Im Zuge der heutzutage rapide zunehmenden Globalisierung stellt sich die Frage nach einem einheitlichen Rechtssystem.
Die Entstehung von Recht auf internationaler Ebene aus dem Nichts ist jedoch kaum vorstellbar. Vielmehr stellt sich die Frage, ob ein Weltrecht anhand von Rechtsexport geschehen kann.
Nahe liegend ist der Rechtsexport industrieller Nationen in Transformations- und Entwicklungsländer in Form von Gesetzesvorlagen. Dadurch wird Rechtsanpassung in Länder gewährleistet, die nach westlicher Ansicht noch nicht sehr weit entwickelt sind. Die Frage, ob ein Rechtsexport in dieser Form möglich ist, ist jedoch komplexer als erwartet.
Zunächst sollte man sich der Bedeutung des Rechts zuwenden. Grundlegend sollte klar sein, dass „Recht“ ein dehnbarer Begriff ist und je nachdem, unter welchen Gesichtpunkt man ihn definiert, kommt man zu nicht wenig gewichtigen Unterschieden in der Auffassung, was Recht eigentlich ist.
Folglich stellt sich dann die Frage nach der Bedeutung des Rechtsexportes. Ebenso wie der Begriff Recht, ist auch nicht eindeutig, was unter Rechtsexport zu verstehen ist. Anhand mehrerer Beispiele soll nachfolgend deutlich gemacht werden, dass die Überlieferung bestehender Rechte in ein fremdes Land unterschiedlich geschehen kann und je nach Art und Weise der Betrachtung sich daraus entstehende Folgen und Probleme entwickeln, die es dann zu lösen gilt. Der rechtssoziologische Aspekt liegt ferner darin, die sozialen und kulturellen Einwirkungen beim Rechtsexport zu analysieren.
Gliederung
I. Einleitung:
1. Was ist Recht?
a.) Recht als Teil der Rechtskultur anhand der historischen und sozialen Entwicklung eines Volkes
b.) Recht als Teil der Rechtskultur anhand Ethnologie, Kultur und Mentalität eines Volkes
c) Ergebnis/ Zusammenfassend:
2. Was bedeutet Export von Recht?
a.) Rechtsanpassung am Beispiel der Kolonialisierung
b.) Rechtsanpassung im Zuge der Globalisierung
(1) Rechtsexport und Rechtsanpassung im Zuge einer sozialen Entwicklung anhand des Beispiels der Menschenrechtskonvention und der Grundrechte- Charta der EU
(2) Rechtexport und Rechtsanpassung im Zuge eines Wirtschaftlichen Wandels anhand der Anpassung europäischen Rechts in Form von EU- Richtlinien
c.) Ergebnis/ Zusammenfassend:
II. Welche Folgen und Probleme entstehen durch den Rechtsexport?
III. Wertung der Problematik und zur Frage des Rechtsexports in Transformations- und Entwicklungsländer
IV. Aussicht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht rechtssoziologische Fragestellungen hinsichtlich der Möglichkeiten und Grenzen des Exports westlicher Rechtsnormen in Form modifizierter Gesetzesbücher in Transformations- und Entwicklungsländer. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob ein solcher Rechtstransfer unter Berücksichtigung kultureller und sozialer Identitäten praktikabel und erfolgreich ist.
- Bedeutung des Rechts als Teil der Rechtskultur
- Mechanismen des Rechtsexports und der Rechtsanpassung
- Folgen des Rechtstransfers wie Entrechtung und Verrechtung
- Einfluss der Globalisierung auf die internationale Rechtsangleichung
- Konflikt zwischen universellen Rechtsansprüchen und lokalen Traditionen
Auszug aus dem Buch
I. Einleitung:
Im Zuge der heutzutage rapide zunehmenden Globalisierung stellt sich die Frage nach einem einheitlichen Rechtssystem.
Die Entstehung von Recht auf internationaler Ebene aus dem Nichts ist jedoch kaum vorstellbar. Vielmehr stellt sich die Frage, ob ein Weltrecht anhand von Rechtsexport geschehen kann.
Nahe liegend ist der Rechtsexport industrieller Nationen in Transformations- und Entwicklungsländer in Form von Gesetzesvorlagen. Dadurch wird Rechtsanpassung in Länder gewährleistet, die nach westlicher Ansicht noch nicht sehr weit entwickelt sind. Die Frage, ob ein Rechtsexport in dieser Form möglich ist, ist jedoch komplexer als erwartet.
Zunächst sollte man sich der Bedeutung des Rechts zuwenden. Grundlegend sollte klar sein, dass „Recht“ ein dehnbarer Begriff ist und je nachdem, unter welchen Gesichtpunkt man ihn definiert, kommt man zu nicht wenig gewichtigen Unterschieden in der Auffassung, was Recht eigentlich ist.
Folglich stellt sich dann die Frage nach der Bedeutung des Rechtsexportes. Ebenso wie der Begriff Recht, ist auch nicht eindeutig, was unter Rechtsexport zu verstehen ist. Anhand mehrerer Beispiele soll nachfolgend deutlich gemacht werden, dass die Überlieferung bestehender Rechte in ein fremdes Land unterschiedlich geschehen kann und je nach Art und Weise der Betrachtung sich daraus entstehende Folgen und Probleme entwickeln, die es dann zu lösen gilt. Der rechtssoziologische Aspekt liegt ferner darin, die sozialen und kulturellen Einwirkungen beim Rechtsexport zu analysieren.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Definiert den Kontext des Rechtsexports im Zeitalter der Globalisierung und stellt die rechtssoziologische Forschungsfrage nach der Übertragbarkeit von Gesetzen.
1. Was ist Recht?: Analysiert den Rechtsbegriff als Teil einer komplexen Rechtskultur, die historisch, sozial, ethnologisch und mentalitätsgeschichtlich geprägt ist.
2. Was bedeutet Export von Recht?: Untersucht verschiedene Formen des Rechtsexports, von der direkten Gesetzesrezeption bis hin zur indirekten Rechtsanpassung durch Richtlinien oder globale Standards.
II. Welche Folgen und Probleme entstehen durch den Rechtsexport?: Beleuchtet die negativen Auswirkungen des Rechtstransfers, insbesondere Prozesse der Entrechtung und den Bruch gewachsener Gewohnheitsrechte.
III. Wertung der Problematik und zur Frage des Rechtsexports in Transformations- und Entwicklungsländer: Bewertet die Argumente für und gegen den Rechtstransfer und kommt zu dem Schluss, dass ein solcher Export in der untersuchten Form nicht möglich ist.
IV. Aussicht: Skizziert die Unvermeidbarkeit einer gewissen Rechtsanpassung durch die Globalisierung, weist jedoch auf die schwierige Lage weniger technisierter Länder hin.
Schlüsselwörter
Rechtsexport, Rechtssoziologie, Rechtskultur, Rechtsanpassung, Globalisierung, Transformationsländer, Entwicklungsländer, Entrechtung, Verrechtung, Gewohnheitsrecht, Konvergenztheorie, Divergenztheorie, Rechtstransformation, Rechtsvergleichung, Weltgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die rechtssoziologische Fragestellung, ob das Modell eines Rechtsexports – also die Übernahme von Gesetzen aus Industriestaaten in Transformations- oder Entwicklungsländer – in der Praxis funktioniert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von Rechtskultur, die Auswirkungen von Globalisierung auf Rechtssysteme und die damit verbundenen soziokulturellen Spannungsfelder zwischen Export- und Importländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die kritische Analyse, ob der Import von nur geringfügig modifizierten Gesetzesbüchern aus Industriestaaten in andere Gesellschaften ohne Berücksichtigung der dortigen sozialen und kulturellen Gegebenheiten möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein rechtssoziologischer Analyseansatz gewählt, der auf der Auswertung von Fachliteratur sowie auf dem Vergleich theoretischer Konvergenz- und Divergenzmodelle basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Grundlagen des Rechtsbegriffs, verschiedene Formen des Rechtsexports (wie Kolonialismus und moderne Globalisierung) sowie die daraus resultierenden Probleme der Entrechtung und Rechtsabstoßung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rechtsexport, Rechtskultur, Entrechtung, Verrechtung, Globalisierung und Rechtsanpassung charakterisiert.
Was genau versteht der Autor unter "Entrechtung"?
Unter Entrechtung versteht der Autor die Verdrängung lokaler, oft auf Gewohnheitsrecht basierender Eigentums- und Lebensrechte durch die Einführung neuer, meist marktwirtschaftlich orientierter Gesetze, die von außen in ein System implantiert werden.
Warum ist laut der Arbeit der Rechtsexport durch "Transplantation" unmöglich?
Weil Gesetze nicht losgelöst von ihrer soziokulturellen Basis funktionieren. Ohne eine Verwurzelung im Rechtsbewusstsein der Bevölkerung führt die bloße Transplantation fremden Rechts zu Spannungen, Widerstand und letztlich zum Scheitern der Integration in die lokale Rechtskultur.
- Quote paper
- Carsten Thielbar (Author), 2003, Rechtsex- & Import in Transformations und Entwicklungsländer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30651