Anthony McCartens "Superhero" als Adolszenzroman

Eine Analyse


Hausarbeit, 2014
20 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Adoleszenz - Adoleszenzroman
2.1 Definition Adoleszenz
2.2 Adoleszenzroman
2.2.1 Definition Adoleszenzroman
2.2.2 Abgrenzung des Adoleszenzromans zu verwandten Gattungen
2.3 Kennzeichen für den Adoleszenzroman

3. Erzählanalyse
3.1 Faktuales vs. Fiktionales Erzählen
3.2 Figurenanalyse
3.3 Zeit
3.3.1 Formen der Erzählgeschwindigkeit
3.3.2 Ordnung
3.4 Stimme
3.5 Symbolik

4. Handelt es sich bei Superhero um einen Adoleszenzroman?

5. Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„´Haarlos, augenbrauenlos, klapperdürr, ein wandelndes Kondom´: Sieht so ein Superheld aus? Wenn er 14 ist, an Leukämie leidet und in Anthony McCartens Roman auftritt, schon. Gestatten, Donald: die faszinierendste Figur dieser Büchersaison“ (Haas, Spiegel Online 2007). Mit diesen Worten leitet Daniel Haas seinen Artikel im „Spiegel Online“ über den Roman „Superhero“ ein. Daher stellt sich auch uns die Frage: Wie kann ein vierzehnjähriger Leukämiepatient ein Superheld sein? Um vom krebskranken Jungen zum Superhelden zu werden, ist auf jeden Fall ein Entwicklungsprozess bzw. eine Reifezeit zu durchleben. Schlägt man den Begriff „Reifezeit“ im Duden nach, taucht als Synonym der Terminus „Adoleszenz“ auf.

Daher werden wir uns in dieser Ausarbeitung mit dem Begriff der „Adoleszenz“ tiefgreifender auseinandersetzen und zudem auch die hieraus resultierende Gattung des „Adoleszenzromans“ ergründen. Dazu wird zum einen eine Definition hierfür gegeben, sowie eine Abgrenzung zu benachbarten Gattungen des Adoleszenzromans vorgenommen. Darüber hinaus werden die Kennzeichen für einen Adoleszenzroman dargestellt, die für den weiteren Verlauf dieser Ausarbeitung eine wichtige Rolle einnehmen.

Im Anschluss erfolgt die Durchführung einer Erzählanalyse anhand des Romans „Superhero“ von Anthony McCarten. Dazu werden wir uns dem faktuales vs. fiktionales Erzählen, den Figuren, der Zeit, der Stimme und der Symbolik widmen.

Am Ende liegt der Fokus auf den zuvor genannten Kennzeichen des Adoleszenzromans, um herauszustellen, ob es sich bei dem Roman „Superhero“ um einen Adoleszenzroman handelt. Für diese Herausstellung spielen auch die einzelnen Punkte der Erzählanalyse eine bedeutende Rolle.

2. Adoleszenz - Adoleszenzroman

In diesem Kapitel wird auf die Begrifflichkeiten „Adoleszenz“ und „Adoleszenzroman“ näher eingegangen, um für den weiteren Verlauf dieser Ausarbeitung eine Grundlage zu stellen. Dazu werden auch die Kennzeichen eines Adoleszenzromans eine bedeutende Rolle spielen.

2.1 Definition Adoleszenz

Um auf die folgenden Unterpunkte dieses Kapitels eingehen zu können, wird vorab eine Definition für den Terminus „Adoleszenz“ gegeben.

Unter Adoleszenz ist im Allgemeinen die Phase zwischen einsetzender Pubertät und dem Erwachsensein zu verstehen (vgl. Debicki 2002, S. 17). Aufgrund seiner Komplexität lässt sich der Begriff der Adoleszenz in drei Aspekte untergliedern. Die Definition für die psychologischen, die soziologischen und die physiologischen Aspekte der Adoleszenz (vgl. ebd.).

Der psychologische Aspekt der Adoleszenz beinhaltet das Gefüge „individueller Vorgänge, die das Erfahren, die Auseinandersetzung und die Bewältigung somatischer und sozialer Veränderung betreffen, wobei psychosozialen Faktoren eine besondere Rolle zukommt“ (Gansel 2000, S. 360).

Die soziologische Perspektive umfasst die Adoleszenz als eine Phase des Übergangs, in der die Jugendlichen „zu einer verantwortungsvollen, aktiven Teilnahme an gesellschaftlichen Prozessen motiviert werden, eine institutionelle Absicherung“ (ebd.) ist allerdings nicht vorgesehen.

Sieht man die Adoleszenz aus physiologischer Sicht, umfasst sie „alle körperlichen Veränderungen, wobei die Entwicklung des Körpers und der sexuelle Reifungsprozess besonders berücksichtigt werden müssen“ (Debicki 2002, S. 17).

2.2 Adoleszenzroman

Da der Terminus „Adoleszenz“ unter Berücksichtigung der drei verschiedenen Aspekte definiert ist, wird in diesem Unterpunkt auf die aus der Adoleszenz heraus entstandenen Romane eingegangen. Dazu wird auch hierfür eine Definition gegeben und eine Abgrenzung in Hinblick auf verwandte Gattungen vorgenommen.

2.2.1 Definition Adoleszenzroman

Der Adoleszenzroman ist eine Gattung des Jugendromans, die in den 70er Jahren entstanden ist. Diese Gattung beschäftigt sich mit dem Innenleben des Romanhelden, sowie dessen psychosozialen Entwicklung in der Phase der Adoleszenz (vgl. Debicki 2002, S. 6).

Die Etablierung der Gattungsbezeichnung „Adoleszenzroman“ im Literatursystem fand erst in der Kinder- und Jugendliteratur und der Allgemeinliteratur in den 80er Jahren statt (vgl. Gansel 2000, S. 359). Erst zu Beginn der 90er Jahre hat sich diese Gattungsbezeichnung erfolgreich in Deutschland etabliert (vgl. ebd.).

2.2.2 Abgrenzung des Adoleszenzromans zu verwandten Gattungen

Um die Definition des Adoleszenzromans präziser zu gestalten, ist eine Abgrenzung zu den benachbarten Gattungen Bildungs-, Erziehungs- und Entwicklungsroman von großer Bedeutung, um dem Adoleszenzroman eine angemessene Positionierung im literarischen Gefüge einzuräumen (vgl. Lange 2000, S. 2).

Eine eindeutige Grenze zwischen diesen drei Gattungen ist nicht exakt vorhanden, da ihre Übergänge von fließender Bewegung sind (vgl. ebd.). Laut Gerhard Mayer ist die Hypothese des Bildungsromans „die Idee von der Bildsamkeit des Individuums, sich im Verlaufe seines Lebens in ´Auseinandersetzung mit den Anforderungen der Umwelt zu personalen Identität, zum Bewußtsein der Konsistenz und Kontinuität des Ichs zu entwickeln´“ (Mayer 1992, S. 19). Im Fokus des Bildungsromans steht die Entwicklung des Protagonisten, die als „gesetzmäßger Prozess“ (Lange 2000, S. 7) dargestellt wird.

Der Entwicklungsroman ist dem Ganzen übergeordnet und wird von Mayer als „quasi-überhistorischer Aufbautypus“ (Mayer 1992, S. 411) betitelt. Die Entwicklung des Protagonisten wird als Weg und Ziel angesehen, die jeweils von der Kultur und Epoche geprägt ist (vgl. Lange 2000, S. 7). Während der Bildungsroman sich auf eine bestimmte Phase des Lebens bezieht, umfasst der Entwicklungsroman gegebenenfalls das gesamte Leben des Protagonisten (vgl. ebd.).

Im Erziehungsroman hingegen ist eine starke Ausprägung der didaktischen Dimension im Vergleich zu den beiden vorherigen Gattungen ersichtlich (vgl. ebd.). „Der Erziehungsroman gestaltet einen durch einen ‚Mentor geleiteten Erziehungsprozess und beschreibt dabei die Wirkung pädagogischer Maßnahmen und Grundsätze am exemplarischen Beispiel“ (Lange 2000, S. 7). Diese Gattung hebt sich auch deutlich von den anderen beiden ab, da der Fokus nicht auf dem Protagonisten liegt, sondern „Zögling und Erzieherfigur“ (ebd.) auf gleicher Ebene angeordnet sind (vgl. ebd.).

2.3 Kennzeichen für den Adoleszenzroman

Nachdem nun eine genaue Definition für den Adoleszenzroman und eine Abgrenzung zu benachbarten Gattungen gegeben ist, wird im Folgenden auf die Kennzeichen des Adoleszenzromans eingegangen.

Dass die Zeit der Adoleszenz in der heutigen Gesellschaft von immer größerer Bedeutung ist und daher auch die Problematik in Bezug hierauf zunimmt, stellt die Jugendsoziologie aufgrund von Untersuchungen fest (vgl. Lange 2000, S. 8). Der von der Adoleszenz betroffene Personenkreis ist zunehmend auf sich selbst gestellt und auch die Familie bietet nicht mehr das ´soziale Auffangnetz´ für diese Personen (vgl. ebd.). Die Entwicklungspsychologen Eva Dreher und Rolf Oerter haben daher eine Darstellung der Adoleszenz in Hinblick auf ihre Entwicklungsaufgaben vorgenommen und dabei folgende Kriterien herausgestellt:

„ - Aufbau eines Freundeskreises: Zu Altersgenossen beiderlei Geschlechts werden neue, tiefere Beziehungen hergestellt.

- Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung: Veränderung des Körpers und des eigenen Aussehens annehmen.
- Sich das Verhalten aneignen, das man in unserer Gesellschaft von einem Mann bzw. einer Frau erwartet.
- Aufnahme intimer Beziehungen zum Partner (Freund / Freundin).
- Von den Eltern unabhängig werden bzw. sich vom Elternhaus loslösen.
- Wissen, was man werden will und was man dafür können (lernen) muss.
- Vorstellungen entwickeln, wie der Partner und die zukünftige Familie sein sollen.
- Über sich selbst im Bild sein: Wissen, wer man ist und was man will.
- Entwicklung einer eigenen Weltanschauung: Sich darüber klar werden, welche Werte man hoch hält und als Richtschnur für eigenes Verhalten akzeptiert.
- Entwicklung einer Zukunftsperspektive: Sein Leben planen und Ziele ansteuern, von denen man glaubt, dass man sie erreichen kann.“ (Oerter/Dreher 1998, S. 329).

Ein Grund für die starke Veränderung des Musters der Adoleszenz ist die gesellschaftliche Entwicklung, sodass die Adoleszenz zwei Positionen einnimmt (vgl. Lange 2000, S. 8). „Auf der einen Seite [nimmt sie] einen viel größeren Lebenszeitraum ein […]. Auf der anderen Seite hat sich ein neuer Rhythmus […] ergeben […]“ (ebd.).

3. Erzählanalyse

3.1 Faktuales vs. Fiktionales Erzählen

Laut Martinez/Scheffel ist die faktuale Erzählung das Berichten von realen Vorgängen, also „z. B. die im Wörterbuch genannte Erzählung von einer Reise, der Zeitungsbericht über einen Verkehrsunfall oder die Biographie einer historischen Person (Martinez/Scheffel 2007, S. 10).

Diese Art und Weise des Erzählens von authentischen, historischen Geschehnissen und Individuen bezeichnet Martinez/Scheffel als „faktuale Erzählung“ (vgl. ebd.).

Dem faktualen Erzählen steht das fiktionale Erzählen gegenüber. Martinez/Scheffel definiert fiktionales Erzählen wie folgt: „Die Werke der Dichter sind fiktional in dem Sinne, daß sie grundsätzlich keinen Anspruch auf unmittelbare Referenzialisierbarkeit, d. h. Verwurzelung in einem empirisch-wirklichen Geschehen erheben; wovon sie handeln, das ist - mehr oder minder - fiktiv“ (ebd. S. 13). Hierbei ist eine Differenzierung zwischen ´fiktional´ und ´fiktiv´ vorzunehmen. ´Fiktional´ ist die Bezeichnung für den pragmatischen Status einer Rede (vgl. ebd.) und ist das Antonym zu ´faktual´. Währenddessen ´fiktiv´ die Bezeichnung für den ontologischen Status einer Rede und das Antonym zu ´real´ ist (vgl. ebd.).

Diese Definition für fiktionales Erzählen lässt sich auch auf unseren Roman „Superhero“ anwenden. Noch vor dem Inhaltsverzeichnis zu diesem Roman heißt es: „Dieser Roman ist frei erfunden. Ebenso frei erfunden sind Namen, Personen, Orte und Handlungen. Irgendwelche Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, Orten, Institutionen oder mit Personen, seien sie lebend oder tot, sind rein zufällig“ (McCarten 2007, S. 4). An diesem Zitat ist erkennbar, dass es sich um ein fiktives Geschehen handelt und die Begebenheiten in diesem Roman nicht in einem empirisch-realen Geschehnis verankert sind.

Zudem äußert Martinez/Scheffel, dass das fiktive Geschehen seinen eigenen Regeln folgt und sich ein eigenes Realitätssystem aufbaut (vgl. Martinez/Scheffel 2006, S. 19). Dieses selbst erbaute Realitätssystem ist auch im Klappentext in „Superhero“ wahrzunehmen, in dem es heißt: „Willkommen in Donald Delpes Welt…“ (McCarten 2007). An diesen ersten Zeilen des Klappentextes ist die Aufnahme in eine andere Welt, eine andere Realität, zu erkennen.

3.2 Figurenanalyse

Die Figuren eines Romans haben eine tragende Aufgabe eine Handlung klar und verständlich zu machen. Zwar können die Figuren auch als Menschen dargestellt werden, trotzdem nennt man sie Figuren eines Romans, denn sie sind fiktiv (vgl. Schneider 2006, S. 17). In einem Roman können viele verschiedene Figuren auftreten, die in Beziehung zueinander stehen (vgl. ebd.). Die Beschreibung dieser Beziehungen nennt man Figurenkonstellation (vgl. ebd.). Mit Figurenkonstellation ist einerseits die emotionale Beziehung zueinander gemeint, andererseits aber auch die räumliche Verteilung (vgl. ebd.). Die Beziehung unter den Figuren ist nicht festgeschrieben, sondern sie kann während der Handlung variieren und unterzieht sich demnach einer Entwicklung (vgl. ebd.). Besonders diese Entwicklung ist interessant für den Leser, denn dadurch kann er den Handlungskontext besser verstehen (vgl. ebd.).

Um solch ein Beziehungsgeflecht zu deuten ist zunächst die Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenfiguren wichtig. In dem uns vorliegenden Roman „Superhero“ von Anthony McCarten werden uns verschiedene Charaktere präsentiert. Einerseits haben wir Donald Delpe, einen vierzehn Jährigen Jungen, der als mager und blass bereits auf der ersten Seite des Romans beschrieben wird. (vgl. McCarten 2007, S.11). Er ist krebskrank und versucht sich das Leben zu nehmen, weil er sich bewusst ist, dass er bald aufgrund seiner Krankheit sterben muss (vgl. ebd., S.38). Donald liebst es zu zeichnen, besonders Comics. Er arbeitet an einem Comic in der die Hauptfigur MiracleMan ist (vgl. ebd., S.50). MiracleMan ist ein Superheld, der die Welt vor dem bösen Mr. Gummifinger beschützen soll (vgl. ebd., S.50). Für Donald ist es wichtig, dass der Superheld menschliche Züge hat. Er ist ein Realist und hasst Beschönigungen (vgl. ebd.).

Eine weitere Figur, die eine tragende Rolle in diesem Roman spielt, ist Adrian King (vgl. ebd., S. 40). Er ist ein ca. fünfzigjähriger Psychologe, der in Porthmouth geboren wurde, sehr kunstbewandert ist und nach außen hin wirkt, als wäre er aufgrund seiner aufopfernden Art sehr glücklich in seinem Leben (vgl. ebd.). Dieser Schein trügt allerdings, denn Adrian ist in Wirklichkeit sehr unzufrieden mit seiner Lebenssituation und seinem Charakter, hierzu trägt auch die Beziehung zu seiner Frau Sophie bei (vgl. ebd., S.41). Donald und Adrian bauen im Laufe des Romans eine besondere Beziehung zueinander auf. Sie beeinflussen sich in ihrer Entwicklung gegenseitig. Beide Charaktere durchlaufen einen Entwicklungsprozess. Zunächst wirkt es aber nur so, dass Adrian King, Donald als Therapeut nach seinem Selbstmordversuch behandeln soll (vgl. ebd., S. 47).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Anthony McCartens "Superhero" als Adolszenzroman
Untertitel
Eine Analyse
Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,3
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V307372
ISBN (eBook)
9783668283824
ISBN (Buch)
9783668283831
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anthony, mccartens, superhero, adolszenzroman, eine, analyse
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Anthony McCartens "Superhero" als Adolszenzroman, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307372

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