Wir leben heute in einer Informationsgesellschaft, in der es ein Überangebot an Informationsgütern gibt. Praktisch jeder hat die Möglichkeit, Informationsgüter eigenständig herzustellen und diese anschließend nahezu kostenlos über des Internet zu vertreiben. Daher herrscht hier eine rege Kostenlos-Mentalität.
Aber, die Information ist heute auch ein wichtiges Wirtschaftsgut, denn sie gilt als der zentrale Faktor im Wettbewerb. Diese Informationsvielfalt führt nun auch zu neuen Herausforderungen, denen sich die Unternehmen jetzt stellen müssen. Im Zuge der Internet-Ökonomie, hat sich bereits eine große Nischenwirtschaft herauskristallisiert, welche enorme Potentiale birgt. Eine digitale Wertschöpfung kann hier nicht mehr nur auf einer realen Ebene erfolgen, sondern auch auf digitaler. Daher reicht es heute nicht mehr aus, nur ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. Denn Kunden sind nicht mehr bereit, nur für den reinen Basisnutzen Geld auszugeben. Aber für einen Mehrwert, oder für komplementäre Güter besteht eine Zahlungsbereitschaft.
Die „Follow the Free“-Preisstrategie ist hier ein geeigneter Ansatz, um, einerseits eine große Verbreitung von Informationsgütern mit Netzwerkeffekten zu erreichen, und andererseits durch eine Quersubvention von Gütern Erlöse zu generieren. Diese Kombination aus kostenlosen Angeboten in Verbindung mit Bezahl-Angeboten wird in der Internet-Ökonomie die Zukunft sein. Denn „Free“ ist sehr attraktiv, darf aber nicht der einzige Preis sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Abgrenzung
1.3 Vorgehensweise
2 Grundlagen und Vorraussetzungen
2.1 Globale Informations- und Wissensgesellschaft
2.2 Elektronische Märkte
2.2.1 Steigende Nutzung elektronischer Marktplätze
2.2.2 Besonderheiten des elektronischen Handels
2.2.3 Eignung eines E-Marketplace in der Nischenwirtschaft
3 Information als Wirtschaftsgut
3.1 Definition von Informationsgütern
3.2 Besonderheiten von Informationsgütern
3.2.1 Marktversagen bei Informationsgütern
3.2.2 Kostenstruktur von Informationsgütern
3.2.3 Informationsasymmetrien
3.2.4 Netzwerkeffekte bei Informationsgütern
3.2.4.1 Direkte Netzwerkeffekte
3.2.4.2 Indirekte Netzwerkeffekte
3.2.4.3 Zweiseitige Netzwerkeffekte
3.3 Angebot- und Nachfrageanalyse von Informationsgütern
3.3.1 Nachfrageseitige Netzwerkeffekte
3.3.2 Marktgleichgewicht und kritische Masse
3.4 Analyse der Herausforderung von Informationsvielfalt
3.4.1 Die unendliche Informationsvielfalt
3.4.2 Auswirkungen der Vielfalt: Entstehung der Nischenwirtschaft
3.4.2.1 Theorie des Long Tail
3.4.2.2 Potentiale einer Nischenwirtschaft
3.4.3 Auswirkungen der Vielfalt: Orientierungsproblematik
3.4.4 Aufmerksamkeitsökonomie gewinnt stark an Bedeutung
3.4.5 Analyse der Zahlungsbereitschaft bei Informationsgütern
3.5 Digitale Wertschöpfung von Informationsgütern
3.6 Was ist ein Mehrwert für Konsumenten?
3.6.1 Wirtschaftliche Beschränkungen der Konsumenten
3.6.2 Mehrwert und Kundennutzen von Informationsgütern
3.7 Zwischenfazit
4 „Free“ als Geschäftsmodell
4.1 „Follow the Free“-Preisstrategie
4.1.1 Free als klassische Quersubvention
4.1.2 Free als Werbefinanzierung
4.1.3 Free als Freemium
4.2 Beurteilung der Preisstrategie „Follow the Free“
4.2.1 Chancen der „Follow the Free“-Preisstrategie
4.2.2 Risiken der „Follow the Free“-Preisstrategie
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die ökonomischen Besonderheiten von Information als Wirtschaftsgut in der Internet-Ökonomie und analysiert, wie Unternehmen angesichts der „Free“-Mentalität nachhaltige Erlösmodelle entwickeln können, um Mehrwert zu generieren und Zahlungsbereitschaft bei Konsumenten zu erzielen.
- Ökonomische Eigenschaften von Informationsgütern und deren Marktfähigkeit
- Bedeutung von Netzwerkeffekten und kritischer Masse im E-Commerce
- Herausforderungen durch Informationsvielfalt und Aufmerksamkeitsökonomie
- Digitale Wertschöpfungsketten und Ansätze zur Generierung von Kundennutzen
- Kritische Analyse der „Follow the Free“-Preisstrategie
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Die unendliche Informationsvielfalt
Der technische Fortschritt ermöglicht es uns heute, dass Datenverarbeitung, Speicherkapazität und Bandbreite fast nichts mehr kostet. Das waren die Grundvoraussetzungen dafür, dass innovative und neue Dienste, wie z.B. das Videoportal YouTube, oder der unendlich große Speicherplatz bei Gmail entstehen konnten. Auch Apple erkannte frühzeitig, dass sich aufgrund immer günstiger werdender Speicherkapazitäten bald viel Geld verdienen lässt. So war z.B. für die Entwicklung des iPods nicht die Nachfrage nach einem Abspielgerät für die ganze Musiksammlung ausschlaggebend, sondern die Möglichkeiten der Fertigungstechnik. In diesem Fall schuf das Angebot die Nachfrage, denn als diese Innovation endlich möglich wurde, überwiegten deutlich die Vorteile, nicht der Preis. Heute ist der Vielfalt, dank des Internets, keine Grenzen mehr gesetzt. Auch die Bedürfnisse der Konsumenten sind heterogener geworden. „Mit zunehmendem Wohlstand, höherem Einkommen und mehr Freizeit steigt auch der Wunsch nach immer größerer Individualität.“ Kunden streben mehr denn je nach Abwechslung und Neuheiten. Sie wollen durch eine individuellere Produktwahl ihre eigene Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. So entsteht in der heutigen Zeit eine neue Ausprägung der Nachfrage nach einer unendlichen Auswahl an Produkten, welche es auch irgendwo zu kaufen gibt. Dieses Überangebot kann nur existieren, dank der unendlichen Weite des World Wide Webs. Das Internet ist also das erste globale Vertriebssystem mit der Möglichkeit einer unendlichen Produktvielfalt, welche Platz für Nischen-, wie auch für Massenprodukte bietet. „Eine unbegrenzte Regalfläche ist nur in einem einzigen Fall denkbar: Sie darf nichts kosten.“ Die Grenzkosten des digitalen Vertriebs liegen quasi bei null und ermöglichen so deren uneingeschränkte Nutzung. Dank dem Internet haben wir nun die Möglichkeit, unbegrenzte Regalflächen zu nutzen und somit eine nie dagewesene Produktvielfalt anbieten zu können. Dank dieser Vielfalt entstehen immer mehr Nischenmärkte, die wir nun im Folgenden genauer betrachten möchten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Informationen als zentrales Wirtschaftsgut und stellt die Relevanz neuer Erlösmodelle in einer von „Free“-Mentalität geprägten Internet-Ökonomie heraus.
2 Grundlagen und Vorraussetzungen: Dieses Kapitel definiert den Rahmen der Informationsgesellschaft und analysiert, warum elektronische Marktplätze die Ineffizienzen traditioneller Handelssysteme durch digitale Koordination lösen.
3 Information als Wirtschaftsgut: Hier werden die spezifischen Eigenschaften von Informationsgütern wie Netzwerkeffekte, Kostenstrukturen und Informationsasymmetrien untersucht sowie die Herausforderungen der Informationsvielfalt und der digitalen Wertschöpfung diskutiert.
4 „Free“ als Geschäftsmodell: Dieses Kapitel bewertet die „Follow the Free“-Preisstrategie inklusive klassischer Quersubventionierung, Werbefinanzierung und Freemium-Modellen im Kontext ihrer Chancen und Risiken.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die ökonomischen Bedingungen für den Erfolg digitaler Geschäftsmodelle zusammen und unterstreicht, dass „Free“ zwar attraktiv ist, aber durch Mehrwert-Strategien ergänzt werden muss.
Schlüsselwörter
Information als Wirtschaftsgut, Internet-Ökonomie, Follow the Free, Netzwerkeffekte, Informationsgüter, Digitale Wertschöpfung, Nischenwirtschaft, Long Tail, Freemium, Kundennutzen, Aufmerksamkeitsökonomie, Zahlungsbereitschaft, Informationsvielfalt, Transaktionskosten, E-Marketplace.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Rahmenbedingungen von Informationen als Wirtschaftsgut in einer digital vernetzten Welt und untersucht die Herausforderungen, die sich für Unternehmen aus dem Überangebot an kostenlosen Inhalten ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Charakteristika digitaler Güter (wie Netzwerkeffekte und Grenzkosten gegen Null), die Entstehung einer Nischenwirtschaft, die Bedeutung der Aufmerksamkeitsökonomie und die verschiedenen Ausprägungen von Geschäftsmodellen, die auf kostenloser Bereitstellung basieren.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen trotz einer ausgeprägten „Kostenlos-Mentalität“ im Internet eine positive Zahlungsbereitschaft bei Konsumenten erzeugen können, indem sie Mehrwert oder komplementäre Produkte in den Vordergrund stellen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die ökonomische Prinzipien der Informationsökonomie auf aktuelle Trends im E-Business und bei E-Marketplaces anwendet und durch Praxisbeispiele validiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Informationsgütern, die Analyse ihrer besonderen Kosten- und Marktstrukturen, die Auswirkungen der Informationsvielfalt sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der „Follow the Free“-Strategie und deren Modellen wie Freemium und Werbefinanzierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Information als Wirtschaftsgut, Netzwerkeffekte, Long Tail, digitale Wertschöpfung und die Follow-the-Free-Preisstrategie.
Wie unterscheidet sich die digitale Wertschöpfung von der klassischen?
Im Gegensatz zur klassischen Wertschöpfung, bei der physische Güter im Mittelpunkt stehen, basiert die digitale Wertschöpfung auf der Überblicks-, Auswahl- und Vermittlungsfunktion von Informationen, wobei Grenzkosten für die Vervielfältigung gegen Null tendieren.
Warum ist die „Follow the Free“-Strategie für Nischenmärkte relevant?
Sie ermöglicht es Anbietern, durch eine hohe Verbreitung in der Anfangsphase kritische Massen zu erreichen, Netzwerkeffekte zu generieren und so die Basis für eine spätere Monetarisierung oder Quersubventionierung durch komplementäre Güter zu schaffen.
Was ist das zentrale Risiko der „Free“-Ökonomie?
Ein wesentliches Risiko ist die Verfestigung einer Kostenlos-Mentalität, die es zunehmend erschwert, Zahlungsbereitschaft für hochwertige oder komplementäre Zusatzangebote zu wecken, sowie die Gefahr eines ungleichen Machtverhältnisses durch die Bündelung von Marktanteilen bei wenigen Plattformführern.
- Quote paper
- Niko Schotte (Author), 2012, Information als Wirtschaftsgut. Digitale Wertschöpfung von E-Marketplaces und die Herausforderung der "Free"-Ökonomie in Nischenmärkten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306245