Zeitschrift "Novyj Mir" unter Aleksandr Tvardovskij. Wandel in der Kulturpolitik der Sowjetunion, seine Inhalte und Grenzen


Hausarbeit, 2014
24 Seiten, Note: 1,3

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Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Hauptteil
1. Kulturpolitik in der Sowjetunion-Vom totalitären zum autoritären Staat
1.1. Kulturelle Gleichschaltung vor dem Krieg
1.2. Ždanov’sche Kriterien und Verordnung von Athentizität
1.3. Tauwetter nach Stalins Tod
1.4. Ernüchterung der Nonkonforme und konservatives Erstarken
1.5. Herausdrängen der Nonkonforme
2. Aleksandr Trifonoviþ Tvardovskij - Dichter - Apparatchik - Reformer S
2.1. Kindheit, Weg zum Dichter und in die Partei
2.2. Tvardovkijs Zeit als Soldat
2.3. Redakteur des Noyj Mir
2.4. Zweite Amtszeit und Fall
3. Novij Mir - Zwischen Pravda und samizdat
3.1. „Dicke Zeitschrift“ mit anti-dogmatischer Ausrichtung
3.2.Verlust der kritischen Identität
3.3. Nach Stalins Tod
3.4. Demokratischer Sozialismus?
3.5. Restriktion unter neuer Führung - Das Ende der Ära Tvardovskij

C. Schluss

D. Literaturverzeichnis

A. Einleitung

Anhand der Zeitschrift Novyj Mir („Neue Welt“), der zwischen 1950-54 und 1958-70 der Chefredakteur Aleksandr Tvardovskij vorstand, soll der Wandel in der Kulturpolitik der UdSSR dargestellt werden.

Da das Thema das Spannungsfeld „Führung des Staates“ auf der einen Seite und „Literaturzeitschrift“ auf der anderen Seite beinhaltet, bezieht sich die Untersuchung der Inhalte und Grenzen der sowjetischen Kulturpolitik vornehmlich auf die Literaturpolitik der Partei zu dieser Zeit.

Geschichtliche Entwicklungen verlaufen in der Zeit, deshalb wird es sich meines Erachtens nicht umgehen lassen, auf vor dieser Zeit liegende politische SchlüsselEreignisse der Kulturpolitik in der UdSSR einzugehen.

Die Arbeit wird sich aus drei verschiedenen Richtungen dem Thema nähern. Zunächst sollen in einem allgemeinen Abriss die verschieden Phasen der sowjetischen Kulturpolitik vom Aufbau der Parteikontrolle in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis zum Kampf des Apparates gegen die aufkeimende Nonkonforme Anfang der 1970er Jahre allgemein aufgeführt werden. Dieser Abschnitt soll die Frage beantworten, in welche politische Situation die Zeitschrift Novyj Mir eingebettet war.

Der nächste Schritt soll zur Aufklärung der Person Aleksandr Tvardovskijs beitragen, beziehungsweise soll geklärt werden, welche Themen seine Persönlichkeit in erster Linie bestimmten und das Heft durch ihn zu dem machten, was es unter seiner Redaktion war. Dabei ist seine zweite Amtszeit von 1958-70 von größerer Bedeutung für diese Arbeit gewesen, da die von Tvardovskij ausgehende stetig eigenwilliger werdende und kritische Handhabe der wichtigsten sowjetischen Literaturzeitschrift dieser Zeit zu bedeutenden Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Machthabern der Partei, Crušþev und Brešnev, führte.

Im dritten Abschnitt soll schließlich die geschichtliche bzw. politische Entwicklung der Zeitschrift und deren Bedeutung vor dieser Zeit im Allgemeinen und in dieser Zeit zwischen 1958-70 im Speziellen dargeboten werden. Inhaltlich überschneiden sich diese drei Bereiche an einigen Stellen, nicht zuletzt, da Tvardovskijs Schicksal mit der Zeitschrift sehr eng verknüpft ist. Doch zum Ende hin soll ein klares Bild entstehen, wann es jeweils zu einem spürbaren Wandel in der Kulturpolitik kam und wodurch dieser in erster Linie bestimmt war. 3

B. Hauptteil

1. Kulturpolitik in der Sowjetunion - Vom totalitären zum autoritären Staat

1.1. Kulturelle Gleichschaltung vor dem Krieg

In der Zeit vom Ende der Neuen Ökonomischen Politik1 bis zur Mitte der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts (1927-34) vollzieht sich laut Peter Hübner der "entscheidende Wandel"2 der sowjetischen Literaturpolitik. Die vormals aufklärerische Funktion der Literatur in den Jahren nach der Oktoberrevolution weicht einer machtpolitischen der Partei dienenden.

Inhaltlich und formal kommt es in dieser Zeit zur Gleichschaltung der gesamten Kultur in der Sowjetunion unter Stalin.

Ab 1932 wird der Sozialistische Realismus für jede Kunst als Leitlinie verbindlich.

Formal sind schon vor dieser Zeit von Partei und Regierung wichtige Instrumentarien geschaffen worden, mit denen man in den 30er Jahren vermehrt Kunst in eine ideologiekonforme Richtung lenken will: die staatliche Zensurbehörde Glavlit 1922 zur einheitlichen Überwachung der geplanten Veröffentlichungen und ein paar Jahre zuvor, 1919, der Staatsverlag Gozisdat zur Kanalisierung und gleichsam Kontrolle der Kultur-Produktion3.

Ein weiterer wichtiger Schritt zur kulturellen Formgebung durch die Partei ist der 1934 nach der Abschaffung aller Einzelverbände gegründete zentrale Schriftstellerverband, welcher vorwiegend aus Parteigängern besteht und an dessen Mitgliedschaft die Möglichkeit des Publizierens in der Sowjetunion geknüpft ist. Ihm unterstellt ist der ebenfalls in diesem Jahr geschaffene Literaturfonds der UdSSR („Litfond“), der den Angehörigen des Verbands zum Teil gehörige Vorteile in Karriere und Lebensführung verschafft4.

Die Kontrolle der Literaten ist also einerseits ideologisch über die verordnete Kunst-Doktrin und andererseits rein technisch über die verschiedenen Kultur- Instrumentarien der Partei bis zum Krieg allumfassend.

1.2. Ždanov’sche Kriterien und verordnete Authentizität

Nach dem Krieg sorgen die Beschlüsse des Zentral-Komitees der KPdSU unter dem Sekretär für ideologische Fragen des ZK, Andrej Ždanov, dafür, dass an die kontrollierte Kulturpolitik vor dem Krieg angeknüpft wird. Vermeintliche Abweichler im Kulturbetrieb sollen wieder auf Linie gebracht werden5. Im Zuge der Resolutionen des ZK von 1946 und 48 unter Ždanov werden parteikonforme Redakteure in die Zeitungen eingesetzt, Redaktionen von Abweichlern gesäubert, früher erschienene Werke nach Partei-Richtlinien überarbeitet und wenn nötig, Schriftsteller und deren Familien bedroht. Der Output des sowjetischen Schriftstellers soll als weiteres Instrumentarium der Politik unter Aufsicht der Partei dienen, er selbst als Erzieher des Volkes zum Sozialismus fungieren.

Durch die enorme staatliche Steuerung und Kontrolle der Literatur entsteht in den Nachkriegsjahren jedoch das Problem, dass das Bedürfnis nach moderner sowjetischer Literatur nachlässt und lediglich bei den russischen Klassikern und ausländischer Literatur vorherrscht.

Sozialistischer Anspruch der Politik und die gesellschaftliche Wirklichkeit scheinen auseinanderzuliegen.

Die Partei reagiert darauf, in dem sie mehr Abwechslung und das Einarbeiten von echten Konflikten in die Literatur verordnet und selbst von der „Theorie der Konfliktlosigkeit“ der Stalin-Ära abrückt6.

Dieser Kurs der Partei, der im Schaffensprozess einerseits Optimismus und Einsatz für die Parteiziele fordert und andererseits Spannung durch authentische Geschichten mit echten Konflikten, verunsichert viele Kulturschaffende noch Jahrzehnte hindurch7.

1.3. „Tauwetter“ nach Stalins Tod

Der Tod Iosif Stalins 1953 weckt8 bei vielen Künstlern die Hoffnung eines Wandels in der Kulturpolitik der Sowjetunion.

Zunächst kommt es tatsächlich „von oben herab“ zu einer ersten kulturellen „Tauwetter“-Phase: der Schriftstellerverband darf das erste Mal seit seiner Gründung 1934 im Jahr 1954 wieder tagen, neue Zeitungen werden genehmigt, der Leninpreis wird als Anreiz für die Kulturarbeiter wieder eingeführt9. Auch „unten“ im Volk kommen Bewegungen in Gang, die das totalitäre Klima der zurückliegenden Jahrzehnte verändern. In den Jahren nach dem Tode des alten Machthabers bildet sich dort kritischer Bodensatz unterschiedlicher Ausprägung und in unterschiedlichen Bereichen heraus. Einerseits entstehen innerhalb des Systems in Zeitschriften wie Novyj Mir10 , Literaturnaja Gazeta und Junost Foren für erlaubte Kritik mit reformerischem Geist. Andererseits tauchen neben dem System Personen bzw. Personenkreise mit nonkonformen Ideen auf, die sich mit ihren Werken nicht mehr in das vorliegende System eingliedern lassen bzw. wollen. Noch völlig unorganisiert, in unterschiedlicher Form und an verschiedenen Orten der Sowjetunion. Im sogenannten samizdat („Selbstverlag“) werden vorbei an Glavlit und Gozisdat Zeitschriften in kleiner bis kleinster Auflage herausgebracht, Aleksandr Ginzburgs Syntax und Jurij Galanskovs Phoenix etwa.

Die Politik des neuen Vorstehers der KPdSU, Nikita Crušþev, leitet weitere Tauwetter-Phasen ein und ermöglicht ausgehend von der Kritik an Stalin ein allgemeines Aufbrechen der alten, totalitären Strukturen: so dessen Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU Anfang 1956, die wenig später an die Öffentlichkeit gelangt und in der er die Verfehlungen Stalins gemessen am Lenin’schen Leitbild des Kommunismus offenbar macht; oder dessen offene

Entstalinisierung auf dem XXII. Parteitag der KPdSU 1962, auf dem beschlossen wird, dass Stalins Name aus der Öffentlichkeit getilgt, dessen Leichnam aus dem Lenin-Mausoleum vom Roten Platz entfernt wird und zahlreiche nach ihm benannte Städte und Straßen umbenannt werden11.

1.4. Ernüchterung der Nonkonforme und konservatives Erstarken

Die Hoffnung auf Veränderung nach Stalins Tod und Crušþevs neuer Politik wird nicht nur durch ein punktuellen demonstrativen Paukenschlag der Führung, die gewaltsame Niederschlagung der Unruhen durch sowjetische Truppen in Ungarn 1956 schnell enttäuscht, sondern zudem gebremst durch einen Prozess, der die nächsten Jahrzehnte genauso bestimmen sollte, wie das Entstehen der Kritik: das wachsende Wirken der Konservativen in der Partei12. Diese gründen Ende der 50er Jahre einen eigenen Verlag (Sowjetrussland), einen eigenen Verband (Schriftstellerverband der RSFSR) und eine eigene Zeitung (Moskau).

Deren Einwirken ist es wohl zu verdanken, dass Boris Pasternak den ihm vom Westen zugesprochenen Nobelpreis für Doktor Ž ivago ablehnt und 195813 das Verbot des Werkes in der UdSSR erwirkt wird.

Auch trägt deren Erstarken zum ungünstigen Ergebnis des 3. Schriftstellerkongresses bei, der 1959 stattfindet14.

Das Jahrzehnt der 60er ist geprägt vom Schlagabtausch dieser zwei Gruppierungen, den Kritischen und Nonkonformen auf der einen Seite und den Konservativen auf der anderen Seite. Dazwischen pendelt als Faktor der Unruhe der Erste Sekretär der KPdSU, Crušþev, einmal auf der Seite der Konservativen stehend, dann, soweit die liberale Richtung seinen politischen Zwecken dient, auf der Seite der Kritiker.

1.5. Herausdrängen der Nonkonforme

Auch unter der neuen Spitze der KPdSU, Leonid Brežnev, setzen sich diese Kämpfe fort, doch der politische Kurs ist nach einer kurzen Übergangsphase weniger wankelhaft als der unter Crušþev.

Brežnevs Politik darf laut Hübner als Restriktionspolitik gegen den in der Ära Crušþev entstandenen Nonkonformismus angesehen werden.

Eine Rückkehr zu der totalitären, für die Kulturschaffenden teils lebensbedrohlichen Kulturpolitik unter Stalin ist für die neuen Machthaber nicht durchzuführen, zumal es in dieser Zeit nicht mehr möglich ist, deren Stimmen gänzlich zu unterdrücken.

Dennoch bleibt die Parteispitze in ideologischen und damit auch kulturellen Angelegenheiten tonangebend. Die Kriterien unter Ždanov von 1946 und 48 werden bestätigt und die Zuhilfenahme von „administrativen Maßnahmen“15 beschlossen, um das Kulturgefüge auf Spur zu bringen. Dazu gehören Strafprozesse, neue Gesetze, Polizeieinsätze, Maßnahmen wie das Einweisen von missfälligen Kreativen in die Psychiatrie, im Äußersten das Ausweisen aus der Sowjetunion.

Das heißt die neue Führung wirkt in erster Linie nicht mehr nur mittelbar über Verleumdungskampagnen mithilfe parteikonformer Zeitungen oder dem Schriftstellerverband, wie vorwiegend unter Crušþev, auf die Linie der wichtigen Journale ein, sondern von nun an auch unmittelbar über die Kriminalisierung der Kulturschaffenden. Beispiele hierfür sind die „Schauprozesse“ gegen den Lyriker Iosif Brodskij 196416 und die Schriftsteller Andrej Sinjavskij und Julij Daniel 196617, sowie als Folge davon die drakonischen Strafen dieser Prozesse18 und die Welle an Verhaftungen im Zuge der Proteste.

Öffentliche Kampagnen gegen ideologische Abweichler sind nach wie vor ein modus operandi der Partei, der Ton derselben wird jedoch zunehmend schärfer. Am Ende dieser Kampagnen gegen führende Intellektuelle steht oft das Ende derer Karrieren, wie bei Aleksandr Solženicyn, dem nonkonformen Literaten der 60er und 70er, der 1969 aus dem Schriftstellerverband geworfen wird oder bei Aleksandr Tvardovskij, der 197019 ein zweites und letztes Mal aus dem Amt des Novyj Mir gechasst wird.

Der Katalog an Anordnungen dieser restriktiven Kulturpolitik unter Brešnev, mit dem Hinausdrängen der offiziell möglichen Kritik aus dem öffentlichen politischen Leben führt Ende der 60er, zu Beginn der 70er und in den Folgejahren zum Ausbau einer immer flächendeckender organisierten Nonkonforme außerhalb des Systems, in der sich die eigentlich relevante Kultur abspielt.

2. Aleksandr Trifonoviþ Tvardovskij - Dichter - Apparatschik - Reformer

2.1. Kindheit, Weg zum Dichter und in die Partei

Aleksandr Trifonoviþ Tvardovskij wird 1910 in Zagorye im Verwaltungsbezirk Smolensk, ca. 4h westlich von Moskau entfernt, in einfache Verhältnisse auf dem Land geboren. Sein Vater, ein ehemaliger Schmied, hat sich ein kleines Stück Grund hart erarbeitet. Er vermittelt seinem Sohn die Liebe zum bäuerlichen Leben, aber auch zur Literatur20. Wie beim Großteil der Bevölkerung werden in seiner Familie die russischen Klassiker gelesen.

Tvardovskij ist siebenjährig als die Bolschewiki die Macht ergreifen. Vier Jahre besucht er die Grundschule, dann muss er sie wieder abbrechen, weil die Familie das erforderliche Schulgeld nicht bezahlen kann.

Als Heranwachsender tritt er 1924 der Jugend-Organisation der Partei, der Komsomol, bei.

Ein paar Jahre später, zur Zeit von Stalins Zwangskollektivierung 1929, ist er der sowjetischen Idee schon so weit verbunden, dass er sowohl seinen Vater, als auch seine Brüder als Kulaken denunziert, die daraufhin in Arbeitslagern verschwinden21.

Tvardovskij beginnt früh zu schreiben und 1925 erscheint sein erstes Gedicht in der Zeitschrift „Smolensk Village“22.

Mit 18 Jahren geht er nach Smolensk, der Hauptstadt des Bezirks, findet jedoch keine Arbeit, bei der er seine schriftstellerischen Fähigkeiten einsetzen kann, geschweige denn in einem anderen Bereich.

Im Jahre 1930, nach einem kurzen Abstecher in die Hauptstadt Moskau, kehrt er nach Zagorye zurück und wird dort mit Hilfe eines Partei-Funktionärs als Student am Pädagogischen Institut aufgenommen. Er bricht dieses Studium allerdings vorzeitig ab, um es später am Institut für Geschichte, Philosophie und Literatur in Moskau weiterzuführen.

Von 1934 bis 1936 schreibt er das Gedicht „Das Wunderland Muravia“, für das er 1941 den Stalin-Preis erhält. Es handelt von einem Bauern, der sich dem System der sowjetischen Großbetriebe auf dem Lande verweigert und sich aufmacht, das legendäre Land „Muravia“ zu suchen, von dem es heißt, dass es dort derartige Betriebe nicht gebe. Nach missglückter Suche kehrt er in den Schoß seiner Kolchose zurück, in der er schließlich sein Glück findet.23

1936 wird er offizielles Mitglied der Partei.

2.2.Tvardovskijs Zeit als Soldat

Bei Anbruch des Krieges 1939 ist er Soldat der Roten Armee und verfasst als Mitglied der „Schriftstellerbrigade“ patriotische Gedichte. Den Krieg hindurch fungiert er als Kriegsberichterstatter. Während dieser Zeit schreibt er das Poem Wassilij Terkin, durch das er bei einem Großteil des sowjetischen Volkes bekannt wird. Protagonist des Werkes ist ein einfacher sowjetischer Soldat, der an vielen Kämpfen im zweiten Weltkrieg gegen die Deutschen beteiligt ist. Tvardovskij schildert darin nicht nur Glück und Stolz derer, die für ihr Land kämpfen, sondern auch die Trauer und Verbitterung des Soldaten, der im Krieg seine ganze Familie verliert24. 1946 bekommt Tvardovskij für Wassilij Terkin den Stalin-Preis25

Für sein Prosa-Werk Heimat und Fremde von 1947 , welches offen die Kopflosigkeit und Panik in der Sowjetunion zu Beginn des Krieges mit Deutschland schildert, erntet er allerdings, für ihn völlig überraschend, die Ablehnung der Partei-Führung.

2.3. Redakteur des Noyj Mir

Seine erste Amtszeit als Chef-Redakteur bei der renommierten Literatur- Zeitschrift Novij Mir tritt er 1950 an. Zu dieser Zeit ist er einer der populärsten zeitgenössischen sowjetischen Schriftsteller26.

In dem Gedicht Entfernung jenseits der Entfernung 27, welches 1953 im Novyj Mir erscheint, setzt er sich das erste Mal offen und kritisch mit den Ždanov’schen Anforderungen an sowjetische Literatur auseinander. Tvardovskij plädiert dafür, dass einzig der Schreiber sich selbst gegenüber Verantwortung für sein Werk trage28.

Bereits nach vier Jahren, 1954, endet seine erste Amtszeit beim Novij Mir mit der Anschuldigung der Veröffentlichung schädlicher und kritischer Artikel29. Den Stuhl des Chefredakteurs muss er zwar räumen, aber im selben Jahr wird er auf dem zweiten Kongress der Schriftsteller in das Exekutivkomitee des Schriftstellerverbandes gewählt.

Zudem hat Tvardovskij von 1947-54 und 1958-66 das Amt des Abgeordneten in der Regierung, dem Obersten Sowjet, inne.

Tvardovskij ist mit der Politik von Regierung und Partei eng verknüpft, doch Krušþevs Geheimrede mit der Entlarvung der Gewaltpolitik Stalins 1956 setzt in ihm laut Lilia Antipow30 eine Bewegung in Gang, die ihn zunächst zum AntiStalinisten und später zum Regime-Kritiker werden lässt31.

2.4. Zweite Amtszeit und Tvardovskijs Fall

In seiner zweiten Amtszeit beim Novyj Mir, die er 1958 ebenfalls wieder als ChefRedakteur antritt, beginnt er sich zum Sprecher einer neuen Generation von Poeten und Schriftstellern32 zu entwickeln, seine dichterische Tätigkeit wird dabei mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt.

In seiner Rede auf dem XXI. Parteitag der KPdSU 1959, die er als Regierungsvertreter auf Veranlassung Krushevs33 zur Lage der sowjetischen Literatur hält, bemängelt er die vorherrschende Unbeweglichkeit derselben, die fehlende Besprechung der Werke in den Heften und appelliert an die Visionsfähigkeit der Schriftsteller, die mit ihren Werken ähnlich wie der russische Schriftsteller Leo Tolstoi, knapp 150 Jahre bevor, die Menschen zum Wechsel und zur Freiheit führen könnten34.

Tvardovskijs Höhepunkt im Aufstieg in der Partei wird auf dem XXII. Parteitag 1961 besiegelt. Er wird in eines der obersten Entscheidungs-Gremien der Partei, das ZK gewählt. Auch als Poet ist ihm im selben Jahr ein großer Erfolg beschert, er erhält für seine Großdichtung Meilensteine den Leninpreis.

Dem entgegen steht Tvardovskijs Veröffentlichungspolitik der 60er Jahre. Als Kopf des Novyj Mir bringt er viele kritische Werke heraus, wovon sicherlich das bedeutendste und folgenreichste im Jahr 1962 Aleksandr Solženicyns Ivan Denisovi č ist, das von einem Tag im Leben eines Gulag-Häftlings handelt. Dieses „Publikations-Programm“ Tvardovskijs auf der einen Seite, die restriktive Linie des neuen Machthabers Brešnev und die vermehrten Angriffe der Konservativen auf der anderen Seite, führen dazu, dass er letztlich bei der Partei in Ungnade fällt.

1966 wird er auf dem XXIII. PT als Mitglied des ZK von der Liste genommen und bleibt nicht einmal mehr einfacher Delegierter.

Es dauert noch bis 1970, bis ihn Konservative und Führung zu seiner Kündigung drängen können. Ein Jahr später stirbt er an Lungenkrebs.

Kurz vor seinem Tod erhält er für Gedichte dieser Jahre noch den UdSSRStaatspreis. Bei seiner Trauerrede wird er als Poet, jedoch nicht für seine Verdienste als Chef-Redakteur des Novyj Mir gewürdigt35.

3.Novyj Mir - Zwischen Pravda und samizdat

3.1. „Dicke Zeitschrift“ mit anti-dogmatischer Ausrichtung

Die Zeitschrift Novyj Mir existiert heute noch, ist aber in diesen Tagen weitaus unbedeutender als zu ihrer Hochzeit in den 1950er und 1960er Jahren36. Sie trägt in ihrem Titel die Bezeichnung literarisch-künstlerische und sozio-politische Zeitschrift und wird 1925 in der Tradition der „dicken Zeitschrift“ gegründet. Diese Magazine, die sich ab einer Stärke von ca. 150 Seiten so nennen dürfen, sind ein einzig in den russischen Staaten auftretendes Phänomen und laut Wolfgang Kasack hatten sie „hohe Auflagen, waren nicht teuer und weithin verbreitet“37. Der Novij Mir erscheint monatlich, ist im Schnitt ca. 300 Seiten dick und ist mit stetig steigenden Zahlen bis kurz nach der Wende eines der auflagenstärksten Journale der UdSSR38 In erster Linie werden Fortsetzungsromane, aber auch Gesellschaftsanalysen von Schriftstellern jedweder Couleur für eine schichtübergreifende Leserschaft geschrieben, die vom Arzt bis zum LKW-Fahrer reichen kann.

Die beiden ersten Redakteure Vyacheslav Polonsky und Anatolij Lunaþarskij vertreten mit dem Novij Mir ein eigenes kritisches Profil und verweigern sich der damalig vorherrschenden Position, „nur ein Proletarier könne echte Revolutionskunst schaffen“39. Die Ausrichtung des Novij Mir ist in den Anfangsjahren nicht politisch-dogmatisch, sondern vielmehr philosophischaufklärerisch. Die Entwicklung des Menschen soll durch Wissen erfolgen, das nicht der Vorgabe oder Kontrolle „von oben“ untersteht.

3.2. Verlust der kritischen Identität

Als Anfang der 30er Jahre unter Stalin die Ideologisierung durch den Sozialistischen Realismus und die Monopolisierung durch die Zentralisierung der Einzelverbände im sowjetischen Schriftstellerverband erfolgt, beginnt auch der Verlust der kritisch ausgerichteten Identität des Novyj Mir.

1931 werden Polonsky und Lunacharsky zum Rücktritt gezwungen. Stalin selbst setzt den entstandenen Diskussionen um die kulturelle Ausrichtung der Sowjetunion ein Ende, in dem er für alle Künstler das Einhalten der Partei-Linie, parteiinost, fordert40. Der Novij Mir beginnt zu dieser Zeit an Bedeutung zu verlieren.

Während der Zeit des zweiten Weltkrieges spielen Magazine wie Novij Mir gegenüber den täglich erscheinenden Nachrichtenblättern eine untergeordnete Rolle41.

Zur Zeit der Ždanov-Richtlinien Mitte der 40er Jahre wird Konstantin Simonov Leiter des Heftes, führt es aber in keine bestimmte Richtung42 43 1947 wird der Novij Mir die Stimme des Sowjetischen Schriftstellerverbands, als „quasi-offizielles Organ des Staates“44.

1950 tritt Tvardovskij seine erste Amtszeit an und löst Simonov als Chefredakteur des Heftes ab.

3.3. Nach Stalins Tod

Nach dem Tode Stalins 1953 sind die über die Parteivorgaben gehenden Äußerungen in der Novij Mir noch sehr vorsichtig und beziehen sich in ihrer Kritik weniger auf politische als auf literarische Inhalte45.

Manche der Werke, die im Novij Mir veröffentlicht werden, wie Tvardovskijs umstrittenes Entfernung jenseits der Entfernung 46, oder Vera Panovas‘ Roman Jahreszeiten, mit Darstellungen der Kehrseiten des sowjetischen Lebens47 und Vladimir Pomerancevs Ü ber die Aufrichtigkeit in der Literatur48 gehen allerdings darüber hinaus. Pomerancevs Artikel ist ein offener Appell an die Schriftsteller, sich von den Vorgaben des Sozialistischen Realismus zu lösen und Wahrhaftigkeit, Emotion und Spontanität des Autors als einzige Richtlinien für das Werk gelten zu lassen49.

Die Konservativen in der Partei reagieren mit einer Kampagne gegen die kritischen Artikel im Novij Mir, die über die Literaturnaja Gazeta 50 und die Pravda geführt wird.

Auf einer Sitzung des Schriftstellerverbandes wird die Redaktion des Novij Mir für diverse Artikel verurteilt, die von der Partei-Doktrin abgewichen seien, den Ždanov‘schen Kriterien widersprächen und der Verantwortung entgegenstünden, die der Novij Mir als Organ des Verbands hätte51.

Tvardovskij wird 1954 abgesetzt und muss öffentlich Selbstkritik üben. Sein Nachfolger ist gleichzeitig auch sein Vorgänger: Konstantin Simonov52. Mary Chaffin bezeichnet das Vorgehen der Partei als „weiche Politik“, da zur „Begradigung des Heftes“ nur der Chef-Redakteur und nicht die komplette Redaktion ausgewechselt wird53.

Auch die zweite Amtszeit Simonovs bis zur Wiedereinstellung Tvardovskijs ist nach Linda Aldwinckle für den Novij Mir eine Zeit ohne klares Profil. Eine Ausnahme sei lediglich die Veröffentlichung von Vladimir Dudincevs Roman Nicht vom Brot allein 195654. Diese Veröffentlichung ist sehr umstritten und tritt in der Presse, die sich in dieser Zeit mehr und mehr zum „Wachhund der Politik“55 herauskristallisiert, eine Welle der Kritik los.

In Dudincevs Roman trägt der Physik-Lehrer Lopatkin einen jahrelangen Kampf gegen den schwerfälligen Bürokratie-Apparat aus, um letztendlich seine Erfindung, eine Verbesserung des industriellen Ablaufs der Sowjetunion entwickeln zu können. Dudincev weist mit seinem Werk ohne Umschweife auf die Behinderung der Innovation durch die sowjetische Bürokratie hin56.

3.4. Demokratischer Sozialismus?

Laut Linda Aldwinckle beginnt der Novyj Mir ab ca. 1962, Tvardovskij ist seit 1958 wieder Chefredakteur des Heftes, ein kritischeres Profil zu entwickeln57. Die Veröffentlichung von Solženicyns Ivan Denisovi č in diesem Jahr und die Ernennung des liberalen Vladimir Lakšin zum Chef-Literaturkritiker des Novyj Mir ein Jahr später unterstreichen die kritische und eigenwillige Politik des Heftes zu dieser Zeit.

Solženicyns‘ Roman wird unter der Ägide Crušþevs veröffentlicht und soll diesem in der zweiten Phase seiner Entstalinisierung-Politik im Zuge des XXII. Parteitages der KPdSU gegen seine politischen Gegner aus dem konservativen Lager der Partei Gewicht verschaffen58.

Der Roman bleibt allerdings nicht innerhalb der Grenzen des Crušþev’schen Entstalinisierungs-Programms. Er geht zeitlich, thematisch und inhaltlich weit darüber hinaus59.

Das führt dazu, dass die Redaktion des Novyj Mir nach der Veröffentlichung die Gegenangriffe der Konservativen in ZK und Politbüro, vermehrt auch durch die politische Schwächung ihres Patrons Crušþev, in Kauf nehmen muss60. Mit der Veröffentlichung von Solženicyns Hauptwerk schafft Tvardovskij einen wichtigen Eckpfeiler für das Entstehen anti-stalinistischer Literatur in der Sowjetunion. Eine ganze Reihe von Artikeln zu diesem Thema werden daraufhin im Novyj Mir veröffentlicht. Damit wächst aber auch der Druck der Konservativen auf Tvardovskij immer mehr.

Auch das Einsetzen Lakšins in eine Schlüsselposition des Heftes führt den Novij Mir immer weiter weg von der befohlenen Ideologie. Der Novyj Mir knüpft mit Lakšin wieder an das Profil der „dicken Zeitschrift“ der 20er Jahre an61: hin zu einer Arbeitsweise des Heftes mit allgemeinen, übergeordneten ethischen Maßstäben, die Ždanov-Kriterien mehr und mehr beiseite schiebend, zu dem, was als „demokratischer Sozialismus“ bezeichnet werden kann62.

3.5. Restriktion unter neuer Führung - Das Ende der Ära Tvardovskij

Diesem kritischen Schwung der Jahre ‘62 und ‘63 steht im Folgejahr der Wechsel der Machthaber von Crušþev zu Brešnev entgegen.

Es wird schnell klar, dass die Politik unter Brešnev die unter dem Vorgänger entstandenen kulturellen Freiräume wieder schließen würde, die Kritik an Stalin eingedämmt werden sollte63.

Ende 1965 werden vom KGB diverse Archive Solšenizyns durchsucht und ein Großteil seiner unveröffentlichten Werke beschlagnahmt64.

Tvardovskij steht vermehrt unter Druck. Er befürchtet, dass durch eine falsche Veröffentlichungs-Entscheidung die einflussreiche Position des Novij Mir, errungen in den Jahren unter seiner zweiten Amtszeit seit 1958 gefährdet werden könnte65.

Das Jahr 1966 bedeutet für die Nonkonforme im Allgemeinen und für die Redaktion des Novyj mir im Speziellen einen starken Einschnitt und läutet die Endphase in der Auseinandersetzung zwischen Partei und Heft ein. In diesem Jahr findet der Prozess gegen Sinjavskij und Daniel‘ statt, welche beide mit dem Heft über vorher veröffentlichte Artikel verbunden sind66. Im selben Jahr verliert Tvardovskij alle seine politischen Ämter und Funktionen. Die Partei greift direkt in die Besetzung der Redaktion ein und entfernt Aleksandr Dement‘ev und Boris Zaks, die ältesten und engsten Mitarbeiter Tvardovskijs, aus dem Stab der Novyj Mir 67.

In Moskau wird die Adaption von Tvardovskijs Satire „Terkin im Jenseits“ abgesetzt, Ende der 60er darf nicht mehr über das Poem geschrieben68.

Die restriktive Politik der Parteispitze zeigt sich auch ein Jahr später im Vorfeld des vierten Kongresses der sowjetischen Schriftsteller. Brešnev und die Partei sind aufs Äußerste darum bemüht die Einheit der Literaten, wenn nötig auch mit Hilfe von Zwangsmaßnahmen durchzusetzen. Diverse Schriftsteller aus dem Umfeld der Gruppe SMOG69 werden verhaftet. Auf dem Kongress selbst werden zu haltende Vorträge vorher geprüft, potentiell Fragen aufwerfende Redner nicht zugelassen.

Tvardovskij muss in diesem Jahr zum Appell vor das Sekretariat des Schriftstellerverbandes, um sich für die „Fehler“ des Novyj mir zu rechtfertigen. Dort wird er ermahnt, keine Werke mehr von Solženizyn bzw. Werke, die antistalinistisch seien, herauszubringen70.

Über die mögliche Veröffentlichung des von Solženizyn eingeschickten Manuskripts zu Krebsstation spaltet sich die Redaktion des Novyj mir auf in Progressive, die Pro-Veröffentlichung sind und Konservative, die das Werk als zu tendenziös empfinden, um es herauszubringen. Lanciert wird die Diskussion um die Veröffentlichung des Werkes von einem offenen Brief Solženizyns an den Schriftsteller-Kongress, von welchem er ausgeschlossen worden war. In seinem Brief kritisiert der Schriftsteller die Parteilichkeit des Verbands zugunsten des Staatsapparats. Auch die Zensur der Werke der Mitglieder durch die Schriftstellervereinigung greift er scharf an und empfiehlt, dass sie komplett abgeschafft werde. Tvardovskij entschließt Solženizyns Roman zu veröffentlichen, was allerdings vom ersten Sekretär des Schriftstellerverbands, Konstantin Fedin, vereitelt wird71.

Weiterhin wird „von oben“ bestimmt, dass keine der Werke Solženizyns mehr Beachtung finden dürfen in sowjetischen Veröffentlichungen.

Im Frühjahr 1968 wird Krebsstation in einer Emigranten-Zeitschrift im Ausland veröffentlicht, was der Diskussion um die Veröffentlichung im Inland ein Ende setzt.

Der Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes zur Unterdrückung der Unruhen in der ehemaligen Tschechoslowakei 1968 wirkt sich auch auf die Auseinandersetzungen zwischen dem Novyj Mir und der Parteispitze aus. Die Redaktion des Magazins reagiert zunächst diplomatisch mit äußerlicher Anerkennung, aber innerer Ablehnung auf die sowjetische Vorgehensweise. Sie muss dem starken Druck nachgeben, der von der Führung ausgeht und die von allen wichtigen sowjetischen Medien Rückhalt fordert72. Tvardovskij verhält sich in dieser Situation allerdings sehr eigenwillig: er erscheint weder bei der einberufenen Redaktionssitzung zur Abgabe der konformen Stellungnahme des Novij Mir, noch unterzeichnet er die Verlautbarung zur Ablehnung der konterrevolutionären Rolle der tschechoslowakischen Schriftsteller.

Die Partei geht in diesem Jahr verstärkt gegen den Novyj Mir vor, „[…] fast aus jeder Nummer [werden] einige Beiträge von der Zensur herausgenommen, […]“73. Es erfolgen Angriffe von der Illustrierten Ogonek und der Pravda, die die Linie des Heftes grundlegend in Misskredit bringen sollen. Dazu gehören Anschuldigungen „der falschen Darstellung der Wirklichkeit, der Betonung des Negativen und des Pazifismus […], der Zeitschrift fehle es an Patriotismus und Heimatliebe.“74 75.

Der Parteispitze ist bewusst, dass die vornehmlich und konsequent kritische Ausrichtung des Novij Mir zu einem Großteil an der Person des Aleksandr Tvardovskij hängt.

Bis zum Jahr 1970, dem Jahr von Tvardovskijs‘ Rücktritt, konzentrieren sich die Angriffe der Konservativen immer stärker auf dessen Person. Man versucht ihn aus dem Amt zu drängen bzw. seinem Ansehen zu schaden. Tvardovskijs‘ Position ist jedoch über die Jahre als Chef-Redakteur des Novyj Mir und auch als renommierter, sowjetischer Poet zu gefestigt, als dass man ihn einfach aus dem Amt entfernen könnte. Die Führung unter Brešnev ist trotz aller Maßnahmen gegen die kulturell kritische Intelligencija auch darauf bedacht, ein Image zu kultivieren, das sie vor dem eigenen Volk und auch dem Ausland als weltoffen und fortschrittlich erscheinen lässt. So versucht man es zunächst mit anderen Mitteln: der Sekretär des Schriftstellerverbands Voronkov bestellt Tvardovskij täglich zu sich und bietet ihm an, er könne aus der Novyj Mir ins Sekretariat des Schriftstellerverbandes wechseln.

Gleichzeitig wird der Ton der Kampagnen gegenüber Tvardovskij aber schärfer und die restriktiven Maßnahmen massiver. Der konservative Schriftsteller Ovþarenko76 bezeichnet ihn öffentlich als „Kulak-Poet“77. Sein Gedicht „Beim Recht auf Erinnerung“78 wird von Glavlit dreimal abgelehnt, bevor es im samizdat, und in einer Emigranten-Zeitschrift im Ausland erscheint79. Dies gilt der Parteispitze, neben der Veröffentlichung diverser anti-sowjetischer Werke und Tvardovskijs Verhalten in der „ýSSR-Situation“ 1968, als weiterer Affront.

Auch der Ausschluss Solženicyns aus dem Schriftstellerverband Ende 1969 richtet sich indirekt gegen Tvardovskij und sein Heft, da dessen Schicksal eng mit demselben und dessen Leiter verbunden ist.

Im Jahre 1970 ist die Parteiführung letztlich erfolgreich und drängt Tvardovskij aus seinem Amt und somit zum Rückzug aus dem Heft. Das ZK installiert eine Kommission zur „Festigung des Redaktionskollegiums“80 des Novyj Mir, was soviel heißt wie die redaktionelle Umbesetzung durch die Partei. Ohne die Teilnahme des Chefredakteurs Tvardovskij selbst wird auf einer Sitzung beschlossen, vier seiner engsten Mitarbeiter81 zu entlassen und „fügsame Apparatchiks“82 einzusetzen. Über eine Art Entmündigung des aufklärerischen Chef-Redakteurs der Zeitung holt sich die Parteispitze die volle Kontrolle über den Novyj Mir zurück. Tvardovskij reicht nach von Brešnev ignorierten Appellen für ihn durch namhafte Schriftsteller-Kollegen im Februar des Jahres seinen Rücktritt ein. Das Ende dieser zweiten Amtszeit beschließt die gesamte Ära Tvardovskij und die kritische Ausrichtung des Novij Mir für eine geraume Zeit.

C. Schluss

Nicht einmal ganz innerhalb eines Jahrhunderts gab es in der Sowjetunion große politische Veränderungen, die den hoffnungsvollen Aufbruch der Oktoberrevolution 1917, die totalitäre Manifestation der kommunistischen Ideologie unter Stalin bis 1953, die wechselhafte Tauwetter-Phase unter Crušþev nach dem Tode Stalins und die autoritäre und restriktive Politik ab 1964 unter Brešnev beinhalten.

Das geschriebene Wort hat in Russland und später auch in der Sowjetunion gerade beim Volk immer eine große Rolle gespielt, das war auch den jeweiligen Machthabern der Partei bewusst. Um sich mit diesem nicht in Konkurrenz zu bringen, schuf Stalin totalitäre Kontrollmechanismen gegen die schriftstellerische Macht, die bis zu seinem Tode erfolgreich wirkten.

Der erste große Einschnitt in der Kulturpolitik der Sowjetunion vollzog sich in der Zeit unter Crušþev nach dem Tode des alten Machthabers. Der Zweckliberalismus der neuen Parteispitze ließ „von oben“ Auflockerung zu, die „von unten“ willig aufgegriffen und ausgebaut wurde. Dabei war der kontrollierte Versuch das Tauwetter auf einen Aspekt der Liberalisierung, die „Entstalinisiserung“, zu beschränken, nicht erfolgreich: in der Crušþev-Ära entstand die nicht mehr einzudämmende Nonkonforme innerhalb und auch außerhalb des Systems, die sich mit ihrer Kritik nicht auf einen Teil der sowjetischen Realität beschränkte, sondern auch das System als Ganzes in Medien wie dem Novyj Mir in Frage stellte.

Die physische Vernichtung der kulturell Andersdenkenden, wie noch in der Stalin- Ära praktiziert, war unter Crušþev und im Folgenden unter Brešnev keine Option der Politik mehr. Es wurden andere Maßnahmen ergriffen, um die kritischen Stimmen zu kontrollieren, die sich innerhalb des Systems in erster Linie um den Novyj Mir und dessen Chefredakteur Aleksandr Tvardovskij gruppierten. In der Ära Crušþev versuchte man dies vorwiegend mit Verleumdungskampagnen über parteikonforme Zeitschriften und die Schriftstellerverbände und ein ausgeklügeltes System an Begünstigungen und Kontrollmöglichkeiten der Kultur, das es seit der Stalin-Zeit gab, auf das man zurückgriff und das man ausbaute. Brešnevs Politik ging gegenüber den kritischen Stimmen der „Kulturarbeiter“ noch einen Schritt weiter als die von Crušþev und griff direkt durch autoritäre administrative Strafmaßnahmen in deren Leben ein, d.h. viele kulturell 21

Andersdenkende kamen ins Gefängnis, in die Psychiatrie oder wurden des Landes verwiesen.

Der Führung war aber auch bewusst, dass ein so wichtiges Heft wie der Novyj Mir eine wichtige Rolle als Puffer für kritische Energie der Intelligentija spielte, die man nicht gänzlich ausschalten konnte. Außerdem war ihr seit dem „Zugeständnis“ der Politik an die Leserschaft und der Verordnung von Authentizität in der Literatur bekannt, dass man das Volk nur mit „echten“ Geschichten in der Literatur erreicht. Und man wusste auch, dass es leichter war, ein öffentliches und derartig wichtiges Heft zu kontrollieren als Zeitschriften, die im Untergrund im samizdat kursierten.

Letztlich ging es der Parteispitze auch darum, kein Aufsehen zu erregen und den Schein zu wahren, die tatsächliche Ausführung der Ideen des Sozialismus wie in der Sowjetunion in dieser Zeit stünden in keinster Weise im Widerspruch zur schriftstellerischen Freiheit (des proletarischen Schriftstellers!). Tvardovskij und anderen Mitgliedern der kritischen Intelligentija war allerdings in einem schmerzhaften inneren Prozess mehr und mehr klar geworden, dass es eine deutliche Diskrepanz zwischen dem real existierenden Sozialismus und den Grundgedanken von Marx gab. Diese bedeutende Erkenntnis prägte die eigenwillige und teils offensive Veröffentlichungspolitik Tvardovskijs im Novyj Mir.

Die jeweiligen Machthaber versuchten der Demonstration der Existenz dieser Kluft mit unterschiedlichen Mitteln, den totalitären wie Stalin oder den autoritären wie Brešnev, zu begegnen.

Mit dem Jahr 1970, dem Jahr des Rücktritts Tvardovskijs von seinem Amt als Chefredakteur der Novyj Mir, trug die kritische Kulturbewegung eine schwere psychologische Niederlage im Kampf um die Kulturpolitik der Sowjetunion davon. Die Konservativen sollten bis in die Mitte der 80er Jahre die Machtverhältnisse und damit auch der Kulturpolitik bestimmen.

E. Literaturverzeichnis:

- Aldwinckle, Linda, The Politics of Novy Mir under Tvardovsky, in: Vladimir Lakshin, Solzhenitsyn, Tvardovsky, and Novy Mir, Cambridge 1980.
- Alexandrova, Vera, A history of Soviet Literature, 1917-1964, From Gorky to Solzhenitsyn, New York 1963.
- Antipow, Lilia, „…sich im Namen der Freiheit unterjochen lassen“, Aleksandr Tvardovskij und die Zeitschrift Novyj Mir, Anmerkungen der Reformpolitik in der Sowjetunion (1958-1970), in: Luks, Leonid/Lobkowicz, Nikolaus/Rybakov, Alexei u.a. (Hg.), Forum für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte, 16. Jahrgang, Heft 1, Köln 2012.
- Chaffin, Mary, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, in: Lakshin, Vladimir, Solzhenitsyn, Tvardovsky, and Novy Mir, Cambridge 1980.
- Frankel, Edith Rogovin, Novy Mir, A case study in the politics of literature 1952- 1958, Cambridge/London/New York u.a. 1981.
- Hübner, Peter, Literaturpolitik, in: Anweiler, Oskar/Ruffmann, Karl-Heinz (Hg.), Kulturpolitik der Sowjetunion, Stuttgart 1973.
- Kasack, Wolfgang, Kennzeichen der russischen Literatur 1985-1997, in: Die slavischen Literaturen heute, Lauer, Reinhard (Hg.), Opera Slavica, Neue Folge 36, Wiesbaden 2000, http://www.books.google.de/books?isbn=3447043105.
- Laß, Karen, Vom Tauwetter zur Perestrojka, Kulturpolitik in der Sowjetunion (1953-1991), Köln/Weimar/Wien 2002.
- Lovell, Stephen/Marsh, Rosalind, Culture and Crisis: The Intelligentsia and Literature after 1953, in: Kelly, Catriona/Sheperd, David, Russian Cultural Studies, An introduction, Oxford 1998.
- Milojkoviþ-Djuriþ, Jelena, Aspects of Soviet Culture: Voices of Glasnost ’ , 1960- 1990, Boulder 1991.
- Spechler, Dina R., Permitted Dissent in the USSR, Novy mir and the soviet regime, New York 1982.
- Ssachno, Helen/Grunert, Manfred (Hg.), Literatur und Repression, Sowjetische Kulturpolitik seit 1965, München 1970.
- Trepper, Hartmute, Die „Freiheit des Wortes“: Nach dem Pressegesetz, Rückblick: Die Auseinandersetzung um die Zeitschrift „Novyj Mir“ und ihren Chefredakteur A. Tvardovskij, in: Forschungsstelle Osteuropa, Arbeitspapiere und Materialien, Heft 1, Bremen 1991.

[...]


1 Auch NEP. Von Lenin ausgehende Liberalisierung in der UdSSR in der Landwirtschaft, im Handel und in der Industrie zwischen 1921 und 1927.

2 Peter Hübner, Literaturpolitik, in: Oskar Anweiler/ Karl-Heinz Ruffmann (Hg.), Kulturpolitik der Sowjetunion, Stuttgart 1973, S. 191.

3 Ebda., S. 192; Karen Laß, Vom Tauwetter zur Perestrojka. Kulturpolitik in der Sowjetunion (1953-1991). Köln/Weimar/Wien 2002, S. 12f.

4 Ebda., Die Beispiele hier sind Privilegien für Schriftsteller wie der Anspruch auf Pension, die Zuteilung von begehrtem, knappen Wohnraum und niedrigere Mieten.

5 Hübner, Literaturpolitik, S.227: „In Wahrheit verhielt es sich umgekehrt: die Partei wechselte den Kurs und gab etwas, was durchaus auf dem Kurs gelegen hatte, z. B. eine Zeitschrift, als Abweichler aus.“

6 Ebda., S.231. Mit dem Eintritt in die sozialistische Phase gebe es, laut Marx, keine Konflikte mehr.

7 Laß, Kulturpolitik, S.25. „…dass Ơrenburg 1954 (wie auch andere Schriftsteller) nicht wusste, was und wie er schreiben sollte, woraufhin er Chrušþev gefragt habe, der ihm geantwortet habe, dies sei ein Problem der Schriftsteller und nicht der Politik.“

8 Nach dem Roman „Tauwetter“ des sowjetischen Schriftstellers Ilja Ơrenburg, Phase der kulturellen Auflockerung nach Stalins Tod.

9 Von 1925-34 und 1957-90 höchste zivile Auszeichnung der UdSSR in den Bereichen Wissenschaft, Literatur, Kunst, Architektur und Technik; zwischen 1941-52 als Stalinpreis tituliert.

10 Lilia Antipow, „…sich im Namen der Freiheit unterjochen lassen“. Aleksandr Tvardovskij und die Zeitschrift Novyj Mir. Anmerkungen der Reformpolitik in der Sowjetunion (1958-1970) in: Leonid Luks/ Nikolaus Lobkowicz/ Alexei Rybakov u.a. (Hg.), Forum für osteuropäische Ideenund Zeitgeschichte, 16. Jahrgang, Heft 1, Köln 2012, S.87: „Zur Bedingung dafür, dass der Novyj Mir diese Bedeutung erlangen konnte, wurde der Umstand, dass die Zeitschrift im Rahmen des legalen, offiziellen Literaturbetriebes tätig war.“.

11 Für viele Sowjetbürger ein tiefer Schock, dass Stalin in der Rede Chrušþevs vom unfehlbaren Idol zum unberechenbaren Massenmörder avanciert. Eine Reform des Systems von oben, s. Antipow, „…sich im Namen der Freiheit unterjochen lassen“, S.80.

12 Ebda., S.80. Antipow spricht von „konservativen Kurskorrekturen“.

13 Laß, Vom Tauwetter zur Perestrojka, S. 53ff.

14 Ebda., S. 65.

15 Ebda.

16 Ebda., S.180; Antipow, „…sich im Namen der Freiheit unterjochen lassen.“, S.99, Brodskij wird nach dem Parasitengesetz wegen „Schmarotzertums“ zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

17 Die wie Pasternak ihre Werke (unter Pseudonym) im Ausland veröffentlicht hatten.

18 Brodskij: 5 Jahre Verbannung mit Arbeitseinsatz Sinjavskij: 7 Jahre strenge Zwangsarbeit und Daniel: 5 Jahre strenge Zwangsarbeit.

19 Antipow, „…sich im Namen der Freiheit unterjochen lassen.“, S. 81: das „Umbruchsjahr der Kulturpolitik“.

20 Vera Alexandrova, A history of Soviet Literature. 1917-1964. From Gorky to Solzhenitsyn, New York 1963, S.331.

21 Mary Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study in: Vladimir Lakshin, Solzhenitsyn, Tvardovsky, and Novy Mir, Cambridge 1980, S.93, S.108.

22 Alexandrova, A history of Soviet Literature, S.332.

23 Quelle: Internet: http://www.sovlit.net/bios/tvardovsky.html.

24 „[…]the grief and bitterness of a rank-and-file soldier bereaved of his entire family.“, Dina R. Spechler, Permitted Dissent in the USSR, Novy mir and the soviet regime, New York 1982, S. 17. Das Gedicht wird wohl gerade wegen dieser realistischen Darstellungsweise im Gegensatz zur geforderten Glorifizierung des Krieges so erfolgreich. (Anm. des Autors)

25 Und ein weiteres Mal für das Gedicht „Das Haus an der Straße“ (Übersetzung des Autors), in dem Tvardovskij das Schicksal einer „Soldaten-Frau“ während des Krieges schildert. Mary Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S. 92.

26 Ebda.

27 Übersetzung des Autors.

28 Spechler, Permitted Dissent in the USSR, S. 152; Alexandrova, A history of Soviet Literature, S.340.

29 Laß, Vom Tauwetter zur Perestrojka, S. 28.

30 Antipow, „…sich im Namen der Freiheit unterjochen lassen“, S. 90f.

31 Laut Mary Chaffin setzt dieser Wandel schon viel früher ein, wohl nach dem 2. Weltkrieg: „Postwar recovery progressed slowly, or seemingly not at all, and Tvardovsky acutely felt a dichotomy between the promises of the 1930s and the reality of the present.“, Chaffin, Mary, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S. 93f. Sie spricht von einer persönlichen Krise Tvardovskijs, die bis in die frühen 1950er reicht.

32 Ebda. , S.102.

33 Vereinfacht formuliert kann man das Verhältnis zwischen Crušþev und Tvardovskij als das eines Mentors und seines Protégés bezeichnen. (Anm. des Autors)

34 Jelena Milojkoviþ-Djuriþ, Aspects of Soviet Culture: Voices of Glasnost ’ , 1960-1990, Boulder 1991, S.22.

35 Wie auch anlässlich seines 60. Geburtstages ein Jahr zuvor.

36 Edith Rogovin Frankel, Novy Mir. A case study in the politics of literature 1952-1958. Cambridge/London/New York u.a. 1981, S.148; die besondere Rolle der Novij Mir, s. auch

Antipow, „…sich im Namen der Freiheit unterjochen lassen“, S. 87.

37 Wolfgang Kasack, Kennzeichen der russischen Literatur 1985-1997, in: Die slavischen Literaturen heute, Reinhard Lauer (Hg.), Opera Slavica, Neue Folge 36, Wiesbaden 2000, S.95, http://www.books.google.de/books?isbn=3447043105.

38 Einige Zahlen dazu: 1946-57: 61.000 - 140.000 (Quelle: Antipow); 52-58: 120.000 (Quelle: Frankel); 1962 (VÖ-Jahr Ivan Denisovi č): über 1 Mio. (Quelle: Scherrer); 1975: 172.000, 1987: 490.000, 1990: 2.710.000, 1996: 21.500, 1997: 14.800 (Quelle: Kasack)

39 Linda Aldwinckle, The Politics of Novy Mir under Tvardovsky in: Vladimir Lakshin, Solzhenitsyn, Tvardovsky, and Novy Mir, Cambridge 1980, S. 142.

40 Aldwinckle, S.142.

41 Ebda.

42 Ebda.

43 Chefredakteure zwischen 46 und 70 sind abwechselnd Tvardovsky und Simonov: 46-50 Simonov; 50-54 Tvardovsky; 54-57 Simonov; 58-70 Tvardovsky]

44 Hartmute Trepper zitiert einen alten Weggefährten Tvardovskijy, Juri Burtin: „Hinter dem „Pseudonym“ Schriftstellerverband verstecke sich ein regelrechtes Literaturministerium (Kursivierung durch den Autor), gegründet zwischen 1932 und 1934 im Zuge einer „umfassenden Kollektivierung“ der Literatur und wie alle anderen Ministerien auch lediglich Exekutor der Beschlüsse von ZK und Politbüro.“; Hartmute Trepper, Die „Freiheit des Wortes“: Nach dem Pressegesetz, Rückblick: Die Auseinandersetzung um die Zeitschrift „Novyj Mir“ und ihren Chefredakteur A. Tvardovskij in: Forschungsstelle Osteuropa. Arbeitspapiere und Materialien, Heft 1, Bremen 1991, S.39.

45 Frankel, Novy Mir, S.21.

46 „Ironically enough, it was Tvardovsky’s own poem, Distance by Distance, that contained the first direct literary denunciation of Stalin to appear in print in the Soviet Union.” Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S. 100; “[…], encompassing both eulogies of Stalin and bitter criticism of his crimes, […]”, ebda., S.102.

47 Frankel, Novy Mir, S.35.

48 Übersetzung des Autors.

49 Frankel, Novy Mir, S.37ff.

50 Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, Chaffin, S.97.

51 „…und dass eine Schwächung der sozialistischen Ideologie eine Stärkung der bourgeoisen Ideologie bedeute.“ Laß, Vom Tauwetter zur Perestrojka, S.28.

52 Laut Vladimir Lakšin, ehem. Novyj Mir- Redakteur wohl auch wegen der Einstufung seines dem ZK vorgelegten Werkes Terkin im Jenseits als anti-stalinistisch, Aldwinckle, The Politics of Novy Mir under Tvardovsky, S.146. Mary Chaffin vermutet, dass sein unkontrollierter Alkoholkonsum dazu beigetragen habe, Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S.95f.

53 Wie etwa später unter Brešnev. Ebda., S.97.

54 Wohl der Auslöser für dessen erneute Absetzung. Aldwinckle, The Politics of Novy Mir under Tvardovsky, S. 146.

55 Crušþev auf einer Konferenz des ZK mit den Kulturschaffenden 1957: „…die Partei brauche die Presse als kämpferische Waffe im ideologischen Kampf …“, Laß, Vom Tauwetter zur Perestrojka, S.51.

56 Spechler, Permitted Dissent in the USSR, S. 53.

57 1959 nach der Auflösung der progressivsten sowjetischen Zeitschrift Literaturnaya Moskva wird die Novyj Mir laut Mary Chaffin führendes Sprachrohr der „“liberal“ faction that existed among the public and in the Party and government.“ Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S. 103.

58 Spechler, Permitted Dissent in the USSR, S. 156ff. ; Laß, Vom Tauwetter zur Perestrojka, S. 116ff. ; Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S. 106ff.

59 Antipow, , „…sich im Namen der Freiheit unterjochen lassen“ S. 84ff.

60 Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S.109f., Antipow, S.82f.

61 Antipow, , „…sich im Namen der Freiheit unterjochen lassen“S. 86.

62 Aldwinckle, The Politics of Novy Mir under Tvardovsky, S. 160f.

63 Spechler, Permitted Dissent in the USSR, S. 216ff.

64 Ebda., S.219.

65 Ebda. Laut Antipow verhält sich Tvardovskij zu dieser Zeit bewusst neutral; Antipow, , „…sich im Namen der Freiheit unterjochen lassen“, S. 102.

66 Ebda., S.101; Spechler, Permitted Dissent in the USSR, S.217.

67 Diese „Warnung des ZK“ Tvardovskij und dem Heft gegenüber führt fast dazu, dass Tvardovskij seinen Posten aufgibt. Lediglich das gute Zureden der verbliebenen Redaktionsmitglieder bzw. die Tatsache, dass er die Nachfolger der Geschassten selbst bestimmen darf, verhindern wohl diesen Ausgang der Geschichte. Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S. 121. Laß, Vom Tauwetter zur Perestrojka,S. 230.

68 1963 in der Novyj mir veröffentlicht. Ebda., S. 250f. ; Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S. 95. “…an anti-Stalinist satire describing the established hierarchy of the other world as ruled by bureaucratic absurdities, secret police, and stupid censorship.“ MilojkovicDjuric, Aspects of Soviet Culture: Voices of Glasnost ’, S.26.

69 Literarische Untergrundgruppierung und-zeitschrift.

70 Die Quellen äußern sich widersprüchlich zu Tvardovskijs Reaktion: der resignierte Tvardovskij: „Tvardovskij knew that he could save his job only if he retreated.“ Spechler, Permitted Dissent in the USSR, S.221; der kämpferische Tvardovskij: “He attacked censorship as a relic of the past…” Aldwinckle, The Politics of Novy Mir under Tvardovsky, S.157; der überzeugende Tvardovskij: “The meeting ended on a surprisingly positive note, with the members of the Secretariat recognizing Tvardovsky as a true “communist writer” and acknowledging that his journal never printed “tendentious criticisms.” Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S.121.

71 Und ehemaliger Mitarbeiter des Novyj Mir ! Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S.122. Spechler, Permitted Dissent in the USSR, S. 223f. Laß, Vom Tauwetter zur Perestrojka, S.240: Veröffentlichung in Auszügen in der Times 1968.

72 Spechler, Permitted Dissent in the USSR, S.224. Laß, Vom Tauwetter zur Perestrojka, S.245. Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S.127.

73 Laß, Vom Tauwetter zur Perestrojka, S. 246.

74 Ebda. S.247. Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S.129.

75 „Brief der 11“, ein Artikel von elf sowjetischen Schriftstellern in Ogonek, die gegen einen Artikel des ehem. Redaktionsmitglieds Demen‘tev Stellung beziehen und ihm vorwerfen, skeptische Ansichten gegenüber der Sowjetunion und sich Pro-ýSSR geäußert zu haben.

76 Dieser wird später von der Partei in die Redaktion des Novyj Mir gesetzt.

77 Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S.130.

78 Publikation in der Sowjetunion erst 1987. Laß, Vom Tauwetter zur Perestrojka, S.251. Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S. 127ff.

79 Spechler, Permitted Dissent in the USSR, S.226: Hier ist sogar davon die Rede, dass die Polizei das Manuskript in den Westen gibt. Chaffin, Alexander Tvardovsky: A Biographical Study, S.129: Tvardovskij schickt einen Brief an die Redaktion der Literaturnaja Gazeta mit dem Abstreiten der Verantwortung dafür; diese druckt ihn nicht ab.

80 Laß, Vom Tauwetter zur Perestrojka, S.254.

81 Unter anderen auch Lakšin.

82 Spechler, Permitted Dissent in the USSR, S.227.

24 von 24 Seiten

Details

Titel
Zeitschrift "Novyj Mir" unter Aleksandr Tvardovskij. Wandel in der Kulturpolitik der Sowjetunion, seine Inhalte und Grenzen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Department Geschichte/Lehrstuhl Osteuropäische Geschichte)
Veranstaltung
Im Zeichen von „Tauwetter“, Stabilisierung und Stagnation: Gesellschaft, Kultur und Medien in der Sowjetunion 1953-1982
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V306906
ISBN (Buch)
9783668054592
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zeitschrift, novyj, aleksandr, tvardovskij, wandel, kulturpolitik, sowjetunion, inhalte, grenzen
Arbeit zitieren
Maik Dornberger (Autor), 2014, Zeitschrift "Novyj Mir" unter Aleksandr Tvardovskij. Wandel in der Kulturpolitik der Sowjetunion, seine Inhalte und Grenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306906

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