Stereotype Weiblichkeitsvorstellungen in Thomas Manns Roman "Die Buddenbrooks"

Eine Analyse


Seminararbeit, 2015

10 Seiten, Note: 1, 00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Frauentypen nach Bettina Pohle
2.1. Diebrave Ehefrau
2.2. DieFemme fragile
2.3. DieFemme fatale

3. Analyse der Frauenfiguren im RomanBuddenbrooks
3. 1. Antoinette Buddenbrook
3. 2. Elisabeth Buddenbrook
3.3. Antonie (Tony) Buddenbrook (später Grünlich, danach Permaneder)
3.4. Clara Buddenbrook (später Tiburtius)
3.5. Gerda Buddenbrook

4. Schlussfolgerung

5. Quellennachweis:

In dieser Seminararbeit werde ich die stereotypen Weiblichkeitsvorstellungen um 1900 im Thomas Manns RomanBuddenbrooks:Verfall einer Familiedarstellen. Dabei werde ich als Sekundärliteratur die MonographieKunstwerk Frau. Inszenierungen von Weiblichkeit in der Modernevon Bettina Pohle benutzen.

1. Einleitung

Buddenbrooks ist ein der größten Werke Thomas Manns. Das Werk besteht aus elf Teilen und befasst sich mit der Künstlerproblematik im Format einer Familienchronik. Dieser Roman schildert nicht nur den Niedergang von der Familie Buddenbrook, sondern auch die weiblichen Vorstellungen dieser Zeit. Mit den weiblichen Vorstellungen um 1900 hat sich auch Bettina Pohle in ihrem Werk Kunstwerk Frau. Inszenierungen von Weiblichkeit in der Moderne befasst. In dieser Monografie kann man folgende Weiblichkeitstypen finden, die auch im Roman Buddenbrooks vorkommen: die brave Ehefrau, die Femme fragile und die Femme fatale.

2. Frauentypen nach Bettina Pohle

2.1. Diebrave Ehefrau

Am Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Frauen ziemlich beschränkte Gesellschaftsrollen – die Ehefrau, Hausfrau und Mutter. „Die brave Ehefrau ist die gehorsame Ehefrau, […]. Mit ihrer Unterschrift unter den Ehevertrag übernimmt die Ehefrau nicht nur den Namen des Mannes, sie wird zugleich ein Teil seiner Existenz und schuldet ihm, dem Versorger, ganz ähnlich wie das Kind den Eltern, Dankbarkeit und Gehorsam.“[1] Wegen der fehlenden Schulung und Ausbildung und der Tatsache, dass der Mann für materielle und gesellschaftliche Absicherung seiner Frau sorgt, waren die Frauen ihren Männern untertänig. Die unverheiratete oder verwitwete Frau wird als Sozialfall betrachtet, weil sie nicht finanziell abgesichert ist und, weil sie die wichtigste weibliche Rolle nicht erfüllen kann. Es wird auch die Aufgabe der Frau als Mutter betont. Die Ehe und das Kinderkriegen wurden zum einzigen Ziel der Frauen. Deshalb entwickelte sich der so genannte „Eheberuf“ – dabei konnte nicht von der gegenseitigen Liebe die Rede sein, es ging nur um rechtlich festgelegte Verpflichtung. Am Ende des 19. Jahrhunderts ist der „erotische Wahn“ das etablierte Krankheitsbild der Frauen geworden. Man glaubte, dass das Verhalten der Frau von ihrem Unterleib diktiert wurde – deshalb hatten die Frauen Symptome wie Stimmverlust, Erstickungsanfälle, Angstzustände und das wirksamste Heilmittel dagegen war die Eheschließung und Schwangerschaft. Die Frau ist von der Krankheit gerettet erst wenn sie ihrem Mann unterstellt ist und das Gebären, ihre eigentliche Funktion, erfüllt. Die Mutterschaft und Ehe sind die Dogmen, die das weibliche Leben mit Sinn erfüllen.

2.2. DieFemme fragile

Für eine Frau, die der mittleren oder oberen Bürgerschicht gehört, ist es aufgrund ihrer körperlich und geistig labialen Konstitution normal, dass sie in ihrem Zuhause die Diener hat und von ihnen ständig umsorgt wird. Der Begriff „Krankheit Frau“ steht für die weiblichen Eigenschaften – sie sind zerbrechlich, zierlich, schwach, kränklich. Durch diese kränkliche Verfassung sind Frauen dem politischen und sozialen Leben entzogen und damit sind sie „unschädlich“ gemacht, weil ihre Aktivität auf die häusliche Privatsphäre beschränkt ist. Da für die Frauen eine starke Passivität charakteristisch ist, werden sie als gesellschaftliches Ornament betrachtet. Die Frau war „rein“, solange sie ihren Aufgaben als treue Ehefrau, sorgende Mutter und gesellschaftliches Dekorationsobjekt nachkam, so Bettina Pohle.[2]

2.3. DieFemme fatale

Die Femme fatale ist eine selbstständige, völlig unabhängige Frau, die besonders attraktiv und verführerisch ist. Sie ist eine dämonische, raubtierhafte und todbringende Kreatur, die mit Sexualität identifiziert wird. Die männlichen Partner macht sie zu Objekten und damit verstößt sie gegen die patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen. Die Femme fatale kann nicht die eigene Ehefrau sein, weil die eigene Ehefrau der Autorität ihres Mannes unterworfen ist. Die Femme fatale ist alleinstehend, verwitwet oder geschieden, aber sie kann auch die Ehefrau eines anderen Mannes sein. Die Sexualität benutzt sie nur für ihre eigenen Bedürfnisse, sie hat nichts zu tun mit der Rolle der Mutter.

3. Analyse der Frauenfiguren im RomanBuddenbrooks

3. 1. Antoinette Buddenbrook

Antoinette Buddenbrook ist die zweite Ehefrau von Johann Buddenbrook dem Älteren. Sie wurde als Antoinette Duchamps geboren und stammt aus einer hochangesehenen Hamburger Familie. Großväterlicherseits stammte sie aus einer französisch-schweizerischen Familie. Ihre französische Herkunft kann man auch an ihrer Sprechweise erkennen – sie hatte einen französischen Akzent und benutzte oft französische Phrasen. Von äußerer Erscheinung „war sie eine korpulente Dame mit dicken weißen Locken über den Ohren, einem schwarz und hellgrau gestreiften Kleide ohne Schmuck, das Einfachheit und Bescheidenheit verriet, und mit noch immer schönen und weißen Händen, in denen sie einen kleinen, sammetnen Pompadour auf dem Schoße hielt.“[3] Antoinette Buddenbrook war bis zuletzt rüstig gewesen und hat mit ihrem Mann und ihren Kindern an allen wichtigen Abendessen teilgenommen. Eines Tages ist sie aber an Darmkatarrh erkrankt. Nach der zweiwöchigen Krankheit „hatte Madame Buddenbrook ihren letzten, ganz kurzen und kampflosen Seufzer getan.“[4] In die Ehe mit Johann Buddenbrook ist sie aus materiellen Gründen eingegangen. An der Situation, in der französische Truppen ihr Silberzeug stehlen, kann man erkennen, wie wichtig ihr die materiellen Sachen sind. „Sie stehlen meine Löffel, meine silbernen Löffel, das ist passiert, Wunderlich, und ich gehe in die Trave!“[5] Antoinette Buddenbrook lebte mit ihrem Mann ein respektvolles Leben, sie kümmerte sich um ihre Kinder, um den Haushalt und unterstützte ihren Mann bei seiner Arbeit und Führung der Firma. Man könnte sie als eine brave Ehefrau bezeichnen – sie war ihrem Mann gehorsam, schenkte ihm zwei Nachkommen und kümmerte sich um den Haushalt. Der Familie Buddenbrook hat sie keine Schaden verursacht, mit ihrem Verhalten hat sie diese Familie nur positiv beeinflusst.

3. 2. Elisabeth Buddenbrook

Elisabeth Buddenbrook (auch Bethsy genannt) stammt aus der Familie Kröger und ist die Ehefrau von Jean Buddenbrook, dem Sohn von Johann Buddebrook. Mit dieser Ehe kommt sie in die Elite dieser Stadt. Mit ihrem Mann hat sie drei Kinder – Thomas, Tony, Christian, und später kommt auch Clara an die Welt. Da sie zur Elite gehörte, musste auch ihre äußere Erscheinung dementsprechend sein. „Sie war, wie alle Krögers, eine äußerst elegante Erscheinung […] Ihr kurzes Mieder mit hochgepufften Ärmeln, an das sich ein enger Rock aus duftiger, hellgeblümter Seide schloß, ließ einen Hals von vollendeter Schönheit frei, geschmückt mit einem Atlasband, an dem eine Komposition von großen Brillanten flimmerte.“[6] Sie hatte rötliches Haar, das ständig in breiten künstlichen Locken frisiert war, etwas zu lange Nase und einen kleinen Mund. Ihr Aussehen war ihr das ganze Leben lang sehr wichtig und sie hat entschlossen, nie alt auszusehen. Deshalb hat sie auch ihre Haare gefärbt und eine Perücke getragen, was sich erst am Ende ihres Lebens feststellt. Konsulin Buddenbrook versucht ihre Familie und die Firma aufs Beste zu repräsentieren und damit kommt sie gut fort. Da sie aus einer wohlhabenden Familie kommt, ist sie an Luxus gewöhnt und man könnte sagen, dass sie ein bisschen verwöhnt ist. Das kann man an der Situation erkennen, als sie ihren Mann bittet, um noch einen Bedienten einzustellen, wobei er ihren Wunsch erfüllt. „‘Sollten wir wirklich einen Bedienten nicht erschwingen können?‘ fragte die Konsulin lächelnd, indem sie ihren Gatten mit seitwärts geneigtem Kopfe anblickte. ‘Wenn ich an das Personal meiner Eltern denke…‘“[7] Nach dem Tod ihres Mannes widmet sie sich der Religion und organisiert zahlreiche religiöse Treffen. Sie ist die Person, die die ganze Familie zusammenhält und sehr oft trifft sie zusammen mit ihrem Sohn Thomas wichtige Entscheidungen, die Familie oder Firma betreffen. Das Verhältnis zu ihren Kindern ist sehr unterschiedlich. Ihre Tochter und ihre Eheprobleme versteht sie und erlaubt immer, dass Tony ins Familienhaus zurückkommt, obwohl das nicht gut für das Ansehen der Familie ist. Thomas, der nach dem Tod seines Vaters das Familien- und Firmenoberhaupt ist, darf selbst die Entscheidungen treffen und seine Mutter ist ihm untertänig. Nur einmal trifft sie eine wichtige Entscheidung, ohne dass sie sich vorher mit Thomas konsultiert hat – nach Claras Tod gibt sie Claras Erbe ihrem Mann. Elisabeths Benehmen zu Christian könnte man als Ertragen bezeichnen. Sie akzeptiert sein Lebensstil nicht und sie sind ständig im Konflikt. Diese Auseinandersetzung zwischen zwei Söhnen ist in ihrem Verhalten leicht bemerkbar. Elisabeth Buddenbrook ist, ähnlich wie Antoinette Buddenbrook, eine brave Ehefrau. Sie unterstützt ihren Mann, und später ihren Sohn, in Firma- und Familienleitung, sorgt um das Ansehen der Familie und schließlich, hält die ganze Familie zusammen. Ihr einziger Fehler ist, dass sie Claras Erbe ihrem Mann gegeben hat, weil das der Firma noch größere Finanzprobleme vorbereitet hat.

[...]


[1] Bettina Pohle,Kunstwerk Frau. Inszenierungen von Weiblichkeit in der Moderne,S. 19

[2] Bettina Pohle,Kunstwerk Frau. Inszenierungen von Weiblichkeit in der Moderne,S. 60

[3] Thomas Mann,Buddenbrooks,S. 8

[4] Thomas Mann,Buddenbrooks,S. 70

[5] Thomas Mann,Buddenbrooks,S. 25

[6] Thomas Mann,Buddenbrooks,S. 9

[7] Thomas Mann,Buddenbrooks,S. 77

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Stereotype Weiblichkeitsvorstellungen in Thomas Manns Roman "Die Buddenbrooks"
Untertitel
Eine Analyse
Hochschule
Sveučilište u Zagrebu
Veranstaltung
Seminar zur deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts
Note
1, 00
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V307375
ISBN (eBook)
9783668057463
ISBN (Buch)
9783668057470
Dateigröße
840 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buddenbrooks, Weiblichkeitsvorstellungen, STereotype, Literaturanalyse, femme fatale, femme fragile, Charaktere, Bettina Pohle, Weiblichkeit in der Moderne, Weiblichkeitsbild 1900
Arbeit zitieren
Martina Orsag (Autor), 2015, Stereotype Weiblichkeitsvorstellungen in Thomas Manns Roman "Die Buddenbrooks", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307375

Kommentare

  • Gast am 10.6.2016

    nutzlos

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Titel: Stereotype Weiblichkeitsvorstellungen in Thomas Manns Roman "Die Buddenbrooks"



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