Unter dem Begriff „somatoforme Störungen“ werden psychische Störungen zusammengefasst, deren gemeinsames Merkmal körperliche Beschwerden darstellen, die nicht bzw. nicht ausreichend durch eine organische Ursache erklärt werden können.
Betroffene sind zumeist auf ein medizinisches Krankheitsmodell fixiert, zeigen ein vermehrtes Schonverhalten und fühlen sich unsicher und niedergeschlagen aufgrund wiederholter Arztkonsultationen die zu keiner Diagnose führen. Besonders Letztere sind ein Grund für die enorme gesundheitspolitische Relevanz der somatoformen Störungen:
Die Kosten von Betroffenen übersteigen die durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben im ambulanten und stationären Bereich um ein Vielfaches. Auch deswegen ist das frühzeitige Erkennen von somatoformen Störungen von besonderer Bedeutung. Welche Instrumente dabei für die Diagnostik von somatoformen Störungen im Allgemeinen und speziell für die Hypochondrie zur Verfügung stehen, ist die Frage mit der sich diese Hausarbeit beschäftigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Gruppe der somatoformen Störungen
2 Klassifikation somatoformer Störungen
2.1 Somatoforme Störungen in der ICD-10
2.2 Somatoforme Störungen im DSM-5
3 Diagnostik somatoformer Störungen
3.1 Besonderheiten bei der Diagnostik somatoformer Störungen
3.2 Fremdbeurteilungsverfahren
3.3 Selbstbeurteilungsverfahren
4 Klassifikation und Diagnostik der Hypochondrie
4.1 Hypochondrie in der ICD-10
4.2 Hypochondrie im DSM-5
4.3 Diagnostische Instrumente
4.4 Der Whiteley-Index
4.4.1 Internationale Skalen für Hypochondrie
4.4.2 Der Whiteley Index: Entwicklung, Aufbau und Anwendung
4.4.3 Vor- und Nachteile des WI und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Klassifikation und diagnostische Erfassung somatoformer Störungen, wobei ein besonderer Fokus auf dem Krankheitsbild der Hypochondrie liegt, um geeignete Diagnoseinstrumente für die klinische Praxis zu identifizieren.
- Vergleich der diagnostischen Konzepte in ICD-10 und DSM-5
- Analyse der gesundheitspolitischen Relevanz somatoformer Beschwerden
- Methoden zur Differenzialdiagnostik und Schweregraderfassung
- Diskussion des Whiteley-Index als diagnostisches Instrument
- Betrachtung neuerer kognitiv-behavioraler Erfassungsansätze
Auszug aus dem Buch
Der Whiteley Index: Entwicklung, Aufbau und Anwendung
Der WI geht auf einen Aufsatz mit dem Titel „Dimensions of hypochondrias“ des Psychiaters Issy Pilowsky aus dem Jahr 1967 zurück (Hiller & Rief, 2004). Dieser befragte mehrere Angestellte mit Patientenkontakt in einem Allgemeinkrankenhaus in Sidney zu typischen Kennzeichen hypochondrischer Personen. Die Aussagen, die er durch dieses Vorgehen sammeln konnte, legte er wiederum hypochondrischen und nicht hypochondrischen psychiatrischen Patienten vor. Auf Basis dieser Evaluation extrahierte er jene Aussagen, für die sich in statistischen Analysen die besten Trennschärfen ergaben. So entstand der englischsprachige WI, der im Jahr 2004 von Hiller und Rief ins Deutsche übersetzt wurde. Er setzt sich zusammen aus 14 dichotomen Items, die mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden können. Diese sind in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Gruppe der somatoformen Störungen: Dieses Kapitel führt in das Krankheitsbild der somatoformen Störungen ein, betont die fehlende organische Erklärbarkeit bei gleichzeitig hohem Leidensdruck und skizziert die historische sowie aktuelle diagnostische Einordnung.
2 Klassifikation somatoformer Störungen: Es werden die verschiedenen Diagnosesysteme ICD-10 und DSM-5 gegenübergestellt, wobei der Wandel von der Ätiologie zur phänomenologischen Beschreibung sowie die aktuelle Unterteilung in Somatic Symptom Disorder und Illness Anxiety Disorder erläutert wird.
3 Diagnostik somatoformer Störungen: Dieses Kapitel widmet sich den Anforderungen an eine valide Diagnostik, insbesondere der Differenzialdiagnose, und stellt gängige Fremd- sowie Selbstbeurteilungsverfahren zur Screening- und Schweregraderfassung vor.
4 Klassifikation und Diagnostik der Hypochondrie: Hier erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Hypochondrie in ICD-10 und DSM-5, ergänzt um eine kritische Diskussion zum Whiteley-Index sowie alternativer, dimensionaler Erhebungsinstrumente.
Schlüsselwörter
Somatoforme Störungen, Hypochondrie, ICD-10, DSM-5, Diagnostik, Whiteley-Index, Illness Anxiety Disorder, Somatic Symptom Disorder, Selbstbeurteilungsverfahren, Fremdbeurteilungsverfahren, Krankheitsangst, Differenzialdiagnose, Testverfahren, Psychosomatik, klinische Symptome.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die wissenschaftliche Einordnung und diagnostische Erfassung von somatoformen Störungen, insbesondere im Kontext der Hypochondrie.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentral sind die Klassifikationskriterien der relevanten Diagnosesysteme (ICD-10/DSM-5) sowie die Auswahl und Anwendung spezifischer Messinstrumente für die klinische Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über geeignete diagnostische Verfahren zu geben, um Patienten mit hypochondrischen Ängsten frühzeitig zu identifizieren und angemessen zu versorgen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literatur- und Diskursanalyse, um existierende Diagnosesysteme, Leitlinien und psychologische Messinstrumente gegenüberzustellen und zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Darstellung der Klassifikationssysteme sowie eine kritische Evaluation verschiedener Interview- und Fragebogenverfahren zur Diagnosestellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zu den prägenden Begriffen zählen somatoforme Störungen, Hypochondrie, Diagnostik, Krankheitsangst und der Whiteley-Index.
Was ist die wesentliche Neuerung bei der Diagnose der Hypochondrie im DSM-5?
Das DSM-5 ersetzt den Begriff "Hypochondrie" durch die Kategorien "Somatic Symptom Disorder" und "Illness Anxiety Disorder" und fokussiert stärker auf kognitive und verhaltensbezogene Kriterien.
Welchen Stellenwert nimmt der Whiteley-Index in der modernen Diagnostik ein?
Obwohl der Whiteley-Index als ökonomisches Screening-Instrument geschätzt wird, gilt er heute nicht mehr als allein ausreichend, da neuere Ansätze auch krankheitsbezogenes Verhalten stärker miteinbeziehen müssen.
- Quote paper
- Sarah Mayr (Author), 2014, Klassifikation und Diagnostik von somatoformen Störungen mit Fokus auf Hypochondrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306865