Es ist überraschend, dass der isländische Politiker und Skalde Snorri Sturluson die Kenntnis des Namens der Stadt Asgard bezeigt, welche zu seinen Lebzeiten seit ca. 2.000 Jahren nicht mehr existiert. Ebenso überraschend ist die Vermengung dieser Kenntnis in einem eigenen Werk über die Dichtung nach altem Brauch mit dem Sitz der germanischen Götter. Galt die Legende von Troja dem Historiker des 13. Jahrhunderts eine würdige Verortung der 200 Jahre zuvor gestürzten Götter? Oder waren die Germanen gar – wie Snorri darstellt – versprengte Trojaner? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, vergleiche ich in dieser Darstellung die Attribute des griechischen Meeresgottes Poseidon und Njörds als dessen germanischer Entsprechung und stelle diese in die historisch-geographischen Begebenheiten des spätbronzezeitlichen Troja.
Inhaltsverzeichnis
Troja, das erste Asgard
1. Poseidon
2. Njörd
3. Troia
Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen dem germanischen Asgard und der antiken Stadt Troja, indem sie die mythologischen Attribute der Meeresgötter Poseidon und Njörd mit den historisch-geographischen Bedingungen des spätbronzezeitlichen Troja vergleicht und analysiert.
- Mythologische Charakterisierung des griechischen Gottes Poseidon
- Analyse der Attribute und der Rolle von Njörd als germanische Entsprechung
- Untersuchung der geographischen und wirtschaftlichen Bedeutung Trojas
- Historischer Kontext der Zerstörung Trojas durch Erdbeben
- Kritische Reflexion der Verknüpfung von Mythen und archäologischen Befunden
Auszug aus dem Buch
1. Poseidon
In der griechischen Mythologie ist Poseidon eine der unberechenbarsten Gottheiten; ebenso unberechenbar ist das Meer, welches sein Element ist. Besondere Verehrung wird ihm auf den ägäischen Inseln entgegengebracht – kaum jedoch auf dem griechischen Festland. Heilig sind ihm, der unzerstörbare Mauern zu errichten weiß, drei Tiere: der Delphin, das Pferd und der Stier. Was bedeuten diese drei Tierattribute im mythologischen Zusammenhang?
Der Delphin gilt den frühen Griechen keineswegs als jenes harmlose, perfekt an seinem Lebensraum angepasste Meerestier, als welches wir es heutzutage sehen. Vielmehr gilt er, da er am Ende der Nahrungskette steht, als direkter Konkurrent der Fischer – man kann gar sagen: als König der Meere. Im 21. Gesang der Ilias schreibt Homer in einem Gleichnis folgendermaßen über den Delphin: „Wie vorm Delphin, dem Meeresuntier, die andern Fische Fliehend die Winkel füllen des Hafens, der gut ist zum Ankern, Voller Furcht, denn jeden verschlingt er, wen er erhascht hat“.
Zusammenfassung der Kapitel
Troja, das erste Asgard: Einleitung in die These, dass Snorri Sturluson eine Verbindung zwischen Asgard und Troja sah, gefolgt von der Forschungsfrage nach einem Vergleich der Götterattribute.
1. Poseidon: Analyse der tierischen Attribute (Delphin, Pferd, Stier) und deren symbolische Bedeutung für Poseidon als Zerstörer und Erbauer der Zivilisation.
2. Njörd: Untersuchung der Charakterisierung des Gottes Njörd, seiner Aufgaben als friedfertiger Gott und seiner symbolischen Begleittiere sowie seines Wohlstands.
3. Troia: Darstellung der wirtschaftlichen Bedeutung Trojas durch seine geographische Lage und Verknüpfung der mythologischen Rolle Poseidons mit dem historischen Erdbebenereignis.
Schlussbemerkung: Kritische Würdigung der Ergebnisse zur Verortung Asgards in Troja und der Schwierigkeit, mythologische Attribute archäologisch eindeutig zuzuordnen.
Schlüsselwörter
Poseidon, Njörd, Troja, Asgard, Snorri Sturluson, Mythologie, Meeresgötter, Ilias, Erdbeben, Bronzezeit, Dardanellen, Handelsimperium, Kulturgeschichte, Archäologie, Götterattribute
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit vergleicht die mythologischen Figuren Poseidon und Njörd in Bezug auf ihre Attribute und setzt diese in den historisch-geographischen Kontext der antiken Stadt Troja.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Felder sind die vergleichende Religionswissenschaft, die antike Mythologie, die Troja-Forschung sowie die Verbindung germanischer Sagenmotive mit der griechischen Antike.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, der Frage nachzugehen, warum Snorri Sturluson Asgard mit Troja gleichsetzte, und ob sich in der mythologischen Ausgestaltung der Götter Entsprechungen finden lassen, die diese Verbindung plausibel machen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein kulturwissenschaftlich-vergleichender Ansatz gewählt, der literarische Quellen (wie die Ilias und die Edda) mit archäologischen Erkenntnissen zur Bronzezeit verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die spezifischen Tierattribute von Poseidon und Njörd, die wirtschaftliche Lage Trojas an den Dardanellen und die Deutung von Erdbeben innerhalb der mythologischen Überlieferung.
Was charakterisiert diese Arbeit inhaltlich?
Die Arbeit zeichnet sich durch die interdisziplinäre Verknüpfung von skandinavischer Mythologie mit griechischen Epen und der archäologischen Siedlungsgeschichte Trojas aus.
Warum spielt das Pferd eine zentrale Rolle für Poseidon?
Das Pferd wird im Text als königliches Attribut und Mittler zwischen dem wilden Delphin und dem zivilisatorischen Stier interpretiert, welches Poseidons duale Rolle als Erbauer und Zerstörer verdeutlicht.
Welche Bedeutung hatte das Erdbeben für die Stadt Troja?
Der Autor führt aus, dass archäologische Befunde auf eine Zerstörung durch ein Erdbeben hindeuten, was in der Sage mit dem Wirken Poseidons und dem Trojanischen Pferd mythologisch verarbeitet wurde.
- Arbeit zitieren
- Petra Rodloff (Autor:in), 2014, Poseidon und Njörd. Ein charakterlicher Vergleich der Meeresgötter und ihre Rolle im Troja-Mythos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306171