin des bürgerlichen Wahlkreises Finchley im Norden von London aufgestellt wurde, traf sie auf eine demographische Wählerstruktur die zu zwanzig Prozent jüdisch war.4 Manche sahen in Finchley den Wahlkreis mit dem höchsten jüdischen Anteil überhaupt in Britannien. Als die Eiserne Lady, hier ihre parlamentarische Karriere begann, war die jüdische Wählerschaft durch Äußerung mit antisemitischen Tendenzen durch prominente Tory Abgeordnete verstimmt und wandten sich den Liberalen zu, die in den Wahlkreis Finchley große Hoffnungen setzten. Thatcher konnte ihren Wahlkreis, innerhalb von dreißig Jahre, bei jeder Wahl verteidigen. So arbeitete sie sich tief in Geschichte, Kultur und politische Ansichten ihrer jüdischen Wählerschaft ein. Zurzeit um den Mauerfall feierte Thatcher das 30. Jährige Jubiläum als Abgeordnete für Finchley. Auch als Premierministern wurde sie durch Briefe und Bürgersprechstunden regelmäßig über die Belange der jüdischen Wähler auf dem Laufenden gehalten. Zudem war Thatcher auch der erste britische Premier, welcher den Staat Israel besuchte.

1.3 Geopolitische Motive

„Das Verhältnis zwischen Deutschland und Großbritannien entwickelte sich von den späten 1980er Jahren bis zu den späten 1990er Jahren - im deutlichen Gegensatz zu den eher friedlichen Gewässern früherer Dekaden - auf vergleichsweiser stürmischer See. Ausgelöst durch die Umbrüche des Jahres 1990 - die Vereinigung der beiden deutschen Staaten und die damit verbundenen Kosten, das Ende des Kalten Krieges und die Rückkehr Deutschlands in die alte „Mittellage“ - fand eine grundlegende Neubestimmung deutscher Interessen statt. Hinzu kamen der fortschreitende europäische Integrationsprozess und die fortschreitende ökonomische Globalisierung. All dies machte eine Neuausrichtung sowohl der deutschen als auch der britischen Politik notwendig. (…) Die weitreichenden Veränderungen in Deutschland in den Jahren 1989-1990 fanden zu einem Zeitpunkt statt, zu dem auch Großbritannien hinsichtlich seiner Rolle in den internationalen Beziehungen eine Art Identitätskrise durchlebte. Die Regierungspolitik wurde von einer mächtigen Allianz konservative Europaskeptiker und weiten Teilen der Presselandschaft bedrängt. Die ohnehin heftige Auseinandersetzung um die Frage wie man sich mit der europäischen Integration und der deutschen Einheit arrangieren könne, wurde dadurch noch intensiviert. Für die deutsch-britischen Beziehungen kam die in hohem Maße „Brüssel-kritische“ Position, die etwa Margaret Thatcher artikulierte, einem Asteroid gleichen Einschlag gleich.“5

Im Frühjahr 1990 veranstaltete Thatcher mehrere Deutschlandseminare auf dem Wochenendsitz des britischen Premiers, dem Landsitz Chequers in der Grafschaft Buckinghamshare. Dort ging es um das Wesen der Deutschen, wozu die namhaftesten Kenner Deutschlands aus dem angelsächsischen Raumes eingeladen waren. Es ging vordergründing nicht um die Geschichte der Deutschen, sondern vielmehr um eine politische, sowie kulturpolitische Prognose für den Fall der Wiedervereinigung. Thatcher fürchtete um die Replizierbarkeit des Kulturbruches im Zusammenhang mit der Shoa und anderer Gräueltaten des Dritten Reiches, der sich in Deutschland in den 30er Jahren ereignet hatten.6 Ihre dortigen Ausführungen über die deutsche Seele wurden ein Art Persönlichkeitsgutachten: In diesem attestierte sie den Deutschen neben Minderwertigkeitskomplexen und dem Bedürfnis von allen geliebt zu werden, einen Hang zur Dominanz.7 Insbesondere sah Thatcher die Bonner Republik als eine Art Schön-Wetter Demokratie an, welche nie durch eine veritable Wirtschaftskrise getestet worden war.8

Ferner argumentierte die Premierministerin kontinuierlich, dass durch ein wiedervereinigtes Deutschland, Gorbatschow geschwächt würde und somit seine Position als Generalsekretär der KPdSU und Staatsoberhaupt der UdSSR in Gefahr geriete. Kohls Zehn-Punkte-Plan setzte sie wie auch ihren Kollegen Mitterand in Rage. Sie versuchte wie im Phasenmodell erwähnt, eine Allianz mit dem Französischen Präsidenten gegen die deutsche Einheit zu schmieden und dem zukünftigen Ratspräsidenten der EG, dem italienischen Ministerpräsidenten, für sich zu gewinnen. Als dieses Unterfangen scheitern sollte, ging es Thatcher nicht mehr nur darum die deutsche Einheit möglichst lange zu verzögern, sondern auch darum sicherzustellen, dass Deutschland sich endgültig und völkerrechtlich verbindlich von den verlorenen Ostgebieten lossagte. Die Verträge mit Polen aus der Sozialliberalen Koalition waren vom Bundesverfassungsgericht teilweise für nichtig erklärt worden. Thatcher beharrte wie keine andere Akteurin der Zwei-Plus-Vier Verhandlungen auf die Einbeziehung Polens und die vertragliche Anerkennung der Oder-Neiße-Linie. Sehr zum Unwillen von Bundeskanzler Kohl, der diese Debatte aus der deutschen Innenpolitik heraushalten wollte, um den Republikaner keinen Auftrieb zu geben und die Vertriebenen Verbände in seiner eignen Partei nicht gegen sich aufzubringen. Ohne Thatcher hätte es diese vertragliche Verankerung, durch Beschluss eines gesamt deutschen Parlamentes, womöglich, nicht gegeben. Ferner ging es ihr darum, einen Beitritt der DDR in die europäische Gemeinschaft, möglichst lange hinaus zu zögern und rechtlich so kompliziert wie möglich auszugestalten. Am Ende wollte sie sicherstellen, dass die europäische Gemeinschaft keine Subventionen und Strukturfondmittel für die Neuen Bundesländer beschließen würde.

Weitere Aspekte, die aus britischer Perspektive essentiell waren, tangierten die NATO Mitgliedschaft des wiedervereinigten Deutschlands und die Sorge um den Rückzug amerikanischer Militäreinheiten aus Europa. Die im Wesentlichen in Westdeutschland stationiert waren. Thatcher fürchtete die ökonomische Dominanz Deutschlands in Europa. Bereits die alte Bundesrepublik dominierte ökonomisch den Kontinent und diese Dominanz sollte nicht auch noch durch eine politische Vormachtstellung ergänzt werden, welche die europäischen Kräfteverhältnisse scheinbar irreversibel zuungunsten von Downing Street verschoben hätte. „Zudem befürchtete man eine wachsende deutsch-russische Verständigung auf Kosten der westlichen Bündnistreue.“9

Nicht zu vernachlässigen ist der folgende Umstand, die Bonner Republik besaß ca. gleich viele Staatsbürger wie Frankreich und das Vereinigte Königreich. Sie war im Europäischen Parlament und dem Europäischen Rat mit derselben Abgeordneten resp. Stimmenzahl wie die beiden Westmächte vertreten.

[...]


1 William, Paterson, James, Sloam: Großbritannien, In: Reinhard Wolf (Hrsg.) Handbuch zur deutschen Außenpolitik, S.404.

2 Klaus-Rainer, Jakisch: Eisern gegen die Einheit. Margaret Thatcher und die deutsche Wiedervereinigung, Frankfurt am Main 2004, S. 25 f.

3 Klaus Rainer Jakisch: Eisern gegen die Einheit. Margaret Thatcher und die deutsche Wiedervereinigung, Frankfurt am Main 2004, S. 58.

4 Klaus Rainer Jakisch: Eisern gegen die Einheit. Margaret Thatcher und die deutsche Wiedervereinigung, Frankfurt am Main 2004, S. 60.

5 William, Paterson, James, Sloam: Großbritannien, In: Reinhard Wolf (Hrsg.) Handbuch zur deutschen Außenpolitik, S.391.

6 Klaus Rainer Jakisch: Eisern gegen die Einheit. Margaret Thatcher und die deutsche Wiedervereinigung, Frankfurt am Main 2004, S. 6.

7 Ebd. S. 6.

8 Ebd. S. 6.

9 Johann, Schmidt: Großbritannien 1945-2010. Kultur, Politik, Gesellschaft, Stuttgart 2011, S. 358.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Thatcher zur Deutschen Frage. Bedenkenträgerin gegen die Einheit
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Friedrich Meinecke Institut)
Veranstaltung
Westeuropa 1945-1989. Transatlantische Beziehungen und Europäische Integration
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
25
Katalognummer
V305988
ISBN (eBook)
9783668041240
ISBN (Buch)
9783668041257
Dateigröße
2073 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thatcher Wiedervereinigung, Wiederstand gegen die Einheit, Deutsche Frage, Wiedervereinigubng, Wiedervereinigung, Margaret Tharcher, Mauerfall, Bipolare Welt, Deutsch-Britische Beziehungen, Kalter Krieg, Friedliche Revolution, Thatcher German reunification, 1990, Thatcher Gorbatschow Konversation, Thatcher, Helmut Kohl, Zwei-Plus-Vier Verhandlungen, British position on German Reunification, Resistance against the German Reunifikation
Arbeit zitieren
Oliver Märtin (Autor), 2015, Thatcher zur Deutschen Frage. Bedenkenträgerin gegen die Einheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305988

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