Will man unter Filmmusik ausschließlich für das Kino geschriebene Kompositionen verstehen, so ist "La Règle du jeu" ein ungeeignetes Feld. Dem shooting-transcript der Medienbibliothek zufolge wurde für Jean Renoirs Film keine Note eigens komponiert.
Statt dessen behalf sich der Regisseur mit bereits existierenden Stücken unterschiedlichster Stilrichtungen. Joseph Kosma und Roger Desormière – der letztere ein namhafter Komponist von Filmmusik - zeichneten hier lediglich für Arrangements und Orchesterleitung verantwortlich.
Mit Vorliebe setzt der Regisseur auf die Divergenz von musikalischer und inhaltlicher Stimmung, sei es um einen komischen Effekt zu erzielen, oder zur Ironisierung einer Szene. Die Vielschichtigkeit der Beziehungen zwischen Text, Spiel, Montage und den mit Phantasie ausgewählten Kompositionen zeigt die Flexibilität und Meisterschaft Jean Renoirs im Umgang mit seiner Filmmusik.
Gliederung
1 Einleitung
2 Analyse
2.1 Titelmusik, Exposition und Jagd-Sequenz
2.2 Fest-Sequenz und Finale
3 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die funktionale und strukturelle Rolle der Filmmusik in Jean Renoirs Werk "La Règle du jeu" (1939), wobei sie untersucht, wie Musik zur Bildmontage, zur inhaltlichen Kommentierung der Handlung und zur Charakterisierung der Figuren eingesetzt wird.
- Analyse des Verhältnisses von Filmmusik und Bildmontage
- Die Bedeutung von Musikautomaten und deren symbolische Funktion
- Die strukturierende Rolle der Vaudevilles und Bühnendarbietungen
- Einsatz von Musik zur Ironisierung und Vorwegnahme von Handlungsentwicklungen
- Untersuchung der Divergenz zwischen musikalischer und inhaltlicher Stimmung
Auszug aus dem Buch
Titelmusik, Exposition und Jagd-Sequenz
Jean Renoir unterlegt Titel und Vorbemerkung seines Films mit dem Deutschen Tanz, KV 605, in D-Dur, für Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart. Diese Wahl unterstreicht die Affinität des Stoffes, wie schon seiner Quellen, zur Oper allgemein, und zu Le nozze di Figaro im Besonderen. Unter den zahlreichen Parallelen zu Mozarts Oper und Beaumarchais Komödie La folle journée seien hier nur die Beziehung Christine – Lisette und das Finale mit nächtlichem Quidproquo im Garten erwähnt, daneben die Figur des untreuen und dennoch eifersüchtigen Ehemannes.
Einen ausführlicheren Vergleich der Figaro-Thematik mit der Filmhandlung versucht Hans Mayer in seinem Exkurs Figaro 1939. (3)
Neben dem als Motto verwendeten Zitat aus Beaumarchais Bühnenstück (4) und dem Untertitel Divertissement, trägt in diesem Vorspann auch der heitere Charakter des Tanzes entscheidend zur Täuschung der Zuschauer über die Tatsache bei, daß es sich bei La Régle du jeu nicht um eine Komödie handelt. Die Musik wird nicht ausgeblendet, sondern endet mit einer Schlußkadenz vor dem ersten Bild vom Flughafen. Sie ist auf das Motto bezogen und dient nicht der Vorbereitung der ersten Szene. Ganz im Gegenteil kontrastiert sie sogar eher zum dramatischen Auftakt der Handlung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff Filmmusik im Kontext von Renoirs Film und stellt klar, dass der Regisseur keine Originalkompositionen nutzte, sondern existierende Stücke zur atmosphärischen und inhaltlichen Gestaltung einsetzte.
2 Analyse: Dieser Teil untersucht detailliert verschiedene Sequenzen des Films, von der Titelmusik über die Jagd-Szenen bis hin zum großen Fest, und beleuchtet die Rolle von Musikautomaten sowie die musikalische Kommentierung der Handlung.
3 Zusammenfassung: Das letzte Kapitel resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und betont, dass Renoir Musik gezielt für die Strukturierung von Szenenkomplexen und zur bewussten Divergenz gegenüber der inhaltlichen Stimmung einsetzte.
Schlüsselwörter
Filmmusik, Jean Renoir, La Règle du jeu, Filmanalyse, Musikautomaten, Vaudevilles, Barockmusik, Bildmontage, Mozart, Le nozze di Figaro, Danse macabre, Filmmusiktheorie, Zeitgestaltung, Dramaturgie, Inszenierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verwendung und Bedeutung von Musik in Jean Renoirs Film "La Règle du jeu" aus dem Jahr 1939.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die funktionale Rolle der Musik im Zusammenspiel mit der Bildmontage, ihre Funktion als inhaltlicher Kommentar sowie ihre Bedeutung für die Charakterdarstellung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifische Art und Weise aufzuzeigen, wie Renoir durch die geschickte Auswahl und Platzierung von Musikstücken die dramaturgische Tiefe und die Ironie seines Films verstärkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse basiert auf einer detaillierten filmwissenschaftlichen Untersuchung, die das Transkript des Films mit musikwissenschaftlichen Analysen der verwendeten Stücke verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch die verschiedenen Musikeinsätze, beginnend bei der Titelmusik über das Fest bis hin zur Schlussmusik, und verknüpft diese mit der jeweiligen Handlungsebene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Filmmusik, Bildmontage, Musikautomaten, Vaudevilles, Dramaturgie und Inszenierung charakterisiert.
Warum spielt die Wahl der Musik für den Film eine so entscheidende Rolle?
Die Musik fungiert nicht nur als bloße Untermalung, sondern greift in die Narration ein, etwa durch die Vorwegnahme von Handlungsentwicklungen oder das bewusste Erzeugen von komischen Effekten.
Welche symbolische Funktion haben die Musikautomaten im Film?
Die Musikautomaten dienen als Bild für mechanisierte gesellschaftliche Konventionen und spiegeln den Charakter des Grafen La Chesnaye wider, der sich in seiner selbst geschaffenen Kunstwelt besser zurechtfindet als im echten Leben.
- Arbeit zitieren
- Johanna Scriba (Autor:in), 1990, Filmmusik in Jean Renoirs "La Règle du jeu" (1939). Grundbegriffe der Filmanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306456