Beim Vergleich mit den übrigen westeuropäischen Sprachbezeichnungen fällt sofort die besondere Bildungsweise der Sprachbezeichnung Deutsch auf, da sie nicht wie die anderen von einem Volks- oder Stammesnamen, einem geographischen Namen oder einem allgemein geographischen Begriff ausgegangen ist.
Die Bezeichnung Deutsch bezieht sich von Anfang an auf die Sprache, nämlich auf die Volkssprache der germanisch sprechenden europäischen Mitte. Der völlig andere semantische Ausgangspunkt sowie die Ableitung von einem nicht-geographischen Sachwort für ‚eigenes Volk, Stamm’ macht die Sonderstellung vom Wort Deutsch aus.
Inhaltsverzeichnis
1. Die besondere Stellung des Wortes Deutsch
2. Entwicklungsgeschichte
2.1. Der sprachliche Ausgangspunkt
2.2.Der Sinngehalt in historischer Sicht
- Deutsch als Bezeichnung für einzelne, jeweils gegenwärtige Sprachstufen
- Deutsch als Volksbezeichnung
- Deutsch als geographischer Begriff
- Deutsch als Sittenbezeichnung
- Deutsch als Bezeichnung einer Glaubensgemeinschaft
3. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die etymologische Entstehung sowie die historische Bedeutungsentwicklung des Wortes „deutsch“. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse des semantischen Wandels von einer sprachlichen Selbstbezeichnung hin zu einer Volks-, Geographie- und Sittenbezeichnung im Kontext der europäischen Sprachgeschichte.
- Etymologischer Ursprung und sprachwissenschaftlicher Ausgangspunkt
- Entwicklung des volkssprachlichen Bewusstseins im Frühmittelalter
- Semantische Differenzierung in historischen Sinnbereichen
- Die Rolle der Humanisten bei der Neudefinition des Begriffes
- Politische und gesellschaftliche Einflussfaktoren auf die Wortbedeutung
Auszug aus dem Buch
Die Entwicklungsgeschichte des Wortes Deutsch:
Die Geschichte des Wortes Deutsch beginnt im Frühmittelalter. Aus der Auseinandersetzung Lateinisch/ Volkssprachlich und eigene Volkssprache/ fremde Volkssprache ist die Bezeichnung ahd. thiutisk, diutisk (das eigene Volk betreffend, Volkssprachlich) als Ableitung zu ahd. thiot-a, diot-a vorahd. Þeoda (Stamm, Volk) erwachsen. Mehr und mehr tritt im westeuropäischen Frühmittelalter neben die stammessprachlichen Bezeichnungen francisce, saxonice u. a. in den Volksrechten die übergreifende Bezeichnung deutsch in latinisierter oder volkssprachlicher Lautung auf. In lateinischer Form wird außerdem teutonicus – im Anschluss an den durch die antike Geschichtsschreibung bekannten Stammesnamen der Teutonen – verwendet. Die Entwicklung eines übergreifenden volkssprachlichen Bewusstseins in althochdeutscher Zeit lässt sich durch einen Vergleich des Wortgebrauches mit dem Sinngehalt ‚volkssprachlich, deutsch’ bei den beiden literarischen Hauptgestalten der ältesten deutschen Literatur, Otfried von Weißenburg und Notker von St. Gallen, verdeutlichen.
Im Lateinischen verwendet Otfried schon die übergreifende Bezeichnung theotisce ‚deutsch’, während Notker im 10./ 11. Jahrhundert nur noch im Lateinischen teutonice, ahd. diutisg benutzt. Otfried intendiert ein neues volkssprachliches Dichten und Notker ein neues, vertieftes Übersetzen in die Volkssprache und eine nachvollziehende Aneignung christlich antiker Bildung im deutschen Wort.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die besondere Stellung des Wortes Deutsch: Dieses Kapitel erläutert die Besonderheit der Wortbildung, die nicht auf einem Stammes- oder Geographienamen basiert, sondern primär als sprachlicher Selbstbezug fungiert.
2. Entwicklungsgeschichte: Hier wird der historische Prozess der Wortentstehung vom Frühmittelalter bis zur modernen Sprachverwendung detailliert nachgezeichnet.
3. Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Entwicklung des volkssprachlichen Bewusstseins und die semantischen Verschiebungen der Bezeichnung zusammen.
Schlüsselwörter
Deutsch, Etymologie, Sprachgeschichte, Volkssprache, Semantik, Mittelhochdeutsch, Althochdeutsch, Identität, Volksbezeichnung, Geographie, Sittenbezeichnung, Humanismus, Sprachwandel, Germanisch, Sprachstufen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sprachliche und historische Genese des Wortes „deutsch“ und wie sich dessen Bedeutung über verschiedene Epochen hinweg gewandelt hat.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der etymologischen Herleitung, der Entwicklung des volkssprachlichen Bewusstseins im Mittelalter und der semantischen Ausdifferenzierung des Begriffs in fünf historischen Sinnbereichen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Sonderstellung des Wortes „deutsch“ aufzuzeigen, da es sich ursprünglich nicht von einem geographischen oder Stammesbegriff ableitet, sondern als allgemeine Sprachbezeichnung entstand.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine historisch-philologische Analyse angewandt, die primär auf dem Vergleich literarischer Texte und der Entwicklung sprachlicher Zeugnisse seit dem Frühmittelalter basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die sprachlichen Ursprünge im Frühmittelalter sowie eine systematische Betrachtung der fünf Sinnbereiche, in denen das Wort Verwendung findet (Sprache, Volk, Geographie, Sitte und Glaubensgemeinschaft).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Sprachgeschichte, Etymologie, Volkssprache, Identitätsbildung und der semantische Bedeutungswandel im Wandel der Zeit.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von „deutsch“ bei Otfried von Weißenburg und Notker von St. Gallen?
Otfried nutzte bereits den Begriff „theotisce“ für ein neues volkssprachliches Dichten, während Notker im 10./11. Jahrhundert durch seine Übersetzungsarbeit eine tiefere Aneignung christlich-antiker Bildung im „deutschen Wort“ forcierte.
Welche Bedeutung hatte das Annolied für den Volksbegriff?
Das Annolied um 1080 liefert wichtige frühe Belege für die Verbindung von Sprach- und Volksbezeichnung, insbesondere durch Ausdrücke wie „Diutschi man“ oder „Diutschi liute“.
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- Nicole Opetz (Author), 2004, Die Sprachbezeichnung 'deutsch' - Entstehung und Entwicklung des Wortes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30698