Der Schlachtsarkophag von Portonaccio. Beschreibung und Interpretation der Darstellungen


Seminararbeit, 2014

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Die römischen Schlachtsarkophage
1.2 Die Markomannenkriege des Marcus Aurelius
1.3 Der Schlachtsarkophag von Portonaccio

2. Beschreibung
2.1 Die Kastenfront
2.1.1 Die Tropaea und die Gefangenenpaare
2.1.2 Die Schlacht
2.2 Die Nebenseiten
2.3 Der Deckel

3. Interpretation
3.1 Die Kastenfront
3.1.1 Die Gefangenenpaare
3.1.2 Die Schlacht
3.2 Die Nebenseiten
3.3 Der Deckel
3.4 Die Benennung des Grabinhabers

4. Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tafelteil

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen des Proseminares „Römische Sarkophage“ an der Universität Heidelberg und behandelt exemplarisch den sogenannten Schlachtsarkophag von Portonaccio. Hierbei soll eine allgemeine Betrachtung des Objekts erfolgen und keine spezielle Fragestellung diskutiert werden, wobei der Schwerpunkt auf der großen Massenkampfszene liegt. Im Folgenden wird zunächst eine Einführung zur Gruppe der römischen Schlachtsarkophage und die Markomannenkriege des Kaisers Marcus Aurelius gegeben, vor deren Hintergrund diese Sarkophage entstanden. Nach einigen Hintergrundinformationen zum Schlachtsarkophag von Portonaccio folgt schließlich der Kern dieser Arbeit. Zunächst wird der Sarkophag mit einer Beschreibung näher erörtert. Im Anschluss folgt eine Interpretation, um die Bedeutung des Gesehenen zu erschließen und zudem einen möglichen Grabinhaber zu identifizieren.

1.1 Die römischen Schlachtsarkophage

Die ersten Schlachtensarkophage kamen in Rom in spätantoninischer Zeit, genauer in den sechziger Jahren des 2. Jh., auf.1 Es war also die Zeit der Kriege des Kaisers Marcus Aurelius (161-180) in der die Idee von Kriegsbildern auf Sarkophagen auflebte.2 Die Schlachtsarkophage mit Massenkampfszenen sind wohl alle mit Ausnahme des Großen Ludovisischen Schlachtsarkophags (mittleres 3.Jh.) innerhalb einer Generation entstanden und bilden somit quantitativ eine besonders kleine Gruppe der römischen Sarkophage.3 Ihr kurzes Auftreten sowie die zeitliche Überschneidung mit der Herrschaft von Kaiser Marcus Aurelius lassen wahrscheinlich auf einen direkten Zusammenhang mit dessen Kriegen schließen.4

Die Entstehung der römischen Sarkophagkunst im 2. Jh. war etwas Neues. Es gibt zwar zahlreiche Vorläufer aus griechischer Zeit, sie spielten aber für die Sarkophagkunst in Rom keine Rolle. Dennoch griff man in der Bildgestaltung auf Vorbilder des griechischen Hellenismus zurück, wie zum Beispiel auf die Darstellung des Feldherrn im Reiterkampf nach dem Vorbild von Alexander dem Großen.5

Der Grabinhaber wird selbst in Form des Feldherrn als Protagonist mit eingebunden.

Dabei erscheint er im Zentrum der Hauptszene und den untergeordneten Unterwerfungsbildern. Gelegentlich wird auch seine Ehefrau mit ihm zusammen oder auch allein in einzelnen Abschnitten der Deckelvorderseite dargestellt.6 Die Schlachtsarkophage enthalten also neben den kriegerischen Darstellungen auch Elemente der Vita Romana.

1.2 Die Markomannenkriege des Marcus Aurelius

In der Biographie des Kaisers Marcus Aurelius ist zu lesen: „Profecti tamen sunt paludati ambo imperatores et Victualis et Marcomannis cuncta turbantibus, aliis etiam gentibus, quae pulsae a superioribus barbaris fugerant, nisi reciperentur, bellum inferentibus“7.8 Die Markomannen drohten also mit Krieg, sollten sie keinen Zugang zum Reich erhalten. Sie standen selbst unter dem Druck von weiter nördlich lebenden Völkern. Im Jahr 170 drangen sie schließlich im römischen Reich ein und stießen dabei bis ins nördliche Italien vor. Unter dem Kommando von Publius Helvius Pertina und Marcus Aurelius Schwiegersohn Pompeianus konnten die Makomannen schnell vernichtet bzw. zurückgedrängt werden. 172 überschritten Die Römer ihrerseits die Donau und marschierten in das germanische Gebiet ein. In den folgenden Jahren gingen die Römer in wechselvollen Kämpfen erfolgreich gegen die Germanen an der Donau vor, bis sich die Lage 175 wieder beruhigte. Doch schon bald kam es zu erneuten Unruhen an der Donaugrenze, was Marcus Aurelius schließlich zu einer Strafexpedition zwang.9 Der dadurch folgende Zermürbungskrieg in den Jahren 179 und 180 wurde nach dem Tod von Marcus Aurelius am 17. März 180 schließlich von dessen Sohn Commodus zu Ende geführt.10

1.3 Der Schlachtsarkophag von Portonaccio

Der Schlachtsarkophag von Portonaccio wurde nach seinem Fundplatz benannt, der inzwischen zu Rom gehört, in früherer Zeit aber weit außerhalb der Stadt lag.11

Gefunden wurde er 1931 in einem Grab an der Via Tiburtina.12 Eine genaue Datierung ist nicht bekannt, jedoch ist vom ausgehenden 2. Jh. auszugehen, also etwa den Jahren: 190-200 n. Chr.13 Der Sarkophag misst in der Höhe ca. 1,50 Meter, in der Länge ca. 2,39 Meter und in der Breite ca. 1,16 Meter. Heute befindet sich der Sarkophag im Palazzo Massimo alle Terme des Museo Nazionale Romano in Rom. Über die Ikonographie der Barbaren wird ein eindeutiger Bezug zu den Markomannenkriegen des Marcus Aurelius hergestellt, in denen der Grabinhaber nach eigener Darstellung eine, herausragende Rolle gespielt hat.14

2. Beschreibung

2.1 Die Kastenfront

Das Relief der Kastenfront zeigt eine Massenkampfszene in der sich Römer und Nordbarbaren gegenüberstehen. Der Reliefgrund wird von den zahlreichen Kampfteilnehmern fast vollständig bedeckt, dabei überschneiden sie sich immer wieder auf unterschiedlichste Weise, was sie im ersten Eindruck in alle möglichen Richtungen agieren lässt. Daraus ergibt sich auf den ersten Blick ein chaotisches Schlachtengetümmel.15 Auch wenn einzelne Kampfgruppen voneinander zu unterscheiden sind, soll dem Betrachter hierdurch optisch ein Kriegseindruck vermittelt werden.16

2.1.1 Die Tropaea und die Gefangenenpaare

An den Seiten bilden zwei Tropaea einen Rahmen für das Geschehen. Sie nehmen die gesamte Höhe des Bildraums ein und sind beide mit kostbaren Helmen und verschiedenen Kleidungsstücken (Tunika und Mantel) geschmückt. Des Weiteren hängen an ihren Seiten hauptsächlich barbarische Waffen, insbesondere verzierte Schilde, sowie Trompeten. Vor den Siegesmalen liegen wiederum je ein Helm und mehrerer Schilde. Die Schilde lassen sich durch ihre Größe wohl mit der Schlachtszene in Verbindung bringen.

Vor jedem der Tropaea stehen sich einander zugewandte Barbaren, wobei jeweils außen eine männliche und innen eine weibliche Person zu sehen ist. Sie fallen im Vergleich zu den kämpfenden Figuren der Schlachtszene durch ihre besondere Größe auf, die sie nur mit dem zentralen Feldherrn teilen.

Die Männer sind mit Schuhen, Hosen, Tuniken und Mänteln mit Fransen bekleidet. Sie tragen spitz zulaufende Bärte und langes Haar, welches beim Linken mit einer Binde und beim Rechten von einem Knoten über der Schläfe zusammengehalten wird.

Die Frauen sind mit Sandalen, gegürteten Gewändern und Mänteln ausgestattet. Auch sie haben Binden im langen Haar. Die linke Frau besitzt als Besonderheit ein Untergewand mit langen Ärmeln, wofür die rechte Frau Schmuck aus schlangenförmigen Bändern am Hals und dem rechten Unterarm sowie einen Reif am linken Oberarm trägt.17

2.1.2 Die Schlacht

Der Feldherr und die Schlachtlinie

Bei der Betrachtung der Schlachtszene beginnt man automatisch bei der Figur des römischen Feldherren, der durch seine enorme Körpergröße im Zentrum des Geschehens hervorragt. Die Überdimensionierung seiner Figur wird besonders bei einer vergleichenden Betrachtung mit seinem Pferd deutlich, welches normal proportioniert erscheint. Es unterscheidet sich von den übrigen nur durch das Pantherfell, das auf seinem Rücken und um den Bug liegt. Besondere Merkmale des Feldherrn sind neben seiner Größe der Muskelpanzer, den er als einziger trägt, sein Helm mit dem hohen Helmbusch, sein an der linken Seite befestigtes Schwert mit Adlerkopfgriff und die abgebrochene Lanze. Diese hält er in einer ausholenden Bewegung in seiner rechten Hand. Das Gesicht trägt hier nicht das Bildnis des Grabinhabers sondern wurde unbearbeitet stehen gelassen. Warum ist unklar.18

Die erhobene Lanze des Feldherrn ist gegen einen Barbaren vor ihm gerichtet. Dieser ist zwischen die Beine des Pferdes geraten und blickt nach vorne gebeugt zum Feldherrn auf. Die rechte Hand erhebt er in einer flehenden Geste ohne den Schild in seiner Linken einzusetzen.

Bei der Betrachtung des Kampfpaares fällt auf, dass sich der Protagonist nicht exakt im Zentrum der Schlachtszenen befindet. Er ist etwas nach links verschoben, wodurch die zentrale vertikale Achse des Bildes zwischen den beiden Kontrahenten verläuft. Vermutlich sollte hierdurch der Handlungsbezug zwischen dem Feldherrn und seinem Opfer besonderes Gewicht verliehen werden.19

In der Komposition folgt die Darstellung der klassischen Siegerrichtung, bei der der Sieger von links kommt und sich nach rechts bewegt.20

Der Feldherr stellt zudem den Abschluss einer insgesamt fünf Mann starken Schlachtlinie aus Kavalleristen dar. Seine Begleiter tragen, wie die meisten Römer, einen Schuppenpanzer. Der erste Kavallerist, links neben dem Feldherrn, Kämpft mit seiner Lanze gegen einen Barbaren zu Pferd. Dieser hält schützend seinen Schild nach vorne und wirft den Kopf in den Nacken. Ein besonderes Detail ist ein Vexillum (Reiterfahne), das hinter dem Römer bis zum oberen Reliefrand aufragt. Der nächste Römer der Schlachtlinie ist als Signifer (Standartenträger) dargestellt. In seiner Rechten hält er ein von einem Adler bekröntes Legionsfeldzeichen (Aquila legionis). Der Adler sitzt auf einem Kranz, an dessen Front die Ziffer IIII geschrieben steht. Der dritte Römer hält ebenfalls ein Signum mit der Figur eines Tieres. Die teilweise abgebrochene Stange hält er in der rechten Hand. Hinter dem Träger ragt ein weiteres Feldzeichen empor.21 Dieses kleine Objekt, das wie ein Häuschen aussieht, soll eine Mauerkrone (Corona muralis) darstellen. Die Corona Muralis ist eine hohe Auszeichnung für erzielte Erfolge im Belagerungskampf.22 Der letzte Reiter am anderen Ende der Schlachtlinie führt seine Lanze gegen einen nahe stehenden Barbaren. Der Lanzenstoß zielt dabei gegen den Hals oder die Brust des Feindes. Der Gegner hat dabei eine ähnliche flehende Haltung wie das Opfer des Feldherrn.23

Das Kampfgeschehen außerhalb der Schlachtlinie Die übrigen Soldaten außerhalb der Schlachtlinie scheinen auf den ersten Blick einigermaßen regelmäßig über das Schlachtfeld verteilt zu sein und in keinem näheren Zusammenhang zu stehen. Stephan Faust vertritt jedoch die These, dass die Mehrzahl der römischen Soldaten nicht nur entgegen der Schachtlinie nach links agiert, sondern dabei in der Komposition mit der nach rechts orientierten Schlachtlinie annähernd eine Kreisform bildet. Lediglich drei wiederum nach rechts agierende Soldaten sind davon ausgenommen. Sie sind eher unauffällig am oberen Bildrand und direkt vor der Schlachtlinie platziert.24 Der erste befindet sich direkt neben dem linken Siegesmahl, der zweite ist größtenteils verdeckt und direkt unterhalb des Draco (Drachenfahne) zu finden und der letzte ist mit einem Segmentpanzer gerüstet unmittelbar vor der Schlachtlinie platziert.25

Nach dieser Theorie soll der Kreis von einem idealen Betrachter im Uhrzeigersinn wahrgenommen werden und diesen durch das scheinbare Geschehen führen. Zuerst fällt der Blick auf den Feldherrn um von hieraus entlang der Schlachtlinie zur rechten oberen Ecke der Szene zu gelangen. Von dort geht es nach unten zu einem Reiter, der mit seinem Schwert gegen einen Barbaren links oberhalb von ihm ausholt. Hierauf folgt darunter ein Kavallerist, der fast vollständig in Rückansicht ausgearbeitet wurde.26 Er richtet seine Lanze gegen einen ebenfalls von hinten zu sehenden Barbaren, der auf einem gestürzten Pferd sitzt und zum Schutz seinen linken Arm vor sich hält. Unmittelbar links neben dem römischen Reiter führt ein weiterer Römer seine Lanze gegen einen vom Pferd fallenden Barbaren. Zur Verteidigung ergreift er mit seiner linken Hand den Schaft der Lanze.27 Folgt man der durch die Lanze nach Links weisenden Bewegungsrichtung des Römers, gelangt man zum nächsten Soldaten, der direkt unterhalb des Feldherrn platziert ist.28 Dieser tötet mit seinem Schwert einen berittenen Barbaren, der Kopfüber von seinem Pferd stürzt.29 Von hier aus gelangt der Betrachter über die Oberkörper drei weiterer römischer Soldaten im Bogen zurück zur Hauptfigur.30 Der erste befindet sich links von dem zuletzt beschriebenen Kampfpaar. Er hebt seinen Schild hoch und holt mit dem Schwert aus. Sein Gegner ist der germanische Krieger, der am linken Rand der Szene mit gesenkter Lanze und gehoben Schild auf die Knie geht.31 Danach folgen zwei Kavalleristen, die sich links vom Feldherrn und außerhalb der Schlachtlinie befinden. Der erste richtet seine Lanze gegen einen zu ihm hochblickenden Barbaren, der versucht sich mit seinem Schild zu schützen. Der zweite und obere der beiden Reiter sitzt auf einem steigenden Pferd. Er hält seinen Schild vor sich und hebt den anderen Arm mit der Lanze, mit der er seinen Gegner unmittelbar vor ihm angreift. Von ihm aus gelangt man wieder zum Feldherrn. Zwischen und unterhalb der eben beschriebenen ist der Reliefgrund von den Körpern weiterer Barbaren und Pferden verdeckt, die auf verschiedene Arten gerade stürzen oder schon am Boden liegen.

[...]


1 E. Künzel (2010), 46.

2 E. Künzel (2010), 48.

3 S. Faust (2012), 197f.

4 E. Künzel (2010), 46.

5 E. Künzel (2010), 47f.

6 S. Faust (2012), 197.

7 SHA Aur., 14, 2.

8 Vgl. SHA Aur. 14,2, in: E. Hohl (1976), 93: „Es rückten also beide Kaiser im Feldherrenmantel aus, als Viktualen und Markomannen alles in Unruhe versetzten und auch andere Völker, die dem Druck der nördlichen Barbaren hatten weichen müssen, mit einem Angriff drohten, falls man ihnen nicht Einlass gewähre.“.

9 G. Langmann (1981), 15ff.

10 E. Künzel (2010), 19.

11 E. Künzel (2010), 50.

12 S. Faust (2012), 198.

13 E. Künzel (2010), 51.

14 S. Faust (2012), 197.

15 S. Faust (2012), 198.

16 E. Künzel (2010), 51.

17 S. Faust (2012), 198f.

18 S. Faust (2012), 199.

19 S. Faust (2012), 199f.

20 E. Künzel (2010), 39.

21 S. Faust (2012), 200.

22 E. Künzel (2010), 51.

23 S. Faust (2012), 200.

24 S. Faust (2012), 203.

25 S. Faust (2012), 200.

26 S. Faust (2012), 203f.

27 S. Faust (2012), 200.

28 S. Faust (2012), 204.

29 S. Faust (2012), 200.

30 S. Faust (2012), 204.

31 S. Faust (2012) 200.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Der Schlachtsarkophag von Portonaccio. Beschreibung und Interpretation der Darstellungen
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
28
Katalognummer
V306324
ISBN (eBook)
9783668043497
ISBN (Buch)
9783668043503
Dateigröße
3863 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schlachtensarkophag, Portonaccio, Markomannenkriege, Marcus Aurelius
Arbeit zitieren
Kevin Fischer (Autor), 2014, Der Schlachtsarkophag von Portonaccio. Beschreibung und Interpretation der Darstellungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306324

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Schlachtsarkophag von Portonaccio. Beschreibung und Interpretation der Darstellungen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden