Als der gotische Bischof Wulfila im 4. Jh. die Bibel ins Gotische übersetzte, war sein Anliegen, eine Übersetzung zu schaffen, die von Goten gelesen werden konnte. Er erreichte aber wesentlich mehr, da ein großer Teil der Abschriften erhalten ist und dadurch das Gotische für die Nachwelt gesichert und rekonstruierbar gemacht wurde. Das Gotische ist so zur ältesten, überlieferten germanischen Sprache geworden. Wie aber ist diese Sprache beschaffen, welche Eigenschaften besitzt sie und gibt es eine Verwandtschaft zu anderen Sprachen?
In der Auseinandersetzung mit dem Gotischen als Sprache soll zu erst die Herkunft und die Geschichte des Volkes der Goten beschrieben werden, da die Entwicklung einer Sprache mit der Genese und der geographischen Verbreitung eines Volkes zusammenhängt. Auch wird auf diese Weise die Verwandtschaft des Gotischen zu anderen germanischen Sprachen transparenter, wie auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede, auf die ebenfalls in einem Kapitel eingegangen wird, leichter zu erklären sind. In einem anschließenden Kapitel wird die Entstehung des gotischen Sprachgutes als eigenständige Sprache beleuchtet.
Im weiteren werden die wesentlichsten grammatischen Aspekte des Gotischen vorgestellt. Durch Analyse der phonetischen und morphologischen Besonderheiten des Gotischen wird die grammatische Struktur dieser Sprache deutlich. Ausgewählte Beispiele unterstreichen und vergleichen deren Merkmale mit dem grammatischen System anderer Sprachen.
Zunächst aber soll ein Blick auf das Volk der Goten und ihre Geschichte geworfen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Herkunft und Geschichte des Gotischen
3. Die Sprache der Goten
3.1 Phonetischer Überblick
3.2 Morphologischer Überblick
4. Ursprung und Entwicklung des Gotischen
5. Die Verwandtschaft zum Germanischen
5.1 Verhältnis zum Nordgermanisch/Nordseegermanisch
5.2 Verhältnis zum Westgermanisch
6. Zusammenfassung und Schlußbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gotische als älteste überlieferte germanische Sprache und beleuchtet dessen historische Einordnung, grammatikalische Struktur sowie die sprachwissenschaftliche Verwandtschaft zu anderen germanischen Sprachen. Ziel ist es, die Eigenheiten des Gotischen verständlich zu machen und dessen Platz innerhalb der germanischen Sprachfamilie kritisch zu hinterfragen.
- Historische Herkunft und Genese des Gotenvolkes
- Strukturelle Analyse der phonetischen und morphologischen Merkmale des Gotischen
- Sprachhistorische Entwicklung vom Indogermanischen zum Ostgermanischen
- Vergleichende Untersuchung der Verwandtschaftsverhältnisse zum Nord- und Westgermanischen
Auszug aus dem Buch
3. Die Sprache der Goten
Befaßt man sich mit der gotischen Sprache, so gilt es auch, den gotischen Bischofs Wulfila, welcher von 311 bis 383 n. Chr. Lebte, zu erwähnen. Dieser, gebildet im Gotischen, Lateinischen und Griechischen, übersetzte die Bibel aus der griechischen in die gotische Sprache. Er bediente sich dabei eines eigens von ihm entwickelten Schriftsystems, welches sich aus griechischen und gotischen Zeichen zusammensetzt. Die Erforschung der gotischen Sprache basiert zum größten Teil auf den erhaltenen Handschriften dieser Übersetzung und ihrer Abschriften.
Durch Wulfilas Übersetzungsarbeit, „[...] ist das Gotische die älteste literarisch bezeugte germanische Sprache und daher auch als Vergleichsgröße für die Rekonstruktion der Vorgeschichte der deutschen Sprache von größtem Interesse.“ Weitere, für die Forschung relevante Überlieferungsträger des Gotischen sind die 86 Wörter des Krimgotischen, die von de Busbecq aufgezeichnet und 1589 in Paris veröffentlicht wurden, sowie eine teilweise erhaltene Erläuterung des Johannes Evangeliums, die im Vatikan aufbewahrt wird. Durch diese Schriftstücke konnte man einen großen Überblick über die Struktur, Grammatik bis hin zur Aussprache des Gotischen gewinnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Bedeutung der gotischen Bibelübersetzung durch Bischof Wulfila für die Rekonstruktion der ältesten germanischen Sprache und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Herkunft und Geschichte des Gotischen: Dieses Kapitel behandelt die unsicheren Ursprünge der Goten und beschreibt ihre historische Wanderbewegung sowie die Teilung in West- und Ostgoten.
3. Die Sprache der Goten: Hier werden das Schriftsystem, phonetische Besonderheiten sowie die morphologische Struktur, inklusive der komplexen Deklinationsformen, detailliert vorgestellt.
4. Ursprung und Entwicklung des Gotischen: Dieses Kapitel verortet das Gotische im Kontext der indogermanischen Sprachfamilie und erläutert die Aufspaltung der germanischen Sprachen.
5. Die Verwandtschaft zum Germanischen: Die Untersuchung der Verwandtschaftsverhältnisse zum Nord- und Westgermanischen steht hier im Mittelpunkt, unter Berücksichtigung kontroverser wissenschaftlicher Thesen.
6. Zusammenfassung und Schlußbetrachtung: Das Fazit fasst die Bedeutung der Rekonstruktion des Gotischen für das Verständnis des Germanischen zusammen und würdigt den Stellenwert dieser archaischen Sprache.
Schlüsselwörter
Gotisch, Wulfila, Ostgermanisch, germanische Sprachen, historische Sprachwissenschaft, Morphologie, Phonetik, Bibelübersetzung, Etymologie, Sprachgeschichte, Sprachverwandtschaft, Indogermanisch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Gotischen als der ältesten bezeugten germanischen Sprache, ihrer historischen Herkunft, ihrer Grammatik und ihrer Verwandtschaft zu anderen germanischen Zweigen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Geschichte des Volkes der Goten, die Analyse der gotischen Laut- und Formenlehre sowie die linguistische Einordnung des Gotischen innerhalb des Germanischen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, die Struktur des Gotischen aufzuzeigen und zu klären, wie eng die Sprache mit dem Nord- und Westgermanischen verwandt ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine deskriptive und vergleichende Analyse sprachwissenschaftlicher Quellen, Handschriften und etablierter linguistischer Theorien zur Sprachgeschichte.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung der gotischen Sprache, die phonetischen und morphologischen Charakteristika sowie die differenzierte Betrachtung der sprachlichen Verwandtschaftsbeziehungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Gotisch, Wulfila, Ostgermanisch, Lautverschiebung, Deklination, Sprachverwandtschaft und historische Sprachwissenschaft.
Warum ist die Bibelübersetzung von Bischof Wulfila so essenziell?
Sie dient als wichtigster Überlieferungsträger, der es Sprachwissenschaftlern überhaupt erst ermöglicht hat, das Gotische zu rekonstruieren und als Vergleichsgröße für andere germanische Sprachen zu nutzen.
Was besagt die Kontroverse um die Verwandtschaft zum Nord- oder Westgermanischen?
Die Forschung ist uneins darüber, ob das Gotische engere strukturelle Ähnlichkeiten mit dem Nordischen oder dem Westgermanischen aufweist, wobei verschiedene Wissenschaftler unterschiedliche sprachliche Neuerungen als Belege anführen.
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- Dominik Petko (Author), 2003, Das Gotische. Analyse von Kultur und Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30628