Der Umgang mit Tod in der Schule

Aus der Sicht von Klassenlehrerinnen und -lehrern in der Sekundarstufe I


Examensarbeit, 2015

74 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung und Übersicht
1.1.Problemaufriss
1.2.Aufbau der Arbeit

2.Theoretische Grundlagen zum Umgang mit dem Tod
2.1.Definition Sterben
2.2.Definition Tod
2.3.Definition Trauer

3.Zum Umgang mit dem Tod in der Gesellschaft
3.1.Tabuisierung
3.2.Medien
3.3.Religionen
3.3.1.Christentum
3.3.2.Judentum
3.3.3.Islam
3.3.4.Konfessionsfreie

4.Der Umgang mit dem Tod bei Kindern und Jugendlichen
4.1.Tod
4.1.1.Die Entwicklung der Zeitwahrnehmung
4.1.2.Todeskonzepte von Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Entwicklungsstufen
4.2.Trauer
4.2.1.Trauerreaktionen bei Kindern und Jugendlichen
4.2.1.1.Die fünfphasige Konzeption von E. Kübler-Ross
4.2.1.2.Das vierphasige Modell von Y. Spiegel
4.2.1.3.Das vierphasige Modell von J. Bowbly
4.2.1.4.Das vierphasige Modell von V. Kast
4.2.2.Traueraufgaben bei Kindern und Jugendlichen

5.Der Umgang mit dem Tod in der Institution Schule
5.1.Trauersituationen in der Schule
5.1.1.Tod durch einen Unfall
5.1.2.Tod durch Krankheit
5.1.3.Tod durch Suizid
5.1.4.Tod eines Angehörigen
5.1.5.Tod durch Verbrechen oder Katastrophen
5.2.Gründe für eine schulische Auseinandersetzung
5.3.Forschungsergebnisse

6.Eigene Untersuchung: empirische Analyse aus der Sicht von Klassenlehrerinnen und -lehrern der Sekundarstufe I
6.1.Durchführung und Methode der eigenen Untersuchung
6.2.Analyse der Interviewdaten
6.2.1.Fallschule A
6.2.2.Fallschule B
6.2.3.Fallschule C
6.3.Diskussion der Ergebnisse

7.Ausblick
7.1.Schulkulturelle Verankerung
7.2.Schulinterne Fortbildung zum Umgang mit dem Tod
7.3.Teamarbeit und Kooperation innerhalb der Schule

8.Literaturverzeichnis

9.Abbildungsverzeichnis

10.Anhang
10.1.Leitfaden Interview
10.2. Auszug aus dem Krisenplan Fallschule C

1. Einleitung und Übersicht

„Der Tod ist ein Thema der Pädagogik. Und: Der Tod ist pädagogisch.“ (Gudjons, 1996, S. 7)

1.1. Problemaufriss

Das Titelthema der vorliegenden Arbeit lautet: „Der Umgang mit dem Tod in der Schule - eine empirische Analyse aus der Sicht von Klassenlehrerinnen und -lehrern in der Sekundarstufe I“

Das Ziel ist es, herauszufinden, ob es an Schulen der Sekundarstufe I theoretische Grundlagen und Handlungsstrategien im Umgang mit dem Tod gibt, und wie diese aussehen.

Mein persönliches Interesse, aus dem die Auseinandersetzung mit diesem Thema entstanden ist, begründet sich durch ein einschneidendes Ereignis innerhalb meiner Familie. Nach dem tödlichen Autounfall ihres Vaters wurden meine beiden Patenkinder zu Halbwaisen. Da beide Kinder zu diesem Zeitpunkt bereits eine Schule besuchten, stellte sich für mich als Lehramtsstudentin die Frage, wie in dieser Situation mit dem Thema innerhalb einer Klasse beziehungsweise innerhalb einer Schule umgegangen werden würde.

Der Umgang mit dem Thema Tod gehört zu unserem Lebenskreislauf, deshalb findet bei Kindern und Jugendlichen immer wieder eine Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod und Trauer statt. Dies kann aufgrund der unterschiedlichsten Verlust- und Abschiedssituationen der Fall sein, wie zum Beispiel beim Tod von Angehörigen aus dem Familienkreis beziehungsweise aus der Nachbarschaft oder beim Tod des Haustiers. Aus der Erkenntnis heraus, dass das Thema bei den meisten Kindern und Jugendlichen in irgendeiner Art und Weise präsent ist und auch im Hinblick auf meine spätere Unterrichtstätigkeit habe ich ein Interesse daran, herauszufinden, was die Institution Schule für den Umgang mit dem Tod anbietet und in welcher Form sie trauernde Kinder und Jugendliche begleiten und unterstützen kann.

Leider erfährt der Umgang mit dem Tod im schulischen Kontext viel zu wenig Aufmerksamkeit, obwohl die Schule neben der Familie ein für Kinder und Jugendliche sehr bedeutender Lebensraum ist. Weiterhin findet auch in der universitären Ausbildung und im Referendariat meist keine Auseinandersetzung mit diesem Thema statt. Ein Grund dafür könnte die nicht vorhandene Verankerung in zahlreichen Curricula sein, die keine Strategien im Umgang mit diesem Thema anbieten (vgl. Witt-Loers, 2010, S. 7). Im Verlauf meiner Arbeit an diesem Thema ist mir Stephanie Witt-Loers besonders wichtig geworden. Teilweise auch aus persönlichen Gründen hat sie sich im Rahmen ihres Buches „Tod und Trauer in der Schule“ intensiv mit diesem Themenbereich auseinandergesetzt. Dabei beschäftigt sie sich sowohl mit den theoretischen Grundlagen als auch mit den verschiedenen Schwierigkeiten und Bedürfnissen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Umgang mit dem Tod.

Diese Arbeit versteht sich nicht als Vorbereitung eines allgemeinen Leitfadens für den Umgang mit dem Tod in der Schule, jedoch möchte sie darstellen, wie der Umgang mit dem Tod an den vorgestellten Sekundarstufen I zur Zeit gestaltet wird und welche Chancen und Möglichkeiten im Umgang mit dem Tod innerhalb der Schule liegen.

1.2. Aufbau der Arbeit

Zunächst sollen theoretische Grundlagen zum Umgang mit dem Tod geschaffen werden. Dazu werden die drei Grundbegriffe Sterben, Tod und Trauer näher betrachtet und definiert.

Daraufhin werden diese drei Begriffe auf die Gesellschaft bezogen, um aufzuzeigen, welchen Stellenwert der Umgang mit dem Tod in unserer Gesellschaft hat. Hierbei werden die Tabuisierung, die Medien und die verschiedenen religiösen Ansichten genauer betrachtet.

Im Hauptteil der Arbeit soll es speziell um den Umgang mit dem Tod bei Kindern und Jugendlichen gehen. Hierbei soll berücksichtigt werden, welche Vorstellungen sie von Tod und Trauer haben. Im Vordergrund stehen besonders die Entwicklung ihrer Zeitwahrnehmung und die Todeskonzepte von Kindern und Jugendlichen in den verschiedenen Entwicklungsstufen. Auch werden die verschiedenen Trauerreaktionen und Traueraufgaben bei Kindern und Jugendlichen genauer dargestellt.

Anschließend soll untersucht werden, auf welche Art und Weise sich die Institution der Schule mit dem Thema Tod auseinandersetzen muss, das heißt, inwiefern die Schule mit dem Tod konfrontiert sein kann. Außerdem werden in diesem Kapitel die Gründe für eine schulische Auseinandersetzung benannt und aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt.

Ein weiterer Bestandteil der Arbeit ist die empirische Analyse aus Sicht von Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern der Sekundarstufe I. Diese Studie soll aufzeigen, wie der Umgang mit dem Tod an Sekundarstufen derzeit stattfindet. Die Durchführung und die Methode der eigenen Untersuchung werden kurz erläutert. Danach erfolgt die Analyse der einzelnen Interviewdaten, die sich in die verschiedenen Fallschulen aufgliedern. Zum Abschluss findet eine Diskussion der Ergebnisse statt.

Im letzten Kapitel dieser Arbeit soll ein Ausblick gegeben werden, welche Chancen eine schulische Auseinandersetzung mit dem Tod haben kann. Es wird überlegt, ob Sterben, Tod und Trauer als Elemente der Schulkultur verankert werden könnten, welche Rolle Teamarbeit und Kooperation in der Schule beim Umgang mit dem Tod spielen und welche Rituale als Ausdrucksmöglichkeiten von Abschied und Trauer eingeführt werden könnten.

2. Theoretische Grundlagen zum Umgang mit dem Tod

Das folgende Kapitel soll als kleine Einführung in die vielschichtige Thematik des Umgangs mit dem Tod dienen. Um den Umgang mit dem Tod besser verstehen zu können und um eine grundlegende theoretische Basis für das Verständnis zu schaffen, soll es im Folgenden zunächst um die drei Grundbegriffe gehen, die zu diesem Thema unweigerlich dazugehören. Die Begriffe Sterben, Tod und Trauer sind elementar für die Beschäftigung mit dem Thema.

2.1. Definition Sterben

Um den Begriff des Sterbens zu verstehen, ist zu beachten, dass dieser Vorgang je nach Epoche, Kulturkreis und Weltanschauung verschiedene Zeitspannen und Zustände umfasst (vgl. Wittwer, 2010, S. 75). Der Begriff des Sterbens ist von biologischen Erkenntnissen und kulturellen Einflüssen und Anschauungen geprägt. Diese beschäftigen sich primär damit, wann das Sterben einsetzt und welches Kriterium den Todeszeitpunkt markiert. Jedoch werden auch die religiösen, philosophischen, kulturellen und rechtlichen Konstruktionen miteinbezogen. Witter et al. beschreibt diese Konzepte als „Setzungen“, die weder Ergebnisse naturwissenschaftlicher Art noch unbeeinflusst von kulturellen Wertvorstellungen sind. (vgl. Wittwer, 2010, S. 75).

Das Sterben ist gemeinhin als letzte Phase des Lebens eines organischen Individuums bekannt, dessen Leben unumkehrbar beendet wird. Der Sterbeprozess an sich kann allmählich oder als plötzliches Versagen lebenswichtiger Organsysteme geschehen (Wittwer, 2010, S. 75). Wittwer, Schäfer und Frewer bezeichnen die Sterblichkeit als eine Grundkonstruktion des menschlichen Lebens. Biologisch gesehen ist das Sterben ihrer Meinung nach der zunehmende Verlust von Organfunktionen. Für jedes Organ gibt es hierbei einen individuellen Zeitraum, in dem ein Weiterleben möglich wäre, wenn die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff wiederaufgenommen würde. Nach Ablauf einer bestimmten Zeitspanne stirbt das Organ endgültig ab (vgl. Wittwer, 2010, S. 76).

Der natürliche Sterbevorgang durchläuft laut Wittwer, Schäfer und Frewer mehrere Phasen. Zunächst wird die Wahrnehmung der Umwelt durch eine verringerte Aktivität des Hirns eingeschränkt. Außerdem lassen das Seh- und Hörvermögen nach und die Atmung verflacht. Anschließend tritt der Herzstillstand ein, diesem folgen binnen weniger Minuten der Funktionsverlust der Hirnzellen und der Hirntod. Beim Beginn des Sterbens orientiert sich die Medizin am naturwissenschaftlichen Blick auf den Sterbeprozess. Im kulturellen Verständnis wird als Sterbender jemand verstanden, der körperliche Zeichen eines rasch fortschreitenden Verfalls zeigt, dessen Kräfte reduziert sind oder der sogar schon nicht mehr bei vollem Bewusstsein ist (vgl. Wittwer, 2010, S. 75).

2.2. Definition Tod

„Stillstand der Lebensfunktion bei Mensch und Tier“ (Zwahr, 2005, S. 581) - mit diesem kurzen und prägnanten Satz wird der Begriff des Todes bereits gut dargestellt, aber ist es überhaupt möglich, genau zu beschreiben, was der Tod bedeutet? Der Tod ist für uns Menschen unausweichlich, da alle Organe des Menschen nur eine gewisse Überlebensdauer haben. Darum ist das Sterben „grundsätzlich vom Tod zu unterscheiden […], [der Tod ist] kein Augenblicksereignis, sondern ein zeitlich […] ausgedehnter Vorgang […]“ (Arens, 1994, S. 15). Das Leben und der Tod sind im Verlauf der medizinischen Weiterentwicklung immer mehr ineinander übergegangen, da aufgrund der Möglichkeit der Wiederbelebung die Grenzen fließender geworden sind. Erst wenn ein Mensch nicht mehr wiederbelebt werden kann, gilt er als tot (vgl. Arens, 1994, S. 16).

2.3. Definition Trauer

Die Trauer ist nicht nur für uns Menschen eine „lebensnotwendige“ Reaktion auf „Verlust und Trennungsereignisse“ (Hinderer & Kroth, 2005, S. 26). Das Empfinden zu trauern ist angeboren und somit eine Reaktion von Seele und Körper auf Trennung und Verlust. Dabei tritt das Empfinden von Trauer nicht nur in Verbindung mit dem Todesereignis auf. Für das Empfinden von Trauer gibt es auch im alltäglichen Leben des Menschen viele Beispiele für Situationen, in denen er von etwas Abschied nehmen muss (vgl. Hinderer & Kroth, 2005, S. 26). Genau wie jeder Mensch individuelle Vorstellungen und Wünsche für sein Leben hat, so individuell äußert sich auch die Trauer. Individuell kommen die verschiedensten Emotionen zum Tragen, wie zum Beispiel Wut, Angst, Verzweiflung, Hilflosigkeit, aber auch Erleichterung, Schuld, und Trotz (vgl. Hinderer & Kroth, 2005, S. 26).

Für Außenstehende ist dieser individuelle Trauerprozess nur schwer zu verstehen, da sich je nach Gefühlslage die Emotionen plötzlich verändern können. Laut Hinderer und Kroth haben Trauernde, die einen nahen Angehörigen verloren haben, meist ein starkes Gefühl des Getrenntseins von den Menschen um sie herum, deren Leben scheinbar einfach weitergeht. Während der Zeit, in der Menschen trauern, haben sie meist ein anderes Zeitempfinden, eine veränderte Wahrnehmung, manchmal auch Schwierigkeiten mit der Konzentrationsfähigkeit (vgl. Hinderer & Kroth, 2005,S. 26). Auch körperliche Reaktionen wie „Schlaf- und Appetitlosigkeit, Schwäche, Schmerzen und Krankheit“ (Hinderer & Kroth, 2005, S. 26) können auftreten.

3. Zum Umgang mit dem Tod in der Gesellschaft

Der gesellschaftliche Umgang mit dem Tod prägt und beeinflusst jeden einzelnen Menschen in der jeweiligen Gesellschaft. Unter anderem sind es kulturelle Einflüsse, die den Umgang mit dem Tod verändern. Aber auch Religionen haben noch immer großen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben, obwohl immer mehr Menschen konfessionsfrei leben. Der Umgang mit dem Tod wird heutzutage in der Gesellschaft tabuisiert und verdrängt, wohingegen in den modernen Medien eine tägliche Konfrontation mit dem Tod stattfindet.

3.1. Tabuisierung

Im Verlauf der Recherche zur vorliegenden Arbeit waren die meisten Menschen über mein Interesse an diesem Thema verwundert. Einige wenige waren sehr angetan davon und fanden lobende Worte, da sie sich im Umgang mit dem Tod unsicher fühlen und sich gern mehr damit auseinandersetzen würden. Andere hingegen wirkten sehr verunsichert, wechselten schnell das Gesprächsthema und wollten sich keiner weiteren Konfrontation mit dem Thema aussetzen.

Sven Jenessen bestätigt dieses Erleben und sagt, dass die Konfrontation mit dem Thema Tod bei vielen Menschen mit negativen Gefühlen verbunden ist, vor allem dann, wenn das Thema in Verbindung mit Kindern steht. Die gesellschaftliche Tabuisierung im Umgang mit dem Tod ist eine der Hauptursachen für diese negativen Einstellungen (vgl. Jennessen, 2007, S. 7). Historisch betrachtet stellte der Tod bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein ein öffentliches Ereignis in der Gesellschaft dar, das einen wesentlichen Einfluss auf das Empfinden der Menschen hatte und auch innerhalb der Gesellschaft sozial mitgetragen wurde. Im Gegensatz dazu ist heutzutage eine Ausgrenzung der Todesthematik aus dem persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Leben festzustellen. Wie oben bereits erwähnt, ist eine Sprachlosigkeit in Bezug auf diese Themenbereiche zu beobachten; falls ein Austausch über den Tod stattfindet, sind diese Gespräche meist geprägt von Emotionen wie Unsicherheit und Hilflosigkeit.

Professionelle Institutionen, wie zum Beispiel Krankenhäuser, Pflegeheime oder Bestattungsunternehmen, übernehmen immer häufiger die Versorgung der Sterbenden und Verstorbenen. Auf diese Weise wird die eigentliche Verantwortung der Angehörigen verschoben. Durch die Medien werden Gesundheit, Sportlichkeit und Jugendlichkeit als Lebensideale suggeriert, und so wird das Thema Tod aus mangelndem öffentlichem Interesse beiseite gedrängt (vgl. Jennessen, 2007, S. 7). Die stattfindende Tabuisierung lässt sich mit dem folgenden Zitat wohl am besten auf den Punkt bringen: „Das Leben in der Industriegesellschaft wirkt so, als ob niemand stirbt“ (Mischke, 1996, S. 140).

Die These der Tabuisierung und Verdrängung, wie Jenessen und Mischke sie beschreiben, ist jedoch umstritten. Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass diese Verdrängung stattfinden müsse, da sonst ein geregelter Tages- und Alltagsablauf nicht möglich sei (vgl. Breuer, 1989, S. 29). Andere Wissenschaftler widersprechen dieser Ansicht, da sich ihrer Meinung nach viele Menschen sehr direkt mit diesem Thema auseinandersetzen, zum Beispiel, indem sie ein Testament verfassen oder eine Lebensversicherung abschließen. Bereits in den Sechzigerjahren zeigte eine Studie, dass der Umgang mit dem Tod stark davon abhängt, welche Erfahrungen man selbst bereits mit diesem Thema gemacht hat (vgl. Hahn, 1968, S. 40f).

Wie bereits erläutert, ist es schwierig, den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema Tod umfassend darzustellen und zu bewerten, da diese Thematik sehr vielschichtig und komplex ist und immer auch von der individuellen Auffassung eines Menschen abhängig ist.

Abgesehen von den verschiedenen Ansichten, die es über den gesellschaftlichen Umgang mit dem Tod gibt, können einige Veränderungen im gesellschaftlichen Leben als Grund dafür genannt werden, warum sich der Tod in der Lebenswirklichkeit der Menschen nicht mehr wiederfindet. Wie bereits beschrieben, werden das Sterben und der Tod immer mehr institutionalisiert und in die Hände von Spezialisten gegeben. Etwa 90 Prozent der Menschen sterben in Kliniken oder Pflegeheimen, obwohl es ein Großteil der für die Studien Befragten vorziehen würde, zu Hause sterben zu können (vgl. Mischke, 1996, S. 222).

Die Ursachen für die Institutionalisierung im Umgang mit dem Tod sind komplex. Viele Familien können die Pflege und ganzheitliche Betreuung eines Angehörigen bis zu seinem Tod aufgrund von hohen physischen, psychischen, finanziellen und organisatorischen Belastungen nicht aufrechterhalten. Gründe hierfür sind die fehlende Aufteilung der Belastung auf mehrere Angehörige, da die Großfamilie von früher nicht mehr gegeben ist. Hinzu kommen die gestiegene Lebenserwartung und auch meist die Tendenz, sich mit dem Thema Tod nicht auseinandersetzen zu wollen. Der Umgang mit dem Tod wird also zu einer Dienstleistung, die spezialisierte Helfer für die Angehörigen ausführen (vgl. ebd.).

Auch die soziale Struktur der Gesellschaft verändert sich. Der Trend geht weg vom generationsübergreifenden gemeinsamen Leben unter einem Dach, in der der Tod als natürliche Erfahrung wahrgenommen wurde, hin zur Kleinfamilie, die nur wenige Berührungspunkte mit dem Tod hat. Diese Tatsache fördert das Verschwinden von sozialen Beziehungsstrukturen, was noch durch die verlangte Flexibilität und Individualität von immer mehr Menschen verstärkt wird (vgl. ebd.). Das Grab eines Verstorbenen bleibt trotz dieser Entwicklungen für eine große Gruppe von Angehörigen eine Anlaufstelle der Erinnerung. Im Prozess der Trauerbewältigung spielt das Grab jedoch für eine andere Gruppe von Angehörigen nur eine untergeordnete Rolle, da andere Orte für die Erinnerung an den Verstorbenen gewählt werden. Mithilfe des Internets ist es heute möglich, digitale Gedenkstätten für Angehörige einzurichten. Dort können Traueranzeigen gestaltet werden, oder beim Tod von bekannten oder auch nicht-bekannten Menschen kann den Angehörigen kondoliert werden. Auch dies kann für Angehörige ein Ort der Trauer und Erinnerung sein (vgl. ebd.).

Die Abwendung von der Religion hat zur Folge, dass es kein Orientierungssystem mehr gibt, das den Menschen für Fragen des Lebens und des Todes Hilfestellungen geben kann. Jeder Mensch muss selbst seinen Weg im Umgang mit dem Tod finden. Auch das Todesverständnis ändert sich, da der Tod nun nicht mehr als Übergang in eine andere Welt gesehen wird, sondern als das absolute Ende des Lebens. Daraus ergibt sich, dass das Leben so lange und so intensiv wie möglich erlebt werden soll und dass der Tod somit als Gegner angesehen wird (vgl. Jennessen, 2007, S. 7).

Heute findet die Verarbeitung der Trauer meist nur im Privaten statt. Dies war bis zum Ersten Weltkrieg nicht üblich. Zu dieser Zeit wurde der Verstorbene bis zum Tag der Beerdigung im Wohnhaus aufgebahrt, sodass sich Angehörige und Nachbarn verabschieden konnten. Mit dem Errichten von Leichenhallen verlor dieses Ritual kontinuierlich an Bedeutung, und heute werden nur noch circa fünf Prozent der Verstorbenen zu Hause aufgebahrt. Damit geht auch der Verlust von öffentlich sichtbaren Trauerritualen einher, die Menschen einen geeigneten Rahmen für die eigenen Emotionen boten. Dies lässt erneut den Rückschluss zu, dass der Tod aufgrund seiner Ausgrenzung aus dem gesellschaftlichen Leben stärker mit Angstgefühlen besetzt ist. Das Tragen schwarzer Trauerkleidung über den Tag der Bestattung hinaus ist heute nicht mehr üblich. Das hat zur Folge, dass Trauernde nicht mehr als solche wahrgenommen werden und dementsprechend weniger Rücksicht von ihren Mitmenschen erfahren (vgl. Jennessen, 2007, S. 6-12).

3.2. Medien

Wie bereits im vorhergehenden Kapitel dargestellt, findet eine Tabuisierung des Todes im gesellschaftlichen Leben statt. In den modernen Medien ist der Tod jedoch immer allgegenwärtig. In Radio, Fernsehen, Internet und Zeitung werden täglich Nachrichten von tödlichen Verkehrsunfällen, Toten bei Terroranschlägen oder Katastrophen, wie zum Beispiel dem Flugzeugabsturz im März 2015, verbreitet. Meist wird nur dann ausführlich von diesen Todesereignissen berichtet, wenn es viele Opfer gibt oder das Unglück in unmittelbarer Nähe geschehen ist. Die starke Präsenz des Todes in den Medien führt zu einem verzerrten Bild. Laut Everding sind 40 Prozent der sechs- bis zehnjährigen Kinder aufgrund ihrer Medienerfahrung der Meinung, dass Menschen durch ein Unglück oder Mord und nicht auf natürliche Weise sterben (vgl. Everding, 2005, S. 23). Die Darstellung des Todes unterscheidet sich in den Medien also sehr stark von der Realität des Sterbens. Der Tod wird oft als unschön, grausam und unwürdig dargestellt und in vielen Serien und Filmen auch benutzt, um Spannung aufzubauen (vgl. ebd. S. 24). Nur selten findet sich in der Medienlandschaft der friedliche Tod. Kinder und Jugendliche lernen durch die Medien einen anderen Tod kennen, und darum fehlt ihnen das Verständnis für den Tod in ihrer realen Alltagswelt. Mithilfe der Medien kann der Umgang mit dem Tod nicht erlernt werden, man muss den Tod selbst erleben und erfahren, um mit ihm umgehen zu können (vgl. ebd. S. 24). Sind Kinder und Jugendliche mit einem Unglücksfall konfrontiert, sollte ihnen geholfen werden, sich damit auseinanderzusetzen. Es sollten speziell aktuelle Ereignisse aufgegriffen werden, damit Kinder und Jugendliche sie verstehen und verarbeiten können (vgl. Arndt, 2008, S. 8-9). Es bleibt die Frage, ob die Häufigkeit und die Detailliertheit der Berichterstattung eine Auseinandersetzung mit dem Tod fördert. Dies kann verneint werden; auch wenn die heutige Gesellschaft täglich mit dem Thema Tod berieselt wird, findet doch keine persönliche Auseinandersetzung im Alltag statt. Die medialen Aufnahmen lösen keine tief greifende Betroffenheit aus, da es nur indirekte Begegnungen mit dem Tod sind. Die andauernde mediale Konfrontation mit dem Tod führt bei vielen Kindern zu erheblichen Verunsicherungen, Orientierungsproblemen und Ängsten und bewirkt eine gewisse Abstumpfung des Gefühls. Je mehr der Tod aus der normalen Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen - dazu gehören Familie, Angehörige, Bekannte, Kindergarten und Schule - verschwindet und nicht mehr thematisiert wird, desto mehr müssen Kinder und Jugendliche ihre Vorstellung vom Tod aus anderen Informationsquellen, wie zum Beispiel der medialen Darstellung, ableiten (vgl. ebd.).

3.3. Religionen

Die Religionen stellen für viele Menschen eine Hilfe für den Umgang mit dem Tod dar. Interessant ist es, einmal genauer zu betrachten, welche unterschiedlichen Todesvorstellungen und Rituale in den verschiedenen Religionen existieren.

Laut der Zahlen des statistischen Bundesamtes sehen die Religionszugehörigkeiten in Deutschland wie folgt aus: römisch-katholische Kirche 31,2 Prozent, evangelische Kirche 30,8 Prozent, jüdische Gemeinden 0,1 Prozent und konfessionsfreie Mitbürger 33 Prozent (vgl. Bayerisches Landesamt für Statistik, 2015).

Aufgrund dieser Zahlen wird im Verlauf dieses Kapitels eine genauere Auseinandersetzung mit dem Christentum, dem Judentum, dem Islam und auch mit den Vorstellungen der konfessionsfreien Mitbürger stattfinden. Es bleibt darauf hinzuweisen, dass die folgenden Darstellungen keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben, denn innerhalb jeder Glaubensrichtung gibt es auch immer wieder Abwandlungen im Umgang mit dem Tod.

3.3.1. Christentum

Wie bereits oben genannt, gehörten im Jahr 2011 62 Prozent der Bevölkerung dem Christentum an. Das Christentum als Oberbegriff kann grob in katholische, protestantische und orthodoxe Konfessionen eingeteilt werden. Christliche Menschen glauben an die Dreifaltigkeit des einen Gottes: an Gott den Vater, den Heiligen Geist und Jesus Christus.

Das ewige Leben, an das Christen glauben, findet in Form der Auferstehung statt. Ein Hinweis hierfür ist im Glaubensbekenntnis der Christen zu finden (vgl. Evangelische Kirche in Deutschland, 2015). Laut der historischen Überlieferungen hat Jesus Christus mit seinem Tod und seiner Auferstehung diesen Weg zu Überwindung des Todes frei gemacht.

Heute sterben sowohl Christen als auch konfessionsfreie Menschen in Krankenhäuser und Altenheimen. Früher war dies so nicht üblich; das Sterben eines christlichen Menschen fand traditionell im Kreis von Familie und Freunden zu Hause statt. Die Gemeinschaft der Gläubigen sollte ihren Kranken und Sterbenden beistehen. Es war also üblich, dass sich Familie, Freunde und Pfarrer beim Sterbenden versammelten, damit dieser nicht allein gelassen wurde. Nach dem Eintritt des Todes beteten die Anwesenden zusammen das Vaterunser, wuschen und bekleideten den Leichnam. Heute wird das Waschen und Bekleiden meist von Institutionen wie der des Bestatters übernommen.

Die Gestaltung von Trauerfeiern und Beerdigungen ist sehr stark abhängig von regionalen Bräuchen und praktischen Gegebenheiten. Bei einer Beerdigung treten die Trauernden an das offene Grab und nehmen ein letztes Mal Abschied. Sie werfen Blumen auf den Sarg und kondolieren den Angehörigen, wenn dies erwünscht ist. Oftmals wird etwas Erde auf den Sarg geworfen. Dieser symbolische Akt soll das Grabschaufeln verdeutlichen (vgl. Schwikart, 2010, S. 52).

Im Anschluss an die Beerdigung des Verstorbenen finden sich die Trauernden meist noch einmal zusammen, um gemeinsam an den Toten zu denken und über ihn zu reden. Üblicherweise wird bei christlichen Trauerfeiern Kleidung in schwarzer oder gedeckter Farbe getragen. Aufgrund der Inhalte des Glaubensbekenntnisses, des Vaterunsers und der Segensworte wird deutlich, dass der Tod bei den Christen als Voraussetzung für das ewige Leben akzeptiert wird.

Nach der Beerdigung wird der Verstorbenen meist an Geburts- und Todestagen gedacht, und die Angehörigen nehmen an Gottesdiensten teil und besuchen das Grab. Außerdem gibt es kirchliche Gedenktage für die Toten, wie zum Beispiel den Totensonntag bei den Protestanten und Allerseelen bei den Katholiken (vgl. Schwikart, 2010, S. 56). Der Friedhof wird seit dem Mittelalter um eine Kirche herum angelegt; davor war der Friedhof aus hygienischen Gründen außerhalb einer Siedlung anzufinden. Die Pflege und das Erscheinungsbild eines Grabes sind von Region zu Region unterschiedlich. In Deutschland wird das Grab meist regelmäßig besucht, mit Blumen bepflanzt und mit einem brennenden Licht geschmückt. (vgl. Schwikart, 2007, S. 57).

3.3.2. Judentum

2011 gehörten in Deutschland laut dem Zensus 0,1 Prozent der Bevölkerung dem jüdischen Glauben an. In Folge der historischen Begebenheiten sollte eine Auseinandersetzung mit den Einstellungen und Ritualen im Umgang mit dem Tod im Judentum stattfinden. Hinzu kommt, dass das Judentum zu den wichtigen monotheistischen Religionen gehört.

Der jüdische Glauben besagt, dass alle Gläubigen ihr Leben genießen und den Tod nicht fürchten sollen; jedoch soll ein gläubiger Jude immer dazu bereit sein, von Gott aus dem Leben gerufen zu werden. Um sich auf dieses Ereignis vorzubereiten, sollen gläubige Juden ein Testament schreiben, ein eigenes Grab kaufen und ihr eigenes Totenhemd zur Verfügung haben. Auf die Frage, was mit dem Menschen nach dem Tod geschieht, gibt es im Judentum keine einheitliche Antwort. Es wird jedoch immer wieder betont, dass fromme Juden ihren Gott bereits zu Lebzeiten verehren und zu ihm finden sollen (vgl. Schwikart, 2007, S. 23). Innerhalb der jüdischen Glaubensgemeinschaft sollen sich Juden gegenseitig helfen, wenn jemand aus ihrer Gemeinschaft verstorben ist. Ein Sterbender darf niemals allein gelassen werden, besonders dann nicht, wenn der Sterbende stark leiden muss. Die aktive Sterbehilfe wird im jüdischen Glauben abgelehnt, da dies als Untergrabung von Gottes Autorität betrachtet wird.

Ein Sterbender soll seine Sünden bereuen und sich zu Gott bekennen; dazu wird ihm das Schuldbekenntnis vorgetragen, das er, wenn es ihm möglich ist, mitsprechen soll. Nach dem Eintritt des Todes sprechen alle Anwesenden das „Schma Jsrael“, und die Angehörigen informieren im Anschluss daran die Beerdigungsbruderschaft der Gemeinde, die sich dann um die Toten kümmert, sie nach jüdischer Vorschrift wäscht, kleidet, einsargt und bestattet.

Bis zu seiner Bestattung ist der Verstorbene aufgrund der traditionellen Totenwache nie allein (vgl. Schwikart, 2007, S. 30). Meist findet die Bestattung zeitnah nach dem Versterben statt, dies ist jedoch in Deutschland nicht möglich, da laut gesetzlicher Vorschriften zwischen dem Versterben und der Bestattung eine Frist von mindestens zwei Tagen liegen muss. Der Leichnam darf nicht zerstört oder lange aufbewahrt, verbrannt oder einbalsamiert werden (vgl. Everding, 2005, S. 43). Üblicherweise findet eine Erdbestattung statt. Nach der Beerdigung beginnt für die gläubigen Juden die Trauerzeit, diese umfasst 40 Tage. Von diesen 40 Tagen verbringt man drei Tage mit Weinen, sieben Tage mit Klagen und 30 Tage mit dem Tauern. Ein Unterschied besteht, wenn Eltern um ihr verstorbenes Kind trauern. Ihnen ist es erlaubt, ein ganzes Jahr zu trauern. Verwandte, Freunde oder Nachbarn bereiten nach der Beerdigung meist die erste Mahlzeit für die Trauernden zu, damit diese nicht vergessen zu essen. Auf einem jüdischen Friedhof sind die Gräber von unbegrenzter Dauer und werden nur einmal belegt. An Feiertagen sind jüdische Friedhöfe geschlossen. Elf Monate nach der Beerdigung wird im Rahmen einer kleinen Zeremonie der Grabstein gesetzt. Traditionell wird beim Besuch eines jüdischen Grabes ein Stein auf den Grabstein oder das Grab gelegt. Dieses Ritual entstand dadurch, dass Steine auf die Blumen gelegt wurden, damit der Wind sie nicht wegwehen konnte. Schließlich verwesten die Blumen und was zurückblieb, waren die Steine, die auch nach Jahren noch an ihrem Platz lagen. Heute findet man auf jüdischen Gräbern nur noch Steine (vgl. Schwikart, 2007, S. 36).

3.3.3. Islam

Laut einer Studie, die im Jahr 2008 vom Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge durchgeführt wurde, wird die Anzahl der Muslime, die in Deutschland leben, auf 3,8 bis 4,2 Millionen Menschen geschätzt (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2015).

Im Islam glauben die Menschen daran, dass Ort und Zeitpunkt ihres Todes schon vor ihrer Geburt von Gott bestimmt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen sie drei Stationen zu Gott durchlaufen. Diese Stationen sind die Geburt, das Leben und der Tod (Schwikart, 2007, S. 78). Der Tod an sich ist nicht negativ behaftet, denn die Menschen gelangen dadurch in die Obhut ihres Gottes. Nach dem Tod treten sie ins Paradies oder in die Hölle ein. In welche Richtung sie geschickt werden, entscheiden Todesengel in einem ersten und zweiten Zwischengericht.

Laut Schwikart wird im Islam, ähnlich wie im jüdischen Glauben, der Sterbende nicht allein gelassen und es wird mit ihm gebetet. Wenn es möglich ist, wird der Sterbende auf die rechte Körperseite gedreht und das Gesicht sollte möglichst Richtung Mekka ausgerichtet sein. Nach dem Versterben wird der Mund geschlossen und zugebunden und auch die Gliedmaßen werden fest umwickelt, sodass der Verstorbene eine gerade Form behält. Anschließend wird der Leichnam mit einem Tuch zugedeckt (vgl. Schwikart, S. 33-35).

Die Bestattung erfolgt traditionell in drei Schritten. Zunächst wird der Verstorbene gewaschen, danach erfolgen Totengebete und anschließend die Beisetzung. Die Feuerbestattung ist im Islam untersagt, weil es den Menschen nicht erlaubt ist, zu zerstören, was Gott geschaffen hat (vgl. ebd. S. 85).

Die Bestattung sollte zeitnah nach Eintritt des Todes erfolgen, aber in Deutschland ist dies, wie bereits erwähnt, aufgrund von gesetzlichen Regelungen erst nach einer Zeit von 48 Stunden möglich (vgl. Everding, 2005,S. 43).

Schwikart stellt dar, dass die rituelle Waschung bei verstorbenen Männern nur von Männern durchgeführt wird und bei verstorbenen Frauen nur von Frauen. Nach dieser Reinigung wird der Verstorbene in weiße Tücher gewickelt und diese werden mit Stoffstreifen zugebunden. In diesem Leichentuch findet die Bestattung statt. Der Verstorbene wird auf eine Tragbahre gelegt und so zum Ort des Totengebetes getragen, das entweder in der Moschee oder direkt auf dem Friedhof stattfindet. Beim Tragen der Toten wechseln sich die Angehörigen ab, da dies als sehr verdienstvoll angesehen wird. Auch während des Totengebets wird das Gesicht des Toten in Richtung Mekka ausgerichtet. Das anschließende Begräbnis wird ausschließlich von Männern vollzogen, das bedeutet, dass Frauen höchstens aus einiger Entfernung am Begräbnis teilnehmen können. Im Grab wird das Gesicht des Toten auch Richtung Mekka ausgerichtet (vgl. Schwikart, S. 86-88).

Nach der Bestattung sind Trauern und Weinen erlaubt, jedoch wird eine Totenklage abgelehnt. Drei bis sieben Tage nach dem Tod sind für die Angehörigen als intensive Trauerzeit vorgesehen, in der sie verschiedene Aufgaben zu erfüllen haben und Freunde zu Beileidsbesuchen vorbeikommen, um mit den Angehörigen zu trauern. Bis zum vierzigsten Tag nach dem Tod sollen die trauernden Angehörigen gedeckte Farben tragen und alle Spiegel im Haus verhängen, jedoch darf die Trauer nicht zu sehr in die Öffentlichkeit getragen werden. Mit einer Zeremonie und dem Besuch auf dem Friedhof wird die Trauerzeit nach 40 Tagen beendet (vgl. Schwikart, S. 88).

Gläubige Muslime werden nicht zusammen mit Menschen eines anderen Glaubens begraben. Darum gibt es in Deutschland eigens eingerichtete Grabfelder auf Friedhöfen, die auch nach Mekka ausgerichtet sind. Sollte diese Art der Bestattung nicht möglich sein, werden die Verstorbenen in ihre Heimatländer überführt.

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Details

Titel
Der Umgang mit Tod in der Schule
Untertitel
Aus der Sicht von Klassenlehrerinnen und -lehrern in der Sekundarstufe I
Hochschule
Universität Paderborn
Autor
Jahr
2015
Seiten
74
Katalognummer
V307316
ISBN (eBook)
9783668056329
ISBN (Buch)
9783668056336
Dateigröße
661 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umgang, schule, sicht, klassenlehrerinnen, sekundarstufe
Arbeit zitieren
Friederike Becker (Autor), 2015, Der Umgang mit Tod in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307316

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