Frühkindliche Entwicklungsförderung in der Montessori-Pädagogik


Hausarbeit, 2013
17 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Grundannahmen Maria Montessoris
2.1 Die kosmische Erziehung
2.2 Die sensiblen Phasen

3. Die Entwicklung des Kindes nach Maria Montessori
3.1 Erste Entwicklungsperiode
3.2 Zweite Entwicklungsperiode
3.3 Dritte Entwicklungsperiode

4. Die praktische Umsetzung im Elementarbereich
4.1 Die vorbereitete Umgebung
4.2 Die Freiarbeit
4.3 Die Entwicklungsmaterialien
4.3.1 Die Übungen des praktischen Lebens
4.3.2 Die Sinnesmaterialien

5. Kritik an der Montessori-Pädagogik

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Maria Montessori, eine italienische Ärztin, war eine zentrale Vertreterin der Reformpädagogik des 19. Jahrhunderts, die unter anderem mit gravieren­den Verän­derungen der Erziehung von Kleinkindern einhergeht. Sie hat erstmalig eine ganzheitliche Pädagogik „vom Kinde aus“ entwickelt (vgl. Eichelberger, 2008, S.7). Hierbei steht das Kind mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt der Erziehung und nicht die Wertvor­stellung der Erwachse­nen (vgl. Ludwig, Fischer& Fischer, 2001, S.164). Montessoris Pädagogik ist auch heute noch weit verbreitet und in vielen Einrichtungen der Ele­mentarpädagogik etabliert (vgl. Bamler, Schönberger& Wustmann, 2010, S.64). Daher gibt das Erziehungskonzept von Maria Montessori bis heute Impulse für die pädagogische Fachwelt (vgl. Knauf, Düx & Schlüter, 2007, S.28) und ist eines der bekanntesten pädagogischen Konzepte der heuti­gen Zeit. Etwa 600 Kindertageseinrichtungen und 400 Schulen arbeiten deutsch­landweit nach dieser Pädagogik (vgl. Montessori Dachverband Deutschland e.V., 2005, http://www.montessori-deutschland.de/einrich-tun­gen.html). Demzufolge stellt sich mir folgende Frage, der ich in dieser Arbeit nachgehen möchte: „Wie kann die kindliche Entwicklung im Elementarbereich anhand der Montessori-Pädagogik gefördert werden?“. Um der Ant­wort darauf näherzukommen, werden zunächst die Grundannahmen des Konzeptes mit Blick auf den Ge­winn für die kindli­che Entwicklung erläu­tert, denn darauf bauen die weiteren Schwerpunkte dieses pädagogischen Ansatzes auf. Es folgen die einzelnen Perio­den der kindlichen Entwick­lung, da die Kenntnis darüber für die Förderung der geistigen Entwicklung unumgänglich ist (vgl. Knauf u.a., 2007, S.30). In Kapitel vier wird die praktische Arbeitsweise nach Montessori im Elementarbereich näher erläutert. Abschließend folgt ein Einblick in die aktuelle Kritik an der Mont­essori-Pä­dagogik, um eine umfassende Betrachtung dieses Konzeptes zu ermöglichen.

2. Die Grundannahmen Maria Montessoris

2.1 Die kosmische Erziehung

Maria Montessori hatte eine eigene kosmische Vorstellung und eine damit verbundene Sicht auf die kindliche Entwicklung (vgl. Eichelberger, 2008, S.110). Diese kosmische Vorstellung bildet die Basis in der Montessori-Pädagogik. Maria Montessori glaubte an einen einheitlichen Schöpfungs­plan von Gott und daran, dass alles Lebendige und nicht Lebendige im Prozess der Wechselwirkung steht und miteinander verbunden ist. Dieser Schöpfungsplan ist jedoch noch nicht vollendet und somit nimmt der Mensch Einfluss darauf. Die kosmische Aufgabe eines Jeden ist die Voll­endung des Schöpfungsplans. Der Mensch ist als einziges Lebe­wesen mit genügend Intelligenz und freiem Willen ausgestattet, um das Leben­dige zu erhalten, zu bewahren und zu erweitern. Er hat demzufolge die Verant­wortung für den Erhalt der Welt (vgl. Becker-Textor, 2000, S.43f.). Alle Lebewesen führen eine kosmische Aufgabe aus, um die Natur in ei­nem ausgeglichenen Zustand der Beständigkeit zu erhalten. Dies ist zum Bei­spiel bei den Insekten der Fall, die die Blumen bestäuben und somit für den Erhalt der Pflan­zenwelt sorgen. Der Mensch nimmt innerhalb dieses Systems eine Sonderstellung ein, da er die Möglichkeit hat, Entscheidun­gen zu treffen und somit die Natur ver­ändern kann. Dies kann sich auch negativ auswirken, wie man an den Umweltka­tastrophen der heutigen Zeit beobachten kann. Durch die Fähigkeit des Menschen, in Zukunft und Ver­gangenheit zu denken, ist er das einzige Lebewesen, das Ver­antwortung für die Natur übernehmen kann und muss. Die kosmische Erziehung soll aus diesem Grund erreichen, dass der Mensch sich dieser Verantwortung be­wusst ist und dementsprechend der Umwelt, sich selbst und seinen Mitmenschen gegenüber richtig handelt. Dabei ist jedoch von großer Bedeutung, dass der Mensch sich als Teil des Ganzen sieht und nicht als Herr der Schöp­fung (vgl. Eichelberger, 2008, S.111). Die kosmische Erziehung hat die Aufgabe, Kindern eine Vorstellung des Zusammen­spiels von Natur und Mensch zu vermitteln, eine individu­elle Vorstellung vom Werden und Sein des Universums zu bilden und die ei­gene Imaginationskraft, also ein bildhaftes Denken, zu entwickeln. Dies ist nur dann möglich, wenn Kin­der mit Liebe und Achtung als ein Teil der Schöpfung betrachtet werden. Nicht nur das Vermitteln reinen Wissens steht in diesem Konzept im Fokus, sondern die eigenständige Bildung einer individuellen Vorstellungskraft von sich selbst, der Umwelt und der Schöpfung. Dadurch besteht die Möglichkeit, mit Hilfe unserer Intelligenz und Kreativität einen konstruktiven Weg einzuschlagen, um mit unse­rer Welt sorgsam umzugehen (vgl. ebd., S.112f.). Da alles Teil des Universums und miteinander verbunden ist, hat das Montessori-Material der kos­mischen Erziehung primär das Ziel, den Kin­dern eine Vor­stellung vom Zusam­menspiel von Natur und Mensch zu vermitteln. Mit konkretem Material werden dem Kind Basiswissen und eine Vorstel­lung vom Ganzen vermittelt. Die kosmi­sche Erziehung hat Antworten auf kindli­chen Fragen, die den Sinn, die Ursache und den Zusammenhang von Dingen betreffen. Entsprechende Materialien für die kosmische Erzie­hung sind u.a. der Erdglobus, Jahreskreis mit 12 Holzkugeln und die Barfußsta­tion mit Naturmaterialien (vgl. Schäfer, 2005, S.126f.).

2.2 Die sensiblen Phasen

Die sensiblen Phasen sind die Perioden in der Entwicklung, in denen ein Kind besonders empfänglich für bestimmte Reize ist, um bestimmte Fä­higkeiten und Fertigkeiten zu erlernen. Diese Phasen treten in der Ent­wicklung eines jeden Kindes auf, sind jedoch zeitlich begrenzt. Nach Er­lernen einer bestimmten Fähigkeit klingt diese Sensibilität wieder ab. Mont­essori teilt die sensiblen Phasen in Alters­stufen ein (vgl. Becker-Textor, 2000, S.33f.). In der Phase von der Geburt bis zum dritten Lebensjahr sind Kinder be­sonders sensibel für Umwelteinflüsse und Erfahrungen der Sinne (vgl. ebd., S.34). Eine weitere typische Sensibilität in diesem Alter ist die Be­wegung, wodurch die psychische Entwicklung und die Intelligenz gelenkt werden. Die Ordnung in Form von einer inneren Ordnung und einem inne­ren Orientierungssinn entwickeln sich ebenfalls in diesem Alter. Die Ent­wicklung dieses Orientierungs­sinnes ist eine wichtige Voraussetzung für die Einverleibung der werden­den Persönlichkeit des Kindes. Auch die Sprache ist eine wichtige Sensi­bilität in diesem Alter. Das Kind nimmt sie durch den auditiven und visuel­len Sinn auf, indem es den Sprechenden hört und beobachtet (vgl. Ei­chelberger, 2008, S.18f.). Von drei bis sechs Jahren lernt das Kind hauptsächlich am Modell und ist daher besonders für Einflüsse von einem Erwachsenen empfänglich (vgl. Becker-Textor, 2000, S.34). Zwei Sensibilitäten haben in diesem Alter eine besondere Dominanz. Zum einen ist dies die Entwicklung des eigenen Bewusstseins durch die eigene Aktivität innerhalb der Umwelt und zum anderen das Vervollständigen und Anreichern bisher erworbener Fähig­keiten (vgl. Eichelberger, 2008, S.19). In der Phase von dreieinhalb bis vier Jahren zeichnet das Kind überwie­gend und entwickelt erste Schriftzei­chen. Von viereinhalb bis fünfeinhalb Jahren beginnt das Kind mit der Frühstufe des Lesens (vgl. Becker-Textor, 2000, S.33f.). Der Unterschied dieser beiden zuletzt genannten Phasen ist nach Montessori erkennbar durch die Entwicklung des Kindes „vom unbewussten Schöpfer zum be­wuss­ten Arbeiter“ (Eichelberger, 2008, S.19).

3. Die Entwicklung des Kindes nach Maria Montessori

Die Kenntnis der geistigen Entwicklung hat eine größere Bedeutung als die der körperlichen Entwicklung, auch wenn beide eng miteinan­der ver­bunden sind. Ein Kind wächst nicht nur körperlich in die Höhe, sondern vor allem entwickelt es sich geistig in verschiedenen Ent­wicklungsperioden weiter. Diese einzelnen Perioden vergleicht Maria Montessori mit einer Reihe von neuen Geburten. Damit drückt sie aus, dass in manchen Le­bensphasen einige Geistesarten ster­ben und neue geboren werden. Die erste Entwicklungsperiode reicht nach Maria Montes­sori von der Ge­burt bis zum 6. Lebensjahr und ist eine Zeit der Wandlungen. Die zweite Peri­ode reicht vom 6. bis zum 12. Lebensjahr und ist eine Zeit des gleichmä­ßigen Wachstums. Die dritte Entwicklungsperiode, die vom 12. bis zum 18. Lebensjahr reicht, ist eine Zeit der Übergänge (vgl. Standing, 1959, S.108f.). Im Folgenden sollen diese Entwicklungsperioden nun näher er­läutert werden.

3.1 Erste Entwicklungsperiode

Die erste Periode beginnt mit der Geburt und endet mit dem 6. Lebens­jahr. Diese Periode dient hauptsächlich dem Aufbau der Individualität. Der „ab­sorbierende Geist“ beherrscht diese Periode (vgl. Standing, 1959, S.109). Maria Montessori meint mit diesem Begriff die geistige Verände­rung des Kindes und seine besondere Lernfähigkeit innerhalb dieser Le­bensspanne, die sich unbewusst über ver­schiedene Umwelteindrücke vollziehen. Dieser Prozess ist überwie­gend im Alter von null bis drei Jah­ren aktiv und wird danach durch die be­wusste Aktivität des Kindes ersetzt (vgl. Montessori, 1972, S.23). Der absorbierende Geist ist der na­türliche Tätigkeitsdrang im Kind, der es dazu motiviert, sich mit der Umwelt ausei­nanderzusetzen und so seine eigene geistige Entwicklung zu forcieren (vgl. Knauf u.a., 2007, S.34). Die erste Kindheitsperiode wird in zwei Unterperioden aufgeteilt. Von der Geburt bis zum 3. Lebensjahr vollzieht sich die erste Unterperiode und vom 3. bis zum 6. Lebensjahr die zweite Unterperiode. In der ersten Un­terperiode bilden sich die wichtigsten Werkzeuge des Menschen. Diese bilden sich aus dem „Nichts“ heraus, weshalb dieser Vorgang als Schöp­fungswunder bezeichnet wird. In den ers­ten Lebens­monaten nimmt ein Kind durch den noch unbewussten Geist seine ganze Umwelt in sich auf. Ein Beispiel dieses Phänomens ist das Erlernen der Muttersprache. Das Kind lebt in einer Umgebung, in der die Sprache ge­sprochen wird und nimmt diese ohne Mühe auf. Allein daraus entwickelt das Kind einen Wortschatz und erlernt die Sprache (vgl. Standing, 1959, S.109f.).+

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Frühkindliche Entwicklungsförderung in der Montessori-Pädagogik
Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Soest
Note
1,3
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V306100
ISBN (eBook)
9783668040038
ISBN (Buch)
9783668040045
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Motessori, frühkindliche Entwicklung, pädagogischer Ansatz, Maria Montessori, kindliche Entwicklung, Förderung
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Frühkindliche Entwicklungsförderung in der Montessori-Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306100

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