Stress im Polizeialltag. Ursachen, Merkmale, Prävention und Bewältigungsstrategien


Hausarbeit, 2015

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Hinweis im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundwissen Stress
2.1 Definition und Begriffserklärung
2.2 Allgemeine Merkmale, Ursachen und Symptome
2.3 Allgemeines Adaptionssyndrom nach Selye

3 Polizei und Stress
3.1 Ist Stress bei der Polizei anders?
3.2 Die Arbeitswirklichkeit der Polizei
3.3 Erkrankt jeder Polizist an den Folgen von Stress?
3.4 Der Polizeivollzugsbeamte im Spannungsfeld

4 Stressbewältigungsstrategien und Lösungsansätze
4.1 Drei Säulen der Stresskompetenz
4.1.1 Instrumentelle Stresskompetenz – Stressoren
4.1.2 Mentale Stresskompetenz – persönliche Stressverarbeitung
4.1.3 Regenerative Stresskompetenz – Stressreaktionen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Hinweis im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes

Da in der deutschen Sprache durch den generischen Maskulin beide Geschlechter gleichermaßen miteinbezogen werden, wird in dieser Arbeit auf ein angehängtes „Innen“ und dergleichen verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für beide Geschlechter.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Stress ist heute zu einem Modebegriff geworden. Wer sich selbst nicht als gestresst bezeichnet, Kann nicht wichtig sein. Vom Schulkind bis zum Rentner fühlen sich fast alle Bevölkerungsschichten gestresst.“[1].

Der Mensch braucht psychische Belastungen, sie sind der Antrieb für die menschliche Entwicklung. Dabei führen psychische Belastungen zu Beanspruchungen, welche sich positiv oder negativ auswirken können. Ein notwendiges Ziel für ein wirtschaftlich erfolgreiches und wertorientiertes Unternehmen ist eine kontinuierliche Pflege und Förderung der Ressource Mensch, denn ein Unternehmen ist nur so erfolgreich wie seine Arbeitnehmer bzw. „ein gesunder Betrieb ist nur so gesund wie seine Mitarbeiter.“[2] Zunächst wird im Rahmen dieser Arbeit ein kurzer Allgemeinüberblick zum Thema Stress gegeben, zu seinen Grundbegriffen, Ursachen, Merkmalen und Symptomen. Im Folgenden wird auf berufstypische Belastungen im Polizeivollzugsdienst eingegangen und woraus diese sich ergeben. Abschließend werden kurz mögliche Präventions- und Interventionsmöglichkeiten zu vermeidbaren Belastungen skizziert.

Die im Rahmen dieser Arbeit zitierten Werke und Publikationen zeigen dabei nur einen Ausschnitt, da durch die Fülle an empirischen Daten keine abschließende Aufarbeitung, Darstellung, Auflistung sowie Vergleiche, möglich sind.

2 Grundwissen Stress

2.1 Definition und Begriffserklärung

Der Terminus „Stress“ wurde von Hans Selye (österreichisch-kanadischer Stressforscher) in die Psychologie eingeführt, um die Reaktion von Tieren und Menschen auf Belastung zu beschreiben. Die eigene persönliche Bewertung entscheidet darüber, ob man Stress empfindet oder nicht, denn unsere Veranlagung, Erfahrung, Einstellung, Persönlichkeit und unsere Bewältigungsstrategien beeinflussen die Wahrnehmung von Stresssituationen. Darüber hinaus unterscheiden sich Menschen auch in der Bewertung der eigenen Stressreaktion.[3] Als Stress wird die unspezifische Reaktion des Körpers, auf jede an ihn gestellte Anforderung, bezeichnet. Zu unterscheiden sind jedoch positiver, angenehmer Stress, der sogenannte "Eustress" (griech. eu oder gut, Euphorie), und negativer, unangenehmer Stress, der "Disstress" (lat. dis oder schlecht, Dissonanz). „Aus arbeitsmedizinischer und biologischer Sicht ist Stress eine natürliche Reaktion des Organismus auf äußere Belastungen aller Art. Diese Reaktion äußert sich körperlich, im Erleben und im Verhalten. Belastungen, die beim Menschen Stress auslösen, werden als Stressoren bezeichnet. Arbeitsbedingter Stress wird verstanden als ‚emotionale und psychophysiologische Reaktion auf ungünstige und schädliche Aspekte der Arbeit, des Arbeitsumfeldes und der Arbeitsorganisation. Stress ist ein Zustand, der durch hohe Aktivierungs- und Belastungsniveaus gekennzeichnet ist und oft mit dem Gefühl verbunden ist, man könne die Situation nicht bewältigen‘(Europäische Kommission, Generaldirektion V, 1997).“[4]

2.2 Allgemeine Merkmale, Ursachen und Symptome

Eine Ursache für Stress am Arbeitsplatz stellt der beschleunigte Wandel der heutigen Arbeitswelt dar, welcher für Mitarbeiter und Beschäftigte häufig schwer einzuschätzen ist und somit Verunsicherung mit sich bringt. Als häufigste Stressfaktoren werden von Arbeitnehmern Zeit- und Leistungsdruck, zu viel Arbeit, Doppelbelastung durch Beruf und Haushalt und die Angst vor Arbeitsplatzverlust genannt, hinzukommen Probleme mit Vorgesetzten und Kollegen oder die unzureichende Vorbereitung auf die Einführung neuer Arbeitsmethoden.[5] Stressreaktionen werden durch Stressoren ausgelöst, welche sich wie im Folgenden auf unterschiedliche Weise klassifizieren lassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[6] [7]

2.3 Allgemeines Adaptionssyndrom nach Seyle

Auch Seyle sieht Stress als unspezifische Reaktion des Organismus auf jede Anforderung, hieraus entwickelte er das General Adaption Syndrom, zu Deutsch allgemeines Anpassungssyndrom, das durch drei Phasen gekennzeichnet ist.

Phase 1 - Alarmreaktion

Bei Einwirkung eines Stressors bzw. Reizes, der für den Menschen bedrohlich ist, weist der Körper charakteristische Veränderungen auf, welche sich Beispielsweise durch Adrenalinausschüttung kennzeichnet. Daraus resultiert eine Steigerung der Aufmerksamkeit, die Abwehrbereitschaft steigt und eine schnellere Reaktionsfähigkeit ist möglich. Diese Reaktion ist positiv zu betrachten, da die Mobilisierung von Energie und Aufmerksamkeit, das Überleben des Menschen in ganz alltäglichen Situationen möglich. Übersteigt der Stressor allerdings einen gewissen Punkt, beispielsweise bei schwersten Verbrennungen, extremster Kälte oder Hitze kann dies zum Tod führen.

Phase 2 – Stadium des Widerstandes

Kann der dauerhaften Einwirkung eines Stressors mit einer Anpassung entgegnet werden, setzt die Phase des Widerstandes ein. Dies hat zur Folge, dass die charakteristischen, körperlichen Merkmale der Alarmreaktion gänzlich verschwinden und die Widerstandsfähigkeit beachtlich über die Norm ansteigt.

Phase 3 – Stadium der Erschöpfung

Kommt es nun zur Fortsetzung der Einwirkung des Stressors, an den sich der Körper angepasst hat, resultiert daraus die völlige Verausgabung der Anpassungsenergie. Die Symptome der anfänglichen Alarmreaktion reduzieren sich und verschwinden hier auch, jedoch sind sie nun nicht mehr rückgängig zu machen. Dies hat zur Folge, dass das Individuum im Extremfall stirbt. In der Vielzahl der Fälle wird der Stress jedoch reduziert, ehe der Zustand der totalen Erschöpfung eintritt. Dies geht oft einher mit der Erschöpfung der Abwehrkräfte, wodurch bedingt es zu Infektionskrankheiten und somit zum vorübergehenden Ausfall des Menschen kommt.[8]

Das von Hans Selye entwickelte Phasenmodell des Adaptionssyndroms macht deutlich, dass Stress ein überlebensnotweniger Faktor für den Menschen darstellt. Sonst wäre es nicht möglich, sich unbeschadet im öffentlichen Verkehrsraum zu bewegen, heil eine Straße zu überqueren und viele andere Dinge des alltäglichen Lebens unbeschadet zu überstehen.

3 Polizei und Stress

3.1 Ist Stress bei der Polizei anders?

Allgemein wird häufig davon gesprochen, dass der Polizeiberuf der stressigste Beruf neben Ärzten, Feuerwehr und Militär ist. Fraglich ist nun, ob das wirklich so ist und was zu dieser Empfindung beiträgt. Fest steht, dass „durch die Vielfalt der polizeilichen Aufgaben, extreme und häufige unfreundliche Ereignisse sowie Konfrontationen mit Gewalt oder deren Auswirkungen besonders belastet.“[9] Aber sind andere Berufsgruppen nicht ebenfalls solchen Situationen ausgesetzt? Denken wir an Lehrer, Piloten, Erzieher, Sozialarbeiter, wie auch bereits oben genannte – sicher sind diese Berufsgruppen ebenfalls enormen häufig auch negativen Stresssituationen ausgesetzt. Der Grund für das Stressempfinden im Polizeidienst muss also an anderer Stelle zu finden sein.

Hierzu ist das Berufsbild des Polizeivollzugsbeamten etwas näher zu betrachten, Gefahrenabwehr, Verbrechensbekämpfung und die unterstützende Funktion für andere Behörden stellen umfangreiche Aufgabenbereiche dar. „Polizeiliche Maßnahmen, wenn sie nicht ausschließlich als Hilfeleistung angesehen werden können, führen in der Regel bei dem Bürger zu Frustration und unter Umständen auch zu Aggressivität. [...] Die dem Polizeibeamten übertragene Macht setzt die Bereitschaft zur Übernahme einer hohen Verantwortung für Personen voraus. Der ständige Interaktionsprozess zwischen ihm und dem Bürger verlangt soziale und kommunikative Kompetenzen. Der Polizeibeamte muss schnelle Entscheidungen mit weit reichenden Konsequenzen treffen können, eine hohe Frustrations- und Toleranzgrenze haben und Fähigkeiten im Umgang mit eigenen und fremden Aggressionen im Konfliktfall aufweisen. Außerdem muss er sich durch emotionale Stabilität und Fähigkeiten für den Umgang mit nichtvorhersehbaren Situationen wappnen. Weitere Voraussetzungen sind ein situationsbezogenes, sprachliches Niveau, Flexibilität und Gerechtigkeitssinn.“[10] Betrachtet man all diese Faktoren, erkennt man recht schnell, dass sich die Polizei doch recht deutlich von den oben genannten Berufsgruppen abhebt. Ein kurzes Beispiel: Ein Feuerwehrmann hat ebenfalls die Aufgabe der Hilfeleistung und der Gefahrenabwehr, jedoch wird dies von der Öffentlichkeit auch als solches bewertet. Die Bevölkerung empfindet diese Leistung als positiv. Im Gegenzug, greift die Polizei zur Gefahrenabwehr ein, zum Beispiel mit der Erteilung eines Platzverweises an grölende Discobesucher in der Nacht, wird sie schnell als Spielverderber und für negativ empfunden, was Frustration und ggf. auch Aggression bei den Adressaten der Maßnahme hervorruft. Die Summe aller Anforderungen an die Polizei, zeigt hier eine klare Abgrenzung zu anderen Berufsgruppen und erklärt, dass der Stress bei der Polizei ein anderer ist.

[...]


[1] Hermanutz M., Ludwig C., Schmalzl H. P.: Moderne Polizeipsychologie in Schlüsselbegriffen, 2. Auflage Boorberg, 2001, S. 215

[2] Institut für Sozialpädagogische Arbeit (I.S.A.R.) (o.J.): Betriebliche Sozialarbeit. Betriebliche Sozialberatung. Online im Internet/URL: http://www.isar-muenchen.de/seiten/sozialarbeit.html [HTML-Datei]. Last updatet: k.A., Zugriffsdatum: 22.10.2009

[3] vgl. Litzcke, Sven Max /Schuh, Horst: Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz. Ausgabe 4, Springer: o.O. 2007

[4] Vereinigung der Metall-Berufsgenossenschaften (Hrsg.): Stress am Arbeitsplatz. Heft BGI609, Carl Heymanns Verlag KG, Köln 2003, S. 10

[5] vgl. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Stress im Betrieb? – Handlungshilfen für die Praxis.. Heft 20, Dortmund-Dresden-Berlin 2001

[6] vgl. Werner Stangel (2008): Stress und wie er wirkt. Online im Internet/URL: http://arbeitsblaetter. stangl-Taller.at/ STRESS/#Definitionen%20 Klassifikationen [HTM-Datei]. Last updatet: k.A., Zugriffsdatum: 20.12.2010

[7] vgl. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Stress im Betrieb? - Handlungshilfen für die Praxis. Heft 20, 4. Auflage, Dortmund-Dresden-Berlin 2001, S. 5

[8] Hermanutz 2001, S. 216

[9] Lorei C., Hallenberger F. (Hrsg.):Grundwissen Stress. 1. Auflage, Verlag für Polizeiwissenschaft: o.O 2012, S. 213

[10] Hermanutz 2001, S. 216

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Stress im Polizeialltag. Ursachen, Merkmale, Prävention und Bewältigungsstrategien
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V306884
ISBN (eBook)
9783668048430
ISBN (Buch)
9783668048447
Dateigröße
752 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Polizei, Stress, Polizeialltag, Polizei und Stress, Stressbewältigungsstrategien, Stressoren, Stresskompetenz, Stressverarbeitung
Arbeit zitieren
Stefanie Handwerg (Autor), 2015, Stress im Polizeialltag. Ursachen, Merkmale, Prävention und Bewältigungsstrategien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306884

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Stress im Polizeialltag. Ursachen, Merkmale, Prävention und Bewältigungsstrategien



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden