Der Kinderwunsch ist eine Thematik, mit dem sich fast jeder in Folge einer Eheschließung auseinandersetzt. Denn die Kinder sind für den Bestand der Ehe von großer Bedeutung und schmücken die Familie. Stark verbunden ist natürlich der Wunsch nach einem gesunden, wie auch nicht – behindertem Kind. Denn in einer Gesellschaft, in der das Schönheits- und Gesundheitsideal eine so hohe Priorität hat, gilt ein Kind mit Behinderung als unzumutbares Leid und eine starke Belastung. Es sind immer weniger Eltern bereit, ein Kind mit Behinderung anzunehmen und großzuziehen. Doch inzwischen hat sich der medizinische und technologische Fortschritt soweit entwickelt, dass neue Therapieoptionen entstanden sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition der Pränataldiagnostik
2.1. Untersuchungsmethoden
3. Abtreibung nach PND
3.1. Befürworter einer Abtreibung bei Behinderung
3.2. Gegner einer Abtreibung bei Behinderung
4. Definition der Präimplantationsdiagnostik
4.1. Anwendungsbereiche
5. Die islamischen Rechtsgelehrten über die PID
6. Geschlechtsselektion nach PID – Fallbeispiel
6.1. Rechtsmeinung zur Geschlechtsselektion nach PID
7. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Hausarbeit besteht darin, die ethische Legitimität von Pränataldiagnostik (PND) und Präimplantationsdiagnostik (PID) aus der Perspektive der islamischen Bioethik kritisch zu untersuchen und zu diskutieren.
- Grundlegende Definitionen und Methoden der PND und PID.
- Die islamisch-rechtliche Bewertung von Schwangerschaftsabbrüchen nach pränatalen Diagnosen.
- Unterschiedliche Positionen islamischer Rechtsgelehrter zur PID und Embryonenselektion.
- Die ethische Problematik der Geschlechtsselektion aus islamischer Sicht.
- Die Bedeutung von Ijtihad in modernen bioethischen Fragestellungen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Befürworter einer Abtreibung bei Behinderung
Im Jahre 1990 fasste die IFA der Islamischen Weltliga in Mekka den Beschluss, dass vor dem 120. Tag der Schwangerschaft eine Abtreibung aufgrund einer Behinderung des Embryos möglich sei. Doch die Voraussetzung dafür sei, dass ein Ärztegremium eindeutig eine schwere und nicht zu behandelnde Behinderung feststellte und die Eltern die Abtreibung wünschten. In dem Beschluss hieß es: „Das Leben des Kindes wird schlecht und schmerzlich sein für es selber und seine Familie“ Damit habe die IFA eine grundlegende Veränderung der Position vollzogen, da bislang nur eine Abtreibung nur bis zum 40. Tag erlaubt war.
Historisch sei den Fuqaha das Phänomen der Abtreibung bei Behinderung bereits bekannt gewesen. Diese vollzogen sich in Form von natürlichen Aborten. Die Erkenntnisse der Genetik seien in Koranversen und Aḥādīṭ vorhanden. Auch gebe es Aussprüche bedeutender Gestalten oder islamischen Geschichte, die dazu aufriefen, den Genpool zu erweitern, um gesunden Nachwuchs zu bekommen. Das Leben des Embryos vor dem 120. Tag sei als pflanzliches Leben zu bewerten, danach erst als menschliches. Der saudische Gelehrte al – Bassam sagte diesbezüglich: „Wir haben also die Aussagen Ibn al – Qayyims wiedergegeben, dass die Bewegung des Embryo vor der Beseelung wie die Bewegung der Pflanzen ist und dass die willentliche Bewegung erst nach der Einhauchung der Seele in ihn (den Embryo) vorliegt, die sich am 120. Tag vollzieht. Darauf fußend neige ich zu der Meinung, die Abtreibung vor der Beseelung zu erlauben, wenn ein Bedarf vorliegt, wenn nicht gar eine rechtliche Notwendigkeit.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Kinderwunsch in der Ehe und die Herausforderungen durch moderne Diagnostik, die zu ethischen Konflikten in der islamischen Bioethik führt.
2. Definition der Pränataldiagnostik: Dieses Kapitel definiert PND als vorgeburtliche Untersuchungsmethode und beleuchtet deren Stellenwert innerhalb der islamischen Rechtskultur.
2.1. Untersuchungsmethoden: Hier werden invasive und nicht-invasive Verfahren der PND kurz erläutert und ihre medizinische Anwendung dargestellt.
3. Abtreibung nach PND: Das Kapitel diskutiert den Konflikt zwischen dem elterlichen Wunsch nach einem gesunden Kind und dem Schutzbedürfnis des Ungeborenen im islamischen Kontext.
3.1. Befürworter einer Abtreibung bei Behinderung: Hier wird der Beschluss der IFA von 1990 analysiert, der unter bestimmten Bedingungen Abtreibungen vor dem 120. Tag erlaubt.
3.2. Gegner einer Abtreibung bei Behinderung: Dieses Kapitel stellt Gegenargumente vor, die vor allem auf die Unsicherheit der Diagnose und das Verbot des Eingriffs in die Gottesschöpfung verweisen.
4. Definition der Präimplantationsdiagnostik: PID wird als genetische Untersuchung an künstlich erzeugten Embryonen definiert, wobei der Fokus auf der Selektion liegt.
4.1. Anwendungsbereiche: Das Kapitel beschreibt den Einsatz der PID bei Chromosomenstörungen, Erbkrankheiten und der Auswahl immunkompatibler Embryonen.
5. Die islamischen Rechtsgelehrten über die PID: Eine Übersicht über die unterschiedlichen befürwortenden und ablehnenden Positionen zur PID und der Bewertung des Embryonenlebens.
6. Geschlechtsselektion nach PID – Fallbeispiel: Das Kapitel thematisiert das soziale Ungleichgewicht durch Geschlechtsselektion anhand von Beispielen aus asiatischen Ländern.
6.1. Rechtsmeinung zur Geschlechtsselektion nach PID: Hier werden religiöse Argumente gegen die Geschlechtsselektion angeführt, insbesondere der Verweis auf das alleinige Wissen Gottes.
7. Fazit: Das Fazit fasst die ethische Debatte zusammen und betont die Notwendigkeit von Ijtihad bei der Beurteilung moderner medizinischer Technologien.
Schlüsselwörter
Pränataldiagnostik, Präimplantationsdiagnostik, Islamische Bioethik, Schwangerschaftsabbruch, Beseelung, Gentechnologie, Geschlechtsselektion, Embryonenschutz, Medizinethik, Koran, Rechtsgelehrte, Behinderung, Ijtihad, moderne Medizin, Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der ethischen Bewertung von Pränataldiagnostik und Präimplantationsdiagnostik aus der Sicht einer islamischen Bioethik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Umgang mit pränatalen Behinderungen, der Zeitpunkt der Beseelung, die Selektion von Embryonen sowie die Rolle des göttlichen Willens bei medizinischen Eingriffen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob PND und PID mit den islamischen Prinzipien vereinbar sind und wie islamische Rechtsgelehrte diese Fortschritte bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, in der aktuelle medizinische Definitionen mit klassischen und modernen islamischen Quellen sowie Rechtsgutachten (Fatwas) in Beziehung gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Verfahren, die islamrechtliche Diskussion zu Schwangerschaftsabbrüchen nach Diagnosen, die Analyse der PID sowie spezifische Fallbeispiele zur Geschlechtsselektion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Islamische Bioethik, PND, PID, Beseelung, Schwangerschaftsabbruch, Ijtihad und Gentechnologie.
Welche Rolle spielt der 120. Tag der Schwangerschaft?
Nach Ansicht vieler islamischer Gelehrter findet zu diesem Zeitpunkt die Beseelung des Embryos statt, was die rechtliche Bewertung von Schwangerschaftsabbrüchen maßgeblich beeinflusst.
Wie wird die Geschlechtsselektion islamisch begründet abgelehnt?
Viele Gelehrte lehnen sie ab, da sie das Wissen über das, was im Mutterleib ist, als exklusiv göttlich betrachten und einen Eingriff in die Schöpfung Gottes als unzulässig sehen.
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- Elif Karahan (Author), 2014, Pränataldiagnostik und Präimplantationsdiagnostik aus Sicht einer islamischen Bioethik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306905