Goethes "Götz von Berlichingen" und seine Bedeutung im ausgehenden 18. Jahrhundert


Seminararbeit, 2013

41 Seiten, Note: 1,3


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I/Sturm und Drang
1/Der Sturm: Mit allem brechen?
2/Der Drang nach Freiheit

II/Mittelalter und Ende des 18. Jhd.: Eine Welt an der Schwelle
1/Das Recht und die Bürger
2/Ein neues Zeitalter

III/Götz und Weislingen
1/Das Individuum
2/Der Zwiespalt

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

So geht’s in der Welt, weiß kein Mensch, was aus den Dingen werden kann “:

So lautet die Sentenz der Figur Lerse, deren VorbildGoethes großer Studienfreunde Franz Christian Lerse (1749-1800) ist, im 19. Schauplatz des 3. Aktes (III, 19, S.73, Z. 29f)[1] von Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand Johann Wolfgang Goethes (1749-1832). Hingegen war sich der Wetzlarer Jurist dessen bewusst, was sich aus der Erscheinung seines „Schauspiels“, das ihn auf einmal durch die dabei erweckende Aufsicht hoch berühmt machen würde und die erste Etappe seiner erfolgreichen Karriere darstellt, zeitigen würde: Kein Skandal, sondern ein literarischer Bruch mit der damals geltenden Dramaturgie, eine Infragestellung der Theaterkonventionen seiner Zeit, eine literarische Revolution.

Des Erfolges war Goethe aber nicht sicher und das Stück wurde zunächst anonym veröffentlicht: Als Dramatiker war er 1773 noch völlig unbekannt und kurz vorher, im März 1772, erzielte der große Aufklärer Lessing (1729-1781) einen ungeheuerlichen Erfolg mit seinem „bürgerlichen Trauerspiel“Emilia Galotti, einer bürgerlichen Bearbeitung des an sich bereits tragischen Stoffes von Livius‘ Legende um die Römerin Verginia, was kein historisches Dokument ist, sondern die Bearbeitung einer „historischen“ Begebenheit, die literarische Erörterung einer geschichtlich vorhandenen Gestalt, wie es auch bei Götz geht: Quelle der Arbeit Goethes an dem Götz-Stoff ist die eigene Autobiographie Götzens, die erst 1738 veröffentlicht wurde. Es handelt sich also hier um die literarische Bearbeitung der Geschichte Götzens zwecks ideologischer Bestrebungen. Der wahre Götz von Berlichingen starb 1562 einen ruhigen Tod auf seiner Burg in Schwaben, während der literarische Götz 30 Jahre früher in den Untergang geriet und im Gefängnis verstarb. Aus der Schilderung des Untergangs eines Helden und dem Aufkommen eines neuen Zeitalters ohne diesen Helden besteht auf dem ersten Blick das Stoff des Stückes, das Goethe benutzt, um seine Zeitgenossen eben vor diesem Untergang zu warnen. In dem Stück geht es tatsächlich um einen Ritter, Götz, der dem Schwertadel angehört, und einem krüppelig dargestellten Kaiser, Maximilian I. (1459-1519), „treufest“ ist, der seinem Stande gemäß die Umwandlung der Gesellschaft, zu der er gehört und die auf Treue, d.h. auf menschlicher Gerechtigkeit, auf germanischem Recht fußt, in eine seelenlose Gesellschaft des Gesetzes nach dem Muster der lateinischen Gerichtsbarkeit, d.h. des welschen Rechtes, nicht überleben kann, weil er sich nun als unzeitgemäß erweist. Er untergeht, während seine Feinde, die Bamberger, die zum gesetzorientierten, treulosen und verräterischen Hofadel gehören, die Macht ergreifen. Die zweite Hauptfigur, Weislingen, eine Schöpfung Goethes und einst Freund Götzens und ebenfalls Angehöriger des Schwertadels, stellt hier auch eine untergehende Gestalt dar, die nicht wie Götz wegen seiner Unzeitgemäßigkeit stirbt, sondern an seinem Selbstverrat als treuloser Mensch. Goethe bearbeitet hier neu das Ende des Mittelalters und der verklärten Welt der getreuen Ritterschaft, schildert hier eine Begebenheit an der Schwelle zwischen Mittelalter und Untergang, zwischen Adel und Bürgertum.

In seiner Autobiographie Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, in der er seine Erlebnisse zwischen 1749 und 1775 erarbeitet, schreibt Goethe, er hätte Götz geschrieben „ innerhalb von 6 Wochen, ohne Plan und Entwurf, bloß der Einbildungskraft und einem innern Treib folgend und ohne weder rückwärts, noch rechts, noch links zu sehen.“[2] Wie bei dem Werther (1774) handelt es sich hier um ein Werk des jungen Goethes, des Goethes von Wetzlar, einem von Wehmut geplagten, sich langweilenden Juristen.

Der Text, mit dem wir uns beschäftigen, bildet die zweite Fassung von Götz. Das Thema unserer Arbeit erfordert bestimmte Einschränkungen, unter denen den Verzicht auf einen Vergleich zwischen dem sog. Urgötz aus dem Jahre 1773 und derhier bearbeiteten Fassung, dieam 14. April 1774 bei dem Berliner Kochscher Gesellschaftsbund, einem der ersten Theaterhaus Deutschlands, uraufgeführt wurde. Hier geht es nicht nur darum, das Stück als Text zu analysieren, sondern auch seine Wirkung auf das Publikum. Da das Urgötz zur Zeit Goethes nicht aufgeführt wurde, lassen wir es beiseite. Es hieß hier nicht, die literarische Entwicklung des Gestalten Goethes zu schildern, sondern den jungen Goethe um die Zeit um die Aufführung von Götz kennenzulernen.

Goethe war ein Kind der Aufklärung und lebte in dem Zeitalter des Aufkommens des Bürgertums, dem Goethe angehörte, und des sog. „aufgeklärten Absolutismus‘“, also in einer noch feudalen Gesellschaft wie bei Götzen, dem Prinzen und der Willkür des Gesetzes unterworfen. Bei Goethe hieß es aber, diese Gesellschaftsform in Frage zu stellen, aber nicht durch einen ideologischen Kampf, dafür war Goethe noch nicht „groß“ genug, sondern auf der Ebene der Literatur. In dieser Arbeit geht es infolgedessen darum, nicht nur den Inhalt des Stückes und die implizite ideologische sturm-und-drängische Botschaft, die es enthüllt, sondern auch die Art und Weise, auf die diese Botschaft schriftlich und dramatisch veranschaulicht wird, zu analysieren. Das „Schauspiel“, mit dem wir uns befassen, bildet einen metaphorischen Rahmen, in den der Bürger Goethe die sozial-gesellschaftlichen Auseinandersetzungen seiner Zeit überträgt, in dem er zur Umwandlungen aufruft, zur „Revolution“. Inwiefern aber stellt das Schauspiel Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand ein revolutionäres dramatisches Stück dar? Zunächst gilt es, sich auf die Form des Stückes zu konzentrieren und auf dessen Bruch-Eigenschaft einzugehen, indem es zu fragen ist, ob Goethe durch sein Stück mit allem vorigem wirklich bricht. Dann werden wir uns mit dem Inhalt des Stückes auf zweierlei Weise beschäftigen: Demnächst hieß es, die Verlagerung der sozialen Probleme des Endes des 18. Jh. ins Mittelalter zu erörtern und den Untergang Götzens im Bezug auf das Gesellschaftliche zu analysieren. Anschließend gehen wir zu dem gegensätzlichen Paar Götz-Weislingen über, um Götz als Individuum genauer kennenzulernen und die dramatische Botschaft Goethes endlich zusammenzufassen.

I/ Sturm und Drang

A/ Der Sturm: Mit allem brechen?

Durch das Schauspiel Götz beabsichtigt Goethe die bisher geltende klassische Dramaturgie in Frage zu stellen. Wie der ehemalige Dozent der Universität von Lyon Joël Lefebvre hervorhebt: « Entre 1770 et 1778, on est pour ou contre Shakespeare, pour ou contre les règles classiques, pour ou contre Götz von Berlichingen. »[3] Die Reaktionen der damaligen literaturinteressierten Intellektuellen sind demgemäß unterschiedlich: Während der Philosoph Johann Georg Hamann (1730-1788) Götz als den „Ankunft einer neuen Dramaturgie“ lobt, behält der alte, klassische Aufklärer Christoph Martin Wieland (1733-1813) einen kühleren Kopf und würdigt Götz als ein „schönes Ungeheuer“. Auf weniger wohlgesinnte Weise sagt vom Götz der aufgeklärte Absolutist Friedrich II., genannt der Große, auf Französisch, wie es am Hof des preußischen Königs anstandsgemäß war, es sei „ un mélange bizarre de bassesse et de grandeur, de boufonnerie et de tragique[4]. Unter diesem Urteil ist zu verstehen, dass die Form, unter der Götz gestaltet wurde, den Geschmack des Hofes, des angeprangerten, herrschenden Standes verletzt, was typisch für den Sturm und Drang ist, wie es im Grimm’schen Wörterbuch 1897 hieß: „ der sturm richtete sich vor allem gegen die formen, in denen die schulüberlieferung die geister erzog, regeln, principien, system, sodasz nun wankend wurde, was bisher als das festeste und nötigste für den bestand der geisterwelt und nicht blosz dieser galt.“[5] Die Bezeichnung „Sturm und Drang“ geht auf das gleichnamige Stück des Dramatikers Friedrich Maximilian von Klinger (1752-1831) zurück, der der Generation von jenen jungen Schriftstellern angehörte, die sich um Goethe versammelt hatte, wie auch beispielsweise Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792). Das Stück wurde für diese literarische Strömung des Endes des 18. Jh. namensgebend, weil sein Titel alles zusammenfasst, wonach die Sturm und Dränger strebten: „Drang“ nach Freiheit und „Sturm“ gegen die alten Klassiker, die Aufklärer, die nach der Meinung jener jungen Autoren die Welt in ihren Werken nicht zu schildern vermochten, sodass sie diese Welt nicht befreien und die Menschen nicht mehr erziehen konnten. Bei dem Sturm und Drang handelt es sich also um eine „Jugendbewegung“, die sich gegen eine als unfähig geworden angesehene „Vätergeneration“ richtete.

Das Ziel ist zunächst die Form der Dramen zu ändern, damit im Theater die Welt, wie sie ist, dargestellt werden kann. Der Untertitel des Götz heißt demgemäß „Ein Schauspiel“, was alles sein kann, und eben alles ist. Ein Personenverzeichnis ist bei Götz ursprünglich nicht vorhanden, heutzutage wird in Anlehnung an die anderen Dramen eines vor dem Anfang des Stückes hinzugefügt, was uns zeigt, dass Goethe von Anfang an nicht dazu bereit war, die Regeln des klassischen Theaters zu beachten. Immerhin kann aus dem Personenverzeichnis herausgestellt werden, dass die im Stück vorkommenden Personen allerarten sind, wie das Schauspiel alles ist. Die Mischung der Stände ist das erste bemerkenswerte, damals schockierende Element: Vorkommend sind nicht nur Menschen aus den drei Ständen: Kaiser, Räte, Schwertadel (die Berlichinger), Hofadel (die Bamberger) für die bellatores; Geistlichen, Humanisten für die oratores; Bürger, Knechte und Bauern für die laboratores; sondern auch Menschen, die am Rande dieser Ständegesellschaft „leben“ wie die Zigeuner. Wie bei Shakespeare (1564-1616), dem großen Vorbild Goethes, ist keine Beachtung der klassischen Ständeklausel zu finden, die eigentlich überflüssig wäre: Ziel Goethes ist die Auseinandersetzung zwischen Adligen und Bürgern nicht als Vertreter ihrer Stände, sondern als Menschenzu schildern, die zur Einen Welt, der einzigen Einheit, die es geben kann, gehören.

Wie in Lessings Minna von Barnhelm fängt Götz in einem Herberge, dem schlechtinnigen Ort der Mischung der Stände, wo das Private der Angehörigen aller Stände dargestellt werden kann. In der ersten Szene des Stückes kommen die künftigen Anführer der sich um 1524 aufstehenden Bauernschar vor, und schon 20 Jahre vor dem Bauernaufstand werden sie als gewaltbereite Blutsüchtigen dargestellt, wennschon den Berlichinger Rittern freundlich gesinnt. Hier geht es also um Kampf zur Macht, um Gewalt zwischen dem Stande der Bauern und dem der Adeln (der Bamberger Ritter), also um Politik, eines der Hauptthemen der Tragödie, jedoch in einem Herberge verortet und von Bauern getrieben. Johann Gottfried Herder (1744-1803), ein Freund Goethes aus der Straßburger Zeit, sagte im Bezug auf Shakespeare: „ Ein unbedeutender Mensch erfährt oft Katastrophe, wie König Lear sie kaum erfuhr[6]. Lessing, den Goethe hoch verehrte, weil er auch das Theater zu reformieren vermochte, erklärte selbst in der Hamburgischen Dramaturgie:

„Die Namen von Fürsten und Helden können einem Stücke Pomp und Majestät geben; aber zur Rührung tragen sie nichts bei […] und wenn wir mit Königen Mitleiden haben, so haben es mit ihnen als mit Menschen, und nicht als mit Königen“ [7]

Es heißt also, die Figuren so zu gestalten, dass das Publikum, d.h. Menschen aus allen Ständen, eben Menschen, sich mit ihnen identifizieren kann, i.e. die Bühnennähe durch eine realitätsnahe Gestaltung der Personen zu verstärken. Der Schriftsteller Claude Mourthé ist zuzustimmen, wenn er bezüglich der Figuren vonShakespeares Hamlet sagt: « Tout le monde n’est pas fils de roi […] mais qui ne comprend le mal que peut causer un adultère, qui ne rève de vengeance après une exaction flagrante et qui n’a pleuré en perdant son cher amour comme Ophélie ? » [8] Es gilt hier, dem Bürger, dem Hauptadressaten von Götz näher zu sein. Der bürgernahe Herder schreibt:

„Der Ungeheuer auf Thronen sind wir satt: wir wollen in den uns näheren Ständen und Verhältnißen Menschen sehen, die mit eigner Kraft als vielleicht jene Schickung abwenden oder gegen sie kämpfen. Sokrates und Epaminondas, die Horazier, Coriola, Regidus, Brutus, Cinna, Seneka, Papinian u.f. waren keine Könige, sondern Bürger“ [9]

Hier geht es nicht um die Frage der Fallhöhe wie bei der klassischen Tragödie, sondern um den einfachen Fall von Menschen, die wie der Zuschauer Menschen sind. Die Furcht, die phobos, die dadurch erzeugt wird, ist nichts anderes als „auf uns bezogenes Mitleid“ wie Lessing seinem Freund Friedrich Nicolai (1733-1811) schrieb.

Daher gilt es auch Elemente der Komik hinzufügen, weil sie zur Nähe beitragen: Die ersten ausgesprochenen Worte des Stückes sind der Komik eigenartig: Der Bauer Sievers ruft: „ Hänsel, noch ein Glas Branntwein, und meß christlich. “ (I, 1, S. 5, Z. 6f) Dabei steht Hänsel als Erinnerung an den possenartigen Hanswurst und das ironisch verwendete Adverb „christlich“ lassen den Zuschauer lächeln und sich mit der Bühnenfigur identifizieren. Dass solche Elemente in einer Bearbeitung des Stoffes „Götz“ vorkommen, ist an sich schockierend, was das Ziel Goethes ist. Daher auch in der ersten Szene die Bühnenanweisung „leise“: Leise sprechen bedeutet mit dem Publikum sprechen, nicht mit denjenigen, die auf der Bühne sind. Dadurch erfolgt eine Art Vertraulichkeit zwischen der sprechenden Figur und den Zuschauern. Was gesagt wird, ist also als wahr anzunehmen, und dass im Streit zwischen den Bambergern und den Berlichingern Götz die Rolle der „getreuherzige“ Ritter spielt, soll wahr sein. Sievers fügt auch hinzu: „ wenn nichts wär durch falsche Leut verraten worden, wollt er ihm das Bad gesegnet und ihn ausgrieben haben. “ (I, 1, S. 6, Z. 3f) Durch die Expositionsszene sind schon also alle Elemente, aus denen die Handlung des Stückes besteht, vorhanden: Es geht hier nicht um den Konflikt zwischen zwei Mächten, sondern um den Privatkrieg zwischen zwei Menschen: Weislingen, „Des Bischofs rechte Hand“, und Götzen. Theater ist Darstellung und auch Konflikt, d.h. im Latein conflictus, was so viel bedeutet als Zusammenstoß, und eigentlich Zusammenstoß zwischen zwei Welten, einer überkommenden und einer untergehenden. Und dieser Konflikt wird durch das Private betrachtet, im Inneren, in einer Herberge oder am Hof auch in Privatgemächern, wo aber immer und auch bei privaten Beziehungen fälschliche Repräsentation und Spiel (oder Schachspiel, siehe II, 1,S. 36f) herrschen. Es geht hier schlechthin um Menschliches, aber im tragischen Sinn, was Denis Diderot (1713-1784), der stark Lessing und also Goethe beeinflusst hat, die „Tragik des Alltags“ nannte. Es heißt dabei „ les grands intérêts et les grandes passions dans les actions les plus communes de la vie[10] darzustellen.

Beim Götz handelt es sich also um keine Tragödie, um keine Komödie, d.h. es geht um keine Gattungspoetik. Es gilt immerhin hier auch zu ergötzen und belehren, oder wie Horaz (65a-8a) sagte: „ delectare et prodesse “, genau wie bei Johann Christof Gottsched (1700-1766), aber nicht nur um des Theaters willen, sondern für den Menschen. In der Hamburgischen Dramaturgie schreibt Lessing dazu:

„Was will man endlich mit der Vermischung der Gattungen überhaupt? In den Lehrbüchern sondre man sie so genau von einander ab, als möglich: aber wenn ein Genie, höherer Absichten wegen, mehrere derselben in einem und eben demselben Werke zusammenfließen hält, so vergesse man das Lehrbuch und untersuche bloß, ob es diese höheren Absichten erreicht hat. […] Genug, daß mich dieser Zwitter mehr vergnügt, mehr erbauet als die gesetzmäßigen Geburten eurer korrekten Racinen. Weil der Maulesel wider Pferd noch Esel ist, ist er darum weniger eines von den nutzbarsten lasttragenden Tieren?“[11]

Die Handlung ist schon in der ersten Szene völlig geschildert, ist also nicht das Zentralelement des Stückes, sondern ein Vorwand zum Sprechen, zum Dialog, zur menschlichen Kommunikation. Es gilt also auf die Sprache einzugehen, eigentlich eine neue schockierende erfundene, süddeutsch (schwäbisch wie Götz) geprägte Sprache, eine Kunstsprache, die alle Stände teilen, wennschon gehobener, ja lebensfremder und hauptsächlich welscher bei den Hofleuten wie z.B. Wörter wie „räsoniert“ (I, 1, S. 6, Z. 7) zeigen, während einfache Sprecher eine derbere Sprache benutzen: „ Lumpenhunde die Reiter! wann man sie nit bezahlt, tun sie dir keinen Streich! “ sagt Siever (I, 1, S.7, Z. 13f)). Diese derbere Sprache wird aber auch von sozial höhergestellten Menschen verwendet wie Götz, der sich die Verwendung von Lautmalereien nicht verweigert wie„blaff“ (III, 18, S. 73, Z. 17), und der sich auch den Weg des Grobianismus‘ zutraut und „natürlich“ spricht wie bei dem hoch berühmten Schwäbischen Gruß: „ Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag’s ihm, er kann mich [im Arsch lecken.] “ (III, 17, S. 72, Z. 40f) Hiermit wird die natürliche Schönheit Götzens beschwört, er ist sympatisch, spricht, was er denkt, und tut, was er spricht. Goethe zeigt nicht nur das Schöne, wie man es haben wollte, sondern wie es wirklich ist: „ Ein Poet ist ein geschickter Nachahmer aller natürlichen Dinge “, schrieb Gottsched[12]. Eine solche natürliche Sprache verbricht alle gesellschaftlichen Tabus, was auch Ziel Goethes ist. Es gilt nicht nur sich dem Realitätssinn zu widmen, wie ihn Lessing bei Plautus lobte, sondern auch eine realitätsnahe Sprache zu kreieren. Hier hat man gar nicht mit einer hohen Verssprache zu tun, wie sie bei den französischen Dramatikern zu finden ist, sondern mit einer alltäglichen, bürgerlichen Prosa. Nicht die Sprache, sondern der Sprecher soll gehoben sein: Der Mensch ist groß, weil er eben von Natur her Mensch ist. Goethe sagte in seiner Rede Zum Shäkespears Tag (1772): „ Und ich rufe Natur! Natur! nichts so Natur als Shakespeares Menschen![13]

Sprechen ist Handeln, und oft wird die Handlung nur durch Berichte erzählt, wie im epischen Theater. Geniebeweisend bedient sich Goethe aller Möglichkeiten, Zeit zu gewinnen: Berichte, Rückblende; und das Private zu beschwören: Monologe, Lieder, intime Schilderungen.Es geht also hier um eine handelnde Sprache, nicht um die lange Verssprache der Klassiker. Lange Monologe wie z.B. in Schillers Maria Stuart (1800) sind hier nicht zu finden. Man hat hier mit kleinen „Momentaufnahmen“ zu tun, und der Rhythmus des Sprechens ändert sich infolge der „Handlung“: Bei ruhigen Momenten wie auf der Burg (III, 20, S.75ff) geht es langsam, aber bei der Schlacht (III 7-14, S. 63ff) haben wir kürzere Schauplatzwechseln. Das Stück umfasst fünf Aufzüge, die alle gewissermaßen ebenso lang dauern, die aber gar nicht mit dem tektonischen Aufbau des klassischen Dramas zu tun haben: Es geht hier nicht darum, die Handlung in Aufzügen zu zerlegen, sondern Momentaufnahmen der Handlung reihenfolgend zu unterscheiden, es handelt sich hier also mehr um „Reihen“ als um „Akte“, um „Handlungen“. Zeitsprünge und Ortsprünge sind demgemäß und wie bei Shakespeare haufenmäßig zu finden: Es gibt tatsächlich mehr als 58 Schauplatzwechseln, sowie 23 Orte und 55 Personen. Einheiten der Ort und der Zeit im Sinne des aristotelischen Dramas werden nicht berücksichtigt, die Handlung erstreckt sich über mehr als 20 Jahre, fängt ein Jahr nach der Schlacht von Landshut im 1504 an, wo Götz die rechte Hand verliert, wie es der Mönch Martin berichtet: „ Es war ein Mönch bei uns vor Jahr und Tag, der Euch besuchte, wie sie Euch abgeschossen ward vor Landshut.“ (I, 3, S. 13, Z. 2-4), und endet mit dem Tode der Figur Götzens um 1525.

Aristoteles schrieb in der Poetik:

„die Tragödie versucht, sich nach Möglichkeit innerhalb eines einzigen Sonnenumlaufs zu halten oder nur wenig darüber hinauszugehen; das Epos verfügt über unbeschränkte Zeit und ist also auch in diesem Punkte anders - obwohl man es hierin ursprünglich bei den Tragödien ebenso gehalten hatte wie bei den Epen.“ [14]

Es wird auch im Stück auf tragische Weise viel gestorben, und nicht nur im Schwaben, sondern auch in Franken und Bayern, was nicht der Regel der Ortseinheit nicht entspricht, sondern Goethes Absicht, die darin besteht, dem Zuschauer zu zeigen, dass die Welt an sich Einheit ist, dass das Ganze des Lebens überall vorhanden ist.

Auf dem ersten Blick schiene das ganze Stück brüchig und nur als Reihen von Momentaufnahmen gebaut zu sein, was freilich nicht der Fall ist. Der Literaturwissenschaftler Rainer Nägele erklärt in diesem Sinn: „sofern die Struktur des Stückes mit seiner Vielzahl oft diskontinuierlich Szenen einfach als regelwidrig abgelehnt wird, galt es, ein Prinzip der Ganzheit und Einheit zu finden.“[15] Das Stück ist „regelwidrig“, also sollen wir uns auch mit „regelwidrigen“ Aspekten abfinden wie der „Brüchigkeit“ der Handlung. Wie Herder im Bezug auf Shakespeares Stücke es sagte, haben wir hier mit einem „Meer von Begebenheiten[16] “ zu tun. Laut der Literaturwissenschaftler Benno von Wiese (1903-1987) ist Shakespeare der „ Inbegriff eines architektonisch bauenden Kunstverstandes, in dessen gewaltigen und scheinbar maßlosen Schöpfungen sich ebenso Ordnung und Maß der Welt spiegelt wie in der ruhigen Weisheit des griechischen Dramas.[17] Der Zuschauer muss Brücke schlagen, um die ganze Handlung zu verstehen, zu rekonstruieren: Die Geschichte mit dem Berlichinger Buben, der am Anfang vom Bischof von Bamberg gefangengenommen wurde, ist unklar; der Tod des einbeinigen Selbitz‘ wird nicht angegeben; im Bezug auf die Zeitangaben ist nichts Klares, nichts Glaubwürdiges, was „regelwidrig“ ist, wenn man an das Drama von Gottsched erinnert, der schrieb: „ Denn wenn eine Fabel nicht wahrscheinlich ist, so taugt sie nichts.[18] Aber alle diese Charaktere sind nicht nur da für sich, sondern sind, wie Benno von Wiese es zeigt, „ unwissende, blinde Werkzeuge zum Ganzen eines theatralischen Bildes, einer Größen habenden Begebenheit, die nur der Dichter überschaut.“[19] Der Handlung geht es darum, den Untergang eines geniehaften Helden zu schildern: Götz stirbt tatsächlich am Ende des Stückes und damit hat die Handlung ihr Ende. Das Ganze des Stückes besteht jedochhier nicht in der unglaubwürdigen Handlung, sondern in der dargestellten Welt, der Einen Welt, deren Rekonstruktion durch das Genie des Dichters erfolgt. Lessing sagte in der Hamburgischen Dramaturgie: „ Das Genie liebt Einfalt, der Witz Verwicklung.[20] Das Genie baut durch sein Werk die Welt wieder. Während seines Aufenthaltes in Straßburg bewunderte Goethe die gotischen Bauten und v.a. die Arbeit des mittelalterlichen Baumeisters Erwin von Steinbach (1244-1318), des Genies des Steines, dessen Meisterwerk, der Straßburger Münster, den Himmel zu berühren scheint. Goethe bezeichnet den Baumeister in Von deutscher Baukunst (1773) als einen „prometheischen Schöpfer“.

Hier gilt es also die prometheische Schönheit des Menschen zu zeigen. Weniger als Shakespeare bedient sich Goethe des Wunderlichen, allerdings überträgt es auf den Bereich des Volkstümlichen, wie wenn das Pferd Weislingens scheut (II, 3, S. 40, Z. 12), als er wieder Bamberg betritt, was als Vorzeichen für seinen Untergang von den anwesenden, volkstümlich abergläubischen Volksleuten wahrgenommen wird. Auch das Fehmegericht (V, 11 S. 107f), ein traditionelles Element des „deutschen“ Rachenrechtes, schien nur aus gespenstartigen Namenlosen zu bestehen. Ein Unbekannter auch warnt Götz vor der Gefahr der verräterischen Bauern (V, 5, S. 99), er taucht aus dem Nichts als eine Art deus ex machina. Es gibt eigentlich nichts Wunderbares, keine Hexen wie bei Macbeth und kein Geist wie bei Hamlet, außer als Maria dem sterbenden Weislingen erscheint (V, 10, S. 105), wobei sie aber kein Geist ist, sondern die echte Maria. Das Wunderbare liegt nur daran, dass Weislingen höchst verzweifelt ist, und glaubt, Geister zu sehen. Was wirklich wunderbar ist, ist die Tatsache, dass Maria sich zu Weislingen begibt, um seinem Vater den Tode zu weichen. Hier stimmt Goethe mit Gottsched überein, der schrieb: „ Das Wunderbare muß noch allezeit in den Schranken der Natur bleiben.“[21] Man muss den Zuschauer erschrecken, indem die Furcht durch Menschliches erregt wird, nicht durch grässliche Elemente, wie z.B. den Tod einer Dame wie Adelheid, der nicht gezeigt wird. Den Zuschauer darf nicht in seiner Würde verletzt werden. Wie Boileau in L’Art poétique sagte:

Ce qu’on ne doit point voir, qu’un récit nous l’expose / Les yeux en la voyant saisissent mieux la chose. Mais il est des objets que l’art judicieux / Doit offrir à l’oreille et reculer des yeux “ (Chant III).

Das Schöne muss unterstrichen werden: Im Schwäbischen Gruß werden die zwei letzten Worte verschwiegen, aber alle Zuschauer haben damals verstanden, was da zu sagen war.

Nicht der Anstand, sondern die Regeln sind Goethe ein Gefängnis. In der schon erwähnten Rede erklärte er:

„Ich zweifelte keine Augenblick dem regelmäsigen Theater zu entsagen. Es schien mir die Einheit des Orts so kerckermäsig ängstlich, die Enheiten der Handlung und der Zeit lästige Fesseln unsrer Einbildungskrafft. Ich sprang in die freye Lufft, und fühlte erste dass ich Hände und Füsse hatte“ [22]

Dem klassischen Theater hat er, wie Götz, der in dieser Rede schon verteidigt, „Fehde angekündigt“. Die Regeln, so heißt es, verhindern den Menschen in seiner Selbstfindung. Gottsched, der der „Regelmäßigkeit“ huldigte, erklärte in seiner Poetik namens Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen (1730), die Franzosen seien die besten Nachahmer der Griechen, weil sie regelmäßig seien, während Herder die Franzosen als „Puppe“ bezeichnete, als epigonenhaft betrachtete, was auch Goethe teilte: „ Französgen, was willst du mit der griechischen Rüstung, sie ist dir zu gros und zu schwer[23]

Vielmehr sahen Goethe und seine Freunde in den Griechen Dichter der Ursprünglichkeit, v.a. verehrten sie Homer und seine Dichtung ohne Regel, betrachteten den blinden Aöde als ein „Originalgenie“, sowie auch Ossian / Macpherson, der um 1769 ins Deutsche übersetzt und hoch gewürdigt wurde. Daher sammelten auch Herder und Goethe Volkslieder, weil sie auch original seien. Da Shakespeare als Poet ohne Regel betrachtet wurde, wurde er auch als Genie angesehen, während hingegen Gottsched in ihm nur „Unnatur“ sah. In Beyträgen zur Historie und Aufnahme des Theaters verurteilt Lessing den regelmäßigen Gottsched:

„Er hätte aus unserm alten dramatischen Stücken, welche er vertrieb, hinlänglich abmerken könne, daß wir mehr in den Geschmack der Engländer, als der Franzose einschlagen; daß wir in unsren Trauerspielen mehr sehen und denken wollen, als uns das furchtsame französische Trauerspiel zu sehen und zu denken gibt; daß das Große, das Schreckliche, das Melancholische besser auf uns wirkt als das Artige, das Zärthliche, das Verliebte, daß uns die zu große Einfalt mehr ermüde, als die zu große Verwirklichung etc. Er hätte also auf dieser Spur bleiben sollen, und sie würde ihre geraden Weges auf das englische Theater geführet haben.“ [24]

Die Griechen aber sind zu fern vom deutschen Publikum, es heißt also ein germanischeres Vorbild zu finden, und dazu fungiert Shakespeare. Dies find seinen Grund darin, dass das deutsche Publikum anders ist als das französische, wie Lessing in Briefen die neueste Literatur betreffend es bemerkt:

„Die Bühne des Franzosen ist doch wenigstens das Vergnügen einer ganzen großen Hauptstadt; da in den Hauptstädten des Deutschen, die Bude der Spott des Pöbels ist. Der Franzose kann sich doch wenigstens rühmen, oft seinen Monarchen, einen ganz prächtigen Hof, die größten und würdigsten Männer des Reichs, die feinste Welt zu unterhalten; da der Deutsche sehr zufrieden sein muß, wenn ihm ein Paar Dutzend ehrlich Privatleute, die sich schüchtern nach der Bude schlichen, zuhören wollen.“ [25]

In der Kleinstaaterei Deutschland existiert das „Theater“, wie man es damals in Frankreich versteht, kaum noch: Dramen wurden überwiegend von Wandertruppen gespielt, die ein fahrendes Volk bildeten, das von der Kirche verurteilt wurde als Schar von Prostituierten. Wie es in Werther heißt: „ Es folgt ihm kein Geistlicher.“ Das autorisierte Theater bestand damals hauptsächlich aus heute ignorierten Inszenierungen der Heilgeschichte, daneben entstand aber auch ein profanes Theater zwecks der Erziehung des Volkes, wie es beispielsweise bei Gottsched hieß. Aber was sesshafte Truppen anging, befanden sich sie vor allem auf den Höfen, wo die Bürger keinen Zutritt hatten. Oft wurde auf dem Marktplatz gespielt, Theater diente als Unterhaltung. Dies galt auch für Lessings „Nationale Theater“, einen der ersten Versuche, ein deutsches Theaterhaus zu gründen, aber dort ging es auch um unterhaltende Kunst: Gespielt wurden die Stücke neben Akrobaten und Tierschauen.

Die schockierende Form von Götz folgt aus diesen Überlegungen über ein Theater deutscher Art. Nicht den Regeln, sondern dem Genie, der Freiheit soll ein Theaterstück entsprechen, wie der augustinischer Mönch Martin, der eigentlich als Martin Luther zu betrachten ist, es äußert: „ Kein Gelübde sollte mich abhalten wieder in den Orden zu treten, den mein Schöpfer selbst gestiftet hat.“ (I, 2, S. 11, Z. 26f) Als er jedoch erkennt, dass er wegen seiner Gelübde zu schwach ist, um Ritter zu sein, um zu leben, soll er resignieren und der „ Wiederkehr in meinen Käfig “ annehmen. „ Die Welt ist ein Gefängnis “ beschließt Elisabeth, als Götz stirbt (V, 14, S.111, Z. 30), und es heißt bei Goethe, auf literarische Weise den Menschen dermaßen zu erziehen, dass er zur Befreiung gelangen kann, so wie es in Richard II Shakespeare schrieb: „ I have been studying how I may compare / The prison where I live unto the world.“

B/ Der Drang nach Freiheit

Bevor er stirbt, ruft Götz in der letzten Szene des Stückes (V, 14, S. 111, Z. 28): „ Himmlische Luft -Freiheit! Freiheit! “, was für den Sturm und Drang ganz programmatisch ist. Joël Lefebvre erklärt zu Recht:

„Socialement, la pièce traduit sans doute l’aspiration de la jeunesse bourgeoise allemande à plus de liberté, d’authenticité et de spontanéité dans les relations humaines […] Esthétiquement, cette aspiration s’exprime dans la révolte contre les dogmes de la poétique dominante, ressenties comme d’origine aristocratique.“ [26]

Jedoch ist zu bemerken, dass im Stück die von den Aristokraten vorgeherrschte Ständegesellschaft nicht an sich in Frage gestellt wird. Der Kaiser bleibt derjenige, dem man „treufest“ bleiben soll, wie es Götz tut, der die Unmittelbarkeit der kaiserlichen Macht als Dogma annimmt. „Unmittelbarkeit“ gehört auch dem lutherischen Jargon im Sinn von Unmittelbarkeit zwischen Gott und dem Menschen, zwischen der gottgewollten Ordnung und dem Untertan. Kaiser Maximilian, genannt „der letzte Ritter“, ist als Alleinherrscher dargestellt, seine Gewalt wirkt durch das kaiserliche Apparat der Räte und der Reichsarmee zentralistisch. Das Stück spielt in verschiedenen Regionen des Reiches, die aber eben diesem Reich unterworfen sind, in denen der Machtstelle des Kaisers unbestritten bleibt, was zumindest Götz glaubt, und was eigentlich in der geschichtlichen Wahrheit nicht der Fall war: Das Reich war schwach, und die Reformation Luthers war ein guter Vorwand für jene Fürsten, die sich gegen den katholischen Kaiser Karl V. erhoben. Immerhin gilt der im Stück vorkommende Kaiser als derjenige, der alle Macht in einer Person vereint. Goethe war Lutheraner und hier folgt er der Obrigkeitslehre Luthers gemäß Römer 13, 1: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet.“ Goethe selber sagte: „ Es gibt eines, das kein Kind mit auf die Welt bringt, und doch ist es das eine, wovon alles abhängt, damit ein Mensch im vollen Sinne Mensch wird: Ehrfurcht.“ Wie die Treue ist die Gehorsamkeit eine Tugend, die Götz aufs Herzlichste verteidigt, als er sagt: „ Weil wir fest entschlossen sind, zu sterben eh, als jemanden die Luft zu verdanken, außer Gott, und unsere Treu und Dienst zu leisten, als dem Kaiser.“ (I, 3, S. 23, Z. 38ff) Götz erklärt auch, als Jagsthausen sich in der Belagerung befand: „ Ich lieb ihn […] ich weiß, er wünscht sich manchmal lieber tot, als länger die Seele eines so krüppeligen Körpers zu sein.“ (III, 20, S. 75, Z. 17 und Z.20ff) Unter „Körper“ ist hier eher das Reich zu verstehen, ein Reich, das zur Zeit Goethes auch schwach ist, das unfrei ist, weil dessen Volk sich im Gefängnis der Regeln der Gesellschaft befand. Es geht hier um Emanzipation, um individuelle Freiheit, aber nicht um gesellschaftliche Freiheit. In Von der freyheit eines Christenmenschen definierte Luther das Konzept der „Inneren Freiheit“: wennschon dem Fürsten Untertan, ist der Mensch immer frei, frei zu dienen, seelischem Wohl wird nicht von der Gewalt des Fürsten geschadet.

Der Mensch ist auch frei zu handeln, wie Götz, dem „still zu halten“ unmöglich ist, wie Weislingen es bewertet (IV, 4, S. 87, Z. 26). Als er sich im Heilbronner Turm befand, grummelt Götz: „ Ich arbeite mich ab und fruchte mir nichts! Die Meineidigen! “ (IV, 1, S. 78, Z. 30) Bei seiner Befreiung durch den guten Sickingen hat er die Möglichkeit „das weite Feld zu gewinnen“ (IV, 2, S. 83, Z. 23)), jedoch erklärt er: „ Aber ich will Euch lehren, wie man Wort hält! “ (Z.24) Er will nicht wie ein „Hasenjäger“ fliehen, und „verlange nichts als ritterliche Haft“ (IV, 3, S. 85, Z. 10), worauf Sickingen erklärt: „ Du bist zu ehrlich. Dich nicht einmal des Vorteils zu bedienen, den der Rechtschaffene über den Meineidigen hat! Sie sitzen im Unrecht, wir wollen ihnen keine Kissen unterlegen. Sie haben die Befehle des Kaisers schändlich mißbraucht.“ (Z. 11ff) Für Götz aber ist nicht wichtig, wirklich „frei“ zu sein, weil er immer frei bleibt, solang er als freier Mensch handelt. Er erklärt im Bezug auf seine gefangenen Kampfgenossen: „ Sie haben ihren Lohn, er ward mit ihnen geboren, ein freies edles Herz. Laß sie gefangen sein, sie sind frei! “ (IV, 1, S. 79, Z. 13) Da sie sich entschieden haben, Götzen zu folgen als freie Menschen, sind sie nicht deshalb unfrei, im Gefängnis zu sitzen. Die Freiheit, die hier Goethe verteidigt, ist eine Rousseau’sche Freiheit: von der Gesellschaft unabhängig, innenbezogen, naturgegeben. Rousseau sagte: « Cependant, l’homme est naturellement bon, je crois l’avoir démontré. » Von Natur her ist der Mensch frei und deshalb gut. Benno von Wiese ist zuzustimmen, wenn er diese Auffassung der Freiheit so beschreibt: „ Befreiung des Ichs aus den sozialen, moralischen und religiösen Bindungen, die der Entfaltung seiner Innerlichkeit und Eigentümlichkeit im Wege standen.[27] Nichts Wichtigeres gibt es hier als die Freiheit. In belagertem Jagsthausen rufen die Belagerten dreimal „Es lebe die Freiheit!“ (III, 20, S. 75, Z. 27f), dreimal wie auch Gott dreifältig ist. Hier geht es nicht um die die Freiheit im Diesseits, die der Aufklärung, sondern um die barocke Freiheit im Jenseits, wo es „himmlische Luft“ gibt.

„Die Welt ist ein Gefängnis“, dem der Mensch ausfliehen kann, indem er dem lutherischen Arbeitsethos gemäß tätig bleibt. Lenz schreibt in seinen Anmerkungen übers Theater (1775) über Götz: „Sehen Sie: da ist der ganze Mann, immer weggeschäftigt, tätig wärmend und wohltuend wie die Sonne“ [28] Der Mensch bleibt frei, am Leben, nur wenn er tätig ist: „Am Anfang war die Tat.“ Als Götz mit der Reichsbann belegt wird, ist er zur Untätigkeit verdammt, zum Müßiggang, einer zur Zeit Goethes geltenden Tugend der Aristokratie, einem Laster in den Augen eines evangelischen Bürgers wie Goethe, der durch Götz spricht, als dieser sagt: „ Schreiben ist geschäftiger Müßiggang. “ (IV, 5, S. 90, Z. 13) Das schreibt Goethe, als er sich eben in Wetzlar als Jurist am unbedeutend gewordenen Reichskammerhof langweilt. Goethe ist ein Mann der Handlung, ihm tröstet es, wenn Sickingen ruft: „ Mut verlernt sich nicht, wie er sich nicht lernt. “ (IV, 3, S. 85, Z. 39) Der mutige Mann ist Genie beweisend, und der Mut ist Sache der Natur.

Lerse, das literarische Pendant des Freundes Goethes, sagt: „ Die Jagd ist doch immer was, und eine Art von Krieg. “ (IV, 5, S. 91, Z. 12)) Als er dies sagt, befinden sich die Berlichinger in Jagsthausen, d.h. im Haus der Jagd, der Natur, mitten im Walde gesperrt, und Götz sieht sich gezwungen, seine Stiefeln durch „Pantoffeln“ zu ersetzen. Doch trägt Götz keine Pantoffeln, er ist Mensch der Tat und in der Natur verwickelt er sich. „Packen wir sie zwischen Beerheim und Mühlbach im Wald“ ruft er, als er sich gegen die kaiserlichen Ritter zu wehren beabsichtigt. (II, 10, S. 53, Z. 39). Götz ist Mann der Natur und kennt sie wie er sein Herz kennt. Er erklärt seinem Sohn: „ Ich kannte alle Pfade, Weg und Furten, eh ich wußte, wie Fluß, Dorf und Burg hieß.“ (I, 3, S. 19, Z. 30)

Die Natur kann sich aber auch als Gefahr erweisen, wie der Sohn Götzens es erklärt: Es verstecken sich im Walde Zigeuner und Hexen (I, 3, S. 16, Z. 2), Außenseiter, pure Gegensätze zum Volk. „ Räuber beschützen deine Kinder “ jammert Götz im Zigeunerlager (V, 7, S. 102, Z. 16), von Weislingen angegriffen, und bemerkenswert beim regnerischen Wetter, d.h. in Anwesenheit vom Wasser, vor dem Goethe sein Leben lang der Abscheu gewinnt. Die Zigeuner helfen dennoch Götzen, den sie für „einen edlen Mann, an Gestalt und Wort“ halten (V, 6, S. 101, Z. 25). Wie in der Novelle Das öde Haus von dem Romantiker ETA Hoffmann (1776-1822) können sich auch diejenigen, die als zum „Unvolk“ gehörend betrachtet sind, als menschlich offenbaren und sogar menschlicher als die von der Gesellschaft verdorbenen Gegner Götzens, wie es ihre Sprache auch zeigt: Sie sprechen eine Art Ursprache, Sprache des Waldes, der Natur. Jedoch verlieren sie vor dem Bürger, vor Weislingen. Das Volk ist hier zugleich Madonna und Hure, muss erzogen werden, damit es zur Freiheit gelangt, zur Freiheit in der Natur, dem Gegenteil des städtischen, verdorbenen Hofes. Im Götz spielt sie ihre eigene Rolle. Wie Gott bei den Aufklärern ist die Natur bei Goethe allgegenwärtig, sowohl wohlwollend, als auch dämonisch. Sie ist schließlich Freiheit: Am Ende des Stückes stirbt Götz draußen, in der „Himmlischen Luft“, während Weislingen drinnen, aus der Natur ausgeschlossen stirbt.

Natur ist auch Ursprünglichkeit, Originalität, Leben, wie es Herder 1773 in Von deutscher Art und Kunst erklärt: Sie ist „nicht die unbearbeitete, in der Wildnis anzutreffende rohe Natur, sondern das uneingeschränkte, aufrichtige Bekenntnis des Künstlers zu sich selbst, ohne Rücksicht auf die Konventionen der Gesellschaft.“ [29] In der Natur ist es dem Menschen möglich, frei zu werden, was in der Gesellschaft unmöglich ist. Dies ist eine Tatsache, die die Zeitgenossen Goethes, die eben dieser Gesellschaft angehörten, schockiert haben mag. Die Gesellschaft ist der Verdorbenheit geliefert, was gelehrt wird, also die Bildung der Aufklärung, behindert den Menschen in seinem Weg zur Freiheit, wie beispielsweise Weislingen sich seinen Gütern, also seinem Leben entnommen sieht (I, 5, S. 30, Z. 29ff). Er wünscht sich, weit entfernt vom Hof zu leben, und eine Idylle mit Maria, der Tochter Götzens erleben zu können. Idylle ist Ausgeschlossenheit aus der Gesellschaft, von der Natur geschützt, aber mittendrin ist sie immer von jener Gesellschaft bedroht, und zum Schluss zerstört die adlige Gesellschaft alle Möglichkeiten für Weislingen, sich seiner Liebe zu Maria zu widmen. Hier übt Goethe eine scharfe Kritik am Adel, drückt als Bürger seine Adelsfeindschaft aus, seinen Hass zur „Standesperson“, zum unbegründete Vorrechte genießenden „Hochperson“. Daher erfindet er die Figur von Adelheid, deren Name schon kritisch ist: Eid und Adel sind unvereinbar, Antinomie. Jene Adligen spielen Schach (II, 1, S. 25), d.h. spielen mit der Welt und der Bischof sogar „warf einen Bauern herunter“ (I, 5, S. 34 Z. 20), wobei es an die Abhängigkeit des Bauerntums von den reichen Adligen, ihre Erbuntertänigkeit angespielt wird. Die Bauern, die schlechthinnigen Menschen der Natur, und das ganze Volk werden sogar als „Pöbel“ von Olearius, einem Rechtdoktor des Bamberger Hofes,verachtet (I, 4, S. 26, Z. 36). Das „Recht“, was die Freiheit dem Volke geben soll, ist eben gegen dies Volk gerichtet: Die Bauern dürfen nicht Genugtuung verlangen, weil sie keine „Standespersonen“ sind, und die Aufständische von 1524 werden rücksichtlos niederschlagen. Nur die Macht zählt, was auch für den Heilbronner Rat gilt: Sie denken nicht an die Rechtschaffenheit, sondern nur an die Stadt und die Gunst des Kaisers. Der Bischof schmiedet Verschwörungen zu seinen Gunsten, Adelheid verrät Weislingen, wovor der treue Götz ihn gewarnt hatte: „ Da hielt dich das unglückliche Hofleben und das Schlenzen und Scherwenzen mit den Weibern. “ (I, 3, S. 21, Z. 33f) Weislingen selbst sagt „ Du bist ein Weib, Ihr haßt keinen, der euch hofiert.“ (IV, 4, S. 88, Z. 5) Adelheid verkörpert hier die Ambivalenz der Frau, der Eva: Wunsch- und zugleich Tabuzone, Glück und Gefahr, schließlich Dekadenz. Sturm und Drang ist eine Sache von Männern, von lutherischen Puristen, Genies sind nur männliche Genies, die vorgeben, die wahre Liebe zu schätzen, etwa die Freundschaft,die als Inseln der Wahrheit außer der Gesellschaft dient, die wirklich nur zwischen Männern, wie z.B. Goethe und Lerse gilt.

Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema der Freiheit schildert hier Goethe eine barocke Welt, die als „Welttheater“ empfunden wurde, in der das Schachspiel zum Symbol der Gliederung in Stände geworden war: theatrum mundi also, wie es im Barock hieß. Das Theater gilt darin als Spiel, als „Schauspiel“, wo die Welt, wie sie vom Dramatiker empfunden wird, gezeigt ist. Claude Mourthé ist zuzustimmen, wenn er sagt:

« L’intention du théâtre a été dès l’origine et demeure encore de présenter pour ainsi dire un miroir à la nature et de montrer à la vertu son portrait, à l’ignominie son visage et au siècle même et à la société de ce temps leur aspect et leurs caractères. » [30]

Zur Zeit Goethes herrscht noch diese Gesellschaft, aber sie ist im Wandel begriffen, die Welt befindet sich an der Schwelle wie die Welt Götzens, der zum Schluss warnt: „ Es kommen die Zeiten des Betrugs, es ist ihm die Freiheit gegeben. “ (V, 14, S. 111, Z. 23)

II/ Mittelalter und Ende des 18. Jhd.: Eine Welt an der Schwelle

A/ Das Recht und die Bürger

Ulrich Karthaus fasst so zusammen, was sich in Götzens Welt verändert:

„Im ersten Aufzug wird in der Umgebung des Bischofs von Bamberg die Veränderung des Rechtwesens erörtert, die mit dem Wormser Reichstag von 1495 das alte Faustrecht außer Kraft setzte, das aus dem spätantiken Corpus iuris civilis abgeleitete und in Oberitalien ausgebildete ius commune in Deutschland einführte und damit eine Rationalisierung des gesamten öffentlichen Lebens bewirkte. Das Reichskammergericht wurde gegründet und der neue Berufstand des Juristen entstand.“[31]

In diesem Reichskammergericht arbeitete der Wetzlarer Goethe, oder eher langweilte: „ So fleißig wie ein Deutscher von Adel “ (I, 4, S.24, Z. 30) ist hier Paradox und noch die Adelsfeindschaft Goethes beweisend. Um den Landfrieden zu schützen und auf endgültige Weise die räuberischen Fehden, die z.B. der wahre Götz getrieben hatte, zum Ende führen zu können, hat sich der Kaiser entschieden, sich nicht mehr auf die oft meineidige Treue seiner Ritter, über denen er unmittelbar richtet, zu verlassen, sondern auf das Gesetz, auf die Mittelbarkeit des Rechtes, die der Jurist Goethe stark anprangert. In seinen Augen erfüllt das Gesetz nicht seine Mission, die Gerechtigkeit zu bewahren, sondern trägt dazu bei, die Ungerechtigkeit zu Gunsten des Adels und seiner Anhänger zu verschärfen. Die Juristen sind laut Goethe nur Dilettanten, Herder selbst spricht von „Affen der Humanität“, die ihre Kunst nicht verstehen, wie die beiden Rechtdoktoren des Bamberger Hofes: Der Abt von Fulda sagt vom Corpus Juris des Kaisers Justinians (482-565): „Es mag ein schön Buch sein“ (I, 4, S. 25, Z. 29), während damals dies Buch als Basis des Rechtes fungiert: Dilettant also. Das Fehderecht, die verklärte „Selbsthilfe“ oder Faustrecht, wie Goethe es durch das Werk seines Freundes Justus Mösers Vom Faustrecht aus dem Jahre 1770 gelernt hat, das Ulrich Karthaus definiert als „ eine gerechtfertigte Maßnahme zur Selbsthilfe, die das Unrecht bekämpft und damit der Verwirklichung des Rechtes dient[32], also das Hauptelement der ritterlichen Justiz hat aber in dieser neuen, vom italienischen Recht geprägten Gesellschaft keinen Platz mehr, während Götz seine Fehde für gerechtfertigt hält: Er versetzt dem Heilbronner Rat, der ihn dem Rechte nach zum Turm verurteilen will, dass er „in einer ehrlichen Fehd begriffen“ ist (IV, 2, S. 82, Z. 32). Fehderecht gehört aber zum deutschen Recht, und nicht zum welschen. Liebetraut, die Figur, die immer den Finger auf die Wunde legt, bemerkt wohl den Täuschungsversuch Olearius, der einfach ein Bürger ist, der aber sich negiert und verrät, in dem er einen welschen Namen annimmt. Ironisch sagt Liebetraut: „ Ihr tatet wohl, daß Ihr Euch übersetztet. Ein Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande, es hätt‘ Euch in Eurer Muttersprache auch so gehen können. “ (I, 4, S. 27, Z. 11f) „ Prophete links, Prophete rechts, das Weltkind in der Mitte “, schreibt Goethe zum Schluss seines Gedichts „ Diner zu Coblenz “ aus dem Jahre 1774. Das Recht soll das Gute als Grundlage haben, ein Jurist ein Humanist sein, ein Aufklärer, und kein Lügner, „ den uns eine neblichte Ferne um sie herumlügt.“ (Z. 23f) Die Juristen im Stück sind Verräter und Räuber wie der Assessor Sapupi (II, 10, S. 52), eine eindeutige Anspielung an einen Mitarbeiter Goethes in Wetzlar. „Raubvogel!“ ruft der treue Götz (I, 3, S.22, Z. 34). Dieser Sapupi raubt die Bauern und Selbitz empört sich: „Gözt! Wir sind Räuber!“ (II, 10, S. 53, Z. 20)

Sapupi ist aber „ein verfluchter schwarzer Italiener“ (II, 10, S. 52, Z. 18), und kein Deutscher: Das Thema des Nationalen steht infolgedessen im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit dem Recht und der Freiheit, Götz fragt Weislingen in diesem Sinn„ Bist du nicht ebenso frei, so edel geboren als einer in Deutschland, unabhängig, nur dem Kaiser untertan, und du schmiegst dich unter Vasallen? “ (I, 3, S. 22, Z. 2ff), worauf Weislingen antwortet: „ Du siehst die Fürsten an, wie der Wolf den Hirten. Und doch, darfst du sie schelten, daß sie ihrer Leut und Länder Bestes wahren? Sind sie denn einen Augenblick vor den ungerechten Rittern sicher, die ihre Untertanen auf allen Straßen anfallen, ihre Dörfer und Schlösser verheeren? “ Götz empört sich: „ Ja! Ja! ich versteh! Weislingen, wären die Fürsten, wie Ihr sie schildert, wir hätten alle, was wir begehren. Ruh und Frieden! Ich glaub’s wohl! Den wünscht jeder Raubvogel, die Beute nach Bequemlichkeit zu verzehren. “ (Z. 30ff) „ Ihr seht’s von Eurer Seite “ (S. 23, Z. 9) erwidert Weislingen: Recht hat stets mit Subjektivität zu tun: Der Ritter, der sich verletzt gefühlt, hat seiner Meinung nach das Recht, Genugtuung zu verlangen, obwohl er vielleicht am Anfang das Recht des anderen, nach anderem Rechtsmuster, verletzt hat. Götz betont:„ Das tut jeder. Es ist die Frage, auf welcher Licht und Recht ist, und eure Gänge scheuen wenigstens den Tag. “ (Z. 10f) Für die Heilbronner Räte sind sie in ihrem Recht, als sie Götz vor Gericht zwingen: „ Einem Räuber sind wir keine Treue schuldig “ (IV, 2, S. 82, Z. 29). Aber das Recht selbst, auf den sie sich berufen, ist verdorben, wogegen sich der Held Götz behauptet. Er ist von Natur her rein, wie es der Germanist Emil Staiger (1908-1987) betont: „ Götz ist der Mensch, wie er unmittelbar aus dem Schoß der Allnatur hervorgeht, ursprünglich in jeder Gebärde und Rede […] Dieser handelt impulsiv und findet keine anderen Gründe als die Stimme seiner Brust“ [33]

Esel der Gerechtigkeit “ ruft noch Götz, bevor er vor dem Heilbronner Gericht erscheint (IV, 1, S. 79, Z. 31). Das rechtliche Mittel, das der verratene Kaiser gegen Götz üben will, ist die Urfehde, der Verzicht auf der Selbsthilfe, darauf, ein sturm-und-drängischer „Selbsthelfer“ zu sein, und der rechthaberische Götz übertreibt fast, als er ablehnt, die Urfehde zu unterschreiben (IV, 2, S. 80ff). Götz hat seine eigene Werte, die er bis zum bitteren Tode verteidigen will: Er ist alsrechthaberischer RitterHerrscher über seinem Leben, weil er seiner Auffassung der Moral nach frei ist. „Freier Wille“ ist auch ein Element der lutherischen Lehre, und ist „gleich einem ewigen Gesetz der Natur“ (I, 5, S. 31, Z. 17). Das gegebene Wort, die Treue ist darin das Wichtigste und Götz genügt es, wenn Weislingen ihm verspricht, zurückzukehren. „ Das ist Eure Ritterpflicht “, sagt sogar Weislingen (I, 3, S. 18, Z. 36), der aber dann sich einer Frau gibt, und hört, was sie verschwörerisch schreit: „ Ritterpflicht! Kinderspiel! “ (II, 6, S. 45, Z. 4) Für Leute wie Adelheid, die dem Hofe angehören und wie die Dilettanten der Mode des Gesetzes folgt, ist Fragen wie: „ Entbinden nicht unsre Gesetze von solchen Schwüren? “ (Z. 13) nur rhetorische Fragen: Solche Leute sind dermaßen dem Verrat übergegeben, dass sie sogar das Gesetz missbraucht, um sich zu rechtfertigen, wie zur Zeit Goethes. Sie gehört dem Adel an, und es wäre angesichts der Adelsfeindschaft Goethes noch nachvollziehbarer, dass er eine seiner weiblichen adligen Figuren solche Sachen ausdrücken lässt, wennnicht die Bürger selber auch erbärmlich und wankelmütigwären: Die Nürnberger Kaufleute, also Bürger zaudern nicht davor, dem Kaiser einen „Fußfall“ zu tun und ihm derart zu flehen: „ Allerdurchlauchtigster! Großmächtigster! […] Wir bitten Eure Majestät untertänigst! “ (III, 1, S.54, Z. 29 und S. 55, Z.10). Der Gebrauch überflüssiger Superlativen lassen den Kaiser rufen: „ Wie geht’s zu! Wenn ein Kaufmann einen Pfeffersack verliert, soll man das ganze Reich aufmahnen! “ (Z. 12f) Also sind diese Bürger keine Selbsthelfer, sie sind dem Gesetz der neuen, aufkommenden Welt Untertan.

B/ Ein neues Zeitalter

Götz und seine Werte gehören zur Welt der Ritter, die auf unausweichliche Weise in den Niedergang gerät. „ Und ich bin der Letzte “, betont der freie Ritter vor seinem Tod (V, 14, S. 111, Z. 6). Wie in der Geschichtschreibung Maximilian wird Götz im Stück zum „letzten Ritter“ stilisiert, der seinen höheren Punkt erreicht hat, der wieder seinen Glückbringer Weislingen zu haben glaubte, wie er sagt: „ wenn ich dich habe, Weislingen, will ich mir’s wohl sein lassen “ (I, 2, S. 7, Z. 28); der aber schließlich von der neuen Zeit, an die er sich nicht anpassen kann, überrollt wird, wie unter einem Rad, das auch Götzens Wappen ist[34]. Es gibt keine direkte Ursachen für Götzens Tod, er stirbt, weil seine Welt untergeht: „ Meine Wurzeln sind abgehauen “, sagt er (V, 14, S. 110, Z. 35), als wäre er eine deutsche Eiche, der schlechthinnige Baum der Deutschheit. Durch die Einführung einer seelenlosen, vom kargen Gesetz bestimmten Justiz befindet sich Götzens Welt in einer Art Krisenbewusstsein, das Herder als „die Mechanisierung der Welt“ bezeichnet. Die „Maschine“ des Gesetzes lässt alles, was gesetzwidrig ist, vorübergehen, alles, was der Natur angehört. Dass die Sturm-und-Dränger sich der Vergänglichkeit des Lebens bewusst sind, ist erstens typisch deutsch, deutschbarock, und zweitens typisch sturm-und-drängisch: Dass die Sturm-und-Dränger sich für Shakespeare aufs Lebhafteste interessieren, lässt Herder denken, dass diese Interesse mit Shakespeares Untergang eng verbunden ist: Shakespeare ist nun Geschichte geworden, und man bewundert ihn wie den Straßburger Dom, als Denkmal der Geschichtlichkeit der vergänglichen Menschheit. Ebenfalls handelt es sich bei der Bearbeitung des Stoffes „Götz“ um Geschichte, dermaßen dass sie zur Geschichtsschreibung auch beitrug: Kurz nach der Veröffentlichung des Stückes schrieb Friedrich Wilhelm von Pistorius eine sich von Goethes Götz inspirierende Lebensbeschreibung Herrn Gözens von Berlichingen, zugenannt mit der Eisern Hand. Diesbezüglich schreibt Goethe an seinen Freund Salzmann im November 1771:

„Ich dramtisire die Geschichte eines der edelsten Deutschen, rette das Andencken eines braven Mannes, und die viele Arbeit die mich’s kostet, macht mir einen wahren Zeitvertreib, den ich hier so nöthig habe, denn es ist traurig an einem Ort zu leben wo unsre ganze Wircksamkeit in sich selbst summen muß.“ (S. 130)

Lessing aber hob in der Hamburgischen Dramaturgie hervor:

„Es wird ohne Grund angenommen, daß es eine Bestimmung des Theaters mit sei, das Andenken größer Männer zu erhalten: dafür ist die Geschichte, aber nicht das Theater. Auf dem Theater sollen wir nicht lernen, was dieser oder jener einzeln Mensch getan hat, sondern was ein jeder Mensch von einem gewissen Charakter unter gewissen gegebenen Umstände tun werde.“ [35]

Hier geht es nicht um „Bardendichtung“, sondern um „Bearbeitung“, wie Goethe es in Dichtung und Wahrheit erklärte: er habe beabsichtigt, „dem Werk, immer mehr historischen und nationalen Gehalt zu geben, und das, was fabelhaft oder bloß leidenschaftlich war, auszulöschen.“[36] Goethe „dramatisire“, erzählt aber nicht: Wie bei den „histories“ Shakespeares handelt es sich bei Götz um kein historisches Drama: Die Geschichte, die Handlung also, dient nur als Hintergrund, es geht hier nicht um historische Wahrheit, sondern um die poetische. „ Erzähl das noch einmal, vom Berlichingen “, sagt Metzler „leise“ zu Sievers (I, 1, S. 5, Z. 9), erwiesenermaßen zum Publikum, es wird aber im Stück die Geschichte nicht einfach wiedererzählt: Goethe entwirft hier eine Neuerzählung, er vermittelt seine Botschaft durch die Handlung, hier geht es um Vorzeichnung der Aktion durch die Sprache, die Vermittlung, worin laut Herder Shakespeare Meister war[37]. Benno von Wiese weist zu Recht darauf hin:

„Das Drama macht das ‚Resultat‘ von wirkenden Kräften unmittelbar vor unseren Augen als das Ganze einer Begebenheit anschaulich. Es ist das Ziel einer solchen ‚historischen Illusion‘ auch in der Geschichte Menschen wirkend zu sehen und wirkend zu machen.“ [38]

Herder betrachtete Shakespeare als der „ Maler der Geschichte zur höchsten theatralischen Illusion“[39], indem „ er Geschichte nahm, wie er sie fand.“[40] Goethe selber lobte Shakespeares Theater als „ ein[en] schön[en] Raritäten Kasten, in dem die Geschichte der Welt vor unsern Augen an dem unsichtbaaren Faden der Zeit vorbeywallt.“[41] Das hier gemeinte Theater besteht in einem Schaukasten, in dem Szene an Szene reihend ein Bild nach dem anderem am Auge des Betrachters vorüberzieht: sozusagen ein wohlgeordneter Halbunsinn, wie eine Ode von Pindar oder Klopstock, der 1773 seinen Messias vollendente, in dem „ eine lebendige Welt mit allem Urkundlichem ihrer Wahrheit[42] bemalt wird.

In der Hamburgischen Dramaturgie erklärt Lessing:

„Denn der dramatische Dichter ist kein Geschichtsschreiber; er erzählt nicht, was man ehedem geglaubt, daß es geschehen, sondern er läßt es vor unsern Augen nochmals geschehen […] die historische Wahrheit ist nicht sein Zweck, sondern nur das Mittel zu seinem Zwecke; er will uns täuschen und durch die Täuschung rühren.“[43]

Durch die Rührung identifiziert sich der Zuschauer mit der Hauptfigur, Mitleid (eleos) wird erregt, der Zuschauer bewundert, die Furcht übermannt ihn, die katharsis, die Reinigung erfolgt und die Leidenschaften verwandeln sich in tugendhafte Fertigkeiten, es wird also durch die Nähe mit der Hauptfigur und ihren tragischen Erlebnissen (Götzens Tod ist wohl tragisch) erzogen: so ist das Ziel Lessings Theaters, wie er an den Juden Moses Mendelssohn im Brief vom 18. Dezember 1756 schrieb: „ Der Held ist unglücklich, aber er ist über sein Unglück so weit erhaben, er ist selbst stolz darauf, daß es auch in meinen Gedanken die schreckliche Seite zu verlieren anfängt, daß ich ihn mehr beneiden, als bedauern möchte.[44] Lessing schrieb auch: „ Die Tragödie soll unsre Fähigkeit, Mitleid zu fühlen, erweitern“ [45] , und weiter: „ Der mitleidigste Mensch ist der beste Mensch “: Hier gilt es, dem Zuschauer, dem Menschen zu zeigen, dass er, als Bürger, imstande ist, mitzuleiden, d.h. die anderen Menschen aufs Herzhafteste zu verstehen, nicht durch den Schein, die Repräsentation, sondern durch den Verstand und das Herz, dadurch, woraus das menschliche Innere besteht. Lessing glaubte daran, die Menschen konnten eine „Gesellschaft“ bilden, in der jene Menschen rechtschaffend zu sein vermöchten. Jeder wollte Götz sein, und den Verräter töten, man identifiziert sich nicht mit Weislingen: Dadurch vergegenwärtigt Goethe das von ihm erwählten Stoff und macht es zeitgemäß, weil dem Menschen nah. Wie bei Aristoteles geht es hier um „ Nachahmung menschlicher Handlungen “. Goethe und seine Anhänger verstanden den großen Philosoph nicht als Genie der zeitübertreffenden Regeln, sondern der Nachahmung seiner Zeit: Er ist Genie des Zeitgemäßen, und Goethes Götz ist glaubwürdig, nicht weil er das Geschichtliche respektiert, sondern weil er die Geschichte Götzens zeitgemäß macht und zeitgemäß behandelt: Bei Uraufführung erschienen die Darsteller in historischen Kostümen, was Horaz auch empfahl. Die Aufgabe des Dramatikers, der die Identifizierung des Zuschauers mit der leidenden Hauptfigur erzielt, besteht darin, jenen Zuschauer ins Drama hineinzuversetzen, was erfordert, die Atmosphäre geschichtlicher Vergangenheit zu beschwören, was durch die Verwendungen von Archaismen beispielsweise erfolgt: „ Der Kaiser sitzt an der Quelle “, sagt der gute Götz (III, 4, S. 59, Z. 5) oder noch: „ so rot am Hals wie ein Krebs vor Zorn. “ (I, 3, S.18, Z. 28)

Herder ist dabeizuzustimmen, wenn er folgende Bemerkung macht:

„In Griechenland entstand das Drama, wie es in Norden nicht entstehen konnte […] In Norden ists also nicht und darf nicht seyn, was es in Griechenland gewesen. Also Sophokles Drama und Shakespeares Drama sind zwei Dinge, die in gewißer Betracht kaum den Namen gemein haben.“ [46]

Ortsgemäß muss also auch das Theater sein: Es heißt hier nicht, wie die Franzosen Theater zu machen, d.h. zu behaupten, wie die Griechen zu machen, sondern die Methode der Griechen an Ort und Zeit anzupassen, schlechterdings an die Gesellschaft, an die Geschichte.

Die Aufklärer sind der Ansicht, „ die Geschichte der Menschheit sei auf dem Wege zu einer besseren und endlich vollkommenen Welt begriffen.[47] Ihre Geschichtsauffassung ist teleologisch, ja schicksalhaft: Das Rad der Geschichte, das Götz zerquetscht, ist Teil Gottes Theodizee: Als „ Rechtfertigung eines im Grunde unbegreiflichen göttlichen Geschichtsplanes[48] akzeptieren die Aufklärer, dass Zeiten und Welten vorübergehen, weil auch der Mensch sich dadurch verbessert. Sie setzen sich für die Perfektibilität des Menschen ein, den sie als „Genies“ zunächst durch die Literatur, an deren Wirkung sie glauben, zu erziehen versuchen: Der Mensch ist „vervollkommnungsfähig“, ihm muss aber dazu geholfen werden, zuerst dadurch, dass aus der Geschichte, die durch die Literatur, das Drama bearbeitet wird, gelernt wird. Im Gegensatz dazu analysiert Ulrich Karthaus Herders Stellungnahme zur Geschichtsschreibung in Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit:

Es „darf der Geschichtsschreiber die Vergangenheit weder loben, noch tadeln, denn er weiß nicht einmal, ob der Mensch zur Vollkommenheit fähig ist. Wenn es eine „leitende Absicht auf Erde“ gibt, und Herder glaubt daran, so ist es dem Menschen doch verboten, sie zu definieren. Das ist dem Schöpfer vorbehalten und deshalb endet die Schrift mit dem Wort des Apostels Paulus: Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleich wie ich erkannt bin (1. Kor 13, 12).“ [49]

Ziel ist es hierbei bei Goethes Götz, dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, sich selbst durch die Identifizierung mit der Hauptfigur zu erkennen: Bei der Erziehung durch das Lehrhafte des Stückes soll der Mensch erwecken, wie Goethe selber erweckte, als er durch Herder Shakespeare kennenlernte, wie er es in der Shakespeare-Rede berichtet:

„Die erste Seite die ich in ihm las, machte mich auf Zeitlebens ihm eigen, und wie ich mit dem ersten Stücke fertig war, stund ich wie ein blindgebohrner, dem eine Wunderhand das Gesicht in einem Augenblicke schenckt. Ich erkannte, ich fühlte auf’s lebhaffteste meine Existenz um meine Unendlichkeit erweitert, alles war mir neu unbekannt, und das ungewohnte Licht machte mir Augenschmerzen. Nach und nach lernt ich sehen, und danck sey meinem erkenntlichen Genius, ich fühle noch immer lebhafft was ich gewonnen habe.“ [50]

Es handelt sich dabei um ein Erweckungserlebnis, worin Ulrich Karthaus die pietistischen Prägung der evangelischen Glaube von Goethe erkennt: „ Für pietistische Frömmigkeit ist ein Erweckungserlebnis kennzeichnend: der Pietist erfährt die Wahrheit des Glaubens in einem Akt geistlicher Wiedergeburt.[51] Pietismus ist Sache des Herzens, des menschlichen Inneren, der innerlichen Selbsterfahrung und Erfahrung des anderen: Pietismus ist rein gesellschaftlich und jeder Mensch spielt dabei seine eigene, individualisierte und individualisierende Rolle im Weltgeschehen, ist ein Teil der „Weltseele“, sofern er sich als Genie erweisen kann, was auch von gesellschaftlichen Bedingungen abhängig ist, wie es Goethe in Dichtung und Wahrheit erklärt: „In dem Menschen ist eine bildende Natur, die gleich sich thätig beweist, wann seine Existenz gesichert ist. Sobald er nichts zu sorgen und zu fürchten hat, greift der Halbgott, wirksam in seiner Ruhe, umher nach Stoff ihm seinen Geist einzuhauchen.[52]

Dabei fungiert die Figur Götz als literarischer Ausdruck dieser sturm-und-drängischen Auffassung der Individualität, der Held ist schlechthin individualisierter Ausdruck der „Weltseele“, ist Genie à la Shakespeare, ist Einzelheit, die an die Gesellschaft stößt, die den Geschmack des Hofes verletzt, die subjektiv ist, die sich durch „ehrliche Fehde“ gegen die rein objektive und das Individuum zerstörende Ordnung des Gesetzes erhebt: Recht setzt Ordnung voraus, aber diese Ordnung ist gesellschaftlich bedingt.

Wie schon oben erwähnt, handelt es sich bei Götz um eine Rettungsaktion: das „Andencken“ Götzens ist gefährdet, er wird zeitlich vorübergehen, wie Herder es bei Shakespeare jammert. Goethe meint durch die Wahl Götzens als Hauptfigur, eine identifizierende Figur auf die Bühne treten zu lassen, d.h. eine Figur, die seinem Publikum nah ist, die ortsgemäß ist, d.h. deutsch. Erwiesenermaßen handelt es sich bei der im Götz verwendete Sprache um eine gesamtdeutsche Sprache, um eine Sprache, die von allen Deutschen verstanden werden kann, die jene Zuschauer als Deutschen zu vereinen vermag, wie auch die Figur Götz: Er ist ein deutscher Held, Vertreter des Deutschtums. Ulrich Karthaus erklärt: „ Hatte Klopstock in seinem Hermanns-Dramen das germanische Altertum dargestellt, von dem wir kaum etwas wissen, so greift Goethe im Zusammenhang mit der Gestalt Götzens Fragen auf, die zu dessen Zeit Bedeutung gewinnen, und für Gesellschaft und Staat über Goethes Zeit hinaus Bedeutung behalten sollen.[53] Wie die Griechen sind die Helden des Altertums den Deutschen zu weit, es muss also einen Helden gefunden werden, der noch frei ist, den jeder bewundern kann, den jeder nach der Aufführung nachahmen wollte. „ Die künftigen Zeiten brauchen auch Männer. Ich sage Dir, Knabe, es wird eine teure Zeit werden: Fürsten werden ihre Schätze bieten um einen Mann, den sie jetzt hassen “ (I, 2, S. 9, Z. 10ff), erklärt Götz schon am Anfang des Stückes seinem Buben, d.h. der nächsten Generation, der aufkommenden Welt: Bei Götz, dessen Hauptfigur schon am Ansatz in den Untergang gerät, geht es vor allem um Zukunft, indem es gezeigt wird, dass die Freiheit, eine möglich freie Zukunft nicht sicher, gefährdet ist: „ Die Zeiten sind vorbei“ (I, 3, S. 20, Z. 36),erklärt Weislingen, dem Götz erwidert :, „Zwar vergnügtere Tagen werden wir wohl nicht wieder finden “, wobei er noch optimistischer bleibt als Weislingen der Verräter, der alles aufgibt, der sich den Welschen übergibt, der „undeutsch“ ist, im Gegensatz zu Götzen und seinen Anhängern wie beispielsweise Georg, der auch untergeht: Er hat „einen tapfern Patron“, sagt ihm der Mönch Martin (I, 2, S. 13, Z. 32), aber schließlich stirbt er seinem Namen gemäß „einen Reiterstod“ (V, 14, S. 110, Z. 24).

Ihr solltet die Lücken unsrer Geschichtsbücher ausfüllen, Liebetraut “ (II, 1, S. 37, Z. 34), erklärt ironisch die Verräterin Adelheid: Das ist aber für Goethe Programm: Sich der Geschichte zu bedienen und damit der nachkommenden Generation, der er als Junge angehört, die Fehler der Väter in Anprangerung zu setzen: Diejenigen, die Götz verraten, sind eigentlich die Väter, gegen die sich die Jugendbewegung „Sturm und Drang“ sich richtet. Das Ziel ist es, den Bürger zu schockieren, damit er erweckt, um die Zukunft eines vereinten Deutschlands als freier Mensch zu bauen. Der Literaturwissenschaftler Georg Lukacs (1885-1971) lobte hierbei Goethesdie „ Verbindung von Geschichte mit Theater durch das Deutschtum.“[54]

Jedoch behält Goethe einen kühlen Kopf: Dies Ziel zu erreichen, ist nicht einfach, und die Lage, in der Goethe seine Generation versetzt zu sein glaubt, ist bedrohlich: In Goethes Welt ist Götz untergegangen, ist Geschichte, aus der aber man lernen kann, oder vielmehr muss. Götz glaubt zunächst an die Nachkommenschaft, erklärt im belagerten Jagsthausen, d.h. in Gefährdung: „ Und wenn die uns überlebt, können wir ruhig sterben. Denn wir sehen im Geist unsere Enkel glücklich und die Kaiser unsrer Enkel glücklich. Wenn die Diener der Fürsten so edel und frei dienen wie ihr mir, wenn die Fürsten dem Kaiser dienen, wie ich ihm dienen möchte- „ und der Ritter Georg fällt ihm ins Wort: „ Da müßt’s viel anders werden.“ (III, 20, S. 75, Z. 30-36) Der optimistische Götz aber: „ So viel nicht, als es scheinen möchte. Hab ich nicht unter den Fürsten treffliche Menschen gekannt und sollte das Geschlecht ausgestorben sein? “ (Z. 37f) Götz kann nicht akzeptieren, dass die Zeit, die er erlebt hat, ohne weiteres untergeht. Georg, der zur jüngeren, ritterlich aufkommenden, schließlich auch untergehenden Generation gehört, fragt aber wie ein neugeborenes Kind: „ Habt Ihr solche Herrn gekannt? “ (S. 76, Z. 7), als wäre das Geschlecht tatsächlich bereits ausgestorben, als gehörte es schon zur Vergangenheit.Götz offenbart sich dabei als sehnsüchtiger Sturm-und-Dränger, in dem er diese Vergangenheit verklärt als patriarchalische Idylle: „ Wir wollten die Gebirge von Wölfen säubern, wollten unserm ruhig ackernden Nachbar einen Braten aus dem Wald holen und dafür die Suppe mit ihm essen […] Das wäre ein Leben! “ (S. 76, Z. 31ff) Dem gefangenen Weislingen sagt er sogar: „ Nach der Arbeit wüßt ich nichts Angenehmers, als mich des Vergangenen zu erinnern. “ (I, 3, S. 21, Z. 20-21) Jedoch entspricht die Gegenwart nicht dieser eingebildeten Idylle, wie es Georg bei der Belagerung ausdrückt: „ Ach ich vergaß, daß wir eingesperrt sind - und der Kaiser hat uns eingesperrt “ (III, 20, S. 77, Z. 3-4) Ehedem frei sind nun die Ritter aus der von den Verrätern des Gesetzes bestimmten Realität ausgeschlossen und geraten aus unausweichliche Weise in den Untergang: der Sohn Götzens selber ist freiwillig ins Kloster eingetreten (Vgl. V, 14, 110) und hat sich freien Willens von der Welt abschotten lassen, ist hiermit gesellschaftlich tot und sucht die Freiheit durch das Gebeten, wo er „himmlische Luft“ einatmen kann. Durch die Geschichtsüberlieferung könnte Götz seine Welt retten, wie es seine Frau vorschlägt: „ Verschaff einer edlen Nachkommenschaft die Freude, dich nicht zu verkennen “ (IV, 5, S. 90, Z. 10-12), was aber die Figur Götz weigert, was der wahre Götz aber getan hat.

Jedoch ruft am Ende des Stückes der gute Lerse: „ Wehe der Nachkommenschaft, die dich verkennt! “ (V, 14, S. 111, Z. 34-35). Götzen ähnlich zu werden, bedeutet also nicht nur die Geschichte des großen Mannes zu lesen, sondern wie Götz tätig zu werden und eigentlich Götz zu werden, und darin besteht das Ziel Goethe: Götz nicht als Held der Vergangenheit Deutschlands zu zeigen, sondern als Mensch, der sich zwar nach einer glücklich phantasierten Vergangenheit bis zum Tode sehnt, weil er der Gegenwart gegenüber unzeitgemäß ist, wodurch er einen tragischen Fehler begeht, der ihn zum Untergang verdammt; der aber zudem diese Wunschvorstellungen in die Zukunft projiziert, worin das prodesse -Element des Stückes besteht: Um nicht zu untergehen, sollte man vom Götzen als Individuum lernen. Rainer Nägele ist zuzustimmen, wenn er das Stück betrachtet „ als historisches Drama, das in der Geschichte nicht bloß allgemeinmenschliche Exempel sucht, sondern gerade das Partikuläre und Besondere am historischen Moment hervorhebt, und so den Individualitätsbegriff selbst zu einer historischen Kategorie macht.“ [55]

III/ Götz und Weislingen

A/Das Individuum

Als Lerse vor Götz eingeführt wird, fragt ihn der Held: „ Gott grüß Euch! Was bringt ihr? “, worauf Lerse antwortet: „ Mich selbst, das ist nicht viel, doch alles, was es ist, biet ich Euch an “ (III, 6, S. 61, Z. 1-3) Vorkommend im Stück sind nur Menschen, Individuen, die, wie auch hier Lerse, nicht stückhafte, sondern vollständige Menschen sind. Um Individuum zu sein, müssen sie individualisiert werden, daher tragen sie einen Namen. Die Hauptfigur Götz aber wird auch dadurch individualisiert, dass ihm die rechte Hand fehlt, was als Identifikationsmerkmal bei Götzen fungiert: Der Mönch Martin erkennt Götz an seinem Hand (Vgl. I, 2, S. 12, Z. 30f), im Titel wird dem Namen „ Götz von Berlichingen “ eine ihn bezeichnende Präpositionalgruppe zugefügt: „ mit der eisernen Hand “ Dieses Fehlen der rechten Hand und der Ersatz durch eine eiserne ist ganz programmatisch: Die rechte Hand ist die der Gerechtigkeit, deren Mangelhaftigkeit im Stücke angeprangert wird, und das Eiserne stelltGötzens Bestandhaftigkeit dar, wobei Goethe weißt, dass das Eisen auch röstet und vergeht. Seine Größe gewinnt Götz durch diese Verstümmelung, wie es Martin begeistert berichtet: „ Ich werde das nie vergessen, wie er im edelsten einfältigsten Vertrauen auf Gott sprach: << Und wenn ich zwölf Händ hätte und deine Gnad wollt mir nicht, was würden sie mir fruchten? So kann ich mit einer>>“ (I, 3, S. 13, Z. 14-16) Der Kaiser selbst empört sich so, wenn er Götzens „Ungerechtigkeit“ beklagt: „ Heiliger Gott! Heiliger Gott! Was ist das? Der eine hat nur eine Hand, der andere nur ein Bein; wenn sie denn erst zwei Hände hätten, und zwei Beine, was wolltet ihr dann tun? “ (III, 1, S. 55, Z. 5-9). Die fehlende Hand dient hier als Symbol des Heroismus, Götz kommt vor als Held, als Mensch, als „Sterblicher mit Götterkraft“[56], ein Mann der Größe „ als Gnadengabe, mit einem Göttergriff eine Welt dramatischer Geschichte geschaffen“ [57] Dazu erklärt auch Lenz:

„Größe ist ein Urphänomen, eine Gestalt des Sens selber, mit der dieses Sein sich ganz unmittelbar erfährt und besitzt. Dort, wo ich ganz ich selbst, ganz Individuum, ganz ursprüngliches und aus eigener Wurzel heraus lebendes Dasein sein will, bin ich dem göttlichen Urgrund alles Dinge näher.“ [58]

Hier ist Martin Luthers Lehre zu spüren: Der Mensch soll aus dem Ursprung des christlichen Glaubens, der Bibel, lernen und nicht durch die von Luther bedachten Lehren eines Vermittlers, der auch als Gesetzgeber dient, indem er Gesetze, die nicht in der Heiligen Schrift zu finden sind, erlassen lässt, womit er laut Luther das Heilige Wort missachtet. Der Mensch soll ursprünglich sein, und soll nur machen, wofür er bestimmt ist: leben, nicht wie der Bruder Martin, der lebensfeindliche Gelübde abgelegt hat, der aus der Welt ausgeschlossen ist, sondern frei wie Götz. In der Geschichte wird eigentlich Martin Luther seine Gelübde brechen, und das Mönchsein als Ketzerei verurteilen. Die Figur Martin selbst ruft: „ Was ist nicht beschwerlich auf dieser Welt! und mir kommt nichts beschwerlicher vor, als nicht Mensch sein dürfen. “ (I, 2, S. 11, Z. 3-5) Lenz erklärt noch:

„Das wahre Gottesgefühl des Ichs liegt nicht im Gehorsam gegen fremde, auf ihre Macht pochende Gebote, sondern in der Selbstgewißheit der individuellen Existenz, die sich mit dem Göttlichen unmittelbar verbunden weiß, weil sie es selber ist.“ [59]

Götz ist also ein Mensch, der fühlt, dass er lebt: Er trinkt Wein, weil er das Leben liebt, weil er eben lebt, wie Martin es sagt: „ Essen und trinken, mein ich, ist des Menschen Leben “ (I, 2, S. 9, Z. 35-36), während jener Martin seinen Gelübden nach keinen Wein trinken darf, was er aber mal macht, worauf Götz ruft: „ Glückliche Wiederkehr! “ (I, 2, S.11, Z. 29) Im belagerten Jagsthausen auch gibt es Wein, jedoch nur noch eine Flasche, die aber Götz mit seinen Freunden verteilt, weil sie alle, freie Ritter, Teil des Lebens auch sind. Am Ende aber, als Götz dem Tode nah ist, verzichtet er auf Nahrung und Getränk: Er ist nun außer dem Leben und trinkt nur „die himmlische Luft“, Heines „ambrosianische Freiheit.“ Soweit das Leben endet, endet das Theater und stirbt die lebende Figur, der als Sturm-und-Dränger nur der Stimme seiner „Brust“, seines Herzens und seiner Gefühle folgt. Götz, wie Goethe, ist ein freier, aufgeklärter und sonnenartig aufklärender Mann, dessen Aufklärung aber ist eine „ nach innen gewandte Aufklärung, die mit Hilfe der Vernunft auch die Empfindungen aufklären wolle.[60] Götzens Herz ist ein wahres, das sich für die wahre Gerechtigkeit, nicht die des menschenfremden Gesetzes, sondern die des Lebens, einsetzen kann, weil es wie das des Rächers des Fehmegerichts „rein von Missetat“ ist (V, 11, S. 108, Z. 1). Seine Gefühle hören ist Genie beweisend, wie es Franz, später ein Verräter, hier der Diener des freien Weislingens, erklärt: „ So fühl ich denn in dem Augenblick, was den Dichter macht, ein volles, ganz von einer Empfindung volles Herz. “ (I, 5, S. 29) Das Herz gehört dem Individuum wie seine Seele, solange es „rein“ bleibt: Der Mensch bleibt frei, soweit er nicht sündigt und „vom ganzen Herzen“ darf er daher vom Gott begnadet seine „Schuldigkeit“ tun (IV, 2, S. 80, Z. 26), wie die Heilbronner Räte Götzen vorwerfen, weil eben Götz weißt, dass er reinen Herzens handelt. „ Schließt eure Herzen sorgfältiger als eure Tore! “, ermahnt der sterbende Götz (V, 14, S. 111, Z. 21): die Freiheit ist nicht, „Tore“, Besitz zu haben, sondern eben ein Herz.

Den Sturm-und-Drängern ist es wichtig, nicht nur die Sprache und den Verstand zu inszenieren, sondern auch die Gefühle, genau wie Lenz es erklärt: „ Dichtung ist Nachahmung der Natur, das heißt, aller der Dinge, die wir um uns herum sehen, hören et cetera, die durch die fünf Tore unsrer Seele in dieselbe hineindrängen.“ [61] Dabei prägt die Darstellung des Gefühls das ganze Stück, und es ist allerdings nicht wichtig, dass die drei Einheiten nicht beachtet werden, weil es auf der Bühne nur Nachahmung des Lebens ist, eben Theater ist, ist Bearbeitung des Lebens zwecks der Erziehung des Menschen, des Individuums. Der Königsberger Immanuel Kant (1724-1804) erklärte eigentlich, „ daß Raum und Zeit keine an sich existierende Dinge seien, sondern Anschauungsformen“ [62], also sind die Gefühle wie die Wahrnehmung von Raum und Zeit nur subjektive Dinge und sind der Subjektivität des Dramaturgen, des Dramenschöpfers vorbehalten. „ Es ist sein guter Wille so “ (I, 3, S. 15, Z. 21), erklärt Maria seinem Neffe und dabei soll der Mensch einfach sein, und auf sein Herz hören. Weislingen selber, der sich selbst immer verrät, sagt euphorisch in einem kleinen Monolog, genau wo die Seele der Figur sich auf der Bühne äußern kann: „ Götz, teurer Götz, du hast mich mir selbst wiedergegeben, und, Maria, du vollendest meine Sinnesänderung. Ich fühle mich so frei wie in heiterer Luft“, und weiter: „Mein Herz erweitert sich, hier ist kein beschwerliches Streben nach versagter Größe. So gewiß ist der allein glücklich und groß, der weder zu herrschen noch zu gehorchen braucht, um etwas zu sein! “ (I, 5, S. 33, Z. 5ff).

Götz als Individuum braucht nicht zu gehorchen, oder zu herrschen: Er wünscht sich eine friedliche, den Nachbarn freundlich gesinnte Gesellschaft, in der jeder seinen eigenen Weg bestimmen könnte, sein eigenes Leben schöpfen würde: „ Jeder würde das Seinige erhalten und in sich selbst vermehren, statt daß sie jetzo nicht zuzunehmen glauben, wenn sie nicht andere verderben “ (III, 20, S. 76, Z. 24f). Götz erlebt sein Leben, schöpft es und erweist sich als Genie seiner Zeit, aber nicht wie Erwin von Steinbach, der der Menschheit ein Denkmal seines Genies hinterlässt, sondern als Genie ohne Werk, Genie des Lebenden, als Kraftgenie, als Prometheus. Hier stimmt Goethe mit der „ natura naturans “-Lehre des Rationalisten Baruch de Spinoza (1632-1677) überein, indem es nach Art der bildenden Kunst geschöpft wird. Der Künstler ist dabei nicht nur der Sprachrohr der Schöpfung, sondern schöpft abermals, er ist ein „ second maker “, wie der Philosoph Anthony Ashley-Cooper, 3. Earl of Shaftesbury (1671-1713) 1710 in Soliloquy, or Advice to an Author schrieb: „ Such a poet ist ideed a second maker; a just Prometheus under Jove. “Die Figur des Prometheus gilt als die zentralteste der Goetheschen Welt als der schlechthinnige Mensch, der frei ist „wie ich“, wie es im Gedicht Prometheus (1772-1774) lautet. Hier aber geht es um einen Prometheus, der nicht „under Jove“ lebt, sondern sich gegen die Willkür des Gegners der Erdgeborenen erhebt, genau wie Götz sich gegen die Willkür des Gesetzes, und wie der junge Goethe gegen die als Junge gelernten Regeln der herzkargen Aufklärung. Der Mensch besteht nicht nur im Geist, sondern aus Verstand und Gefühl, das Zusammenprallen dieser beiden Kräften sitzen von Natur her an der Quelle der Schöpfung, was Friedrich Nietzsche (1844-1900) in Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik (1872) als die apollonische und die dionysische Kräften bezeichnete, indem er auf die zwiespältige Verfassung des Menschen klar hinaufwies.

B/ Der Zwiespalt

Als Götz auf verräterische Weise vor dem Heilbronner Gericht steht, erklärt er steinfest: „ Sie sollen mir einen stellen, dem ich mein Wort gebrochen! “ (IV, 5, S. 91, Z. 1). Jedoch bricht er eben sein Wort, als er sich seitens der Bauern engagiert, wennschon Lerse klar sieht, wenn sie erklärt, dass er „gezwungen ward“ (V, 4, S. 97, Z. 35), worauf Elisabeth aber erwidert: „ Die Bosheit sucht keine Gründe, nur Ursache. Er hat sich zu Rebellen, Missetätern, Mördern gesellt, ist an ihrer Spitze gezogen. “ (Z. 37ff) Hier ist klar, dass Götz kein Drama der Revolution ist: Die Bauern sind schon am Ansatz nur blutrünstige Wölfe („Metzler“ erinnert eigentlich an „Metzger“), die insgesamt ohne Grund das Land der Plünderung liefern. Der Romantiker Heinrich von Kleist (1777-1811) hat auch durch die Novelle Michael Kohlhaas (1810) eine Bearbeitung des Bauernkriegsstoffes geliefert, in der Götz Kohlhaas, dem Pferdehändlergleicht, der erklärt: „ Recht ist gut, aber Barbarei ist grundlos. “ Die Revolutionären im Stück achten nicht auf das mâze -Ideal des Götzens, der sich eingesetzt hatte, solange die Bauern handeln „ als wackre Leute, die wissen, was sie wollen “ (V, 2, S. 95, Z. 25). Er gibt sogar den Bauernanführern die Hand (Z. 37), d.h. er gibt sich und wird neuerdings verraten und von Weislingen verschleppt.

Weislingen und Götz sind eigentlich das wichtigste Paar für das, was die dramatische Behandlung der Individualität des Menschen im Stück angeht. Götz ist nicht nur verstümmelt, dadurch dass er seine rechte Hand verloren hat, sondern weil es ihm sein Spiegelbild, sein Bruder fehlt. Sie als Bubenwaren eigentlich wie „Kastor und Pollux“ (I, 3, S. 21, Z. 10), und am Ende des Stückes werden sie zu Eteokles und Polyneikes, es kommt zum Bruderzwist, einem der wichtigsten Motive des Sturm und Drang.

Es ist noch zu bemerken, dass die Gestalt Weislingen, der brüderliche Feind Götzens, eine Schöpfung Goethes ist, die dem verdorbenen Hofadel angehört. Es geht also bei Weislingen um eine wichtige Figur, ein Schattenbild des Götzens, der Weislingen, seinem Gefangenen, eben sagt: „ Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.“ (I, 3, S. 20, Z. 10f) Götz ist ein Held, kein banaler Bürger wie der Hofmeister Lenzens, und keine langweilige Bürgertochter wie Schillers Luise Millerin. Er stellt für Goethe ein Vorbild dar, weil er einfach Teil der Welt ist, und eigentlich ein tätiger Teil einer Gesellschaft, die die im Stück eingesetzte Mischung der Stände auf sämtliche Weise widerspiegelt.

Götzmacht auch auf bemerkenswerte Weise einen prophetischen Traum („ Ich gäb dir die Hand “, I, 5, S. 31, Z. 34ff und dann IV, 3, S. 86, Z. 10ff), indem er aber sich in das Gegenüber irrt: Nicht Weislingen, sondern der gute Sicklingen ist ihm treu, und diesem wird er letztendlich seine Maria geben, die aber immer noch Weislingen liebt, der schon am Anfang des Stückes als Verräter bezeichnet wurde: „ Wer ist Weislingen? “ fragt Sievers, „ Des Bischofs rechte Hand “, antwortet Metzler (I, 1, S. 5, Z. 16f). Als Verräter gilt er auch, weil er seine Gefühle, sein Herz verrät: Nach dem Treff mit Weislingen berichtet der junge Georg, er habe mit einem zu tun, „ wie einer der kein Herz hat “ (II, 8, S. 48, Z. 20). Weislingen ist eine erfundene Figur, Vertreter des Hofadels, und wie die Figur Eduard in Goethes Novelle DieWahlverwandtschaften (1809) ein Hedonist, der nicht zaudert mit Adelheid Ehebruch zu begehen, während die heilige Maria (der Name sagt schon alles) ihm treu bleibt.

Am Hof verteidigt man andere Vorstellungen als im Jagsthausen, am Hof gilt nur Repräsentation und gesellschaftliches Spiel, Schachspiel also, und freien Willen gibt es nicht: „ Wollen, das ist keine Frage “ sagt Liebetraut (II, 1, S. 38, Z. 34), der auch Adelheid nach dem Pferdeereignis berichtet: „ Er wollte - ohne zu wollen “ (II, 3, S. 41, Z. 17). Weislingen selbst muss zugestehen, dass er nicht einmal sein Wort halten kann und erklärt: „ Er ist berichtet, daß ich wieder Weislingen bin “ (II, 9, S. 51, Z. 4). Weislingen ist ein „Chamäleon“ (II, 6, S. 44, Z. 19), ein zwiespältiger Mann, der sich selbst verrät und sich dem Verrat ganz und völlig ergibt, woran er aber sterben muss. Im Gegensatz zu dem tätigen Götzen ist Weislingen Mann der Nichthandlung, er wünscht sich eine Idylle mit Maria, d.h. will sie außer aller Tätigkeit lieben. Dennoch wird er, weil er ein weiches Herz hat (wie die Namensgebung es deutet: „Weich“-lingen), zur Tätigkeit verdammt und zum Selbstverrat: „ Mir ist, als wenn ich aus der Welt sollte “ (II, 5, S. 43, Z. 29) erklärt ihm sein Bube Franz. Adelheid betrachtet sogar Weislingen so: „ den sah ich auf einmal, jammernd wie einen kranken Poeten, melancholisch wie ein gesundes Mädchen und müßiger als einen alten Junggesellen.“ (II, 9, S. 50, Z. 12ff). Eigentlich entspricht dies Bild dem Wetzlarer Goethe und als Hedonist ist Weislingen der Müße ergeben wie Goethe, ist ein unfähiger Mensch, der auch eben unfähig zu sein ist, wie es Adelheid erklärt: „ Was seid denn ihr, um von Wankelmut zu sprechen? Ihr, die ihr selten seid, was ihr sein wollt, niemals was ihr sein solltet. “ (II, 9, S. 49, Z. 19f). Sollen und Wollen bilden den Kern der Auseinandersetzung zwischen dem Menschen und der Gesellschaft, zwischen dem frei schöpferischen Demiurgen und den Konventionen. Und wie bei dem Gegensatz Verstand-Sinn soll man sich mit beiden abfinden, solange man sich treu bleibt wie Götz, der Weislingen im Bezug auf die Gefangenschaft seines Spähers in Bamberg erklärt: „ Bei meinem Eid, er hat getan, wie er sollte “ (I, 3, S. 23, Z. 29-30) Einen Eid schwören schadet nicht der Freiheit, die der wahre, sturm-und-drängische Mensch genießen muss, und verhindert nicht, ein großer Mann zu werden wie Götz, der eigentlich unzeitgemäß, zu groß für seine Zeit geworden ist, genau wie er es erklärt: „ Ein Wolf ist einer ganzen Herde Schafen zu viel “ (III, 4, S. 59) Der Wolf steht auf der Wappen der Berlichingen[63], ist schlechterdings Teil vom Menschen Götzen, ein freies Tier, das aber aus der Gesellschaft ausgeschlossen wird, weil er eben zu frei ist, nicht wie der Hund, der zwar dem Menschen treu ist, der aber zugleich als dessen Sklave dient, der von der Zucht, von der Regeln beschränkt wird, genau wie Weislingen und sogar Götz, die ihr Ende finden, indem sie ihre Endlichkeit, ihre Verstümmelung erkennen. Benno von Wiese erklärt jedoch: „ Das Ich kann seine Göttlichkeit nur in den Formen der endlichen Begrenzung erfahren und wird dadurch in einen Widerspruch verstrickt, der bis zum völligen Untergang des Menschen führen kann.[64]

Götz gerät in den Untergang, weil er eben Götz ist. Als Weislingen ihn abermals verrät, ruft er zunächst: „ Ich glaubs nicht.“ (II, 4, S. 42, Z. 7), was Ulrich Karthaus so analysiert hat:

„Obwohl einen Kenner der Person der Treubruch des Freundes kaum überraschen dürfte, mag Götz nicht dran glauben, weil er sich in seiner Geradlinigkeit weder den Bruch eines Versprechens, noch die Schwäche einer durch die Umstände bestimmbaren Existenz, noch ein Leben als Höfling vorstellen mag: Freiheit ist Autarkie - Unabhängigkeit - und Autonomie - Leben nach eigenen Gesetzen.“ [65]

Götz selber erklärt Elisabeth am Ende seines Lebens: „ Wen Gott niederschlägt, der richtet sich selbst nicht auf. Ich weiß am besten, was auf meinen Schultern liegt. Unglück bin ich gewohnt zu dulden. Und jetzt ist’s nicht Weislingen allein, nicht die Bauern allein, nicht der Tod des Kaisers und meine Wunden - Es ist alles zusammen. Meine Stunde ist kommen. Ich hoffte, sie sollte sein wie mein Leben. Sein Wille geschehe “ (V, 13, S. 109, Z. 21ff), was Benno von Wiese zu Recht so kommentiert: „Nicht ein bestimmtes Handeln des Menschen ist schuldhaft, sondern des Leben selber führt den Menschen in Schuld hinein“ [66] Götz ist nicht an sich beschränkt, als Genie ist er im Gegenteil ein gottähnlicher Schöpfer, der aber „ durch die Zeitumstände tragisch überschattet ist.“[67] Nicht Weislingen, sondern der Zeitgeist, der Weislingen verdirbt, ist der Gegenspieler Götzens, der sturm-und-drängische, schlechthinnige „Selbsthelfer in wilder Zeit.“ Es kommt allerdings eine neue Zeit, in der Götz kein Recht zu leben hat, in der die Freiheit zum Leben durch die Vermittlung des Gesetzes zwischen Menschen und Obrigkeit versklavt wird. Auf Freiheit ist ganz typisch Anspruch zu erheben, jedoch stellt seine Verwirklichung immer ein Problem dar.

Weislingen erkennt auch am Ende seines Lebens: „ Wir Menschen führen uns nicht selbst; bösen Geistern ist Macht über uns gelassen, daß sie ihren höllischen Mutwillen an unserm Verderben üben. “ (V, 10, S. 105, Z. 4ff). Die Welt, die die Menschen zwingt, ist also sowohl göttlich, als auch dämonisch, und immerhin ist der moderne, sturm-und-drängische Prometheus von beiden Seiten beschränkt, vom Zwiespalt zwischen Vernunft und Gefühl zerrissen.Der Literaturwissenschaftler Karl Eibl ist dazu folgender Ansicht, wie es Ulrich Karthaus uns erklärt:

„Prometheus - so Eibl - bezeichnet den Heroismus der Unerlöstheit, Aufbegehren und Selbsttätigkeit unter der Signatur des gegenwärtigen Weltzustandes. Der Mangel des Prometheus ist der Mangel Adams. Wer, mehr als Prometheus sein und lasten soll, muß den Sündenfall überwinden.“ [68]

Hier geht es also um hamartia, der Held ist nicht wortbrüchig an sich, er ist vielmehr der treueste, der (so Lessing) mitleidigste Mensch, aber er begeht einen Fehler und wird hiermit zum tragischen, untergehenden Helden, was ihn menschlich und dramatisch glaubwürdig macht, wohl glaubwürdiger als die „Helden“ der französischen, klassischen Tragödie, wie es Herder hervorhebt: „ Glaubt denn wohl jemand, daß ein Held des grossen Corneille ein Römischer oder ein Französischer Held sey? Spanisch-senekasche Helden! Galante Helden, abentheurlich tapfere, großmüthige, verliebte, grausame Helden, also Dramatische Fiktionen, die ausser dem Theater Narren heissen würden![69] Es soll hier um Menschliches gehen, nicht um Fiktionales, sondern um Nachahmung und Bearbeitung der menschlichen Realität, indem es zudem in der Vergangenheit Deutschlands verlagert und in die Zukunft projiziert wird. Benno von Wiese ist zuzustimmen, wenn er erklärt: „ Goethes Tragödie fragt: Wie ist seelisches Dasein, individuelle Existenz, in der das Menschliche seine höchste Steigerung zur Größe erfährt, in dieser Welt überhaupt möglich, wo sich doch dieses Dasein immer und überall durch Mächte bedroht sieht, die den göttlich-lebendigen Kern der Existenz zu zerstören drohen?[70], worauf er selbst antwortet: „ Die Individualität wird bereits als Glück und Verhängnis, als Gnade und Fluch erfahren, so sehr auch noch das Bestreben wirksam ist, die im Ich sichtbar gewordenen tragischen Widersprüche mit einer begnadenden und erlösenden Ordnung des Seins zu versöhnen.“[71] An sich ist also das Individuum tragisch.

Schluss

Goethe gelangt es ihm, durch das Schauspiel, mit dem wir uns befasst haben, ein Bild der Menschen, das der tragische, zwiespältige und zugleich ganzheiterweisende Verfassung des Menschlichen entspricht, zu veranschaulichen und auf der Bühne zu vergegenwärtigen, indem der Dramatiker dies Stück derart gestaltet habe, dass die fünfaktige Zerstückelung der Handlung in Reihungsfolgen von Schauplätzen trotz der Unüberschaubarkeit und des Mangels an Klarheit dieses Stückes immerhin zum Ganzen beiträgt. „ Ganz ist, was Anfang, Mitte und Ende besitzt“, erklärte Aristoteles in seiner Poetik, und es kann gesagt werden, dass hier das Ende noch offen ist, obwohl die Hauptfigur untergegangen ist, was aber am Anfang schon klar war, und in der Mitte des Stückes mit der Anerkennung des Verrats Weislingens und der Unausweichlichkeit des Untergangs zuspitzt.

Eine geschichtliche Begebenheit wird hiermit dramatisiert und vergegenwärtigt, indem diese Bearbeitung geschichtlichen Stoffes nur dazu dient, die intime Tragödie des menschlichen Alltages auf die Bühne treten zu lassen und die Aufeinandertreffen von polaren Kräften bei einem Moment von kairos, wie Novalis es hätte ausdrücken können, dem Zuschauer zwecks dessen Erziehung auf das Intimste zu schildern. Die Unfähigkeit zum Sein hängt zwar einerseits vom Gesellschaftlichen, aber anderseitswird sie auch dadurch verursacht, dass der Mensch selbst mit seinem Fluch geboren ist, und darin besteht die Tragik der Menschlichkeit: Unschuldig-schuldvoll ist Götz, weil er eben Götz ist und Götz sein will, indem er auch gesellschaftlich Götz sein soll: Das hat er geschworen und auf tragische Weise muss er daran sterben, dass er sein Wort gebrochen hat, dass er sich verraten hat.

Aus diesen Elementen besteht die Auseinandersetzung Goethes mit den Theaterkonventionen seiner Zeit, seine Ziele sind auch die der anderen Dramatiker (prodesse et delectare), doch hat er, genau wie Götz, andere Vorstellungen für das, was die Erziehung der Bürger betrifft: Der Mensch, wie Götz, bleibt zukunftslos, solange er sich in die Gesellschaft der Regeln, der Stände, des willkürlichen Gesetzes einzugliedern versucht, genau wie Werther und fast alle Helden der sturm-und-drängischen Literatur: Am Ende scheitert stets der Held an den gesellschaftlichen Verhältnissen und kann seine Identität nur durch den Tod, die freiwillige Ausschließung aus der Gesellschaft bewahren. Goethe zeigt es, will aber es eben nicht: Der Mensch muss sein Leben selbst schaffen, genau wie Goethe mit Götz sein eigenes Theater schafft, eine neue Dramaturgie, die mit allem vorigem bricht, soweit das Vorige nicht den Absichten Goethes dienen können und dem Schönen gemäß ist: Eine neue Ästhetik wird hier entworfen, die noch nach der Epoche des Sturm und Drang Schiller und Goethe in ihren Werken verteidigen werden. Schön ist, was ursprünglich, natürlich und schlechterdings menschlich ist; Genie ist derjenige, der einfach Mensch sein will und sich verwirklicht: Nur die Glückseligkeit muss erreicht werden, nicht ein den Sitten und den strengen Regeln gemäßes Leben.

Weislingen muss an der Gift der Gesellschaft sterben, verdirbt und tötet ihn rücksichtslos, und daher heißt es, diese Gesellschaft zur Revolution zu bringen, aber eben nicht zum blutigen Bauern-, bzw. Bürgerkrieg, sondern zur geistigen Revolution, indem der Mensch sich seiner Vernunft und seines Gefühls zu bedienen vermag. Die Freiheit des Menschen muss dadurch erreicht werden, dass der Mensch sich selbst als frei anerkennt, dass er sich selbst nicht verrät, indem er die anderen Völker wie die Franzosen nachahmt, sondern dass er als Deutscher tätig wird und zeitgemäß lebt.

Ein neues Theater wird dadurch entworfen, auch weil die Literatur als Medium der Ich-Findung fungiert, dem Menschen hilft, die Selbstzerstörung zu vermeiden, um nicht ein Märtyrer wie Götz zu werden. Hamann erklärt in Der Magus im Norden: „ Es gibt keine Vernunft jenseits der Geschichte und des Individuums.[72] Aus der Geschichte und aus dem Leben muss gelernt werden, damit die Gefahr, in der Goethe das damalige Deutschland stecken sieht, vermeiden werden kann. Es geht also hier um episches Theater: So darf es nicht sein, dass die freien, guten und wahrdeutschen Ritter in den Untergang geraten, so darf es nicht werden, dass die Deutschen untergehen, weil es ihnen die Freiheit beraubt und ihre Natur von falschen Regeln und anderen französischen Maskeraden verdorben werden.

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

ARISTOTELES: Poetik. Griechisch/deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Manfred Fuhrmann. Bibliografisch ergänzte Ausgabe. Stuttgart: Reclam, 1994.

Webseite: http://www.digbib.org/Aristoteles_384vChr/De_Poetik

GOETHE, Johann Wolfgang : Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Ein Schauspiel. Stuttgart: Reclam, 1993

GOETHE, Johann Wolfgang: Zum Shäkespears Tag. Aus: Goethes Werke. Hrsg. im Auftrag der Großherzogin Sophie von Sachsen. 143 Bde. Weimar, Böhlau 1896. [nebst] [Weimarer Ausgabe]., I. Abt, 37. Bd., S. 129-135.

GOTTSCHED, Johann Christof: Die Schauspiele und besonders die Tragödien sind aus einer wohlbestellten Republik nicht zu verbannen (1729). In: Schriften zur Literatur. Stuttgart: RUB, 1972

VON WIESE, Benno (Hrsg.): Deutsche Dramaturgie vom Barock bis zur Klassik. Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 19673

Sekundärliteratur

KARTHAUS, Ulrich : Sturm und Drang. Epoche - Werke - Wirkung. München: C. H. Beck, 2000.

LEFEBVRE, Joël: Théâtre allemand, 1750-1850. Lyon: Presses Universitaires, 1992.

MOURTHE, Claude: William Shakespeare’s Famous Scenes. Paris: Gallimard, 2008.

NÄGELE, Rainer: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Johann Wolfgang von Goethe (1773). In: Interpretationen. Dramen des Sturm und Drang. Stuttgart: Reclam, 1987.

VON WIESE, Benno: Die deutsche Tragödie von Lessing bis Hebbel. 1. Band: Tragödie und Theodizee. Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag, 1948.

Webseiten

Über Jagsthausen und die Wappen Götzens: http://www.heraldik-leitfaden.de/Heraldik/aktuell/galerien3/galerie1817.htm (15.5.2013)

Empfehlenswert ist auch Wolfgang Liebeneiners Verfilmung vom Schauspiel aus dem Jahre 1978 mit Michèle Mercier in der Rolle von Adelheid.

Hier zu schauen: http://www.youtube.com/watch?v=p1Ge-dW0-ew

[...]


[1] GOETHE, Johann Wolfgang : Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Ein Schauspiel. Stuttgart: Reclam, 1993

[2] In: KARTHAUS, Ulrich : Sturm und Drang. Epoche - Werke - Wirkung. München: C. H. Beck, 2000. S. 87.Dann als Karthaus bezeichnet.

[3] LEFEBVRE, Joël: Théâtre allemand, 1750-1850. Lyon: Presses Universitaires, 1992. S. 97. Dann als Lefebvre bezeichnet.

[4] Ebenda

[5] In Karthaus, S. 54

[6] Herder in: VON WIESE, Benno (Hrsg.): Deutsche Dramaturgie vom Barock bis zur Klassik. Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 19673. S. 62. Dann als DD bezeichnet.

[7] Lessing in DD, S. 20

[8] MOURTHE, Claude: William Shakespeare’s Famous Scenes. Paris: Gallimard, 2008. S. 11

[9] Herder in DD, S. 63

[10] Diderot in Lefebvre, S. 51

[11] Lessing in DD, S. 25

[12] Gottsched, S. 39

[13] GOETHE, Johann Wolfgang: Zum Shäkespears Tag. Aus: Goethes Werke. Hrsg. im Auftrag der Großherzogin Sophie von Sachsen. 143 Bde. Weimar, Böhlau 1896. S. 133. Dann als ZST bezeichnet.

[14] ARISTOTELES: Poetik. Griechisch/deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Manfred Fuhrmann. Bibliografisch ergänzte Ausgabe. Stuttgart: Reclam, 1994.

[15] NÄGELE, Rainer: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Johann Wolfgang von Goethe (1773). In: Interpretationen. Dramen des Sturm und Drang. Stuttgart: Reclam, 1987. S. 26. Dann als Nägele bezeichnet.

[16] Herder in VON WIESE, Benno: Die deutsche Tragödie von Lessing bis Hebbel. 1. Band: Tragödie und Theodizee. Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag, 1948. S. 75, dann als Wiese bezeichnet.

[17] Ebenda, S. 72

[18] GOTTSCHED, Johann Christof: Die Schauspiele und besonders die Tragödien sind aus einer wohlbestellten Republik nicht zu verbannen (1729). In: Schriften zur Literatur. Stuttgart: RUB, 1972. S. 34, dann als Gottsched bezeichnet.

[19] Wiese, S. 75

[20] Lessing in DD, S. 23

[21] Gottsched, S. 122

[22] ZST, S. 131

[23] Ebenda, S. 132

[24] Lessing in Karthaus, S. 60-61

[25] Ebenda, S. 72

[26] Lefebvre, S. 96

[27] Wiese, S. 78

[28] Lenz in Nägele, S. 16

[29] Herder in Karthaus S. 64

[30] Mourthé S. 10

[31] Karthaus, S. 93

[32] Karthaus, S. 94

[33] In Nägele S. 8

[34] siehe dazu diese Weibseite über das heutigen Schloss Jagsthausen http://www.heraldik-leitfaden.de/Heraldik/aktuell/galerien3/galerie1817.htm (15.5.2013)

[35] DD, S. 21

[36] In Karthaus, S. 87

[37] Vgl. DD S. 63

[38] Wiese S. 76

[39] Ebenda S. 74

[40] Herder in DD, S. 54

[41] ZST, S. 133

[42] Wiese, S. 73

[43] In DD, S. 20

[44] In DD, S. 11

[45] In DD, S. 12

[46] In DD, S. 47

[47] Karthaus, S. 21

[48] Wiese, S. 75

[49] Karthaus, S. 54

[50] ZST S. 130

[51] Karthaus, S. 24

[52] In Karthaus, S. 69

[53] Karthaus S. 93

[54] in Lefebvre, S. 97

[55] Nägele, S. 19

[56] Karthaus, S. 64

[57] ebenda

[58] In DD, S. 81

[59] Ebenda

[60] Karthaus, S. 24

[61] In DD, S. 80

[62] Kant in Karthaus S. 65

[63] Siehe noch die Webseite:http://www.heraldik-leitfaden.de/Heraldik/aktuell/galerien3/galerie1817.htm

[64] Wiese, S. 83

[65] Karthaus, S. 95

[66] Wiese, S. 90

[67] Wiese in Nägele, S. 8

[68] Karthaus, S. 70

[69] In DD, S. 51

[70] BW, S. 82

[71] Bw. 32

[72] In Karthaus : S. 34

41 von 41 Seiten

Details

Titel
Goethes "Götz von Berlichingen" und seine Bedeutung im ausgehenden 18. Jahrhundert
Hochschule
Université de Picardie Jules Verne  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Michel Grimberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
41
Katalognummer
V306821
ISBN (eBook)
9783668046177
ISBN (Buch)
9783668046184
Dateigröße
1066 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goetz von Berlichingen, Goethe, Theaterkonventionen
Arbeit zitieren
M.A. Arnaud Duminil (Autor:in), 2013, Goethes "Götz von Berlichingen" und seine Bedeutung im ausgehenden 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306821

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