Die deutsche Handelslandschaft befindet sich im Wandel, der sich gerade in den letzten Jahren zunehmend bemerkbar macht. Es lassen sich zwei Haupttrends feststellen: zum einen die zunehmende Konzentration von Einzelhandelsbetrieben bei gleichzeitiger Verkaufsflächenexpansion und zum anderen verstärkte Vertikalisierungstendenzen. Diese Entwicklungen, die sich laut einer KPMG-Studie in Zukunft noch weiter fortsetzen werden, sind unter anderem auch ein wesentlicher Ausdruck eines anwachsenden Kostendrucks, dem die Unternehmen ausgesetzt sind, um eine immer preisbewusstere Kundschaft zu befriedigen. Seitens der Hersteller sind diese Trends an einer zunehmenden Bereitschaft zum Direktvertrieb zu erkennen. Eine Ausprägung sind hier die schon seit vielen Jahren existierenden Fabrikverkaufsstätten, die in Deutschland zum Ärgernis des Handels zu einer festen Größe geworden sind. Haben sich die Einzelhändler jedoch scheinbar mit den Fabrikverkäufen am Ort der Produktion weitgehend arrangiert, so bietet eine neuere Form des Direktvertriebs, die großflächigen Factory Outlet Center, aktuell viel Zündstoff für Auseinandersetzungen zwischen Einzelhändlern und Herstellern bzw. Betreibergesellschaften, die sich auf diese Weise in ein Konkurrenzverhältnis begeben. Diese Arbeit soll eine Einordnung dieser beiden Vertriebsschienen in die Handelslandschaft vornehmen und greift das Problem dieser neuen Rivalität zwischen Herstellern und Handel auf. Ausgehend hiervon sollen aus Sicht der Händler Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, wie sie auf die Vorwärtsintegration der Hersteller reagieren sollen und sogar zu ihrem Vorteil nutzen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Aktualitätsbezug, Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Der Fabrikverkauf als Vertriebsform
2.1 Definition und konstituierende Merkmale von Factory Outlet Stores und -Centern
2.2 Abgrenzung zu verwandten Vertriebsformen
2.3 Verbreitung von Factory Outlet Stores/-Centern in Deutschland und Europa
3 Das Spannungsverhältnis zwischen Handel und Factory Outlet Stores/-Centern
3.1 Die traditionelle Rolle des Handels und das Verhältnis Hersteller und Handel
3.2 Veränderungen durch das Aufkommen von Factory Outlet Stores/-Centern
3.3 Auswirkungen von Factory Outlet Stores/-Centern auf den ortsansässigen Einzelhandel
3.3.1 in Abhängigkeit von der Betriebsform
3.3.2 in Abhängigkeit von der Entfernung
4 Reaktionsmöglichkeiten der Händler auf die Niederlassung von Factory Outlet Stores/-Centern
4.1 Aggressives Verhalten der Händler
4.2 Passive Strategie der Wettbewerbsvermeidung
4.3 Kooperationsmöglichkeiten und Chancen für den Einzelhandel
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die durch das Aufkommen von Factory Outlet Stores und Factory Outlet Centern ausgelöste Rivalität zwischen Markenherstellern und dem klassischen Einzelhandel. Ziel ist es, die Auswirkungen der vertikalen Vorwärtsintegration der Hersteller zu analysieren und für Händler fundierte Handlungsoptionen – von konfrontativen bis hin zu kooperativen Strategien – aufzuzeigen.
- Definition und Abgrenzung verschiedener Outlet-Betriebsformen
- Analyse der internationalen und nationalen Verbreitung von Factory Outlets
- Bewertung des Spannungsverhältnisses zwischen Herstellern und dem stationären Handel
- Untersuchung der wirtschaftlichen Auswirkungen auf ortsansässige Einzelhandelsbetriebe
- Evaluation strategischer Reaktionsmöglichkeiten für den Einzelhandel
Auszug aus dem Buch
3.2 Veränderungen durch das Aufkommen von Factory Outlet Stores/-Centern
Durch den Direktvertrieb und besonders durch die Factory Outlet Center wird dieses dyadische Verhältnis, also die Partnerbeziehung von Hersteller und Handel, empfindlich gestört. Durch seine vertikale Vorwärtsintegration macht der Hersteller den Einzelhändler gänzlich überflüssig, da er die Funktionen des klassischen Handels mit übernimmt. Durch die Hersteller geführten Factory Outlet Stores, ob nun am Standort der Fabrik oder innerhalb eines Centers, entsteht so aus Sicht der Händler ein direktes Konkurrenzverhältnis, das sie nicht bereit sind hinzunehmen. Dies wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass der Einzelhandel mit erheblichen Wettbewerbsnachteilen der Outlets gegenüber zu kämpfen hat, die sich aus ihrem verkehrsgünstigen Standort und der Discountpreis-Politik ergeben.
Unter den deutschen Einzelhändlern besteht weitgehend der Konsens, dass für den Standort Deutschland keine Notwendigkeit eines Absatzventils für Waren aus abgelaufenen Saisons oder leicht beschädigte Waren existiert, da der Handel mit Mechanismen wie Reduzierungen und Schlussverkäufen dieses Problem eigenständig löst. Sie verweisen damit auf einen Unterschied zum Herkunftsland USA, wo die Händler ihre Waren vielfach auf Kommission beziehen und die nicht abgesetzten Teile bequem an die Hersteller zurückgeben können, die diese dann wiederum in eigenen Factory Outlets erneut zum Verkauf anbieten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die aktuelle Problematik der Handelslandschaft durch wachsende Vertikalisierung und die Relevanz von Factory Outlets.
2 Der Fabrikverkauf als Vertriebsform: Definition und systematische Einordnung von Outlet-Formen sowie deren internationale und nationale Marktausbreitung.
3 Das Spannungsverhältnis zwischen Handel und Factory Outlet Stores/-Centern: Analyse der veränderten Partnerbeziehung zwischen Produktion und Handel sowie der spezifischen Auswirkungen auf den Einzelhandel in Abhängigkeit von Standort und Betriebsart.
4 Reaktionsmöglichkeiten der Händler auf die Niederlassung von Factory Outlet Stores/-Centern: Vorstellung von Strategien für den Einzelhandel, reichend von aggressiver Konfliktführung bis hin zur kooperativen Einbindung.
5 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Konkurrenzsituation und Ausblick auf die langfristige Rolle des Fabrikverkaufs als Nischenphänomen.
Schlüsselwörter
Factory Outlet Center, FOC, Fabrikverkauf, Einzelhandel, Markenhersteller, Vertikalisierung, Direktvertrieb, Wettbewerb, Sortiment, Standortpolitik, Handelslandschaft, Kooperationsstrategien, Preispolitik, Konsumentenpräferenzen, Wertschöpfungskette
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Konflikte, die durch die zunehmende Präsenz von Factory Outlet Stores und Centern im deutschen Einzelhandel entstehen, und bewertet die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten der betroffenen Akteure.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Definition der Vertriebsformen, die Auswirkungen auf die traditionelle Beziehung zwischen Hersteller und Handel sowie die strategische Reaktion des stationären Einzelhandels auf diese Konkurrenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, die "neue Rivalität" zwischen Handel und Hersteller zu systematisieren und Händlern konkrete Wege aufzuzeigen, wie sie auf die Vorwärtsintegration der Hersteller reagieren oder diese gar zu ihrem Vorteil nutzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit der Fachliteratur, der Auswertung von Branchenstudien und der Analyse von Fallbeispielen zur aktuellen Marktsituation in Deutschland.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Vertriebsformen, die Analyse der Spannungsfelder und eine differenzierte Betrachtung der Reaktionsmöglichkeiten der Händler, unterteilt in aggressive, passive und kooperative Ansätze.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Factory Outlet Center, vertikale Integration, Markenhersteller, Einzelhandelswettbewerb, Standorte, Preispolitik und Kooperationsmöglichkeiten.
Warum empfindet der Einzelhandel die Factory Outlets als Bedrohung?
Der Handel sieht durch die direkte Konkurrenz der Hersteller, die den klassischen Zwischenhandel umgehen und preisgünstigere Ware in verkehrsgünstigen Zentren anbieten, sein Geschäftsmodell und seine Umsätze gefährdet.
Gibt es auch positive Möglichkeiten für den Handel?
Ja, laut der Arbeit können FOCs durch den sogenannten "Outlet-Tourismus" auch Kundenströme in eine Region locken, von denen lokaler Handel durch geschickte Kooperationen oder komplementäre Sortimentsgestaltung profitieren kann.
- Quote paper
- Lutz Becker (Author), 2004, Factory Outlet Stores - Perspektiven und Handlungsoptionen für den deutschen Handel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30682