In verschiedenen medizinischen Wörterbüchern findet man für diesen Begriff genaue Beschreibungen:
Im Pschyrembel wird das englische Wort Compliance als „Einwilligung, Bereitschaft“ verstanden. Es stellt u.a. die „Bereitschaft eines Patienten zur Mitarbeit bei diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen“ dar, „z.B. Zuverlässigkeit, mit der therapeutische Anweisungen befolgt werden (sogenannte Verordnungstreue). Die Compliance ist u.a. abhängig von Persönlichkeit, Krankheitsverständnis und Leidensdruck des Patienten, Arzt-Patienten-Verhältnis, Anzahl und Schwierigkeit der Anweisungen, Art der Therapie und evtl. erforderlichen Verhaltensänderungen“.
Und im Duden Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke findet man hierzu die Aussage: „Bereitschaft des Patienten, Hinweise und Verordnungen des Arztes zu befolgen.“. Darüber hinaus ist in dieser Quelle ein weiterer Aspekt der Bedeutung des Begriffs „Compliance“ angesprochen, der gerade im Zusammenhang mit der Kontaktlinsenhygiene besonders bedeutungsvoll erscheint: „Bereitschaft des behandelnden Arztes, sich individuell auf den Patienten einzustellen“. Dieser Aspekt der Definition macht deutlich, dass Compliance keine „Einbahnstraße“ in der Unterweisung der korrekten Durchführung der Kontaktlinsenhygiene darstellt, sondern durchaus als eine Kommunikation in beide Richtungen der Teilnehmer zu verstehen ist.
Der Begriff der „Compliance“ hat in der medizinischen Fachsprache seinen festen Platz gefunden. Die Bedeutung „gegenseitiges Vertrauen“ könnte als treffend gesehen werden: sowohl der Klient muss vom Wissen und Können seines Gegenübers überzeugt sein (und ihm vertrauen) als auch der Fachmann davon, dass sein Klient seine Ratschläge und Empfehlungen befolgt. Das gegenseitige Vertrauen ist also ein äußerst wichtiger Faktor für ein erfolgreiches Zusammenspiel der beiden „Parteien“.
Inhaltsverzeichnis
Compliance in der optometrischen Praxis
Definitionen
Compliance und die „Welt“
Bedeutung für die Kontaktlinsenhygiene, den Kontaktlinsenanpasser
Compliance und Kontaktlinsenhygiene
Erhöhen der Compliance
Was kann die Kontaktlinsenhygiene hierbei leisten?
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der Patienten-Compliance bei der Kontaktlinsenhygiene und analysiert deren direkten Einfluss auf das Vermeiden von Komplikationen sowie den langfristigen Trageerfolg (Drop-Out-Prävention). Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Wechselwirkung zwischen dem Anpasser, dem Anwender und dem gewählten Pflegesystem.
- Definition und medizinische Relevanz von Compliance
- Analyse der Ursachen für Kontaktlinsen-Komplikationen (Drop-Outs)
- Lernpsychologische Aspekte der Patienteninstruktion
- Faktoren zur Steigerung der Compliance (z.B. KISS-Prinzip)
- Bedeutung der Behälter- und Händehygiene
Auszug aus dem Buch
Bedeutung für die Kontaktlinsenhygiene, den Kontaktlinsenanpasser
Was bedeutet nun aber dieser Begriff konkret für die Kontaktlinsenhygiene, für den Kontaktlinsenanpasser?
Auch in der Kontaktlinsenhygiene ist die Compliance von fundamentaler Bedeutung: etwa 3 bis 4% der Bevölkerung tragen Kontaktlinsen, das entspricht für Deutschland einer Anzahl von ca. 3 Mio. Kontaktlinsenträgerinnen und –trägern. Obwohl jedes Jahr etwa 400 000 Kontaktlinsenneuanpassungen durchgeführt werden, stagniert erstaunlicherweise die Gesamtzahl der Kontaktlinsenträger seit vielen Jahren. Dies bedeutet, dass jedes Jahr genauso viele Personen mit dem Kontaktlinsentragen aufhören, wie beginnen.
Gründe für diese „Drop-Outs“ können nicht nur in zu langen Tragezeiten, Fehlanpassungen oder Materialfehlern gefunden werden, sondern in weitaus häufigerem Auftreten in mangelhafter oder im schlimmsten Fall gar nicht stattfindender Kontaktlinsenhygiene. Die Unkenntnis der Bedeutung der Kontaktlinsenhygiene und die Auswirkungen mangelnder Pflege führen zur Unzufriedenheit mit dem Produkt „Kontaktlinse“ und zu Unverträglichkeitsreaktionen.
Zusammenfassung der Kapitel
Compliance in der optometrischen Praxis: Einführung in die Thematik und Einordnung des Begriffs Compliance als medizinische Grundvoraussetzung für erfolgreiches Handeln.
Definitionen: Darlegung der medizinischen Begriffsbestimmung nach Pschyrembel und Duden unter Berücksichtigung der beidseitigen Kommunikation zwischen Patient und Arzt.
Compliance und die „Welt“: Übertragung des Compliance-Gedankens auf gesellschaftliche Spielregeln und die allgemeine medizinische Anwendung.
Bedeutung für die Kontaktlinsenhygiene, den Kontaktlinsenanpasser: Analyse der Drop-Out-Raten bei Kontaktlinsenträgern und die Identifikation mangelhafter Hygiene als Hauptursache für den Abbruch.
Compliance und Kontaktlinsenhygiene: Zusammenfassung wissenschaftlicher Studien über Hygiene-Mängel, einschließlich Behälter- und Händehygiene, sowie die Rolle des Anpassers.
Erhöhen der Compliance: Darstellung pädagogischer Ansätze und lernpsychologischer Erkenntnisse zur Verbesserung der Patienteninstruktion.
Was kann die Kontaktlinsenhygiene hierbei leisten?: Strategische Empfehlungen zur Reduktion der Drop-Out-Rate durch konsequente Anleitung und moderne, anwenderfreundliche Pflegesysteme (KISS-Prinzip).
Schlüsselwörter
Compliance, Kontaktlinsenhygiene, Kontaktlinsenanpassung, Drop-Out, Patientenschulung, Lernpsychologie, Pflegesysteme, Behälterhygiene, Hornhautkomplikationen, Mikrobielle Keratitis, Händehygiene, Tragekomfort, Kontaktlinsentragen, Patientenberatung, Medizinische Compliance.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die Rolle der Compliance (Verordnungstreue) von Patienten in der Optometrie und deren entscheidenden Einfluss auf den Trageerfolg von Kontaktlinsen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Hygiene des Linsensystems, die Patientenführung durch den Anpasser sowie die Ursachenforschung bei Kontaktlinsen-Abbrechern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch eine verbesserte Compliance und pädagogisch geschickte Wissensvermittlung die Abbruchrate (Drop-Out) bei Kontaktlinsenträgern gesenkt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die verschiedene klinische Studien und wissenschaftliche Quellen zur Kontaktlinsenhygiene und Komplikationsraten zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Faktoren, die zu Komplikationen führen, wie z.B. mangelnde Behälterhygiene, falsche Tragezeiten oder unzureichende Instruktion des Patienten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Compliance, Kontaktlinsenhygiene, Drop-Out-Prävention und Patienteninstruktion definiert.
Warum ist die Kommunikation zwischen Anpasser und Träger so wichtig?
Compliance ist keine Einbahnstraße; nur durch aktives gegenseitiges Vertrauen und eine an die Lerngeschwindigkeit angepasste Instruktion durch den Fachmann ist eine langfristige Einhaltung der Hygieneregeln möglich.
Was besagt das „KISS-Prinzip“ im Kontext der Kontaktlinsenpflege?
Es steht für „Keep It Save and Simple“ und beschreibt die Anforderung an moderne Pflegesysteme, sowohl einfach in der Anwendung als auch sicher in der Desinfektionsleistung zu sein.
- Quote paper
- Sibylle Scholtz (Author), 2000, Compliance in der optometrischen Praxis - Sind hier Kontaktlinsenträger und Kontaktlinsenspezialisten gefragt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30665