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Matriarchatsforschung in Vergangenheit und Gegenwart - zwei verbliebene Matriarchate in Lateinamerika

Title: Matriarchatsforschung in Vergangenheit und Gegenwart - zwei verbliebene Matriarchate in Lateinamerika

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 31 Pages , Grade: Sehr gut

Autor:in: MMag. M.A. Gisela Spreitzhofer (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Die funktionalistische Ethnologie hatte das Thema „Matriarchat“ schon ad acta gelegt – dennoch wird heute erneut debattiert, ob nichtpatriarchale Gesellschaften eine archaische Wirklichkeit, einen „Mythos“ oder eine Utopie verkörpern. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Forschungssituation zum Thema sehr zum Positiven gewandelt: Untersuchungen von Ethnologinnen beschäftigten sich mit dem lange in der Wissenschaft vorherrschenden „male bias“, der Prägung durch männerzentrierte Sichtweisen und Aussagen. Empirische Fallstudien von Wildbeutern bis zu bäuerlichen Gesellschaften, darunter etwa die Studien Eleanor Leacocks über die historischen Geschlechterverhältnisse bei den Montaignais in Kanada oder Alice Schlegels Studien über die Frauen in den Hopi-Reservaten, wurden begleitet von neuen theoretischen Ansätzen jenseits der Matriarchatsdebatte, die der Erfassung sozialer und politischer Prozesse in „geschlechtsegalitären“ oder „geschlechtssymmetrischen“ Gesellschaften dienen sollten. Das neu erwachte Interesse an „Frauenmacht ohne Herrschaft“ ist unter anderem darin begründet, dass der androzentrisch geprägte, mit Herrschaft verbundene Machtbegriff zunehmend hinterfragt wird. Lange galt es als patriarchale Selbstverständlichkeit, dass jede Gesellschaft Befehlende und Gehorchende kennt; dabei wurde übersehen, dass sich bis heute trotz Kolonisierung und Missionierung matriarchale Gesellschaften mit Beratenden und freiwillig Akzeptierenden erhalten haben.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich zunächst einen Überblick über die frühen Matriarchatsdebatten ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bieten: MatriarchatsforscherInnen der ersten Stunde wie Bachofen und Morgan werden erläutert werden. Danach werde ich neuere Ansätze über „herrschaftsfreie Gesellschaften“, etwa von Leacock, Schlegel oder Göttner-Abendroth, zur Sprache bringen. Es folgt die Suche nach Erklärungsmodellen für den historischen Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat. Schließlich werde ich zwei ethnografische Beispiele noch heute existierender matriarchaler Gesellschaften im mesoamerikanischen Raum (Cuna, Juchitán) besprechen. Eine Conclusio wird am Ende meiner Arbeit stehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 MATRIARCHATSFORSCHUNG: EIN ZEITGEMÄßES THEMA?

2 EINIGE „KLASSIKER“ DER MATRIARCHATSDEBATTE

2.1 JOSEPH-FRANÇOIS LAFITAU

2.2 JOHANN JAKOB BACHOFEN

2.3 LEWIS HENRY MORGAN

2.4 JOHN FERGUSON MCLENNAN

2.5 EDWARD ALEXANDER WESTERMARCK

2.6 WILHELM WUNDT

2.7 FRIEDRICH ENGELS

2.8 MATHILDE VAERTING

2.9 BERTHA ECKSTEIN-DIENER

3 NEUERE ANSÄTZE: MATRIARCHATE ALS HERRSCHAFTSFREIE RÄUME

3.1 DEFINITION VON MATRIARCHAT

3.2 EMPIRISCHE ZUGÄNGE

3.3 THEORETISCHE ZUGÄNGE

4 WIE DAS PATRIARCHAT DAS MATRIARCHAT BESIEGTE

5 BEISPIELE MATRIARCHALER GESELLSCHAFTEN AUS MESOAMERIKA

5.1 DAS „GOLDENE VOLK“ DER CUNA

5.2 JUCHITÁN – EIN STÄDTISCHES MATRIARCHAT

5.3 ZUSAMMENFASSUNG DER STRUKTUR MATRIARCHALER GESELLSCHAFTEN IN MESOAMERIKA

6 CONCLUSIO

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die historische und gegenwärtige wissenschaftliche Debatte um Matriarchate sowie deren theoretische Neudefinition als herrschaftsfreie Räume. Ziel ist es, den historischen Übergang zum Patriarchat kritisch zu hinterfragen und anhand von zwei ethnografischen Beispielen in Mesoamerika matriarchale Sozialstrukturen aufzuzeigen.

  • Geschichte der klassischen Matriarchatsforschung des 19. Jahrhunderts
  • Moderne Theorien über geschlechtsegalitäre Gesellschaften und Geschlechtersymmetrie
  • Analyse des historischen Wandels von matriarchalen zu patriarchalen Machtstrukturen
  • Ethnografische Untersuchung der Cuna und der Gesellschaft von Juchitán

Auszug aus dem Buch

5.2 Juchitán – ein städtisches Matriarchat

Auch im traditionell besonders machistischen Mexiko haben sich am Isthmus von Tehuantepec in der 80 000 Einwohner zählenden Stadt Juchitán klare Reste der älteren matriarchalen Sozialordnung erhalten. Dies ist nicht nur deshalb erstaunlich, weil es sich um eines der wenigen städtischen Matriarchate handelt, sondern auch, weil der Isthmus seit jeher eine Durchgangsregion dargestellt hat.

Jedem Besucher dieser Stadt fallen zuerst die Frauen wegen ihrer Leibesfülle (Sinnbild für Wohlstand), ihrer farbenprächtigen Kleidung, ihres stolzen Gehabes und vor allem wegen ihrer Dominanz im Straßenbild, sei es auf Festen oder Märkten, auf. Frauen sorgen durch ihre Tätigkeit als Händlerinnen finanziell und organisatorisch für das ganze Hauswesen – Bau, Haushalt, Kindererziehung. Später wird das Haus an die jüngste Tochter vererbt, die bei der Mutter bleibt und diese im Alter versorgt. Häusliches Eingesperrtsein ist unbekannt, da Frauen ihre häuslichen Produkte in ständiger Kommunikation vor ihren Häusern oder in den Gassen oder auf dem in rein weiblicher Hand befindlichen Markt verkaufen. Den Erlös legen sie in Goldmünzen an, womit größere Ausgaben wie Hausbau oder Ausbildung der Kinder bezahlt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 MATRIARCHATSFORSCHUNG: EIN ZEITGEMÄßES THEMA?: Einleitung in die Debatte, ob nichtpatriarchale Gesellschaften archaische Realität oder Mythos sind.

2 EINIGE „KLASSIKER“ DER MATRIARCHATSDEBATTE: Überblick über die zentralen Theoretiker des 19. Jahrhunderts und ihre Konzepte des Mutterrechts.

3 NEUERE ANSÄTZE: MATRIARCHATE ALS HERRSCHAFTSFREIE RÄUME: Diskussion moderner Definitionen und Ansätze, die den Fokus auf Machtasymmetrien und geschlechtssymmetrische Strukturen legen.

4 WIE DAS PATRIARCHAT DAS MATRIARCHAT BESIEGTE: Untersuchung der historischen Theorien zur Entstehung patriarchaler Herrschaftsstrukturen.

5 BEISPIELE MATRIARCHALER GESELLSCHAFTEN AUS MESOAMERIKA: Detaillierte Fallstudien zu den Cuna und Juchitán sowie eine Zusammenfassung ihrer spezifischen matriarchalen Struktur.

6 CONCLUSIO: Abschließende Reflexion über das Potenzial und die Relevanz einer herrschaftsfreien Geschlechterpolitik.

Schlüsselwörter

Matriarchat, Matrilinearität, Geschlechtersymmetrie, Juchitán, Cuna, Ethnologie, Frauenmacht, herrschaftsfreie Gesellschaften, Patriarchat, Gender-Studies, Mesoamerika, Geschlechterrollen, Mutterrecht, Sozialstruktur, Geschlechteregalität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zur Matriarchatsforschung, von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zu modernen ethnologischen Ansätzen, die Matriarchate als herrschaftsfreie Räume konzipieren.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die historische Debatte über das "Mutterrecht", die Definition matriarchaler Gesellschaftsstrukturen und die Frage nach dem Übergang zum Patriarchat.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine kritische Reflexion des Machtbegriffs sowie der Nachweis, dass nichtpatriarchale Gesellschaften existieren und durch ein hohes Entwicklungspotenzial sowie Flexibilität gekennzeichnet sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse klassischer und neuerer ethnologischer Studien sowie auf ethnografische Beispiele aus Mesoamerika.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Klassiker der Matriarchatsdebatte, theoretische Neudefinitionen, Erklärungsmodelle für den Sieg des Patriarchats und die Analyse spezifischer matriarchaler Gesellschaften.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Matriarchat, Geschlechtersymmetrie, Ethnologie, Frauenmacht und Geschlechteregalität zusammenfassen.

Was zeichnet die Gesellschaft der Cuna aus?

Die Cuna sind ein matrilinear und matrilokal organisiertes Volk, bei dem Frauen die Kontrolle über das Eigentum und die Nahrungsmittelversorgung innehaben.

Welche Bedeutung haben die "Verdienstfeste" in Juchitán?

Diese Feste dienen der Prestige-Ökonomie, bei der Frauen durch großzügige Ausgaben soziales Ansehen erlangen und durch das Prinzip der Gegenseitigkeit eine Güteranhäufung bei Einzelnen verhindern.

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Details

Title
Matriarchatsforschung in Vergangenheit und Gegenwart - zwei verbliebene Matriarchate in Lateinamerika
College
University of Vienna  (Ethnologie, Sozial- und Kulturanthropologie)
Grade
Sehr gut
Author
MMag. M.A. Gisela Spreitzhofer (Author)
Publication Year
2002
Pages
31
Catalog Number
V30619
ISBN (eBook)
9783638318365
ISBN (Book)
9783638682930
Language
German
Tags
Matriarchatsforschung Vergangenheit Gegenwart Matriarchate Lateinamerika
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
MMag. M.A. Gisela Spreitzhofer (Author), 2002, Matriarchatsforschung in Vergangenheit und Gegenwart - zwei verbliebene Matriarchate in Lateinamerika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30619
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