Beowulf - Quellen und Analogien


Examensarbeit, 2004

58 Seiten, Note: noch nicht erfolgt


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der geschichtliche Hintergrund des Beowulf
2.1. Der Tod des Hygelac als historischer Fixpunkt
2.1. Die Dänen und Schweden
2.2. Die Geatas und Beowulf

3. Die Grendelepisode in Beowulf
3.1. Analogien zu den christlichen Angaben in Beowulf
3.1.1. Christliche Elemente in Beowulf
3.1.2. Kains Erbe
3.1.3. Teufel und Hölle
3.2. Nordische Analogien
3.2.1. Das Bärensohn-Märchen und nordische sagas
3.2.2. Die Grettis saga
3.2.3. Die Legende von Boðvar Bjarki
3.3. Irische Analogien
3.3.1. Irische Motive in Beowulf
3.3.2. The Hand and the Child

4. Analogien zum Drachenkampf
4.1. Der Drache in Beowulf
4.2. Die Volsunga saga
4.3. Thors Kampf mit der Midgardschlange
4.4. Parallelen in Heiligenlegenden
4.5. Cadmus’ Kampf mit der Marsschlange

5. Ergebnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Ursprung des Beowulf [1] ist äußerst umstritten. Man kann weder den Autor - oder möglicherweise die Autoren -, noch das genaue Entstehungsdatum der Dichtung feststellen. Als einigermaßen gesichert gilt nur, dass das epische Werk in altenglischer Sprache zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert im angelsächsischen England entstanden ist. Über die Hintergründe der Entstehung des Epos kann man nur mutmaßen. Die Forschung hat daher andere Texte mit Beowulf verglichen, um dadurch Kenntnisse über seinen Ursprung zu erlangen.

Dabei spielen die Begriffe Quelle, Analogie und Parallele eine große Rolle. Ein Problem ist hierbei, dass eine genaue Bestimmung dieser Begriffe nicht möglich ist, da sich noch keine Definition in der Wissenschaft etabliert hat. Rauer hält eine Parallele für eine Ähnlichkeit eines Textes mit einem anderen, die durch den Leser subjektiv wahrgenommen wird. Eine Analogie sei dagegen ein Text, der eine große Zahl von Parallelen enthält. Eine noch schwierigere Frage ist, wie die Beziehung zwischen einer Quelle und dem Zieltext beschaffen sein soll. Grob umrissen, muss eine direkte Quelle demnach starke Ähnlichkeit mit dem Zieltext aufweisen und nachweislich vor diesem entstanden sein. Darüber hinaus soll die Quelltext dem Autor des Zieltexts oder auch seinem Umfeld nachweislich bekannt gewesen sein.[2] Es lässt sich also genau definieren, was eine Quelle ist, doch ob ein Text eine Quelle für einen anderen Text darstellt, ist oft sehr schwer zu beweisen.

Die Suche nach Quellen und Analogien zu Beowulf erstreckt sich über einen riesigen Bereich. Es wurden Parallelen in indianischen und asiatischen Erzählungen[3] gefunden, aber auch in Romanen wie Tom Sawyer [4] oder Herr der Ringe. Diese Analogien sind für diese Arbeit aber nicht von Interesse. Sie weisen zwar Ähnlichkeiten mit Beowulf auf, es wird jedoch ein gemeinsamer Ursprung ausgeschlossen, da sie einem anderen Kulturkreis entstammen oder nachweislich auf Beowulf selbst basieren.

Die Quellenforschung konzentriert sich daher auf einige wenige Kernbereiche von Erzählungen, die auf den Ursprung des Beowulf hindeuten könnten: manchmal werden Texte als Quellen präsentiert, aber meist sind es Paralleltexte, die dem Epos in irgendeiner Beziehung ähneln und auf eine gemeinsame Quelle hindeuten könnten. Doch selbst dieser engere Kreis von Analogien ist noch zu groß, um alle in dieser Arbeit zu präsentieren. Deshalb wird an exemplarischen Beispielen dargestellt, wieso Beowulf auf gewisse Traditionen oder Texte basieren und aus einem religiösen oder räumlichen Umfeld entstammen könnte. Hierbei wurde besonderen Wert darauf gelegt, dass verschiedene, bisweilen gegensätzliche Auffassungen und Theorien zur Entstehung des Beowulf präsentiert werden. Die Auswahl der Analogien ist in dieser Arbeit natürlich dennoch rein subjektiv. Gewiss hätte noch eine beachtliche Anzahl von Texten und Erzählungen berücksichtigt werden können, denen der eine oder andere Forscher besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat.

Die Probleme der Forscher bei der Quellensuche sind vielfältig: wenn man den Verfasser in einem frühchristlichen angelsächsischen Umfeld vermutet, weshalb ist Beowulf ein weltliches Gedicht über die Abenteuer eines Skandinaviers? Sind die christlichen Elemente ein fundamentaler Bestandteil des Epos oder wurden sie später hinzugedichtet? Eine weitere Frage ist, ob dem Verfasser schriftliche Quellen vorlagen oder ob Beowulf auf mündliche Überlieferung basiert. Zudem besteht die Dichtung aus zwei voneinander verschiedenen Teilen. Der erste Teil handelt vom Kampf des jungen Beowulf mit Grendel und seiner Mutter, der zweite vom Drachenkampf des alten Beowulf. Die Forschung vermutet darum, dass mindestens zwei Erzählungen in Beowulf zusammengefügt wurden.

Somit teilt sich diese Arbeit in Abschnitte zu den beiden Kämpfen gegen Grendel und seine Mutter einerseits, sowie gegen den Drachen andererseits. Zuerst werden jedoch die historischen Hintergründe des Beowulf erörtert, um diese mit historischen und literarischen Analogien zu vergleichen. Danach wird näher auf Thesen zur Entstehung der beiden Kämpfe eingegangen. Da sich die elementaren christlichen Elemente des Beowulf im ersten Teil befinden, wird in dem Abschnitt über die Analogien zur Grendelepisode[5] zuerst auf Christliches im Allgemeinen eingegangen und erst dann auf geistliche Texte, die Parallelen mit der Dichtung aufweisen. Der potentielle religiöse Aspekt der Drachenepisode wird später gesondert behandelt. Nach den christlichen Texten werden nordische und irische Analogien zur Grendelepisode analysiert und miteinander verglichen. Schließlich wendet sich die Arbeit der Drachenepisode in Beowulf zu.

2. Der geschichtliche Hintergrund des Beowulf

2.1. Der Tod des Hygelac als historischer Fixpunkt

Neben den Monsterkämpfen als Kern, enthält Beowulf bestimmte historische Elemente, über deren Ursprung und Wahrheitsgehalt in der Forschung bis heute gerätselt wird.

Fantastic as these stories [die Monsterkämpfe] are, they are depicted against a background of what appears to be fact. Incidentally, and in a number of digressions, we receive much information about the Geatas, Swedes and Danes: all which information has an appearance of historic accuracy, and in some cases can be proved, from external evidence, to be historically accurate.[6]

Die Bedeutung des geschichtlichen Materials in Beowulf wird von Anfang offensichtlich, da das Epos mit einem genealogischen Prolog der dänischen Herrscherfamilie beginnt und die Grendelepisode vor dem Hof des dänischen Herrschers handelt. Eine Schwierigkeit bei der Bewertung des historischen Inhalts von Beowulf ist, dass die Darstellung der Vergangenheit nicht mit heutigen Geschichtsbegriffen und -maßstäben zu erfassen ist. In Beowulf muss man mythische, legendäre und historische Vergangenheit unterscheiden.[7] Das wird dadurch erschwert, indem die Dichtung keine Zeitangaben macht, an denen man sich orientieren könnte.

It is worth stressing that no date is part of the fabric of the poem itself. In the poem, the past is the past. The action takes place “in geardagum” (in days of old), not in the kind of history that is the creation of annalists and chroniclers.[8]

Das einzige Ereignis in Beowulf, das halbwegs sicher datiert werden kann,[9] ist der gewaltsame Tod des Hygelac, König der Geatas, während eines Feldzugs gegen westgermanische Stämme in Friesland.[10] Der fränkische Historiograph Gregor von Tour erwähnt es nämlich in seiner Historia Francorum und weitere angesehene Geschichtswerke des Mittelalters bestätigen die Angaben des Franken.[11]

After all this had happened, the Danes, together with their king, whose name was Chlochilaichus, attacked the Frankish lands by sea in a ship-borne raid.[12]

Der Chlochilaichus des Gregor von Tours wurde nun eindeutig als Hygelac identifiziert. Der Verfasser des Beowulf wusste somit über diesen Feldzug Bescheid. Wegen der Unterschiede in der Bezeichnung und Stammzugehörigkeit des Hygelac ist ein direkter Einfluss der bekannten Geschichtswerke auf Beowulf unwahrscheinlich. Trotzdem ist es vorstellbar, dass die Quelle des Dichters auf eine unbekannte Tradition dieser Geschichtswerke repräsentierte. Der Dichter könnte aber auch auf einen unabhängig entstandenen Text skandinavischen oder angelsächsischen Ursprungs zurückgegriffen haben – oder das Ereignis ist ihm mündlich überliefert worden.

Die Angaben in Beowulf zu Hygelacs Tod wurden also durch angesehene historische Quellen bestätigt. Das hatte weitreichende Folgen: Beowulf -Forscher folgerten, dass die Dichtung nicht nur auf phantastische Abenteuer basierte, sondern auch auf historische Fakten. Neben dem Feldzug des Hygelac könnten somit andere Ereignisse in Beowulf ebenfalls stattgefunden haben und manche Protagonisten tatsächlich gelebt haben. Darum wurde das Epos von manchen Forschern als historisches Dokument angesehen und dementsprechend behandelt. Beispielsweise haben die Angaben des Gregor von Tours, dass Hygelac ein Däne gewesen sei, Chambers vermuten lassen, der Franke wäre falsch informiert gewesen und nicht der Beowulf -Dichter.[13] Auch wenn Gregor von Tours als seriöser Historiograph nahezu ein Zeitgenosse des Hygelac war,[14] sollte man diese Möglichkeit nicht völlig ausschließen. Der Geschichtsschreiber könnte die Stammnamen nicht mit völlig Korrektheit wiedergegeben haben und mehrere Stämme unter dem bekannten mächtigen Volk der Dänen zusammengefasst haben – im Mittelalter durchaus kein ungewöhnlicher Vorgang.[15]

2.1. Die Dänen und Schweden

Wie oben erwähnt, treten die Scyldingas als dänische Herrscherfamilie in Beowulf von Anfang an in Erscheinung. Zu den Angaben des Dichters über die Scyldingas können keine Geschichtswerke zum Vergleich herangezogen werden, doch sind skandinavische Prosatexte und Dichtungen erhalten, die von diesen Herrschern handeln.

There are no reliable historical documents from this period, but a variety of medieval Scandinavian sources in prose and poetry discuss Kings Scyld, Healfdene, and Hrothgar as well as the younger generation of Danes whom Beowulf meets in Heorot […].[16]

Unter diesen nordischen Werken sind die bedeutendsten die Skjoldungasaga, die in einer Abschrift aus dem 16. Jh. erhalten und vermutlich ursprünglich im 12. Jahrhundert entstanden ist, die Hrólfs saga kraka aus dem 14. Jahrhundert und die Gesta Danorum des Saxo Grammaticus aus dem frühen 13. Jahrhundert.[17] Diese Quellen zeigen, dass die Namen der dänischen Herrscher mit denen der Dichtung korrespondieren und die Protagonisten in ähnlichen Beziehungen zueinander stehen wie ihre Gegenstücke in Beowulf. Doch ein Vergleich offenbart trotzdem entscheidende Unterschiede in der Charakterisierung der Dänen.

In Beowulf wird die Darstellung der Scyldingas von Hroðgar dominiert, der das Ideal eines Königs verkörpert[18] - möglicherweise ein Anzeichen für das hohe Ansehen, das Hroðgar in der altenglischen Tradition genoss. In den späteren skandinavischen Texten wird dagegen Hroðgar alias Hróarr nur eine Nebenrolle zugestanden.[19] Herausragend sind hier Hroðgars jüngerer Bruder Halga, der in Beowulf nur einmal genannt wird,[20] und vor allem Halgas Sohn Hroþulf alias Hrólfr, der berühmteste der Skjoldungar in den nordischen Heldenlegenden.

Hrolfr Kraki, most famous among the kings of this line, was outstanding for many qualities: wisdom, power, wealth, courage, moderation, amazing generosity and his tall and thin stature.[21]

Dagegen wird Hroðgars Neffe in Beowulf nur zweimal am Rande erwähnt.[22] Unterschiede ergeben sich auch in der Darstellung anderer Familienmitglieder, etwa bei Heoroweard, einem weiteren Neffen Hroðgars, der in der Dichtung als hwæt ‘tapfer’[23] charakterisiert wird. In den nordischen Quellen wird Heoroweard alias Hjorvarðr als Schurke dargestellt, der für den Fall des Hrólfr verantwortlich ist.[24] Diese Differenzen werden auch durch einen Vergleich der Scylfingas, der schwedischen Herrscherfamilie in Beowulf, mit den Schweden der skandinavischen Quellen deutlich. So wird etwa der schwedische König Onela alias Áli in der Ynglinga saga als König von Norwegen geführt.[25]

Durch diese Beispiele wurde gezeigt, dass die Angaben in Beowulf zu den untersuchten skandinavischen Quellen teilweise beträchtlich abweichen. Die nordischen Texte stellen zwar Analogien wegen den Protagonisten und dem geschichtlichen Hintergrund dar, kommen aber als Quellen des Epos schon wegen ihrer späten Entstehungszeit nicht in Frage. Offensichtlich wurden die Aussagen in Beowulf zu den skandinavischen Herrscherdynastien auch nicht durch frühere Version dieser Tradition beeinflusst. Diese Auffassung wird durch die unterschiedlichen Eigennamen gestützt: laut Newton seien die Namen in Beowulf wohl ursprünglich englischen Ursprungs und stammen noch aus der Zeit vor den Wikingerinvasionen.[26]

Es haben sich also unterschiedliche Versionen der Geschichte dieser Herrscherdynastien– durch sagenhafte Elemente zusätzlich verklärt - in England und Skandinavien entwickelt. Die Übereinstimmungen dieser Traditionen deuten darauf hin, dass sie auf der Geschichte selbst basieren. Die dänischen und schwedischen Herrscher haben somit wohl tatsächlich gelebt. Auch archäologische Erkenntnisse könnten die Angaben in Beowulf bestätigen: beispielsweise stimmt der ungefähre Todeszeitpunkt des schwedischen Königs Ohthere mit archäologischen Datierungen seines vermutlichen Grabes überein.[27] Der Verfasser des Beowulf verwendete somit verschollene Quellen zu seinen Angaben über historische skandinavische Herrscher.

2.2. Die Geatas und Beowulf

Man kann alle wichtigen Charaktere in Beowulf auch in anderen literarischen Werken finden – außer Beowulf selbst und seinen Stamm der Geatas. Grundtvig war der erste, der den Chlochilaichus des Gregor von Tours als Hygelac des Beowulf identifizierte. Seit dieser Zeit reißen die Diskussionen, welcher Stamm die Geatas waren und wo sie gelebt haben nicht mehr ab, da dieses Volk nach Beowulfs Tod scheinbar zu existieren aufhörte. In der Dichtung wird nur prophezeit, das geatische Königreich werde nach dem Tod des Beowulf einen Niedergang erleben und von den Schweden überrannt werden.[28] Der Dichter erwähnt noch nicht einmal, wo sich die Heimat der Geatas befindet. Die einzige geographische Angabe ist, dass die Geatas mit den Schweden ofer sæ side ‘über das weite Meer hin’ [29] Krieg geführt hätten. Somit ist das größte Problem der historisch orientierten Beowulf -Forscher die Identifikation der Geatas und ihrer Heimat.

Früher wurden Gewöhnlicherweise zwei Stämme als Kandidaten für die Geatas vorgeschlagen, nämlich die Jüten und die Gauten oder Götar, ein Volksstamm, der im heutigen Südschweden beheimatet war.[30] Die Annahme, die Jüten wären die Geatas des Beowulf, geht vor allem auf einen Bericht Bedes zurück, der die Geatas scheinbar mit den Jüten gleichsetzt.[31] Auch die Ortsangabe ofer sæ side trifft auf die von den Schweden durch die Ostsee getrennt lebenden Jüten zu. Doch heute ist diese Theorie überholt. Es liegen nämlich gute Gründe vor, hinter den Geatas die Gauten zu vermuten.

Chambers setzt die Geatas mit den Gauten gleich, da diese phonologisch mit jenen identisch seien. Er verwirft die Möglichkeit, dass die Jüten als Geatas in Frage kommen, da sie kein großer, mächtiger Volksstamm gewesen wären. Das träfe nun wiederum auf die Götar zu, die von dem Stamm der Schweden durch die riesigen Seen Wener und Wetter weitgehend getrennt lebten. Somit passe die Ortsangabe ofer sæ side auch zu den Götar.[32] Wegen dieser und weiterer gewichtigen Argumente herrscht heute ein weitgehender Konsens, dass die Geatas identisch mit den Götar sind.[33]

Ein weiterer Streitpunkt der Forschung war, ob Beowulf selbst ein historischer oder fiktionaler Charakter ist.[34] Es gibt einige Hinweise darauf, dass es keinen historischen König Beowulf gab. Sein Name alliteriert nicht mit denen seiner Vorgänger - weder mit denen der geatischen Könige noch denen der Familie seines Vaters Ecgþeow, den Wægmundingas. Die unkonventionelle Namensgebung würde somit einen schwerwiegenden Bruch der nordischen Tradition voraussetzen.[35] Außerdem ist keine Quelle bekannt, die über einen gleichnamigen Herrscher berichtet. Das ist umso aufschlussreicher, da man anhand des historisch belegten Tod des Hygelac Beowulfs Lebenszeit annähernd bestimmen könnte. Demnach wäre der Geate ungefähr 495 n. Chr. geboren worden, König im Jahre 533 geworden und im letzten Drittel des 6.Jahrhunderts gestorben.[36] Darum kommt die heutige Forschung weitgehend überein, dass Beowulf selbst ein fiktiver Charakter war, der in eine historische Umgebung eingebettet wurde.[37]

Doch es gibt Forscher, die von dieser Sichtweise abweichen. Leake stellt die These auf, nicht nur Beowulf selbst sei ein fiktiver Charakter gewesen, sondern auch sein Volk.[38] Da es keine Quelle gäbe, welche die Existenz der Geatas beweist, müsse auch Beowulfs Stamm als fiktiv angesehen werden. Nach Leake sorgen die Dänen und Schweden für „[...] appearance of reality”[39]. Sie bildeten den historischen Hintergrund für eine fantastische Geschichte von fabelhaften Menschen, Beowulf und den Geatas. Leake hält die Bezeichnung des Stamms nämlich für eine anglisierte Form der getes der klassischen Mythologie, die den Zeitgenossen des Dichters als Vorfahren aller germanischer Stämme gegolten hätten.[40] Zudem hätte dieses Volk ihn auch zu Beowulfs Bäreneigenschaften und seiner übernatürlichen Kraft inspiriert.[41] Mit ihrer Theorie kann Leake auch den Sachverhalt erklären, wieso Hygelac in den historischen Quellen wie der Historia Francorum als Däne geführt wird. Er soll tatsächlich ursprünglich ein Däne gewesen sein, den der Beowulf -Dichter aufgrund des Einflusses des Liber Monstrorum, das Hygelac als Getae bezeichnet,[42] zu einem Geaten umformte.[43]

Doch Leakes Thesen bleiben wohl nur interessante Spekulation. So wirft ihr etwa Stanley vor, sie habe bei ihrer Untersuchung die unterschiedliche Länge des Stammvokals in Geatas und Getae nicht genügend berücksichtigt.[44] Indes kann man den Grundgedanken Leakes, dass die Geaten kein tatsächlicher Volksstamm gewesen wären, sondern ein mythisches Volk, nicht völlig von der Hand weisen. Die Existenz der Geatas kann nämlich nicht bewiesen werden.[45] Beowulf ist kein historisches Dokument, sondern in erster Linie ein literarisches Werk und deshalb müssen auch scheinbar historische Angaben mit Vorsicht bewertet werden. Der Dichter nutzte historische Ereignisse für seine Zwecke, indem er sie ausbaute oder ausschmückte, und entwirft so das Bild einer imaginären Gesellschaft und Kultur.

Beowulf creates its own history, chronology, and geography that are operative only within the confines of the poem and that cannot be related directly to anything outside it.[46]

Trotzdem wurde anhand von Parallelen in historischen und literarischen Texten deutlich, dass das Bild des Dichters von der skandinavischen Vergangenheit nicht nur auf seine Vorstellungskraft basierte, sondern teils auch auf historische Personen und Ereignisse. Die Quellen des Dichters sind aber heute nicht mehr lokalisierbar und bleiben voraussichtlich auch verschollen. Dem muss man hinzufügen, dass die Dichtung selbst trotz aller Vorbehalte gegenüber der historischen Genauigkeit die älteste schriftliche Quelle zu skandinavischen Personen und Stämmen darstellt. Insbesondere zum Verhältnis der Stämme untereinander sei Beowulf laut Klaeber als Quelle für die Forschung interessant.[47]

3. Die Grendelepisode in Beowulf

3.1. Analogien zu den christlichen Angaben in Beowulf

3.1.1. Christliche Elemente in Beowulf

Beowulf ist ein Gedicht, das in einer frühmittelalterlichen skandinavischen Welt handelt, in der das Christentum anscheinend noch keinen Einzug gehalten hat. Man erfährt nichts von Engeln, Heiligen, von Jesus Christus als dem Erlöser oder dem Kreuz als Symbol des Christentums.[48] Der generelle Eindruck, den Beowulf beim Leser hinterlässt, ist freilich das genaue Gegenteil. Trotz der oberflächlich heidnischen Umgebung ist es, als ob die vormals wilden Nordmänner bereits vom Christentum bekehrt wurden. Die Grundstimmung des Gedichts weist nämlich auf christliche Tugenden hin, wie Mitgefühl und Glaube an Gott.

Hroðgar, den Tolkien als „noble […] monotheist“[49] bezeichnete, kommt von allen Protagonisten dem Abbild eines frommen Christen am nächsten. Dennoch bleibt sein eigentlicher Glaube unklar. Er erwähnt keinen spezifischen Gott oder bestimmte Religion und es gibt keinen Hinweis darauf, dass er an ein ewiges Leben glaubt. Seine religiösen Ansichten seien somit laut Parker nicht eindeutig als christlich zu identifizieren.[50] Was für Hroðgar im Speziellen gilt, trifft natürlich auch auf andere Charaktere des Beowulf zu. Zwar wird ein Gott erwähnt und Ähnliches über ihn geäußert, aber dieser Monotheismus bezieht sich nicht mit völliger Sicherheit auf das Christentum.[51] Außerdem enthält Beowulf auch Hinweise auf heidnische Rituale der Dänen[52] und Beowulfs Wunsch nach Einäscherung ist ebenso wie Scylds Schiffbegräbnis als unchristlich anzusehen.[53]

Im Gegensatz zu den eher unspezifischen religiösen Äußerungen der Protagonisten enthält Beowulf auf der Erzählebene Anspielungen auf die Schöpfung[54], die Sintflut[55] und Kain, den Brudermörder.[56] Der einzige Hinweis auf die Schöpfung frumsceaft fira ‚Ursprung der Menschen’[57] in einem Vortrag eines Sängers klingt wie eine Zusammenfassung der ersten Passagen des Buches Genesis, in dem beschrieben wird, wie der Allmächtige den Himmel und die Erde geschaffen hat.[58] Dieses Lied ist jedoch recht allgemein gehalten und bezieht sich nicht klar auf die christliche Schöpfung.[59] So bleiben zumindest die Passagen zu Kain und der Sintflut, die man als Anleihen aus dem Alten Testament identifizieren kann. In Verbindung mit der milden, unheidnischen Grundstimmung haben Forscher gerade diese Passagen oft als Hinweis auf die Herkunft des Beowulf von einem christlichen Umkreis gewertet, da die christlichen Elemente in der Grundstruktur verankert und somit nicht mehr wegzudenken seien.

[…] the Christian Elements are almost without exception so deeply ingrained in the very fabric of the poem that they cannot be explained away as the work of a reviser or later interpolator.[60]

Es fällt jedoch auf, dass die religiösen Anhaltspunkte in Beowulf alle aus dem Alten Testament stammen; nach Andeutungen auf das Neue Testament sucht man vergeblich. Deswegen ist nicht klar, inwieweit man wirklich von Beowulf als einem christlichen Epos sprechen kann: ist ein christliches Epos ohne den Bezug zum Neuen Testament und Jesus Christus dem Erlöser eigentlich möglich? Obwohl die wesentlichen christlichen Elemente im Beowulf fehlen, war der Autor mit biblischer Terminologie vertraut und wird deshalb auch in Umgebung eines Klosters[61] oder eines christlichen Hofes vermutet.

3.1.2. Kains Erbe

Die beiden eindeutigen Anspielungen auf biblische Ereignisse hängen eng mit der Darstellung Grendels und seiner Mutter zusammen. Die Abstammung von Kain[62] erscheint nämlich als ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte der Monster. In einer Passage von Beowulf wird die Entstehung des Riesengeschlechts und allerlei sonstiger Ungeheuer erwähnt.

fīfelcynnes eard
wonsaeli wer weardode hwīle,
siþðan him Scyppend forscrifen hæfde
in Cāines cynne – þone cwealm gewræc
ēce Drihten, þæs þe hē Ābel slōg.
Ne gefeah hē þaere faehðe, ac hē hine feor forwræc,
Metod for þy māne mancynne fram.
Þanon untedras ealle onwōcon,
eotenas ond ylfe ond orcnēas,
swylce gīgantas, þā wið Gode wunnon
lange þrāge; hē him ðæs lēan forgeald.[63]

‘Das unselige Geschöpf [Grendel] bewohnte lange Zeit das Reich des Riesengeschlechts, seit ihn der Schöpfer in Kains Geschlecht verbannt hatte. Der hatte Abel erschlagen. Diesen Mord rächte der ewige Herrscher. Er konnte sich dieser Übeltat nicht erfreuen, denn (jen)er verbannte ihn wegen dieses Verbrechens weit weg von den Menschen. Daraus sind alle Ungeheure, Riesen [und] Alben und bösen Geister sowie Giganten hervorgegangen, die lange Zeit gegen Gott kämpften. Er gab ihnen ihren Lohn dafür.’

Die Geschichte, wie die biblischen Riesen durch die Sintflut zerstört wurden, ist wiederum auf dem Schwertgriff abgebildet, den Beowulf aus Grendels Höhle mitgenommen hat.

Hrōðgar maðelode, hylt scēawode,
ealde lāfe, on ðaem wæs ōr writen
fyrngewinnes, siðþan flod ofslōh,
gifen gēotende giganta cyn -
frēcne gefērdon; þæt wæs fremde þēod
ēcean Dryhtne; him þæs endelēan
þurh wæteres wylm Waldend sealde.[64]

‘Hrothgar sah den Schwertgriff, das alte Erbstück, auf dem der Ursprung eines lange zurückliegenden Streites (aus einer Zeit) eingeritzt war, als eine riesige Flut gleich dem Meer das Riesengeschlecht ausgerottet hatte. Sie erlitten Furchtbares. Dieses Geschlecht war dem Herrn feindlich (gesinnt). Am Ende schickte der Herr zur Vergeltung eine große Flut über sie.’

Grendel und seine Mutter bevölkern als Riesen aber auch nach der Sintflut noch die Erde. Jedoch scheinen sie nicht genau derselben Rasse der Riesen anzugehören, die in der Sintflut umgekommen sind. Der Dichter benutzt nämlich den lateinischen Begriff gigant nur für die biblischen Riesen und niemals für Grendel und seine Mutter.[65] Obwohl Grendels Gestalt in Beowulf recht vage beschrieben ist, erfährt man einige Eigenschaften, die Grendel zumindest riesenhafte Figur kennzeichnen. So ist Grendel ein anthropomorphes Ungeheuer, das wer ‚Mann’ genannt wird, obwohl es größer ist als jeder Mensch.[66] Grendel besitzt übermenschliche Kräfte, denn er vermag 30 Krieger auf einmal in seinem Beutel aus der königlichen Halle zu schleppen.[67] Zudem wird Grendel als Riese durch Begriffe wie eoten [68] oder þyrs [69] gekennzeichnet. Eine Erklärung, wieso Riesen die Sintflut überstanden haben könnten, findet sich in Texten von Kirchenvätern wie Cassian. Dieser gibt an, dass die Giganten und weitere Monster durch magische Inschriften des Ham nach der Sintflut wiederauferstehen konnten.[70] Interessant ist weiterhin, dass es zwischen Ham und dem biblischen Riesen Goliath eine genealogische Verbindung gab,[71] weshalb bisweilen auch der Kampf Davids gegen Goliath als Analogie zu Beowulf angeführt wird.[72]

Neben den Szenen in Beowulf, die unzweifelhaft auf Angaben in der Bibel zurückzuführen sind, basieren auch manche Charakterzüge und Eigenheiten Grendels auf alttestamentarischen Traditionen. Parallelen zum Schicksal Kains lassen sich etwa an der sozialen Situation Grendels erkennen. Kain wird in Genesis IV.16 als Ausgestoßener bezeichnet, der im Exil lebt. Diese Tradition spiegelt sich auch in christlichen altenglischen Texten wider, die Kains Schicksal darin sahen, „[…] that he should always be a wanderer and an exile in the same earth, and never dare to have a peaceful abode anywhere.“[73] In Beowulf ist Kain ebenfalls ein Ausgestoßener und Grendels Behausung wird in vielen Bezeichnungen genannt, denen allen gemein ist, dass sie von menschlichen Behausungen weit entfernt sind.[74] Grendel erweist sich als wahrer Erbe Kains, da er ein heorowearh hetelic ‘grauenhafter und friedloser Verdammter’[75] ist, der fern von der Menschheit in der Wildernis lebt. Ihm wird eine gewisse Rastlosigkeit zugeschrieben,[76] die nach einer frühchristlichen Tradition für die Gottlosen kennzeichnend war, welche dazu verdammt waren, auf Erden ruhelos umherzuwandern.[77]

Eine weitere Eigenschaft Grendels ist, dass er seine Opfer bei lebendigem Leibe verschlingt und ihr Blut trinkt.

[...] bāt bānlocan, blōd ēdrum dranc, synsnaedum swealh;[78]

‘[Grendel] zerbiß den Körper, trank das Blut aus den Adern und schlang in großen Bissen.’

Die detaillierte Beschreibung Grendels als bluttrinkender Kannibale[79] basiert ebenfalls auf seiner Herkunft von dem Brudermörder. Denn mittelalterlicher Überlieferung zufolge, war Kain der Urvater des Blutvergießens.[80] Aber noch bedeutender ist: die Nachkommen Kains gierten nach dem Blut der Menschen. Das einflussreiche apokryphische Buch Henoch [81], das besonders in Irland weit verbreitet und zudem in England wohl durchaus bekannt war,[82] gilt als mögliche Quelle zu Grendels Kannibalismus und seiner Herkunft. Dort erscheint Kain als Kannibale und Stammvater aller Giganten und Monster. Daneben gibt es eine Passage, in der das Entstehen der Riesen und ihr Durst nach Blut geschildert wird.

Sie [die Töchter der Menschen] aber wurden schwanger und gebaren grosse Riesen, deren Länge dreitausend Ellen war. Diese zehrten allen Erwerb der Menschen auf, bis die Menschen sie nicht mehr zu ernähren vermochten. Da wandten sich die Riesen gegen die Menschen selbst, um sie aufzufressen [...] und das Blut […] zu trinken.[83]

Einen weiteren Zusammenhang zum Buch Henoch kann man im Namen Grendel sehen. Von den achtzehn gefallenen Engeln, die sich mit sterblichen Frauen zusammentaten um die Riesen hervorzubringen, haben elf die Namensendung -êl.[84] Grendel wird damit möglicherweise schon durch seinen Namen als Abkömmling gefallener Engel gekennzeichnet. Auch Grendels Ambivalenz als physisch gewaltiger Riese und eher geisterhafter Wesen[85] könnte auf einen Einfluss des Buches hindeuten, da die Riesen dort ähnlich zweideutig evil spirits bezeichnet werden.[86]

Darüber hinaus weist Orchard auf die Bedeutung der irischen Reference Bible hin, die nachweislichen Einfluss auf einige altenglische Werke hatte.[87] Zwei Passagen in der Reference Bible behandeln Kain und seine Nachkommenschaft, wobei Ähnlichkeiten zu Beowulf durchaus vorhanden sind: die Reference Bible nennt Giganten und andere monströse Mischwesen als Nachkommen Kains und verbindet die Traditionen von Kain und Ham.[88] Ferner beschreibt die Reference Bible wie aufgrund der schwarzen Künste des Ham menschenfressende Wolfsmenschen erscheinen, deren Heim sich in einer unwirtlichen Gegend an einem See befindet.[89] Ein Einfluss der Reference Bible auf Beowulf sei jedoch laut Orchard noch nicht eingehend untersucht. Somit muss die Frage, ob die Reference Bible eine Quelle zur Dichtung darstellt, unbeantwortet bleiben.[90] Wegen den Parallelen des Beowulf zu Werken wie der Reference Bible, den sex aetas mundi und dem Buch Enoch wird es jedoch für gut möglich gehalten, dass die christlichen Quellen zu Beowulf aus dem Umfeld der frühchristlichen irischen Lernzentren stammen.[91]

Die Entscheidung des Dichters, Kain als symbolischen Vater aller Ungeheuer in Beowulf zu machen und Grendel bestimmte Eigenheiten zu verleihen, beruhte somit auf einer langen christlichen Tradition. Für einen zum christlichen Glauben konvertierten Angelsachsen war Kain zudem eine leicht verständliche Figur des Bösen, da Kain gesellschaftlich geächtete Verhaltensweisen verkörperte. Das Töten von Verwandten war nämlich - wie das Trinken von Blut - ein Akt des Frevels, ein „cultural evil“.[92]

3.1.3. Teufel und Hölle

Mit Grendels Abstammung wird in Beowulf eine Verbindung zu teuflischen Mächten angedeutet. Williams weist nämlich darauf hin, dass Kain im Mittelalter als der Sohn des Teufels im Sinne eines moralischen Erben gesehen und deshalb als Trope für Satan gebraucht worden wäre.[93] Wegen seines Ahnen wird folgerichtig auch Grendel in die Nähe des Teufels gerückt – wie auch andere Nachkommen Kains, so etwa die Drachen. Grendel wird als feond on helle ‘höllischer Feind’ eingeführt.[94] Er ist Godes andsaca ‘Gottes Widersacher’,[95] ein mancynnes feond ‘Feind der Menschen’[96], oder ein helle gast ‘Höllengeist’[97] Grendel und seine Mutter werden als deofla [98] bezeichnet. Darüber hinaus weist Risden darauf hin, dass das unheimliche Licht, das aus Grendels Augen zu scheinen scheint,[99] aus ihm auch eine Art Luzifer mache.[100] Zudem ist Grendel wie der „Fürst der Finsternis“ mit Dunkelheit verbunden, da er seine schrecklichen Angriffe auf Herodot scheinbar grundlos nur in der Nacht begeht.[101] Trotz all diesen Bezeichnungen und Merkmalen sollte man das Ungeheuer nicht mit dem Antichrist gleichsetzen. Im Unterschied zum Teufel ist Grendel nämlich nicht darauf aus, die Seelen der Menschen zu erlangen.[102]

Die Handlung des Beowulf wird durch das Wirken satanischer Mächte zwar nicht merklich beeinflusst, doch die Grundstimmung der Episode erfährt eine erhebliche Änderung. Obwohl Grendel und seine Mutter in erster Linie menschenfressende Monster sind, eine recht greifbare Bedrohung für die Menschen, sind sie ferner auch Teil eines “spiritual evil”.[103] Grendel wird nicht als gewöhnliches Monster aus einem skandinavischen Märchen dargestellt. Das unterscheidet die Dichtung von analogen Erzählungen wie der Legende von Grettir dem Starken, die später noch besprochen wird.

Wegen Grendels teuflischer Attribute wurde auch die nähere Umgebung seiner Behausung für die Forschung interessant, da man hier Hinweise auf höllische Merkmale erhoffte. Grendels mere ist anscheinend bodenlos und von brennendem Feuer bedeckt[104], was Niles an die brennenden Gewässer der Hölle erinnert.[105] Die Umgebung des Sees ist mit einer Passage des apokryphischen Werkes Visio S.Pauli verglichen worden, in welcher der heilige Paulus, von dem Erzengel Michael geführt, die Hölle erblickt. Gewisse Aspekte der Landschaft in Beowulf sind nicht in dieser Passage enthalten, aber in den Blickling Homilie s, einer Sammlung anonymer Predigten aus dem 10.Jahrhundert, die wohl auf der Visio S.Pauli basieren. Die siebzehnten Predigt[106] beschreibt eine Hölle, in der die Seelen verstorbener Sünder Wasserdämonen zum Opfer fallen.[107]

[…] he [der Hl. Paulus] saw a gray rock, and to the north were some frost-covered trees that had grown from the rock, and there were dark mists, and under the rock was the dwelling place of nicers and accursed creatures.[108]

Auch am Grendelsee gibt es graues Gestein[109] und mit Reif bedeckte Bäume.[110] Dunkle Schwaden steigen von diesem Ort zum Himmel hinauf[111] und Wasserungeheuer bevölkern diesen Ort.[112] Neben beträchtlichen Ähnlichkeiten in der Beschreibung beider Orte, ergeben sich zudem sprachliche Parallelen.[113]

Orchard kann nicht ausschließen, dass die Parallelen zwischen Beowulf und dem Blickling Homily XVII. auf eine unbekannte Variante der Visio S. Pauli zurückgehen. Jedoch handele es sich in Beowulf um ein modifiziertes, naturalisiertes setting.[114] Parker argumentiert ähnlich und verweist auf die Möglichkeit, dass eine Quelle für die Beschreibung in beiden Werken ein Märchen gewesen sein könnte, in dem ein Held – ähnlich wie in Grettissaga - gegen einen Wasserfall-Troll kämpft.[115] Man kann also festhalten, dass das mere in Ausdrücken beschrieben wird, die besonders gut zu einem damaligen Bild der christlichen Hölle passen. Doch sollte man deshalb nicht der Versuchung erliegen, Grendels mere mit dem Eingang zur Hölle gleichzusetzen. Letztendlich handelt es sich nur um die Beschreibung einer skandinavischen Landschaft mit Felsen, frostbehangenen Bäumen und Nebelschwaden. Die Wassermonster sind keine Dämonen, die nach den Seelen Verstorbener gieren und Beowulf taucht auch nicht in die Hölle hinab, sondern in eine gewöhnliche Höhle.[116] Deshalb liegen diejenigen Forscher falsch, die in Beowulfs Abtauchen in die Behausung der Ungeheuer Parallelen mit Christus’ Abstieg in die Hölle gesehen haben, wie er etwa in Gospel of Nicodemus beschrieben wird. Erstens ist das mere keine Allegorie der Hölle und zweitens Beowulf kein symbolischer Heiland. Der Geate hat zwar manches mit Christus gemein– unter anderem gibt er sein Leben für sein Volk hin -, ist aber hauptsächlich ein weltlicher Krieger, der sich noch nicht einmal bewusst ist, dass er es mit teuflischen Kräften zu tun hat.[117]

Es wurde deutlich, dass die Kenntnisse des Beowulf -Dichters über reines Bibelwissen hinausgingen. Der Dichter hatte wahrscheinlich Zugang zu einer großen Bandbreite religiöser Texte. Welche Texte dies sind, ist nicht mehr rekonstruierbar, doch könnte etwa das Buch Henoch den Dichter zu seiner Konzeption des Monsters Grendel inspiriert haben. Religiöses bildet aber nicht das Zentrum des säkularen Epos, sondern dient durchweg nur als Ergänzung der Grendelepisode. Deshalb wurden bisher nur Texte angeführt, die zwar Parallelen zu Beowulf zeigen, aber für die Handlung der Grendelepisode nicht von Bedeutung sind. Im nachfolgenden Abschnitt werden nun Erzählungen untersucht, die als Analogien zur Grundstruktur der Grendelepisode diskutiert wurden.

3.2. Nordische Analogien

3.2.1. Das Bärensohn-Märchen und nordische sagas

Tatsächlich begann die Beowulf -Quellenforschung, weil skandinavische Forscher Ähnlichkeiten zwischen dem Epos und einigen skandinavischen Sagen festgestellt hatten. Die Tatsache, dass Beowulf in eine skandinavische Umgebung eingebunden ist, hat manche vermuten lassen, die Dichtung sei eine Übersetzung eines skandinavischen Textes.

The peculiarity that Beowulf is an English poem about the fortunes of Scandinavians in Scandinavia engaged the interest of Scandinavian scholars at an early date and, not unnaturally, prompted the idea that Beowulf was a translation from a lost Scandinavian original.[118]

Heute ist diese Theorie jedoch widerlegt. Beowulf enthält keine skandinavischen Lehnwörter und zeigt eine gemäßigte monotheistische Grundstimmung. Skandinavien war jedoch im möglichen Entstehungszeitraum des Epos noch komplett heidnisches Gebiet. Es ist somit ausgeschlossen, dass Beowulf eine Übersetzung ist. Dem ungeachtet ist zumindest eine skandinavische Quelle des Beowulf wahrscheinlich, da Vieles darauf hindeutet, dass der Verfasser skandinavische Varianten der beiden Hauptepisoden kannte.[119]

Insbesondere für Beowulfs Kampf mit Grendel und seiner Mutter wurden nordische Analogien vermutet, mit deren Hilfe man auf die Quelle des Beowulf schließen könnte.[120] Die Beowulf -Quellenforscher wurden so auf skandinavische Märchen aufmerksam, die oral von Generation zu Generation weitergegeben wurden und erst ab dem 18/19. Jahrhundert aufgezeichnet wurden. Panzer untersuchte als erster den Zusammenhang zwischen Beowulf und über 200 dieser Märchen und folgerte, die Grendelepisode in Beowulf sei eine Variation des Bärensohn-Märchens, wie er einen bestimmten Typ Märchen nannte.

Eine brauchbare neue Erklärung der Beowulfsage aber ist gefunden: es kann wohl keinem, der den ersten Teil dieses Buches gelesen, zweifelhaft sein, daß in dieser Sage nichts anderes als das Bärensohnmärchens uns vorliegt.[121]

In der heutigen Zeit ist der Bärensohn [122] auch unter dem Namen The Three Stolen Princesses oder als Märchentyp AT301 bekannt.[123] Obwohl das Märchen in einigen wichtigen Punkten nicht mit Beowulf übereinstimmt, ist es für die Quellenforschung von großer Bedeutung. Hauptsächlich die Frage, ob es der Quelle des Beowulf ähnelt, hat die Forschung bewegt. Beispielsweise untersuchte Chambers Ungereimtheiten in Beowulf, die schwierig zu erklären sind oder dem Leser sogar absurd erscheinen. Durch diese Widersprüche könne man auf den Ursprung der beiden Erzählungen schließen.[124]

Ein Beispiel hierfür wäre, dass Beowulf mit der Absicht in das Wasser hinabtaucht, Grendels Mutter zu töten. Als sich das Wasser später von Blut rot färbt, nehmen Beowulfs Begleiter an, es wäre das Blut ihres Anführers und verlassen den Ort des Geschehens.[125] Weshalb kamen sie zu dieser Schlussfolgerung, da das Blut doch ebenso gut von Grendels Mutter hätte stammen können? Diese seltsame Mutmaßung könne laut Chambers nun aber durch den Einfluss der ursprünglichen Erzählung auf Beowulf erklärt werden: so hätte der Beowulf -Dichter von einem ursprünglichen Verrat der Gefährten an dem Helden ausgehen müssen. In seinem Gedicht wollte er die Gefährten Beowulfs aber sicherlich nicht als Verräter darstellen.[126] Deshalb hätte er das blutgefärbte Wasser als eine Art Begründung ersonnen, damit Beowulfs Gefährten den Teich verlassen konnten.[127]

Neben verwirrenden Elementen in Beowulf als mögliches Echo einer ursprünglichen Version des Märchens, gibt es auch andere Zusammenhänge: der Held gilt – wie Beowulf– in seiner Jugend als schwierig und faul[128]. Außerdem wurde er entweder von einem Bären aufgezogen oder hat zumindest einige Bäreneigenschaften. Beowulfs Name wird parallel dazu als kenning für „Bienenwolf“ d.h. „Bär“ interpretiert.[129] Beowulfs bärengleiche Kraft[130] oder die Eigenart, seine Gegner in einer bärenartigen Umklammerung festzuhalten[131] stützen diese Deutung des Namens.

Allerdings sind viele Parallelen, die Panzer zwischen dem Beowulf und der Bärensohn -Erzählung fand, nicht sehr aussagekräftig. So weißt Fjalldal darauf hin, dass Motive wie des in der Jugend faulen und schwierigen Helden recht häufig in mittelalterlicher Literatur vorkämen.[132] Insbesondere wenn man wie Benson Beowulf nicht als kenning für „Bär“ akzeptieren würde,[133] schwänden die Gemeinsamkeiten zwischen Beowulf und dem Bärensohn. Zudem war Panzers Untersuchung zu universell gehalten. Er fand die oben genannten Motive nicht in einem, sondern in mehreren Märchen, von denen aber keines in allen Motiven mit Beowulf oder den mit der Dichtung in Verbindung gebrachten sagas übereinstimmt.[134] Zudem weicht das Märchen in manchen inhaltlichen Punkten sogar wesentlich von Beowulf ab. In vielen Versionen befreit der Held Prinzessinnen aus der Unterwelt und vermählt sich daraufhin mit einer der Prinzessinnen – deshalb auch die heute übliche Bezeichnung The Three Stolen Princesses für das Bärensohn-Märchen. [135] Von diesen Dingen ist in Beowulf keine Rede, weshalb Chambers die Dichtung nicht als Version des Märchens sieht. Stattdessen vertritt er die plausibel klingende These, dass irgendein

[...] story-teller took, from folk-tale, those elements which suited his purpose, and that a tale, containing many leading features found in the ‘Bear’s Son’ story, but omitting many of the leading motives of that story, came to be told of Beowulf […][136]

Obwohl die Grendelepisode zum Teil von einem Märchen stammen könnte, macht das Beowulf deshalb noch lange nicht zu einem Märchen.[137] In einer jüngeren Arbeit bekräftigt Stitt die Anschauung, dass die Grendelepisode und das Märchen miteinander verbunden sind. Es wäre jedoch eine zu sehr vereinfachte Sichtweise, die Grendelepisode als Version eines Märchens anzusehen. Die Wurzeln der Grendelepisode sowie des Märchens und vieler mittelalterlicher sagas lägen vielmehr in einer alten indogermanischen Drachentöter-Tradition.[138] Diese hätte in Skandinavien spezielle Form angenommen, woraus sich zwei literarische Genres entwickelt hätten, die Two-Troll -Tradition und die Gravemound Battle -Tradition, sowie eine orale Märchen-Tradition. Die beiden literarischen Zweige und die mündliche Überlieferung hätten sich bis in die heutige Zeit hinein gegenseitig beeinflusst.[139]

Tatsächlich wurden seit Panzers Zeit immer mehr mittelalterliche Texte entdeckt, welche die These stützen, dass die Grendelepisode eine Version einer skandinavischen Tradition ist.[140] Die skandinavischen Legenden haben gegenüber den Volksmärchen einen großen Vorteil: sie lagen schon im Mittelalter in schriftlicher Form vor und bergen deshalb weniger Gefahr der Verfälschung. Besonders die Texte der sogenannten Two-Troll Tradition scheinen vielversprechende Parallelen zur Grendelepisode zu bieten.

In particular, the so-called “two troll“ motif seems to provide the closest comparisons to the first two monster-fights in Beowulf.[141]

Bei der Suche nach analogen Texten konzentriert sich die Forschung deshalb auf die sogenannten fornaldarsogur s, in denen die Two-Troll -Tradition recht häufig auftritt.[142] Freilich waren Trolle in der skandinavischen Literatur weit verbreitet. Es scheint aber fraglich, ob sie durch englische Folklore übernommen wurden. Der Beowulf -Dichter sah Grendel und seine Mutter deshalb wohl nicht als Trolle. Doch wenn man Grendels Eigenheiten genauer betrachtet, wird man zwei charakteristische Trollmerkmale erkennen: Grendel kann nicht durch Waffen verletzt werden und er scheint das Tageslicht zu scheinen.[143] „From the northern trolls to Grendel is a short step“[144] schreibt Niles, doch trotzdem bleibt eine nicht zu unterschätzende Kluft zwischen der Darstellung des teuflischen Grendel und gewöhnlichen Trollen.

3.2.2. Die Grettis saga

Einen besonderen Stellenwert unter den nordischen saga- Analogien nimmt die Grettis saga ein, deren Ähnlichkeit zu Beowulf Guðbrandur Vigfússon im Jahre 1873 auffiel.[145] Diese isländische Legende aus dem 12. Jahrhundert handelt von dem historisch belegten Gesetzlosen Grettir Asmundarson. Es ist bekannt, dass der Autor der Grettis saga auf eine große Anzahl von Quellen zurückgriff, etwa auf eine heute nicht mehr erhaltene Biographie von Grettir.[146] In der Grettis saga vermischen sich nun einige historische Elemente mit fiktiven fantastischen Elementen, wie sie teils schon im Bärensohn vorzufinden waren.

Vor allem die Sandhaugar-Episode[147] der Grettis saga hat das Interesse der Forscher erregt, stimmt sie doch über eine generelle Ähnlichkeit zur Grendelepisode hinaus auch in einigen Details mit ihr überein.[148] Zu diesen Details gehört der abgeschlagene Arm des Trollweibes [149] oder auch die falsche Schlussfolgerung des Gehilfen Grettirs, des Priesters Stein, der Held sei tot, als sich das Wasser blutrot färbt.[150] Ferner ähnelt die Unterkunft der Monster in der Grettis saga Grendels Behausung, was unter den Forschern zu einer Diskussion über Landschaftsmerkmale geführt hat. So wertet etwa Chambers die detailgetreuere Beschreibung in der Grettis saga als Anzeichen dafür, dass die Sage unabhängig von Beowulf entstanden ist.[151] Speziell die gemeinsame Eigenart von Beowulf und Grettir als besonders gute Schwimmer[152] hat die Forscher aufhorchen lassen.

Grettir’s marvellous swimming ability, moreover, surely matches that of Beowulf himself, and may again suggest that this is an original characteristic of their common prototype.[153]

Auch Benson hält diese Fähigkeit für die einzige äußerst ungewöhnliche Eigenschaft der Protagonisten, während es Helden mit einer schwierigen Jugendzeit[154], heldenhaften Abenteuern und einem tragischen Tod Dutzende gäbe.[155] Seit Bensons Artikel wurden aber eine ganze Reihe von fornaldarsogurs entdeckt, in denen Parallelen zu Beowulfs Schwimmkönnen festgestellt werden können.[156]

Jedoch waren es nicht inhaltliche Ähnlichkeiten, sondern eine sprachliche Parallele, welche Vígfússon von einer Verbindung der Grettis saga zu Beowulf überzeugte[157]: die Waffe, die der Riese in gegen Grettir führt, ist ein heptisax ‘Schaftschwert’[158], die Waffe die Beowulf gegen Grendels Mutter einsetzt, das Schwert Hrunting, wird als hæftmece ‘Schaftschwert’[159] beschrieben. In der Literatur ist nirgends sonst eine entsprechende Bezeichnung für eine solche Waffe vorzufinden, so dass die Erzählungen laut Vígfússon zusammenhängen müssten. Gerade diese Parallele ist harscher Kritik ausgesetzt. So argumentiert Fjalldal, die heptisax wäre eine von der hæftmece völlig verschiedene Waffe.[160] Außerdem räumt er ein, dass […] heaft and hepti are cognate prefixes, but taken as a whole the two words are not otherwise related.”[161]

Trotz mancher Einwände gibt es große Gemeinsamkeiten zwischen der Legende von Grettir dem Starken und Beowulf. Inwiefern diese Erzählungen miteinander verbunden sind, ist bis heute aber nicht geklärt. Viele Forscher vermuten eine gemeinsame Quelle, die aus dem skandinavischen Raum stammen soll.[162] Benson versuchte diese zu rekonstruieren, indem er übereinstimmende Inhalte beider Erzählungen zusammenfasste und somit einen Kern an Motiven erhielt, auf denen die Grendelepisode aufgebaut sei.[163] Die jüngere Quellenforschung hält es auch für möglich, dass die Grettis saga und weitere isländischen s agas von Beowulf beeinflusst wurden. Nach Orchard könnte das Epos mit den ersten Siedlern nach Island gereist sein[164] und Scowcroft führt die detaillierten Übereinstimmungen auf einen direkten Einfluss der Dichtung auf die Sandhaugar-Episode zurück.[165] Wenn jedoch die Grettis saga auf Beowulf zurückginge, würde das nach Benson eine stattliche Anzahl von literarischen Werken voraussetzen, die bei der Übertragung vom frühmittelalterlichen England bis ins Island des 13. Jahrhunderts verloren gegangen wären.[166] Dem Beowulf -Dichter und dem Autor der Grettis saga lagen somit wahrscheinlich zwei ähnliche Erzählungen vor, die letztendlich gemeinsame Wurzeln hatten.[167]

Allerdings sehen Skeptiker wie Fjalldal keine Verbindung zwischen der Grettis saga und Beowulf. Die Sandhaugar-Episode basiere offensichtlich auf zeitgenössischen isländischen Quellen und somit seien Übereinstimmungen mit Beowulf und dem Bärensohn zufällig wegen des gemeinsamen Themas entstanden.[168] Dies wäre eine einfachere Erklärung, als eine old legend zu ersinnen, die über Jahrhunderte in verschiedenen Ländern oral weitergegeben wurde und schließlich Beowulf und die Grettis saga beeinflusste.[169]

[...] the two works are on the whole very different, separated by several centuries in time and composed in different countries in different languages.[170]

Jedoch kann auch Fjalldal in seinem Resümee die Möglichkeit einer gemeinsamen Quelle nicht völlig ausschließen; diese könne aber heute nicht mehr rekonstruiert werden.[171]

3.2.3. Die Legende von Boðvar Bjarki

Eine weitere skandinavische Erzählung, die Ähnlichkeiten mit Beowulf aufweist, liegt in Passagen der Sagen um Hrólfr Kraki vor. Die Handlung dieser Analogie aus der Hrólfs saga kraka lässt sich folgendermaßen umreißen: ein gewisser Boðvar Bjarki kommt aus Südschweden, das – wie oben erwähnt - vermutlich Geatland entspricht, an den dänischen Hof Leire, wo er ein geflügeltes Monster[172] tötet, das die königliche Halle bedroht.[173]

Diese Erzählung wurde öfter als der einzige Hinweis auf vorgehende Geschichten in Skandinavien über den Protagonisten Beowulf gesehen. Oberflächlich betrachtet, ist der Handlungsstrang nahezu mit Beowulf identisch – die Herkunft des Helden, der dänische Hof als Schauplatz, das Ungeheuer, welches die königliche Halle bedroht.[174] Selbst der Name des Helden zeigt eine Verbindung zu Beowulf. Obwohl „Bjarki“ etymologisch nicht mit „Beowulf“ zusammenhängt[175], wird dieser Name doch analog zu „Beowulf“ mit „Bärchen“ gedeutet.[176] Einige Forscher hielten es deshalb für möglich, dass ebendieser Bjarki mit der literarischen Figur Beowulf identisch ist.[177] Jedoch weist etwa Benson darauf hin, dass man dem Namen „Bärchen“ oder „kleiner Bär“ keine allzu große Bedeutung zuweisen sollte, da Männer mit Namen, die sich auf Bären beziehen, in nordischen Sagas recht häufig vorkämen.[178] Auch Stitt sieht keine unmittelbare Verbindung des Namens Bjarki zu Beowulf und dem Bärensohn-Märchen, da frühgermanische Kämpfer oft als Berserker ‘were-bear’[179] auftraten. Das Bild des starken Helden als Bärensohn scheine ursprünglich aus einer sehr alten mythisch-heroischen Konzeption zu stammen.[180] Doch wurde gerade wegen dem Bärennamenmotiv angenommen, dass Beowulf und die Geschichten um Bjarki auf einer Erzählung beruhen, die dem Bärensohn-Märchen nahestehen.[181] Bjarki ist nun mit Sicherheit nicht Beowulf, obwohl er ihm in manchen Belangen ähnelt. Jedoch muss man die Frage aufwerfen, ob nicht ein Prototyp des Bjarki zu der Entstehung des Beowulf beigetragen hat.[182]

Eine große Schwierigkeit bei der Bewertung der Abenteuer Bjarkis ist die Tatsache, dass nur die spätere saga aus dem 15. Jahrhundert Beowulf ähnelt; eine ältere Version in der Gesta Danorum des Saxo Grammaticus hat kaum etwas mit dem Epos gemein,[183] oder wie Scowcroft es elegant formulierte: “the Bjarki tradition actually grows more similar to Beowulf as time goes on.”[184] Allerdings enthält Saxos Erzählung viele Ungereimtheiten, die laut Chambers nur durch ergänzende Angaben aus der Saga einen Sinn ergäben. Deshalb müsse man nicht unbedingt der älteren Geschichte den Vorzug geben.[185] Trotzdem sind die Unterschiede der frühesten Version der Abenteuer Bjarkis zu Beowulf erheblich. Bjarki ist keinesfalls ein Fremder, der aus Gautland kommt, sondern von Anfang an einer von Hrolfrs Männern. Er muss nicht gegen ein Ungeheuer kämpfen, sondern erlegt einen gewöhnlichen Bären im Wald, der keine Gefahr für die königliche Halle darstellt.[186] Auch in der späteren Bjarkarímur muss Bjarki gegen Tiere antreten - einen Wolf und einen Bären - von denen keines die königliche Halle bedroht. Zwar wurden diese Tiere von manchen Forschern als Parallele zum Monsterpärchen in Beowulf angeführt,[187] doch täte man Grendel und seiner Mutter wohl Unrecht, wenn man ihr monströses Wesen mit dem gewöhnlicher Bären und Wölfe vergleichen würde. Außerdem ergeben sich große Unterschiede der Hrólfs saga kraka zu Beowulf in Stil und Schwerpunktlegung. Beispielsweise erschlägt Bjarkis feiger Gefährte Hjalti das vom Helden bereits erlegte, präparierte Ungeheuer ein zweites Mal, um König Hrolfr seinen Mut zu demonstrieren.[188] Diese groteske Tat ist in Beowulf beispiellos und macht die Erzählung geradezu zu einer Parodie eines Heldenabenteuers. Darüber hinaus drehen sich Bjarkis Abenteuer hauptsächlich um die Freundschaft zu seinem feigen Gefährten und erscheinen nur als eine Passage innerhalb der Beschreibung des heroischen Zeitalters unter König Hrólfr, dem idealen König.

[…] the Beowulf-like details of even the latest versions are not essential to the central plot of Bjarki’s career, which through all of its versions remains basically the story of his friendship with Hjalti ans his lifelong service with Hrolf.[189]

Deshalb hält Benson die Erzählung von Boðvar Bjarki nur für ein Paradebeispiel für eine in die Irre führende Analogie zum Beowulf- Epos. Die Saga -Version von Bjarkis Taten sei eine Vermischung der früheren Original-Version mit den Abenteuern des Dänen Siward, der im 11. Jahrhundert in der Region Nordumbriens lebte. Dieser stammt von einem Bären ab, kommt von fern in ein fremdes Land und erschlägt dort einen Drachen, welcher die Gegend unsicher macht. Einzeln betrachtet hätten nun weder Bjarkis ursprüngliche Taten noch die Erzählung von Siward Bedeutsames mit Beowulf gemeinsam.[190]

3.3. Irische Analogien

3.3.1. Irische Motive in Beowulf

Analogien zu Beowulf wurden nicht nur in skandinavischen Märchen und sagas vermutet: seit dem Jahre 1908, als Max Deutschbein auf die bedeutenden kulturellen Verbindungen zwischen Irland und dem angelsächsischen England hinwies, wurde auch eine mögliche keltische Quelle des Beowulf für möglich gehalten. Einer der bedeutendsten Verfechter eines keltischen Einflusses auf das Epos ist Martin Puhvel, der keltisch-irische Motive in Beowulf vermutete. Als Beispiele für diese Motive nennt er etwa typisch irische Kampfesraserei,[191] das seltsame Licht-Phänomen in Grendels Behausung[192] oder Beowulfs ungewöhnliche Eigenart, Gegner mit seinen Armen zu umgreifen und mit unglaublicher Kraft zu zerquetschen.[193]

Auch die überraschende Stärke von Grendels Mutter sei laut Puhvel auf ein irisches Motiv zurückzuführen. Tatsächlich drängt sich dem Leser zwangsweise die Frage auf, wieso es Beowulf nur mit göttlicher Hilfe gelingt, Grendels Mutter zu töten.[194] Er besiegte ihren Sohn Grendel doch mehr oder weniger „im Handumdrehen“,[195] wobei sich zeigte, dass das Ungeheuer keine reelle Chance im diesem fairen, waffenlosen Kampf gehabt hatte. Grendel wiederum hatte sich zuvor als zu mächtiger Gegner für die Dänen erwiesen, da er in einer Nacht dreißig von ihnen tötete und verschleppte.[196] Es zeigt sich hier also ein großer Widerspruch in der Kampfeskraft der Mutter: einerseits flieht sie aus der Halle, mit einer Übermacht von Männern konfrontiert, die ihr Sohn genüsslich verspeist hätte, andererseits zeigt sie sich im Kampf mit dem bewaffneten Beowulf überlegen, der ihren Sohn zuvor mit Leichtigkeit tödlich verwundete.

Die anfängliche Unterlegenheit der Mutter Grendels stellt nun kaum eine Überraschung dar und kann auf vielerlei Arten erklärt werden, so etwa als Anspielung auf die körperliche Unterlegenheit des weiblichen Geschlechts oder als retardierendes Element.[197] Dagegen ist sind es „[...] Grendel’s Mother’s dangerous powers in Beowulf’s struggle with her that are surprising to the modern reader, especially after the earlier episode.”[198] Einige Forscher haben diese überraschenden Kräfte mit einer Art Sympathie des Dichters mit der Mutter des Riesen begründet, da sie schließlich nur ihren Sohn rächen wolle und einen Eindringling bekämpfe.[199] Puhvel erklärt, der harte Kampf könne ein Mittel der Spannungssteigerung sein, erwähnt aber zugleich, dass die Kraft der Mutter Grendels wahrscheinlich auf eine ursprüngliche Erzählung zurückzuführen sei, die von übernatürlichen weiblichen Wesen mit riesigen Kräften handelt. Dieses Motiv sei nun nirgendwo innerhalb des Korpus der germanischen Überlieferung und Literatur feststellbar, stattdessen erscheine der mächtige weibliche Dämon, im Kampf gefährlicher als seine Söhne, wiederholt in keltischer Folklore.[200]

Um seine Behauptung zu belegen, gibt Puhvel mehrere Beispiele, darunter ein irisches Märchen, in dem Finn, ein irischer Volksheld, und seine Mannen von einem gewissen Fear Dubh gefangen genommen werden. Darauf eilt Fialan, der Sohn Finns, zur Hilfe und tötet Fear, seine Brüder und ihre ganze Armee. Schließlich erscheint Fears Mutter, die folgendermaßen beschrieben wird:

She is more violent, more venomous, more to be dreaded, a greater warrior of her sons. The chief weapon she has are the nails of her finger; each nail is seven perches long, of the hardest steel on earth.[201]

In einer weiteren irischen Erzählung tötet ein Prinz im Kampf drei Riesen mit jeweils fünf Köpfen, kann aber ihre Mutter nicht alleine überwinden:

Wishing Gold [der Prinz] was doing no harm to the old hag, but the old hag was squeezing the heart out of him, until at last he was thinking: ‘It is here that my death would be.’[202]

Anzeichen für diese weibliche Überlegenheit im Kampf seien laut Puhvel in der keltischen Literatur keine Ausnahme, die Beispiele zeigten, dass es sich hier um ein „well-established motif“ handle „[…] which […] stands out as the likely influence or its source material, thus providing twentieth-century readers with a puzzle or paradox.”[203] Damit hat Puhvel zwar eine Erklärung für den Ursprung der unglaublichen Kraft von Grendels Mutter gefunden, kann aber nicht das daraus folgernde Rätsel des ersten „schwachen“ Auftritts zur vollsten Zufriedenheit lösen. Dieser sei vermutlich auf künstlerische Freiheit des Dichters zurückzuführen, die ihn veranlasste, von dem ursprünglichen Motiv abzuweichen oder neue Elemente einzuführen.[204] Zusammen genommen erscheinen die Parallelen der Motive recht beeindruckend. Dennoch muss man Niles zustimmen, der beanstandet, dass die Motive einzeln gesehen zusammenhangslos seien, da sie nicht allesamt in einem einzelnen Text aufträten.[205] Puhvels Analyse von irischen Motiven ist daher - ähnlich wie Panzers Untersuchung der Märchenmotive – zu universal und deshalb zu unspezifisch geraten. Übereinstimmungen zwischen Beowulf und den oben genannten irischen Motiven müssen somit nicht unbedingt auf eine keltische Quelle des Epos hindeuten.

3.3.2. The Hand and the Child

Jedoch wurden auch irische Märchen als Analogien zur Grendelepisode angeführt und als Hinweis auf den narrativen Ursprung des Beowulf in keltischer Folklore gesehen. Nach Puhvel seien die Ähnlichkeiten eines keltischen Märchens zu Beowulf wesentlich größer als in der Bärensohn -Erzählung:

The parallels to Beowulf exhibited in the tale of the BS [Bear’s Son] are on the whole far less striking than those inherent in the Celtic tale, generally called […] ‘The Hand and the Child’.[206]

Ein Beispiel hierfür wäre, dass im Bärensohn der Held und seine Gefährten in einem Gebäude im Wald übernachten und sich mit einem unerwarteten Angriff eines übernatürlichen Wesens konfrontiert sehen. Dagegen befindet sich der Held im The Hand and the Child auf der genau definierten Mission, einen königlichen Sitz zu verteidigen – ähnlich wie Beowulf.[207]

Die Haupthandlung von The Hand and the Child ist folgendermaßen: ein Monsterarm greift durch den Rauchabzug in die königlichen Halle hinunter, um Kinder zu entführen. Der Protagonist verhindert das, indem er den Monsterarm abreißt.[208] Den Einfluss von The Hand and the Child auf Beowulf könne man an vielerlei Anzeichen erkennen, vor allem an Beowulfs „[...] strange mode of combat, the monster’s helplessness in the face of it, and the resulting loss of an arm […]“[209] Das zentrale Motiv der Erzählung ist der abgerissene Arm des Monsters, der an den abgerissenen Arm Grendels erinnert. In Beowulf erscheint das Herunterreißen eines Arms eine etwas merkwürdige Kampftaktik; so hätte doch Beowulf auch wesentlich verwundbarere Körperteile angreifen können als einen Arm, etwa den Hals Grendels. Dieses seltsame Verhalten wertet Puhvel als ein Echo des ursprünglichen Motivs des Monsterarms, der durch den Rauchabzug in die Halle greift. Der Held des Märchens hatte nur den Arm als Angriffsfläche, also könne auch Beowulf nur den Arm Grendels ergreifen.[210] Ein weiterer Hinweis sei die relative Zurückhaltung Beowulfs im Kampf mit Grendel, der sich durch die Versuche, aus Beowulfs festen Griff freizukommen, nahezu selbst den Arm abreißt. In The Hand and the Child ist der Held nämlich mit der Aufgabe betreut, das Kind zu beschützen. Deshalb handle er passiv und nicht aggressiv – und Beowulf müsse ebenso handeln.[211] Darüber hinaus wertet Puhvel die auffallende Tatsache, dass Beowulf den verwundeten Grendel nicht verfolgt, als Motiv aus The Hand and the Child: hier befindet sich das Monster außerhalb des Gebäudes und kann deshalb auch nicht verfolgt werden.[212]

Eines der größten Rätsel in Beowulf stellt das Einschlafen von Beowulfs Gefährten in Heorot dar, während sie auf Grendel warten. Diese „lebensmüde“, fatalistische Einstellung hat die Forscher seit langem beschäftigt: wer würde denn in den Schlaf sinken, wenn er wüsste, dass ihn jeden Moment ein menschenfressendes Ungeheuer schlachten und verspeisen könnte? Auch diese Frage kann Puhvel durch den Einfluss von The Hand and the Child erklären. In dem Märchen werden die in der Halle wartenden Krieger nämlich durch einen Zauberspruch zum Einschlafen gebracht.[213] Ein zusätzliches Problem ist das Ausharren Beowulfs, als einer seiner Männer von Grendel niedergemacht wird. Chambers hat es als Echo der Bärensohn -Geschichte gedeutet. Hier bekommt der Protagonist als letzter die Aufgabe gestellt, nachdem seine Kameraden versagt haben. Beowulf dagegen ist mit der Absicht aus Geatland gekommen, um Heorot von Grendel zu befreien. Er könne deshalb nicht anderen den Auftrag überlassen. So würden laut Chambers Motive aus dem Märchen mit neu eingeführten Motiven vermischt: Beowulfs Gefährte versagt und Beowulf muss ihn versagen lassen, um selbst zum Zuge zu kommen.[214] Diese Erklärung ist Puhvel nicht einleuchtend. Er begründet Beowulfs Abwarten mit dem Märchenmotiv des Zauberspruchs oder eines Banns, der auf den Protagonisten ausgesprochen wurde. Dass nun Beowulf nicht eingeschlafen ist, erklärt er ähnlich wie Chambers. Es entspräche nicht seiner Heldenrolle unaufmerksam zu sein oder gar in den Schlaf zu fallen. Wegen dieser Vermischung der ursprünglichen mit neueingeführten Motiven bliebe Beowulf nichts anderes übrig, als sich passiv zu verhalten.[215] Das abwartende Verhalten während Grendels Attacke ließe sich laut Stitt aber auch durch skandinavische Traditionen erklären. Da der sleeping hero ein übliches Motiv der nordischen Tradition sei, müssten die Ursprünge nicht in Irland gesucht werden.[216]

Wegen der Gemeinsamkeiten glaubt Puhvel, in The Hand and the Child die bestmögliche Quelle für den Grendelkampf gefunden zu haben:

On balance, the Celtic folk-tale of ‚HC’ [The Hand and the Child] or a tale very closely related to it, appears to be the most plausible candidate for the role of skeletal source of- or chief inspiration for- the struggle against Grendel and his mother.[217]

Auch die neuere Untersuchung von Scowcroft hält The Hand and the Child für eine Quelle des Beowulf. Laut Scowcroft basiere die Dichtung auf einer schon im angelsächsischen England vorhandenen Beowulf- Tradition, deren Ursprünge wiederum doch in Skandinavien lägen. Zu dieser Tradition kam nun durch orale Übertragung das Erzählmuster von The Hand and the Child hinzu:

These texts [Beowulf und Grettis saga] share many motifs with the other Norse analogues but are distinguished from them by a narrative structure characteristic of the Hand and the Child, which probably came to the Beowulf tradition in England and to the saga, directly or indirectly, from the poem itself.[218]

Stitt erklärt, dass die Grendelepisode in Beowulf nur in Verbindung mit skandinavischen Traditionen erklärt werden kann. Offensichtlich gäbe es Verbindungen zwischen den irischen und skandinavischen Traditionen, aber die deren Ursprünge seien nicht eindeutig geklärt. Die irischen Analogien könnten schließlich nichts weiter sein, als eine keltische Form derselben indogermanischen Tradition, aus der sich die skandinavischen Texte entwickelt hätten.[219]

Forscher wie Puhvel oder Scowcroft haben aufgezeigt, dass nicht nur ein skandinavischer Einfluss auf Beowulf möglich ist, sondern auch einer durch keltische Märchen und Sagen. Aus Irland stammende geistliche Texte haben den Beowulf-Dichter sehr wahrscheinlich beeinflusst. Ist darum nicht auch ein irischer Ursprung des strukturellen Aufbaus der Grendelepisode denkbar?[220] Dennoch ist die Irish Origins -Theorie wohl keine Alternative zu möglichen nordischen Quellen, sondern eher als Ergänzung oder Erweiterung zu der Theorie eines skandinavischen Ursprungs des Beowulf anzusehen. Die nordischen Analogien wirken nämlich im Großen und Ganzen überzeugender als die irischen.

Although parallels and analogues have also been sought for Beowulf among a number of Celtic sources, not to mention those from still wider afield, in general these have seemed less convincing than those detected among Norse texts.[221]

So bleibt ein keltischer Ursprung der Dichtung „[...] an interesting speculation, but ultimately undemonstrable.“[222]

4. Analogien zum Drachenkampf

4.1.Der Drache in Beowulf

In der nordischen Heldendichtung ist die Tötung eines Drachen die größte aller Taten, weshalb das Drachenkampf-Motiv hier recht häufig vorkommt.[223] Deswegen gestaltet sich die Suche nach Quellen zu Beowulf schwierig. Klaeber spricht davon, es scheine müßig, überhaupt nach spezifischen Quellen zu suchen.[224] Allerdings wird dem Drachen meist nur eine Nebenrolle in der Heldendichtung zugestanden. Somit gäbe es laut Tolkien außer der Midgardschlange insgesamt nur zwei Drachen, die in der nordischen Literatur herausragen, und das wären Fáfnir aus der germanischen Volsung Legende und Beowulfs Drache selbst.[225] Allein die Länge des Drachenkampfes in Beowulf ist außergewöhnlich, da es sich offensichtlich um den längsten Bericht eines Drachenkampfes in mittelalterlicher und klassischer Literatur handelt.[226] Freilich umfasst die sogenannte Drachenepisode nur etwa ein Drittel des Epos und der eigentliche Kern des Drachenkampfes, das physische Ringen Beowulfs mit dem Drachen, macht wiederum nur einen Bruchteil der Drachenepisode aus. Im Grunde wäre es auch zu vereinfacht, von einem Drachenkampf in Beowulf zu sprechen: insgesamt werden nämlich drei verschiedene Drachenkämpfe beschrieben. Dabei handelt es sich um den Drachenkampf des greisen Beowulf und das Erlegen eines sædracan ‘Seedrachen’[227] durch den jungen Beowulf. Weiterhin werden noch die Taten des Völsungas Sigemund besungen, der mit dem legendären Fáfnir kämpft.[228]

Wie einleitend angesprochen, ist eine entscheidende Frage, ob die Grendelepisode und der Drachenkampf schon in einer ursprünglichen Quelle miteinander verbunden waren. Vieles spricht dagegen, so etwa der Gegensatz zwischen dem spezifischen Schauplatz Heorot mit seinem historischem König Hroðgar und dem namenlosen geatischen Hof mit dem fiktiven König Beowulf.[229] Auch die Opponenten des Beowulf unterscheiden sich voneinander: auf der einen Seite der namenlose Drache, der scheinbar aus dem Nichts erscheint[230], auf der anderen Seite der Riese Grendel und seine Mutter, die ihre Ahnenlinie bis hin zu Kain zurückverfolgen können. Zudem finden die Ereignisse der Drachenepisode fünfzig Jahre nach Beowulfs Abenteuern in Dänemark statt. Somit steht fest, dass die Grendelepisode und der Drachenkampf erst durch den Verfasser des Beowulf zu einer Geschichte zusammengefügt wurden. Jedenfalls wurde keine Analogie zu Beowulf aufgefunden, die zwei Monsterkämpfe in Dänemark und einen Drachenkampf in Geatland enthält.[231] Nach Rauer könnte sogar die Grendelepisode des Beowulf eine Quelle für den Aufbau des Drachenkampfes darstellen.[232]

Im Gegensatz zu Grendel wird der Drache in Beowulf niemals ein Gegner Gottes genannt oder mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Obwohl die teuflischen Attribute fehlen, wurde der Drache in der Vergangenheit immer wieder von Forschern als ein Repräsentant des Bösen gesehen, so etwa von Tolkien.[233] Diese Annahme beruht vor allem darauf, dass es mittelalterlichen Christen nicht schwergefallen sein dürfte, in dem Drachen das Prinzip des Bösen zu erkennen. Denn, wie Klaeber treffend bemerkt, „[…] the dragon was in ecclesiastical tradition the recognized symbol of the archfiend.“[234] Einen besonders aussagekräftigen Hinweis auf die Gleichsetzung des Drachen mit dem Bösen enthält die Offenbarung des Johannes: „Und es wurde hinausgeworfen, der große Drache, die alte Schlange die da heißt Teufel und Satan [...].“[235] Der Drache erscheint aber in der Bibel noch öfter als Symbol des Bösen. So wird etwa auch der Leviathan als feuerspeiender Drache beschrieben.[236] Zudem ist auch der Drache unterschwellig mit Kain verbunden - auch wenn das in Beowulf mit keinem Wort erwähnt wird. Als die berühmtesten der Abkömmlinge Kains galten noch vor den Riesen die Drachen.[237] Wenn man das Bibelwissen des Dichters berücksichtigt, ist es wahrscheinlich das er auch diese Tradition kannte. Trotzdem nannte er die Drachen in seinem Katalog der nachsintflutlichen Monster nicht. Geschah dies absichtlich, weil er den Drachen eben nicht mit dem Teufel verbinden wollte? Indem der Dichter des Beowulf dem Drachen – überraschenderweise - keine teuflischen Attribute verleiht, wollte er dem Drachen sicherlich keine Tiefergehende religiöse Bedeutung geben. Während Grendel das gesellschaftlich geächtete Böse verkörpert, handelt es sich beim Drachen mehr um eine Art Naturkatastrophe, die über die Geaten hereinbricht.[238]

In Beowulf wird der Drache entweder mit dem lateinischen Terminus draca bezeichnet[239] oder mit dem germanischen Wort wyrm. [240] Die unterschiedlichen Bezeichnungen für den Drachen könnten auf eine Vermischung lateinischer mit germanischen Elementen hindeuten. Überhaupt waren Drachen im Mittelalter nicht von vornherein genau definiert. Die heute gängige, relativ homogene Vorstellung eines Drachens gab es damals noch nicht; Drachen konnten somit äußerst verschiedene Formen und Eigenheiten annehmen.[241]

medieval texts dealing with dragons do not represent a monologic repetition of a single dragon motif so much as they depict a progression of individual, intertextually related dragons [...]“[242]

Deshalb wird es nötig sein, die Hauptcharakteristika des Beowulf -Drachen[243] zu nennen, bevor andere Drachenkämpfe als Analogien untersucht werden. Die äußere Gestalt des Drachen ist kaum beschrieben, so dass dem Leser viel seiner eigenen Fantasie überlassen ist. Trotzdem erfährt man bestimmte Charakteristiken des Drachen: es handelt sich um einen feuerspeienden Drachen, da er in Verbindung mit Hitze und Feuer beschrieben wird.[244] Der Drache kann fliegen[245] und bewacht einen Schatz; er ist ein hordweard ‘Schatzhüter’,[246] der erst zu seinen gewalttätigen Aktionen schreitet, als ihm sein Besitz gestohlen wird.[247] Außerdem ist der Drache nachtaktiv[248] und offenbar generell recht neugierig.[249] Die Länge des Drachen beträgt 50 Fuß.[250]

4.2. Die Volsunga saga

Wie oben bemerkt, sind in Beowulf mehrere Drachenkämpfe enthalten. Insbesondere Sigemunds Drachenkampf ist für die Quellenforschung zu Beowulf von Interesse. Dieser Kampf ist eindeutig eine Variante der Volsung Legende, die üblicherweise den Kampf des Helden Sigurðr gegen den Drachen Fáfnir widergibt.

Sigurd und Regin zogen nach der Gnitaheide und fanden da die Fährte Fafnirs, wo er zum Wasser kroch. Da machte Sigurd eine große Grube auf diesem Weg und stieg hinein. Als Fafnir von dem Golde kroch, da schnob er Gift; das trat von oben Sigurds Haupt. Aber als Fafnir über die Grube kroch, da stieß ihm Sigurd das Schwert ins Herz. Fafnir schüttelte sich und schlug mit Haupt und Schweif.[251]

Beowulf ist jedoch die einzige Quelle, die das Töten des Drachen Sigemund zuschreibt und nicht seinem Vater, dem wohl berühmtesten Drachentöter der Germanen.[252] Weiterhin fällt auf, dass Sigemund, im Gegensatz zu sonstigen nordischen Quellen die Tat alleine ohne einen Gefährten vollbracht hat.

[...] Sigemunde gesprong
æfter dēaðdæge dōm unlitel,
syþðan wīges heard wyrm ācwealde,
hordes hyrde; hē under hārne stān,
æþelinges bearn āna genēðde
frēcne dde, ne wæs him Fitela mid;
HwæÞre him gesaelde ðæt þæt swurd þurhwōd
Wrætlicne wyrm þæt hit on wealle ætstōd,
dryhtlic iren;[253]

‘Nach seinem Tod erwuchs Sigemund höchster Ruhm, da der Tapfere einen Drachen, den Hüter eines Schatzes, getötet hatte. Allein wagte der Abkömmling eines edlen Geschlechts diese kühne Tat unter dem grauen Felsen. Fitela war (dort) nicht bei ihm. Dennoch gelang es ihm mit dem Schwert den furchtbaren Drachen zu durchbohren, so daß die herrliche Waffe in der Felswand steckenblieb.’

Da die Volsung-Legende in Beowulf selbst vorliegt, muss diese dem Dichter bekannt gewesen sein. Die vielen Abweichungen zeigen, dass eine unbekannte Version der Volsung-Legende als Vorlage zur Beschreibung des Kampfes von Sigemund diente.

It is evident that in composing an earlier part of the poem, the Sigemund episode [...], the poet must have drawn on material from the Vọlsung legend, and that the poet either used a literary text now lost, or oral or iconographic versions, or must have developed his source considerably.[254]

Es wird auch oft von Beowulf- Forschern angenommen, dass diese verschollene Version der Volsung-Legende dem Dichter als Vorlage zu Beowulfs Kampf mit dem Drachen diente. Inwieweit diese Fassung der Legende den Kampf beeinflusste, ist nicht geklärt. Während also Sigemunds Kampf zu sonstigen erhaltenen Versionen der Volsung Legende beträchtlich abweicht, ergeben sich gewisse Ähnlichkeiten zwischen der Art und Weise des Kampfes zu Beowulfs Kampf als auch zwischen dem setting und zudem noch sprachliche Parallelen.

In other words, the setting and manner of Sigemund’s otherwise unattested dragon-fight is precisely that of Beowulf’s own, fought against a creature from a cave beside the sea. Other verbal parallels only underline the connection between the two episodes.[255]

Eine solche verbale Parallele ist beispielsweise, dass die Behausung beider Drachen mit under harne stan ‘unter dem grauen Felsen’[256] beschrieben wird. Außerdem werden sowohl Sigemund als auch Beowulf und sein Drache aglæca ‘Angreifer, Kämpfer’ genannt.[257]

Wegen der Parallelen stimmt die Forschung heute weitgehend überein, dass die verschollene Version der Volsunga saga die bedeutendste Quelle für den Drachenkampf des Beowulf darstellen würde. Weil ein Vergleich nicht möglich ist, muss diese These jedoch ungeprüft bleiben. Die bekannten Versionen der Sage scheiden schon deshalb als Quelle zu Beowulf aus, da sie alle erst nach dem Epos entstanden sind. Beowulf enthält somit die älteste Darstellung des Kampfes eines Volsungas mit Fáfnir.

Außerdem ergeben sich noch weitere inhaltliche Unterschiede der Volsung Legende im Vergleich mit Beowulfs Kampf. Fáfnir ist kein feuerspeiender Drache und hat auch keine Flügel. Der physische Kampf gegen Fáfnir gestaltet sich recht unspektakulär – im Unterschied zu dem Wortduell das daraufhin folgt und für das es in Beowulf kein Gegenstück gibt.[258] Zudem fällt auf, dass Beowulf dem Drachen offen entgegentritt.[259] Sigurd dagegen tötet Fáfnir aus dem Hinterhalt. Außerdem ist Beowulf bereits ein alter Mann, der am Ende seiner Karriere als Bezwinger von Ungeheuern steht und sein Leben im Kampf mit dem zerstörerischen Drachen lassen muss. Sigurd oder Sigemund sind freilich junge Kämpen, die ihren legendären Ruf etablieren, indem sie den Drachen töten und den Schatz gewinnen. Darum suchte die Forschung Parallelen zu dem tragischen Ende des Beowulf in anderen Drachenkämpfen.

4.3. Thors Kampf mit der Midgardschlange

Eine Analogie zu Beowulfs Drachenkampf bietet die nordische Mythologie: der germanische Gott Thor, als Bezwinger aller möglichen Ungeheuer wohl bekannt, kämpft zum Abschluss seiner Laufbahn gegen die Weltschlange Miðgarðsormr, um die Zerstörung der Welt zu verhindern und verliert dabei sein Leben.[260] Diese Erzählung ist unter anderem in der Edda von Snorri Sturluson aus dem 13. Jahrhundert erhalten.[261] Dabei bezieht sich die Edda wohl auf eine frühere Quelle, die ungefähr auf die Zeit des Beowulf -Manuskripts zurückgeht.[262] Bereits im Jahr 1820 hatte Grundvig auf Parallelen zwischen Beowulf und der Thorsage hingewiesen.[263] Die Forscher Olrik und Panzer teilten daraufhin frühmittelalterliche Drachenkämpfe in zwei Klassen ein und ordneten Beowulfs Kampf dem sogenannten Thortypus zu.[264] Im Unterschied zu seinem Gegenpart, dem sogenannten Sigurdtypus, bei dem der jugendliche Held einen Schatz von einem friedlichen Drachen zu gewinnen versucht, kämpft der Held beim Thortypus gegen einen zerstörerischen Drachen und stirbt im Kampf. Rauer weist jedoch darauf hin, dass es schwierig ist, überhaupt ein Beispiel für diesen Thortypus zu finden.[265]

Bei beiden Erzählungen handelt es sich also um einen Kampf ums Überleben. In Beowulf muss der Held reagieren, da der Drache das Weiterbestehen seines Reiches gefährdet. Analog dazu muss Thor die Weltschlange töten, um die Welt zu retten. Eine weitere Verbindung zwischen Thor und Beowulf könnte nach Orchard sein, dass auch Thor oft mit Bären assoziiert wird und Thor den Nahkampf ohne Waffen bevorzugt.[266] Allerdings ist die Assoziation mit Bären wie oben bemerkt in der nordischen Mythologie und Sagenwelt weit verbreitet und tatsächlich kämpft Beowulf gegen den Drachen durchaus mit einem Schwert. Jedoch ergeben sich in der Beschreibung der beiden Kämpfe Ähnlichkeiten in der Art und Weise wie Beowulf und Thor durch ihren Opponenten tödlich verwundet werden. Nachdem Thor die Weltschlange erschlagen hat, macht er eine Rückwärtsbewegung und stirbt an dem giftigen Biss, dem das Ungeheuer ihm zuvor zugefügt hat:

Thor will be the death of the Midgard-serpent, and will step nine paces away from it. Then he will fall dead to the ground because of the venom that the serpent spit at him.[267]

Beowulfs Erkenntnis, dass der Drache ihn mit seinem giftigen Biss tödlich verwundet hat, wird ähnlich beschrieben:

Ða sio wund ongon,
þe him se eorðdraca aer geworhte,
swelan ond swellan; hi þæt sōna onfand,
þæt him on brēostum bealonið[e] wēoll
attor on innan. Ða se æðeling gīong
þæt hē bī wealle wīshycgende
gesæt on sesse;[268]

‘Als die Wunde, die ihm der Drache beigebracht hatte, zu brennen und zu schwellen begann, spürte er bald, daß das Gift im Inneren seiner Brust einen tödlichen Kampf entfacht hatte. Als der edle Weise gegangen war, um sich an einem Sitzplatz an der Mauer niederzulassen [...]’

Große Unterschiede ergeben sich bei der Darstellung der Drachen. So handelt es sich bei der Weltschlange um eine Art Seeschlange, während Beowulf einen Landdrachen als Gegner hat. Noch schwerwiegender ist, dass Beowulfs Drache äußerst naturalistisch beschrieben wird. Die Weltschlange ist aber eine durch und durch fantastische Kreatur.

Even the great Miðgarðsormr smells of the pen more than the fen. Unlike the Beowulf dragon, Snorris world serpent is a patently fantastic creature, and the story of Thor’s fishing him up from the deep reads like a medieval version of the sort of tall tale that fills the pages of Davy Crockett’s Almanac.[269]

Thors Weltschlange wäre also ein denkbar ungeeignetes Vorbild für den Beowulf -Drachen gewesen. Die einzige auffällige Parallele der beiden Erzählungen ist der tragische Ausgang, welcher ähnlich beschrieben wird.[270] Allerdings ist es bis heute unklar, ob die Thorsage im angelsächsischen England bekannt gewesen ist. Somit lässt sich auch kein direkter Einfluss auf Beowulf nachweisen.

4.4. Parallelen in Heiligenlegenden

Rauer weist auf die Tatsache hin, dass man Mühe habe, überhaupt einen Drachenkampf des Thortypus in der nordischen Literatur zu finden. Gefährliche Drachen, die das Land verwüsten, seien aber reichlich in mittelalterlichen Hagiographien vorhanden.[271] Der satanische, das Umfeld terrorisierende Drache war tatsächlich der natürliche Feind des Heiligen.[272] Rauer führt in ihrer Untersuchung eine Vielzahl Heilligenlegenden auf, die im angelsächsischen England im Umlauf waren und Parallelen zu Beowulf zeigen. Hier ragt vor allem die Vita II S. Samsonis heraus, welche das Leben des Hl. Samson von Dol beschreibt. In der Summe lesen sich die Parallelen zu Beowulf äußerst beeindruckend:

The appearance of a dragon which represents the greatest threat in a sequence of dangerous monsters, the devastation of the land by the dragon, the secluded mountain by the sea from which smoke and fire can be seen to rise, the communal journey to the cave, led by a guide, the role played by the hero’s companions […], the concomitant moral preoccupations, the old age of the hero, the dragon’s sniffing, the summoning of the dragon from its cave and the sending of a messenger after the [encounter].[273]

Während einige der Parallelen einzig auf das Drachenkampf-Thema zurückzuführen sein könnten – etwa das Herbeirufen des Drachen oder sein Schnüffeln – sind andere Parallelen beachtlich. Diese sind etwa die furchtsamen Begleiter des Samson, die Reißaus nehmen, als sie den Drachen erblicken oder das Alter des Heiligen, das an den greisen Beowulf erinnert.

So bemerkenswert die Parallelen der Heiligenlegenden sind, so bleibt doch noch ein nicht zu unterschätzendes Problem in der Bewertung als Analogien zu Beowulf: sie unterscheiden sich von der Dichtung insofern, als dass die Heiligen nicht gegen den Drachen kämpfen, wie das Beowulf oder auch Sigurd, Thor oder Cadmus tun. Der Heilige- wie etwa Samson – bezwingt den Drachen Gewöhnlicherweise mühelos durch seine von Gott gegebene Autorität.[274] Dementsprechend verläuft ein solcher „Drachenkampf“ auch äußerst kurz und unspektakulär:

[…] Saint Samson said to the dragon: ‘[…] I order you to go in the sea, and live no more.’ Obeying his voice, it went and in the sight of them all, was killed in the sea.[275]

Ein Kampf im eigentlichen Sinn findet somit erst gar nicht statt.[276] Doch die Auseinandersetzung mit dem Drachen ist immerhin der Höhepunkt der Drachenepisode in Beowulf.

Weiterhin zeigt der Beowulf -Drache eher germanische Charakteristiken: er wird häufiger mit dem germanischen Terminus wyrm bezeichnet als mit dem lateinischen bzw. christlichen draca.[277]. Zudem erscheint in keinem der hagiographischen Texte ein Schatzhütender Drachen.[278] Ein weiterer fundamentaler Unterschied zwischen der Drachenepisode und den Hagiographien ist, dass der Drachenkampf des Heiligen immer in einem vollständigen Triumph endet. Sonst hätte freilich der Drache, gleichbedeutend mit teuflischen Kräften, einen unannehmbaren Sieg über die Macht Gottes erringen können. Wegen der Unterschiede kann der Drachenkampf des Beowulf keinesfalls ausschließlich auf eine Hagiographie basieren. Trotzdem können die Heiligenlegenden durchweg die Quellenkriterien von Rauer erfüllen: sie sind in etwa zeitgleich mit Beowulf oder sogar davor entstanden, sind in denselben literarischen und historischen Kontext eingebettet und teilen sich zudem Motive mit Beowulf. Eine direkte Beeinflussung der Dichtung durch Heiligenlegenden ist deswegen gut möglich.

4.5. Cadmus’ Kampf mit der Marsschlange

Der österreichische Forscher Wild geht von der These aus, dass Ovids Metamorphosen ein Vorbild für die Konzeption des Drachenkampfes in Beowulf gewesen wären. Nach Wild hätten sich im Drachen des Beowulf zwei Vorstellungen von Drachen vermengt. Das wären erstens die volkstümliche Vorstellung vom feuerspeienden Schatzhüter und zweitens die klassische Vorstellung, wie sie bei Ovid vorliegt.

Dem Bilde des Beowulfdrachen liegen zwei nicht vollkommen in Einklang gebrachte Vorstellungen zugrunde; die volkstümliche des feuerspeienden (fliegenden) Schatzhüters und die klassische Ovids.[279]

Das soll jedoch laut Wild nicht heißen, dass Ovids Werk den Dichter zu Beowulfs Abenteuern inspiriert hat. Vielmehr habe er Ovids Schilderungen zur Ausschmückung zu seiner Version der Sage des Beowulf benutzt.[280] In Ovids Metamorphosen ist tatsächlich besonders oft von Drachen die Rede. Insbesondere Cadmus Kampf mit dem Marssohn, einer riesigen serpens ‘Schlange’ wird ausführlich geschildert. Dieser Kampf soll nun dem Dichter als ein Vorbild für seinen Drachenkampf gedient haben.[281]

Laut Wild sei der Aufbau der beiden Erzählungen in etwa der gleiche, da im „ [...] Hin- und Herwogen des Kampfes abwechselnd die Bewegungen der Gegner beschrieben werden.“[282] Allerdings ist diese Parallele viel zu allgemein gehalten; in der Beschreibung eines Kampfes ist ein solcher Vorgang sicher nicht ungewöhnlich. Doch Wild deutet auch einige Unstimmigkeiten in der Beschreibung des Drachen als Hinweis auf eine Verbindung zu Ovid. Wörtliche Nachahmungen Ovids führten in Beowulf zu Abweichungen des sonstigen Bildes des Drachen. Auffällig sei die Tatsache, dass sich der fliegende Feuerdrache im Kampf mit Beowulf nicht seiner Flügel bediene und sich scheinbar schlängelnd fortbewege. Der Beowulf -Dichter hätte sich nämlich an dem Vorbild der schlängelnden Marsschlange orientiert.[283] Tatsächlich fehlen bei der Schilderung des Kampfes Komposita mit –floga, die einem geflügelten Drachen zustehen würden. Der Drache bleibt somit während des Kampfes gegen Beowulf Unverständlicherweise auf dem Boden. Weiterhin nennt Wild einige inhaltliche Parallelen, die auf eine direkte Beeinflussung des Beowulf durch Ovid hinweisen könnten. Diese können jedoch nicht restlos überzeugen: es überrascht etwa nicht sonderlich, dass in beiden Erzählungen eine Verwundung die Wut des Drachen steigert.[284] Allerdings sind sprachliche Parallelen doch bemerkenswert: in der Behausung des Drachen in Beowulf wird ein st ánbogan [285] ‘Steinbogen’ angeführt, bei Ovid befindet sich ebenfalls ein lapidum arcum [286] ‘Steinbogen’ in der Unterkunft der Marsschlange. Eine weitere auffällige Parallele enthält die Beschreibung von Sigemunds Kampf: in den Metamorphosen spießt Cadmus den besiegten Marssohn an einen Baum. Dieser Vorgang könnte, so Wild, den Verfasser des Beowulf dermaßen beeindruckt haben, dass dieser den Sigemund ähnlich mit seinem Gegner verfahren ließ.[287] Der Drache wird nämlich mit dem Schwert durchbohrt gegen einen Felsen geheftet.[288]

Natürlich handelt es sich beim Kampf des Cadmus nicht um ein Vorbild für die Struktur der Drachenepisode. Dafür sind die Unterschiede zu groß: immerhin ist Cadmus ein junger Held, der eher zufällig auf den Drachen stößt, welcher bloß eine Riesenschlange ist. Außerdem überlebt Cadmus den Kampf. Mit Beowulf hat dies alles nichts gemein. Ingesamt gesehen, handelt es sich bei den von Wild angeführten Parallelen nur um nebensächliche Details. Dennoch können die sprachlichen und bildlichen Parallelen nicht unbeachtet bleiben. Als gewichtiges Argument für eine Beeinflussung des Dichters durch Ovids Schilderungen kann man nämlich anführen, dass die Metamorphosen bereits im 7. und 8. Jahrhundert in England bekannt gewesen sind.[289] Der Beowulf- Dichter hätte sich also durchaus durch die Schilderungen Ovids inspirieren lassen können.[290]

5. Ergebnis

Grundsätzlich ist anzumerken, dass es außer dem Alten Testament keine einzige gesicherte Quelle zu Beowulf gibt.[291] Für Passagen der Dichtung wurden zwar Parallelen mit vielen anderen Erzählungen gefunden, bei der Quellensuche ist man aber trotzdem auf Spekulationen angewiesen. Die größten Probleme bei der Bestimmung von Quellen sind erstens, dass die Dichtung ein recht hohes Alter hat und zweitens, dass die Entstehungszeit des Beowulf trotzdem nicht genau bestimmt werden kann. Die meisten schriftlichen Analogien sind erst deutlich nach Beowulf entstanden und orale Traditionen können nicht bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgt werden. Wenn nun eine Analogie gefunden wird, die im angelsächsischen England nachweislich bekannt gewesen ist, bleibt dennoch ein Unsicherheitsfaktor, da der ungefähre Entstehungszeitraum des Beowulf sich über drei Jahrhunderte erstreckt.

Neben seinem alttestamentarischen Wissen brachte der Dichter in Beowulf auch seine historischen Kenntnisse ein. Woher diese stammen, kann man nicht mehr feststellen, da skandinavische Quellen zu diesem Teilbereich der frühen nordischen Geschichte beträchtlich abweichen. Es sind also nur Analogien in historischen und literarischen Quellen vorhanden; die ursprünglichen historischen Quellen des Dichters bleiben voraussichtlich verschollen. Die schwierigste Frage bei der Suche nach möglichen Quellen zu Beowulf, ist die Herkunft der Kämpfe mit den Ungeheuern. Die Arbeit hat aufgezeigt, dass zu diesen eine große Anzahl von Analogien vorhanden sind. Gerade die große Zahl erschwert die Suche nach einer definitiven Quelle zu Beowulf enorm. Hier zwängt sich die Frage auf, ob nicht eine Erzählung von der Forschung einfach „übersehen“ wurde. Darüber hinaus warten unzählige Analogien darauf, untersucht zu werden, da das potentielle Material nahezu unerschöpflich ist.[292]

Eine der wenigen Texte, die auf eine Quelle der Grendelepisode hindeuten könnten, ist die Grettis saga.[293] Auch dies wird von einzelnen Forschern bezweifelt, aber zumindest einen skandinavischen Ursprung der Grendelepisode halten sogar Skeptiker für möglich. Die Ähnlichkeiten des Beowulf mit germanischen Märchenmotiven und skandinavischen sagas lassen schließen, dass die Dichtung auf eine lange skandinavische Tradition fußt. Ein keltischer Ursprung der Grendelepisode wird zwar für gewöhnlich nicht ausgeschlossen, dabei handelt es sich allerdings nur um einen Zweig der Quellenforschung, der eine denkbare Ergänzung zur skandinavischen Entstehungstheorie bietet. Eine Vermengung von üblichen skandinavischen mit keltischen Motiven wäre zumindest eine Möglichkeit, die Eigenständigkeit der Grendelepisode zu erklären.

Zur Drachenepisode wird immer wieder die Frage nach lost literature, besonders angelsächsischer, aufgeworfen.[294] Es gibt nämlich keinen Drachenkampf, der Beowulfs sehr nahe kommt.[295] Die Einmaligkeit des Drachenkampfes in Beowulf lässt vermuten, dass sich der Dichter gängiger Motive aus anderen mittelalterlichen Drachenkämpfen bediente, diese vermischte, veränderte und dazu selbst noch einige Innovationen einführte.[296] Dennoch wurde bereits deutlich, dass dem Dichter die Volsung Legende in einer verschollenen Form als Quelle zu Sigemunds Drachenkampf vorlag und diese daher auch eine der wichtigsten potentiellen Quellen des Drachenkampfes darstellt.[297] So könnte die Grundstruktur der Drachenepisode auf der Volsung Sage basieren, ergänzt durch Motive aus Heiligenlegenden, wie dem hohen Alter des Helden. Eine alte, oral tradierte Version von Thors Ende könnte den Dichter zu Beowulfs tragischem Ende inspiriert haben und Ovids Werk könnte ihm zur Ausschmückung der Drachenepisode gedient haben. Natürlich ist das nur eine mögliche Erklärung für die Einmaligkeit der Drachenepisode; auch andere Quellen könnten noch hinzugekommen sein, die in dieser Arbeit nicht beachtet wurden.

Nach Rauer dürfte Beowulf selbst ein mittelalterliches Publikum, das an Drachenkämpfe gewohnt war, durchaus irritiert oder zumindest überrascht haben. Denn es gäbe auffällige Unterschiede des Drachenkampfes in Beowulf zu anderen Drachenkämpfen, wie beispielsweise die ungewöhnliche Länge und der tragische Ausgang.[298] Eine andere Interpretation bietet Lionarons. Im Gegensatz zu Rauer betont sie, dass die Darstellung des Drachen ein mittelalterliches Publikum nicht sonderlich erstaunt haben dürfte, da der Dichter alle damals gängigen Motive miteinander vermischt hatte.

[...] there are in fact no surprises in the characterization of the Beowulf dragon, nothing which could not be said of many of the dragons in literature, nothing which would force the poem’s audience to modify its horizon of expectations. There is likewise nothing which would tend to reinforce any one particular interpretation of the dragon or rule out another one – no specific pointers toward allegory, no distinctions between human and bestial nature, no explicitly mythic or supernatural dimensions.[299]

Tatsächlich ist der Drache in Beowulf eine Ansammlung von gängigen, teilweise miteinander konkurrierenden Drachenmotiven. Der Drache kann fliegen, bewegt sich aber im Kampf schlängelnd fort. Er ist ein germanischer wyrm und doch auch ein draca. Er ist ein Schatzhüter, der friedlich in seiner Höhle lebt, wird aber zur Geißel seiner Umwelt als ihm der Schatz gestohlen wird. Im Grunde widersprechen sich Lionarons und Rauer nicht. Tatsächlich war der Drachenkampf für ein mittelalterliches Publikum überraschend: einerseits wegen dem ungewöhnlichen Ausgang und seiner Länge, andererseits gerade weil der Drache alle damals gängigen Klischees bedient und sich nicht auf einen bestimmten Typus festlegen lässt.

Was für den Drachenkampf im Einzelnen zutrifft, steht auch für Beowulf in seiner Gesamtheit fest: das Gedicht ist eine einzigartige Fusion aus heidnischen und christlichen, säkularen und geistlichen Elementen, aus germanischen und keltischen Motiven, aus historischen Fakten, pseudohistorischen Legenden und fiktiven Elementen. Indem er seine Quellen neu arrangierte und seinerseits einige Neuerungen einführte, hatte der Verfasser des Beowulf etwas Einmaliges geschaffen.

[...] the character of Beowulf is largely a creation of the author – original in the sense that he has shaped his diverse materials into something that is essentially new.[300]

Somit wird sich die Quellenforschung auch weiterhin auf einzelne Teilgebiete beschränken müssen und keine definitive Quelle entdecken können.[301]

6. Literaturverzeichnis

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[...]


[1] Bei Übersetzungen des Beowulf wird - soweit nicht anders vermerkt – Beowulf und die kleineren Denkmäler der altenglischen Heldensage Waldere und Finnsburg. 1. Teil. Text, Übersetzung, Namensverzeichnis und Stammtafeln, hrsg. von Gerhard Nickel (Heidelberg 1976) verwendet.

[2] Siehe Christine Rauer, Beowulf and the Dragon. Parallels and Analogues (Cambridge 2000) S. 9-10, zu der Definition der Begriffe Analogie (analogy), Quelle (source) und Parallele (parallel).

[3] Siehe Magnus Fjalldal, The Long Arm of Coincidence. The Frustrated Connection between Beowulf and Grettis saga (Toronto 1998), S. viii

[4] Siehe Theodore M. Andersson, “Sources and Analogues”, in: A Beowulf Handbook, hrsg. von Robert E. Bjork und John D. Niles (Lincoln 1997), S. 125-148, S. 129

[5] Wenn in dieser Arbeit von der Grendelepisode die Rede ist, dann ist sowohl Beowulfs Kampf gegen Grendel als auch sein späteres Ringen mit Grendels Mutter gemeint.

[6] Raymond Wilson Chambers, Beowulf. An Introduction (Cambridge 1959), S. 2. Vgl. Sam Newton, The Origins of Beowulf and the Pre-Viking Kingdom of East Anglia, S.18-30, zu den historischen Elementen in Beowulf

[7] Siehe John D. Niles, Beowulf. The Poem and Its Tradition , S. 181-188

[8] John D. Niles, „Myth and History”, in: A Beowulf Handbook, hrsg. von Robert E. Bjork und John D. Niles (Lincoln 1997), S. 211-232, S. 225

[9] Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 3 und 381-387. So gibt Chambers an, dass Hygelacs Tod mit Sicherheit nach 515 eingetreten sei, wahrscheinlich nach 520, aber wiederum auf jeden Fall vor 530. Vgl. Newton, The Origins of Beowulf, S. 27. Nach Newtons Angaben ist Hygelac ungefähr 523 umgekommen.

[10] Siehe etwa Beowulf, 2913a-2920a
Wæs sīo wrōht scepen
heard wið Hūgas syððan Higelac cwōm
faran flotherge on Frēsna land,
þaer hyne Hetware hilde ge[n]aegdon,
elne geēodon mid ofermægene
þæt se byrnwiga būgan sceolde,
fēoll on fēðan; nalles frætwe geaf
ealdor dugoðe.
‘Mit den Franken wurde bittere Feindschaft ausgelöst, als Hygelac mit seiner Flotte ins Land der Friesen fuhr, wo die Franken ihn im Kampf töteten und es kraft ihrer großen Überlegenheit zuwegebrachten, daß der Krieger sich (den Stärkeren) beugen mußte und inmitten seiner Schar fiel.’ Vgl. Beowulf, 1202-1214a, 2354b-2366, 2490-2509, 2201b

[11] Siehe Beowulf and its Analogues, S. 113-115, die Gesta Francorum und die Gesta Danorum des Saxo Grammaticus. Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 3-4

[12] Gregor von Tours, Historia Francorum, III, 3. Kap., in: Beowulf and its Analogues. Translated by G. N. Garmonsway and Jaqueline Simpson, hrsg. von George Norman Garmonsway und Jaqueline Simpson (London 1969), S. 112-113

[13] Siehe Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 9

[14] Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 384. Gregor von Tours schrieb seine Historia Francorum ungefähr im Jahre 575.

[15] Zur Identifikation der Geatas siehe unten

[16] Fred C. Robinson, „Teaching the Backgrounds. History, Religion, Culture”, in: Approaches to Teaching Beowulf, hrsg. von Jess B. Bessinger und Robert F. Yeager (New York 1984), S. 107–122, S. 109

[17] Siehe Newton, The Origins of Beowulf, S. 21 und Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 16

[18] Siehe etwa Beowulf, 1684b-1686

[19] Siehe Newton, The Origins of Beowulf, S. 24. Vgl. Arngrímur Jónsson, Skj o ldunga saga, Kap. 10, in: Beowulf and its Analogues, S. 129: “Roas [Hroðgar] indeed lived quietly at home, while Helgo [Halga] lived the life of a sea-raider […].” Vgl. S. 127-141 für weiteren Analogien zu Hroðgar.

[20] Siehe Beowulf, 61b. Vgl. Beowulf and its Analogues, S. 141-155, für Analogien zu Halga.

[21] Jónsson, Skjoldunga saga, Kap. 12, zitiert nach Newton, The Origins of Beowulf, S. 24. Vgl. Beowulf and its Analogues, S. 155-206, für weitere Analogien zu Hroþulf.

[22] Siehe Beowulf, 1017 und 1181

[23] Beowulf, 2161a

[24] Siehe Newton, The Origins of Beowulf , S. 24-25. Vgl. Jónsson, Skj o ldunga saga, Kap. 12-13, in: Beowulf and its Analogues, S. 162-163

[25] Siehe Newton, The Origins of Beowulf, S. 26 und Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 6. Vgl. Beowulf and its Analogues, S. 212-221 für weitere Analogien zu den schwedischen Herrschern.

[26] Siehe Newton, The Origins of Beowulf, S. 21

[27] Siehe Newton, The Origins of Beowulf, S. 28-29

[28] Beowulf, 2999-3007a und 3153-3155

[29] Beowulf, 2394

[30] Vgl. Robinson, Teaching the Backgrounds, S. 110. Von dem Stamm der Gauten soll die heutige Stadt Göteborg seinen Namen haben.

[31] Siehe Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 8

[32] Siehe Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 2, 8-10 und 334, zu Gründen, warum die Götar als Geatas des Beowulf angesehen werden sollten und nicht die Jüten. Vgl. Niles, Myth and History, S. 230, der darauf hinweist, dass als wohl vor allem als Trope gebraucht worden wäre, die Distanz anzeige, nicht nur Gewässer.

[33] Siehe Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 2: “[…] there’s strong evidence that the Geatas are the Götar […]”. Vgl. Robinson, Teaching the Backgrounds, S. 110, und Newton, The Origins of Beowulf, Map 1, wo die Heimat der Geatas im Süden Schwedens eingezeichnet ist.

[34] Vgl. Larry D. Benson, “The Originality of Beowulf”, in: Contradictions: From Beowulf to Chaucer. Selected Studies of Larry D. Benson, hrsg. von Theodore M. Andersson und Stephen A. Barney (Aldershot 1995), S. 32-69, S. 42. Früher wurde angenommen, dass Beowulf wirklich gelebt hat und tatsächlich König der Geatas war. Vgl. Friedrich Panzer , Studien zur germanischen Sagengeschichte. I. Beowulf (München 1910), S. 390-392. Panzer hat wegen des historisch bezeugten Feldzugs von Hygelac geschlossen, dass Beowulf eine historische Persönlichkeit gewesen sei, auf die das Bärensohnmärchen übertragen worden wäre.

[35] Siehe Benson, The Originality of Beowulf, S. 42. Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 10-11

[36] Siehe Robinson, Teaching the Backgrounds, S. 108

[37] Siehe Robinson, Teaching the Backgrounds, S. 110. Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 10-13. Chambers vermutet, dass der Niedergang des geatischen Königreichs bereits mit der Zerstörung Hygelacs und seiner Krieger an der Rheinmündung vollendet gewesen wäre und Beowulfs Regierungszeit nichts weiter als „poetic fiction“ sei.

[38] Siehe Jane A. Leake, The Geats of Beowulf (London 1967), S. 128

[39] Siehe Leake, The Geats of Beowulf, S.133

[40] Siehe Leake, The Geats of Beowulf, S. 133

[41] Siehe Leake, The Geats of Beowulf, S. 132

[42] Vgl. Liber Monstrorum, I, Kap.2, in: Beowulf and its Analogues, S. 113

[43] Siehe Leake, The Geats of Beowulf, S. 124-125. Leake bezeichnet das Liber Monstrorum als „[…] the bridge that spans the gap between history and fantasy, between Gregory of Tours and Beowulf“, S. 125

[44] Siehe Eric G. Stanley, In the Foreground: Beowulf (Cambridge 1994), S. 48

[45] Der umgekehrte Schluss Leakes ist aber ebenso problematisch: nur weil die Existenz der Geatas nicht nachgewiesen werden kann, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht existiert haben.

[46] Niles, Myth and History, S. 230

[47] Siehe Klaeber, in: Beowulf and the Fight at Finnsburg, hrsg. von Fr. Klaeber (Boston 1950), S. xxx

[48] Vgl. Klaeber, in: Beowulf and the Fight at Finnsburg, S. xlix

[49] Tolkien zitiert nach Mary A. Parker, Beowulf and Christianity (New York 1987), 135

[50] Siehe Parker, Beowulf and Christianity, S. 146

[51] Vgl. Parker, Beowulf and Christianity, S. 185: „Though all the voices of the poem describe a god in the same words and express similar feelings about him, the monotheism in Beowulf is not clearly directed to the Christian God”. Vgl. Robinson, Teaching the Backgrounds, S.115-116. Robinson erklärt die unspezifische Religiosität der Protagonisten folgendermaßen: der Dichter wollte sie erstens historisch korrekt als vorchristlich darstellen, aber zweitens die Zuhörer für die Protagonisten begeistern und nicht mit Ausführungen über heidnische Riten verschrecken.

[52] Siehe Beowulf, 175-179a. Vgl. Parker, Beowulf and Christianity, S. 161

[53] Siehe Parker, Beowulf and Christianity, S. 180: “Beowulfs cremation, along with Hnaef’s and the ship burial of Scyld, is patently non-Christian.”

[54] Siehe Beowulf, 90-98.

[55] Siehe Beowulf, 1688-1693

[56] Siehe Beowulf, 99-114 und 1258-1268

[57] Beowulf, 91

[58] Siehe Genesis, I, 1-26, in: Die Bibel. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Mit Apokryphen, hrsg. von der Evangelischen Kirche Deutschlands (Stuttgart 1984). Vgl. Parker, Beowulf and Christianity, S. 156.

[59] Vgl. Marijane Osborn, „The Great Feud: Scriptural History and Strife“, in: Beowulf. Basic Readings, hrsg. von Peter S. Baker (New York 1995), S.114. Osborn sieht den “Creation Song” als nicht unbedingt christlich an.

[60] Klaeber, in: Beowulf and the Fight at Finnsburg, S. l. Vgl. Benson, „The Pagan Colouring of Beowulf” in: Contradictions: From Beowulf to Chaucer. Selected Studies of Larry D. Benson, hrsg. von Theodore M. Andersson und Stephen A. Barney (Aldershot 1995), S. 1-31. Auch Benson weist darauf hin, dass das Christentum ein wichtiger Bestandteil Beowulfs ist, während die heidnischen Elemente aus Beowulf auch wegzudenken wären: „Christianity is part of the very fabric of Beowulf; the pagan elements are not”, S. 29.

[61] Vgl. Parker, Beowulf and Christianity, S. 31

[62] Vgl. Parker, Beowulf and Christianity, S.159. Beide Verweise im Beowulf -Manuskript auf Kain sind recht unklar. Obwohl der Dichter mit Sicherheit der Brudermörder meinte, scheint eine Verwechslung zwischen Kain und Ham, dem verdorbenen Sohn Noahs im Manuskript vorzuliegen. Diese Verwechslung war im Mittelalter nicht außergewöhnlich, da Ham als Nachfolger Kains gesehen wurde. Vgl. Andy Orchard, Pride and Prodigies. Studies in the Monsters of the Beowulf-Manuscript (Cambridge 1995), S. 69-70 und Andy Orchard, A Critical Companion to Beowulf (Cambridge 2003), S. 140 und David Williams, Cain and Beowulf: A Study in Secular Allegory (Toronto 1982), S. 36 und Chambers , Beowulf. An Introduction, S. 347. So findet man eine Vermischung der Kain und Ham Tradition auch in dem irischen Werk Sex aetas mundi oder in Texten von Beda, Alcuin und weiteren altenglischen Autoren.

[63] Beowulf, 104-114

[64] Beowulf, 1688b-1693

[65] Siehe Orchard, Pride and Prodigies, S.58

[66] Siehe Beowulf, 1352-1353

[67] Beowulf, 122b-123a

[68] Siehe etwa Beowulf, 761

[69] Siehe etwa Beowulf, 426

[70] Siehe hierzu die Ausführungen Cassians in Williams, Cain and Beowulf, S. 35 oder Orchard, Pride and Prodigies, S. 67-68

[71] Siehe Genesis, 10, 1-14. Den Ursprung des Stammes der Philister, dem Goliath entstammt, kann man bis zu Ham zurückverfolgen. Vgl. Williams, Cain and Beowulf, S. 35

[72] Siehe Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 142

[73] Bede zitiert nach Andy Orchard, Pride and Prodigies, S. 62. Vgl. Orchard, Pride and Prodigies, S. 60-63 zu weiteren Texten, die Kain als Ausgestoßenen bezeichnen. Vgl. auch Williams, Cain and Beowulf, S. 25

[74] Siehe etwa Beowulf, 162a

[75] Beowulf, 1267a

[76] Siehe etwa Beowulf, 163

[77] Siehe Orchard, Pride and Prodigies, S. 60. Dieses Merkmal der von Gott Verstoßenen ist etwa auch in Christ and Satan aufzufinden. Vgl. F. Schubel, Probleme der Beowulf Forschung (Darmstadt 1979), S. 59

[78] Beowulf, 742-743a

[79] Vgl. Williams, Cain and Beowulf, S. 44

[80] Vgl. Orchard, Pride and Prodigies, S. 65. Die Annahme der mittelalterlichen Autoren geht wohl auf eine Passage der Genesis IV.11 zurück, in der Kain von Gott verflucht wird, da er die Erde mit dem Blut seines Bruders besudelte: „Verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen.“ Auch weitere Passagen in der Bibel können gegen das Trinkens von Blut als Todsünde angeführt werden, etwa Genesis IX.4, nach der Sintflut war das Verzehren von Blut für Noah und seine Söhne verboten: „Allein esst das Fleisch nicht mit seinem Blut, in dem sein Leben ist“. Die Tradition des bluttrinkenden Kain, wird auch in vielen heutigen Vampirromanen widergegeben, da Kain hier oft als Stammvater aller Vampire bezeichnet wird.

[81] Siehe R.E. Kaske, “Beowulf and the Book of Enoch”, Speculum. A Journal of Mediaeval Studies 46 (1971), 421-431, S. 422: „The most famous and influential of all these Old Testament apocrypha is the eschatological work known as the Book of Enoch [...]“ Das Buch Henoch ist während der ersten zwei Jahrhunderte vor Christus entstanden.

[82] Siehe Kaske, Beowulf and the Book of Enoch, S. 422-423, für Hinweise auf die Bekanntheit des Buches Henoch im angelsächsischen England. Vgl. Schubel, Probleme der Beowulf Forschung, S. 59.

[83] Buch Henoch, übers. von A. Dillmann (Leipzig 1853), Kap.7, 2-5

[84] Siehe Buch Henoch, Kap. 6, 7. Vgl. Kaske, Beowulf and the Book of Enoch, S. 426, der neunzehn gefallene Engel zählt, wovon sechzehn die Namensendung –êl aufweisen.

[85] Siehe etwa Beowulf, 1621b: helle gast ‘Höllengeist’

[86] Siehe Kaske, Beowulf and the Book of Enoch, S. 425

[87] Siehe Orchard, Pride and Prodigies, S. 72

[88] Siehe Orchard, Pride and Prodigies, S. 73

[89] Siehe Orchard, Pride and Prodigies, S. 75. Wenn auch die Werwölfe in der Reference Bible nicht gleich an Grendel und seine Mutter erinnern, wird das Monsterpaar doch bisweilen mit wölfischen Attributen versehen. Grendels Mutter wird etwa als brymwyl[f] ‘wolfish swimmer’, Beowulf, 1506 (übersetzt von Orchard, Pride and Prodigies, S.75), bezeichnet.

[90] Orchard, Pride and Prodigies, S. 75

[91] Vgl. Stanley, In the Foreground: Beowulf, S. 63: „The closeness of Anglo-Saxon monasticism to contemporary Irish monasticism makes it likely that a literate poet, such as the poet of Beowulf is now generally thought to have been, was subjected to Celtic influence.“

[92] Parker, Beowulf and Christianity, S. 160. Vgl. Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 140-141. Die Ächtung des Sippenmordes wird auch innerhalb Beowulf deutlich So beschuldigt Beowulf Unferth des Mordes an Verwandten, als jener ihn attackierte, siehe Beowulf, 587-589, und als Beowulf stirbt, ist er nur allzu froh, dass er selbst nicht als Mörder seiner angehörigen beurteilt wird, siehe Beowulf, 2739b-2743a

[93] Williams, Cain and Beowulf, S. 20

[94] Beowulf, 101b

[95] Beowulf, 1682b. Vgl. Beowulf, 811: he [wæs] fag wiđ god ‘da er mit Gott in Feindschaft lebte’

[96] Beowulf, 1276

[97] Beowulf, 1274a

[98] Beowulf, 1680

[99] Beowulf, 726b-727

[100] Siehe Edward L. Risden, Beasts of Time. Apocalyptic Beowulf (New York 1994), S. 58: „Grendel’s eyes shine forth with gruesome beams of light [...], making him a mock light-bearer, a kind of Lucifer.“

[101] Dieses Merkmal wäre natürlich einzeln gesehen viel zu allgemein gehalten, um in Grendel den „Fürst der Finsternis“ zu erkennen. Schließlich werden Monster und Dämonen jeglicher Art mit Dunkelheit in Verbindung gebracht. So scheuen etwa auch skandinavische Trolle das Tageslicht oder auch der Drache des Beowulf: ähnlich wie Grendel verbringt der Drache scheinbar den Tag in seiner Höhle und verlässt diese nur in der Nacht, siehe etwa Beowulf, 2302b-2306a

[102] Siehe Parker, Beowulf and Christianity, S. 158 u. 165

[103] Niles, Beowulf, S. 11

[104] Beowulf, 1365-1367

[105] Siehe Niles, Beowulf, S. 16-17

[106] Vgl. Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 158, der diese Predigt als die sechzehnte Predigt (Blickling Homily XVI) ansieht.

[107] Vgl. Parker , Beowulf and Christianity, S. 168

[108] Blickling Homily XVII zitiert nach Niles, Beowulf, S. 18

[109] Siehe Beowulf, 1415a

[110] Siehe Beowulf, 1363

[111] Siehe Beowulf, 1373-74

[112] Siehe Beowulf, 1425-1430a

[113] Siehe etwa Beowulf, 1360b, niþer gewīteð gegenüber Blickling Homily XVII , niðergewítað, zitiert nach Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 157

[114] Siehe Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 158

[115] Parker, Beowulf and Christianity, S. 168

[116] Vgl. Niles, Beowulf, S. 19

[117] Siehe etwa Beowulf, 685-687. Vgl. Parker, Beowulf and Christianity, S. 149 und 168-169

[118] Andersson, Sources and Analogues, S. 129, der sich auf Thorkelin bezieht. Vgl. Stanley, In the Foreground: Beowulf, S. 13.

[119] Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 100. Vgl. Mark R. Scowcroft, “The Irish Analogues to Beowulf”, Speculum. A Journal of Mediaeval Studies 74 (1999), 22-64, S. 28-29, der behauptet, dass eine Tradition, die von einem Bärensohn handelt, der am Hof von Dänemark Monster tötet, auch in England entstanden sein könnte.

[120] Vgl. Andersson, Sources and Analogues, S. 129-134, zu den verschiedenen Ansätzen.

[121] Panzer, Studien zur germanischen Sagengeschichte. I. Beowulf, S. 253. Siehe auch S. 390: „Märchen und Volkssage wurden dadurch zur Heldendichtung, daß sie von einem Skop zum Gegenstand seiner Dichtung gemacht wurden. Dies geschah [...] in Dänemark und zwar wahrscheinlich zum wiederholten Malen.“

[122] Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 62. Chambers gibt den groben Inhalt des Märchens folgendermaßen an: “In this tale, the hero, a young man of extraordinary strength (1) sets out on his adventures, associating with himself various companions; (2) makes resistance in a house against a supernatural being, which his fellows have in vain striven to withstand, and succeeds in mishandling or mutilating him. (3) By the blood-stained track of this creature, or guided by him in some other manner, the hero finds his way to a spring, or hole in the earth, (4) is lowered down by a cord and (5) overcomes in the underworld several supernatural foes, amongst whom is often included his former foe, or very rarely the mother of that foe: victory can often only be gained by the use of a magic sword which the hero finds below. (6) The hero is left treacherously in the lurch by his companions, whose duty it was to have drawn him up.” Mehr zu dem Zusammenhang Beowulfs mit dem Bärensohn und anderen germanischen Erzählungen siehe Michael J. Stitt, Beowulf and the Bear’s Son: Epic, Saga, and Fairytale in Northern Germanic Tradition (New York 1992), S. 22ff, wo auch der Märchentypus AT 301 näher beschrieben wird. Die Bezeichnung AT ist ein Akronym für das Klassifikationssystem von Märchen von Aarne und Thomson.

[123] Vgl. Stitt, Beowulf and the Bear’s Son, S. 11

[124] Siehe Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 63

[125] Beowulf, 1591-1599

[126] Hier muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass Beowulfs Gefährten ihn beim Drachenkampf ebenfalls im Stich lassen, siehe Beowulf, 2596-2599

[127] Siehe Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 64

[128] Siehe etwa Beowulf, 2183. Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 65.

[129] Siehe Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 365ff. Vgl. Stanley, In the Foreground: Beowulf, S. 14, wo Jacob Grimm zitiert wird, der den „Bienenwolf“ noch mit dem „Specht“ gleichsetzte.

[130] Beowulf, 379b-380

[131] Beowulf, 2503-2508. Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 65-66

[132] Siehe Fjalldal, The Long Arm of Coincidence, S. 95. So wurde auch ein Zusammenhang zu Grettir und Orm vermutet, da diese beiden in ihrer Jugend ebenfalls schwierig und faul gewesen seinen. Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 65

[133] Vgl. Benson, The Originality of Beowulf, S. 51, der die Erklärung des kennings „Beowulf“ als „Bienenwolf“ bzw. „Bär“ ablehnt: „ I doubt that we can ever know with any certainty what the name Beowulf meant to the poet, but I think we can determine one important fact about its meaning; it did not mean ‘bee wolf’ and hence ‘bear’.”

[134] Siehe Andersson, Sources and Analogues, S. 133. Vgl. Fjalldal, The Long Arm of Coincidence, S. 95

[135] Siehe Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 67. Vgl. Fjalldal, The Long Arm of Coincidence, S. 94, zu den Unterschieden zwischen der Grendelepisode und dem Bärensohn wie sie v. Sydow festgestellt hat.

[136] Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 68

[137] Vgl. Niles, Beowulf, S. 7: „[…] Beowulf is not a folktale or campfire yarn, but an epic poem of dignity and depth […] The monsters of Beowulf may act out their fates in a plot structure that is derived from the Märchen, but in their own nature they seem to have stepped out of the darker, more frightening world of legendry.”

[138] Siehe Stitt, Beowulf and the Bear’s Son, S. 193ff

[139] Siehe Stitt, Beowulf and the Bear’s Son, S. 204-6. Nach Stitt gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, die Übereinstimmungen zwischen den mittelalterlichen sagas und den modernen Märchenvarianten zu erklären. Ersten könnte ein gemeinsamer Ursprung der Grund sein, zweitens könnten die mittelalterlichen Texte von der oralen Märchen-Tradition beeinflusst worden sein und drittens könnten auch die modernen oralen Märchen von der mittelalterlichen Tradition stammen.

[140] Siehe Stitt , Beowulf and the Bear’s Son , S. 11. Vgl. Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 123ff.

[141] Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 124

[142] Siehe Stitt, Beowulf and the Bear’s Son, S. 43 und Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 124. Orchard macht eine Erzählung aus, die Beowulf recht ähnlich ist, die Egils saga, siehe S. 126-128.

[143] Vgl. J.D.A. Ogilvy und Donald C. Baker, Reading Beowulf. An Introduction to the Poem, Its Background, and its Style (Oklahoma 1983), S. 89-90. Der Ursprung Grendels von einem Troll könnte Ungereimtheiten in Beowulf erklären, so etwa, dass ihm keine Waffe etwas angaben kann, was durch Magie erklärt wird, siehe Beowulf, 800-805, und Beowulfs Entscheidung, Grendel mit bloßen Händen zu bekämpfen trotzdem als sportliche Geste der Fairness präsentiert wird, siehe Beowulf, 677-687

[144] Niles, Beowulf, S. 10

[145] Vgl. Andersson, Sources and Analogues, S. 125

[146] Orchard, Pride and Prodigies, S. 140

[147] Siehe Grettis saga. Die Saga von Grettir dem Starken, hrsg. und übers. von Hubert Seelow (München 1998), S. 164-170

[148] Vgl. Benson, The Originality of Beowulf, S. 53ff. Benson spricht davon, dass die Sandhaugar-Episode „practically the same story” sei, die der Beowulf Dichter verwendete. Insgesamt wurden jedoch fünf Episoden aus der Grettis saga als analog zu Beowulf betrachtet. Einen Überblick findet man bei Fjalldal, The Long Arm of Coincidence, S. 3-16. Im Gegensatz zu Benson, Chambers oder auch Scowcroft betrachtet Fjalldal die Gemeinsamkeiten zwischen Beowulf und Grettis saga aber als bloße „literary curiosities”, S. Viii

[149] Siehe Grettis saga, S. 167

[150] Siehe Grettis saga, S. 169

[151] Siehe Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 52-53

[152] Siehe etwa Beowulfs Schwimmwettbewerb mit Breca, Beowulf, 506-581a, sein Hinabtauchen in das mere, Beowulf, 1494b-1512a und seine Rückkehr aus Friesland, Beowulf, 2359-2362. Vgl. Fred C. Robinson, “Elements of the Marvellous in the Characterization of Beowulf: A Reconsideration of the Textual Evidence”, in: Beowulf. Basic Readings, hrsg. von Peter S. Baker (New York 1995), S. 79-96. Vgl. Grettis saga, S. 187-189

[153] Orchard, Pride and Prodigies, S. 149

[154] Siehe Grettis saga, S. 34-38 zu Grettirs schwieriger Jugendzeit.

[155] Siehe Benson, The Originality of Beowulf, S. 57

[156] Vgl. Stitt, Beowulf and the Bear’s Son, S. 36 und Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 125-126

[157] Vgl. Vígfússon zitiert nach Orchard, Pride and Prodigies, S. 140-41: „Where everything else is transformed, one word still remains as a memorial of its origin, viz. in the English epic hæftmece and in the Icelandic saga heftisax, both occurring in the same place of the legend, and both hapax legomena in their respective literatures.” Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 472-475

[158] Grettis saga, S. 169

[159] Beowulf, 1457

[160] Siehe Fjalldal, The Long Arm of Coincidence, S. 59

[161] Fjalldal, The Long Arm of Coincidence, S. 64. Vgl. S. 54-66 zum Zusammenhang heptisax-heaftmece.

[162] Vgl. Fjalldal, The Long Arm of Coincidence, S. 96-107 zur Common-Origin Theorie.

[163] Siehe Benson, The Originality of Beowulf, S. 57. Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, 476-477

[164] Siehe Orchard , A Critical Companion to Beowulf, S. 128

[165] Siehe Scowcroft, The Irish Analogues to Beowulf, S. 41-43

[166] Vgl. Benson, The Originality of Beowulf, S. 54. Allerdings gilt Bensons Argument nur, wenn man eine orale Übertragung des Beowulf auschließen würde. Eine orale Weitergabe scheint aber durchaus möglich gewesen zu sein.

[167] Siehe Benson, The Originality of Beowulf, S. 55. Vgl. Orchard, Pride and Prodigies, S. 167

[168] Siehe Fjalldal, The Long Arm of Coincidence, S. 95: „The few real similarities that are to be detected between the Grendel episode of Beowulf, the Sandhaugar episode of Grettis saga, and the different versions of the Bear’s Son Tale can only be a coincidence that has probably come about because all three share a basic theme in the sense that they describe a hero’s destruction of an evil being.”

[169] Siehe Fjalldal, The Long Arm of Coincidence, S. 129

[170] Fjalldal, The Long Arm of Coincidence, S. vii

[171] Siehe Fjalldal, The Long Arm of Coincidence, S. 133

[172] Vgl. Hrólfs saga kraka, in: Beowulf and its Analogues, S. 105. Auch wenn das „geflügelte Monster“ ansonsten wenig mit Grendel gemein hat, ist auffällig, dass es als unverwundbar durch Waffen gilt – so wie Grendel.

[173] Siehe Hrólfs saga kraka, Kap. 24-27 und 30-36, in: Beowulf and its Analogues, S. 93-107. Vgl. Chambers, Introduction, S. 54ff und S. 138ff Nach Chambers läge die Bedeutung der Abenteuer Bjarkis „[…] in the situation which places the most famous court of the North, and its illustrious king, at the mercy of a ravaging foe, till a chance stranger from Gautland brings deliverance,” S. 59. Vgl. Stitt, Beowulf and the Bear’s Son, S. 121-122, wo man eine Zusammenfassung der Bjarkarimur und der Hrólfs saga kraka findet.

[174] Eine auffällige Parallele der Hrólfs saga kraka kann man auch zur Grettis saga beobachten: das Ungeheuer greift nur an Yule, d.h. am Weihnachtsabend an, genau wie das Trollweib der Grettis saga, siehe Grettis saga, S.164-165 und Hrólfs saga kraka, in: Beowulf and its Analogues, S. 105

[175] Siehe Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 56

[176] Siehe Panzer, Studien zur germanischen Sagengeschichte, S. 392. Vgl. auch Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 56-57 und Benson, The Originality of Beowulf, S. 45, der darauf aufmerksam macht, dass Bjarki der Sohn von Björn ‘Bär’ und Bera ‘Bärin’ ist.

[177] Vgl. Klaeber, Finnsburg, xviiif

[178] Siehe Benson, The Originality of Beowulf, S. 47

[179] übers. von Stitt, S. 47

[180] Siehe Stitt, Beowulf and the Bear’s Son, S. 194

[181] Vgl. Benson, The Originality of Beowulf, S. 45

[182] Vgl. Ogilvy und Baker, Reading Beowulf, S. 94

[183] Siehe Gesta Danorum, II, §56, in: Beowulf and its Analogues, S. 93-94. Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 57.

[184] Scowcroft, The Irish Analogues to Beowulf, S. 37

[185] Siehe Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 59

[186] Siehe Gesta Danorum, II, §56, in: Beowulf and its Analogues, S. 93-94. Vgl. Benson, The Originality of Beowulf, S. 46

[187] Vgl. Benson, The Originality of Beowulf, S. 45

[188] Siehe Hrólfs saga kraka, in: Beowulf and its Analogues, S. 106-107

[189] Benson, The Originality of Beowulf, S. 48

[190] Siehe Benson, The Originality of Beowulf, S. 46-47. Vgl. Stitt, Beowulf and the Bear’s Son, S. 122, der ebenfalls angibt, dass der Text nicht sehr viel Ähnlichkeit mit Beowulf habe, dagegen aber durchaus mit der Two-Troll Tradition. Einen Auszug der Abenteuer Siwards findet man in Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 163-165. Interessant ist, dass Rauer die Erzählung von Siward nicht als Analogie zu Beowulfs Inhalten in der Grendelepisode anführt, sondern als eine Art Model für die mögliche Zusammensetzung der Drachenepisode. Diese stelle nach Rauer ebenso wie Siwards Legende eine Vermischung säkularer Elemente mit in Umlauf befindlichen Heiligenlegenden dar, siehe S.125-126

[191] Siehe etwa, Beowulf, 1531-1534. Vgl. Göller, zitiert nach Stanley, In the Foreground: Beowulf, S. 65: „Von der germanischen Kampfesraserei, die sich manchmal gar zum Blutrausch steigert, finden wir nichts im Beowulf.“ Auch wenn Puhvel eigentlich von der irischen Kampfesraserei spricht, so können diese beiden Arten von „Kampfesraserei“ nicht so unterschiedlich gewesen sein, als dass der eine Forscher sie als eines der herausragenden Motive sieht und dem anderen ihre völlige Abwesenheit auffällt.

[192] Siehe etwa Beowulf, 1570-1572

[193] Siehe etwa Beowulf, 2503-2508. Freilich wurde diese Eigenart Beowulfs von anderen Forschern als Hinweis auf seine Bäreneigenschaften gesehen, siehe oben. Die eine oder andere Eigenart Beowulfs wird somit bisweilen recht subjektiv bewertet. Vgl. Martin Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition (Waterloo 1979), S. 101

[194] Beowulf, 1553b-1556

[195] Beowulf, 809-818a

[196] Beowulf, 120b-125

[197] Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 15

[198] Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 16

[199] Siehe Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 17

[200] Siehe Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 18-19

[201] Curtin zitiert nach Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 20

[202] Curtin zitiert nach Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 21

[203] Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 22

[204] Siehe Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 22-23

[205] Siehe Niles, Myth and History, S. 221

[206] Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 87

[207] Siehe Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 87

[208] Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 490-494 und Schubel, Probleme der Beowulf Forschung, S. 54. Nach Reiman ragten drei Parallelen zu Beowulf heraus: der Held ist bei der Verteidigung der Halle nicht allein, seine Gefährten fallen in einen tiefen Schlaf und der Arm des Ungeheuers wird herausgerissen.

[209] Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 93

[210] Siehe Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 89

[211] Siehe Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 89-90

[212] Siehe Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 91-92

[213] Vgl. Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 94-95

[214] Vgl. Chambers , Beowulf. An Introduction, S. 64

[215] Siehe Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 98-99

[216] Siehe Stitt, Beowulf and the Bear’s Son, S. 203-204

[217] Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 125

[218] Scowcroft, The Irish Analogues of Beowulf, S. 29

[219] Siehe Stitt, Beowulf and the Bear’s Son, S. 203-204

[220] Puhvel, Beowulf and Celtic Tradition, S. 11-13

[221] Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 123

[222] Stanley, In the Foreground: Beowulf, S. 63

[223] Vgl. Ogilvy und Baker, Reading Beowulf, S. 89, die den Drachen als Teil der Germanischen Naturgeschichte bezeichnen. Vgl. Lionarons, Joyce Tally , The Medieval Dragon: the Nature of the Beast in Germanic Literature (Middlesex 1998) zu Drachen im Allgemeinen und dem Germanischen Drachen im Speziellen. Vgl. S. 1-22. Im angelsächsischen England war der Glaube an Drachen im angelsächsischen England offenbar recht weit verbreitet: ein Eintrag im Anglo-Saxon Chronicle von 793 berichtet über die Erscheinung von Drachen am Himmel, S. 14-15

[224] Vgl. Klaeber, in: Beowulf and the Fight at Finnsburg, S. xxi

[225] Siehe John R.R. Tolkien, „The Monsters and the Critics“, in: Interpretations of Beowulf. A Critical Anthology, hrsg. von Robert D. Fulk (Bloomington 1991), S. 14-44, S.19

[226] Siehe Rauer, Ch., Beowulf and the Dragon, S. 36

[227] Beowulf, 1426-1441

[228] Beowulf, 884b-896

[229] Vgl. Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 36

[230] Siehe Beowulf, 2270-2275a

[231] Vgl. Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 31

[232] Siehe Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 27

[233] Siehe Tolkien, „The Monsters and the Critics“, S. 24-25. Vgl. Parker, Beowulf and Christianity, S. 174

[234] Klaeber, in: Beowulf and the Fight at Finnsburg, S. l. Vgl. Stanley, In the Foreground: Beowulf, S. 54-55

[235] Offenbarung des Johannes, 12:9. Vgl. auch Lionarons, Medieval Dragons, S.17-21 und Friedrich Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen (Graz 1962), S. 26: „Dem Beowulfdichter war sicherlich auch der Höllendrache der Apokalypse bekannt.“ Allerdings handle es sich um einen „Wasserspeienden“ Drachen.

[236] Siehe Lionarons, The Medieval Dragon, S. 18

[237] Siehe Williams, Cain and Beowulf, S. 37

[238] Vgl. Niles, Beowulf, S. 27

[239] Siehe etwa Beowulf, 2290b. Vgl. Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S. 3. Das Wort draca ‘Drache’, ist griechisch-lateinischer Herkunft und bezeichnet Schlangen, Drachen.

[240] Siehe etwa Beowulf, 2287a. Vgl. das altdeutsche Wort „Lindwurm“. Vgl. Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S. 11

[241] So sind auch die Seedrachen des Beowulf offensichtlich von dem späteren Drachen grundverschieden. Beide Arten werden aber draca und wyrm(-cynnes) genannt.

[242] Lionarons, The Medieval Dragon, S. 4

[243] Vgl. Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 33-34, zu den Haupteigenschaften des Drachen

[244] Siehe etwa Beowulf, 2321-2322a

[245] Siehe etwa Beowulf, 2315

[246] Siehe etwa Beowulf, 2293b

[247] Vgl. Müllenhoff, zitiert nach Stanley, In the Foreground: Beowulf, S.18: „die wahrheit also ist daß der drache den Beóvulf tödtet nichts anderes ist als was in anderen guten deutschen sagen, ein wurm der neidisch über seinem horte liegt“

[248] Siehe etwa Beowulf, 2273

[249] Siehe etwa Beowulf, 2293b-2294

[250] Siehe Beowulf, 3042-3043a

[251] Das Lied vom Drachenhort, in: Die Edda. Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen, übers. von Felix Genzmer (Düsseldorf 1981), S. 253. Vgl. Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S.108

[252] Vgl. Genzmer, in: Edda, S. 249: „Der Drachenkampf ist wahrscheinlich ursprünglich Sigmund, dem Vater Sigurds, zugeschrieben worden. Diese Stufe zeigt der Beowulf.“

[253] Beowulf, 884-889. Vgl. Wilhelm Grimm, zitiert nach Stanley, In the Foreground: Beowulf, S. 29: „Als eine Abweichung von der Annahme aller Sagen fällt sogleich auf, daß in der Besiegung des Drachen und dem Erwerbe des Horts Sigmund die Stelle Siegfrieds vertritt, und dieser gar nicht genannt wird. Falsche Auffassung oder Entstellung des Originals hat nicht statt gefunden, denn es wird ausdrücklich gesagt, Sigmund habe die That allein verbracht und sein Gefährte Fitela sey nicht bei ihm gewesen.“

[254] Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 48

[255] Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 109

[256] Siehe Beowulf, 887b, 2553b und 2744b

[257] Siehe etwa Beowulf, 893a und 2592a. Vgl. Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 109

[258] Vgl. Lionarons, The Medieval Dragon, S. 64-65

[259] Siehe Beowulf, 2552

[260] Siehe Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 119ff. Vgl. Risden, Beasts of Time, S. 58. Risden gibt an, es könne sein, dass in frühen Versionen der Legende Thor nicht gestorben ist.

[261] Siehe Niles, Beowulf, S. 24

[262] Siehe Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S.119 und Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S. 13

[263] Siehe Niles, Myth and History, S. 221

[264] Vgl. Rauer, Beowulf and the Dragon, S.37-38

[265] Siehe Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 38.

[266] Siehe Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 121

[267] Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 119

[268] Beowulf, 2711b-2717b

[269] Niles, Beowulf, S. 23

[270] Vgl. Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S. 22: Zum Kampf „[...] Thors mit der Midgardschlange, hat die altenglische Dichtung keine Parallele.“

[271] Siehe Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 38

[272] Vgl. Lionarons, The Medieval Dragon, S. 20-21

[273] Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 112-113. Vgl. Lionarons , The Medieval Dragon, S. 25

[274] Vgl. Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 70. Gewöhnliche Waffen werden von Heiligen selten benutzt. Doch es gibt Heilige, die den Drachen mit dem Schwert niederstrecken, so etwa der der Hl. Georg, der wohl bekannteste aller Drachentötenden Heiligen, ein „soldier saint“.

[275] Vita II S. Samsonis, zitiert nach Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 150

[276] Vgl. Orchard, A Critical Companion to Beowulf, S. 151

[277] Siehe Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 32. Wyrm kommt in Beowulf insgesamt 18-mal vor, während draca elfmal erscheint. Vgl. Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S. 16.

[278] Siehe Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 74

[279] Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S. 40

[280] Siehe Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S. 27

[281] Siehe Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S. 27

[282] Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S. 30

[283] Siehe Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S.22 und 31

[284] Siehe Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S. 34

[285] Beowulf, 2545

[286] Ovid, Metamorphosen, III, 30, zitiert nach Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S. 31

[287] Siehe Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S. 35

[288] Beowulf, 890a-891

[289] Siehe Wild, Drachen im Beowulf und andere Drachen, S. 36

[290] Vgl. Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 45. Auch Rauer gesteht, dass Wilds These eines Einflusses Ovids auf Beowulf durchaus plausibel klingt, insbesondere da der Einfluss der Metamorphosen auch bei anderer altenglischen Autoren festgestellt wurde. Sie weist aber gleichzeitig darauf hin, dass das früheste erhaltene Manuskript der Metamorphosen aus dem elften Jahrhundert stammt.

[291] Vgl. Hi, S. 128: „Folklore patterns are not the only identifiable sources of Beowulf, which draws on a vast background of Germanic, Christian, and classical legends and traditions. Almost none of these, however, survives in any form we can demonstrate to have been certainly known by the poet. Only the Bible is indubitable: Genesis 4.1-12 is the ultimate (although not necessarily immediate) source of the references to Cain.”

[292] Vgl. Andersson, Sources and Analogues,

[293] Vgl. Andersson, Sources and Analogues, S. 146. “The only analogue that has commanded a fair consensus is Grettis saga.”

[294] Vgl. Zu dem Problem der „lost literature“ oder „phantom literature“, Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 135

[295] Vgl. Chambers, Beowulf. An Introduction, S. 97: „Indeed, of the innumerable dragon-stories extant, there is probably not one which we can declare to be really identical with that of Beowulf.”

[296] Vgl. Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 35

[297] Vgl. Rauer, Beowulf and the Dragon, 134-135

[298] Vgl. Rauer, Beowulf and the Dragon, S. 142. Vgl. S. 35ff zu weiteren Besonderheiten des Drachenkampfes.

[299] Lionarons, The Medieval Dragon, S. 31

[300] Ogilvy und Baker, Reading Beowulf, S. 95

[301] Vgl. Benson, S.42: “ The search for the exact sources of Beowulf has […] largely been in vain; or poet’s sources, if they did exist, probably bore little resemblance to the poem that we now have.”

58 von 58 Seiten

Details

Titel
Beowulf - Quellen und Analogien
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Anglistik)
Note
noch nicht erfolgt
Autor
Jahr
2004
Seiten
58
Katalognummer
V30710
Dateigröße
752 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kompakter Forschungsbericht über die Entstehung des Beowulf als Zulassungsarbeit zum Staatsexamen. Wichtig: es wurde hier altenglisches langes ae, langes e und langes i in altenglischen Zitaten durch normales ae, e und i ausgedrückt. Die Arbeit wird dadurch nicht beeinträchtigt (Ansonsten wäre für euch nämlich ein spezieller Altenglisch-Fontssatz nötig geworden und zudem die Druckqualität eventuell stark beeinträchtigt worden)
Schlagworte
Beowulf, Quellen, Analogien
Arbeit zitieren
Andreas Gasbichler (Autor), 2004, Beowulf - Quellen und Analogien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30710

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