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Ursachen und Auswirkungen des (Neo-)Nationalismus in Europa

Title: Ursachen und Auswirkungen des (Neo-)Nationalismus in Europa

Seminar Paper , 2001 , 27 Pages , Grade: Gut (2)

Autor:in: MMag. M.A. Gisela Spreitzhofer (Author)

Politics - Other International Politics Topics
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Nach dem 2. Weltkrieg, der den furchtbarsten Höhepunkt des Nationalismus seit dessen Geburt darstellte, waren sich die europäischen Mächte einig: Solche nationalistischen Auswüchse gefährden die europäische Stabilität, verstoßen gegen grundsätzliche Menschenrechte und dürfen nie wieder vorkommen. In den folgenden Jahrzehnten wuchs (West)europa immer mehr zusammen, v.a. wirtschaftlich, aber auch politisch. Die globale Mobilität von Kapital, Gütern und Dienstleistungen wurde forciert und ein durch die Europäische Union geeintes Europa propagiert.
Zugleich bestehen in zahlreichen Regionen quasi als Gegenreaktion zu Zentralisierung und Vereinheitlichung Abschottungstendenzen, die teils sogar in gewaltsamen (ethnischen) Konflikten zum Ausdruck kommen. Verstärkt werden sie durch die neoliberale Politik des Sozialabbaus und deren allgemein verunsichernde Folgen. Hielt man den Nationalismus für ein bald der Vergangenheit angehörendes Relikt, so flammt er heute oft umso stärker auf und bedroht die europäische Integration, indem er einen Nährboden für ethnische Konflikte bildet. Kaum ein europäisches Land besteht aus einer ethnisch homogenen Bevölkerung, sodass Konfliktpotential fast überall gegeben ist – sowohl in West-, als auch in Osteuropa.
Zum Aufbau der Arbeit: Zunächst halte ich eine Definition verschiedener Begriffe (Nationalität, Nation, Nationalismus, Staat, Volk) für unumgänglich für das weitere Verständnis. In einem nächsten Schritt wird ein Rückblick auf die Geschichte des Nationalismus in Europa zu werfen sein. Danach werde ich neonationalistische/neokonservative Tendenzen in der heutigen multikulturellen Gesellschaft Europas unter die Lupe nehmen. Besonders möchte ich mich beziehen erstens auf Nationalismus in den postkommunistischen osteuropäischen Staaten und zweitens auf Österreich mit seinem wesentlich von der FPÖ getragenen (Deutsch)nationalismus. Schließlich wird ein Ausblick auf die Zukunft von Nationalismus/ethnischen Konflikten in Europa den Kreis schließen. Wird die Europäische Union stark genug sein, um nationalistischen Tendenzen erfolgreich die Stirn zu bieten?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. NATIONALISMUS – EIN PROBLEM IM ZUSAMMENWACHSENDEN EUROPA ZU BEGINN DES 21. JAHRHUNDERTS?

2. ZU DEN BEGRIFFEN „NATIONALITÄT“, „NATION“, „NATIONALISMUS“, „STAAT“ UND „VOLK“

2.1 Nationalität

2.2 Nation

2.3 Nationalismus

2.4 Staat

2.5 Volk

3. URSPRÜNGE UND AUSBREITUNG EUROPÄISCHER NATIONALISMEN: EIN GESCHICHTLICHER RÜCKBLICK

3.1 Von der Frühzeit bis ins 19. Jahrhundert

3.2 Die Geburt des Nationalismus im 19. Jahrhundert und seine Veränderungen in der Folgezeit

3.3 Ernest Gellner: Eine alternative Theorie zum Nationalismus

3.4 Periphere Nationalismen und Regionalismen im 20. Jahrhundert

4. NEONATIONALISMUS ALS ÜBEL UNSERER ZEIT

4.1 Nationalismus in Osteuropa nach der Wende

4.2 Der österreichische (Deutsch)nationalismus

5. DIE ZUKUNFT EUROPAS

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit analysiert die Ursachen und Auswirkungen des (Neo)Nationalismus im zeitgenössischen Europa. Dabei liegt der Fokus auf der theoretischen Bestimmung zentraler Begriffe und der Untersuchung historischer sowie aktueller Entwicklungen nationalistischer Bewegungen.

  • Begriffsdefinitionen zu Nationalität, Nation, Nationalismus, Staat und Volk
  • Historische Ursprünge und europäische Entwicklungslinien des Nationalismus
  • Theorie von Ernest Gellner zum Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft
  • Neonationalistische Tendenzen in Osteuropa und Österreich (FPÖ)
  • Zukunftsperspektiven für ein vereintes Europa zwischen Integration und ethnischen Spannungen

Auszug aus dem Buch

3.3 Ernest Gellner: Eine alternative Theorie zum Nationalismus

Viele Menschen betrachten Nationalismus unbewusst als Teil der menschlichen Natur; jeder sei automatisch Angehöriger einer bestimmten Nation. Diese Theorie impliziert, dass die Nationen geschlafen haben und im 19. und 20. Jahrhundert geweckt worden sind. Der tschechische Anthropologe Ernest Gellner argumentiert jedoch, dass Nationen bis dahin nicht existierten (also die meisten politischen Einheiten keine ethnischen waren) und sich nur unter bestimmten Bedingungen als starke Kräfte entwickeln konnten (Vgl. Gellner 1994:37ff). Ich möchte nun seine Theorie zusammenfassen.

In den letzten 200 Jahren hat das Verhältnis zwischen Kultur und Gesellschaft mit dem Entstehen der Industriegesellschaft einen krassen Wandel erfahren. Davor lebten Menschen in Agrargesellschaften, die recht stabil und hierarchisch strukturiert waren. Die meisten Menschen hatten nur begrenzte Kontakte zur Außenwelt, da sich das Leben in örtlichen Gemeinden abspielte. Die einzig wesentliche Funktion von Kultur war es, den Status des einzelnen, welcher tief in jedem verwurzelt war, innerhalb der Gesellschaft zu bezeichnen. Die Anzahl der Menschen, die sich der Schrift und durch formale Erziehung kodifizierter Normen bediente, war sehr gering. Nationale Staaten gab es kaum, und wenn, dann nur zufällig.

Im Zuge der Industrialisierung setzten gravierende soziale Veränderungen ein: Eine hoch entwickelte Kultur, Bildung und Erziehung wurden erstmals in der Menschheitsgeschichte zum Standard der gesamten Gesellschaft. Zwei wesentliche Kriterien machen die industrielle Gesellschaft aus: Erstens die völlige Umgestaltung der Natur der Arbeit in eine semantische (kaum einer arbeitete mehr wirklich körperlich) – die Menschen mussten durch einige Jahre formale Erziehung die Fähigkeit erwerben, Botschaften auch ohne Kontext auszusenden und zu verstehen. Zweitens bewirkte die Instabilität der Arbeitsmarktstruktur erhöhte Mobilität, wodurch es kein tief verwurzeltes System des Status mehr geben konnte – die moderne Gesellschaft ist egalitär, weil sie mobil ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. NATIONALISMUS – EIN PROBLEM IM ZUSAMMENWACHSENDEN EUROPA ZU BEGINN DES 21. JAHRHUNDERTS?: Einleitung in die Problematik nationalistischer Auswüchse als Gefahr für die europäische Stabilität nach dem Zweiten Weltkrieg.

2. ZU DEN BEGRIFFEN „NATIONALITÄT“, „NATION“, „NATIONALISMUS“, „STAAT“ UND „VOLK“: Erläuterung der theoretischen Grundlagen und Definitionen der zentralen Begriffe, die für das Verständnis der Arbeit notwendig sind.

3. URSPRÜNGE UND AUSBREITUNG EUROPÄISCHER NATIONALISMEN: EIN GESCHICHTLICHER RÜCKBLICK: Historische Herleitung des Nationalismus und Darstellung von Theorien, insbesondere von Ernest Gellner, zu seiner Entstehung im Kontext der Industriegesellschaft.

4. NEONATIONALISMUS ALS ÜBEL UNSERER ZEIT: Analyse aktueller nationalistischer Tendenzen, insbesondere im postkommunistischen Osteuropa und in Form des (Deutsch)nationalismus in Österreich.

5. DIE ZUKUNFT EUROPAS: Reflexion über die Integrationsfähigkeit der Europäischen Union und das Spannungsfeld zwischen Nationalstaaten und regionalen Autonomiebestrebungen.

Schlüsselwörter

Nationalismus, Neonationalismus, Nation, Nationalstaat, Europäische Integration, Ethnische Konflikte, Industriegesellschaft, Ernest Gellner, Österreich, FPÖ, Identität, Souveränität, Minderheitenrechte, Regionalismus, Postkommunismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen des (Neo)Nationalismus im heutigen Europa, seiner historischen Entwicklung und seinen Auswirkungen auf die aktuelle politische Landschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Begriffsdefinition von Nation und Nationalismus, die industrielle Transformation als Nährboden für nationale Gefühle sowie rechtsextreme Tendenzen in Ost- und Westeuropa.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Nationalismus kein angeborenes Relikt ist, sondern eng mit politischen und sozialen Modernisierungsprozessen verknüpft ist und eine ständige Herausforderung für die europäische Integration bleibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und theoretische Konzepte der Anthropologie und Politikwissenschaft, insbesondere die Theorien von Ernest Gellner und Miroslav Hroch.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erstreckt sich von der historischen Herleitung des Nationalstaats über die Analyse der Theorie von Gellner bis hin zur Untersuchung neonationalistischer Phänomene nach 1990.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Nationalismus, Identität, Europäische Integration, Souveränität und gesellschaftliche Transformation charakterisiert.

Welche Rolle spielt die FPÖ in der Analyse?

Die FPÖ dient als Fallbeispiel für den österreichischen (Deutsch)nationalismus, der sich durch eine kulturelle Definition der Nation auszeichnet und demokratische Errungenschaften teils in Frage stellt.

Wie bewertet die Autorin die Zukunft der EU in Bezug auf den Nationalismus?

Die Autorin sieht die EU trotz demokratischer Defizite als notwendiges Integrationsinstrument, warnt jedoch vor einem allzu zentralistischen Europa und plädiert für die Wahrung des Pluralismus.

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Details

Title
Ursachen und Auswirkungen des (Neo-)Nationalismus in Europa
College
University of Vienna
Grade
Gut (2)
Author
MMag. M.A. Gisela Spreitzhofer (Author)
Publication Year
2001
Pages
27
Catalog Number
V30621
ISBN (eBook)
9783638318389
ISBN (Book)
9783638682947
Language
German
Tags
Ursachen Auswirkungen Europa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
MMag. M.A. Gisela Spreitzhofer (Author), 2001, Ursachen und Auswirkungen des (Neo-)Nationalismus in Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30621
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