Funktion und Bedeutung der Kapitelbilder in Lars von Triers „Breaking the Waves“


Seminararbeit, 2012
7 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gliederung in Kapitel

3. Kapitelbilder in Breaking the Waves

4. Inspiration und Gestaltung

5. Einsatz von Musik

6. Schlussbemerkung

7. Quellenverzeichnis
7.1 Literaturverzeichnis
7.2 Filmverzeichnis
7.3 Musikverzeichnis

Funktion und Bedeutung der Kapitelbilder in Lars von Triers "Breaking the Waves"

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit der Fragestellung nach den wesentlichen Funktionen der Titelbilder, die in Lars von Triers Kinofilm Breaking the Waves (DK/S/F/NL/N/IS 1996) den sieben Kapiteln und dem Epilog vorangestellt sind. Maßgeblich von Bedeutung war Georg Tiefenbachs Buch Drama und Regie, welches nach einer ausführlichen Analyse des Filmstils die Funktion konzeptueller Brüche erörtert. Achim Forst liefert mit Breaking the Dreams - Das Kino des Lars von Trier viel Detailwissen über Prinzipien, Absichten und Arbeitsweisen des Regisseurs. Die beiden genannten Quellen bieten vor allem eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema meiner Arbeit, den Kapitelbildern in Breaking the Waves.

2. Gliederung in Kapitel

Der Einsatz verschiedener Techniken zur Gliederung in mehrere Kapitel findet sich in allen filmischen Werken Triers. Die Bilder teilen den Film einerseits wie literarische Zwischentitel in sieben Kapitel, einen Prolog und einen Epilog ein und andererseits geben sie Auskunft über die kommenden Ereignisse. Außerdem fungieren sie als Ruhepause für den Zuschauer, geben die Möglichkeit, das Vorangegangene auf sich wirken zu lassen und sich gedanklich auf das folgende Kapitel vorzubereiten.1 Manfred Pfister nennt es die „Etablierung eines vermittelnden Kommunikationssystems“2. Er sieht die primäre Funktion einer Episodenstruktur von rezeptionsästhetischer Sicht in der „Ent-Spannung des Zuschauers, die ihn zu kritischer Distanz befähigt und seine Aufmerksamkeit für ein reflektiertes Vergleichen und Werten freisetzt“.3 Durch den systematischen Einsatz eines vermittelnden Kommunikationssystems „wird die Überlagerung der Spielebene des inneren Kommunikationssystems durch eine epische Ebene der Reflexion und des Kommentars (vermittelndes Kommunikationssystem) strukturbestimmend.“4

Funktion und Bedeutung der Kapitelbilder in Lars von Triers "Breaking the Waves" Außerdem schreibt er dieser „Form der Episierung eine anti-illusionistische Funktion“ zu, die eine Identifikation oder Einfühlung des Rezipienten in die Figuren erschwert und somit eine distanzierte, kritische Haltung begünstigt. Das vermittelnde Kommunikationssystem erlaubt überdies eine „direktere Steuerung des Rezipienten, die der kritisch-didaktischen Intention entgegenkommt.“5 Peter Wuss bezeichnet von Triers ersten Film der Guld Hjerte- Trilogie (Breaking the Waves, DK 1996; Idioterne, DK 1998; Dancer in the Dark, DK 2000) als „Polygenre, als eine Hybridform aus Märchen, Parabel und Melodram, das nach dem Formenkanon des Epos in Blöcke zergliedert ist“.6

3. Kapitelbilder in Breaking the Waves

Achim Forst beschreibt Triers Absicht, mit Hilfe der stilistischen Funktion der Handkamera ein Abrutschen des von Gefühl beladenen Märchenstoffs in Kitsch und Sozialklischees zu verhindern. Er strebte eine möglichst realistische Inszenierung mit dokumentarischem Einfluss an und arbeitete somit anders als gewöhnlich, nämlich gegen die Hervorhebung der Geschichte. Die fahrige, und scheinbar unsichere Handkamera in ihrer tragenden Rolle als narratives Instrument, die den Figuren und der improvisiert wirkenden Handlung zu folgen bemüht ist, erzielt zusammen mit der unkonventionellen Montage des groben Filmmaterials eine raue Wirkung und dokumentarische Authentizität, die nicht zu einem Filmmelodram zu passen scheint.7 Marion Müller setzt dem eine umgekehrte Argumentation entgegen und weist darauf hin, dass die „Fahrigkeit und Hektik die innere Aufgewühltheit der Protagonistin“ reflektieren könne und der Stil die Geschichte somit unterstützen würde.8 Unterbrochen wird der unruhige Handlungsfluss durch die acht Kapitel-Einstellungen, die den Film plötzlich ganz still und meditativ wirken lassen.9 Der Maler Per Kirkeby selbst sagt über ihre Funktion:

„[...] fundamentally it was perfectly obvious that they were intended as the antithesis of the palpitation intrusion of the other images into the propistic intimacy of the film“.10

Funktion und Bedeutung der Kapitelbilder in Lars von Triers "Breaking the Waves" Die acht faszinierenden Landschaftspanoramen erinnern an den „tiefenstrukturellen Kern“, die romantische Idee und das Märchenmotiv der Geschichte. Die Kapitelbilder als „stilistische Brüche“ sind für die Manipulation des Zuschauers von großer Bedeutung.11

Heike Parplies hebt vor allem ihre Funktion als Ruhepause für den Zuschauer hervor. Die Zwischenbilder relativieren das darauf ausgerichtete Konzept des Filmes, „beim Zuschauer ein Gefühl der maximalen Nähe zu erzeugen“.12 Forst beschreibt sie als „meditative Ruhepunkte der Erzählung und Projektionsflächen für unsere Gedanken.“ Für den Regisseur sind sie das „Auge Gottes“ und dessen Blick von oben auf die Erde herab. Diese Intention kann spätestens mit dem letzten Bild als vollständig inszeniert angesehen werden. Es gehört zum Epilog und ist mit einer Dauer von achtundsiebzig Sekunden die längste dieser Sequenzen. Zunächst ist eine Brücke über einem dahinplätschernden Fluss zu sehen, durch deren Bogen eine im Dunst kaum sichtbare Landschaft zu erkennen ist. Allmählich verändert sich das Licht, die Berge werden sichtbar und das Dunkel hinter dem Brückenbogen verändert sich zu einem deutlich sichtbaren, glitzernden Flusslauf und einer sonnendurchfluteten Landschaft. Es wirkt, als wäre der Blick ins Paradies freigelegt worden. Es könnte als der Weg in eine neue, hellere Welt interpretiert werden, als „das Versprechen eines besseren Lebens nach dem Tod“.13

4. Inspiration und Gestaltung

Triers Absicht waren Bilder, die an romantische Gemälde, idealisierte Landschaften, typische Postkartenmotive oder Kapitelbilder alter Romane erinnern. Dafür engagierte er den dänischen Maler und Gestalter Per Kirkeby, der trotz seiner Skepsis gegenüber Computern mit elektronischen Hilfsmitteln und der Unterstützung zweier Computerdesigner diese Panoramabilder erstellte. Sie schufen acht faszinierende, als auch irritierende Stillleben aus abgefilmten Hügeln, Wiesen und Wolken, die seltsam ruhige, künstliche Landschaften ergaben.14

[...]


1 Vgl. Tiefenbach, Drama und Regie, S. 41.

2 Pfister, Das Drama, S. 21.

3 Pfister, Das Drama, S. 104.

4 Pfister, Das Drama, S.105.

5 Vgl. Pfister, Das Drama, S. 106.

6 Wuss, „Ein kognitiver Ansatz zur Analyse des Realitäts-Effekts von Dogma-95-Filmen“, S. 118.

7 Vgl. Forst, Breaking the Dreams, S. 141.

8 Vgl. Müller, Vexierbilder, S. 201.

9 Vgl. Forst, Breaking the Dreams, S. 146.

10 Kirkeby, „The pictures between the chapters in Breaking the Waves.“, S. 12.

11 Vgl. Tiefenbach, Drama und Regie, S. 41.

12 Vgl. Parplies, „Unbefangenheit und artistisches Kalkül“, S. 172.

13 Vgl. Forst, Breaking the Dreams, S. 147f.

14 Vgl. Forst, Breaking the Dreams, S. 146.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Funktion und Bedeutung der Kapitelbilder in Lars von Triers „Breaking the Waves“
Hochschule
Universität Wien  (Theater- Film- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
UE Übung "Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens"
Note
2
Autor
Jahr
2012
Seiten
7
Katalognummer
V306393
ISBN (eBook)
9783668043657
ISBN (Buch)
9783668043664
Dateigröße
919 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lars von Trier, Breaking the Waves, Kapitelbilder
Arbeit zitieren
Kathi Hofmann (Autor), 2012, Funktion und Bedeutung der Kapitelbilder in Lars von Triers „Breaking the Waves“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306393

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