Diese Arbeit diskutiert den Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen und insbesondere ob das vierjährige Grundschulmodell noch eine Zukunft hat. Die Frage in welchem Alter die Kinder in die unterschiedlichen Schulformen sortiert werden sollen ist bereits seit 90 Jahren bildungspolitisches Streitthema. Die Forderung der Kritiker lautet: „Länger gemeinsam Lernen“ – Umbau des Schulsystems in ein integratives Schulsystem.
Spätestens seit Veröffentlichung der Ergebnisse der ersten internationalen PISA-Vergleichsstudie Ende 2001 gibt es eine neue Bildungsreformdiskussion die das deutsche Bildungswesen, das dreigliedrige Schulsystem auf den Prüfstand stellt. Das deutsche Schulsystem ist in Aufruhr. Die Ergebnisse aus den PISA-Studien offenbarten im internationalen Vergleich erhebliche Defizite der Leistungsfähigkeit deutscher Schüler. Die Experten aus der Bildungsforschung sind sich einig, dass das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler auch auf das deutsche Schulsystem zurückzuführen ist und dieses nur durch ernsthafte Reformanstrengungen und Veränderungsdruck auf allen Handlungsebenen korrigierbar ist.
Land auf, Land ab wird hitzig debattiert, ob das klassische dreigliedrige Schulsystem aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium noch zeitgemäß ist oder reformiert gehört. Die Kernfrage der bildungspolitischen Debatte ist, wie man den Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule gestalten sollte, wie diese Arbeit detailliert aufzeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Gegenstand der Untersuchung/Problemstellung
2. Vorgehensweise/Methodik
3. Allgemeine Betrachtungen zum Schulwesen
3.1 Das Schulwesen der Bundesrepublik Deutschland
3.2 Die Grundschule
4. Bestandsaufnahme des deutschen Grundschulwesens
4.1 Fachliche Leistung am Ende der 4. Klasse
4.2 Fachliche Leistungen und sechsjährige Grundschule
5. Soziale Selektivität und Dauer der Grundschule
5.1 Übergangsauslese und Bildungschancen am Ende der 4. Klasse
5.2 Schullaufbahnempfehlung
5.3 Die Auslese nach der sechsten Klasse
6. Die wichtigsten Ergebnisse und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gerechtigkeit und Effektivität des deutschen Schulsystems, mit besonderem Fokus auf die Auswirkungen der vierjährigen Grundschulzeit auf die soziale Selektivität und den Bildungserfolg von Schülern. Ziel ist es, die bildungspolitische Debatte um die Verlängerung der gemeinsamen Grundschulzeit durch eine Analyse von Leistungsdaten und Selektionsmechanismen kritisch zu hinterfragen.
- Strukturelle Analyse des dreigliedrigen Schulsystems
- Einfluss der sozialen Herkunft auf den Schulerfolg
- Kritische Bewertung der Schullaufbahnempfehlungen
- Empirische Untersuchung zur sechsjährigen Grundschule
- Diskussion von Reformansätzen für mehr Chancengleichheit
Auszug aus dem Buch
5.2 Schullaufbahnempfehlung
Bei den heutigen Schullaufbahnempfehlungen beanspruchen nur noch in fünf Ländern die Kultusverwaltungen für sich das letzte Entscheidungsrecht über den weiterführenden Schulbesuch (Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern). Mit unterschiedlichen Vorgehensweisen zwischen den verschiedenen Bundesländern gibt es Verfahren mit einer Empfehlung der Lehrer, dem Elternwunsch oder der Elternentscheidung über die folgende Schulform oder mit einem vorgeschalteten Prüfungsverfahren. Die Ergebnisse der LAU-Studie verdeutlichen den Umgang mit bei der Schullaufbahnempfehlung (vgl. Lehmann et al. 1997, S. 89).
Die Lehrerprognose über Bildungserfolge legen die Bildungswege der deutschen Schüler fest. Die Schüler müssen dann beweisen, dass sie in der gewählten bzw. empfohlenen Schulform richtig sind, sonst drohen Runterstufung oder Wiederholung. Das in Deutschland praktizierte Übergangsverfahren von der Primar-, in die Sekundarstufe erzeugt keine Leistungshomogenität.
Schüler aus bildungsnahen Elternhäusern sind beim schulischen Lernen erfolgreicher als Schüler bildungsferner Elternhäuser. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulleistung ist keinem anderen Vergleichsland enger als in Deutschland. Sucht man nach einer Erklärung für den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg findet man in der Hamburger LAU - Studie Verweise darauf, dass die Beratungs- und Schullaufbahnempfehlungspraxis der Lehrkörper privilegiert. Die Studie zeigt, dass der Schüler eines Vaters ohne Schulabschluss für den Erhalt einer Empfehlung für das Gymnasium deutlich bessere Leistungen bringen muss, als ein Schüler eines Vaters mit Abitur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gegenstand der Untersuchung/Problemstellung: Einleitung in die Problematik der sozialen Ungerechtigkeit im deutschen Schulsystem und der bildungspolitischen Debatte um Reformen.
2. Vorgehensweise/Methodik: Beschreibung des Aufbaus der Facharbeit in einen allgemeinen und einen theoretischen Teil zur Analyse des Übergangs von der Grundschule.
3. Allgemeine Betrachtungen zum Schulwesen: Überblick über die staatliche Aufsicht und die Funktionen des gegliederten Schulsystems in Deutschland.
3.1 Das Schulwesen der Bundesrepublik Deutschland: Erläuterung der vertikalen und horizontalen Gliederung des Bildungssystems sowie der gesetzlichen Rahmenbedingungen.
3.2 Die Grundschule: Darstellung der Rolle der Grundschule als primäre Bildungsgrundlage und Ort der frühen Selektionsentscheidungen.
4. Bestandsaufnahme des deutschen Grundschulwesens: Untersuchung der Lernleistungen und der Auswirkungen früher Selektion auf Basis empirischer Studien.
4.1 Fachliche Leistung am Ende der 4. Klasse: Analyse des Lernstands deutscher Grundschüler im nationalen und internationalen Vergleich mittels IGLU-Daten.
4.2 Fachliche Leistungen und sechsjährige Grundschule: Diskussion der Frage, ob eine längere gemeinsame Lernzeit die Leistungsentwicklung positiv beeinflusst.
5. Soziale Selektivität und Dauer der Grundschule: Analyse des Zusammenhangs zwischen Schulsystemstrukturen, Selektion und sozialer Herkunft.
5.1 Übergangsauslese und Bildungschancen am Ende der 4. Klasse: Untersuchung der Mechanismen, die zu bildungspolitischer Ungleichheit am Ende der Primarstufe führen.
5.2 Schullaufbahnempfehlung: Analyse der Lehrerprognosen und des Einflusses des Elternwillens auf die Zuweisung zu weiterführenden Schulen.
5.3 Die Auslese nach der sechsten Klasse: Evaluierung, ob eine sechsjährige Grundschule zur Reduzierung sozialer Selektivität beitragen kann.
6. Die wichtigsten Ergebnisse und Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Forschungsbefunde und Schlussfolgerungen für die Reform des deutschen Bildungswesens.
Schlüsselwörter
Grundschule, Schulsystem, soziale Selektivität, Bildungschancen, IGLU, PISA, Schullaufbahnempfehlung, Leistungsheterogenität, Chancengleichheit, Reform, Sekundarstufe, Bildungsungerechtigkeit, Lehrerprognose, Übergangsauslese, Kompetenzentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gerechtigkeit des deutschen Schulsystems und kritisiert die Auswirkungen der frühzeitigen Selektion nach der vierten Klasse auf die Bildungschancen von Kindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind soziale Selektivität, die Übergangsempfehlungen nach der Grundschule, die Bedeutung der sozialen Herkunft für den Schulerfolg und die Potenziale längeren gemeinsamen Lernens.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob das Modell der vierjährigen Grundschule angesichts der hohen sozialen Selektivität noch zukunftsfähig ist und ob eine Verlängerung der gemeinsamen Lernzeit zur Chancengerechtigkeit beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse sowie auf die Auswertung und Synthese existierender empirischer Studien, darunter IGLU, PISA, KESS und die Hamburger LAU-Studie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Bestandsaufnahme des Grundschulwesens, dem Übergangsverfahren, dem Einfluss schichtspezifischer Faktoren auf die Gymnasialempfehlung und dem Vergleich mit Systemen, die eine längere Grundschulzeit vorsehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bildungschancen, Selektionsmechanismen, soziale Herkunft, Chancengerechtigkeit und Schulentwicklung charakterisiert.
Warum wird die Schullaufbahnempfehlung in der Arbeit kritisiert?
Die Empfehlung wird kritisiert, weil sie als wenig zuverlässiges Instrument wahrgenommen wird, das soziale Ungleichheit eher zementiert als begabungsgerechte Förderung zu gewährleisten.
Welche Rolle spielt die soziale Herkunft bei der Gymnasialempfehlung?
Die Arbeit zeigt, dass Schüler aus bildungsnahen Elternhäusern bei gleicher kognitiver Leistung deutlich häufiger eine Gymnasialempfehlung erhalten als Schüler aus bildungsfernen Schichten.
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- P. Köhler (Autor), 2013, Ist die Vierjährige Grundschule ein Modell ohne Zukunft?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307143