Eine ostdeutsche Familiengeschichte. 'Widerstand' und 'Anpassung' in "Haltet euer Herz bereit!" von Maxim Leo


Seminararbeit, 2014

34 Seiten, Note: 1,7


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I/ Gerhard – Werner
1/ Widerstand gegen unterschiedliche Formen der Gleichschaltung
2/ Selbstgleichschaltung

II/ Anne und Wolf
1/ Zeichen der Resignation beim Ehepaar
2/ Getrennter Widerstand?

III/ Maxim: ein Autor des Paradoxes?
1/ 1970-1989: Maxim als DDR-Junge
2/ 2/ 2007-2008: Maxim als « Familienforscher »

Schluss

Bibliographie

Anhang

Einleitung

Die Themen „Widerstand“ und „Anpassung“ zu untersuchen, erfordert, dass der soziologisch-historische Kontext, der diese gesellschaftlichen und individuellen Phänomene prägt, so gut wie möglich vergegenwärtigt wird. Dieses behandelt das Buch Haltet euer Herz bereit. Eine ostdeutsche Familiengeschichte [1], mit welchem sich diese Arbeit vorzüglich auseinandersetzt und dessen Untertitel aber zu kritisieren wäre: Maxim Leo (*1970) ist zwar Journalist, d.h. er soll schon über sachliche historische Kenntnisse verfügen, aber er ist kein Historiker und, wie er es selber immer wieder einräumt, er kann nicht immer der objektive „ Familienforscher[2] bleiben, der er als Journalist gerne sein würde. Daher ist diese private „Familiengeschichte“ auch als „Geschichtsschreibung“ zu betrachten, und dabei ist nicht zu vergessen, dass Maxim Leo in der DDR geboren ist: es handelt sich hier um einen subjektiven Beitrag zur „DDR-Forschung“. Die vorliegende Arbeit wird sich angesichts der Wahl des Hauptdokuments auf die Themen „Widerstand“ und „Anpassung“, wie sie in der DDR und dann von den „wiedervereinigten Ostdeutschen“ verstanden werden, konzentrieren. Es ist also umgehend zu fragen, was der Begriff „Widerstand“ in der DDR bedeutet haben konnte. Der französische Historiker Gilbert Merlio, ein Sachverständiger für die Fragen „Widerstand“ und „diachronischen Diktaturvergleich“, stützt sich auf folgende Definition aus dem 1963 in der DDR erschienenen Sachwörterbuch der Geschichte Deutschlands und der Arbeiterbewegung: Widerstand hieße „ Mouvement de lutte contre le régime hitlérien et pour la chute de la dictature fasciste, dont les membres proviennent de presque tous les milieux et de toutes les classes du peuple allemand, et surtout de la classe ouvrière.[3] Dies ist also eine staatsoffizielle Definition zum Begriff „Widerstand“, das also vor der Zeit der Ostpolitik Willy Brandts entstanden ist. Nach dieser Definition ist klar, dass die DDR-Geschichtsschreibung beansprucht, alle Bewegungen, die gegen Hitler Widerstand geleistet haben, in Betracht zu ziehen, es seien kommunistische Gruppen oder bürgerliche Bewegungen aus ganz Deutschland gewesen. Es ist dementsprechend nicht zu vergessen, dass die Geschichtsschreibung als propagandistisches Mittel dem Regime dazu verhalf, sich selbst der BRD gegenüber zu legitimieren, indem in Anspruch genommen wurde, das Erbe des Widerstands gegen den Nationalsozialismus zu tragen und die staatliche Realisierung der Idealen jener Widerstandsbewegungen zu sein[4]. Jedoch hat die DDR selber diktatorische Elemente eingesetzt (z. B. eine geheime Repressionspolizei, die sog. Staatssicherheit), und DDR-Bürger haben gegen das DDR-Regime Widerstand geleistet. Die Widerstandshistorikerin Hélène Camarade erklärt diese Tatsache wie folglich: „ L’héritage des résistants de 1933-45 se transmet essentiellement sous la forme d’un sentiment de responsabilité qui pousse les résistants de RDA à ne pas s’exposer aux reproches de passivité que l’on adresse désormais à leurs aînés pour la période national-socialiste.[5] Dieses Verantwortungsgefühl wird demgemäß von zwei Kontrahenten gleichzeitig beansprucht: vom Regime und von dessen Gegnern. Die Widerstandskämpfer gegen den Nazismus, die den Aufbau der DDR ermöglicht haben, durften nicht verraten werden, und dabei sollte gegen die DDR selber gekämpft werden. Es ist eben dieses Paradox, das Maxim Leo in seiner „ostdeutschen Familiengeschichte“ kraft Alltags- und Heldentatenerzählungen veranschaulicht. Sein Buch ermöglicht die Geschichte der DDR samt all den Spannungsverhältnissen vor dem Zweiten Weltkrieg, während des Kalten Krieges und nach der „Wiedervereinigung“ durch die Erzählung des Lebens von drei verschiedenen Generationen zweier Familien, die in Maxim Leo ihren Berührungspunkt finden, in Betracht zu ziehen: die erste Generation bilden Gerhard Leo und Werner, die beiden Großväter des Autors, nebst ihren Vorfahren; die zweite besteht aus den Eltern des Autors, Anne Leo und Wolf; die dritte vertritt Maxim Leo selber. „ On ne pense jamais que ce sont les passions des pères qui le plus souvent les séparent de leurs fils “, schrieb François Mauriac[6], was genau Maxim Leo thematisiert, indem er auch das Spannungsfeld „DDR“ einbezieht: „ Unsere Familie war wie eine kleine DDR. Hier fanden die Kämpfe statt, die sonst nicht stattfinden durften. Hier traf die Ideologie auf das Leben “ (S. 9). Durch diese historisch-psychologische Arbeit an seiner eigenen Familie deckt Leo auf, dass das Generationelle immer den Hauptgrund dafür darstellt, dass die Söhne nur sein können, was sie von ihren Vätern erben, wie es der Résistant Gerhard 1943 in Frankreich erklärt erhält: „ Eugen lächelt Gerhard an und sagt, dass er jetzt vielleicht auch auf so einem Lastwagen sitzen würde, wenn er zufällig einen anderen Vater gehabt hätte “ (S. 103).

Hiermit ist noch zu erklären, dass so eine Familiengeschichte Sache der Erinnerung ist. Gilbert Merlio erklärt, dass es eine „Konkurrenz der Erinnerungen“[7] gäbe zwischen der offiziellen und der persönlichen Erinnerung. Es wurde in der DDR beansprucht, der Bruch mit dem vergangenen deutschen Staat „Drittes Reich“ sei vollständig geführt worden. Gilbert Merlio erklärt, dass dabei die DDR die Schuld am Dritten Reiche eher universell gemacht hätte, indem der Nazismus als Faschismus betrachtet würde, die speziellen Eigenschaften des Nazismus (etwa staatlich sozialer Darwinismus und revolutionäre Staatsführung) seien dabei durch und durch ignoriert worden. Merlio zitiert mithin den bulgarischen Revolutionärer Georgi Dimitrow (der als „Beispiel“ in der DDR-Geschichtsschreibung fungiert hat), der gesagt hätte: „ Le fascisme est la forme politique d’un capitalisme monopolitstique aux abois essayant de contenir par la dictature une révolution prolétarienne imminente.[8] Angesichts dessen käme die DDR daher als staatliche Vollziehung des sog. „Klassenkampfes“ innerhalb der deutschen Gesellschaft. Dennoch hat es nicht nur Bruch gegeben, sondern auch Kontinuität, wie darauf die Historikerin Sonia Combe hinweist: „ Il y avait certes eu rupture, mais aussi continuité, continuité dans le respect des autorités.[9] Dies gilt meiner Meinung nach auch für die BRD, und die Bewältigung der NS-Vergangenheit ist hinsichtlich solchen Betrachtungen stark von der Politik beider Staaten beeinflusst worden.

Dabei werden die Widerständler als „Patrioten“ inszeniert: die sog. „deutsche Frage“ ist also auch zu berücksichtigen. Der Kontext ist dermaßen wichtig, dass für die Deutschen die Spaltung Deutschlands unzumutbar gewesen wäre, wenn das sowjetische Lager nicht gestürzt worden wäre. Hier ist interessant auf den DDR-Nationalismus, der vor der Unterzeichnung des Grundlagenvertrages herrschte, zu verweisen. Walter Ulbricht (1893-1973), das Prototyp des Moskauer Hampelmanns, erklärte Folgendes 1969 anlässlich des Erlasses einer neuen Verfassung für die DDR, als die Debatte um die Notstandsgesetze die Frage der Aufarbeitung der Vergangenheit in der BRD entflammte: „ Die Nationale Frage in Deutschland ist eine Klassenfrage [ …] sie ist eine Frage vom Sozialismus […] oder […] Nazismus, das heißt Krieg.“[10] Beide Staaten hatten sich noch nicht gegenseitlich anerkannt, beide warfen aufeinander die Schuld der Spaltung: „ Wer Deutschland gespaltet hat, das ist geschichtlich bewiesen[11], erklärte der Möchtegernhistoriker Ulbricht, der 1959 am Internationalen Kongress der Historiker in Stockholm teilgenommen hatte[12]. Ulbricht war ein überzeugter Marxist-Leninist, also verstand er sich als Wissenschaftler, als Historiker und wenn er beteuert, dass die DDR das Land der „Freiheit“ sei, ist der Hegelianismus, von dem seine Worte zeugen, unübersehbar: „ Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit “, sagte Hegel[13] und jene „Freiheit“, der sich die DDR-Mächtigen bemächtigt hatten, ist einerseits nur eine von der Schutzmacht UdSSR erlaubte, und andererseits hängt sie davon ab, dass die DDR sich von der BRD abzugrenzen gebraucht hätte, damit die DDR-Bürger an die DDR glauben konnten als einzig gerechtfertigtes Deutschland. In der BRD hat es „Wiederaufbau“ geheißen, doch in der DDR: „Neuanfang“. Die DDR ist also als damals ganz neues Land zu betrachten, das vorgab, mit der deutschen Vergangenheit abgebrochen zu haben.

Kraft solcher historischen Betrachtungen wird sich nun diese Arbeit auf Maxim Leos Buch konzentrieren. Es gehört zur Literatur der Nachmauerzeit (2009 veröffentlicht), jedoch dient es meiner Meinung nach als Erbe der ostdeutschen literarischen Tradition den gleichen Zielen als damals die Werke Christa Wolfs oder Franz Fühmanns: Literatur als „wahre“, immerhin subjektive Erinnerung, als sich rechtfertigende Quelle des kollektiven Gedächtnisses eines Volkes, das an sich nicht mehr glauben konnte angesichts der NS-Verbrechen und der damaligen flauen Konjunktur. Sonia Combe, Expertin für Osteuropa vor und nach dem Eisernen Vorhang, zitiert den Literaten Stephan Hermlin, der 1983 Stellung zum Bewältigungsprozess in der DDR genommen habe: „ Beaucoup de nos camarades disent avec une certaine auto-satisfaction: „Nous avons surmonté le passé. Pas les autres [Allemands de l’Ouest]“. Personne n’a le droit de dire ça.[14] Während Merlio und Camarade 2010 schreiben, stammt der Artikel von Combe aus dem Jahre 1987. Hochinteressant ist er also, denn er beschreibt noch die Stimmung, die in der DDR vor dem Mauerfall herrschte, als es noch möglich war, an die DDR zu glauben. Sie erklärt, dass die negativ emotionelle Erinnerung an 1945 später aufgearbeitet worden ist als in der BRD, wo es schwieriger war zu behaupten, man hätte mit dem Nazismus ganz abgebrochen. Während die Unterwerfung zur UdSSR als kollektiven „Persilschein“ fungiert haben sollte, hätte die westliche Entnazifizierung dermaßen versagt, dass es ein gefundenes Fressen für die DDR-Funktionäre bildete. Dennoch käme die Unterzeichnung des Grundlagenvertrages vor als konform mit der DDR-Vergangenheitspolitik, wie Sonia Combe es betont: „[le traité fondamental] est un exemple historique dont la RDA a besoin aujourd’hui pour alimenter se thèse de ‚coalition de la raison‘ entre tous les hommes de bonne volonté, de ‚responsabilité commune‘ des deux États allemands.[15] Und darum kommt Maxim Leos Buch noch interessanter daher, denn es liefert eine Bearbeitung der kontextbedingten Begriffe „Widerstand“ und „Anpassung“ ganz nah am konkreten Leben der DDR-Bürger.

Ziel dieser Arbeit ist zu untersuchen, inwiefern sich voneinander die Begriffe „Widerstand“ und „Anpassung“ in Maxim Leos Familiengeschichte im Hinblick auf die vorigen Betrachtungen unterscheiden. Die Figuren, die im Buch vorkommen, sind wahre Leute gewesen, die an wahren Geschehnissen teilgehabt haben, die aber in der DDR gelebt haben, d.h. in einer kollektivierten Gesellschaft, wie das Dritte Reich es auch war. Da es wahre Leute vorkommen, kommen auch ihre Erinnerungen mit, die als „alternativ“ zu bezeichnen sind, denn sie sind subjektiv. Es bedeutet also, dass von Bürgern in einer Diktatur des Kollektivismus‘ die Rede sein wird. Infolgedessen will ich noch einmal auf Hélène Camarade verweisen:[16]

Der zentralen Fragestellung dieser Arbeit ist also hinzuzufügen, inwiefern die Mitglieder der drei dargestellten Generationen als Individuum dargestellt werden und in welchem Maße sie sich am Kollektiv anpassen. Daher lässt sich diese Frage nur generationenbedingt erörtern. Zuerst wird also auf die erste Generation (Gerhard und Werner) eingegangen, anschließend werden Anne und Wolf die zweite Generation vertreten. Diese beiden Generationen bilden die „Vätergeneration“, die Vorfahren des Autors. Es ist zu bemerken, dass die Großmütter kaum eine Rolle zu spielen schienen, angeblich sind sie den Geschehnissen gegenüber eher passiv gewesen, während eine andere Frau, Anne, sehr aktiv war im Staate, in dem sie geboren ist. Dies ist unübersehbar und wird vor allem im dritten Teil thematisiert, indem auf Maxim Leo beschränkt wird.

I/ Gerhard – Werner

1/ Widerstand gegen unterschiedliche Formen der Gleichschaltung

Wenn man von den Verbrechen der Nationalsozialisten gegen die Menschlichkeit sprechen will, fallen einem zunächst hinsichtlich ihrer ungeheuerlichen Ausmaße und ihres industriellen Charakters die Verbrechen gegen die Juden ein. Auch haben sich viele Deutschen, mitsamt denjenigen, die einst linientreu gewesen waren, dessen geschämt wie der alte Berliner, welcher in Annes Erinnerungen vorkommt: „ Der Mann ist sehr erregt und beteuert, wie leid es ihm getan habe, „dass eure Kaufhäuser in Flammen standen“ […] „ natürlich habt ihr alle Kaufhäuser besessen“. “ (S. 26) Durch diesen Kommentar gibt der Mann preis, dass er noch tief von den Vorurteilen, die das Naziregime überbrauchte, beeinflusst ist, was er sogar nach der öffentlichen Bekanntmachung der Naziverbrechen nicht aufgibt, er verstärkt sogar diese Vorurteile, indem er wiederum verallgemeinert, was Gerhard der Anne folglich erklärt: „ Weil wir Juden sind, denkt er offenbar, wir hätten auch Kaufhäuser besessen“, sagt Gerhard. Anne weiß nicht, was es bedeutet, Jude zu sein “ (S. 27). Dies hat seinen Grund: Gerhard stammt aus einer akkulturierten jüdischen Familie, deren Haupt, Gerhards Vater Wilhelm, „ die Spuren der jüdischen Herkunft zu tilgen “ (S. 77) versucht haben soll. Jener Vater, seinem Willen zur Akkulturation zum Trotz, wurde von den Nationalsozialisten verfolgt, zumal er als Anwalt den aufkommenden Goebbels erniedrigt hatte, indem er leicht habe beweisen können, dass Goebbels einen Klumpfuß hatte nicht von wegen Foltern während der Franzosenzeit nach dem ersten Weltkriege. Kurz nach der Machtergreifung Hitlers (S. 80) rächt sich Goebbels an Werner, was dazu geführt hat, dass die Familie nach Paris umgesiedelt ist, wo Gerhard den Sohn des KPD-Spanienkämpfers Hans Beimler (†1936) und den marxistischen Journalisten Egon Erwin Kisch (†1948) kennenlernt. Gerhard wird von den Heldentaten des einen und der Weltanschauung des anderen dermaßen beeinflusst, dass er beschließt, Kommunist zu werden. Gerhards Vater rät aber ihm davon ab, und offenbart ihm, dass er dem nachmaligen Lenin in der Schweiz begegnet sei: „ Lenin erklärte dem deutschen Bürgersohn damals geduldig die Politik der Bolschewiki, die den Terror gegen das zaristische Regime als legitim betrachtete, weil auch die Herrschenden terroristische Methoden verwandten “ (S. 93). Es sind all diese Pariser Erlebnisse, d.h. der Einfluss der „Väter“ (Werner, Kisch, indirekt Beimler), die Gerhard dazu veranlasst haben, „ jetzt unbedingt Revolutionärer werden [zu wollen]“ (S. 95). Der Résistance beizutreten, ist also für Werners Sohn keine Zwangsentscheidung gewesen, obwohl Gerhard sich von der französischen Regierung, der Vertreterin der „ neu [en] Heimat, des „ Land [es] der Demokratie und der Menschenrechte “ verraten fühlte. Die Geschichte von Gerhard als Widerstandkämpfer ist ein Schlüsselmoment in Maxim Leos Familiengeschichte. Sie kommt irgendwie immer vor, umfasst allein fünf Kapitel (S. 85-129), d.h. ein Fünftel des Buches. Durch diese Geschichtserzählung offenbart sich Gerhards künftige Wahl, in die DDR zu ziehen und sich dem Regime hinzugeben, als eine patriotische Tat. Maxim Leo erzählt von seinem Großvater, dass er während der Résistancezeit anderen Deutschen begegnet ist: „ Zum ersten Mal sieht Gerhard besiegte deutsche Soldaten “ (S. 130). Eine solche Begebenheit soll auf Gerhard wie eine Entfremdung ausgewirkt haben, nicht weil er sich im fremden Lande befand, sondern weil er sich nun stärker mit einem französischen Genossen verbunden gefühlt haben müsste als mit einem seiner Landleute. Daraus schließt der Enkel Folgendes:

„Eines aber bleibt an ihm kleben: dieses Gefühl, eigentlich nirgendwo zu Hause zu sein. Ich glaube, dieses Gefühl hat Gerhard noch lange mit sich herumgetragen. Es war vielleicht sogar der wichtigste Grund für ihn, später in die DDR zu gehen. In dieses Land, in dem so viele Heimatlose nach einem neuen Anfang suchten.“ (S. 98)

Die Partei ist sogar nun mehr geworden als die Heimat je gewesen ist: „ Er will jetzt voll und ganz zu denen gehören, die ihn gerettet haben, die mit ihm zusammen gegen die Faschisten kämpfen. Dieser Tag der Befreiung muss für Gerhard wie eine zweite Geburt gewesen sein […] Er wird dieser Partei sein geschenktes Leben widmen “ (S. 128). Die Ideologie hat das Nationalgefühl überwunden, indem Gerhard Leo seine Landsleute für die „gerechte Sache“ an der Seite ausländischer Kräfte bekämpft hat. Maxim Leo aber stellt dazu eine heikle Frage:

„Als was mag sich Gerhard selbst damals gefühlt haben? Als Deutscher? Als Franzose? […] „Wie soll ich ihm klarmachen, dass es auch dort, wo ich herkomme, anständige Menschen gibt?“, fragt sich Gerhard. Es klingt eher so, als habe er selbst Probleme damit, daran zu glauben.“ (S. 131)

Diese Frage wird in der Tat Gerhard nach dem Krieg in der DDR weiterhin plagen.

Es ist nicht zu vergessen, dass Gerhard Historiker seines eigenen Lebens gewesen ist. 1988 veröffentlichte er seine Erinnerung an die Zeit in der Résistance: Frühzug nach Toulouse. Ein Deutscher in der französischen Résistance 1942–1944, das Maxim jedoch früher gelesen haben will. Der Autor wurde also von so einem Werk beeinflusst, von dieser „ostdeutschen Geschichtschreibung“, die immerhin vom Regime gebilligt wurde, dahingehend ist diese Geschichtsschreibung nicht im Widerspruch gestanden zu dem, was eingangs über die Erinnerungspolitik der DDR erläutert wurde, wie es Maxim Leo selber bestätigt:

„Einige Passagen aber sind verschwunden. Vor allem die, in denen es um das Verhältnis der deutschen Kommunisten und Sozialdemokraten in Frankreich ging. Gerhard beschreibt eine herzliche Zusammenarbeit, aber das passte wohl später nicht mehr in das Geschichtsbild der Ost-Berliner-Genossen.“ (S. 83)

In diesem familieneigenen Geschichtsbild beschreibt Gerhard seine Ankunft im Kommunismus, im DDR-Regime, das sich auf den Antifaschismus beruft: „ Seitdem ich als Kind gesehen habe, wie mein Vater von SA-Leuten misshandelt wurde, bilden die Grausamkeit des Regimes, seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit, meine Hauptmotivation für den antifaschistischen Widerstand “ (S. 83). Es entspricht durch und durch der offiziellen Rede des Regimes, vertreten durch seine wichtigsten Fachkräfte, die Historiker, wie den ehemaligen Widerstandskämpfer Walter Bartel (1904-1992), der 1960 folgendes erklärte, wie Gilbert Merlio angibt:

„Die Jugend empfindet mit wachem Geist und starkem Gefühl, dass diese ehemalige Häftlinge der Konzentrationslager, die Partisanen, die Internationalen Brigaden Menschen sind, die Leben und Freiheit gaben für das Zusammenleben der Völker, für die Verständigung der Nationen, für die hehren Ideen des proletarischen Internationalismus und der Humanität.“ 17

Es ist jedoch anzunehmen, dass derartige Worte aus Überzeugung ausgesprochen wurden, vermutlich haben Menschen wie Bartel an die DDR geglaubt als Realisierung der Werte, für welche sie als Widerständler gegen den Nationalsozialismus gekämpft haben wollen. 1987 unternimmt Gerhard eine Reise nach Frankreich und nimmt seinen Enkel mit, welcher später den wahren Sinn dieser Reise verstehen sollte:

„Erst heute ist mir klar, dass diese Reise eine historische Spurensuche war. Dass es nicht um den Westen ging, sondern um Gerhards Geschichte […] Als wir später in Frankreich ankommen, wird Gerhard ein anderer Mensch […] heute glaube ich, dass er sich in Frankreich wirklich zu Hause gefühlt habe.“ (S. 229-230)

Einer solchen Befindlichkeit liegt meiner Meinung nach eine einzige Ursache vor: Gerhards Vermächtnis in Frankreich ist stets lebendig bewahrt worden, was aber in der DDR nicht geschehen konnte, denn dieser Kampf wurde nicht in der DDR geliefert. Der Widerstand, dem das DDR-Regime zu huldigen vorgegeben hat, ist kein deutscher Widerstand, sondern ein außernationaler Widerstand, der seinen Rahmen nicht in der DDR finden konnte, sondern nur in einem persönlichen Engagement, das dennoch von der Wiege an zum Tode verurteilt wurde. Denn einen Bruch mit dem nationalsozialistischen Regime hat es, wie eingangs gesagt, nicht vollständig gegeben, wie Maxim Leo es erzählt:

„Es war sicherlich kein Zufall […] dass er immer rauswollte. Auch wenn er sich eingeredet hatte, dieser ostdeutsche Staat sei antifaschistisch und historisch überlegen, wusste er doch, dass auch in der DDR Deutsche lebten, die Hitler zugejubelt hatten. Und kam ihm die Uniformierung des Denkens, die es in der DDR gab, nicht irgendwie bekannt vor? War es ihm nicht unheimlich, wenn die FDJ mit Fackeln die Stalinallee lang marschierte?“ (S. 230)

Die DDR strebte Anerkennung und Rechtfertigung an: einerseits Rechtfertigung ihrer eigenen Schreckensherrschaft, andererseits Anerkennung ihres bloßen Daseins. Klar ist es, dass für Gerhard mit der sog. „Wiedervereinigung“ viel verstorben ist: „ Seine kleine, antifaschistische DDR war für immer verloren “ (S. 271). Obzwar er „ immer rauswollte “ (S. 230), es war ihm wichtig, dass es die DDR gab, was nun genauer untersucht wird, zunächst durch den Lebenslauf von Maxim Leos anderem Großvater: Werner.

2/ Selbstgleichschaltung

Wie eingangs erklärt, wird in der DDR Widerstand vor allem als Widerstand der Arbeiterschicht betrachtet. Dazu ist Gilbert Merlio folgender Ansicht: „ Il faut que vive le mythe de le révolution prolétarienne […] c’est à peine si l’on s’interroge sur l’aveuglement des nombreux travailleurs qui ont rejoint le NSDAP.[18] Dies verbildlicht genau Werners Vergangenheit als Arbeiter. Maxim Leo setzt sich damit auseinander und hat sich mit den Erinnerungsstücken seines Großvaters befasst, zuerst mit den Photoalben, von dem er sagt: „ In diesen Fotoalben erscheint das „Dritte Reich“ wie ein heiterer Urlaubstraum “ (S. 138). Es erscheint sogar als heile Welt der Arbeiter, wo „ auf einmal […] alles möglich zu sein [scheint]“ (S. 148), bei welcher es herauskommt, „ dass auf einmal auch Arbeiterkinder eine Chance haben “ (S. 148), wie Werner geschrieben haben soll. Von dieser Feststellung ausgehend ist verständlich, dass der Arbeiter Werner habe sich verführen lassen können, ohne anfangs vom Nazismus an sich begeistert gewesen zu sein. Er notierte nach der Machtergreifung Folgendes in seines Tagesbuch: „ So sehr die Arbeiter auch über Hitler fluchen, er schafft Arbeit […] die Ansichten und politischen Meinungen wandeln sich bei vielen “ (S. 144), was in der Tat so geschehen ist. Das Mythos der widerstandsleistenden Arbeiter ist ein Riese mit Füßen aus Ton, es ist nur Sache der Propaganda und der Anpassung: der Selbstüberzeugung und der Selbstgleichschaltung. Werner ist eigentlich kein Mittäter gewesen, sondern ein derartiger Mitläufer, dass er sich selbst verblendet hat, was Sigrid folgendermaßen herausstellt: „ Wenn Werner von etwas überzeugt gewesen sei, dann hätte er immer auch alle andern überzeugen wollen […] „Nazismus ist Edelkommunismus“, hat er immer wieder gesagt “ (S. 146). Er war in der Tat so sehr im System verwickelt, dass er darauf gedrängt hätte, eine Hakenkreuzfahne bei Fritz, dem Vater von Sigrid (siehe Anhang I) aufzuhängen. Und später wird er dasselbe tun, jedoch diesmal mit einer roten Fahne.

Werners Enkel weist auf Folgendes hin: „ Werner ist nicht der Typ, der irgendwelche Sachen erfindet. Aber störende Dinge vergessen, das kann er wohl ganz gut “ (S. 149). Hauptquelle für Maxim Leo ist nicht Werners wackelndes Gedächtnis, sondern ein von ihm verfasstes Buch „ für die Nachwelt “ (S. 140), also auch eine Geschichtsschreibung: wie Gerhard erzählt sich selber Werner, er leistet eine subjektive und selektive Aufarbeitung seiner Vergangenheit zwecks einer Selbstvorstellung, die ihn darstellt als Widerständler. In seinem Ersuch an die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, in jene Partei eingenommen zu werden, erklärt er: „ Ich leistete passiven Widerstand, ohne Gegenaktion zu unterstützen “ (S. 149). Und passiver Widerstand heißt für die DDR-Funktionäre immerhin Widerstand, d.h. Vorbildlichkeit, selbst wenn Werner über die Verbrechen der Nationalsozialisten keineswegs informiert sein will, denn es interessiert die DDR nicht, mit solchem Vergangenem umzugehen. 1985 bei der Mitteldeutschen Verlag in Halle erschien, wie Sonia Combe darauf 1987 hinweist[19], ein Interviewbuch über die Vergangenheit von DDR-Bürgern, das erste dieser Art. In So war es – Lebensgeschichten 1900-1980 offenbart der Publizist Wolfgang Herzberg, wie mangelhaft die Bewältigung der NS-Vergangenheit bei etlichen seiner Landgenossen gewesen ist. Sprüche wie „ wir hatten Arbeit “ oder „ ich kann mich nicht mehr erinnern “ scheinen sogar banal gewesen zu sein, 1985 erfolgte parallelerweise die Waldheim-Affäre. Auch dass diese „ Arbeit “ der Rüstungsproduktion diente, scheint nicht die „Arbeiter“ zu betreffen. Nicht den Nazismus prangert auch der „Lehrer“ oder „Erzieher“ Werner direkt an, sondern den Faschismus, wie es offiziell hieße. Werner ist dabei als „ Prototyp des sozialistischen Bürgers “ (S. 167) zu betrachten, sodass das Wendehals-Sein nicht als Selbstverrat vorkommt, sondern als Selbstgleichschaltung. Karola, Werners Tochter aus dritter Partnerschaft, betrachtet diese Tatsache als Verdrängungskraft und betont: „ Er kann das ziemlich gut, dieses bewusste Verdrängen. Er nimmt sich vor und dann ist es irgendwann wirklich weg “ (S. 168). Maxim erklärt sogar: „ Er saugt alles wie ein Verdurstender, wie einer der dringend etwas braucht, woran er wieder glauben kann “ (S. 60). Werner könnte sich mit seiner Familie vergnügen und ein normales Leben führen, aber Werner muss per se mitmachen und will, dass alle so mitmachen wie er. Er ist ein egoistischer Mann, der seine Frau bereits vor 1945 vernachlässigte, die er aufgeben wird, um seinen Wünsche nachzugehen, ohne dabei jedwede Rücksicht auf die anderen zu nehmen. Es zählt nur, was er entschieden hat, eine andere Meinung wäre ihm nicht relevant gewesen, wie Karola selber es zugesteht: „ Man konnte sich über bestimmte Probleme in der DDR nicht mit ihm unterhalten “ (S. 168). Werner ist meines Erachtens stets derselbe gewesen, er hat sich nicht ins Naziregime eingeschaltet und dann davon ausgeschaltet, um sich wiederum ins DDR-Regime einzuschalten, er hat sich von Anfang an dem Angebotenen angepasst, wie Maxim Leo es annimmt: „ Vielleicht war Werner ein Mensch, der in so ziemlich allen Systemen und in allen Rollen gut funktioniert hätte […] Ein guter Modellbauer, ein guter Soldat, ein guter Gefangener […] Und nun eben ein guter DDR-Bürger “ (S. 168).

Es ist nun zu fragen, ob bei dem anderen Großvater desgleichen passiert. Wie vorher festgestellt, wurde Gerhards Buch zensiert. Doch Maxim Leo stellt wiederum eine heikle Frage: „ Hat er es selbst bei der Zensur abgeliefert? “ (S. 93). Dies wäre ohne Zweifel zu behaupten, denn Gerhard ist niemand anderer als ein „ Diener der Sache “ (S. 84), der stetig beteuert: „ Die Partei irrt […] sich nicht “ (S. 84). Ein gleichgeschalteter Mensch also, mit dem sich Maxim Leo nahezu wissenschaftlich befasst. Er vermutet: „ es kann sein […] dass er sich daran gewöhnt hatte, ein Denkmal zu sein “ (S. 8), denn vom Regime wurde Gerhard verehrt, er bekam den Ehrenplatz, der ihm gebührte als „Symbol des Widerstands.“ Jedenfalls und ungeachtet seiner Stolz auf seine Vergangenheit hat Gerhard viel verschwiegen: „ Er erzählt ihr [Anne] immer nur die abenteuerlichen Anekdoten, aus denen er als Sieger hervorging […] Die traurigen, die schmerzhaften Geschichten behält Gerhard für sich “ (S. 28). Meiner Meinung nach leistete er dieses Verschweigen nicht nur, um sich selbst zu schützen, sondern auch, um sich dem Regime noch näher anzupassen. Man müsse Helden darstellen, und keine Opfer, denn der Sozialismus sei stärker als Leid und Not (Cf. S. 35). Und Gerhard verwickelt sich dermaßen ins Regime, dass er darüber hinaus dazu bereit gewesen ist, Sachen zu tun, vor denen ihm graut, wie beispielsweise mit einstigen SS-Leuten zu arbeiten, nur weil die Partei es geboten hat. Gerhard soll aber ein „ Doppelleben “ (S. 170) geführt haben, wie Maxime Leo es hervorhebt: „ Offenbar kann Gerhard Arbeit und Gefühle voneinander trennen “ (S. 172), wobei der ganze Vorgang ihm „ eine beinahe unzumutbare Belastung “ (S. 172) gewesen ist. Derjenige, der dies zugestanden hätte, ist niemand als Markus Wolf (1923-2006), der Leiter der Hauptabteilung V der Staatssicherheit[20], die sich mit NS-Verbrechern und den sogenannten „Abweichlern“ beschäftigt hat[21]. Maxim Leo hat in die Stasi-Akte seines Opas eingesehen und ihm ist folgende Bemerkung in einem Schreiben Markus Wolfes über Gerhard, gegen den ein „Operativer Vorgang“ eingesetzt wurde, aufs schwerste aufgefallen: „ Auch seine jüdische Herkunft darf hier nicht unerwähnt bleiben “ (S. 174). Gewissermaßen könnte hier das Godwin-Gesetz aus dem Jahre 1994 wohl Anwendung finden, das besagt: „ Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit den Nazis oder Hitler dem Wert Eins an“. [22] Doch Markus Wolf war auch jüdischer Herkunft, dennoch ist er nicht in den Westen emigriert wie Gerhard, sondern nach Moskau wie Walter Ulbricht, und wie der letzte ist er ein stalinistischer, antisemitischer Hampelmann gewesen, nicht bloß aus Judenhass, sondern aus Misstrauen gegenüber allem, was nicht zum Weltbild passt, denn der Kommunismus ist eine freiheitsfeindliche Ideologie. Er sollte notiert haben: „ Leo war in der West-Immigration und ist Jude “ (S. 174). Gerhard wird verachtet nicht bloß als Jude, sondern als Résistancekämpfer, dem aber das Regime große Achtung zu schenken vorgibt. Wie die Spanienkämpfer (es werden im Buch Werner Schwarze, Wilhelm Zaisser, Franz Dahlem erwähnt) wird er als „Abweichler“, „Verräter“, „Renegat“ bezeichnet von einem Markus Wolf, der später neben Stefan Heym am Alexanderplatz Reden über die Freiheit und die unantastbare Würde des Menschen, sowie über die Notwendigkeit, die Stasi auszubauen, halten. Aber auch hier gibt Maxim Leo eine überzeugende Erklärung:

„Leute wie Walther Ulbricht und Markus Wolf hatten in der Sowjetunion gelernt, wie der stalinistische Terror funktionierte, wie er ein Volk gefügig und lenkbar machen konnte. Man muss sich vorstellen, wie ihnen zumute war, als sie nach dem Krieg aus Moskau in die Heimat zurückkamen. Sie haben nie vergessen, dass die Menschen, über die sie jetzt herrschten, dieselben waren, von denen sie einst aus Deutschland vertrieben worden waren. Für sie war klar, dass man dieses Volk nur mit Gewalt und schärfster Kontrolle regieren kann.“ (S. 175-176)

Es heißt also einerseits die illegale Macht zu behalten, andererseits das deutsche Volk zu zähmen, ein Volk, das von nun an nie wirklich vom Misstrauen los sein kann. Hiermit erscheint der Kampf zwischen misstrauenden, den Sozialismus verratenden, gleichschaltenden Aufsteigern, wie Werner (siehe den soziologischen Stammbaum im Anhang I), und vertrauenden, den Sozialismus aufbauenden, sich anpassenden Widerständlern, wie Gerhard, nicht mehr nur als bloße Theorie. Maxim Leo fragt: „ Hat die Stasi bewusst ein Feindbild aufgebaut, das es so gar nicht gab?[23] (S. 179). Außerdem geht Maxim Leo davon aus, dass Gerhard sich dieses Antisemitismus‘ bewusst war: „ Wahrscheinlich hat er das alles verdrängt, aber ganz vergessen hat er es sicher nicht. Ich stelle mir seine Beziehung mit der DDR zu diesem Zeitpunkt wie eine Vernunftehe vor “ (S. 231). Meiner Ansicht nach hängt diese merkwürdige Realität damit zusammen, dass Gerhard sich dermaßen angepasst hätte, dass er sich nicht mehr aus dem selbst aufgebauten Gefängnis DDR befreien könnte, ohne seiner zu verlieren. Gilbert Merlio vertritt übrigens folgende Meinung: „ Au lendemain de l’effondrement du IIIe Reich s’était établi dans les couches anti-hitlériennes de la société allemande un consensus antifasciste relativement large […] le souvenir des luttes et des souffrances communes entraînait un certain oecuménisme.[24] Der Burgfrieden aber hat sich meines Erachtens in einen Palaiskrieg verwandelt, sodass Gerhard auf jeden Fall den Kampf nur verlieren konnte: Die DDR zu reformieren, dessen war er unfähig, denn es stellte für ihn das Erbe dar, wofür er „ sein Leben riskiert “ habe (S. 47).

Gerhard und Werner haben sich offenbar selbst belogen und sich mit diesen Lebenslügen irgendwie abgefunden, indem es behauptet wurde, dass „ von nun an […] nur noch die Zukunft [zählte]“ (S. 181). Den Grund dafür gibt Gerhard selber einem westdeutschen Journalisten nach der Wende preis, wie es der Enkel erzählt:

„Hoffnung […] Das wäre wichtiger als alles andere. Seine Hoffnung habe ihn so Manches ertragen lassen, was eigentlich unerträglich war […] Gehorchen, Dinge tun, an die man gar nicht glaubt […] weil diese DDR doch das Ergebnis dieses Kampfes war, die Belohnung. Der Lebenssinn. Er konnte da nicht mehr weg, ohne sich selbst zu verlieren.“ (S. 180-181)

Behutsam hätte Gerhard selber nur das Wichtigste geäußert: „ Das war mein Land “ (S. 181). Aber das ist nur ein „ Traumland “ (S. 181) gewesen, in das sich die beiden Großväter täuschten. Doch es war wichtig, dass es einfach diese DDR gab, dass diese Zuflucht da war, wo es keinen Faschismus mehr geben konnte. Es bildet nur die längst angestrebte Heimat der Sozialisten, von Gerhards Freunden, die der umstrittenen Ehelichung von Wolf und Anne beiwohnen:

„Anne stellt ihm die Freunde ihrer Eltern vor, die Schriftsteller oder Journalisten sind, die während der Nazizeit im Exil in Frankreich, in Amerika, in Mexiko oder in Schangai gelebt haben. Wolf hört ihre Geschichten, die vom Kampf, von Flucht und Leid handeln. Es sind Menschen, wie er sie noch nie getroffen hat. Helden, Überlebende aus der großen, weiten Welt, die in der kleinen DDR ihre neue Heimat gefunden haben. Weil sie hier nicht mehr verfolgt werden, weil sie hier in Sicherheit sind.“ (S. 20-21)

Die DDR ist wohl eine Diktatur gewesen, aber eine friedenvolle Diktatur, die auch friedlich beendet hat, ohne die mancher nicht mehr leben konnte. Außer Werner, der nach der Wende „ weitergelebt [hat]. So wie er immer weitergelebt hat “ (S. 269). Gerhard aber ist sprachlos geworden, hat sich in die Vergangenheit zurückgezogen, ist einen kleinen Tod gestorben, bevor er 2008 ums Leben kommt.

II/ Anne und Wolf

1/ Zeichen der Resignation beim Ehepaar

Es lassen sich im ersten Teile zwei wichtige Sachen betrachten:

1. sowohl Werner als Gerhard passen sich nicht nur dem Kontext wegen, sondern bloß aus eigener Überzeugung an.

2. der Widerstand gegen den Nazismus und der Nichtwiderstand gegen den Kommunismus sind nur bedingt: Gerhard, weil er Sohn seines Vaters ist (er vererbt das Judentum und eine sozialismusnah liberale Veranlassung); Werner, weil er ein Sohn ohne echten Vater ist, einer, der an etwas glauben muss, um diese Leere auszugleichen.

Beide haben sich aus freien Stücken ihrem Traum hingegeben, aber ihre Umwelt haben sie auch dazu verpflichtet, zunächst sich dem Regime hinzugeben, wie es Maxim Leo folglich zum Ausdruck gibt: „ Und ihre Kinder? Die wurden hineingeworfen in das Traumland der Väter und mussten mitträumen, ob sie wollten oder nicht. Sie kannten den Gründungsdeal nicht “ (S. 181). Dieser Gründungsdeal der DDR, d.h. seiner vergessen um nicht mehr leiden zu müssen und um endlich einfach zu leben, entspricht dem ganzen Leitbild des Regimes: es ist autoritär und leidet keinen Widerspruch, keinen Widerstand, was Anne und Wolf von Anfang an dazu bestimmen wird, resignierte Menschen zu sein. Zuerst schickt es sich, auf den soziologischen Stammbaum der Familie (Anhang I) genauer einzugehen. Erwiesenermaßen kommt Anne aus einer Intellektuellenfamilie, während Wolf aus dem Arbeitermilieu stammt, was die beiden auf jeden Fall immer trennen wird, denn Wolf wird sich nie anpassen wie Anne es vollzogen hat. Er gehört der Partei nicht an, ist kritisch eingestellt, was dazu führt, dass er auf den autoritären Gerhard stets prallt, was auch Schlimmes geben kann:

„Irgendwann sagt Gerhard zu Anne gewandt:„Wenn es hart auf hart kommst, stehst du eben auf der anderen Seite der Barrikade.“ Diesen Satz habt ich später noch oft gehört, meistens von Wolf, der ihn immer und immer als Beweis dafür zitierte, dass Gerhard daran schuld ist, wenn die Familie nie wirklich zusammenwachsen konnte.“ (S. 19)

Jedoch ist diese Schuldzurückweisung zu einfach: die Elterngeneration und die Kindergeneration sind nicht zu verwechseln. Während Werner sich in der DDR einlebt, fühlt sich der verlassene Sohn Wolf fehl am Platz. „ Alles ist so fremd “ (S. 21), schließt ganz genau Maxim. Er schlussfolgert noch eine interessante Tatsache: „ Die DDR blieb das Land des Alten, der Gründerväter, und ihre Logik hatte für niemanden mehr Sinn “ (S. 182). In so einem Land gibt es also keinen legitimen Platz für Leute, die die Nazizeit nicht erlebt haben, die zum Aufbau des Sozialismus‘ nicht beigetragen haben, denn die DDR ist ein für die Ruhe der Widerständler geschaffenes Land, eine Art Altersheim. Dies erklärt, wieso die Generation von Wolf und Anne sich (offen gesagt) in eine Biedermeier-Zeit zurückgezogen hat. Das Erbe, die Verantwortung, die diese Generation der Kinder trägt, fällt zu schwer auf die Schultern, es ist eine Bürde, die man nicht los werden kann, andernfalls kommt sich man vor als Verräter, zumal der regierende Erich Honecker (1912-1994) ein ehemaliger Widerständler ist, also ein legitimer Mann: dem zu widersprechen bedeutet Verrat zu leisten. Und Anne und Wolf werden sich mit einer solchen Realität des sog. „real existierenden Sozialismus“ nie abfinden können, Maxim Leo beschreibt es sogar folgendermaßen: „ Die beiden sahen immer so aus, als wären sie gerade von irgendeiner Theaterbühne heruntergestiegen und wären nur kurz zu Besuch im richtigen Leben “ (S. 11). Und dabei hat die DDR-Welt tiefe Wurzeln in Anne und Wolf geschlagen, noch tiefer bei Wolf, von dem sein Sohn erzählt:

„Auch in meiner kleinen Familie ist der Osten immer da. Ich spüre ihn, wenn ich Wolf besuche, der jetzt ein paar Straßen entfernt in einer Dachkammer wohnt, die einmal sein Atelier war. Er ist dort hingezogen, nachdem er sich vor fünf Jahren [2002] von Anne getrennt hat, weil die bürgerliche Paarbeziehung ihm zu eng wurde. […] Er will bescheiden leben und frei sein, so wie ganz am Anfang in seinem kleinen Laden.“ (S. 16)

Diese Wohnung befindet sich am Prenzlauer Berg (Cf. S. 12), an einem Ort, wo die DDR anwesender war als woanders in der DDR, außer vielleicht in Annes Herzen. Während die Vaterlosigkeit Wolf ermöglicht, ein „ Halbstarker “ (S. 62) zu werden, wobei bei Wolf „Halb“ bedeutungsgebender ist als „stark“, leidet Anne unter der Anwesenheit eines politisch zu dringlichen Vaters, der in der ganzen DDR bewundert wird als Widerstandskämpfer und Aufbauender der DDR. Dabei ist Anne „ eben immer nur die Tochter “ (S. 37). Gerhard wirkt dermaßen auf Anne, dass sie sich in dieser ungleichen Beziehung vom kommandierenden Vater zum gehorchenden Vatermädel gefangen fühlt. Anfangs, schon von klein auf, macht Anne mit, wie folgende Stelle es ganz eindeutig beweist:

„Anne fühlt sich oft einsam, aber sie akzeptiert das alles, weil es eben nicht anders geht. Erst heute fragt sie sich, wie ihre Eltern es fertiggebracht haben, sie zwei Jahre lang allein zu lassen, nur weil die Partei beschlossen hat, dass ostdeutsche Kinder nicht in eine West-Schule gehen dürfen.“ (S. 29-30)

Sie lehnt sich nicht auf, bleibt ein gehorsames Mädel, aber dies versteckt etwas Ungeheuerliches: „ Dieser Glaube an das große Ganze, an die „Sache“, wie man bei ihr zu Hause sagt, ist ihr Trost “ (S. 35). Sie leidet, zwar immer schweigsam, aber eben wegen ihres Vaters. Es ist zu bemerken, dass die mütterliche Wärme hier kaum zu spüren ist. Nur der Vater ist da, ist das Zentrum ihres Lebens, wie später Wolf (Cf. S. 17). Auch Anne täuscht sich freiwillig in die DDR hinein, wie Maxim Leo es hervorhebt: „ Ich glaube, die Beziehung meiner Mutter zu diesem Staat war wie eine unglückliche Teenagerliebe. Sie war als junges Mädchen für die DDR entflammt und brauchte ein ganzes Leben, um wieder ihr loszukommen “ (S. 35). Der Enttäuschung wird ihr jedoch nach und nach bewusst, doch bleibt sie stets der DDR treu:

„Beim ersten richtigen Streit zwischen Anne und Wolf geht es darum, ob Menschen, die über die DDR-Grenze flüchten, Verräter sind und bestraft werden müssen. Anne findet, die Grenze müsse verteidigt werden, und wenn Grenzverletzer nicht bestraft würden, könnte man die Mauer gleich wieder einreißen.“ (S. 50)

Dies kann verständlich sein bei einem DDR-Mädel: der Kommunismus, mit dem sie vollgestopft wurde, ist der Gegenteil von Freiheit. Daher findet die Mauer seine Begründung darin, dass die Zelle des Systems, die nicht mit marschiert, nicht das Recht genießen darf, sich dem System loszureißen, wann und wie sie will. Die desfunktionierenden Zellen des Lebenskörpers DDR aber darf man los werden, wie beispielsweise Wolf Biermann, den Anne in einem Brief marxistisch, also wissenschaftlich zum Prangern stellt, wie es ihr Sohn erzählt: „ Sie kritisiert nicht, dass in der DDR ein Liedermacher nicht seine Meinung sagen darf. Das akzeptiert sie, weil sie ja auch denkt, Biermanns Meinung sei gefährlich “ (S. 49).

Wolf auch gibt sich der Resignation hin, ohne dass diese Befindlichkeit ihm bewusst wird. Obzwar er als Junge die Gelegenheit zu abhauen hat, verspielt er sie und bleibt in der DDR:

„Nur die Angst, etwas Falsches zu tun, die Mutter alleine zu lassen, die Ausbildung als Retuscheur abzubrechen. Es kann aber auch sein, dass das alles nur Vorwände waren, dass er einfach nicht wusste, was er will […] Später hat Wolf oft darüber nachgedacht, ob es der größter Fehler seines Lebens war. Er weiß es bis heute nicht.“ (S. 52)

Er wusste dies einfach nicht, denn er war im System bereits verwickelt. Wolf ist immer ein eigennützlicher Mensch gewesen, wie es sein Vater auch war. Für ihn war es wichtig, „ so nahe wie möglich bei sich selbst zu sein “ (S. 65). Gegen das Regime unternimmt er nichts, er macht ebenfalls nur vor, für das Regime mitzumachen, er versucht sich eine Nische zu schaffen, in der er zwischen Anpassung und Selbstbewahrung pendeln könnte, in der er „ Überlebensstrategie “ (S. 71) entwickeln könnte. Hier besagt diese Tatsache, dass in der DDR auch möglich war, frei zu leben, wenn man zu Zugeständnissen bereit war[25]. Man könnte sich individualistische Freiräume schaffen, auch wenn man kein Privilegierter war, indem man nicht aktiv gegen das Regime handelt. Anders als Anne ist Wolf ein Individuum. Anne ist zuerst nur eine Zelle, die dazu bestimmt ist, zu funktionieren (Cf. S. 46). Daraus schließt aber Maxim Leo etwas Wertvolles: „ Er wollte sein Leben selbst bestimmen […] So etwas kann natürlich schnell politisch werden in einem Land, in dem das Kollektiv regiert, in dem das Ich abgeschafft werden soll “ (S. 71). Man könne also schlussfolgern, dass Wolf passiven Widerstand geleistet hätte, indem er des Regimes wegen nicht ins Gerede käme. Doch Wolf hat in der Tat mitgemacht, was Anne und er „ bis heute nicht so recht erklären können “ (S. 198). Sie werden von der Staatssichersicherheit angeworben, ohne dass sie sich es merken, was Wolf folglich erklärt: „ Ich hatte nicht das Gefühl, mit dem Feind zu tun zu haben. Und ich dachte, wenn man nicht in den Westen abhaut, dann muss man eben da, wo man ist, etwas tun “ (S. 198), worauf Maxim Leo folgende Schlussfolgerung zieht:

„Er hatte dieses Bedürfnis, etwas zu tun, sich zu engagieren, nicht immer nur dagegen, sondern auch mal für etwas zu sein […] Wenn die Genossen etwas geschickter gewesen wären, wenn sie ihn nicht mit ihren Forderungen verschreckt hätten, wäre Wolf vielleicht zu mehr bereit gewesen, als er sich selbst hätte vorstellen können […] Es wäre doch möglich gewesen, dass Wolf darauf hereinfällt. Er wäre ein Stasi-Mann geworden und trotzdem er selbst geblieben. Erst hätte alles gepasst, nur hätte es später niemand mehr verstanden.“ (S. 200-202)

Und darin besteht eigentlich das Problem: Die heutige Geschichtsschreibung der DDR-Zeit leidet darunter, dass die Stasi-Akte bloß betrachtet werden als das, was sie eigentlich nicht sind: historische Beweise. Dabei verlieren sie ihren Kontext: Die DDR war und ist immer eine Diktatur des Kollektivs geblieben, bei der alle zum Mitmachen verdammt gewesen sind. „ Wer unten euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie “ (Joh 8:7): Dieser Bibelspruch hätte wohl Anwendung finden können im Kleinstaat DDR, wo alles bekannt war, wo nichts der Stasi unbekannt bleiben konnte, denn jedmöglicher Kollektivismus heißt Freiheit unter Ansicht. Und Anne auch bekommt dabei kein schlechtes Gewissen, was sie folgendermaßen ihrem Sohn erkläre: „ Wenn es darum gegangen wäre, Leute zu bespitzeln, hätte sie sofort abgelehnt. Aber Kundschaftern im Westen zu helfen, fand sie eigentlich in Ordnung. „Wir hatten vielleicht auch Angst, als Feinde angesehen zu werden, wenn wir da nicht mitmachen“, sagt sie “ (S. 200). Dies aber heißt nicht, dass Anne eingeknickt hat: Sie hat am System teil und dies begründet, warum sie das Ende der DDR empfunden hat als „ ein [en] der furchtbarsten Tage ihres Lebens “ (S. 266). Solche Betrachtungen jedoch können nur verteidigt werden, wenn man Anne und Wolf als Paar betrachtet, als kleines Kollektiv im kollektivierten Staat. Meiner Meinung nach sollte nun untersucht werden, inwiefern Anne und Wolf getrennt Widerstand geleistet haben können.

2/ Getrennter Widerstand?

Zunächst wird auf Wolf eingegangen. Obzwar sich Wolf in einen Biedermeier-Zustand zurückzieht, indem er „ im Oktober 1986 […] in die Südsee [fährt]“ (S. 241), wird es ihm klar, dass peu à peu das System am Gewicht verliert. Maxim Leo berichtet sogar: „ Wolf sagt, sie hätten damals manchmal das Gefühl gehabt, als stünde nur noch die Fassade dieses Staates da, als sei dahinter gar nichts mehr “ (S. 242). Und in der Tat ist schon die DDR am Sterben. Es ändern sich die Zeiten und gegen die DDR etwas zu unternehmen ist nun Sache des Alltags: „ Und dann ist auch Wolf überrascht, weil es so einfach geht. „Man musste nur mal pusten, und schon ist alles umgefallen, das war eine schöne Erfahrung“, sagt er “ (S. 209). Und dabei erlebt 1987 die DDR ihre letzte schöne Zeit: das 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin, das den letzten Versuch darstellt, eine „ostdeutsche Nation“ zu behaupten, denn in West-Berlin wird auch ein Feier veranstaltet. Es geht aber hier auch ums Politische, um Manipulation der Geschichte, wie Sonia Combe im selben Jahre erklärt: „ Les préparatifs du 750e anniversaire de Berlin en 1987 ont fait resurgir de l’oubli bien des lieux de mémoire judéo-allemande signalés désormais par des plaques de commémoration.[26] Plötzlich erscheint, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit nicht die Aufgabe der „neonazistischen“ BRD, sondern der „judenfreundlichen“ DDR sei. Wolf erhält anlässlich dessen den Auftrag, die Bühne, auf dem das Schauspiel vorgeführt werden soll, zu bemalen, was er bunt und energisch vollendet: „ Dieser kraftvolle Auftritt ist das Gegenteil der düsteren DDR-Welt, die Wolf in seinen Ausstellungen gezeigt hat. Irgendwo dazwischen liegt das Land, in dem er lebt “ (S. 209). Er wird also vom Staate erwischt, was ihm bewusst wird:

„Er spürt, dass er eine Grenze überschritten hat, dass er den Mächtigen zu nahe gekommen ist. […] „Das Verführerprinzip war immer da“, sagt Wolf. „Immer wieder stellte sich die Frage, bis wo man gehen kann, wie viel Anpassung man hinbekommt, ohne dass es wehtut“ (S. 209-210).

Und als es mit der DDR vorbei ist, betrachtet er sich als „ ein Gescheiterter aus dem Osten “ (S. 267). Er scheitert allerdings nicht an der DDR, sondern meiner Ansicht nach an der BRD. Seine sog. „ Titanic-Mentalität “ (S. 268), der Eindruck, dass von da an kein Fortschritt mehr möglich ist, dass eine diesmal echt düstere Zeit ankommt und alles überrollt, woran man glauben konnte, hängt damit zusammen, dass er eben nun als „Ossi“ ausgegrenzt wird. Dass er sich nun als „Ostdeutscher“ wahrnehmen muss. Hier kann also behauptet werden, dass Wolf sich nie widerstandsfähig erwiesen hat, dass er nie selbst entschieden haben könnte: trotz seiner Abwesenheit ist Werner immer dagewesen, und das hat Wolfs Bestimmung stark geprägt.

Desgleichen geschieht bei Anne: Sie muss Gerhard, d.h. die DDR bewältigen, woran aber sie ebenfalls scheitert bis zur Wende: „ Gerhard ist das letzte Überbleibsel ihrer Abhängigkeit, und sie selbst sagt später, erst der Untergang der DDR habe sie endlich aus ihrem Kindsein erlöst. Dafür kappt sie ein paar Monate später einen anderen Strick. Sie tritt aus der Partei “ (S. 246). Dies aber war nur möglich, weil Anne Widerstand zu sich selbst geleistet habe, während Wolf sich niemals in Frage gestellt haben soll. Anne, als wahre Marxistin, hat sich natürlich der Geschichte zugewandt, doch hier scheint die DDR etwas lässig gewesen zu sein. Vorerst offenbart sich die Historikerin Anne als Dienerin der Partei, sie promoviert über die „ spanische Gewerkschaftsbewegung “ (S. 211), d.h. über eine dieser Gruppen, die für das Regime das Legitimierende bringt. Gilbert Merlio ist dazu folgender Meinung: „ Le mouvement de résistance antifasciste est considéré comme prioritaire dans la recherche, les médias, en vue de la propagation d’une vision scientifique de l’histoire et de la formation d’une conscience socialiste.[27] Nachdem die Mauer errichtet wurde, also nachdem sich die DDR gewissermaßen von der UdSSR ideologisch entfernt hatte, wucherten die Schriften wie Sturz ins Dritte Reich [28], eine vom DDR-Staat beantragte Bearbeitung der NS-Vergangenheit unter der Leitung von Helmut Bock, Leiter der Akademie der Wissenschaften der DDR, also einem hochrangierten verbeamteten Wissenschaftler des ostdeutschen Staates. Dabei hieß es, vom Sozialismus eine „kämpfende Wissenschaft“[29] zu machen. Und dem passt Anne ziemlich gut, wie Wolf es sagt: „ Ich hatte die DDR immer im Bett “ (S. 206). Dazu hat Anne eine besondere Veranlagung: Ihr Vater hat gegen die Faschisten gekämpft, und ihr wurde immer beigebracht, dass alles sich durch den Rückgriff auf den faschistischen Vorwurf begründen ließe. Maxim Leo zieht nichtsdestoweniger folgendes Fazit:

„Erst später hat sie verstanden, dass der Faschismus für die Parteiideologen immer das letzte Argument ist, wenn sonst nichts mehr hilft. Auch ihr Vater hat das so gemacht, wenn er nicht mehr weiterwusste, wenn der Irrsinn, den er verteidige, zu irrsinnig war. „Dafür habe ich mein Leben riskiert“, war der Satz, der Anne zu Hause zum Verstummen brachte. Es war ein Totschlagargument.“ (S. 47-48)

Und dies hätte weiter so gehen können, hätte Anne keinen Zugang zu den Büchern, „ vor denen die Partei am meisten Angst hat “ (S. 211), von der Partei selber erhalten. Dabei handelt es sich nicht um bürgerliche oder faschistische Fachliteratur, sondern um kommunistische, vom Regime nicht erlaubte Bücher, die der offiziellen Geschichtsschreibung nicht entsprechen. Darunter befindet sich das Vermächtnis von Dagobert Lubinski, dem in Auschwitz ermordeten Großvater von Anne, dem Vater von Nora, dem Stiefvater von Gerhard, dem Feind von Gerhard also, wie einst Fritz, der Stiefvater von Werner, dessen Feind gewesen ist. Der Grund für die Gefahrstellung dieser Bücher ist einfach: das Argument des Faschismus funktioniert hier nicht, und die Rhetorik der Partei erschöpft sich darin. Vor der Entdeckung ihres neuen „ Begleiter [s]“ (S. 211) wusste Anne davon Bescheid, „ dass es auch in ihrer Familie einen Verfemten gibt, einen, den die offizielle Geschichtsschreibung der DDR als „rechten Verräter“ brandmarkt “ (S. 212), und zwar: „ ein [en] jüdisch [en] Kommunist [en]“ (S. 212). Jener Dagobert Lubinski hat sich in der Tat gegen die Kommunistische Partei Deutschlands aufgelehnt, indem er die „ Kommunistische Partei Opposition “ (S. 213) gegründet hat. Hier soll auf eine wichtige Tatsache geachtet werden: Er hat meiner Meinung nach keinen Widerstand geleistet, er war nur ein „Oppositioneller“[30], d.h. er verlangte Reformen, aber keine Auflösung der immerhin indirekt Hitler befördernden Partei, indem 1928 nicht die ebenfalls revolutionäre NS-Bewegung, sondern die eher konservative Sozialdemokratie als „ Hauptfeind der kommunistischen Bewegung “ (S. 215) geächtet wurde. Und die DDR ist nichts als die ebenbürtige Fortsetzung einer Partei, die ihre eigene Fehler nicht aufgearbeitet hat, wie dies auch in der Anprangerung und der Ächtung vom Juden Dagobert Lubinski herauskommt, wie es Maxim Leo auch betont: „ Dieser Ton, diese Vehemenz, mit der „die Feinde der Arbeiterklasse“ in der Parteipresse abgestraft werden, kommt Anne bekannt vor. Es ist dieselbe Sprache, dieselbe von Hass durchdrungene Vernichtungsrhetorik, die sie selbst in den DDR-Zeitungsredaktionen kennengelernt hat “ (S. 216). Ich würde sagen, die selbst im NS-Regime Verwendung erfuhr. Hier auch stellt sich heraus, dass mit dem preußischen Untertanengeist in Ostdeutschland nie abgebrochen wurde, trotz der Auflösung Preußens und dem Verlust des ostpreußischen Wiegelandes. Und dies verhilft der Anne in ihrer Gesinnung: Sie stellt fest, dass die DDR den Sozialismus, an den sie glaubt, verrät und dass sie damit abbrechen kann und „ trotzdem Genossin bleiben darf “ (S. 220), nicht von wegen einer Genehmigung der Partei, sondern weil sie es entschieden hat. Anne hat sich also mehr individualisiert als Wolf, der ein Untertan geblieben ist. Anne erklärt sogar Folgendes: „ Sie weiß, dass sie nun endgültig draußen ist […] Es dauert eine Weile bis sie beschließt, ein Buch über Dagobert zu schreiben. Schließlich ist er mit daran schuld, dass sie da draußen nicht mehr funktionieren kann “ (S. 221). Jedoch muss hier betont werden, dass Anne sich auch in die Vergangenheit zurückzieht, ganz wie Wolf in die Belanglosigkeit seiner Kunst. Kurz vor dem Ende noch, wobei sich damals eine schnelle Beendigung und Vernichtung der DDR vermutlich noch nicht vorahnen ließe, ist sie folgender Meinung: „ Anne sagt, ihr wäre das zu heiß gewesen, Gegen den Staat zu demonstrieren, am Republiksgeburtstag. Das wäre doch wie eine Provokation “ (S. 255). Bemerkenswert ist hier ein Gebrauch des distanzschaffenden Konjunktivs II, das sonst nicht so sehr auffällig ist. Dies wiederholt aber Maxim Leo nicht so oft, was davon zeugt, dass er gerne die Aussagen seiner Mutter bezweifeln würde, wäre sie nicht eben seine Mutter. Es heißt also nun sich auf Maxim Leo zu konzentrieren, zuerst als „Kind der DDR“, dann als Autor.

III/ Maxim: ein Autor des Paradoxes?

1/ 1970-1989: Maxim als DDR-Junge

Maxim Leo ist 1970 in der DDR geboren. Er gehört zur letzten Generation, die die DDR wirklich mit erlebt hat, und ihm gehen schon zwei Generationen von DDR-Vätern und DDR-Müttern vor: er ist also als Kind und als Enkelkind zu betrachten, was einbezieht, dass er einer doppelten Beeinflussung untergeworfen ist. Maxim Leo ist meiner Meinung nach ein vom DDR-Regime erzeugter Junge gewesen, wie es die Stelle beweist, an der das Regime beschließt, dass er ein Abiturient nie und nimmer außer durch die Abendschule werden darf:

„Sie [Anne] sagte, sie könne es nicht zulassen, dass dieser Staat aus ihrem Sohn einen Arbeiter macht […] Ich bat meine Mutter, nicht an Erich Honecker zu schreiben, weil ich dachte, der Generalsekretär hätte vielleicht Wichtigeres zu tun, als sich um einen Schulplatz für mich zu kümmern.“ (S. 222)

Eine derart hingabevolle Naivität seitens eines Kindes könnte mal einen berühren, wenn Maxim Leo nicht Folgendes hinzugefügt hätte: „ Zum ersten Mal spürte ich die Macht dieses Staates, der einfach darüber bestimmen konnte, wer welchen Lebensweg einschlagen durfte “ (S. 222-223). Er will also nicht mehr der leichtgläubige Junge, der er einmal war, sein und es erfolgt dabei bei Maxim Leo wie eine zweite Geburt, indem er plötzlich der schützenden Welt der Eltern weggerissen wird und ins wahre DDR-Leben, dasjenige der Arbeiter, hingeworfen wird:

„Ich begriff auf einmal, wie wenig die Welt meiner Eltern mit dem zu tun hatte, was sonst in diesem Land passierte. Wie gut ich in diesem luftigen, warmen Intellektuellenhaushalt abgeschirmt worden war von der Realität. Ich verstand jetzt, warum es meinem Vater so wichtig war, zu Hause zu arbeiten […] Sie lebten alle weit weg vom DDR-Alltag, weit weg von den werktätigen Massen, die dieses Land am Laufen hielten.“ (S. 224)

Auf den soziologischen Stammbaum seiner Familie (Anhang I) ist wiederum zu verweisen: Maxim ist der Sohn von an ihrer eigenen Freiheit hängenden „DDR-Bourgeoisen“, die mit der DDR kaum mehr zu tun haben als die Westdeutschen selber, wie es Maxim Leo selber bestätigt: „ Die Freiheit, die er sich nahm, erschien auch mir irgendwann normal. Ohne ihn wäre ich vielleicht nie ein Westler geworden “ (S. 71). Gleichzeitig ist er der Nachkömmling von Gerhard und Werner, die von der Wirklichkeit abgetrennt, d.h. in der DDR-Realität leben. Und Maxim erklärt: „ Ich war stolz darauf, zu dieser Familie zu gehören, zu diesem Großvater “ (S. 8). Abermals ist es der autoritäre Gerhard, der die Bestimmung Maxims beeinflusst, sodass er an die DDR glaubt wie er, und darum erzählt Maxim Leo etwas Heikles aus seiner Jugendzeit:

„Einmal, ich muss etwa vierzehn Jahre alt gewesen sein, habe ich mit Gerhard über die Mauer gesprochen. Ich machte mich darüber lustig, dass der sogenannte ‚antifaschistische Schutzwall‘ nur DDR-Bürger daran hindert, in den Westen zu kommen, die angeblichen Faschisten aber zu uns kommen könnten, wann sie wollen. Da erzählte mir Gerhard die Geschichte von Michael und dem General Lammerding. Am Ende sagt Gerhard, er sei froh, dass es eine Mauer gibt, die ihm solche Verbrecher vom Leib hält. Ich war so betroffen von dieser Erzählung, dass ich es nie wieder gewagt habe, in seiner Anwesenheit über die Mauer zu sprechen.“ (S. 133)

Eine solche Auffassung ist jedoch nur bloßer Irrsinn: Lammerding hätte in die DDR reisen dürfen wie alle anderen Westdeutschen, und dabei hätte er vermutlich nicht verschleppt werden können, denn ihm als Bürger der BRD wären die Gefahr der Auslieferung an die Gerichtshöfe und die einer Entführung à la Eichmann per Gesetz gespart geblieben. Hier lässt sich herausgehen, dass Gerhard mit seinem Enkelkind selbst der Parteiideologe bleibt, für den das letzte Argument bei zu irrsinnigen Gereden der Faschismus ist. Es ist zu bemerken, dass immerhin hier Maxim Leo die Vergangenheitsform verwendet und schafft damit eine zeitliche und kritische Distanz zu seinem vergangenen Dasein. Er hebt jedoch Folgendes hervor, als Wolf und er kurz nach der Wende Werner zum ersten Mal besuchen: „ Ich dachte daran, dass man seinem Vater wahrscheinlich nie entkommt, wie sehr man sich auch von sich weist […] Dass eine Familie keine Frage der Entscheidung ist “ (S. 76). Er fügt darüber hinaus hinzu: „ Ich dachte, dass es genau deshalb nicht mein Land sein konnte “ (S. 181). Als Enkelkind war er froh, dass „ es endlich vorbei war (S. 182). Trotzdem ist dem Maxim Leo als DDR-Jungen jedwede Treuherzigkeit nicht zu unterstellen. Er zeugt auch von einem im gewissen Sinne widerstandsfähigen Charakter, der aber nie eine Glaubensbekenntnisfrage gewesen ist. Als Junge war er auch Schüler, und wie in allem Staate auf Erden ist die Schule das Hauptinstrument, um an die Sache gläubige Bürger zu erzeugen, was aber bei Maxim Leo und seinen Schülergenossen irgendwie schief gelaufen ist: „ Es war irgendwie klar, dass es eine Wahrheit in der Schule gab und eine im richtigen Leben. Man musste nur umschalten. Wie im Fernsehen “ (S. 188). 1982 sogar, also mit 12, leistet Maxim Leo seine erste „Widerstandsakte“: Für „ Kirche oder FDJ “ (S. 190) sollen sich Maxim und viele seiner Schulkameraden entscheiden. Und Maxim Leo entscheidet sich für die Kirche wie die meisten Kinder, weil es „ nur extrem uncool “ (S. 188) war, bei der FDJ mitzumachen. Die Leiterin der kirchlichen Gesprächsgruppe ist dabei folgender Ansicht: „ Irene sagt dann, der Glaube habe gesiegt, aber ich fand, dass eigentlich wir gesiegt hatten “ (S. 190). Von all diesen Betrachtungen lassen sich zwei Hauptpunkte herleiten:

- Erstens ist Maxim Leo von Anfang an ein (von der westlichen Kultur beeinflusstes) Individuum. Anders als möglich erwartet schmeißt sein eigenes Ich ins Kollektiv nicht zu, sondern bleibt verschont vom Kollektivismus, sodass Maxim Leo sich behaupten kann, indem er sich peu à peu dem Westen zuwendet.

- Zweitens kommt der Widerstand, den er leistet, anders daher als beim Großvater und bei der Mutter. Hier geht es gar nicht um „Opposition“ oder „Auflehnung“, sondern um bloße Anpassung am System, wie es Maxim Leo erzählt: „ Dabei wusste ich schon ziemlich genau, was ich wo sagen musste, um keine Probleme zu bekommen […] und dabei musste ich mich nicht einmal überwinden, ich habe mich nicht als Verräter oder als Feigling gefühlt, weil ich das sagte, was die anderen von mir hören wollten “ (S. 194). Ein heutiger, französischer Schüler treibt eigentlich nichts anderes als diese Anpassungsarbeit: er unterwirft sich nicht, er findet nur heraus, wie er alle hinters Licht führen kann, damit sie in Ruhe lassen, ohne dass er weder besonders auffällig, noch strebsam vorkommt. Eigentlich ist dem Jungen Leo die DDR „ egal geworden “ (S. 194), denn das Regime schadet seinem Ich nicht, und er kann sich von „ eine [r] Art taube Gleichgültigkeit “ (S. 194) weiter treiben lassen, sodass er sich doch die DDR gelten lassen. Er erklärt einfacherweise: „ Die DDR, das waren die anderen “ (S. 194), womit er „ Abstand zu halten “ (S. 196) pflegt. Er geht sogar noch weiter in diese Überlegung, in diese Aufarbeitung seiner DDR-Vergangenheit: „ Die Wahrheit [[31] ] ist, dass mein Leben meist sehr normal war. So normal, wie es vielleicht auch in Hamburg oder in Bonn gewesen wäre. So normal, dass man die DDR dabei glatt vergessen konnte “ (S. 196). Doch ist sein Leben nicht so normal gewesen wie er es vorgibt. Er ist das Enkelkind von Gerhard Leo, und nicht viele seiner Generation können sich dessen rühmen, zur Elite der DDR zu gehören. Es gibt also eine zweideutige Normalität, mit der Maxim Leo spielt. Einerseits erklärt er mit viel Witz: „ Dass ein Sechzehnjähriger eine West-Reise machen durfte, war in der DDR etwa so wahrscheinlich, wie Erich Honecker mit Punkfrisur “ (S. 227); andererseits betont er: „ Es schien das Normalste von der Welt zu sein, dass man den Sommer in Frankreich verbringen wollte “ (S. 228). Doch geschieht diese Szene nicht in der normalen Welt der einfachen DDR-Bürger, sondern „ im zweiten Stock “ (S. 228), wo er dem DDR-Heino, Frank Schöbel, begegnet. Und durch diese Reise kippt die Normalität der DDR: „ Ich weigere mich, wieder normal zu sein “ (S. 234), dazu behauptet er später, er sei „ ein Westler im Osten “ (S. 234) geworden. Dies hat einen einfachen Grund: er kann sich zum Kommunismus nicht bekennen, denn er gehört der „Kirche DDR“ nicht an, die nur für die Großelterngeneration aufgebaut worden ist. Eine Fortpflanzung des Glaubens aber hätte nur durch totales Verbot jedweder Freiheit erfolgen können, doch so autoritär durfte die DDR nicht sein, denn sie war nicht die UdSSR, in der heute manchen Ortes Stalin noch verehrt wird. Die DDR-Bürger der ersten Generation haben den Autoritarismus schon einmal erleben müssen und sie waren nicht dazu bereit, sich abermals zu unterwerfen. Wohl aber dazu, vieles einzuräumen und zu dulden, aber ein totaler Kommunismus hätte wohl meiner Ansicht nach der Geschichte der DDR selber wegen gar nicht entstehen können. Man könnte sagen, dass die DDR sich sogar freiheitlich erwiesen hat, indem dem Maxim Leo die Wahl gelassen wurde, sich in einen Westdeutschen zu verwandeln. Für „ die chinesische Lösung “ (S. 249) haben sich die DDR-Staatsleute nicht entschieden, vielleicht hängt es damit zusammen, dass diesmal Moskau seine Truppen nicht verwandt hätte wie am 17. Juni 1953, dass die DDR schon zu schwach geworden war. Doch es ist nicht die BRD, die die DDR besiegt hat, sondern die DDR-Bürger. Das Politische hat wohl Helmut Kohl in Gang gesetzt, aber in der Tat existierte die DDR nicht mehr, denn es verstarb die erste Generation, und es hat niemanden mehr gegeben, der dazu veranlagt war, die DDR auszubauen, außer vielleicht dem sog. „ Doofe [n] Rest “ (S. 238). Von einer solchen „ Endzeitstimmung “ (S. 238) schließt Maxim Leo nur Folgendes auf: „ Die Welle hat mich erfasst, sie zieht mich mit “ (S. 248). Wiederum erweist sich Maxim Leo nur als Mitläufer, er hat nur nachgeahmt und das soll ihm gut gelungen haben. Mit Abstand, wohl auch mit zeitlicher Entfernung, denn es gibt nun die DDR nicht einmal mehr, gesteht jedoch Maxim Leo zu, dass er sich manchmal als „ ein Versager “ (S. 259) wahrgenommen habe, der eingeknickt hat: meines Erachtens aber nicht nur vor der Stasi, sondern auch vor dem anderen „Doofen Rest“, der die DDR endgültig zum Niedergang geführt hat. Er fühlt sich sogar begeistert vom Zeitwandel, begreift aber nicht, dass ihm dabei nur eines gelingt: „ ein Opfer zu sein “ (S. 260). Und wie alle andere wird Maxim Leo am Westen scheitern, was es nun zu untersuchen heißt.

2/ 2007-2008: Maxim als «Familienforscher»

Maxim Leo fängt 2007 mit seinen Untersuchungen an, also siebzehn Jahre nach der „Wiedervereinigung“, nachdem Maxim offiziell mitsamt Pass und Westgeld ein Bürger der BRD geworden ist. Er geht also bei seinem Buch vor einem anderen Hintergrund aus als bei seinen Überlegungen als DDR-Junge. Was er aber in der Tat auch immer niederschreibt, das tut er jedenfalls als Westdeutscher, und dies bildet den Kernpunkt von Maxim Leos Paradox: Wie kann ein Westdeutscher die Geschichte eines Ostdeutschen objektiv schreiben, ohne weder ins Klischeehafte, noch in ständige Kritik zu stürzen? Dem Journalisten Maxim Leo gelingt gewissermaßen dieses Spiel, indem er sich als „ Familienforscher “ (S. 136) erklärt. Dabei lässt sich herleiten, dass Maxim hiermit sich erneut anpassen muss: an sich selbst. Ich meine damit, dass er sich nicht nur neu, sondern ganz neu entdeckt, wie er es beschreibt: „ Für mich war klar, dass ich aus einer jüdischen Widerstandsfamilie komme, und jetzt taucht Werner auf und zeigt mir, wie toll es bei den Nazis war […] Die Ähnlichkeit zwischen ihm und mir ist frappierend “ (S. 139). Er erzählt an einer anderen Stelle, wie stark die DDR-Propaganda, die er vom Opa Gerhard selber gelernt habe, auf ihn gewirkt habe: „ Mit diesen Wahrheiten bin ich groß geworden. Für mich konnte es 1936 in Deutschland nichts Unschuldiges, nichts Normales geben. Wer normal war, gehörte zu den anderen “ (S. 145). Wie schon oben erläutert war die DDR für Maxim Leo die Normalität, der er sich aber nach und nach absonderte, um endlich „anormal“ zu werden, was er aber 2007 einräumt, als er den verstummten Gerhard im Krankenhaus besucht:

„Gerhard war in sich versunken […] ich hatte das Gefühl, als ob die DDR erst in diesem Moment wirklich zu Ende war. Achtzehn Jahre nach dem Mauerfall ist der strenge Held verschwunden. Vor mir saß ein hilfloser, liebenswerter Mann. Ein Großvater. Beim Abschied nahmen wir uns in die Arme, das hatten wir, glaube ich, noch nie getan […] An diesem Tage habe ich mir zum ersten Mal gewünscht, noch mal in die DDR zurückkehren zu können.“ (S. 9)

Um jenes Ziel zu erreichen, versucht Maxim Leo eine kritische Stellung zu nehmen, und, wie seine Mutter, als Journalist, sogar als Historiker voranzugehen, sodass er in die Stasi-Akte seines Großvaters einsieht, worauf er Folgendes schließt: „ Am nächsten Morgen war Gerhard für mich ein anderer geworden […] dann ist Gerhard auch in der DDR ein mutiger Mann gewesen “ (S. 170). Dies schreibt Maxim nach mehr als zehn Jahren BRD, nachdem fast alles über das Diktatorische an die DDR in die Öffentlichkeit geraten ist, nachdem das schreckliche Spiel des Denunziantentums der DDR den ethischen Totschlag zufügte. Dahingehend soll auf Maxims besondere Einstellung zur DDR eingegangen werden, denn er ist ein DDR-Junge gewesen. Hier schreibt nicht ein Westdeutscher, sondern ein „ehemaliger“ DDR-Deutscher.

Zunächst erweist er sich eher als kritisch eingestellt. Er erklärt: „ Ich fand es immer toll, dass Anne aus dem Westen kommt […] Ich hatte nur nie verstanden, wie Anne auf die dämliche Idee gekommen war, in den Osten zu gehen “ (S. 22). Dass dies sich so ergibt, weil Annes Vater damals ein Spitzel gewesen ist, das erfährt aber Maxim erst später. Doch bereut er es irgendwie bei Niederschrift des Buchs. Er hebt Folgendes hervor: „ Ich weiß nicht […] wie der Ostler aus mir verschwunden ist “ (S. 15). Das untersucht er des weiteren nicht genauer, es scheint so, als schämte er sich dessen, als wollte er nie und nimmer mit der DDR zu tun haben, weil er weiß, dass sein Publikum eines aus BRD-Bürgern bestehende ist. Es wurde sogar die erste Auflage des Buches in München veröffentlicht, also in einem „alten“ Bundesland, bei „ den anderen “ (S. 14). Vielleicht ist bei Maxim Leo eine bestimmte Nostalgie zu spüren, vielleicht sogar eine „Ostalgie“, eine Wortschöpfung vom sächsischen Kabarettisten Uwe Steimle, der die Rolle von Rolf Anschütz im mitteldeutschen Film Sushi in Suhl von 2012 innehat. Maxim Leo hält an seinen Erinnerungen fest: er bewältigt die Vergangenheit nicht, er arbeitet sie neu auf, um sie nicht zu verdrängen, sondern zu verstehen. Meistens wird der Begriff „Ostalgie“ kritisiert, angeprangert, verspottet oder auch bloß vermarktet, was noch zynischer ist. Aber Maxim Leo bleibt daran fest: „ Ich bin ein Zeitzeuge geworden, ein Mann, der früher mal was erlebt hat. So wie mein Großvater “ (S. 15). Das Zielpublikum von Frühzug nach Toulouse bestand aus einer vom Regime erzeugten Jugend, die von der Großelterngeneration begeistert war, aber irgendwie auch entfremdet. Das von Haltet euer Herz bereit ist aber kein DDR-Publikum, sondern eines der BRD: eines, das die Bezeichnung „ostdeutsch“ (des Öfteren verwandt, sogar im Untertitel) versteht als „nicht-(west)deutsch“. Bei Maxim Leo ist diese besondere, neuaufgelegte Abgrenzung zu spüren, er erkennt sie sogar bei der Wende, wie er es im Epilog, also im Schluss erzählt:

„Hinzu kam, dass mir die Westler schon anfingen, auf die Nerven zu gehen. Sie redeten von der DDR, als sei sie ein Choleragebiet. Es hieß, wir seien von der Diktatur verdorben, charakterlich schwach und schlecht ausgebildet. Ich nahm das persönlich, was mich zusätzlich verunsicherte, weil ich ja mit der DDR eigentlich nichts zu tun haben wollte. Aber es war auf einmal da, dieses Gefühl, das ich vorher nicht gekannt habe. Dieses ‚Wir‘, das mir so schwer über die Lippen gekommen war. Ich glaube, ich habe mich der DDR nie so nahe gefühlt wie nach ihrem Untergang.“ (S. 265)

Es ist zu vermuten, dass einerseits Maxim Leo sich zu rechtfertigen versucht, einst ein DDR-Junge gewesen zu sein, doch andererseits verteidigt er dieses Erbe auch, indem er das Bild einer DDR gibt, die es wirklich gegeben haben sollte: „ Das war mein Land “ (S. 180) erklärt Maxims Großvater in einem Interview zu einem BRD-Journalisten. Es ist nicht dem Zufall zu verdanken, dass das Thema der Besprechung „ Großväter und Enkel in der DDR “ (S. 180) gewesen ist. Von den Vätern, also von Wolf, wird nicht die Rede sein, er wird zwangsweise verstummt. Geschweige denn vom weiblichen Geschlecht, das abermals schweigen muss: Wer hat denn Nora oder Sigrid interviewt? Sie auch haben die DDR mit erlebt. Aber ihrer zählt nicht, denn sie wollten nicht imstande sein, Widerstand zu leisten, genau wie Anne nicht dazu fähig war, wie aber auch Maxim dessen unfähig gewesen ist, außer Widerstand gegen sich selbst zu leisten. Und durch das Buch ergreift er eine neue Gelegenheit, Widerstand zu leisten, doch auf paradoxale Weise: Er will „ ein Stück DDR “ (S. 272) bleiben, doch passt sich dem westlichen System auch an, wessen es sich schämt: „ Trotzdem habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen und fühle mich wie ein Überläufer. Wie einer, der seine Vergangenheit verraten hat “ (S. 15). Und dies tut er meiner Meinung nach, indem er ein BRD-Buch schreibt, das heißt, ein Buch, in dem Maxim Folgendes schreiben kann: „ Ich selbst bin zum Hauptthema meines Lebens geworden “ (S. 15). Bei Gerhard Leo ging es nicht um den Kampf Leos gegen den Nazismus, sondern um einen kollektivierten, um den Kampf der Genossen: dabei handelte es sich um eine angepasste Geschichtsschreibung. Bei Maxim Leo geht es nicht anders vor: auch er passt sich an, und versucht Widerstand zu leisten. Aber er gesteht Folgendes: „ Ich bin ein Versager “ (S. 259). Er erzählt zwar vom vergangenen Versagen, aber das hätte er in der Vergangenheitsform machen können, wobei die Präsenz hier dazu verhilft, dass der Leser sich ins Vergangene hineinversetzt. Die hiesige Verwendung des Infinitivpräsenz‘ deckt aber auch auf, dass er mit sich selbst noch nicht im Klaren ist. Darum vielleicht hat er auch dieses Buch geschrieben, um seinem selbst zu widerstehen, damit er in jener „Ostalgie“ nicht erstarrt, sondern weiterlebt. Daran will er festhalten, um an einen meist unbekannten Teil der DDR-Vergangenheit zu erinnern.

Schluss

Durch die Beschäftigung mit Maxim Leos Buch, lässt sich behaupten, dass ein Buch über die DDR zu schreiben eine besondere Zielsetzung voraussetzt. „Widerstand“ und „Anpassung“, bzw. „Selbstgleichschaltung“ als Thema dieser Arbeit sind zwei Begriffe, die immerhin von der Perspektive abhängen, durch welche sie bearbeitet werden. Versuche ich, selber objektiv zu bleiben, dann kommt mir Maxim Leos Halt euer Herz bereit vor als der Versuch, sich eine Last abzunehmen, sodass der Leserschaft klarerweise gezeigt wird, dass der Autor und der DDR-Junge zwei verschiedene Menschen sind. Als „Familienforscher“ bietet Maxim Leo seine Familie dermaßen dar, dass die Kritik an den Fehlern seiner Vorfahren leichter geübt werden kann, wobei es Maxim Leos Ziel nicht entspricht. Meines Erachtens geht es hier vielmehr darum, zu zeigen, dass die Erzählung „des Alltags der DDR“ nicht nur dazu veranlasst, Sehnsucht zu erwecken, sondern daran zu erinnern, dass dieser Alltag erlebt wurde, dass unter der Geschichte der DDR noch kein Schlussstrich gezogen werden darf, wie es die ostdeutschstämmige Bundeskanzlerin Angela Merkel 2009 anlässlich des 20. Jubiläums des Mauerfalls noch betonte[32]. 2014, also 25 Jahre nach dem „Ostdeutschen Frühling“, wenn ich es in Anlehnung an fernere revolutionäre Geschehnisse, ungeachtet der Jahreszeiten, ausdrücken darf, wird abermals zu Feierlichkeiten und Debatten kommen, während zwei „Ossis“ die beiden höchsten Ämter der Bundesrepublik innehaben: Angela Merkel, und der „Bundespräsident der Herzen“, der „Hexenjäher“ Joachim Gauck, der sich besonders bemüht, dass Deutschland seinen Platz in der Welt zurückgewinnt durch Friedensbeschwörungen und etliche Entschuldigungen für das Übel, das die Deutschen einst begangen haben. Allerdings und diesen Versuchen, sich mit der Welt zu versöhnen, zum Trotz scheint die Diskrepanz „Westdeutschland“-„Ostdeutschland“ noch nicht überwunden worden zu sein. Maxim Leos Buch erweist sich dabei also als wertvoll, um auf die heiklen Fragen des Mitmachens und des Widerstehens dermaßen einzugehen, dass geschlussfolgert werden kann, dass man beim Lesen und Befassen mit dieser „Familiengeschichte“ in die Lage versetzen wird, die DDR mitsamt ihrer ideologischen Folgen für die DDR-Menschen gründlich kennenlernen zu können. „Widerstand“ und „Anpassung“ lassen sich infolgedessen darin unterscheiden, dass es einem obliegt, dass man sich selbst in Frage stellt, sodass „Widerstand“ und „Anpassung“ nur „Widerstand gegen sich“ und „Anpassung an sich“ bedeuten können, sowohl im Kollektivstaat DDR, als auch im Individuen-Staat BRD.

Bibliographie

Primärliteratur

LEO, Maxim: Haltet euer Herz bereit. Eine ostdeutsche Familiengeschichte. München: Wilhelm Heyne Verlag, 20114.

Sekundärliteratur

CAMARADE, Hélène: L’héritage de la résistance au national-socialisme revendiqué par les résistants et opposants de RDA (1946-1989). In: Revue d’Allemagne et des pays de langue allemande, Band 42: Mémoires et représentations de la résistance allemande au national-socialisme en RDA et République fédérale d‘Allemagne, Nr.4 (2010), S. 445-464.

COMBE, Sonia: Mémoire collective et histoire officielle. Le passé nazi en RDA. In: Esprit, Nr.131 (Oktober 1987), S. 36-49.

MERLIO, Gilbert: La résistance allemande dans l’historiographie de la RDA. In: Revue d’Allemagne et des pays de langue allemande, Band 42: Mémoires et représentations de la résistance allemande au national-socialisme en RDA et République fédérale d‘Allemagne, Nr.4 (2010), S. 391-408.

ULBRICHT, Walther: Sozialistische Verfassung der DDR. Die deutsche Charta der Freiheit und der Menschlichkeit. Berlin: Nationalrat der Nationalen Front des demokratischen Deutschlands, 31. Januar 1968.

Anhang 1: Soziologischer Stammbaum der Familie Maxim Leos nach den Angaben in Haltet euer Herz bereit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Maxim Leo: Haltet euer Herz bereit. Eine ostdeutsche Familiengeschichte. München: Wilhelm Heyne Verlag, 20114.

[2] Ibid., S. 136. In der Folge wird die Seitennummer im Texte in folgender Form angegeben: (S. 38).

[3] Gilbert Merlio: La résistance allemande dans l’historiographie de la RDA. In : Revue d’Allemagne et des pays de langue allemande, Band 42: Mémoires et représentations de la résistance allemande au national-socialisme en RDA et République fédérale d‘Allemagne, Nr.4 (2010), S. 400.

[4] Cf. Merlio, ibid., S. 394.

[5] Hélène Camarade: L’héritage de la résistance au national-socialisme revendiqué par les résistants et opposants de RDA (1946-1989), ibid., S. 451-452.

[6] François Mauriac: Le Désert de l’amour. Paris: Ed. LGF, 1989, S. 139.

[7] Cf. Merlio, op. cit., S. 388.

[8] Cf. Merlio, op. cit., S. 391.

[9] Sonia Combe: Mémoire collective et histoire officielle. Le passé nazi en RDA. In: Esprit, Nr.131 (Oktober 1987), S. 48.

[10] Walter Ulbricht: Sozialistische Verfassung der DDR. Berlin: Nationalrat der Nationalen Front des demokratischen Deutschlands, 31. Januar 1968, S. 59.

[11] Ibid., S. 9.

[12] Cf. Combe, op. cit., S. 40.

[13] Hegel in Camarade, op. cit., S. 456.

[14] Hermlin in Combe, op. cit., S. 36.

[15] Combe, op. cit., S. 43.

[16] Camarade, op. cit., S. 462.

[17] Bartel in Merlio, op. cit., S. 399.

[18] Merlio, op. cit., S. 395.

[19] Cf. Combe, op. cit., S. 44.

[20] Die ab 1964 in Hauptabteilung XX umbenannt wird: Hier könnte man wohl Maxim Leos Buch und Wolfgang Hilbigs „Ich“ vergleichen, denn sie sind Opfer derselben HA gewesen. Dies wäre wohl interessant, doch lasse ich das im Rahmen dieser Arbeit aus. S. 178 spielt auch ein gewisser „Reuter“ eine wichtige Rolle.

[21] Cf. Thomas Auerbach: Hauptabteilung XX: Staatsapparat, Blockparteien, Kirchen, Kultur, »politischer Untergrund« (MfS-Handbuch). Berlin: BStU, 2008, S. 11f.

Zum Digitalisat: (abgerufen am 15.02.2013)

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publikationen/Publikationen/handbuch_HA-XX_auerbach-braun-usw.html

[22] Cf. http://www.wired.com/wired/archive/2.10/godwin.if.html (abgerufen am 15.02.2014).

[23] Hier auch wäre der Parallel mit Wolfgang Hilbig interessant.

[24] Merlio, op. cit., S. 396.

[25] Cf. z.B. die Fälle Rolf Anschütz (http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/japanische-kueche-in-der-ddr-sukiyaki-in-suhl-11884028-p3.html) oder Josephine von Krepl (http://www.swr.de/-/id=6745572/property=download/nid=660174/1i6c1ku/swr2-leben-20100916.pdf) (beides angerufen am 25.03.2014).

[26] Sonia Combe, op. cit., S. 43.

[27] Merlio, op. cit., S. 399.

[28] Helmut Bock: Sturz ins Dritte Reich. Historische Miniaturen und Porträts 1933-35. Leipzig: Urania-Verlag, 1985².

[29] Cf. Combe, op. cit. S. 40.

[30] Cf. Camarade, op. cit., S. 446.

[31] Man kann hier nur an 1975 in Frankreich, in Deutschland 1994 erschienenes Lejeunes Werk „ Der autobiographische Pakt “ denken.

[32] Cf. Laurent Férec, Florence Ferret: Dossiers de civilisation allemande. Paris: ellipses, 20144, S. 28.

34 von 34 Seiten

Details

Titel
Eine ostdeutsche Familiengeschichte. 'Widerstand' und 'Anpassung' in "Haltet euer Herz bereit!" von Maxim Leo
Hochschule
Université de Picardie Jules Verne  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Dr. Herta-Luise Ott
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
34
Katalognummer
V306816
ISBN (Buch)
9783668048775
Dateigröße
934 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DDR, Aufarbeitung, Vergangenheitsbewältigung, Stasi, Wiedervereinigung, Anpassung, Widerstand, ostdeutsch, Familiengeschichte, Gleichschaltung, Maxim Leo, Ostdeutschland, Geschichte DDR, Haltet euer Herz bereit
Arbeit zitieren
M.A. Arnaud Duminil (Autor), 2014, Eine ostdeutsche Familiengeschichte. 'Widerstand' und 'Anpassung' in "Haltet euer Herz bereit!" von Maxim Leo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306816

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