Sprache und Politik in der frühen Neuzeit in der Romania. Die Gramática de la lengua castellana von Antonio de Nebrija


Hausarbeit, 2014
13 Seiten, Note: 2,5
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Historische Situation
2.2. Sprachliche Situation
2.3. Kulturelle Situation

3. Biographie: Antonio de Nebrija (1444-1522)

4. Grámatica de la lengua castellana
4.1. Aufbau der Grammatik
4.2. Inhalt der Grammatik
4.3. Vergleich mit der Diccionario de Autoridades

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Ab dem 15. Jahrhundert kommt es in Spanien, hauptsächlich durch politische Einschnitte, zu einer neuen Ära. Hier sind vor allem die Eroberung Konstantinopels und die Entdeckung Amerikas zu nennen. Aber auch die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg und die im 16. Jahrhundert aufkommende Bewegung der Humanisten, tragen zu einem veränderten Menschenbild und somit zu einer Zeitenwende bei. Die frühe Neuzeit ist geboren. Zu dieser Zeit erlebt Spanien seine Blüte in der Literatur, auch Siglo de oro genannt. Eines der wichtigsten Sprachdenkmäler der spanischen Sprachgeschichte ist die Gramática de la lengua castellana von Antonio de Nebrija (1444 - 1522). Sie hatte früher und hat heute noch eine große Gültigkeit, da sie die erste Verschriftlichung in der Zeit ist, wo überwiegend Latein in vielen Bereichen existierte. Zum ersten Mal wurde die Volkssprache normiert und festgehalten, welches eine Innovation darstellte, denn bis dahin wurden dem Lateinischen oder Griechischen festgelegte Regeln zugeordnet.

In dieser Hausarbeit werden die wichtigen Aspekte der frühen Neuzeit in Spanien dargelegt. Dafür ist es erforderlich, die historische, sprachliche sowie kulturelle Situation im 15. Jahrhundert kurz zu umrahmen. Antonio de Nebrija`s Leben und sein Werk stehen hier im Vordergrund. Dabei werden der Aufbau und Inhalt der Grammatik analysiert.

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Historische Situation

Das Jahr 1492, in dem die Gramática de la lengua castellana erschien, galt als Annus mirabilis in der spanischen Geschichte. Einige Jahre zuvor, im Jahre 1479, hatten sich die katholischen Könige1 Ferdinand und Isabella liiert und legten somit ihre beiden Reiche Kastilien-León und Aragón zusammen. Ihre Vereinigung beider Reiche ermöglichte ihnen territoriale und machtpolitische Expansion. Die katholischen Könige besaßen große Macht und Geltung auf der iberischen Halbinsel, da im Westen nur noch das kleine Reich Navarra und Portugal vorherrschten. Innenpolitisch konzentrierten sich die Könige auf Kastilien. Im Gegensatz zu Aragón lebten in Kastilien mehr Menschen. Durch die Entdeckung Amerikas durch den Spanier Christoph Columbus vervollständigte sich das bedeutende Jahr. In Kastilien wurden die Schätze Amerikas aufbewahrt und so verfügte Kastilien an Vormachtstellung in Europa. Die Kastilische Sprache gewann daher an Prestige. Nach mehrjährigem Krieg eroberten die Könige am 2. Januar 1492 Granada, zumal beide Königreiche sich bekräftigt hatten. Granada war die letzte Festung der Mauren und somit war die Reconquista beendet. Doch diese Beendung war den Königen jedoch nicht genug. Sie strebten nicht nur nach territorialer, sondern auch religiöser Einheit im spanischen Reich. Im selben Jahr wurden die Juden durch ein königliches Edikt des Landes verwiesen, vorausgesetzt sie ließen sich nicht taufen. Infolgedessen begann eine umfassende Judenverfolgung, wobei Zehn- tausende spanische Juden, sogenannte Sephardim, in Kultur und Wirtschaft viele Lücken hinterließen. Die in Spanien verbliebenen Mauren, die nicht getauft wurden, wurden ab Beginn des 16. Jahrhundert vertrieben. Die getauften, sogenannten Morisken, mussten ab dem Jahr 1609 das Land verlassen.

Nebrija befasste sich mit nichtpolitischen Sachen wie seiner Grammatik und musste sich auf Grund dieser Tatsache oftmals 11496 wurde Isabella und Ferdinand vom Papst der Ehrentitel "Katholische Könige" (Reyes Católicos) verliehen rechtfertigen. In seinem Prolog der Grammatik, welche er der Königin Isabella widmete, erklärt er, dass eine sprachliche Einheit und Begleitung nötig sei um das Reich auszuweiten. Una cosa hallo y saco por conclusión mui cierta: que siempre la lengua fue compañera del imperio y de tal manera lo siguió que junta mente començaron, crecieron y floreciero.2

Nach Braselmann (1991: 419) betont Nebrija hier den „Parallelismus zwischen Sprache und Reich, bzw. Herrschaft; sie korrelieren einander und gehören zusammen.“

2.2. Sprachliche Situation

Die Sprache in Spanien im 15. Jahrhundert kann aufgrund der Vorlagen als fortschrittlich in Europa betrachtet werden. König Ferdinand III., der Kastilisch zur offiziellen Kanzleisprache machte, sowie Alfonso X., der Kastilisch zur Sprache aller Gesetze und Dokumente erhob, übergaben dafür die Vorlagen (Braselmann 1991:148). Alfonso X, auch Alfonso der Weise genannt, zeichnete sich durch seine Übersetzungsschule in Toledo aus, in der viele Wissensbereiche der arabischen Welt in das Lateinische übersetzt wurden. Die zuvor mündlich aufgeschriebene Übersetzung wurde in die Volkssprache überliefert, da sich die Übersetzung in drei Stufen - Arabisch, Volgare, Latein - vollzog. Somit verzichtete man ganz darauf lateinisch zu übersetzen (Bollée & Neumann 2003: 72). Infolgedessen kam der Volkssprache Kastilisch gegenüber den anderen romanischen Sprachen ein erhöhtes Prestige zu. Zu Zeiten der Katholischen Könige versuchte man sich nicht mehr nach lateinischem Vorbild zu orientieren. (Bollée & Neumann 2003: 85). Die Kirche und die Könige waren die größten und wichtigsten Machthaber im System. Darauf folgten der Adel und das Rittertum, die sich dem Bildungsideal nicht verpflichtet sahen und armas y letras wurden noch als miteinander unvereinbar angesehen (Braselmann 1991: 170). So beeinflussten sie auch die Sprache. Die Gesellschaftsstruktur in Spanien war im Gegensatz zum restlichen Europa sehr starr. Die Kirche verhinderte eher die Verbreitung der Volkssprache. Latein spielte in der Institution Kirche eine große Rolle. Die Bibel und religiöse Schriften waren in Latein.

Außerdem wurde nur auf Latein gepredigt. Die Kirche erlaubte keine Übersetzung der Bibel in die Volkssprache. Im Jahre 1234 auf der Synode von Tarragona verboten sogar die spanischen Bischöfe nach einem Dekret von König Jakob I. die Bibel in eine romanische Sprache zu übersetzen. Erst 1478 wurde eine im Dialekt von Valencia verfasste Bibelübersetzung in Spanien gedruckt. Die nächste Ausgabe erschien erst 1790.3

Nebrija befasste sich auch mit theologischen Schriften und war kurzzeitig mit einer polyglotten Bibel und beschäftigte sich hiermit insbesondere in seinem letzten Lebensabschnitt. Allerdings bewahrte er seine Stellung als Grammatiker und Textphilologe und kommentierte zudem kontroverse Stellen der Heiligen Schrift grammatisch, welches ihm Ärger mit der Inquisition einbrachte (Braselmann 1991: 81).

2.3. Kulturelle Situation

In ganz Europa versagte in dieser Epoche das mittelalterliche Wissenschaftssystem. Spanien galt in der frühen Neuzeit in dem Bereich Wissenschaft eher unentwickelt. Im 15. Jahrhundert kamen zu den Fachdisziplinen wie Medizin, Astrologie, Astronomie und Mathematik die studia humanitatis hinzu, bzw. die Grammatik, Rhetorik, Geschichte, Poetik und die Moralphilosophie (Braselmann 1991: 150). Spanien behielt jedoch das System der septem artes liberales4 ein. Laut Braselmann (1991: 170) fehlte jede wissenschaftliche Neugier und jedes innovatorische Streben. Der Mensch ,verwaltete‘ im Grunde nur das Überlieferte. Außerdem ließen die Lateinkenntnisse bei den Gelehrten nach. Sie konnten die alten Bücher nicht mehr lesen und verstanden somit ihre Hauptquellen in den Bereichen Medizin, Jura und Theologie nicht (Braselmann 1991: 57). Latein galt als die Kultur- und Literatursprache. Allerdings entwickelten sich zwei Probleme in der Literatur. Einerseits war die Literatur zu dieser Zeit von Adligen bestimmt. Die Adelskaste schrieb selbst oder fungierte als Mäzene.

[...]


1 1496 wurde Isabella und Ferdinand vom Papst der Ehrentitel "Katholische Könige" (Reyes Católicos) verliehen

2 http://www.antoniodenebrija.org/prólogo.html

3 http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Bibel%C3%BCbersetzung

4 Glei, R. (2006) : Die Sieben freien Künste in Antike und Gegenwart

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Sprache und Politik in der frühen Neuzeit in der Romania. Die Gramática de la lengua castellana von Antonio de Nebrija
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Philologie)
Veranstaltung
Proseminar Sprachgeschichte
Note
2,5
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V307155
ISBN (eBook)
9783668056503
ISBN (Buch)
9783668056510
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antonio de Nebrija, Gramática de la lengua castellana, frühe Neuzeit, Sprachdenkmal, 15. Jahrhundert
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Sprache und Politik in der frühen Neuzeit in der Romania. Die Gramática de la lengua castellana von Antonio de Nebrija, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307155

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