Der Bilderstreit und das zweite Nicaenum


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1. Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Vorgeschichte
3.1 Das Christentum und die Bilderverehrung vom 2.-7. Jahrhundert
3.2 Das historische Umfeld
3.3 Der byzantinische Bilderstreit

4. Nizäa II- das siebte ökumenische Konzil
4.1 Begriffsklärung Ökumene
4.2 Ergebnisse des Konzils
4.3 Das zweite Nicaenum in Widerstreit

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

Diese Arbeit soll sich mit dem Bilderstreit und dessen Einfluss auf das zweite Nicaenum beschäftigen.

Im Folgenden soll zunächst die christliche Bilderverehrung vom zweiten bis zum siebten Jahrhundert thematisiert werden, um deren Entwicklung während dieser Zeit aufzuzeigen. Desweiteren wird auf das historische Umfeld eingegangen, um die politische Situation der damaligen Zeit darzustellen.

Nachdem diese beiden Aspekte bearbeitet wurden, um deren Bedeutung für die Entwicklung und den Ausbruch des Bilderstreites zu ermitteln, soll im Folgenden nun dessen Verlauf sowie die theologischen Positionen der streitenden Parteien erläutert werden.

Nach dieser einführenden Darstellung der Problematik, werde ich im weiteren Verlauf das zweite Nicaenum thematisieren. In einem ersten Schritt soll geklärt werden, was der Begriff ökumenisch bedeutet und welche Konzile als ökumenisch gelten.

Anschließend sollen die Ergebnisse des Konzils dargelegt werden, um aufzuzeigen, wie die Synode argumentierte, um den damals viel umstrittenen Bildern ihren Platz im Leben der Kirche zurückzugeben.

Desweiteren soll in einem nächsten Schritt kurz auf die Folgezeit des Konzils eingegangen werden, um die Auswirkungen der Konzilsbeschlüsse aufzuzeigen.

Im anschließenden Resümee werden die bearbeiteten Thematiken nochmals aufgreifen und kurz zusammengefasst.

3. Vorgeschichte

3.1 Das Christentum und die Bilderverehrung vom 2.-7. Jahrhundert

Die Christen der Anfangszeit waren durch ihre jüdischen Wurzeln gegenüber Bildern und deren Verehrung abgeneigt oder zumindest zurückhaltend, da die jüdische Überlieferung für Gottesdarstellungen nur Verachtung übrig hatte. Zeugnis dafür gibt Paulus, der sich im Römerbrief darüber empört, dass die Heiden in Athen versuchten die unvergängliche Herrlichkeit Gottes mit dem Bild eines vergänglichen Menschen darzustellen. Ein weiterer Aspekt der die Zurückhaltung erklärt, ist die Tatsache, dass die neutestamentlichen Schriften jeglichen Dienst am Götzenbild verbieten. Daher war die frühe christliche Kunst auf Symbole wie Taube, Lamm und Fisch beschränkt. Die Ablehnung von Götterbildern verhinderte anfangs eine christliche Bildkunst, im Gegensatz zur Bilderflut in der Umwelt des Christentums.[1]

Die Apologeten des 2. Jahrhunderts lehnten die Bilder mit der Begründung ab, dass man Gott unrecht tue, wenn man ihn im Bild darstelle und dass diese zudem die Behausung von Dämonen sein. Durch diese Begründung mussten sie harsche Kritik seitens der heidnischen Philosophen entgegennehmen, die damit argumentierten, dass es sich widerspräche Bilder und Statuen abzulehnen, wenn die Menschen doch selbst nach dem Bild Gottes geschaffen sein wollen. Darauf wurde erwidert, dass die Christen ihrem Gott einen geistigen Gottesdienst darbringen und dafür weder Tempel noch Bilder benötigten.[2]

Dennoch fanden sich gegen Ende des 2. Jahrhunderts in Katakomben und auf Sarkophagen bereits christliche Bildwerke, wie zum Beispiel in der Kalistuskatakombe. Da diese aber im Allgemeinen nur in der Grabeskunst verwendet wurden, nahmen sie zunächst eine begrenzte Rolle ein, die das Heil in Erinnerung rufen, preisen und feiern sollte.[3] Die Wandmalereien der Begräbnisstätten zeigten Abbildungen alttestamentlicher Erzählungen mit dem Thema Rettung, wie zum Beispiel die Jona-Geschichte oder Szenen der „drei Jünger im Feuerofen".
Wandmalereien neutestamentlicher Thematik stellen die Wundergeschichten Christi dar, um dessen Macht zu verdeutlichen.[4]

Zunehmend schmückten die Bildwerke nicht nur Katakomben, sondern auch Baptisterien. Diese Bilder hatten bereits katechetischen Charakter, also eine Verständnishilfe der Botschaft Gottes, wodurch sie über sich hinaus verwiesen.[5]

Die Christen lebten in einem griechisch-römischen Umfeld, das einen sehr hohen Bildgebrauch hatte. So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Zahl an christlichen Bildwerken zunahm. Denn bereits zum Ende des vierten Jahrhundert fanden sich in Kirchen ganze Bilderzyklen mit biblischen Geschichten.[6] Zudem bezeugen zahlreiche Mosaike und Gegenstände der Kleinkunst, die christliche Motive zeigen, die weitere Verbreitung.[7]

Diese Entwicklung setzte sich in den folgenden Jahrhunderten fort, so dass sich die Bilder weit über die christliche Welt verbreitet hatten. Im 6. Jahrhundert kam neben der Betrachtung und des Bestaunens der Heiligenbilder ein neuer Aspekt hinzu, denn sie wurden zum Gegenstand der Verehrung. Die Gläubigen der damaligen Zeit schrieben ihnen übernatürliche Kräfte zu und brachten ihnen Ehrerweisung entgegen, indem sie Kerzen vor ihnen anzündeten und Weihrauch darboten. Diese Darbietungen waren in der antiken nicht-christlichen Welt verbreitet, um dem Kaiserbild zu huldigen.[8]

Neben den Bildern spielten auch die „nicht von Menschenhand geschaffenen“ Bilder, die Acheiropoiten, eine zunehmend größer werdende Rolle und erfuhren, ebenfalls wie die Bilder, Ehrerbietungen. Denn die Acheiropoiten galten als „wahre Bildnisse“ Christi, da sie, wie der Name bereits sagt, nicht von Menschenhand, sondern von göttlichem Ursprung sein, wie zum Beispiel das Schweißtuch der Veronica.[9] Beide Bildwerke erlangten eine immer weitere Verbreitung und gewannen zudem eine große Bedeutung als Heilsbringer im politischen und militärischen Bereich.[10]

Gegen die aufkommende Kritik der Juden argumentierte man, dass nicht die vergängliche und zerstörbare Materie angebetet werde, sondern derjenigen, der am Holz gekreuzigt wurde. Zudem seien die Bilder nur zur Erinnerung an das, was Christus oder dessen Heilige getan haben, gefertigt.[11]

Am Ende des 7. Jahrhunderts hatten sich die christlichen Bildwerke in vielfältigen Formen mit unterschiedlichem Aufgabenbereich, der von Dekoration, über Ausdruck der Dankbarkeit, bis hin zur Dekoration und Kultgegenstand, von dem man Gnade und Wunder verlangte, reichte sowie die Ikone als ein fester Bestandteil des damaligen Lebens ,etabliert.[12]

3.2. Das historische Umfeld

Das siebte Jahrhundert war voller politischer Umwälzungen und bedeutete einen Wendepunkt der Geschichte des oströmischen Reiches. Kaiser Heraklius hatte zwar die Perser erfolgreich zurückschlagen können, ebenso wie die auf dem Balkan eingedrungenen Bulgaren, Awaren und Slawen. Dennoch erlebte er, wie die arabische Invasion vierzehn Jahre später dem byzantinischen Reich große Gebiete, vor allem im Osten, entriss und diese so an den Islam verloren gingen.[13] Ihm folgte Konstantin IV., der einen Sieg über die Araber errang und diese nach einer gescheiterten Belagerung Konstantinopels von dessen Toren vertrieb. Wie alle Kaiser war er der Überzeugung, dass Politik und Religion eine Einheit bilden, was dazu führte, dass sobald ein Herrscher Siege erlangte, alles was er im kirchlichen Bereich anordnete, Reichsgesetz wurde. Dies hatte immer wieder zu Spannungen mit Rom geführt.[14]

Diesem Herrscher folgten die Kaiser im raschen Wechsel, sechs in dreißig Jahren, mit Ausnahme Justinians II., der zwei Amtszeiten (685-695 und 705-711), unterbrochen durch einen Exilsaufenthalt, bekleidete.

Während seiner ersten Amtsperiode hatte der Kaiser die Slawen geschlagen, ganze Völker umgesiedelt und die Verwaltungsbezirke neu organisiert, indem er Großgrundbesitzer durch Kleinpächter ersetzte, mit dem Ziel die schwindende Macht Byzanz zu erneuern und zu festigen.[15] Neben seinen Bemühungen das Land zu verteidigen, sah er sich auch als „Hüter des reinen christlichen Glaubens“ und hielt es daher für notwendig ein Konzil abzuhalten, dass sich unbeantworteten Fragen der Kirchenzucht zuwenden sollte. Unter anderem wurden aber auch zwei Kanones bezüglich der Bilderfrage abgefasst. Dies führte wiederum zu Spannungen mit Rom, da der Papst sich weigerte, das Konzil durch seine Unterschrift anzuerkennen.[16] Nach einem misslungenen Versuch den Papst gefangen zu nehmen, wurde Justinian II. ins Exil geschickt.

[...]


[1] Vgl. Dumeige, Nizäa II, S. 21.

[2] Ebd. S. 22ff.

[3] Ebd. S. 26f.

[4] Vgl. Bienert, Kirchengeschichte I. S. 95.

[5] Vgl. Dumeige, Nizäa II, S. 28.

[6] Vgl. Ohme, Bilderkult im Christentum, S. 1571.

[7] Vgl. Bienert, Kirchengeschichte I, S. 104.

[8] Vgl. Ohme, Bilderkult im Christentum, S. 1572.

[9] Vgl. Dumeige, Nizäa II, S. 65.

[10] Ebd. S. 66.

[11] Ebd. S72f.

[12] Vgl. Dumeige, Nizäa II, S. 78.

[13] Vgl. Dr. L. Rogier, Geschichte der Kirche, S. 78.

[14] Vgl. Dumeige, Nizäa II. S. 13f.

[15] Ebd. S. 14.

[16] Ebd. S. 17.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Bilderstreit und das zweite Nicaenum
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Synoden und Konzile
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V30688
ISBN (eBook)
9783638318914
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilderstreit, Nicaenum, Synoden, Konzile
Arbeit zitieren
Nathalie Echterling (Autor), 2004, Der Bilderstreit und das zweite Nicaenum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30688

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