Ist die Vierjährige Grundschule ein Modell ohne Zukunft?

Eine Analyse


Hausarbeit, 2013

20 Seiten, Note: 1,3

P. Köhler (Autor)


Leseprobe

Inhalt

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen

1. Gegenstand der Untersuchung/Problemstellung

2. Vorgehensweise/Methodik

3. Allgemeine Betrachtungen zum Schulwesen
3.1 Das Schulwesen der Bundesrepublik Deutschland
3.2 Die Grundschule

4. Bestandsaufnahme des deutschen Grundschulwesens
4.1 Fachliche Leistung am Ende der 4. Klasse
4.2 Fachliche Leistungen und sechsjährige Grundschule

5. Soziale Selektivität und Dauer der Grundschule
5.1 Übergangsauslese und Bildungschancen am Ende der 4. Klasse
5.2 Schullaufbahnempfehlung
5.3 Die Auslese nach der sechsten Klasse

6. Die wichtigsten Ergebnisse und Fazit

Quellenverzeichnis/Literatur

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen

Abbildung 1: Bildungsgänge im deutschen Bildungssystem

Abbildung 2: Kompetenzstufen Zugehörigkeit differenziert.nach der Übergangsempfehlung

Abbildung 3: Hochschulzugangsberechtigung nach sozialer Herkunft

Tabelle 1: Testleistung im internationalen Vergleich -.Gesamtskala Lesen

Tabelle 2: Hochschulzugangsberechtigung nach sozialer Herkunft

1. Gegenstand der Untersuchung

Das deutsche Schulsystem produziert nicht nur schwache Leistungen, es ist zu- dem auch im Ländervergleich ungerechter als die meisten anderen Schulsysteme. Die soziale Herkunft ist in keinem vergleichbaren Land so entscheidet für den schulischen Erfolg wie in Deutschland (vgl. Bulmahn 2003, S. 327). Die Missstän- de im Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland rücken derzeit wieder stär- ker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Spätestens seit Veröffentlichung der Er- gebnisse der ersten internationalen PISA-Vergleichsstudie Ende 2001 und dem in Deutschland ausgelösten „PISA-Schock“ gibt es eine neue Bildungsreformdiskus- sion die das deutsche Bildungswesen, das dreigliedrige Schulsystem auf den Prüf- stand stellt. Das deutsche Schulsystem ist in Aufruhr. Die Ergebnisse aus den PISA-Studien offenbarten im internationalen Vergleich erhebliche Defizite der Leis- tungsfähigkeit deutscher Schüler (vgl. Baumert 2000). Die Experten aus der Bil- dungsforschung sind sich einig, dass das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler auch auf das deutsche Schulsystem zurückzuführen ist und dieses nur durch ernsthafte Reformanstrengungen und Veränderungsdruck auf allen Hand- lungsebenen korrigierbar ist. Land auf, Land ab wird hitzig debattiert, ob das klas- sische dreigliedrige Schulsystem aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium noch zeitgemäß ist oder reformiert gehört. Die Kernfrage der bildungspolitischen Debatte ist, wie man den Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule gestalten sollte.

Die Frage in welchem Alter die Kinder in die unterschiedlichen Schulformen sortiert werden sollen ist bereits seit 90 Jahren bildungspolitisches Streitthema. Die Forde- rung der Kritiker lautet: „Länger gemeinsam Lernen“ - Umbau des Schulsystems in ein integratives Schulsystem. Immer mehr Bundesländer schließen sich dem bil- dungspolitischen Trend der Zweigliedrigkeit an. Inzwischen verfügen neun von 16 Bundesländern über eine solche zweigliedrige Schulstruktur. In den meisten Bun- desländern finden wir die vierjährige Grundschule vor. Bereits in den 60er Jahren gab es immer wieder Versuche die gemeinsame Grundschulzeit auf sechs Jahre auszudehnen (vgl. von Friedeburg 1989). Ein dauerhaft bestehendes Grundschul- modell wurde das 6jährige aber nur in Berlin. Eine Grundschulreform für längeres gemeinsames Lernen bis zur 6. Klasse ist in der bildungspolitischen Landschaft einzigartig und heiß umstritten, denn sie greift in die Strukturen der bestehenden Gymnasien ein und tangiert die Schulformwahl der bildungsbürgerlichen Eltern- schaft.

2. Vorgehensweise

Die vorliegende Facharbeit ist in einen allgemeinen Teil und einen theoretischen Teil gegliedert. Im allgemeinen Teil werden grundlegende Gesichtspunkte und Rahmenbedingungen des Übergangs von der Grundschule in die Sekundarstufe dargestellt. Im dritten Kapitel erfolgt daher eine einführende Darstellung zum Schulwesen.

Dabei finden die allgemeinen Funktionen von Schule ebenso Berücksichtigung wie die spezifische Gliederung des Schulwesens in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Bestandsaufnahme des deutschen Grundschulwesens (Primarstufe) mit empi- rischem Hintergrund stützt sich auf Ergebnisse unterschiedlicher Studien und Messverfahren. Die öffentliche Debatte - die pro und contra Argumente für ein län- geres gemeinsames lernen bis zur 6. Klasse werden im 5. Kapitel gegenüberge- stellt und anhand der Ergebnisse aus der Bildungsforschung überprüft. In den fol- genden Ausführungen wird zunächst auf die Kritik am hierarchisch gegliederten Schulsystem und dann auf die Forderung „Länger gemeinsam lernen“ als Bestand- teil einer notwendigen Reform des Bildungswesens in Deutschland eingegangen.

3. Allgemeine Betrachtungen zum Schulwesen

Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates. Aufgrund der Kul- turhoheit der Länder ist das Schulsystem in den Landesverfassungen der einzel- nen Bundesländer geregelt, somit gibt es zum Teil gravierende Unterschiede (Arti- kel 7, Absatz 1 des Grundgesetzes). Die politische Steuerung des staatlichen Bil- dungswesens durch die Bundesländer ist in ihrer Wirkung durchaus umstritten.

Beim deutschen Schulsystem handelt es sich um ein gegliedertes System. Die Schulpflicht ist nicht im Grundgesetz geregelt, sondern in den einzelnen Landesverfassungen. Die Regelungen zum Beginn der Schulpflicht, beziehungsweise der Vollzeitschulpflicht der Bundesländer ähneln sich jedoch sehr.

Schule erfüllt vielfältige gesellschaftliche und individuelle Funktionen. Die Schüler sollen gebildet werden, um später eine berufliche Tätigkeit ausüben zu können. In der Schule sollen sie zu mündigen Bürgern erzogen werden, die aktiv am demo- kratischen System mitwirken und die freiheitlich-demokratische Grundordnung an- erkennen. Dementsprechend haben Schulen den Auftrag, die Schüler zur „Achtung der Würde des Menschen“ zu erziehen. Sie soll den Schülern Kenntnisse, Fähig- keiten und Fertigkeiten vermitteln, um die „Entfaltung der Persönlichkeit“ zu för- dern. Die Schüler sollen auf die „Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt, des öffentlichen Lebens, der Familie und der Freizeit“ vorbereitet werden. Auch zu „To- leranz gegenüber kultureller Vielfalt und zur Völkerverständigung“ sollen die Schü- ler erzogen werden.

Gleichzeitig nimmt das Schulsystem eine Selektion vor, in der gute, weniger gute und schlechte Schüler voneinander unterschieden werden. (§ 1 SchulG).

3.1 Das Schulwesen der Bundesrepublik Deutschland

Kennzeichnend für den Aufbau des derzeitigen deutschen Schulsystems als Teilbereich des Bildungswesens ist zum einen die vertikale Gliederung nach Schularten und zum anderen die horizontale Struktur der aufeinander aufbauenden Schulstufen. Dazu gehören der Primarbereich (Grundschule) und der Sekundarbereich I und II (Hauptschule, Realschule, Gesamtschule und das Gymnasium sowie in den einzelnen Bundesländern verschiedene integrierte Formen), die durch grundlegende schulpolitische Entscheidungen festgelegt sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bildungsg ä nge im deutschen Bildungssystem Quelle: Bildungsserver,Wiki, 2006, online

http://wiki.bildungsserver.de/images/de/thumb/9/95/Deutsches_Bildungssystem.png/420px- Deutsches_Bildungssystem.png

Da wie bereits erläutert die Zuständigkeit für das Schulwesen in Deutschland bei den Bundesländern liegt, enthalten die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer unterschiedliche Aussagen zum Aufbau und zur Gliederung des Schulwesens. Unterschiedliche Regelungen gibt es zur Dauer der Grundschule, die - außer in Berlin und Brandenburg sechsjährig mit integrierter Orientierungsstufe - in allen anderen Bundesländern vierjährig ist. Differenzen existieren außerdem hinsichtlich der Gesamtschule, Regelschule oder Angebotsschule. In allen Bundesländern gibt es außerdem die Sonderschule, Schule für Behinderte oder Förderschule.

Die Dauer der Vollzeitschulpflicht beträgt neun Jahre in vier Ländern zehn Jahre. Erster allgemeinbildender Schulabschluss ist der Hauptschulabschluss nach neun Jahren, der mittlere Schulabschluss (Realschule) erfolgt mit Ablauf der Sekundarstufe I nach zehn Jahren und die Fachhochschul- und die Hochschulreife erfolgen nach der Umstellung der meisten Länder nach zwölf Jahren (Ausnahme Rheinland-Pfalz mit weiterhin dreizehn Schuljahren).

3.2 Die Grundschule

Wie die Sekundarstufe I die Weichen für das spätere Berufsleben stellt, schafft die Grundschule die Bildungsgrundlage für jegliche Entwicklung der Persönlichkeit für die weitere Schullaufbahn und das spätere Leben.

Die Grundschule ist somit der Einstieg eines jeden Kindes in das Schulsystem und stellt im Grunde die einzige „Gesamtschule“ in Deutschland dar, denn hier werden alle Kinder einer Altersklasse gemeinsam unterrichtet.

In der Grundschule wird fundamentales Wissen vermittelt, z. B. Lesen, Schreiben, Grundrechenarten. Diese "Wissensbasis" bildet den gemeinsamen Grundstock an Bildung (vgl. Einsiedler 2003, S. 285). Damit ist der Mindestlehrplan gemeint, der ein gemeinsames Lern- und Bildungsniveau für die nachfolgende Sekundarstufe gewährleisten soll. Die Grundschule knüpft an den Elementarbereich an. Die Schü- ler werden von der spielerischen Bildung des Elementarbereichs zu den systema- tischen Formen des schulischen Lernens. Am Ende der vierten Klasse steht die Transition in die Sekundarstufe bevor. Am Ende der vierten Klasse wird die Ent- scheidung über die weitere Schullaufbahn der Grundschüler getroffen. Dies fällt in den Zuständigkeitsbereich der Grundschule. „Die Kinder müssen bereits während der Grundschulzeit soweit selektiert werden, dass eine klare Zuweisung zu einer weiterführenden Schulform gefällt werden kann.“ (vgl. Kaiser, Pfeiffer 2007, S. 7).

4. Bestandsaufnahme des deutschen Grundschulwesens

Fördert eine frühere Aufteilung die Schulleistungen? Diese Frage ist Kern der gegenwärtigen öffentlichen Diskussion. Zum Übergang nach der 4. Klasse liegen umfangreiche, differenzierte Ergebnisse vor. Jedoch zum Übergang nach der 6. Klasse ist die Forschungslage deutlich dünner. Ich werde das im Folgenden darstellen - und zwar zunächst für den Übergang nach der 4. Klasse.

4.1 Fachliche Leistung am Ende der 4. Klasse

Wenn man über die fachlichen Schülerleistungen in der Grundschule spricht, kann man inzwischen auf breites empirisches Material zurückgreifen. Wie der Lernstand im nationalen und internationalen Vergleich aussieht, zeigt IGLU (vgl. Bos et al. 2003, 2007a).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ist die Vierjährige Grundschule ein Modell ohne Zukunft?
Untertitel
Eine Analyse
Hochschule
Fachhochschule Koblenz - Standort RheinAhrCampus Remagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V307143
ISBN (eBook)
9783668112476
ISBN (Buch)
9783668112483
Dateigröße
1484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulübergang, Grundschule, vierjähriges Grundschulmodell, Bildungsreformen, Bildungspolitik, PISA, Übergang Schulen
Arbeit zitieren
P. Köhler (Autor), 2013, Ist die Vierjährige Grundschule ein Modell ohne Zukunft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307143

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ist die Vierjährige Grundschule ein Modell ohne Zukunft?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden