Welche totalitären Systeme gab es und wie lang gab es sie? Diese Frage ist unter Politikwissenschaftlern umstritten. Der Großteil der Wissenschaftler ist sich einig, dass das NS-Regime in Deutschland ein totalitäres System war und mit dem Tod Hitlers und der Niederlage Deutschlands im Jahr 1945 endete. Das zweite totalitäre System soll die Sowjetunion gewesen sein. Bei dieser ist sich die Wissenschaft noch nicht einig, ob sie tatsächlich ihre ganze Existenz lang totalitär war. Es wird oft angeführt, dass sie nur während der Herrschaft Stalins (1927 – 1953) ein totalitäres System war. Die Wissenschaftlerin Hannah Arendt vertrat in ihrer bekannten Totalitarismus Theorie diese Auffassung. In dieser Arbeit wird ihre Theorie über die Rolle der Massen im Totalitarismus auf die Zeit Stalins angewandt. Es wird untersucht, ob während der Herrschaft Stalins diese für den Totalitarismus und dessen totalitäre Bewegung nötigen Massen in der Sowjetunion bestanden. Dazu wird die Theorie Hannah Arendts bemüht, um darzustellen, welche Eigenschaften diese Massen haben müssen. Im zweiten Schritt wird Untersucht ob diese Massen in der Sowjetunion bestanden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Massen in der Totalitarismus Theorie von Hannah Arendt
2.1 Voraussetzungen für eine Massenbewegung
2.2 Die Massen
2.3 Die totalitäre Bewegung
3. Anwendung der Theorie von Hannah Arendt auf den Stalinismus
3.1 Liquidation der Klassengesellschaft
3.2 Die Atomisierung der Gesellschaft
3.3 Weitere Einwirkungen auf die Massen während des Stalinismus
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern die theoretischen Voraussetzungen für die Entstehung totalitärer Massenbewegungen, wie sie von Hannah Arendt definiert wurden, während der Herrschaft Stalins in der Sowjetunion tatsächlich erfüllt waren. Dabei wird analysiert, wie Stalin durch gezielten Terror und gesellschaftliche Umformung die notwendigen Bedingungen für seine totale Herrschaft erst selbst schuf.
- Analyse der Totalitarismus-Theorie nach Hannah Arendt
- Untersuchung der Struktur und Eigenschaften totalitärer Massen
- Methodische Liquidation von Klassen und gesellschaftlichen Strukturen unter Stalin
- Techniken der Atomisierung und Entwurzelung der Bevölkerung
- Bedeutung von Personenkult und ideologischer Gleichschaltung
Auszug aus dem Buch
Die Massen in der Totalitarismus Theorie von Hannah Arendt
Kennzeichnend für totalitäre Bewegungen ist die Schnelligkeit mit der ihre Führer ausgewechselt und vergessen werden. Diese Eigenschaft totalitärer Bewegungen hängt mit der Unbeständigkeit der Massen und dem damit verbundenen Massenruhm zusammen. Die Bewegung ist im Totalitarismus überlebenswichtig. Sie kann sich nur so lange halten, wie sie in Bewegung bleibt, ihr Umfeld in Bewegung versetzt. Aus dieser Bewegung resultiert eine Kontinuitätslosigkeit die keinen Status Quo und keinen Blick in die Vergangenheit kennt. Bewegung und Massen sind entscheidend für die totale Herrschaft. Diese ist ohne die Massenbewegung nicht möglich. Die Massenbewegung muss den Totalitarismus unterstützen auch wenn sie von diesem terrorisiert wird. (vgl. Arendt, 2006, S. 663 ff.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Anwendbarkeit von Hannah Arendts Totalitarismustheorie auf die Herrschaft Stalins in der Sowjetunion.
2. Die Massen in der Totalitarismus Theorie von Hannah Arendt: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Arendt’schen Theorie, insbesondere die Merkmale totalitärer Massenbewegungen und die Rolle des Führers.
3. Anwendung der Theorie von Hannah Arendt auf den Stalinismus: Hier wird untersucht, wie Stalin durch die Zerstörung bestehender Klassenstrukturen und die Atomisierung der Gesellschaft die Bedingungen für seine Diktatur schuf.
4. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass Stalin die notwendigen Voraussetzungen für eine totalitäre Massenbewegung aktiv durch Terror und staatliche Lenkung erzeugte.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, Totalitarismus, Stalinismus, Massenbewegung, Atomisierung, Klassengesellschaft, Sowjetunion, Terror, Herrschaft, Propaganda, Bolschewismus, Ideologie, Personenkult, Bolschewiki, Gesellschaftsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der Totalitarismustheorie der Philosophin Hannah Arendt auf die historische Periode des Stalinismus in der Sowjetunion.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Definition totalitärer Massen, die notwendigen Voraussetzungen für Massenbewegungen sowie die Techniken zur Zerstörung klassischer Gesellschaftsstrukturen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, ob die für totale Herrschaft notwendigen Massen während der Stalin-Ära bereits existierten oder ob Stalin diese erst durch gezielte politische Maßnahmen formen musste.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Theorie von Hannah Arendt als analytisches Instrumentarium, um historische Fakten und Prozesse des sowjetischen Systems zu interpretieren und einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Merkmale totalitärer Bewegungen und die praktische Anwendung auf den Stalinismus, speziell hinsichtlich der Liquidation von Klassen und der Atomisierung der Bevölkerung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Totalitarismus, Massenbewegung, Atomisierung der Gesellschaft, Liquidation und Personenkult.
Warum war die "Liquidation der Klassengesellschaft" für Stalin so wichtig?
Laut der Theorie benötigte Stalin atomisierte, zerfallene Massen ohne feste Bindungen, um eine unkontrollierte Opposition zu verhindern und die totale Kontrolle zu festigen.
Wie wurde die Atomisierung der sowjetischen Gesellschaft konkret erreicht?
Dies geschah durch fingierte Anklagen, ein Klima der Angst, die gezielte Entwurzelung junger Erwachsener und das Verbot von religiöser sowie freier kultureller Betätigung.
Welche Rolle spielt der Personenkult um Stalin im Kontext der Theorie?
Der Personenkult diente als Ersatz für weggefallene religiöse oder ideologische Bindungen und band die nun isolierten Individuen direkt an die totalitäre Bewegung.
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- Martin Birkner (Author), 2015, Stalinismus als Totalitäres System. Die Herausbildung der Massen in der Totalitarismus Theorie von Hannah Arendt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307205