Der Film im Geschichtsunterricht. Über den Einsatz und die Bedeutung von Filmmedien im Unterricht


Hausarbeit, 2006
11 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Prolog

II Zur Geschichte des Filmeinsatzes im Unterricht

III Filmgattungen

IV Über den Film und den Filmeinsatz

V Möglichkeiten und Bedeutung des Filmeinsatzes

VI Filmeinsatz, aber wann?

VII Bedeutung und Grenzen des Einsatzes von Filmmedia

VIII Epilog

Literatur

I.Prolog

Das Medium Film als eine Möglichkeit der Vermittlung von Wissen im Unterricht ist in den vergangenen Jahren zu einem der bedeutendsten Unterrichtsmittel avanciert und das nicht allein, aufgrund seiner von Schülern als beruhigend und entspannend wahrgenommenen Wirkung.

Welche Faktoren dazu beigetragen haben, dass der Film seinen Siegeszug in die Schulklassen antreten konnte, soll diese Arbeit durchleuchten. Ebenso soll der Frage nachgegangen werden, warum Geschichtslehrer – nach den Biologie- und Geographielehrern – zu den „drittbesten Medienbenutzern“[1] geworden sind.

II.Zur Geschichte des Filmeinsatzes im Unterricht

Etwa fünfundzwanzig Jahre nach der Entwicklung des bewegten Bildes zum Ende des XIX. Jahrhunderts, wurden speziell für Unterrichtszwecke hergestellte Filme in Gebrauch genommen. In den 20er Jahren fand der Film, als ein Mittel der Veranschaulichung historischer Geschehnisse, Einzug in den Geschichtsunterricht[2]. Vorrangig war es aber bis in die 50er und 60er Jahre des XX. Jahrhunderts Unterrichtspraxis, den Film als „Belohnung [oder] (...) zufälliges Anhängsel an den übrigen Unterricht“[3] zu nutzen. Auch die am Ende des Schul(halb-)jahres kaum mehr ernst genommenen Stunden boten in dieser Zeit – und sicherlich auch heute noch in nicht zu vernachlässigendem Maße – Möglichkeiten zum Filmeinsatz ohne Abzielung auf wirkliche Wissensvermittlung[4]. Eine positive Entwicklung setzte in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgrund mehrerer Erkenntnisse ein. Die Geschichtsdidaktik verstand sich nun nicht mehr nur als Wissenschaft vom Geschichtsunterricht, sondern vielmehr, in einem erweiterten Sinne, als eine Wissenschaft des Geschichtsbewusstseins [5], wie Gerhard SCHNEIDER konstatiert.

Durch diese Erkenntnis wurde nunmehr auch auf andere Möglichkeiten zur Vermittlung von Geschichte eingegangen. Gerade der Film als ein visuelles Medium bot sich bei der Aufbereitung von Wissen an, denn es wurde erkannt, dass nicht nur Bilder, sondern auch die Stimmungen und Eindrücke dem Zuschauer nahe gebracht werden können.

Es ist festzuhalten, dass die Informationsvermittlung historischen Wissens über Spielfilme oder Fernsehfilme für den Rezipienten, welcher in diesem Fall der Schüler ist, interessant gemacht wird. Mit der Anknüpfung an vertraute Beschäftigungen der Schüler und an gängige Verhaltensmuster zur Wissensaneignung im Alltag kann durch den Einsatz von audiovisuellen Medien im Geschichtsunterricht ein „Leistungszuwachs von 20%“[6] nachgewiesen werden. Frühere Befürchtungen von Pädagogen und Pädagogischen Psychologen über die Wirkung von Filmen können seit den 70er Jahren als obsolet betrachtet werden[7].

Erfolgreiche Versuche zur Effektuierung von Lernprozessen widerlegen die Auffassung, welcher zufolge, der Film als „sozialgefährdende Überreizung der Phantasie“[8] verstanden werden müsste oder zur „Nachahmung gesehener, gesellschaftlich aber nicht akzeptierter Verhaltensweisen“[9] anregen würde.

III.Filmgattungen

Bei den für den Geschichtsunterricht genutzten Filmmaterialien wird zwischen drei verschiedenen Varianten unterschieden, welche jedoch keine besondere didaktische Qualitätsunterscheidung innehaben.

Der Dokumentarfilm soll als erstes genannt werden, welcher „meist ohne künstlerischen Anspruch speziell für Bildungszwecke geschaffen wurde“[10]. Zwar wird in diesem Material die Wirklichkeit – aus der jeweils gegenwärtigen Forschungssicht – unverfälscht abgebildet, das Dokument unterliegt jedoch dem Verdacht der einseitigen Illustration historischer Begebnisse.

Als eine weitere relevante Filmgattung zur Nutzung im Geschichtsunterricht ist das Filmdokument zu nennen. Darunter fallen „Wochenschauen, Selbstdarstellungen (...), zeitgenössische Dokumentationen (...), gefilmte Interviews (...), also quasi visualisierte Oral-History-Produkte.“[11] Das Filmdokument legt einen genauen Sachverhalt dar, der in demselben Moment aufgezeichnet wird wie er geschieht, er zeichnet sich also durch eine Gleichzeitigkeit zwischen Ereignis und Aufnahme ab. Dabei stellt sich selbstredend die Frage, inwiefern das Vorhandensein der Kamera, einen Einfluss nimmt auf die Handlung der dargestellten Personen, und bis zu welchem Grade sich diese möglicherweise verstellen, also die Realität verzerrt wird.

Als letzte Gattung ist der Spielfilm zu nennen, der dem Zuschauer „einen unmittelbaren Einblick in Geschmack und Gemütslage, Empfindungen und Stimmungen ganzer Völkerschaften“[12] bietet. Da Spielfilme nicht genuin für den Einsatz im Unterricht bestimmt sind, sondern auf massenmediale Streuung abzielen, ist die Frage zu stellen, inwieweit die Darstellung historischer Ereignisse verzerrt respektive verfälscht, also irreal ist.

Darüber hinaus gibt es Unterrichtsfilme, welche ausdrücklich für den Unterricht an Schulen geschaffen sind. Dabei kann stets davon ausgegangen werden, dass diese Filme bereits didaktisch aufbereitet sind und sich am Erkenntnisstand der jeweiligen Klassenstufe orientieren, für die sie bestimmt sind.

IV.Über den Film und den Filmeinsatz

Gegenüber den übrigen Materialien, die im Geschichtsunterricht vom Lehrer genutzt werden können, welche da Quellen, Bilder, Karten, Folien et cetera sein können, kommt dem Film nur einen geringen Stellenwert zu. Zwar ist diese Form der Informationsvermittlung als wichtiges Mittel im Unterricht akzeptiert, aber der Einsatz audiovisueller Media erfordert vom Lehrer einen hohen Arbeitsaufwand und vom Schüler höhere intellektuelle Fähigkeiten, als etwa bei anderen Media.

Da der Film im Allgemeinen Veränderungen beschreibt, seltener Konstanten, muss der Lehrer darüber Klarheit besitzen, ob die Schüler für diese Art der Wissensvermittlung offen sind und das Dargestellte in der Art und Weise verstehen, wie es vom Lehrer intendiert wird. Ohne dieses Bewusstsein wäre der Einsatz des Films nicht mehr denn müßig, denn sobald die Schüler nicht in der Lage sind, Gesehen zu begreifen und vom Speziellen auf das Allgemeine zu schließen, hat der Filmeinsatz sein Ziel verfehlt und kann nicht als eine Basis für den Unterricht Nutzung erfahren.

Oben klang bereits an, dass der Einsatz von Filmmedia für den Lehrer einen zusätzlichen und hohen Arbeitsaufwand und für den Schüler einen höheren Intellektuelle Anspruch darstellt. Soll also das Medium Film ersprießlich in den Unterricht integriert werden, bedarf es einer aufwendigen Vorarbeit durch den Lehrer.

Zunächst muss der Film didaktisch befragt und in Frage gestellt werden. Die Fragen, die sich der Lehrer stellt, könnten wie folgt aussehen: „Ist der Einsatz sinnvoll?“; „Wird die vorher vertretene Lehrmeinung bestätigt oder widerlegt?“; „Sollte der gesamte Film gezeigt werden oder nur Ausschnitte?“

Da der Film nicht als „Alleinunterhalter“ im Unterricht genutzt werden sollte, bedarf es einer intensiven Nachbereitung im Unterricht. Diese Nachbereitung kann vermittels vorher ausgegebener Aufgaben erfolgen, welche beispielsweise in Gruppenarbeit nach der Darbietung des Filmmediums in seiner Gänze oder nach bestimmten, vorher geplanten Sequenzen, diskutiert werden können. Auch hier muss der Lehrer sich einen Fragenkatalog überlegen, der angemessen scheint und möglichst sämtliche Details, die für das Verständnis und für die Erarbeitung von Belang sind, anspricht.

V.Möglichkeiten und Bedeutung des Filmeinsatzes

Für den Einsatz von Filmen im Geschichtsunterricht gibt es verschiedene Möglichkeiten, um einen optimalen Lerneffekt zu erzielen. Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt die Filmvorführung erfolgt, kann der Film zur Veranschaulichung neuer oder bekannter Sachverhalte dienen oder auch vorangegangene Lernergebnisse festigen. In diesem Fall spricht man von einem illustrativen Filmeinsatz oder von „Lerneffektuierung“[13]. Zu diesem Zweck eignet sich meines Dafürstehens der Filmeinsatz am Ende einer Unterrichtseinheit in besonderem Maße, da auf dieser Art und Weise das erworbene Wissen abermals veranschaulicht zusammengefasst respektive gefestigt werden kann. Da dem Medium Film auch eine motivierende Eigenschaft zur Auseinandersetzung mit einem Problem oder Sachverhalt zugesprochen wird, kann ein Film auch zur Konfrontation oder Motivation Einsatz finden[14], mit der Absicht, eine persönliche Stellungnahme des Schülers zu erzielen. Weiterhin können Spekulationen entwickelt werden, die einen Unterrichtsgegenstand beinhalten können. Zu diesem Zwecke eignet sich eher wahrscheinlich der Filmeinsatz zu Beginn einer Unterrichtseinheit, um einen Sachverhalt der folgenden Unterrichtssequenz darzustellen und mögliche Problemstellungen und Fragen zu bereits a priori zu entwickeln, welche es, im Folgenden dann, zu klären gilt.

[...]


[1] PASCHEN, J., S. 13.

[2] Vgl. SCHNEIDER, G., S. 523.

[3] SCHNEIDER, G., S. 523.

[4] Vgl. SCHNEIDER, G., S. 523.

[5] Vgl. SCHNEIDER, G., S. 523.

[6] SCHNEIDER, G., S. 524.

[7] Vgl. SCHNEIDER, G., S. 523.

[8] SCHNEIDER, G., S. 523.

[9] SCHNEIDER, G., S. 523.

[10] SCHNEIDER, G., S. 525.

[11] SCHNEIDER, G., S. 525.

[12] PASCHEN, J., S. 15 f.

[13] SCHNEIDER, G., S. 331.

[14] Vgl. SCHNEIDER, G., S. 331.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Film im Geschichtsunterricht. Über den Einsatz und die Bedeutung von Filmmedien im Unterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Veranstaltung
Grundfragen einer modernen Geschichtsdidaktik
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V305999
ISBN (eBook)
9783668040267
ISBN (Buch)
9783668040274
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
film, geschichtsunterricht, über, einsatz, bedeutung, filmmedia, unterricht
Arbeit zitieren
Daniele Lupardi (Autor), 2006, Der Film im Geschichtsunterricht. Über den Einsatz und die Bedeutung von Filmmedien im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305999

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