Einer der wichtigen Entwürfe einer Theoriebildung der Erwachsenenbildung ist die Betrachtung der Erwachsenenbildung unter der Systemtheoretischen Theorieperspektive.
Zwar entstammt die Theorie in ihren Ursprüngen nicht der aktuellen Theoriediskussion, doch hat sie – neben ihrer historischen Relevanz – auch Auswirkungen auf die jüngere Debatte über Theorien der Erwachsenenbildung und ist nach Meinung Olbrichs „vor allem seit den 90er Jahren in das Zentrum des erwachsenenpädagogischen Interesses gerückt.“
Ziel der Seminararbeit ist es, die Grundzüge einer systemtheoretischen Perspektive der Erwachsenenbildung zusammenfassend vorzustellen. Dabei soll dieser Theorieansatz zunächst zeitlich und theoriengeschichtlich eingeordnet werden. Der Vorstellung der Theorie an sich ist eine kurze Betrachtung der Grundlagen der Systemtheorie vorgeschaltet, denn ohne die Grundlagen dieses Konzeptes ist ein Verständnis der systemtheoretischen Theorieperspektive der Erwachsenenbildung nicht möglich. Im Anschluss daran soll aufgezeigt werden, aus welchem Gründen die Systemtheorie im Bereich der Erwachsenenbildung rezipiert wurde. Daraufhin werden einzelne Elemente, die zu einer Theorie der Erwachsenenbildung gehören, vorgestellt. Es wird erörtert, welche Aussagen die systemtheoretische Theorieperspektive zu diesen Elementen trifft und welche Konsequenzen für andragogisches Handeln daraus entstehen.
Die Arbeit schließt mit dem Versuch einer Wertung des Theorieansatzes und einer Darstellung seiner Relevanz in der erwachsenenpädagogischen Diskussion über den ursprünglichen Entstehungszeitraum dieser Theorie und den Zeithorizont des Hauptseminars hinaus.
Inhalt:
1. Einleitung und Gegenstand der Seminararbeit
2. Zeitliche und theoriengeschichtliche Einordnung
3. Grundlagen der Systemtheorie
3.1 Entstehung und Entwicklung der Systemtheorie
3.2 Elementare Grundlagen der Systemtheorie
4. Rezeption der Systemtheorie in der Erwachsenenbildung
5. Die Systemtheoretische Theorieperspektive in der Erwachsenenbildung: Einzelne Inhalte, Aussagen und Konsequenzen
5.1 Notwendige Elemente einer Theorie der Erwachsenenbildung
5.2 Die Elemente einer Theorie der Erwachsenenbildung im Lichte der Systemtheoretischen Theorieperspektive
6. Wertung und Aktualität
6.1 Wertung der Systemtheoretischen Theorieperspektive
6.2 Derzeitige Relevanz systemtheoretischer Einflüsse in der Erwachsenenbildung
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Gegenstand der Seminararbeit
2. Zeitliche und theoriengeschichtliche Einordnung
3. Grundlagen der Systemtheorie
3.1 Entstehung und Entwicklung der Systemtheorie
3.2 Elementare Grundlagen der Systemtheorie
4. Rezeption der Systemtheorie in der Erwachsenenbildung
5. Die Systemtheoretische Theorieperspektive in der Erwachsenenbildung: Einzelne Inhalte, Aussagen und Konsequenzen
5.1 Notwendige Elemente einer Theorie der Erwachsenenbildung
5.2 Die Elemente einer Theorie der Erwachsenenbildung im Lichte der Systemtheoretischen Theorieperspektive
6. Wertung und Aktualität
6.1 Wertung der Systemtheoretischen Theorieperspektive
6.2 Derzeitige Relevanz systemtheoretischer Einflüsse in der Erwachsenenbildung
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel dieser Seminararbeit ist die zusammenfassende Vorstellung der Grundzüge einer systemtheoretischen Perspektive innerhalb der Erwachsenenbildung. Die Arbeit untersucht die theoretischen Voraussetzungen, die Gründe für die Rezeption der Systemtheorie sowie die daraus resultierenden Implikationen für andragogisches Handeln und die wissenschaftliche Fundierung des Fachbereichs.
- Theoriengeschichtliche Einordnung systemtheoretischer Ansätze
- Grundlagen der Systemtheorie nach Niklas Luhmann
- Elemente einer systemtheoretisch begründeten Theorie der Erwachsenenbildung
- Analyse des Theorie-Praxis-Verhältnisses und der Komplexitätsreduktion
- Strategien zur Systemstabilisierung und institutionellen Entwicklung
Auszug aus dem Buch
3.2 Elementare Grundlagen der Systemtheorie
Die Systemtheorie Niklas Luhmanns, welche die Grundlage der systemtheoretischen Theoriebildung in der Erwachsenenbildung darstellt, ist zu komplex, um sie in wenigen Zeilen vollständig darzustellen, denn das Werk und die Theorie Luhmanns ist „selbst für Eingeweihte nur schwer zu überschauen.“ Daher sollen hier nur die wesentlichen Kernaussagen vorgestellt werden, die zum Verständnis der systemtheoretischen Theoriebildung in der Erwachsenenbildung unabdingbar sind. Mit der Systemtheorie ist man in der Lage, die Wechselwirkungen interdependenten Handelns mehrerer Individuen, Gruppen oder Organisationen zu analysieren. Grundlage der Systemtheorie ist die Definition eines Systembegriffs, der festgelegt, was unter einem System zu verstehen ist. Systeme entstehen durch die Abgrenzung eines bestimmten Bereiches von einer das System umgebenden Umwelt. Die Elemente dieses Bereiches (des Systems) müssen dabei aus der Gesamtheit gegebener Elemente herausgenommen werden. In einem System sind diese Elemente dann in einer bestimmten Art und Weise angeordnet. Im System sind bestimmte Operationen auf Grund von Steuerung möglich. Durch die Abgrenzung eines Systems von der Umwelt wird die Komplexität reduziert, da nur noch ein Ausschnitt der Wirklichkeit betrachtet wird, was einen überschaubaren Untersuchungsraum schafft. Auch bei der Abgrenzung eines Systems der Erwachsenenbildung müssen daher „aus einer komplexen Wirklichkeit jene Elemente und Beziehungen ausgewählt werden, die zu handlungsrelevanter Erkenntnis und anwendbarem Wissen führen.“ Bei der Abgrenzung eines Systems sind sowohl die physischen Grenzen als auch die Sinngrenzen zu berücksichtigen. Die physischen Grenzen ergeben sich relativ einfach durch die am System beteiligten Elemente in Abgrenzung zu Elementen der Umgebung. Die Sinngrenzen eines sozialen Systems werden durch die Beziehungen des Systems zu anderen gesellschaftlichen Systemen gezogen und können vereinfacht gesprochen als ‚Einflussbereich’ bezeichnet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Gegenstand der Seminararbeit: Einleitung in die Bedeutung der Systemtheorie für die Erwachsenenbildung und Definition der Zielsetzung der Arbeit.
2. Zeitliche und theoriengeschichtliche Einordnung: Untersuchung der historischen Kontexte und der Einbettung der Systemtheorie in die pädagogische Theoriediskussion der 1960er bis 1980er Jahre.
3. Grundlagen der Systemtheorie: Darstellung der Herkunft der Systemtheorie aus der Biologie und Erläuterung der funktional-strukturellen Systemtheorie nach Niklas Luhmann.
4. Rezeption der Systemtheorie in der Erwachsenenbildung: Analyse der Beweggründe, warum die Erwachsenenbildung die Systemtheorie als theoretisches Fundament adaptierte.
5. Die Systemtheoretische Theorieperspektive in der Erwachsenenbildung: Einzelne Inhalte, Aussagen und Konsequenzen: Erläuterung der systemtheoretischen Anforderungen an eine Theorie der Erwachsenenbildung und deren praktische Umsetzung.
6. Wertung und Aktualität: Kritische Reflexion der Stärken und Schwächen des systemtheoretischen Ansatzes sowie Ausblick auf seine heutige Bedeutung im Bereich der betrieblichen Weiterbildung.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Erwachsenenbildung, Niklas Luhmann, Funktional-strukturelle Systemtheorie, Komplexitätsreduktion, Systemabgrenzung, Kommunikation, Lebenslanges Lernen, Theoriebildung, Autopoiesis, Sozialwissenschaftliche Methode, Systemstabilisierung, Pädagogik, Makroebene, Umweltbeziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der systemtheoretischen Theorieperspektive, primär basierend auf den Arbeiten von Niklas Luhmann, auf die Disziplin der Erwachsenenbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Systemtheorie, der Theoriebildung in der Erwachsenenbildung, dem Verständnis von sozialen Systemen, Kommunikationsmedien sowie der Strategie der Komplexitätsreduktion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Grundzüge einer systemtheoretischen Perspektive zusammenzufassen, um zu erläutern, wie diese als theoretisches Fundament für die Erwachsenenbildung dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse basiert und systemtheoretische sowie sozialwissenschaftliche Erkenntnisse zusammenführt und reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Grundlagen der Systemtheorie, die historischen Hintergründe ihrer Rezeption in der Erwachsenenbildung sowie die konkreten Elemente einer solchen Theorie, inklusive Funktionsbestimmungen und Strategien zur Systemerhaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Systemtheorie, Erwachsenenbildung, Autopoiesis, Komplexitätsreduktion und Kommunikation geprägt.
Welche Rolle spielt die "realistische Wende" für diese Theorie?
Die "realistische Wende" bezeichnet eine Phase der Erwachsenenbildung, in der vermehrt sozialwissenschaftliche und empirische Ansätze gesucht wurden, für die sich die Systemtheorie als besonders geeignet erwies.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "offenen" und "geschlossenen" Systemen wichtig?
Für die Erwachsenenbildung ist das Konzept des offenen Systems entscheidend, da sie in ständigen Austauschprozessen mit anderen gesellschaftlichen Systemen steht und darauf angewiesen ist, Impulse aus der Umwelt zu verarbeiten.
- Quote paper
- Markus Hubner (Author), 2002, Theorien der Erwachsenenbildung: Die Systemtheoretische Theorieperspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30644