Soziale Kognition ist ein umfassendes Thema innerhalb der Sozialpsychologie, das sich damit beschäftigt, zu verstehen, wie wir über uns selbst und über andere Menschen denken und wie die beteiligten Prozesse unsere Urteile und unser Verhalten in sozialen Kontexten beeinflussen.
Dabei stellen wir uns zum Beispiel folgende Fragen:
„Warum nahm ich an, der Mann an der Kaffeemaschine im Vorstandszimmer sei der Chef der Firma, während er doch tatsächlich der Sekretär ist?“ oder „Warum nahm ich an, dass Dr. Alex James männlich und weiß ist?“
Diese und viele weitere Fragen sind Bestandteil der sozialen Kognition, und somit auch das Phänomen, voreilig Schlüsse zu ziehen bzw. sich ein Bild von einem Menschen zu machen, den man gar nicht kennt.
Ziel dieser Arbeit ist es zu erläutern, was man unter soziale Kognition versteht, wie Stereotypen und Vorurteile aktiviert werden, welche Einflüsse diese auf uns haben und wie man es schafft, die Aktivierung von Vorurteilen und Stereotypen zu verhindern bzw. diese abzuschwächen.
Inhaltsverzeichnis
1 Begriffsbestimmung
1.1 Was versteht man unter Kategorisierung?
1.2 Stereotypen
1.3 Vorurteile
1.4 Diskriminierung
1.5 automatischer vs. Kontrollierter Prozess
1.6 Heuristiken
1.6.1 Repräsentativitätsheuristik
1.6.2 Verfügbarkeitsheuristik
1.6.3 Anker- & Anpassungsheuristik
1.7 Schemata und Priming
2 Messung von Stereotypen und Vorurteilen
2.1 Bogus Pipeline
2.2 Verdeckte Beobachtung
2.3 Erfassung psychologischer Reaktionen
2.4 Messung implizierter Assoziationen
3 Aktivierung von Stereotypen
3.1 Automatische Aktivierung vs. Bewusste Regulierung von Stereotypen
3.2 Aktivierung von Schemata
4 Schema-Aktivierung und Verhalten
5 Kontrolle gegenüber Vorurteilen und Stereotypen
5.1 Automatische Aktivierung des Stereotyps verhindern
5.2 Die Folgen der Unterdrückung stereotyper Gedankeninhalte
5.2.1 Der Stroop-Effekt
5.2.2 Der Bumerang- oder auch Rebound-Effekt
5.3 Die Kontakthypothese
5.4 Was tun, wenn Stereotypen bereits aktiviert sind?
5.4.1 Das Kontinuummodell der Eindrucksbildung
5.4.2 Dissoziationsmodell der Stereotypisierung
5.4.3 Moderatorvariablen beim Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Verhalten
6 Vorurteile in Mensch und Gesellschaft
7 Fazit
8 Anhang
8.1 Automatischer vs. Kontrollierter Prozess
8.2 Stirnrunzeln als Indikator für bestehende Vorurteile
8.3 Ablauf des implizierten Assoziationstests
8.4 Schema-Aktivierung und Verhalten
8.5 Ablauf beim Bumerang-Effekt
8.6 Was tun, wenn Stereotypen bereits aktiviert sind?
8.7 Der Selbstfokus
8.8 Autoritäre Persönlichkeiten
8.9 Gesellschaftliche Trends
8.10 Die sich selbst erfüllende Prophezeiung
8.11 Stereotype Threat – Bedrohung durch Stereotypen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Mechanismen der sozialen Kognition, insbesondere wie Stereotypen und Vorurteile unbewusst aktiviert werden, unser Urteilsvermögen sowie Verhalten beeinflussen und durch welche Strategien diese Prozesse reguliert oder abgeschwächt werden können.
- Grundlagen der sozialen Kognition (Kategorisierung, Schemata, Heuristiken)
- Methoden zur Messung impliziter Einstellungen
- Prozesse der automatischen Aktivierung vs. bewussten Kontrolle
- Einfluss von Stereotypen auf das Verhalten und soziale Interaktion
- Strategien zum Abbau von Vorurteilen (Kontakthypothese, Bewusstseinsbildung)
Auszug aus dem Buch
1.5 automatischer vs. Kontrollierter Prozess
Das „soziale Denken“, die Einordnung in Kategorien, die Aktivierung von Stereotypen und Schemata, läuft häufig schnell und impulsiv ab. Sie kann aber auch abgewogen und genau geschehen, wenn man sich die Zeit nimmt und sich Ziele setzt. Diesen Prozess, der beim Denken und Verhalten des Menschen zu sehen ist, nennt man auch „duale Verarbeitungstheorien“. Wenn nun also ein Prozess schnell und impulsiv abläuft, dann spricht man von einem automatischen Prozess. Er geschieht unbewusst und ohne Absicht des Individuums. Zudem stört er keine gleichzeitig laufenden kognitiven Prozesse. Als Beispiel lässt sich das Schalten beim Autofahren anführen. Gegensätzlich dazu gibt es den kontrollierten Prozess, der abgewogen und genau abläuft. Das Denken und Verhalten beruht auf einer bewussten und willentlichen Kontrolle des Individuums. Beispiel: Das Überholen auf einer vollen Autobahn.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Begriffsbestimmung: Einführung in zentrale Konzepte wie Kategorisierung, Stereotypen, Vorurteile, Diskriminierung sowie die Unterscheidung zwischen automatischen und kontrollierten Prozessen.
2 Messung von Stereotypen und Vorurteilen: Vorstellung verschiedener wissenschaftlicher Messparadigmen, darunter indirekte Verfahren wie der implizierte Assoziationstest (IAT) und die Bogus Pipeline.
3 Aktivierung von Stereotypen: Untersuchung, ob die Aktivierung von Stereotypen ein rein automatischer Vorgang ist und welche Rolle das Priming dabei spielt.
4 Schema-Aktivierung und Verhalten: Analyse der Auswirkungen aktivierter Schemata auf das tatsächliche motorische oder soziale Handeln des Individuums.
5 Kontrolle gegenüber Vorurteilen und Stereotypen: Erörterung von Mechanismen zur Unterdrückung oder Korrektur von Stereotypen sowie deren psychologische Folgen, wie z.B. der Bumerang-Effekt.
6 Vorurteile in Mensch und Gesellschaft: Betrachtung historischer und soziologischer Konzepte wie der autoritären Persönlichkeit sowie die Auswirkungen von Bedrohungsszenarien (Stereotype Threat).
7 Fazit: Zusammenfassende Reflexion über die automatische Natur erster Eindrücke und Strategien zum bewussten Abbau vorurteilsbehafteter Strukturen im Alltag.
Schlüsselwörter
Soziale Kognition, Stereotypen, Vorurteile, Kategorisierung, Diskriminierung, automatischer Prozess, kontrollierter Prozess, Heuristiken, Priming, Schemata, IAT-Effekt, Bumerang-Effekt, Stereotype Threat, Eindrucksbildung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen der sozialen Kognition und erforscht, wie Stereotypen und Vorurteile unser Denken und Handeln beeinflussen.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die Entstehung von Kategorisierungen, die psychologischen Messmethoden für Vorurteile sowie die Frage, wie unbewusste Stereotypen bewusst reguliert werden können.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Mechanismen hinter Vorurteilen zu erhellen und Strategien aufzuzeigen, wie die automatische Aktivierung von Stereotypen verhindert oder in sozialen Situationen abgeschwächt werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse und präsentiert zudem Ergebnisse aus eigenen Umfragen und experimentellen Ansätzen zur Demonstration der Wirkungsweise von Stereotypen.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die Methoden zur Messung, die Bedingungen der Aktivierung sowie die Möglichkeiten der Kontrolle und die gesellschaftliche Relevanz von Vorurteilen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Text am besten charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Soziale Kognition, Stereotypen, Vorurteile, automatische Prozesse, Priming, Schema-Aktivierung und der Stereotype Threat.
Was besagt die „Kontakthypothese“?
Die Kontakthypothese nach Allport postuliert, dass intensiver und häufiger Kontakt zwischen Mitgliedern verschiedener Gruppen dazu beiträgt, Vorurteile zwischen diesen Gruppen abzubauen.
Welche Folge hat die Unterdrückung von Vorurteilen?
Oft tritt der sogenannte „Bumerang-Effekt“ (oder Rebound-Effekt) auf, bei dem die Unterdrückung eines unerwünschten Gedankens paradoxerweise dazu führt, dass dieser noch präsenter und leichter zugänglich wird.
Warum ist das „generische Maskulinum“ für die Forschung relevant?
Es beeinflusst die Art und Weise, wie wir Denkweisen strukturieren; in der Studie zum „Chirurgen“ zeigt sich beispielsweise, dass aufgrund solcher sprachlichen Konventionen Stereotypen nur schwer zu überwinden sind.
- Quote paper
- Anne Schmitt (Author), 2015, Soziale Kognition. Wie Stereotypen und Vorurteile aktiviert werden, unser Leben beeinflussen und wie man sie regulieren kann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306020