Der Kampf gegen Marken- und Produktpiraterie

Ursachen, Folgen und Gegenmaßnahmen


Bachelorarbeit, 2013
59 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der Marken- und Produktpiraterie
2.1 Begriffsdefinitionen von Marken- und Produktpiraterie
2.2 Gründe für die Zunahme der Marken- und Produktpiraterie
2.2.1 Wirtschaftliche Attraktivität
2.2.2 Abbau von Handelsbarrieren
2.2.3 Internationale starke Marken
2.2.4 Bereitschaft der Kunden
2.2.5 Ausdehnung der Vertriebskanäle
2.2.6 Begrenzte Durchsetzung von Eigentumsrechten
2.2.7 Hohe Zölle und Steuern
2.2.8 Der Konfuzianismus

3 Einblicke in das Pirateriegeschäft
3.1 Herkunft
3.2 Vertrieb
3.3 Wirtschaftskriminalität
3.4 Organisationsstrukturen der Piraten

4 Wirtschaftliche Folgen von Marken- und Produktpiraterie
4.1 Betriebswirtschaftliche Folgen
4.2 Volkswirtschaftliche Folgen
4.3 Folgen für Verbraucher

5 Pirateriebekämpfungsmanagement
5.1 Maßnahmen im Wertschöpfungsprozess
5.1.1 Produktentwicklung
5.1.2 Produktherstellung
5.1.3 Produktvermarktung
5.2 Sicherungstechnologien
5.2.1 Offene Sicherungstechnologien
5.2.2 Verdeckte Sicherungstechnologien
5.2.3 Tracking & Tracing
5.3 Rechtliche Schutzmaßnahmen
5.3.1 Schutzrechte gegen Marken- und Produktpiraterie
5.3.2 Zollrechtliche Grenzbeschlagnahme
5.4 Politische Maßnahmen
5.5 Public Relation

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Nachahmung der äußerlichen Präsentation eines Produktes

Abbildung 2: Felge (links Original recht Plagiat)

Abbildung 3: Eierbecher (link Original rechts Plagiat)

Abbildung 4: Die 22 wertvollsten Marken der Welt nach Interbrand mit Markenwert in US-Dollar

Abbildung 5: Herkunft der Piraterieprodukte in 2012 in der EU

Abbildung 6: Top Kategorien der beschlagnahmten Artikel in EU

Abbildung 7: Top Kategorien der Fälle in der Grenzbeschlagnahmestatistik 2012 in der EU

Abbildung 8: Parfümplagiate

Abbildung 9: Parfümplagiat

Abbildung 10: Gefälschte Sportschuhe

Abbildung 11: Tabak-Fälschungen

Abbildung 12: Viagra Tabletten in Polstermöbeln

Abbildung 13: Meist kopierte Bestandteile in der Investitionsgüterindustrie

Abbildung 14: Vergleich der Schäden für Pharmahersteller und Bekleidungshersteller

Abbildung 15: Kostenüberblick bei Marken- und Produktpiraterie

Abbildung 16: Hologramm auf einer Personalkarte

Abbildung 17: Barcode

Abbildung 18: Levi's Kampagne gegen Marken- und Produktpiraterie in China

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Herkunftsländer der beschlagnahmten Produkte in der EU in 2012 nach Produktkategorien

Tabelle 2: Übersicht der Transportmittel der Produktpiraten

Tabelle 3: Schutzrechtsarten in Deutschland

„Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln: Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmung, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.“1

Konfuzius

1 Einleitung

Marken- und Produktpiraterie ist ein internationales Thema. Es zieht große negative wirtschaftliche sowie volkswirtschaftliche Schäden nach sich mit ernsthaften Folgen für die Verbraucher. Schon die unklare Definition der Begriffe zeigt die breite Skala an Gefahren und Bedrohungen. Jedes Jahr erschrecken die sich erhöhenden Zahlen der Grenzbeschlagnahmungen. Die Europäische Zollverwaltung beschlagnahmte im Jahr 2012 rund 40 Millionen Artikel mit einem Warenwert von ungefähr einer Billion Euro.2 Spitzenreiter im Pirateriegeschäft ist laut Grenzbeschlagnahmestatistik 2012 der Europäischen Kommission3 mit 64,51% China. Die Lehre vor ungefähr 2500 Jahren „Wer große Meister kopiert, erweist ihnen Ehre.“4 vom chinesischen Philosophen Konfuzius ist auch heute anerkannt und wird praktiziert. Es werden fast alle Produktkategorien vom Niedrig- bis Hochpreissegment durch die Fälscher kopiert: Ersatzteile für Maschinen, Louise Vuitton-Taschen, Gucci-Brillen, Marlboro-Zigaretten, Rolex-Uhren, Auto-Felgen, Bücher, Potenztabletten, Lacoste-T-Shirts, MAC Kosmetikartikel, Pantene Shampoo, iPhone-Handy, Puma-Sportschuhe, Bollywood-DVDs, Barbie-Puppen usw.. Die „Gefahr“ Marken- und Produktpiraterie betrifft nicht nur die oben aufgezählten Produkte, sondern auch Dienstleistungen wie Tankestellen: „Die EU-Zollfahnder sind einiges gewohnt: gefälschte Uhren, Markenjeans und auch Spielzeuge. Doch dieses Mal trauten sie ihren Augen nicht. Betrüger hatten in Bulgarien und Rumänien richtig zugelangt - und gleich drei komplette BP-Tankstellen gefälscht. Vom Logo bis zur Zapfsäule wirkte alles echt. Nur der Sprit war billiger Verschnitt.“5 Interessant ist auch der Transport der Piraterieprodukte. Im Hamburger Hafen wurden im Juni 2013 in Polstermöbeln 102.000 gefälschte Viagra-Tabletten aus China mit einem Schwarzmarktwert von 500.000 € sichergestellt.6 Die wirtschaftlichen Folgen von Marken- und Produktpiraterie sind unvorstellbar groß. Der Umsatzausfall stellt nur die Spitze des Eisbergs dar und ist meistens höher als die Schätzung.7 Die Europäische Zollverwaltung beschlagnahmte im Jahr 2012 an der EU-Zollgrenze rund 40 Millionen Artikel mit einem Warenwert von ungefähr einer Billion Euro.8 Ein weiteres Problem sind die kriminellen Investoren in das Pirateriegeschäft. Bekannt sind Mafia- Organisationen wie Yakuza in Japan, Camorra in Italien, Bucak Clan in der Türkei und andere. Verknüpft sind mit kriminellen Organisationen auch Delikte wie Geldwäsche, Drogenhandel, Menschenhandel, Schwarzarbeit und Waffenhandel.9 Auch die schlechte Durchsetzung der Schutzrechte wie das Patentrecht, Gebrauchsmuster, Geschmacksmusterrecht, Markenrecht und das Urheberrecht in den Entwicklungsländern erschwert die Bekämpfung von Marken- und Produktpiraterie. Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, dem Leser das Phänomen Marken- und Produktpiraterie mit den wirtschaftlichen Effekten und dem Pirateriebekämpfungsmanagement verständlich darzulegen. Kapitel 1 und 2 bilden die Grundlagen und zeigen die unterschiedlichen Gründe für die Zunahme der Marken- und Produktpiraterie auf. Kapitel 3 gibt Einblicke in das Pirateriegeschäft, die Vertriebsmöglichkeiten, die Herkunft, die Wirtschaftskriminalität und die Organisationsstrukturen der Fälscher. Kapitel 4 stellt die wirtschaftlichen Folgen von Marken- und Produktpiraterie für die Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und für die Verbraucher dar. In Kapitel 5 wird das Pirateriebekäpfungsmanagement mit den Maßnahmen im Wertschöpfungsprozess, mit möglichen Sicherungstechnologien, die rechtlichen Schutzmaßnahmen, politische Maßnahmen und die Bekämpfungsmöglichkeit durch Public Relations beschrieben. Im Anschluss daran wird in Kapitel 6 ein Fazit gezogen.

2 Grundlagen der Marken- und Produktpiraterie

2.1 Begriffsdefinitionen von Marken- und Produktpiraterie

Was versteht man eigentlich unter den Begriffen Marken- und Produktpiraterie? Viele Unternehmen beschäftigen sich international intensiv damit. Eine einheitliche Definition existiert jedoch weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene.10 Zur Darstellung illegal hergestellter Produkte werden in der Literatur vielfach unterschiedliche Termini wie „Plagiat“, „Piraterie“, „Fälschung“, „Imitat“, „Nachahmung“, „Kopie“ und „Counterfeiting“ verwendet.11 Die unklare Abgrenzung der Begriffe spiegelt die breite Skala an Gefahren und Bedrohungen wider - sowohl auf betriebswirtschaftlicher als auch auf volkswirtschaftlicher Ebene. Die deutschen Begriffe Marken- und Produktpiraterie werden in der Literatur synonym mit den englischen Begriffen Piracy und Counterfeiting genutzt.

Folgend wird untersucht, in welcher Form Piraterie dargestellt wird und welche Rechte betroffen sind. Für Produkte bzw. Immaterialgüter gibt es bestimmte gewerbliche Schutzrechte wie Markengesetz, Patentgesetz, Gebrauchsmustergesetz, Geschmacksmustergesetz, Halbleiterschutzgesetz, Urheberrechtgesetz und Sortenschutzgesetz.12

Der Großteil der Autoren beschreibt Produktpiraterie als Verletzung des Urheberrechtes, des Geschmacksmusterrechtes und der technischen Eigenschaften bzw. des Patentrechtes und Gebrauchsmusters. Von Markenpiraterie spricht man allgemein in der Literatur, wenn rechtswidrig Produktkennzeichnungen wie Zeichen, Logos (Marken), Namen und sogar komplette Unternehmenskonzepte kopiert werden.

Bei Markenpiraterie werden gezielt die Markenrechte angegriffen, auch wenn der Name des Produktes nicht erwähnt wird. Es genügt die Nachahmung der äußerlichen Präsentation bzw. die Verpackung des Produktes wie bei den Farbstiften in der Abbildung 1.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Nachahmung der äußerlichen Präsentation eines Produktes

Quelle: www.Spiegel.de14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Felge (links Original recht Plagiat)

Quelle: www.plagiarius.de/bilder/Header_1_1.jpg

Quelle: www.plagiarius.de/bilder/Header_1_2.jpg?1442927398434

2.2 Gründe für die Zunahme der Marken- und Produktpiraterie

2.2.1 Wirtschaftliche Attraktivität

Die realwirtschaftliche Ausgangssituation ist die zentrale Ursache für den Anstieg des Phänomens Marken- und Produktpiraterie. Einen wichtigen Stellenwert im Pirateriegeschäft nimmt die wirtschaftliche Attraktivität ein. Die Produkteinführung, angefangen bei der Produktidee bis zur Fertigstellung, ist mit sehr hohen Kosten verbunden. Hierunter fallen z.B. Kosten für Forschung und Entwicklung, Marketing und Qualitätskontrolle. Unternehmen mit einer Spezialisierung auf den Technologiebereich investieren sogar zehn Prozent des Gesamtumsatzes für Forschung und Entwicklung.15 Parallel zu den hohen Kosten erwirtschaften Piraten mit geringen Investitionen und Kosten hohe Gewinne, da anfallende Kosten für Forschung und Entwicklung, Marketing und Qualitätskontrolle für sie entfallen. Piraten übernehmen die Ideen der Originalhersteller und nutzen die Vermarktungspotenziale. Im Pirateriegeschäft kann daher der Umsatz sogar bis zu zehnmal höher sein als bei den Originalherstellern.16 Viele Unternehmen schließen ihre Werke im Inland und investieren in Ländern mit günstigen Produktionsbedingungen. Für viele Unternehmen ist die Motivation für den Aufbau von Produktionsstätten im Ausland hoch. Vorteile sind z.B. der leichte Einkauf von High-Tech-Ausrüstung, niedrige Lohnkosten, lange Arbeitszeiten des Personals, Markterschließung, Einsatz von günstigem Material, niedrige Ausgaben, Steuern und Subventionen. Der weltweit bekannte Sportartikelanbieter „Puma“ mit Sitz im fränkischen Herzogenaurach lagerte seine Produktionsstätten nach China, Vietnam und Taiwan aus.17 Der Grund für den Umzug war ganz klar die Billigproduktion. Diese liegt in Asien pro Paar Sportschuhe bei nur 2,75 US- Dollar.18 Die billig produzierten Schuhe werden anschließend in Deutschland für ca. 110 Euro angeboten.19 Von der Investition der Unternehmen in Niedriglohnländer profitieren auch die Piraten. Aufgrund von Nachkonstruktionen und dem kostengünstigen Erwerb von High-Tech- Ausrüstung können Produkte schnell kopiert werden.20 Die internationale Standorte, Lieferanten, Zulieferer und Lizenznehmer stellen eine weitere Gefahr dar, da die gemeinsame Nutzung von Technologie und Know-how missbraucht wird.21

2.2.2 Abbau von Handelsbarrieren

Durch unterschiedliche Vorgehensweisen in den Freihandelszonen werden Handelswege durch Piraten vorgetäuscht. Es werden Produkte in die Freihandelszone transportiert und hinterher wieder exportiert. Das ursprüngliche Herkunftsland wird in der Freihandelszone unkorrekt angegeben. Vielmehr findet eine Aufteilung der Produkte in unterschiedlichen Häfen statt, um die Frachtpapiere manipulieren zu können.22 Ein weiterer Weg, um die kriminelle Vorgehensweise zu verschleiern, besteht darin, die unbearbeiteten Produkte erst in der Freihandelszone mit Logos, Namen und Zeichen des Originalproduktes zu versehen bzw. zu etikettieren.23 Denn erst nach der Anbringung des Markenlogos kann von Piraterie-Ware gesprochen werden. Der Abbau von Handelsbarrieren ermöglicht Piraten auch die Geldwäscherei.

Erfolgt die komplette Produktion der Piraterie-Ware in der Freihandelszone, besteht hier die Möglichkeit zur Geldwäsche.24

2.2.3 Internationale starke Marken

International bekannte Marken sind besonders stark von Marken- und Produktpiraterie betroffen. Piraten profitieren von den Vermarktungspotenzialen der Originalhersteller. Durch die Position des Marktpioniers minimieren die Piraten als Trittbrettfahrer die Risiken der Produkteinführung und erzielen somit eine Gewinnmaximierung. In der Abbildung 4 sind Marken mit hohem Markenwert im Jahr 2012 dargestellt. Der hohe Bekanntheitsgrad spiegelt sich in hohen Gewinnmargen wider, ist aber auch gleichzeitig Anreiz für das Pirateriegeschäft.25 Sehr oft werden international bekannte Marken wie „Apple“, „Louise Vuitton“, „Adidas“, „Boss“, „Chanel“, „Samsung“, „Rolex“ und viele andere bekannte Marken aus jedem Geschäftszweig kopiert. Da sich Konsumenten mit hoher Markenaffinität und begrenzten finanziellen Mitteln die international hoch anerkannten Markenprodukte nicht leisten können, bieten die Piraten die Markenprodukte im Vergleich zu den Originalprodukten zu sehr niedrigen Preisen auf dem Markt an.26

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Die 22 wertvollsten Marken der Welt nach Interbrand mit Markenwert in US-Dollar.

Quelle: www.interbrand.com27

2.2.4 Bereitschaft der Kunden

Ein sehr wichtiger Grund für den Zuwachs des Pirateriegeschäftes ist die hohe Nachfrage und die Bereitschaft der Kunden, Nachahmerprodukte zu kaufen. Tatsache ist, dass das Pirateriegeschäft ohne das Kaufinteresse der Nachfrager nicht bestehen würde.28 Konsumenten sind sogar bereit, bewusst auf eine gewisse Qualität zu verzichten, da der niedrige Preis eine hohe Signifikanz bzw. eine gewisse Anziehungskraft für sie besitzt.29 Die Rechtsverletzung durch den Kauf wird von vielen Konsumenten leider auch nicht wahrgenommen. Laut der Studie „Piraten des 21. Jahrhunderts“30 vom Markenverband gaben 82 % der Befragten an, dass der Preis ein Grund für den Kauf von Fälschung war und 23 % haben schon mal gefälschte Textilien gekauft.

2.2.5 Ausdehnung der Vertriebskanäle

Einer der Gründe für die Zunahme der Marken- und Produktpiraterie ist die Ausdehnung der Vertriebskanäle. Trotz bestehender Hindernisse auf dem Markt schaffen es die Piraten, sich international im Handel zu etablieren. Die Vertriebskanäle sind vielfältig. Der bekannteste Vertriebsweg ohne viel Aufwand, verbunden mit wenig Kosten ist das Internet. Durch das international größte Internetaktionshaus „ebay“ gelingt es Marken- und Produktpiraten besonders leicht, aktiv und heimlich Handel zu betreiben.31 Internetaktionshäuser wie „ebay“ bieten den Fälschern Anonymität und Konsumenten können Piraterie-Ware bequem von zu Hause zu kaufen.32 Die Anonymität stellt gleichzeitig einen Schutz vor Rechtsverfolgung dar.33 Eine weitere Betrugsmöglichkeit für Piraten ist der Online-Vertrieb. Dadurch erzielen die Fälscher international einen hohen Umsatz und können sich effektiv tarnen.34 Ein großes Problem für Originalhersteller ist die professionelle Kopie ihrer Webseite durch die Piraten. Da viele Graphiken sowie die Software, welche die Originalhersteller nutzen, im Internet frei verfügbar sind, gelingt es Piraten häufig die komplette Internetseite mit allen Einzelheiten überzeugend zu kopieren und dadurch die Käufer wirksam zu betrügen.35 Weitere Vertriebskanäle der Fälscher sind z.B. Flohmärkte, No-Name Läden und Straßenverkäufer.36 Diese Kanäle haben den Vorteil, dass sich die Nachricht über den Verkauf von beispielsweise gefälschten Accessoires, Kosmetik, Bekleidung und vielen anderen Produkten durch Mund-zu-Mund Propaganda unter den Kunden verbreitet.

2.2.6 Begrenzte Durchsetzung von Eigentumsrechten

Für den Schutz des geistigen Eigentums gibt es Möglichkeiten wie das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA), TRIPS-Abkommen im Bereich der WTO (Welthandelsorganisation) und die Regulierungen im EU- Bereich. Bedauerlicherweise ist die Durchsetzbarkeit von Eigentumsrechten in den Produktionsländern und in der EU sehr begrenzt.37 Diese begrenzte Durchsetzbarkeit bzw. die begrenzte Rechtsverfolgung bei Verletzung der Rechte schafft die entsprechende Voraussetzung für die illegale Verbreitung. Da die Dimensionen der Fälschungen mit zahlreichen negativen Effekten vielen Originalherstellern nicht bekannt sind, wird die Rechtsverfolgung nicht voll ausgenutzt.38

2.2.7 Hohe Zölle und Steuern

Hohe Zollkosten und Steuern führen international zu Preiserhöhungen bei Produkten. Ganz stark betroffen ist davon die ärmere Gesellschaftsschicht, die die hohen Preise aufgrund der hohen Zölle und Steuern nicht zahlen können.39 In diesem Zusammenhang ist der Erwerb von teuren Medikamenten für Menschen in Entwicklungsländern sehr problematisch. Für diese Menschen gestalten sich Medikamente mit niedrigeren Preisen attraktiv, weshalb sie oftmals die Piraterie-Ware bevorzugen.40 Diese Kaufbereitschaft eröffnet den Piraten ein weiteres Geschäftsfeld im Bereich der Pharmazie. Die Piraten erfüllen die hohe Nachfrage der Verbraucher, indem sie Medikamente mit einem geringeren Wirkstoff und gesundheitsschädlichen Inhalten auf dem Markt anbieten.41 Wie in jeder Branche versuchen die Piraten Profit für sich zu erzielen.

2.2.8 Der Konfuzianismus

Das Phänomen Marken- und Produktpiraterie hat in China eine besondere Bedeutung. Die Statistiken bestätigen seit Jahren Chinas Rolle als Spitzenreiter im Pirateriegeschäft. Was ist eigentlich der Grund dafür? China ist bekannt für seine historische und kulturelle Prägung. Auch das Phänomen Marken- und Produktpiraterie hat in China einen historischen Hintergrund. Es gibt bestimmte Philosophien, die die chinesische Gesellschaft über Jahrtausende belehren und prägen. Die chinesische Haltung zu geistigem Eigentum unterscheidet sich stark von der europäischen Haltung. Als Ursache für das Phänomen Marken- und Produktpiraterie wird die chinesische Mentalität bzw. Kultur angenommen.42 In China gibt es viele wichtige Philosophien wie Taoismus und Buddhismus, die die chinesische Gesellschaft formen und deren Handeln beeinflussen bzw. steuern. Eine weitere wichtige Philosophie ist der Konfuzianismus, eine Philosophie des chinesischen Philosophen Konfuzius, der laut Literatur von 551 bis 479 v. Chr. gelebt hat. In vielen Büchern wird der Konfuzianismus auch als Religion, staatspolitische und gesellschaftliche Moralhaltung in China und Ostasien bezeichnet, die über Jahrtausende die chinesische Kultur prägte. Die Philosophie Konfuzianismus befasst sich mit der feststehenden Ordnung der Beziehungshierarchie in der Gesellschaft. Im Vordergrund stehen moralische Verhaltensgrundsätze und der Respekt gegenüber sich selbst, gegenüber dem Staat und gegenüber den Mitmenschen. Der Respekt spielt eine wichtige Rolle in der menschlichen Beziehung. Ganz besonders spricht Konfuzius von Beziehungen zwischen Herrscher und Untertan, Mann und Frau, Vater und Sohn, Bruder und Bruder, Freund und Freund.43 Nach Konfuzius ist kein Individuum in der Gesellschaft allein gestellt.

Das Allgemeinwohl in jeder Beziehungsebene der Gesellschaft erfährt eine wichtige Bedeutung. Der Konfuzianismus betrachtet die Beziehungskategorien als ein Ganzes, welches durch das Wir-Gefühl geprägt ist.44 Das Streben nach Harmonie in den Beziehungsebenen wird als Voraussetzung für das Wir-Gefühl genannt. Laut Konfuzianismus besteht das Ziel eines Individuums in der Anpassung an die Gesellschaft, um akzeptiert zu werden. Die Philosophie des Konfuzianismus beinhaltet auch eine gewisse Anleitung in Bezug auf die chinesischen Wert- und Moralvorstellungen insbesondere gegenüber geistigem Eigentum. Zudem sind Unterschiede im Lernprozess zur westlichen Gesellschaft zu finden. Das Lernen aus einer bestehenden Idee des Vorgängers ist fest in der Tradition der chinesischen Gesellschaft verankert.45 Die Chinesen lernen nicht, bestehende Probleme zu lösen, sondern lernen bzw. „kopieren“ das bestehende immaterielle Gut des Erfinders. Eine weitere Tradition besteht in der Erweiterung oder Aktualisierung eines bestehenden Gutes oder einer Idee des Vorläufers. Diese Erweiterung bzw. Aktualisierung wird auch als Ansatzpunkt für Lösungen bestehender Probleme gesehen. Das Lernen durch fremde Technologien und fremde Ideen des anderen ist nach Konfuzius ein kluger Ansatz. Da der Mensch in einer Gesellschaft als Teil des Ganzen gesehen wird, werden auch seine Ideen und seine Leistungen nach dem Konfuzianismus als Allgemeingut betrachtet und geschätzt. Aus diesem Zusammenhang heraus kann man das Verhalten der chinesischen Kultur gegenüber fremdem geistigem Eigentum verstehen. Das Kopieren von Produkten bzw. Ideen bringt nämlich die Wertschätzung und Anerkennung zum Produkt zum Ausdruck.46 Für die chinesische Gesellschaft ist es nämlich eine Ehre, die Idee des Vorläufers bzw. des anderen, die der Gesellschaft dient, zu kopieren, zu aktualisieren und zu erweitern. Durch dieses Verhalten werden die Dankbarkeit und der Respekt gegenüber der geistigen Leistung nach außen vermittelt.

3 Einblicke in das Pirateriegeschäft

3.1 Herkunft

Die besondere Rolle Chinas im Pirateriegeschäft ist international bekannt. Im asiatischen Raum wird neben China ein Großteil der Piraterie-Waren in Thailand, Hongkong, Malaysia, Taiwan, Russland und in den Vereinigten Arabischen Emiraten hergestellt. Im europäischen Raum sind Länder wie Bulgarien, Tschechien, Türkei und Polen für Piraterieprodukte sehr bekannt. Die Europäische Kommission veröffentlicht jedes Jahr eine Statistik mit Zahlen und Fakten über die Beschlagnahmung von nachgeahmten Marken und Produkten. Die Abbildung 5 zeigt die Herkunftsländer von Piraterieprodukten in der Europäischen Union.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Herkunft der Piraterieprodukte in 2012 in der EU

Quelle: Europäische Kommission, Grenzbeschlagnahmestatistiken (2012), S. 1847

Wichtig zu erwähnen ist, dass das Herkunftsland nicht immer das Produktionsland ist.48 Die Piraten transportieren die Waren über verschiedene Länder, um ihre Anonymität zu bewahren und um die Zollbehörden zu täuschen. Durch Umwege gelangen die Waren dann in die Europäische Union.

[...]


1 Hintze, M. (2007), S.1

2 Europäische Kommission, Grenzbeschlagnahmestatistiken 2012, S.7 URL: http://ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/customs/customs_controls/count erfeit_piracy/statistics/2013_ipr_statistics_en.pdf, abgerufen am 15.08.2013

3 Report on EU customs enforcement of intellectual property rights, Results at the EU border 2012, S.18; URL: http://ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/customs/customs_controls/count erfeit_piracy/statistics/2013_ipr_statistics_en.pdf, abgerufen am 15.08.2013

4 Hintze, M. (2007), S.1

5 Heuzeroth, T., Produktpiraten geraten außer Kontrolle, die Welt vom 03.04.05, URL: http://www.welt.de/print-wams/article126079/Produktpiraten-geraten-ausser-Kontrolle.html, abgerufen am 15.08.2013

6 Zoll, Pressemitteilungen - Schmuggel von Potenztabletten in Polstermöbel (20013) , URL: http://www.zoll.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/Produktpiraterie/2013/z80_potenztabl etten.html?nn=98146, abgerufen am 15.08.2013

7 Vgl. Fuchs, H. (2006), S.48

8 Europäische Kommission, Grenzbeschlagnahmestatistiken 2012, S.7 URL: http://ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/customs/customs_controls/count erfeit_piracy/statistics/2013_ipr_statistics_en.pdf, abgerufen am 15.08.2013

9 Vgl. Welser, M. / Gonzales, A. (2007), S.43 f.

10 Vgl. Harte-Bavendamm (2000), § 1, Rn. 38

11 Vgl. Wildemann, Horst / Ann, Christoph / Broy, Manfred /Günther, Willibald A. / Lindemann, Udo (2007). Plagiatschutz-Handlungsspielräume der produzierenden Industrie gegen Produktpiraterie. München: Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre- Unternehmensführung, Logistik und Produktion, Forschungscentrum Karlsruhe (PTKA), S. 1

12 Vgl. Ilzhöfer (2007), S.3

13 Welser, M. / Gonzales, A. (2007), S.24

14 URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/grossbild-315217-384214.html, abgerufen am

15.08.2013

Abbildung 3: Eierbecher (link Original rechts Plagiat)

15 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 56

16 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 56

17 Henrik Bork, Herr Feng und die falschen Schuhe,19.05.2010

URL: http://www.sueddeutsche.de/politik/produktpiraterie-in-china-herr-feng-und-die- falschen-schuhe-1.920222, abgerufen am 15.08.2013

18 Henrik Bork, Herr Feng und die falschen Schuhe,19.05.2010

URL: http://www.sueddeutsche.de/politik/produktpiraterie-in-china-herr-feng-und-die- falschen-schuhe-1.920222, abgerufen am 15.08.2013

19 Henrik Bork, Herr Feng und die falschen Schuhe,19.05.2010

URL: http://www.sueddeutsche.de/politik/produktpiraterie-in-china-herr-feng-und-die- falschen-schuhe-1.920222, abgerufen am 15.08.2013

20 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 56

21 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 56

22 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 56

23 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 56

24 Vgl. Fuchs, H. (Hrsg.) (2006), S.41, Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 56

25 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 58

26 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 58

27 URL: http://www.interbrand.com/de/best-global-brands/2012/Best-Global-Brands-2012- Brand-View.aspx, abgerufen am 15.08.2013

28 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 58

29 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 58

30 Vgl. Markenverband, Studie Piraten des 21. Jahrhunderts- Angriff auf die Konsumgüterindustrie (2008), S.16, URL: http://www.markenverband.de/publikationen/studien/Studie%20von%20Ernst- Young%20Piraten%20des%2021.%20Jahrhunderts.pdf, abgerufen am 15.08.2013, In der Studie wurden in Europa 2500 Verbraucher nach ihrer Meinung zu Piraterieprodukten sowie 27 Konsumgüterhersteller in der EU zum Thema Fälschungen und Markenschutz befragt. In persönlichen Gesprächen wurden Beauftragte von 11 Unternehmen interviewt und durch Onlinebefragung 16 Unternehmen befragt.

31 Vgl. Welser, M. / Gonzales, A. (2007), S. 22f.

32 Vgl. Welser, M. / Gonzales, A. (2007), S. 23

33 Vgl. Welser, M. / Gonzales, A. (2007), S. 22f.

34 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S.58

35 Vgl. OECD (2007), S. 14

36 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 59

37 Vgl. Welser, M. / Gonzales, A. (2007), S.22

38 Vgl. Welser, M. / Gonzales, A. (2007), S.22

39 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 60

40 Vgl. Stephan, M. / Schneider, M. (2011), S. 60

41 Vgl. Fuchs, H. (2006), S.40; CHAUDHRY, P.E / ZIMMERMANN, A.(2009), S.25

42 Vgl. Fuchs, H. (2006), S.63

43 Vgl. Fuchs, H. (2006), S.63

44 Vgl. Fuchs, H. (2006), S.64

45 Vgl. Fuchs, H. (2006), S.64

46 Vgl. Fuchs, H. (2006), S.65

47 URL: http://ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/customs/customs_controls/count erfeit_piracy/statistics/2013_ipr_statistics_en.pdf, abgerufen am 15.08.2013

48 Vgl. Welser, M. / Gonzales, A. (2007), S.27

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Der Kampf gegen Marken- und Produktpiraterie
Untertitel
Ursachen, Folgen und Gegenmaßnahmen
Hochschule
Hochschule Bochum
Veranstaltung
Marketing & Außenwirtschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
59
Katalognummer
V306940
ISBN (eBook)
9783668052222
ISBN (Buch)
9783668052239
Dateigröße
1684 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Für die besonderen Leistungen und das Engagement bei der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschaft wurde Frau Melike Uzun B.A. anlässlich der Verleihung des Transferpreises Wirtschaft Anerkennung und Dank ausgesprochen.
Schlagworte
Markenpiraterie, Produktpiraterie
Arbeit zitieren
Melike Uzun (Autor), 2013, Der Kampf gegen Marken- und Produktpiraterie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306940

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Kampf gegen Marken- und Produktpiraterie


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden