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Lässt sich das gegenwärtige Europa über gemeinsame Werte definieren?

Titel: Lässt sich das gegenwärtige Europa über gemeinsame Werte definieren?

Essay , 2015 , 9 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Stefan Raß (Autor:in)

Soziologie - Politik, Majoritäten, Minoritäten
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die weltweite Finanzkrise stellt die Währungs- und Wirtschaftsunion Europa seit mehr als einem halben Jahrzehnt vor eine Zerreißprobe. Diskussionen über das Ausscheiden einzelner Staaten aus wirtschaftlichen Gründen begleiten den Prozess der europäischen Integration im neuen Jahrtausend. Die Europäische Union brachte eine Vielzahl sozialer und ökonomischer Gewinne mit sich, doch eben jene Krise wirft die Frage auf, ob man die Einheit Europas nicht durch sozioökonomische Vorteile, sondern durch gemeinsame Werte begründen sollte. In Politik und Medien wird hier von der Wertegemeinschaft Europas gesprochen (vgl. Haller 2009: 335). Der Kontinent ist durch eine Vielzahl kultureller Strömungen und durch eine stürmische Geschichte gekennzeichnet. Viele der technologischen Innovationen und heutigen Lebensweisen, zumindest der westlichen Nationen, haben im Okzident das Licht der Welt erblickt. Nach vielen, von Kriegen gezeichneten Epochen, hat sich Europa zu einem politischen Gebilde zusammengeschlossen. Dieses Konstrukt ist jedoch keineswegs unerschütterlich. Auf der Suche nach einem festeren Kitt, der das Gebilde Europa zusammenhält, stellt sich die Frage, ob sich das gegenwärtige Europa über gemeinsame Werte definieren lässt? Wie lassen sich solche Werte wissenschaftlich begreifen?
Um diese Fragen zu beantworten, soll zunächst der Anspruch der EU, eine Wertegemeinschaft darzustellen, näher beleuchtet werden. Es soll untersucht werden, ob es jüdisch-christlich oder griechisch-römische Werte gibt, die ganz Europa in sich trägt. Darauf folgend wird die Frage untersucht, ob es darüber hinaus auch andere kulturelle Eigenarten gibt, durch welche sich Europa definieren kann? Schlussendlich soll auf den Begriff selbst eingegangen werden, insbesondere darauf, welche Probleme sich aus wissenschaftlicher Perspektive bei der Diskussion gemeinsamer Werte im heutigen Europa stellen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Der Anspruch auf eine Wertegemeinschaft

2. Das jüdisch-christliche Erbe

3. Das griechisch-römische Erbe

4. Europa die sozial-politische Wertegemeinschaft?

5. Das Problem der Werte und die Einheit in Vielfalt

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob sich das moderne Europa über ein gemeinsames Wertefundament definieren lässt, wobei insbesondere die jüdisch-christlichen und griechisch-römischen Traditionen sowie soziologische Analysen zur Wertekonsistenz kritisch hinterfragt werden.

  • Anspruch und Selbstbild der Europäischen Union als Wertegemeinschaft
  • Einfluss religiöser Traditionen auf die europäische Identität
  • Bedeutung des humanistischen und rechtlichen Erbes der Antike
  • Empirische Betrachtung europäischer Werteprofile im globalen Vergleich
  • Wissenschaftliche Problematik der Definition und Operationalisierung von Werten

Auszug aus dem Buch

Das griechisch-römische Erbe

Neben der religiösen Herkunft Europas ist auch ihr humanistisches Erbe von Bedeutung. Griechenland wird oft als die Wiege der Demokratie bezeichnet. Die Antike spielt für das neuzeitliche Abendland eine wichtige Rolle. Demokratie ist einer der wichtigsten Aspekte, der die Antike auf vielfältigste Weise für das mittelalterliche und neuzeitliche Europa zum Vorbild macht (vgl. Meier 2005: 94). Ideale, Überzeugungen und Leitvorstellungen wurden durch sie begründet, beeinflusst und angetrieben. Laut Meier kam mit der griechischen Philosophie etwas Neues in die Welt, das zentral zu dem gehört, was Europa seitdem ausgezeichnet hat (vgl. Meier 2005: 96). Dieses Etwas benennt Meier als Kulturbildung aus Freiheit statt aus Herrschaft (vgl. Meier 2005: 97). Die Entwicklung der Poleis und ihrer gesellschaftlichen Struktur bedingte einen „Menschenschlag, der frei sein und seine Antriebe frei ausleben wollte – und zugleich in der Lage war, die daraus resultierenden Mißbräuche [sic] einigermaßen untereinander aufzufangen“ (Meier 2005: 101). Neben Freiheit nennt Meier auch den Rationalisierungsprozess als ein Merkmal, welches sich seit der Antike durch Europa zieht (vgl. Meier 2005: 104f.). Zu dieser Zeit, in der Griechenland über die Perser siegte, entstand eine „kulturelle Manifestation eines sehr freien, sehr unabhängigen, sehr offenen und daher sich selbst in Frage stellenden Menschentums“ (Meier 2005: 113), die bis heute in europäischer Kultur in Form von Freiheit, Offenheit, Verantwortung und Ratio präsent bleibt.

Zusammenfassung der Kapitel

Der Anspruch auf eine Wertegemeinschaft: Dieses Kapitel erläutert den offiziellen Anspruch der EU, eine auf gemeinsamen Werten basierende Gemeinschaft zu sein, und hinterfragt die Stabilität dieses Konstrukts in Krisenzeiten.

Das jüdisch-christliche Erbe: Der Abschnitt beleuchtet die religiöse Tradition als häufig angeführten, aber aufgrund der zunehmenden Säkularisierung und religiösen Diversität problematischen Pfeiler europäischer Werte.

Das griechisch-römische Erbe: Hier wird die antike Basis Europas, insbesondere die Konzepte von Demokratie, Freiheit und römischem Recht, als humanistisches Erbe untersucht.

Europa die sozial-politische Wertegemeinschaft?: Dieses Kapitel analysiert mittels empirischer Studien (World Value Surveys), ob sich europäische Länder tatsächlich durch einheitliche Wertmuster von anderen Regionen abgrenzen lassen.

Das Problem der Werte und die Einheit in Vielfalt: Der abschließende Teil reflektiert die wissenschaftliche Komplexität des Begriffs Wert und kommt zu dem Schluss, dass Europas Identität eher in der produktiven Auseinandersetzung mit seinen inneren Gegensätzen liegt.

Schlüsselwörter

Europäische Union, Wertegemeinschaft, Identität, jüdisch-christliche Tradition, griechisch-römische Antike, Demokratie, Freiheit, Säkularisierung, kulturelle Vielfalt, Wertekonsens, Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit, Europa, Integration, Soziologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Identitätsfrage Europas und untersucht, ob eine gemeinsame Wertebasis existiert, die den Kontinent trotz seiner kulturellen und historischen Unterschiede zusammenhält.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf dem religiösen (jüdisch-christlichen) und dem humanistischen (griechisch-römischen) Erbe, der Rolle der EU als politischer Wertegemeinschaft sowie soziologischen Analysen zur Wertewelt in Europa.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Frage lautet, ob sich das heutige Europa über gemeinsame Werte definieren lässt und wie diese Werte wissenschaftlich erfasst werden können.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Autor stützt sich auf eine Analyse des fachwissenschaftlichen Diskurses, die Auswertung politischer Dokumente (Vertrag von Lissabon, Grundrechtecharta) und die Interpretation empirischer Daten aus internationalen Wertestudien.

Was wird im Hauptteil analysiert?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung historischer Wurzeln, die kritische Prüfung der religiösen Identitätsstiftung sowie die soziologische Hinterfragung einer einheitlichen europäischen Wertegruppe im globalen Vergleich.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Europäische Integration, Wertegemeinschaft, Identität, Säkularisierung, kulturelle Vielfalt und das Spannungsfeld zwischen Einheit und Gegensätzen.

Kann das Christentum als alleiniger Identitätsfaktor für die EU dienen?

Nein, der Autor argumentiert, dass angesichts der hohen religiösen Vielfalt, des Säkularismus und der Existenz zahlreicher Konfessionen und Religionen ein solch exklusiver Bezug nicht zur Legitimation einer europäischen Verfassung ausreicht.

Was unterscheidet den Begriff „Wert“ von einer „Norm“?

Während Normen restriktiv sind und Handlungsspielräume begrenzen, werden Werte als attraktiv beschrieben, die den Menschen dazu anregen, über sich selbst hinauszuwachsen und Ziele zu bewerten.

Welche Bedeutung kommt dem römischen Recht für Europa zu?

Das römische Recht wird als wichtigster Beitrag für das heutige Europa hervorgehoben, da es wissenschaftliche Möglichkeiten zur Versachlichung und Entscheidungsfindung schuf, die über Jahrhunderte prägend waren.

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Details

Titel
Lässt sich das gegenwärtige Europa über gemeinsame Werte definieren?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Politische Soziologie und Kultursoziologie Europas
Note
1,0
Autor
Stefan Raß (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
9
Katalognummer
V306340
ISBN (eBook)
9783668048706
ISBN (Buch)
9783668048713
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Werte Europa Hans Joas Identität sozial-politische Wertegemeinschaft Wertegemeinschaft Tradition
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefan Raß (Autor:in), 2015, Lässt sich das gegenwärtige Europa über gemeinsame Werte definieren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306340
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Leseprobe aus  9  Seiten
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