Emile Durkheims Werk Über soziale Arbeitsteilung von 1883 wird heute zu den Klassikern der Soziologie gezählt. Der Autor beschäftigt sich darin mit der Frage nach dem Zusammenleben der Menschen in einer Gesellschaft. Hierbei steht für ihn vor allem die Gesellschaft als Gruppensystem im Vordergrund seiner theoretischen Betrachtung. Vor dem Hintergrund des „Verhältnis[ses] zwischen dem Kollektiv und dem Individuum“1, betrachtet er die Arbeitsteilung als wichtiges Merkmal differenzierter Gesellschaften. Hierbei unterscheidet er vor zwei Formen der Solidarität, die sich der Arbeitsteilung verdanken.
Diese Arbeit soll zunächst Teile der Theorie Durkheims erläutern, um später zu einer Einschätzung darüber zu gelangen, inwieweit seine Erklärungsversuche auch heute noch tragfähig sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographie Emile Durkheims
3. Begriffsklärung
3.1 Arbeitsteilung
3.1.1 Allgemeine Definition
3.1.2 Durkheims Verständnis von Arbeitsteilung
3.2 Solidarität
3.2.1 Die „mechanische Solidarität“
3.2.2 Die „organische Solidarität“
4. Die Ursachen der Arbeitsteilung nach Durkheim
5. Durkheims Theorie in der gegenwärtigen Realität
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologische Theorie der Arbeitsteilung nach Emile Durkheim, mit dem Ziel, deren zentrale Konzepte zu erläutern und ihre Relevanz für moderne Gesellschaftsstrukturen kritisch zu bewerten.
- Historischer Kontext und biographische Einordnung von Emile Durkheim
- Differenzierung der Begriffe „Arbeitsteilung“ und „Solidarität“
- Analyse der mechanischen versus organischen Solidarität
- Untersuchung der Ursachen von Arbeitsteilung durch Verdichtungsprozesse
- Übertragung der Theorie auf zeitgenössische gesellschaftliche Realitäten
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Durkheims Verständnis von Arbeitsteilung
Durkheims Begriff der Arbeitsteilung, geht allerdings über diese ökonomische Definition hinaus. Für ihn ist Arbeitsteilung nicht nur die Steigerung der Produktion, sondern eine Form des sozialen Zusammenlebens. Dabei geht er von der Annahme aus „ihre Rolle bestehe [...] nicht darin, die bestehenden Gesellschaften zu verschönern und zu verbessern, sondern Gesellschaften möglich zu machen, die ohne sie nicht existieren würden.“ Zur Zeit Emile Durkheims war das die Industriegesellschaft, zu deren Erklärung er die Arbeitsteilung voraussetzte. Die Arbeitsteilung laut Durkheim, geht mit einer Spezialisierung der Individuen einher, was eine Trennung von einer kollektiven Gesamtheit hin zu einer individualisierten Gesellschaft voraussetzt. Scheinbar unvereinbar dazu, nimmt die Abhängigkeit des Einzelnen zur Gesellschaft zu. Anschaulicher wird dies anhand eines Beispiels: Während ein Bauer früher versucht hat, ein möglichst breites Angebot an Waren zu erwirtschaften (Tier, Korn, Kleidung), spezialisiert er sich später auf einen Produktionsbereich. Das macht ihn zwar produktiver, aber auch abhängiger von denen, die etwas anderes erwirtschaften. Arbeitsteilung nach Durkheim ist demnach „das Substrat äußerster Differenzierung in allen Lebensbereichen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung legt das theoretische Fundament der Arbeit und umreißt die Fragestellung nach dem Zusammenleben in differenzierten Gesellschaften.
2. Biographie Emile Durkheims: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Durkheims nach und verortet ihn in den gesellschaftlichen Umbrüchen der Dritten Republik in Frankreich.
3. Begriffsklärung: Hier werden die zentralen analytischen Werkzeuge wie Arbeitsteilung, mechanische und organische Solidarität sowie das Kollektivbewusstsein definiert.
4. Die Ursachen der Arbeitsteilung nach Durkheim: Das Kapitel erläutert, wie soziale Verdichtung, materielle Dichte und Bevölkerungswachstum zur notwendigen Voraussetzung für die Entstehung von Arbeitsteilung werden.
5. Durkheims Theorie in der gegenwärtigen Realität: Abschließend wird diskutiert, inwieweit Durkheims klassische Thesen die heutige Industriegesellschaft und die moderne Individualisierung erklären können.
Schlüsselwörter
Emile Durkheim, Soziologie, Arbeitsteilung, soziale Solidarität, mechanische Solidarität, organische Solidarität, Kollektivbewusstsein, Gesellschaftsmodell, soziale Differenzierung, moralische Dichte, soziale Integration, Industriegesellschaft, Individualisierung, Soziale Struktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Emile Durkheims soziologische Perspektive auf die Arbeitsteilung und wie diese den sozialen Zusammenhalt in Gesellschaften bestimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, der Wandel von Solidaritätsformen und die Ursachen für gesellschaftliche Differenzierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die theoretischen Ansätze Durkheims verständlich zu machen und ihre Tragfähigkeit für heutige gesellschaftliche Entwicklungen zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer Klassiker, insbesondere Durkheims Hauptwerk „Über soziale Arbeitsteilung“.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung der zentralen Durkheimschen Konzepte sowie eine Darstellung der kausalen Faktoren, die Arbeitsteilung hervorrufen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören mechanische und organische Solidarität, soziale Verdichtung, Kollektivbewusstsein und der Strukturwandel der Gesellschaft.
Wie unterscheidet Durkheim mechanische von organischer Solidarität?
Mechanische Solidarität basiert auf Gleichheit und Tradition in vormodernen Gesellschaften, während organische Solidarität auf gegenseitiger Abhängigkeit durch Spezialisierung in modernen Systemen beruht.
Was versteht Durkheim unter „moralischer Dichte“?
Dieser Begriff beschreibt den verstärkten Austausch und die Interaktion zwischen Individuen innerhalb einer Gesellschaft, was eine entscheidende Bedingung für den Fortschritt der Arbeitsteilung darstellt.
- Quote paper
- Sonja Kolb (Author), 2004, Soziale Arbeitsteilung. Zur Aktualität von Emile Durkheims Theorie., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30708