Iweins Fußfall, eine deditio? Hartmanns Spiel mit Ritualen und Konventionen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
16 Seiten, Note: 1,75

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Ritual der „Deditio“
2.1.Das Ritual im mittelalterlichen Kontext
2.2. Das Ritual der deditio im Hartmannschen Kontext

3. Folgen für die Struktur und den Inhalt des Romanes
3.1.Brunnenmotiv und Märchenwelt
3.2. Herr Iwein und Laudine
3.3.Lunete, ein mediator ?

4. Harmanns Intention und Fazit

Iweins Fußfall, eine deditio ?

- Hartmanns Spiel mit Ritualen und Konventionen -

1. Einleitung

Betrachtet man Interaktionen menschlicher Individuen vor dem jeweiligen Zeitkontext, so sind regelmäßig ritualisierte Handlungsformen zu bemerken. Besonders auf politischer oder beruflicher Ebene können symbolhaft schematisierende Verhaltensweisen in Ritualform festgestellt werden.

Rituale und Symbole waren auch schon im Mittelalter in entsprechender Ausprägung vorhanden und spielten vor allem in der höfisch geprägten Adelswelt, mithin in der Welt der führenden Schichten eine große Rolle. Sie waren allgegenwärtig und bestimmten die wesentlichen Kommunikationsformen und Interaktionsmuster, insbesondere im Bereich öffentlichen und politischen Umgangs miteinander.

Eines der am häufigsten praktizierten Rituale war das Ritual zur Beendigung von Konflikten, welches in der Zeit nach der römischen Epoche unter Ludwig dem Frommen entstand. Das Ritual der deditio, das im folgenden Kapitel erläutert wird, erfuhr von nun an immer häufiger seine Anwendung in den herrschenden Schichten, wenn auch mit kleinen, den jeweiligen Verhältnissen angepaßten Veränderungen.[1] Die deditio, trotz ihrer Variationsmöglichkeiten an rituelle Konventionen gebunden, fand auch ihren Niederschlag in vielen literarischen Werken ihrer Zeit.

Im Verlauf dieser Ausarbeitung wird untersucht, ob das besagte Unterwerfungsritual auch in Hartmann von Aues Iwein[2] , in welchem sich auf den ersten Blick genügend Anlaß für solch eine rituelle Handlung finden läßt, enthalten ist und wie stark denn seine Ausprägungen sind. Auch werden die weiteren Konsequenzen, die sich aus einer möglichen Verwendung des Unterwerfungsrituals im und für das Werk bedingen, differenziert.

Dabei sind vor allem die Folgen, die sich für Akteure und Handlung, sowie in geringerem Maße für die Strukturierung des Textes ergeben, zu berücksichtigen. Insgesamt werden auf diesem Wege die Motive des Autors erklärt, die zur Heranziehung der d editio in ihrer im Text gewählten Gestaltungsweise geführt haben.

2. Das Ritual der „Deditio“

2.1 Das Ritual im mittelalterlichen Kontext

Beschäftigt man sich mit den Konflikten des Mittelalters, so stößt man allenthalben auf Unterwerfungsrituale. Diese Unterwerfungsrituale, als deditio bezeichnet, waren eine Form der gütlichen Konfliktbeendigung in der mittelalterlichen Adelsgesellschaft. Die seit dem 9. Jahrhundert auftretende und als Privileg des Adels geltende Konfliktbeilegung in der deditio galt bereits im 10. Jahrhundert als gängige Konfliktbeendigung im Hochadel.[3] Im Verlauf des Mittelalters weitete sich der Kreis der Anwender vom Hochadel über Personen des niederen Adels und Burgbesatzungen bis hin zu Bewohnern einer Stadt aus. Dabei zeigte sich, daß das Ritual nicht in seiner Ausgestaltungsweise erstarrte, sondern je nach Situation modifiziert werden konnte.[4]

Doch gab es innerhalb des breiten Spektrums festgelegte Schranken und Spielregeln, besonders als das Ritual der deditio noch jung war. „Wer sich mittels eines Unterwerfungsrituals gütlich mit seinem Gegner geeinigt hatte – und ohne Schaden aus dem Konflikt herausgekommen war, weil man ihm verzieh -, dem war es nicht erlaubt, den Konflikt fortzuführen oder neu zu eröffnen. So sahen es zumindest die ungeschriebenen Gesetze [...] vor.“[5]

Indes hielten sich nicht immer alle Beteiligten an diese Regel. Auch konnten die Formen der Vergebung differieren, indem sie zwischen Milde und Härte wechselten. So wurden Milde und Härte durch den Sieger verwendet, um die eigene Macht zu demonstrieren. Milde und Vergebung symbolisierte Barmherzigkeit, Härte und schlimmstenfalls keine Vergebung waren Warnung an Nachahmungstäter.[6]

[...]


[1] Vgl. Althoff, Gerd: Die Macht der Rituale. Darmstadt 2003. S. 68f.

[2] Bezeichnung des Werktitels Iwein durch kursive Schreibweise.

[3] Vgl. Althoff, Gerd: Spielregeln der Politik im Mittelalter. Kommunikation in Frieden und Fehde. Darmstadt 1997. S. 99f.

[4] Vgl. Althoff, Gerd : Formen und Funktionen öffentlicher Kommunikation im Mittelalter. Stuttgart 2001. S. 162f.

[5] Althoff, Gerd: Die Macht der Rituale. Darmstadt 2003. S. 71.

[6] Vgl. ebd. S. 158-159.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Iweins Fußfall, eine deditio? Hartmanns Spiel mit Ritualen und Konventionen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur II)
Veranstaltung
Hauptseminar: Ritual und Text
Note
1,75
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V30630
ISBN (eBook)
9783638318457
ISBN (Buch)
9783638839259
Dateigröße
997 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Rituale und Symbole waren auch schon im Mittelalter in entsprechender Ausprägung vorhanden und spielten vor allem in der höfisch geprägten Adelswelt, eine große Rolle. Eines der am häufigsten praktizierten Rituale war das Ritual zur Beendigung von Konflikten, welches in der Zeit ab Ludwig dem Frommen entstand. Im Verlauf dieser Ausarbeitung wird untersucht, ob das besagte Unterwerfungsritual auch in Hartmann von Aues Iwein, enthalten ist und wie stark denn seine Ausprägungen sind.
Schlagworte
Iweins, Fußfall, Hartmanns, Spiel, Ritualen, Konventionen, Hauptseminar, Ritual, Text
Arbeit zitieren
Dominik Petko (Autor), 2004, Iweins Fußfall, eine deditio? Hartmanns Spiel mit Ritualen und Konventionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30630

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