Der Populismus-Vorwurf ist heutzutage aus der politischen Debatte nicht mehr wegzudenken. Verschiedene politische Akteure wurden in der Vergangenheit als „populistisch“ oder sogar „rechtspopulistisch“ bezeichnet. Auch die deutsche Partei Alternative für Deutschland (AfD) gilt gemeinhin als rechtspopulistisch. Während dieser Vorwurf schon länger präsent ist, fehlen bislang wissenschaftliche Untersuchungen, die dies empirisch prüfen.
In der vorliegenden Arbeit soll ein Schritt in diese Richtung unternommen werden. Anhand des Europaprogramms der AfD soll die Intensität rechtspopulistischer Argumentationsmuster überprüft werden. Dazu wird zunächst eine Inhaltsanalyse des gesamten Programms durchgeführt. Anschließend sollen mit Hilfe des Framing-Ansatzes einzelne Argumente zu konsistenten Frames verdichtet werden. Dadurch sollen abschließend Aussagen zur Populismus-Intensität der AfD möglich werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Alternative für Deutschland (AfD)
2.1 Entstehungsgeschichte
2.2 Ideologie
2.3 Gegenwärtige innerparteiliche Situation
3. Zur Konzeption eines methodischen Konstrukts
3.1 Systematik von Inhaltsanalysen
3.1.1 Was ist eine Inhaltsanalyse?
3.1.2 Qualitativ versus quantitativ
3.1.3 Inhaltsanalyse als Forschungsprozess
3.2 Frames und Framing
3.2.1 Status quo der Framing-Forschung
3.2.2 Frames
3.2.3 Framing
3.3 Untersuchungsanlage
4. Hypothesen (inkl. Operationalisierungen)
4.1 Dichotomie zwischen „Volk“ und „Elite“
4.2 Kritik an supranationalen Institutionen
4.2.1 Kritik an etablierten Parteien
4.2.2 Stärkung plebiszitärer Elemente
4.3 Gefahren der Modernisierung / Globalisierung
4.4 Exklusion
5. Methodik
5.1 Inhaltsanalyse
5.1.1 Herleitung der Kategorien
5.1.2 Zuordnungen zu Kategorien
5.2 Frame-Identifikation
5.2.1 Identifizierung von Frame-Elementen
5.2.2 Aggregation der Frame-Elemente
6. Auswertung
6.1 Ergebnisse der Inhaltsanalyse
6.1.1 Hypothesenrelevante Ergebnisse
6.1.2 Hypothesenprüfung
6.1.3 Zwischenfazit
6.1.4 Weitere Ergebnisse
6.2 Frame-Identifikation
6.2.1 Anti-Brüssel-Frame
6.2.1.1 Probleme
6.2.1.2 Ursachen
6.2.1.3 Bewertungen
6.2.1.4 Lösungen
6.2.2 Anti-Euro-Frame
6.2.2.1 Probleme
6.2.2.2 Ursachen
6.2.2.3 Bewertungen
6.2.2.4 Lösungen
6.2.3 „Mehr Demokratie wagen!“
6.2.3.1 Probleme
6.2.3.2 Ursachen
6.2.3.3 Bewertungen
6.2.3.4 Lösungen
6.2.4 Wettbewerb der Nationen
6.2.4.1 Probleme
6.2.4.2 Ursachen
6.2.4.3 Bewertungen
6.2.4.4 Lösungen
7. Methodenkritik
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, rechtspopulistische Argumentationsmuster im aktuellen Europaprogramm der Alternative für Deutschland (AfD) inhaltsanalytisch zu erfassen und mittels des Framing-Ansatzes zu verdichten, um abschließend Aussagen über die Intensität rechtspopulistischer Tendenzen innerhalb der Partei zu treffen.
- Identifikation und empirische Prüfung rechtspopulistischer Argumentationsmuster.
- Analyse der AfD-Programmatik hinsichtlich ideologischer Strömungen und populistischer Elemente.
- Anwendung des Framing-Ansatzes zur Strukturierung politischer Kommunikation.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Populismus-Vorwurf gegenüber der AfD.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Was ist eine Inhaltsanalyse?
Ähnlich wie in anderen Bereichen wissenschaftlicher Forschung lässt sich auch beim Terminus der „Inhaltsanalyse“ keine allgemeingültige Definition geben. Viele Forscher haben den Begriff, je nachdem, was sie analysieren wollten, oft sehr spezifisch beschrieben (vgl. Mayring 2015: 11). Der kleinste gemeinsame Nenner besteht darin, dass sich Inhaltsanalysen mit der „Analyse von Material [beschäftigen], das aus irgendeiner Art von Kommunikation stammt“ (ebd.). Die Komplexität einer Definition speist sich dabei unter anderem aus dem Umstand, dass mit inhaltsanalytischer Methodik eben nicht nur Kommunikationsinhalte erfasst werden können (vgl. ebd.).30
Die in der Literatur am häufigsten diskutierte Definition wurde bereits in den 1950er-Jahren vorgelegt und stammt vom amerikanischen Soziologen Bernhard Berelson (1952), der ausführt:
„Content analysis is a research technique for the objective, systematic and quantitative description of the manifest content of communication“ (zit. nach Rössler 2010: 20).
Zwar verweisen fast alle größeren Werke zur Methodik der Inhaltsanalyse auf diese Definition (vgl. u.a. Früh 2011: 27; Mayring 2015: 11; Merten 1995: 48; Rössler 2010: 20), jedoch in den meisten Fällen, um anhand ihrer Schwächen auf Probleme im Forschungsfeld hinzuweisen (vgl. u.a. Merten 1995: 47ff.). Problematisch ist vor allem Berelsons Postulat vom „manifesten Inhalt“. Wie Rössler (2010) ausführt, sei damit gemeint, dass sich die Inhaltsanalyse auf diejenigen Inhalte beschränken solle, „die tatsächlich „schwarz auf weiß“ dastehen“ (Rössler 2010: 24). Damit würde jedoch ein großes Potenzial der Inhaltsanalyse verschenkt, da dann latente Merkmale wie beispielsweise Bewertungen nicht erfasst würden (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung begründet die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung zur AfD, indem sie die Unzulänglichkeit der bisherigen, meist unreflektierten Debatte über „Rechtsruck“ und Populismus bei der AfD kritisiert.
2. Die Alternative für Deutschland (AfD): Dieses Kapitel zeichnet die Gründungsphase, ideologische Ausrichtung und die innerparteiliche Spaltung der AfD nach.
3. Zur Konzeption eines methodischen Konstrukts: Hier werden die wissenschaftlichen Grundlagen für die Inhaltsanalyse und die Framing-Forschung dargelegt, wobei die Notwendigkeit einer systematischeren Herangehensweise betont wird.
4. Hypothesen (inkl. Operationalisierungen): Dieses Kapitel leitet aus der Populismus-Theorie zentrale Hypothesen über die AfD-Programmatik ab und operationalisiert diese für die Analyse.
5. Methodik: Hier wird der konkrete Forschungsablauf erläutert, angefangen bei der Inhaltsanalyse des Europaprogramms bis hin zur Identifikation und Aggregation von Frames.
6. Auswertung: Dieses Kapitel präsentiert die empirischen Ergebnisse der Inhaltsanalyse und der Frame-Identifikation im Europaprogramm der AfD.
7. Methodenkritik: Diese kritische Reflexion beleuchtet die Grenzen und methodischen Herausforderungen bei der Anwendung der Inhaltsanalyse und der Frame-Identifikation auf das vorliegende Wahlprogramm.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der AfD zwar rechtspopulistische Tendenzen attestiert werden können, diese aber nicht so stark ausgeprägt sind, wie oft öffentlich suggeriert.
Schlüsselwörter
AfD, Rechtspopulismus, Europaprogramm, Inhaltsanalyse, Framing, Euro-Krise, Parteienforschung, Politische Kommunikation, Supranationale Institutionen, Parteispaltung, Populismus, Argumentationsmuster, Modernisierung, Globalisierung, Exklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Europaprogramm der AfD rechtspopulistische Argumentationsmuster aufweist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die AfD-Programmatik, die Populismus-Definition, die methodische Inhaltsanalyse sowie die Identifikation spezifischer Frames wie der „Anti-Brüssel-Frame“ oder der „Anti-Euro-Frame“.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch eine inhaltsanalytische Untersuchung des Europaprogramms empirisch fundierte Aussagen zur Populismus-Intensität der AfD zu treffen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine qualitativ-orientierte Inhaltsanalyse in Kombination mit dem Framing-Ansatz nach Entman zur Identifikation und Aggregation von Argumentationsmustern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die methodische Konzeption, die Hypothesenbildung sowie die detaillierte Auswertung des Europaprogramms der AfD.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Populismus, Framing, Inhaltsanalyse, rechtspopulistische Argumentationsmuster und Parteiprogrammatik sind zentral.
Welche Rolle spielte die AfD-Parteispaltung für die Untersuchung?
Die Spaltung zwischen dem liberalen und dem rechts-konservativen Flügel wird als Kontext für die programmatische Ausrichtung der Partei eingehend analysiert.
Wie bewertet der Autor die Zuschreibung „rechtspopulistisch“ für die AfD?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine unreflektierte Pauschalverwendung dieses Labels nicht angemessen ist, attestiert der Partei jedoch durchaus rechtspopulistische Tendenzen.
Was besagt die „Anti-Brüssel-Frame“ Analyse konkret?
Der Frame zeigt, dass eine konsequente Anti-Haltung gegenüber der EU und ihren Entscheidungsträgern eines der dominanten Argumentationsmuster im Europaprogramm darstellt.
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- Lars Urhahn (Author), 2015, AfD. Liberale Ökonomen oder rechtspopulistische Nationalisten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306540