Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Literature - Medieval Literature

Die zwischengeschlechtlichen Beziehungen im Werk Meinlohs von Sevelingen

„mich heizent sîne tugende, daz ich sol staeter minne pflegen“

Title: Die zwischengeschlechtlichen Beziehungen im Werk Meinlohs von Sevelingen

Master's Thesis , 2014 , 88 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Arnaud Duminil (Author)

Literature - Medieval Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Es wird durch die Heilige Schrift überliefert, dass es um Gottes guten Willen gewesen sei, dass Er den Menschen nach Seinem Bild geschaffen habe. Als aber der erste Mann sich in der Schöpfung befunden habe, habe er sich trotz der Gesellschaft der Tiere und Pflanzen einsam auf Erden gefühlt und sich einen Freund gewünscht, der ihn hätte besser verstehen können als die Tiere. Daher habe er die Gottheit darum gebeten, dass Er ihm diesen Freund schaffe. Und so, dem Genesisbericht nach (Gen 1-3), erblickte die erste Frau das Licht der Welt. Da aber Eva durch die verschwörerischen Ratschläge der argen Schlange die Sünde in den Garten Eden habe kommen lassen, seien Adam und Eva mit der Sterblichkeit bestraft worden und die Frau sei dem Mann unterworfen worden (Gen 3, 16: „aber er soll dein Herr sein“), weil nicht Adam, sondern Eva als erste gesündigt und dadurch ihren Mann verraten habe. So sollte in den urjüdischen und urchristlichen Gemeinden gerechtfertigt werden, dass der Mann die Hauptrolle zu spielen und die Frau ihm untertänig zu dienen habe, weil Er es so wolle.
Seitdem der Kaiser Theodosios I. 380 das Christentum faktisch zur Staatsreligion erhoben und dadurch die alten heidnischen Religionen des Imperiums und hiermit ihre Darstellungen der zwischengeschlechtlichen Beziehungen verteufelt wurden, hatten sich dieses Bild des Verrats der Frau und die Vorstellung ihrer Unterwürfigkeit befestigt, bis zu den meist schon (arianisch-)christlichen Völkern, die das Imperium überfielen und von da an die Geschichte der westlichen Welt bestimmten. Da aber die Christen nicht immer den Wörtern der Bibel „treufest“ gefolgt haben und die christlich geprägte Gesellschaft sich nach und nach verweltlicht hat, konnte sich die Frau verhältnismäßig emanzipieren und sozusagen ihr eigener Mann werden. Heutzutage aber ist der weibliche Mensch noch nicht durch und durch gesellschaftlich betrachtet dem männlichen gleichgestellt und es herrschen immer noch Ungleichheiten, sowohl in Bezug auf die Gesetze, als auch in den Köpfen mancher Menschen des 21. Jahrhunderts. Die Geschichte der Beziehungen zwischen Mann und Frau ist überhaupt nicht als friedlich zu kennzeichnen. Es geht hier um Konflikt, und der dualistische Antagonismus zwischen den beiden Geschlechtern prägt immer noch die heutige „aufgeklärte“ Gesellschaft, ob man will oder nicht, wie er die Gesellschaft des Mittelalters, mit der sich diese Arbeit befasst, geprägt hat. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I/ Meinloh und seine Zeit

A/ Autorschaft im Mittelalter

B/ Die ars litteraria als höfisches Medium

C/ Die Kunst der discussio

II/ Meinlohs Auffassung der „minne“

A/ Wen lieben?

B/ Die „minne“ und die Ehepraxis

C/ Die Rolle der Kirche

III/ Die „minne“ als gesellschaftliches Spiel

A/ Warum leiden?

B/ Moral und Sexualität

C/ Meinlohs Frauen und Männer

Schluss

Bibliographie

Anhänge (1-6)

Zusätzlicher Anhang

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Darstellung und Auffassung zwischengeschlechtlicher Beziehungen im Werk des Minnesängers Meinloh von Sevelingen. Ziel ist es, die soziokulturelle Einbettung der „minne“ in den höfischen Kontext des 12. Jahrhunderts zu analysieren und aufzuzeigen, wie Meinloh als Vermittler höfischer Normen und moralischer Konzepte agiert.

  • Die literarische und historische Einordnung des Minnesangs im 12. Jahrhundert.
  • Die Funktion der „minne“ als gesellschaftliches Spiel und Instrument der Standesrepräsentation.
  • Die Rolle der Kirche und der christlichen Ethik in der Ausgestaltung der Liebesbeziehungen.
  • Das Spannungsfeld zwischen irdischer Leidenschaft, sozialem Zwang und heilsgeschichtlichem Anspruch.
  • Die Interdependenz von Mann und Frau im höfischen Gesellschaftsgefüge.

Auszug aus dem Buch

B/ Die ars litteraria als höfisches Medium

Meinloh hat die Rolle des Literaten am Hof inne: Es schickt sich jetzt zu fragen, welche Rolle es gespielt hat, Literatur zu machen, in einer Welt, die zunächst so sehr auf irdischen Machtkämpfen zu bestehen scheint. Die zwei ersten Strophen vom Lied I geben dazu gute Auskünfte:

dô ich dich loben hôrte, dô het ich dich gerne erkant.

durch dîne tugende manige fuor ich ie wallende, unz ich dich vant.

Als ich dein Lob hörte, da wollt ich dich gerne kennenlernen.

Deiner vielen Vorzüge wegen, macht ich mich auf die Fahrt, bis ich dich fand.

Das lyrische Ich erklärt hier, er sei bereit von einem Orte her zu einem anderen hinzugehen, wo es das Du gibt, bloß durch das Hörensagen der Tugenden des Du: Dies ist zunächst kennzeichnend für die hohe Mobilität der damaligen Menschen, die Freude am Zusammensein und die gesellschaftliche Rolle der Lieder.

Der Mensch, so Aristoteles, ist ein „zôon politikon“, ein geselliges Wesen, das mit anderen Menschen verkehren will, um einfach zu existieren. Dabei spielt die Sprache eine große Rolle: Sie ist identitätsstiftend und, wie oben gesagt, dient der Ausgrenzung mit denen, die der vom Ich gewählten Gruppe nicht angehören. Schmidt betont zu Recht: „Je größer und je differenzierter diese Gruppen werden, umso notwendiger wird die menschliche Kommunikation.“ Hier gilt es sich durch die Sprache gegenüber den anderen gesellschaftlichen Gruppen, etwa denjenigen der als niedrig Angesehenen aller Art, zu behaupten, zu zeigen, dass man „dazugehört“. Es geht hier um ein bestimmtes Zusammenleben, das zuerst auf Schein fußt, auf Hörensagen, auf Ansehen und Machteinflüsse, und dies geschieht teilweise durch die Lyrik, die vor allem Unterhaltungskunst, aber auch Teil des gesellschaftlichen Diskurses ist.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen und religiösen Kontext der Geschlechterrollen im 12. Jahrhundert und motiviert die Untersuchung von Meinloh von Sevelingen als Schlüsselautor einer literarischen Epoche.

I/ Meinloh und seine Zeit: Dieses Kapitel verortet Meinloh in seinem soziokulturellen Umfeld und beleuchtet die Rolle des Literaten als Teil eines ritterlich-ständischen Kollektivs.

II/ Meinlohs Auffassung der „minne“: Hier wird der Minnebegriff des Dichters im Kontext von Ehepraxis und kirchlichem Einfluss kritisch hinterfragt.

III/ Die „minne“ als gesellschaftliches Spiel: Der Hauptteil analysiert das Minnegeschehen als soziales und moralisches Spiel, das sowohl durch gesellschaftliche Zwänge als auch durch individuelle Strebungen geprägt ist.

Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Rolle des Minnesangs als moralisch-didaktisches Medium der höfischen Welt.

Schlüsselwörter

Minnesang, Meinloh von Sevelingen, minne, höfische Gesellschaft, ars litteraria, Sozialgeschichte, Mittelalter, Geschlechterbeziehungen, ritterliche Ethik, Codex Manesse, Literatursoziologie, Liebe, Identität, höfische Kultur, moralische Didaktik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung zwischengeschlechtlicher Beziehungen im Werk von Meinloh von Sevelingen und bettet diese in den soziokulturellen Rahmen des 12. Jahrhunderts ein.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Rolle der Minne, das höfische Gesellschaftsleben, die Schnittstellen zwischen mittelalterlicher Moral, Sexualität und der religiösen Prägung der Zeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist die Definition von Meinlohs Minneauffassung und die Untersuchung der Frage, wie diese in den gesellschaftlichen Kontext von Macht, Stand und Literaturproduktion integriert war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der literaturwissenschaftliche Textanalyse mit historischen, soziologischen und mediävistischen kulturgeschichtlichen Methoden verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Praxis der Minne, ihre Funktion als gesellschaftliches Spiel, die Rolle der Kirche und der Moral sowie die Konstruktion von Identität durch Sprache und Literatur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Minnesang, minne, höfische Gesellschaft, Sozialgeschichte des Mittelalters, ritterliche Ethik und die literarische Vermittlung gesellschaftlicher Normen.

Wie bewertet der Autor die Rolle des „merkaere“ bei Meinloh?

Die „merkaere“ werden nicht nur als reine Sittenwächter verstanden, sondern als künstliche Schöpfungen, die den nötigen sozialen Druck erzeugen, um das Minnespiel als gesellschaftliches Phänomen zu legitimieren.

Welchen Stellenwert hat der „habitus“ in der Analyse der Minne?

Der Begriff des „habitus“ dient dazu, die sozialen Gewohnheiten und das kollektive Auftreten des Adels zu beschreiben, in dem sich die Minne als Ausdruck ritterlicher Existenz entfaltet.

Excerpt out of 88 pages  - scroll top

Details

Title
Die zwischengeschlechtlichen Beziehungen im Werk Meinlohs von Sevelingen
Subtitle
„mich heizent sîne tugende, daz ich sol staeter minne pflegen“
College
University of Picardie Jules Verne  (Germanistisches Institut)
Course
Frau Dr. Winter-Masse
Grade
1,0
Author
Arnaud Duminil (Author)
Publication Year
2014
Pages
88
Catalog Number
V306810
ISBN (eBook)
9783668046153
ISBN (Book)
9783668046160
Language
German
Tags
Meinloh Gender Literatur Mittelalter Schwaben Ulm Sevelingen minne Liebe Kirche Kyburg Konstanz Dillingen Gesellschaft Mittelhochdeutsch discussio Ministerialen Manesse Weingartner Bumke Huizinga Frauendienst Duby Pörnbacher Minnesang Capellanus Lachmann Chinca Rössler Helmkamp Hensel Ittenbach Karnein Kropik Sprague Taiana Kasten Schweikle Rüdiger Schnell schwäbisch Augustinus Bennewitz Classen Bibel Gimpel Frappier
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Arnaud Duminil (Author), 2014, Die zwischengeschlechtlichen Beziehungen im Werk Meinlohs von Sevelingen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306810
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  88  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint