Mobile Chat-Kommunikation. Passen sich Chatter dem Zeitdruck bei „What’s App“ durch Ökonomisierung ihrer Beiträge an?

Eine Untersuchung


Hausarbeit, 2013

26 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Überlegungen zum verwendeten Medienbegriff
Das Medium: technischer Transportvorgang oder Verfahren der Zeichenprozessierung?
Unterschiede zwischen gesprochener und geschriebener Sprache

Chat-Kommunikation
Der Chat: zwischen gesprochener und geschriebener Sprache?
Synchronizität und Dialogizität

Das Chatprogramm „What’s App“
Die „App“
Chat-Mitschnitte als archivierte Verlaufsprotokolle
Mobile Chatkommunikation als Kombination von SMS- und computergebundener
Chatkommunikation

Bezug auf Seminar

Literaturverzeichnis

Einleitung:

In der vorliegenden Arbeit möchte ich den noch relativ neuen Instant Messenger „What’s App“, der 2009[1] auf den Markt der „Apps“ für internetfähige Mobiltelefone kam, mit dem an Computer gebundenen Chat vergleichen. Dabei möchte ich der Frage nachgehen, wie sich die ständige Erreichbarkeit und die ständige Beanspruchung durch Gesprächsanfragen auf die die Produktion von Chat-Beiträgen auswirkt. Ich möchte herausfinden, ob Nutzer des Instant Messengers „What’s App“ im Vergleich zu Nutzern den computergebundenen Chats vermehrt sogenannte Schnellschüsse produzieren. Unter Schnellschüssen verstehe ich fehlerhafter, nicht korrigierter Beiträge, welche durch zeitdruck entstehen. Es soll also die in der Überschrift gestellte Frage geklärt werden, ob sich Chatter dem Zeitdruck bei „What’s App“ durch Ökonomisierung ihrer Beiträge anpassen.

Als Grundlage hierfür diskutiere ich zunächst den dieser Arbeit zugrunde liegenden Medienbegriff, um von ihm aus den gerade in Bezug auf die Chatkommunikation starken Diskurs über die Unterschiede von gesprochener und geschriebener Sprache beleuchten zu können. Aus den verschiedenen in der Literatur zu findenden Ansätzen zu diesem Spannungsfeld heraus, werde ich die Chatkommunikation betrachten. Auf dem Fundament dieser Vorüberlegungen zum Medienbegriff, der Handhabung von gesprochener und geschriebener Sprache, sowie dem Verständnis von Chatkommunikation werde ich anhand einiger Chatkommunikationsbeispiele, welche bei der Nutzung des Programmes „What’s App“ entstanden sind, die einleitend genannten Punkte untersuchen und erläutern.

Abschließend werde ich die Arbeit und ihre Ergebnisse in die im Seminar geführte Diskussionen einbinden und somit die Auseinandersetzung mit dem Thema der Chatkommunikation, wie sie in dieser Arbeit stattfindet für den Rahmen, der das Seminar bestimmenden Inhalte legitimieren.

Überlegungen zum verwendeten Medienbegriff:

Wie auch in der Literatur häufig angemerkt[2], wird das Wort Medium im Alltag in unterschiedlichster Weise benutzt, wobei vielgestaltige Konzepte und Vorstellungen zum Tragen kommen. Auch in der Forschung stellt sich, in Anbetracht der Vielzahl der unterschiedlichen Ansätze zur Definition des Terminus Medien, die Frage, ob es, wie Schneider feststellt, „sinnvoll ist, nach allgemeinen Merkmalen von Medien zu suchen, oder ob man sich vielmehr damit zufriedengeben sollte, dass die Erfüllungsgegenstände des Prädikats ‚Medium‘ bestenfalls durch ‚Familienähnlichkeiten‘ miteinander verbunden sind und sich einer intentionalen Definition prinzipiell entziehen.“[3] Vorrangig muss also geklärt werden, welches Medienkonzept den folgenden Ausführungen zugrunde gelegt wird. Da ich im Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht auf alle im weiten Feld der Mediendiskussion behandelten Aspekte und Perspektiven eingehen kann, werde ich den von mir verwendeten Medienbegriff anhand einiger ausgewählter Autoren ausarbeiten. Beispielhaft stelle ich zwei Modelle vor, welche als Pole die Bandbreite der Diskussion gut wiederspiegeln.

Das Medium: technischer Transportvorgang oder Verfahren der Zeichenprozessierung?

Zuerst stelle ich den Medienbegriff nach Christa Dürscheid vor, den diese aufbauend auf die von Roland Posner entwickelten Medienkonzepte[4] ausarbeitete.

Die von Posner entwickelten Medienkonzepte ergänzt Dürscheid mit Anregungen Stephan Habscheids und Werner Hollys zu einem modifizierten technologischen Medienkonzept.[5] Demzufolge sind Medien „materiale, vom Menschen hergestellte Apparate zur Herstellung/Modifikation, Speicherung, Übertragung oder Verteilung von sprachlichen (und nicht-sprachlichen) Zeichen“[6]. Dürscheid erweitert diese von Habscheid und Holly vertretene Konzeption durch den Aspekt der Rezeption.[7] „Ein Medium dient aber nicht nur zur Produktion der Zeichen, es kann auch als Hilfsmittel zur Rezeption fungieren.“[8] Dies bedeutet, dass alles Nichtdingliche, wie zum Beispiel Sprache in Form der angesprochenen sprachlichen Zeichen, sowie alle von Jan G. Schneider in Bezug auf Mike Sandbothe unter Wahrnehmungsmedien genannten Aspekte wie Schallwellen und Licht aber auch teilweise semiotische Kommunikationsmedien wie die Musik aus dem Medienkonzept ausgegliedert sind. Im Falle der Musik bedeutet das, dass die momentan produzierte Melodie in all ihrer Ausdruckskraft, kein Medium ist, wohingegen die Flöte, auf welcher die Melodie gespielt wird, ein Medium darstellt.

Schlussfolgernd gibt es Kommunikation ohne die Nutzung eines Mediums. Im Face-To-Face-Gespräch zum Beispiel nutzen die Kommunikationspartner keine Apparate, um sich auszutauschen und somit auch kein Medium. Dürscheid begegnet diesem Umstand, indem sie im gleichnamigen Artikel zwischen „Medien, Kommunikationsformen und kommunikative[n] Gattungen“[9] unterscheidet. Diese Unterscheidung ist für den Medienbegriff nach Dürscheid grundlegend. So stellen nach Dürscheid Kommunikationsformen „kommunikative Konstellationen“[10] dar, welche durch ein Medium ermöglicht werden können, aber auch ohne ein solches auskommen. Als Beispiel für eine solche Kommunikationsform ohne Medium bringt Dürscheid das Face-To-Face-Gespräch an.[11] Dürscheids Argumentations folgend ist „Aufgrund der Kopräsenz der Teilnehmer […] hier kein Kommunikationsmittel [Medium] erforderlich“[12]. Markante Eigenschaft durch Medien vermittelter Kommunikation ist also die nichtvorhandene Kopräsenz der Teilnehmer, welche mittels des Mediums überwunden wird. „Abwesendes wird über das Medium in die Nähe geholt, Distanzen zwischen den Kommunikationspartnern werden durch das Medium überbrückt.“[13] Medien haben schließlich nach Dürscheid lediglich die Funktion die Teilnehmer der Kommunikation über eine räumlich-zeitliche Distanz, die die medienfreie direkte Kommunikation des Face-To-Face-Gesprächs verhindert, zu verbinden, sodass das vom Sender produzierte Zeichen vom Empfänger aufgenommen werden kann.

Diese Kette ist bezeichnend für Medienkonzeptionen, die die Kommunikation von der modernen Datenübertragung inspiriert, als Transportvorgang einer Botschaft oder Information zwischen Sender und Empfänger interpretieren.

Besonders gut erkennbar ist diese Vorstellung in der Konzeption Sybille Krämers, welche sich an die Arbeiten von Shannon und Weaver angelehnt sind.[14] Sie definiert das technische Übertragungsmodell im Gegensatz zum personalen Verständigungsmodell[15] als Datenverarbeitung stets materieller Signale, welche vom Sender zum Empfänger, über das Medium, den Kanal, in einer linearen Kette vermittel werden. Dabei ist nach Krämer wichtig, den ‚störenden Dritten‘ zu minimieren, also die Botschaft so unverfälscht wie möglich zu übertragen. Die Botschaft wird somit asymmetrisch und unidirektional versandt, und mittels einer möglichst guten Verbindung über eine, die Kommunikationspartner trennende, Distanz übertragen.[16]

Dieses Modell stellt sie dem personalen Verständigungsmodell, wie zum Beispiel Habermas entwickelt[17] entgegen. Das Verständigungsmodell geht von einer Interaktion zwischen Personen, welche auf wechselseitiges Verstehen zielt, aus. Die Kommunikation verläuft dabei symmetrisch und reziprok. Es wird, so das Modell erst durch die Kommunikation koordiniertes Handeln und Gemeinschaft möglich.[18]

Krämer lehnt den von diesem Modell präferierten Dialog als Prototyp menschlicher Kommunikation ab. „Ein Gutteil unserer Kommunikation ist nicht dialogisch“[19] Als Grundvoraussetzung von Kommunikation bestimmt Krämer in ihrem Modell die Differenz. Diese stellt nach Krämer entweder wie bei Dürscheid eine raum-zeitliche Entfernung oder eine Heterogenität zwischen Individuen und ihrer Innenwelten dar. Kommunikation ermöglicht dann die Überwindung des jeweiligen Problems.[20] So sind die Übertragungen von Krämer als „ein Phänomen des Umgangs mit Differenz“[21] beschrieben.

Wie diese Übertragungen vonstattengehen, beschreibt Krämer mit der Idee des Botenganges, welches sie als Bild für das Medium wählt. Dabei trifft sie zwei Vorentscheidungen: „Es gibt immer ein Außerhalb von Medien. Boten sind heteronom, also fremdbestimmt.“[22] In diesem Modell vertraut der Sender seine Botschaft dem von ihm gewählten Boten, also einem Medium, seine Botschaft an, hoffend, dass dieser diese ohne größere Umwege, in möglichst unverzerrter Weise an den Adressaten bringt. Der Empfänger muss schließlich lediglich alle Informationen, die ihm der Bote übermittelt entgegen nehmen. Das Verständnis der Kommunikationspartner ist umso besser, je störungsfreier der Botengang verlief und je wahrheitsgemäßer der Bote die Botschaft wiedergegeben hat. Die Funktion des Boten bei Krämer ist das Wahrnehmbarmachen.[23] „Er ist eine sich selbst neutralisierende Instanz, die dadurch etwas anderes vorstellig macht, dass sie sich selbst zurücknimmt.“[24] Ein Medium präsentiert nach Krämer „seine Botschaft, indem es sich selbst im gleichen Zug zurücknimmt.“[25]

Anlehnend an Krämer schreibt auch Schneider: „Das Medium gerät als solches gar nicht in den Blick, es ‚agiert‘ gewissermaßen im Verborgenen.“[26] Doch anders als Krämer und Dürscheid, nimmt Schneider in seinem Medienkonzept auch die semiotischen Kommunikationsmedien wie Sprache und Bild in den Blick. „Ist es wirklich adäquat, die ‚semiotischen Kommunikationsmedien‘, allen voran die Sprache, aus der Extension des Begriffs ‚Medium‘ auszuschließen?“[27] In Anlehnung an Sandbothe unterscheidet Schneider zwischen sinnlichen Wahrnehmungsmedien (Schallwellen, Licht, Raum und Zeit,…?), semiotischen Kommunikationsmedien (Bild, Sprache, Musik, Schrift,…) und technischen Verbreitungs- und Interaktionsmedien (Stimme, Radio, Buchdruck, Fernsehen, Internet, E-Mail, Chat,…).[28] Schneider richtet sich damit gegen die Behauptung es bestünde die Möglichkeit nichtmedialer Kommunikation, welche unter anderen Dürscheid in ihrer Medienkonzeption äußert. „Da Zeichen in irgendeiner Weise sinnlich wahrnehmbar sein müssen, sind sie an eine akustische (Schallwellen), haptische (z. B. Blindenschrift) oder visuelle (z. B. Farbpigmente) Materialität gebunden, die wiederum ohne ein Medium nicht gegeben ist.“[29] Diese Materialitätsgebundenheit der Zeichen, aus der Schneider das Vorhandensein eines Mediums als Grundvoraussetzung einer Kommunikation ableitet, betont auch Georg Albert. „Kommunikative Inhalte sind immer medial vermittelt, da sie sich in Zeichen materialisieren müssen.“[30] Schneider und Albert grenzen den Mediumsbegriff also nicht nur auf „materiale, vom Menschen hergestellte Apparate“[31] ein, sondern lösen sich von einer streng technologischen Sicht. Diese Sicht bedingte auch das Übertragungsmodell der Medien und die Vorstellung vom Transport einer Botschaft. Beide wurden „am Leitbild nachrichtentechnischer Kommunikation entwickelt“[32] und diese „Sender-Empfänger-Vorstellung wirkt […] bis heute in vielen Medientheorien und–Definitionen fort.“[33] Aus dieser Tradition bricht Schneider heraus:

„Ich lege einen ‚dynamischen‘, prozessorientierten Medienbegriff zugrunde: Medien sind keine Dinge, sondern Verfahren der Zeichenprozessierung; der Begriff ‚Medium‘ betrifft die Art und Weise, wie Zeichen prozessiert werden.“[34]

Schneider verbindet den Medienbegriff also mit Zeichenprozessen und Performanzen, schließt damit die sogenannten ‚sinnlichen Wahrnehmungsmedien‘ oder ‚natürlichen Medien‘ wie Licht, Luft und Schallwellen aus, um einen Medienbegriff, der technische Medien und semiotische Kommunikationsmedien umfasst, zu definieren.[35] Für Medien, die er als „sozial konstituierte Verfahrensformen“[36] versteht, definiert Schneider folgende Merkmale:

„1. Sie weisen immer eine spezifische Materialität auf und sind auf spezifische Apparaturen gestützt.
2. Im Unterschied zur Mittel-Zweck-Relation bilden Medium und Mediatisiertes eine Einheit. Medien sind konstitutiv für das jeweils Mediatisierte; sie geben ihm seine spezifische Gestalt (Spur-Idee). Jeder kommunikative Inhalt muss sich in einem Medium realisieren.
3. In diesem Sinne haben Medien immer eine Vermittlungsfunktion, aber sie sind keine Vermittler im Sinne eines bloßen Transportvorgangs.
4. Sie ermöglichen spezifische Performanzen.
5. Sie ermöglichen vielfältige Formen der Vermischung, der Kombination und der ‚Remediatisierung‘.“[37]

Die unter 2. genannte Spur-Idee erläutert Schneider als Auswirkung des jeweiligen technischen Mediums auf die Performanz. Ein jedes Medium hinterlasse seine eigene Spur:

„Die Länge einer SMS beispielsweise ist schon durch die technischen Bedingungen stark restringiert; die beim ‚Simsen‘ verwendete Sprache passt sich dem Medium unter anderem in syntaktischer und lexikalischer Hinsicht an (kurze Sätze, zahlreiche Abkürzungen etc.).“[38]

Auch Albert folgt diesem Gedanken, wenn er schreibt, „dass Art und Verfügbarkeit des Mediums konstitutiv für die jeweilige Zeichenverwendung ist.“[39] Unter Remediatisierung ist das Anknüpfen und Umgestalten früherer Medien zu verstehen.[40]

Schneider kritisiert das Sender-Empfänger-Modell insbesondere wegen der Vorstellung des bloßen Transportvorgangs. Diese geht davon aus, dass unter optimalen Umständen der Sender seine Botschaft codiert, über das Medium transportiert und der Empfänger diese decodiert, ohne jegliche Probleme den Sinn der Botschaft erschließen kann. Dabei sei kein Unterschied zwischen dem Sinn, den der Sender in seine Worte legt und dem, den der Empfänger darin findet. Die Folge davon ist, dass die Bedeutung von Worten explizit festgelegt und jedem Sprecher einer Sprache bekannt ist. Durch einzelne Sprecher in einer Äußerung festgestellte Bedeutungsnuancen wären hinfällig und jegliche Missverständnisse in kommunikativen Situationen auf Störungen im Medium zurückzuführen. Dem widerspricht Schneider:

„Im Rahmen des Sender-Empfänger-Modells (auch in seinen elaborierteren Varianten) wird völlig unterschlagen, dass Sinn kein Gegenstand ist, der transportiert werden könnte, sondern etwas, das immer wieder neu in Verständigungsprozessen, in der Kommunikation, erzeugt wird.“[41]

„Anders als es das Sender-Empfänger-Modell nahelegt, hat der Sprecher also keineswegs die vollständige Kontrolle und Deutungshoheit über die Bedeutung seiner Worte.“[42]

Dass dem Sprecher die vollständige Kontrolle über die Bedeutung seiner Worte abgesprochen wird und diese erst in der jeweiligen kommunikativen Situation, mithilfe des Kommunikationspartners in einem Verständigungsprozess generiert wird, erfordert einen Vorgang des Verstehens auf beiden Seiten der Kommunikation, also beim Adressaten und beim Mitteilenden. „Verstehen heißt daher nicht: die ‚objektive Realität‘ der Information oder die ‚genuine Intention‘ des Mitteilenden erfassen. Information wird nicht übertragen, sondern konstituiert sich allererst in der Kommunikation, im Verstehen.“[43]

„Am Ende eines Gesprächs versteht man das, was man eingangs gesagt und gemeint hat, häufig ganz anders als am Anfang.“[44]

Im Folgenden lege ich den prozessorientierten Medienbegriff Schneiders zugrunde, da der mit dem Sender-Empfänger-Modell untrennbar verbundene Übertragungsgedanke zwar eine sehr anschauliche und alltagsnahe Beschreibung bietet, am Ende jedoch fast naiv wirkt. Es ist zu einfach Missverständnisse in der Kommunikation lediglich auf eine „schlechte Verbindung“ zurückzuführen, zumal sehr viele Sprachspiele an einer Eindeutigkeit der Wörter schlicht scheitern müssten.[45] Dabei unterscheide ich in Anschluss an Albert zwischen Zeichen und Medien. „Medien können Zeichen vermitteln, doch aus Medien zieht man keine Schlüsse – es sei denn, man nimmt sie selbst als Zeichen für etwas.“[46]

Albert gegen den Begriff Versprachlichungsstrategien: „insofern er mit der Vorstellung verbunden ist, es gäbe außer- oder vorsprachliche Inhalte, die dann in unterschiedlicher Weise ‚versprachlicht‘ werden könnten. Die Terminologie verweist demnach auf die Affinität des Modells zu naiven Kommunikationstheorien, in denen Kommunikation wesentlich im Verpacken, Verschicken und Auspacken vorgängiger Ideen besteht.“[47]

Unterschiede zwischen gesprochener und geschriebener Sprache:

„Linguistische Untersuchungen zu medienabhängigen Veränderungen von Sprache und Kommunikationspraktiken durch technische Medien orientieren sich bis heute stark an der Unterscheidung von Schriftlichkeit und Mündlichkeit.“[48]

Diese Unterscheidung auf die sich Fehrmann und Linz beziehen, geht auf die Arbeit von Peter Koch und Wulf Oesterreicher zurück. Koch und Oesterreicher erarbeiten in ihren Untersuchungen zur gesprochenen Sprache in der Romania ein Konzept zur Differenzierung zwischen gesprochener und geschriebener Sprache. Im Anschluss an Söll trennen Koch und Oesterreicher zur Charakterisierung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit zwischen einer medialen und einer konzeptionellen Ebene. Diese Differenzierung basiert auf der Annahme, dass sich gesprochene und geschriebene Sprache unabhängig von der Frage einer lautlichen oder schriftlichen Darbietung wesentlich in ihren Kommunikationsformen und sprachlichen Strategien unterscheidet.[49] Sie unterscheiden also zwischen dem „Medium der Realisierung (phonisch/graphisch) […und der] Konzeption (gesprochen/geschrieben)“[50]. Bei der Unterscheidung zwischen gesprochener und geschriebener Sprache nennen Koch und Oesterreicher seitens des Mediums zwei Realisierungsmöglichkeiten, „also [einer] [strikten] Dichotomie“, auf konzeptioneller Seite beschreiben sie „das Verhältnis von ‚gesprochen‘ und ‚geschrieben‘ […] als Kontinuum zwischen extremen Ausprägungen der Konzeption“[51]. Abgeleitet aus der Heterogenität der Kommunikationspartner, setzen Koch und Oesterericher 10 Kommunikationsbedingungen für ihre Überlegungen voraus: Öffentlichkeit, Vertrautheit der Partner, emotionale Beteiligung, Situations- und Handlungseinbindung, Referenzbezug, physische Nähe der Kommunikationspartner in räumlicher und zeitlicher Hinsicht. Kooperation, Dialogizität, Spontanität und Themenfixierung.[52] Diese Parameter fassen sie in das Kontinuum, welches die Konzeption einer Äußerung zu erfassen sucht. Als Pole für dieses Kontinuum stellen Koch und Oesterreicher kommunikative Nähe (‚gesprochen‘) und kommunikative Distanz (‚geschrieben‘) gegenüber, denen sie ihre vorausgesetzten Kommunikationsbedingungen als prototypische Attribute zuordnen.[53]

[...]


[1] Vgl. Laube (2012).

[2] Vgl. Dürscheid (2006).

[3] Schneider (2006), S.73.

[4] Vgl. Dürscheid (2005).

[5] Vgl. Dürscheid (2005).

[6] Habscheid (2000), S.137, vgl. Holly (1997), S.69,f.

[7] Vgl. Dürscheid (2005).

[8] Dürscheid (2005), S.5.

[9] Dürscheid (2005), S.3.

[10] Dürscheid (2005), S.5.

[11] Vgl. Dürscheid (2005).

[12] Dürscheid (2005), S.5.

[13] Dürscheid (2005), S.5.

[14] Shannon/Weaver (1963).

[15] Vgl. Krämer (2008).

[16] Vgl. Krämer (2008).

[17] Habermas (1981).

[18] Vgl. Krämer (2008).

[19] Krämer (2008), S.10.

[20] Vgl. Krämer (2008)

[21] Krämer (2008), S.267.

[22] Krämer (2008), S.10.

[23] Vgl. Krämer (2008)

[24] Krämer (2008), S.119.

[25] Krämer (2008), S.271.

[26] Schneider (2006), S.79.

[27] Schneider (2006), S.75.

[28] Vgl. Schneider (2006).

[29] Albert (2013), S.53.

[30] Schneider (2006), S.82.

[31] Habscheid (2000), S.137, vgl. Holly (1997), S.69,f.

[32] Schneider (2006), S.75.

[33] Schneider (2006), S.76.

[34] Schneider (2011), S.168.

[35] Vgl. Schneider (2006).

[36] Schneider (2006), S.81.

[37] Schneider (2006), S.81.

[38] Schneider (2006), S.84.

[39] Albert (2013), S.53.

[40] Vgl. Schneider (2006).

[41] Schneider (2006), S.76.

[42] Schneider (2006), S.77.

[43] Schneider (2006), S.77.

[44] Schneider (2006), S.77.

[45] Hans Bemmann gelang mit „Erwins Badezimmer“ ein sehr interessantes und gleichzeitig unterhaltendes Buch zur Thematik der Eindeutigkeit von Wörtern.

[46] Albert (2013), S.53.

[47] Albert (2013), S.58.

[48] Fehrmann/ Linz (2009), S.123.

[49] Fehrmann/ Linz (2009), S.123.

[50] Koch/ Oesterreicher (1990), S.5.

[51] Koch/ Oesterreicher (1990), S.6

[52] Vgl. Koch /Oesterreicher (1990).

[53] Koch/ Oesterreicher (1990).

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Mobile Chat-Kommunikation. Passen sich Chatter dem Zeitdruck bei „What’s App“ durch Ökonomisierung ihrer Beiträge an?
Untertitel
Eine Untersuchung
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Autor
Jahr
2013
Seiten
26
Katalognummer
V307202
ISBN (eBook)
9783668058729
ISBN (Buch)
9783668058736
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
whatsapp, chatkommunikation, internet, instant messenger, ständige erreichbarkeit, asuwirkungen, Sprache, Chat-Beiträge, Untersuchung
Arbeit zitieren
Sebastian Sutor (Autor), 2013, Mobile Chat-Kommunikation. Passen sich Chatter dem Zeitdruck bei „What’s App“ durch Ökonomisierung ihrer Beiträge an?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307202

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Mobile Chat-Kommunikation. Passen sich Chatter dem Zeitdruck bei „What’s App“ durch Ökonomisierung ihrer Beiträge an?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden