Die medizinische Versorgung eines römischen Legionärs


Facharbeit (Schule), 2011

23 Seiten, Note: 14


Leseprobe

Gliederung

A) Große Medici

B) Medizinische Versorgung eines Legionärs
I.) Verschiedene Ärzte in einem Lager und deren Ausbildung
1.) Medizinalpersonal
2.) Ausbildung
II.) Medizinische Versorgung
1.) Typische Verletzungen und Verluste
2.) Instrumentarium
a.) Herstellung und Material
3.) Wundtherapie
4.) Prothesen
5.) Naturheilmittel
6.) Balneum
7.) Valetudinarium
III.) Schlussbetrachtung

C) Abbildungsverzeichnis

D) Quellenverzeichnis

A) Große Medici

460 v.Chr. wurde Hippokrates von Kos geboren. Damals ahnte noch niemand welche Bedeutung die Entdeckungen dieses Griechen noch gut 2300 Jahre nach seinem Tod hatten. Er hatte die Medizin wesentlich geprägt[1]. Denn zum einen galt er nicht nur als „ Begründer der Medizin als Wissenschaft[2], sondern gründete zudem noch eine Ärzteschule, welche sich anschließend immer weiter in diverse Strömungen aufspalteten[3] und dann auch in das römische Reich vordrangen[4].

Jedoch waren die Römer sehr skeptisch, denn nachdem sie durch die schmerzhaften Methoden des Archagathos verschreckt worden waren[5], vertrauten sie den eingewanderten Ärzten aus Griechenland nicht mehr[6]. Sie befürchteten, dass die Griechen sie ausrotten wollen[7].

Erst als Asklepiades von Prusa (124 – 60 v.Chr.)[8], ein äußerst begabter, griechischer Arzt, nach Rom kam und durch seine speziell auf die römischen Bürger abgestimmten Behandlungsmethoden[9] die letzten Gegner überzeugen konnte, wurde die griechische Medizin richtig akzeptiert[10].

Einer, der wichtigsten Ärzte war Galen von Pergamon (129 – 199 n.Chr.), er führte all das bis dahin bekannte medizinische Wissen von den verschiedenen Ärzteschulen zusammen. Und unter anderem schrieb er die Viersäftelehre der vier Lebenselemente (Blut, Schleim, schwarze Galle, gelbe Galle) von Hippokrates auf[11].

Natürlich waren das nicht die einzigen Mediziner in der Zeit, der Römer Celsus (25 v.Chr. - 50 n.Chr.) beispielsweise beschäftigte sich überwiegend mit dem Verfassen von wissenschaftlichen Schriftstücken, so war er mehr ein Arzt der Theorie[12]. So wie Dioskurides, ein griechischer Militärarzt[13], er hielt sein Wissen über Naturheilmittel in materia medica fest[14]. Während Demokedes ein medicus war, der sehr erfolgreich praktizierte[15], er war „ der beste Arzt seiner Zeit[16].

B) Medizinische Versorgung eines Legionärs

Gewehre, wie das MG1 oder G82[17], Panzer und Hubschrauber[18], eine gesicherte, sehr gute medizinische Versorgung[19] sind für das heutige Militär selbstverständlich[20]. Die Römer waren von all dem nicht so weit entfernt wie vielleicht angenommen, sie hatten zwar keine motorisierten Kampffahrzeuge und Gewehre, aber dafür zeichneten sie sich im medizinischen Bereich durch große Fortschritte aus[21]. Sie ließen schon damals wie heute ihre verletzten Soldaten von ausgebildeten Ärzten in Lazaretten versorgen, die Zivilbevölkerung jedoch musste die Praxis eines Medikus aufsuchen[22].

I.) Verschiedene Ärzte in einem Lager und deren Ausbildung

Die Anzahl der Ärzte in einer Legion lässt sich nicht genau festlegen. Einigen Angaben zufolge wird aber vermutet, dass ein Arzt ca. 500 Mann versorgen musste - eine Legion demnach hätte dann ungefähr 10 medici. Aber die Aufgaben, welche für die medizinische Versorgung in einem Lager anfielen, wurden aufgeteilt[23].

1.) Medizinalpersonal

Innerhalb der Legion waren der miles medicus, der medicus legionis und der medicus ordinarius legionis, vermutlich ein praktischer Arzt, tätig[24]. Es wurde angenommen, dass der miles medicus und der medicus ordinarius legionis einfache Soldaten waren. Diese Militärärzte mussten sich „ auf allen Gebieten der Behandlung von alltäglichen Krankheiten bis zu Kampfverletzungen[25] auskennen.

Weiterhin arbeitete ein Vertragsarzt im Lager, der aber, obwohl er kein Soldat war, keine munera civilia abgeben musste.

Es gab aber auch medici, die außerhalb der Legion in Städten und Dörfern lebten und dort die Verletzen versorgten, sie waren sog. zivile Notfallärzte[26].

Die capsarii (lat. capsa - Medizinalbehälter) und ihre Auszubildenden, die discentes capsariorum, waren Sanitäter[27] und Krankenpfleger[28], sie machten Balsame und „ halfen beim Anlegen von Verbänden und Schienen“ [29] .

Außerdem gab es noch die marsi, sie waren allerdings nur in Afrika, denn sie sorgten sich ausschließlich „ um Schlangen- und Skorpionbisse[30].

Neben den Ärzten gab es aber noch weiteres Personal. So waren für die Verwaltung und Instandhaltung der Lazarette der optio valetudinarii [31] und der tribuni militum verantwortlich. Ersterer leitete, die anderen kontrollierten das Krankenhaus[32]. Zusätzlich war ein librarius valetudinarii angestellt, er war der Buchführer, der die Krankenakten führte.[33]

Der praefectus castrorum [34] kümmerte sich zusammen mit den pecuarii um die Organisation und die Beschaffung für die Behandlung notwendigen Instrumente und Verbandsmaterialien. Eine weitere Aufgabe des pecuarius war u.a. die Überführung von Verwundeten [35] .

Darüber hinaus kümmerte sich ein veterinarius, ein Tierarzt um „ die Versorgung des Transportviehs[36], vor allem um die Pferde, denn diese waren als Reittiere von außerordentlicher Wichtigkeit[37].

2.) Ausbildung

Über die Ausbildung eines Arztes zur Zeit der Römer ist sehr wenig bekannt. Zuerst war es Aufgabe der Familie das medizinische Wissen weiter zu geben, denn ein vom römischen Staat unterstütztes Studium und Prüfungen gab es nicht. Somit konnte jeder, der wollte, sich als medicus ausgeben, was dazu führte, dass viele Ungebildete diesen Beruf ausübten.

Erst durch den hippokratischen Eid verbesserte sich die Situation. Man schloss sich einer der damaligen Ärzteschulen an und erlangte sein Wissen[38] durch „ praktische Erfahrungen[39], sowie durch Lesen wissenschaftlicher Arbeiten, und durch die Teilnahme an Vorlesungen von Galen und anderen angesehenen Ärzten. Die Ausbildungsdauer ist nicht genau festgelegt, vermutet wird ein Zeitraum zwischen 6 Monaten und 6 Jahren. Das bedeute auch großes Ansehen für den Medikus, denn je länger man studierte, umso besser musste man sein[40]. Nicht Rom war der Mittelpunkt, sondern Pergamon und Alexandria waren Bildungszentren. Als dann Kaiser Septimius Severus[41] die Approbation einführte, wurden die Regelungen verschärft und es mussten Prüfungen abgelegt werden, ansonsten wurde die Zulassung zur Berufsausübung als Arzt entzogen.

Das Militär verpflichtete entweder bereits ausgebildete Mediziner oder bildete ihre Soldaten selbst zum medicus aus[42], schließlich benötigte das Heer die Ärzte für die dringende medizinische Versorgung ihre Verletzen[43]. Hinzukommt, dass man sich beim Studium der Medizin im Militär das „Lehrgeld“ sparte, welches man für die Ausbildung bei einem angesehenen Medikus zahlte. Da das Heer in den verschiedensten klimatischen Gebieten stationiert war, mussten sich die Ärzte dort mit allen möglichen, alltäglichen Erkrankungen und deren Behandlungen auseinandersetzten, weil die Römer eine leistungsstarke Armee brauchten[44].

II.) Medizinische Versorgung

Hochkulturen, wie die Ägypter und Griechen waren den Römern im medizinischen Bereich ein Vorbild[45]. Trotz der großen Skepsis gegenüber der griechischen Medizin, nahmen die Römer das Wissen der Hellenen sehr gerne an, welches für die medizinische Behandlung der Legionäre notwendig war[46], denn „ gut ausgebildete Soldaten waren ein wertvolles Gut, in deren Gesundheit es sich zu investieren lohnte[47].

1.) Typische Verletzungen und Verluste

Nebenstehende Abbildung (von 1517) zeigt den „Wundenmann“, dessen Verletzungen, den der römischen Soldaten während des Krieges, bis auf die Schussverletzungen ähnelten. Aus Celsus „ de medicina “ lassen sich die wenigen Informationen über die weiteren Verwundungen, die Krankheitsbefunde und deren Behandlungsmöglichkeiten herauslesen[48].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Krause meint, dass die Rekruten vor allem durch Schwerter, Lanzen, Wurfwaffen und Pfeile an Rumpf (54%), Kopf (21%), Hals (11%) und an den oberen und unteren Extremitäten (7%) verwundet wurden, um sie möglichst schnell vom kriegerischen Geschehen auszuschließen[49]. Oft reichte dann auch ein Stoß auf Nacken oder Hinterkopf aus, um die bereits Schutzlosen zu töten[50]. Nur der Hals konnte trotz einer optimierten Rüstung nicht ausreichend bedeckt werden. Denn ihn bestmöglich zu schützen ohne die Mobilität einzuschränken, war nicht realisierbar, und so kam es häufig, wenn dieser getroffen wurde, zu Lähmungen oder der Soldat verblutete[51]. Ein weiteres, sehr großes Problem war der Wunderstarrkrampf „ nach einer offenen Verwundung oder Verletzung[52]. Gegen diese lebensbedrohliche Infektionskrankheit[53] gab es nicht viele Heilmittel, so versuchte man beispielsweise durch eine bestimmte Körperposition oder durch Wärme eine Linderung herbeizuführen. Ein Heilmittel war Opium, es entspannte die Nerven und den Patienten. Weitere Medikamente existieren nicht, zur Vorbeugung konnte lediglich die Wunde ausgebrannt werden[54].

Die Aufzeichnung über die zahlreichen Verletzungen und deren Behandlungsmethoden waren oft sehr spärlich, so waren auch die Angaben über die Verluste und Verwundeten meist fehlerhaft. Denn die Anzahl der Toten von den unterlegenen, gegnerischen Truppen wurden oft maßlos übertrieben[55], um den Sieg noch mehr hervorzuheben, diesen Zahlen schenkt man keine Aufmerksamkeit. Es gab allerdings Überlieferungen, die glaubwürdig erschienen, wie in der Schlacht zwischen Römern und den letztendlich besiegten Kelten[56].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Künzl 20

[2] Künzl 21

[3] Künzl 21

[4] http://imperiumromanum.com/kultur/medizin/medizin_entwicklung_rom_01.htm

[5] http://de.flavii.de/index.php?flavii=wissen&wissen=zivil&zivil=medizin

[6] http://geschichtsverein-koengen.de/RoemMedizin.htm

[7] http://imperiumromanum.com/kultur/medizin/medizin_entwicklung_rom_01.htm

[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Asklepiades_von_Bithynien

[9] http://www.medicus-romanus.de/Entwicklung.htm

[10] Künzl 26

[11] Künzl 21

[12] http://de.wikipedia.org/wiki/Aulus_Cornelius_Celsus

[13] Krause 91

[14] http://www.madaus.de/Dioskurides.1232.0.html

[15] http://www.gottwein.de/graeca/lex/d_all01.php#Demokedes

[16] http://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoreer

[17] http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Handwaffen_der_Bundeswehr

[18] http://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Army#Fahrzeuge

[19] http://de.wikipedia.org/wiki/Zentraler_Sanit%C3%A4tsdienst_der_Bundeswehr

[20] http://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rgeschichte

[21] Krause 109ff

[22] Chirurgische Allgemeine 390ff

[23] Krause 41ff

[24] Krause 44ff

[25] Krause 63

[26] Krause 48ff

[27] Krause 51

[28] Watermann 56

[29] Krause 51

[30] Krause 53

[31] Watermann 69

[32] Krause 43

[33] Krause 53

[34] Krause 43

[35] Krause 53

[36] Krause 49

[37] Krause 49

[38] Krause 55

[39] Krause 55

[40] Krause 55ff

[41] http://imperiumromanum.com/personen/kaiser/septimiusseverus_01.htm

[42] Krause 56ff

[43] Chirurgische Allgemeine 392

[44] Krause 57

[45] Chirurgische Allgemeine 392

[46] Aßkamp 185

[47] Chirurgische Allgemeine 392

[48] Krause 61

[49] Krause 62

[50] Junkelmann 250

[51] Krause62

[52] Watermann 187

[53] http://de.wikipedia.org/wiki/Tetanus

[54] Watermann 187ff

[55] Krause 61ff

[56] Junkelmann 249ff

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die medizinische Versorgung eines römischen Legionärs
Note
14
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V306679
ISBN (eBook)
9783668054981
ISBN (Buch)
9783668054998
Dateigröße
3103 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Latein, medizinische Versorgung, Legionär, Römer, Valetudenarium
Arbeit zitieren
Daniela Brandl (Autor), 2011, Die medizinische Versorgung eines römischen Legionärs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306679

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